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Ferruccio Busoni

(1866 - 1924)

 
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The Operas of Ferruccio Busoni

 


TURANDOT


Eine chinesische Fabel nach Gozzi
in zwei Akten


Wörte und Musik
FERRUCCIO BUSONI

Altoum, Kaiser
Turandot, seine Tochter
Adelma, ihre Vertraute
Kalaf
Barak, sein Getreuer
Die Königinmutter von Samarkand, eine Mohrin
Traffaldino, Haupt der Eunuchen
Pantalone
Tartaglia



Akt I
Akt II



Erster Akt

Erstes Bild

1. INTRODUKTION UND SZENE

Kalaf
(sprengt herein vor das Tor)
Peking! Stadt der Wunder! Verheißungsvolle!
Hier soll mein Los sich wenden!
Rüste dich, meine Seele, Hoffnung steigt
und blühe!
Aus dem Taumel der Straße, den
heimlichen Kammern,
winkt tausendhändig der Zauber;
Ich wittere das Außerordentliche
Peking! Sonne der Welt!

Barak
(tritt neugierig vor)
Wie, ist das nicht mein Prinz Kalaf?

Kalaf
Den Mann sollt' ich kennen Barak?

Barak
Mein Prinz,
(schluchzend)
o, o, o, o!

Kalaf
Du hier?

Barak
Ihr am Leben!

Kalaf
Still! Sprich meinen Namen nicht laut.
Berichte!

Barak
O, o, o, o!

Kalaf
Berichte!

Barak
Herrlich war die entscheidende Schlacht,
doch leider für uns verloren;
euch, euren Vater, den König glaubt' ich tot;
ich floh,
(geht in das Gesprochene über)
Treu' im Herzen, Flügel an den Beinen,
und über Chinas Mauer hinweg
(ruhiger)
zu diesem Häuschen, das ich als stiller
Mieter bewohne.-
Und was beginnet ihr?

Kalaf
Mein Vater lebt.

Barak
Gott sei gepriesen!

Kalaf
Ich suche das Glück, -

Barak
(er kniet)
Allah ist groß!

Kalaf
es ihm zurückzubringen -

Barak
Groß ist sein Prophet!

Kalaf
noch heute dring' ich zum Kaiser!

Barak
(springt auf)
Bleibt! Der Hof ist eine Trauerstatt;
die Kaiserstochter Turandot ein Teufel,
ein Teufel -den Männern abhold,
so schön als weise, und unerbittlich
grausam ...

Kalaf
(leicht)
Das Märchen hört' ich.
(scherzend)
ein jeder Prinz darf um sie frei'n-

Barak
Ihr wisst! -

Kalaf
und pflichtet sich, drei Rätsel anzuhören-
und wagt den Kopf, falls ihm der nicht
festsitzt.

Barak
Ihr spottet -

Kalaf
Gewiß, dem albern ist die Fabel.

Barak
Fabel? So schaut euch um,
betrachtet die Köpfe, die Köpfe!
Sie alle warben um Turandot!

Kalaf
(betroffen, angewindert)
Gräßliche Schau! Ekelnd!
Und das um eines Ungeheuers willen! -

Barak
Ein Ungeheuer, so bestrickend,
daß schon vermag der Anblick ihres Bildes
den Jüngling in den Tod zu locken!

Kalaf
Den Narren!

Barak
(ernst)
Erst heute traf's den Prinzen von Samarkand.
Pauken hinter der Bühne
Hört, o hört, dies ist das Zeichen,
daß das Gericht an ihm vollstreckt wird! ...

2. LAMENTO

Mädchen-Chor
(hinter der Bühne)
O-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-

Die Königin-Mutter von Samarkand, eine
Mohrin, phantastisch mit bunten Straußfedern geschmückt,
erscheint in einem Tragsessel
geschwenkt, von rasenden Klageweibern
gefolgt. Sie halten vor dem Tore. Bei diesem
Auftritt treten Kalaf und Barak seitwärts, um
erst, nachdem der Zug sich entfernt hat,
wieder hervorzukommen.

Königin-Mutter
(hinter der Bühne)
Verweilt! Man mordet meinen Sohn!
O-o-o-o-
Fluch, Fluch! diesen Mauern, diesem Lande!
dreimal verflucht sei die Ungeheuere,
die ihn verdarb!
Dies Bild, das ich vom Halse ihm riß,
es sei zertreten, wie sie soll zertreten werden,
die es zeigt! Fort, fort!
(Gehen rasend ab)
(schon fern)
O-o-o-

Barak
Ihr hörtet ...

Kalaf
und ich sah. Kaum daß ich's fasse!
(gesprochen)
Wie könnte denn ein Bildnis tödlich
wirken?
(Er will das Bild aufheben)

Barak
Tut es nicht!

Kalaf
Möchte doch die furchtbare
Schönheit mir betrachten.

Barak
Laßt ab, es ist verzaubert.

Kalaf
Ängstlicher Mann, gib her.

Barak
Es ist verflucht.

Kalaf
Du kränkst mich. Her das Bild!
(er besieht es)

3. ARIOSO

Kalaf
Barak, Barak o du tückischer Alter,
wolltest mich also narren!

Barak
Ihr Genien, helft! ...

Kalaf
Nein, diese Züge sind nicht eines Teufels, -
noch eines Ungeheuers!
das Antlitz einer Göttin,
der Blick, ein lichter Himmelsstrahl,
und sternenrein sein Ausdruck! -

Barak
Betörter Prinz,
noch siebentausendmale schöner ist
Turandot!

Kalaf
Du süßeste Gestalt,
ihr Wangen des Morgenrots, knospende
Lippen;
Schatten der Sommernacht, ihr dunklen
Haare!

Barak
Glaubt es nicht!

Kalaf
Barak, alles an ihr ist Einklang,
alles an ihr spricht Liebe.
Barak, ich wage frisch das Spiel -

Barak
(bestürzt)
Mein Prinz! -

Kalaf
ein Spiel, das milionenfach
den hohen Einsatz wieder einbringt!

Tamtam auf der Bühne

Barak
Seht, welch ein Spiel.

Der Scharfrichter, mit Wachen und Trommlern,
erscheint über dem Stadttore, auf das er ein
frischgefälltes Haupt aufpfählt, um nach
verrichteter Handlung sich wieder zu
entfernen.

4. PANTOMIMA UND FINALE

Barak und Kalaf ziehen sich zurück.
Kalaf tritt mit Aufwallung vor.

Kalaf
Dich will ich rächen, du Jammerprinz,
Kopfverlierer!
(zu Barak)
Auf Wiedersehn!
(eiligst in das Tor ab)

Barak
Mein Prinz ... mein Prinz...
(heulend)
oh!

Barak, der Kalaf nacheilt, wird von Wachen
aufgegriffen und verprügelt. Zwei anderen
Wachen schlagen auf Glocken und Tamtams
Alarm.

Zweites Bild

1. INTRODUKTION UND ARIETTA

Truffaldino tritt vor dem Vorhange auf, den er
eigenhändig offen zieht, und klatscht in die
Hände. Auf dieses Zeichen erscheinen
mehrere Sklaven.

Die Bühne stellt den Thronsaal im Kaiserpalast
vor. Man erblickt Truffaldino, Haupt der
kaiserlichen Eunuchen, eifrig beschäftigt, den
Sklaven anzubefehlen, den Raum für die
bevorstehende Sitzung anzuordnen.

Truffaldino
Rechts zunächst der große Thron
links darauf der kleine Thron,
in die Mitte stellt acht Sessel
für den Richter Weisheitkessel;
fegt mir flink den Boden rein,
leget Teppich' groß und klein,
macht, daß Lampen sei'n bereit
zur Erhellung dunkler Zeit,
hurtig, nicht den Takt verlieren,
wollt' ihr's nicht am Hint'ren spürn,
regt die Beine, spannt die Schenkel,
Schurken, Diebe, Faule, Bengel!
Nun wird's lustig, wird's ergötzlich,
meldet sich ein neuer plötzlich!
Sind's doch drei Stunden kaum,
wie schnell man so vergißt,
da wurd' der letzte aufgespießt;
diese Gecken, Narren, Laffen,
die sich jämmerlich vergaffen,
's ist viel zu wenig noch,
dem Himmel sei's geklagt,
wenn nur der Kopf ihnen wird abgehackt,
ha, ha, ha, ha, -
Was bin ich, damit verglichen,
für ein Muster der Eunüchen,
mir wird das Hirn nicht warm
vor einem Weiberschwarm,
hier wurzelt meiner Halbheit Scharm,
ob der Hahn sich noch so blähe,
mich lockt nicht das Bett der Ehe.
La tralala tralala tralala
tralala -wie steh ich da!
Das ist des Kastraten Segen,
daß sein Geist bleibt überlegen.
Schrum tututum tututum tututum
tututututum, ich bin nicht dumm!
Hurtig, nicht den Takt verlier'n,
wollt ihr's nicht am Hint'ren spürn,
spannt die Schenkel, regt die Beine,
Schurken, Diebe, Affen, Schweine,
jetzt hinaus, jetzt hinaus, jetzt hinaus,
jetzt hinaus, jetzt hinaus, jetzt hinaus,
jetzt hinaus, jetzt hinaus,
piff, paff, piff, paff, piff, paff, piff, paff!

Er prügelt rechts und links und treibt die
Sklaven aus dem Saale.

2. RECITATIVO

Truffaldino
Das find ich doch sehr vernünftig,
daß mein Prinzesschen nicht mag heiraten;
auch ich bin nicht verheiratet,
meiner Mutter ging's nicht anders.
Nur solche Schwächlinge,
die nicht auf einem Beine können stehen,
sollen sich paaren meinetwegen!
Fanfare hinter der Bühne
Ah, der Kaiser kommt,
der Kaiser kommt, der Kaiser kommt!
Fanfare
Ich mag die vielen Mannsbilder nicht,
ich mach mich fort, ich mach mich fort,
ich mach mich fort zu meiner holdseligen
Prinzessin
und ihren jungen Damen,
künde die frohe Nachricht:
dann gibt es Tee.

3. EINZUG DES KAISERS

Die Doktores
Wir sind Die Doktores und sitzen zu Gericht.
(Sie setzen sich)

Die Anderen Männer
Heil! Heil!

Alle
Segen.

Kaiser Altoum, umgeben und gestützt von
Pantalone und Tartaglia, zieht ein.

Alle
Segen auf sein Haupt, dem edlen Kaiser
Altoum,
dem Weisen, dem Gütigen;
Segen auf sein Haupt für immerdar!
Heil! Heil! Heil! Heil! Heil!
(Sie fallen sämtlich dreimal auf die Nasen vor Altoum)

Altoum
Das Zerimoniell wirkt immer erhebend.
Danke, danke, meine Lieben!
Aber seht, Kinder, hier drinnen nagt ein
Druck, der mir selbst die schöne Hofetikette
verleidet. Denn seht, Kinder, ich kann nicht
anders, ich muß meine Tochter lieben;
aber ich bin nicht für Grausamkeiten
geschaffen!

Pantalone
Euer Majestät Herz ist wie Fließpapier in
Honig getränkt -

Tartaglia
Ba, Ba, Baumwolle mit Schmalz -

Altoum
(vorwurfsvoll)
Pantalone?...Tartaglia?...
(die beiden ducken sich)
Ach, wie lange soll ich dem noch zusehen?
Es bringt mich vorzeitig unter die Erde.

Pantalone
Bei uns, in Italien, Majestät, da ist
jedermann entzückt, wenn's auf dem
Theater mit Mord und Totschlag zugeht.
Aber ich sehe ein, daß es von grausigem
Geschmack zeugt.

Tartaglia
Liebe Mama-Majestät, ich kenn' ein
englisches Stück, darin ein
pechschwarzer Neger
eine lilienweiße Dame umbringt.
Da-da-das ist aber Zucker und Marzipan
gegen eine Prinzessin,
die sieben Männer hi-hi-hintereinander
hi-hi-hinrichten läßt.

Altoum
Ich kann' s nicht ändern.

4. ARIA

Altoum
Konfutse, dir hab' ich geschworen,
du schaust mein Herz,
es trägt das Elend nicht;
daß mir ein Sohn sei auserkoren,
beschließe du beim kommenden Gericht:
So wird das Böse, das sie birgt,
entschwinden,
die Tochter wieder schön und gut erstehen;
den langen Schmerz soll kurze Freude linden,
dann will ich gern zu meinen Vätern gehn
dann will ich gern zu meinen Vätern gehn!
(resigniert)
Man bringe den Fremden zu mir.

5. DIALOGO

Kalaf wird hereingeführt und wirft sich Altoum zu Füßen.

Altoum
Steh' auf, unkluger Jüngling!
(für sich)
Wie schön er ist!
(laut)
Wer bist du?

Kalaf
Sire, ein Märchenprinz.

Altoum
(erzürnt )
-m! Dreister! - nenn' deinen Namen.

Kalaf
Sire, nein, ich bin ein Prinz: es genüge.

Altoum
(für sich)
Es scheint mir, der ist eine ebensolcher
Starrkopf
als meine Tochter...!
Ich will dir glauben,
glaub' auch du mir ein
wen' ges.
Du weißt wohl, was du wagst;
ich gewär' dir die Gnade, dich
zurückzuziehn.

Kalaf
Sire, Tod oder Turandot,
von beiden eines, ein Drittes nicht!

Altoum
Ach, diese Jugend!

6. QUARTETTO

Altoum
Entweiche, entweich' der Gefahr,
der du dich
aussetzt;
mein Sohn, mein Sohn, hör auf mich,
der ich
dich schon liebe;
sei die Stütze dem Greis,
schliess' die Augen ihm zu, wenn ihm schlägt
die Stunde; schöner Lohn soll dir werden,
hohe Ehren zu teil, wenn du ihn verschonest;
zwing' mich nicht wieder gegen mein Herz,
gegen mein Herz als Tyrann zu walten,
ungeratener Tochter, widerwilliger Vater,
deinen Tod zu beweinen.

Kalaf
Tod oder Turandot;
von beiden eines, nicht ein Drittes!

Pantalone
Aber teuerster der Prinzen,
mein gebenedeiter Bub,
so merk' die Köpfe überm Tore!

Altoum
(kopfschüttelnd)
Es ist umsonst!

Pantalone
Weiter hab'ich nichts gesagt,
als daß ich nicht die Lust begreife,
sich zum Schlachten anzubieten.

Altoum
Es ist umsonst!

Pantalone
Seien Sie nur zuversichtlich,
daß die Rätsel, die sie dreht,
nicht von Zucker sind noch Pappe!

Altoum
Es ist umsonst!

Pantalone
Selbst der Zaubrer Cingarillo
würde sich vergeblich mühn,
solche Nüsse aufzuknacken:-

Altoum
O hör' auf ihn!

Pantalone
Das ist nicht so,
als wieviel ist zweimal zwei,
welches Obst trägt Kirschenkerne,
welches ist das Tier, das miaut,
nein, nein, nein, nein, nein, nein;
wenn ihr euch darauf verbeisset,
gäb' nicht für euren Schädel
einen abgeschabten Rettig,
nein, nein, nein, nein, nein!

Kalaf
Tod oder Turandot;
von beiden eines, nicht ein Drittes!

Tartaglia
(ungeduldig aufspringend )
To-to-to-to-tod,
to-to-to-to-tod oder Tu-tu-Turandot!

Altoum und Pantalone
Es ist umsonst!

Tartaglia
Teufel, Teufel, süßes Herzchen,
welch verbohrter Ei-ei-eigensinn!

Altoum und Pantalone
Es ist umsonst!

Tartaglia
Geht es hier vielleicht um Bohnen,
geht's um Tassen Kokolade?
Um den Ko-ko-ko-kopf geht's!

Altoum und Pantalone
Es ist umsonst!

Tartaglia
Haben Sie das schon erwogen,
was es heisset,
um den Kop, Ko-ko-kopf zu spielen?

Pantalone
Ich glaub' es nicht!

Altoum und Tartaglia
Ich glaub' es nicht!

Pantalone
Ich glaub' es nicht!

Altoum und Tartaglia
Ich glaub' es nicht!

Kalaf
Es ist umsonst! Es ist umsonst!
Tod oder Turandot!
Ein Drittes nicht.

Altoum
Ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht,
ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht!
Mein Sohn, hör auf mich,
mein Sohn, hör auf mich,
hör' auf mich, hör' auf mich,
höre, höre, hör' auf mich,
mein Sohn, hör' auf mich,
mein Sohn hör' auf mich,
nun ist's umsonst.

Tartaglia
Ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht,
ich glaub' es nicht!
Ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht!
Hier geht's um den Kopf,
hier geht's um den Kopf,
um den Kopf, um den Kopf,
um den Ko-ko-ko-ko-kopf,
um den Kopf, um den Kopf, um den Kopf!

Pantalone
Ich glaub' es nicht! Ich glaub' es nicht!
Ich glaub' es nicht,
ich glaub' es nicht, ich glaub' es nicht!
Hier geht's um den Kopf,
hier geht's um den Kopf,
um den Kopf, um den Kopf,
um den Ko-ko-ko-ko-kopf,
um den Kopf, um den Kopf,
geht's um den Kopf!


7. MARSCH UND SZENE

Pantalone
Lieber möcht' ich gar auf einem Bein
auf der Spitze stehn des Markusturms,
als in dieses lieben Jungen Hosen stecken.

Altoum
Mein Sohn, ich segne dich.

Kalaf
(kniet)
(knabenhaft)
Sie kommt, sie kommt!

Tartaglia
Da ist auch schon, da ist auch schon der
Hammelführer!

Chor
Wehe! Wehe! Wehe!

Turandot
(noch von der Höhe der Treppe aus)
Wer ist's, der sich auf's neu vermessen darf,
aus meiner Weisheit Grund zu schöpfen,
der die Lust verspürt, sein Leben
auszuspielen?

Chor
Wehe! Wehe! Wehe!

Turandot
Auch du sollst mir erliegen,
dich stärkrem Geiste fügen:
Rat' oder stirb!
(Sie steigt die Treppe herunter)

Chor
Wehe! Wehe! Weh! Weh! Weh! Weh!

Turandot
Weh, anderen gleicht dieser nicht;
was berührt mich jäh, so fremd und neu?

Altoum, Pantalone, Tartaglia
Was sagt sie?

Turandot
Seltsam wirkt des Knaben Gesicht:
es anzusehn macht fast mich scheu,
wie mild es zu mir spricht; -

Altoum, Pantalone, Tartaglia
Hört sie, hört sie!

Turandot
Weh' mir!
noch einmal sein will ich Turandot;
sein Tod wird auch mein Tod.

Chor
Was berührt sie jäh so fremd und neu?
Ja, andren gleicht dieser nicht,
seltsam wirkt des Knaben Gesicht,
es anzusehn macht uns fast scheu,
wie so mild es zu uns spricht;
mag sie noch immer sein Turandot
sein Tod wird auch ihr Tod.

Die Doktores
(hinzu)
Raten oder sterben!

Adelma
(für sich)
Das ist ja jung Kalaf,
der Traum meiner Schulzeit,
es gefällt mir noch immer!
ich gewinn'ihn zurück.

Chor
Rat' oder stirb!

Turandot
Nein, es gleichet diesen anderen nicht,
seltsam wirkt auf mich
des Knaben Angesicht,
noch einmal sein will ich Turandot,
ich weiß, sein Tod
wird auch mein Tod.

Kalaf
Von Glück erschimmert sein Gesicht,
mein Leben spiel' ich gegen ein Gedicht,
ob Tod, ob Tod oder Turandot:
die Lösung schreckt, die Lösung schreckt
mich nicht.

Chor
(Frauen)
Rat' oder stirb!

Chor
Wehe! Wehe!

Altoum
Meine Tochter, drei leichte Rätsel,
auf daß die Form bleibe gewahrt,
und dann Hochzeit!

Adelma
Laßt euch nicht erweichen!

Turandot
Die Rätsel sind gezogen,
das Gesetz muß sich erfüllen.
Kalaf
Ich bin bereit.

Turandot
Ich beginne.

Chor
Beim Konfutse!

Stille

Chor
Beim Konfutse!
(fallen sämtlich nieder)
Beim Konfutse!Beim Konfutse!

Truffaldino
(Klingelt dreimal mit einer
kleinen Handglocke)
(gesprochen)
Das erste Rätsel!

8. DIE DREI RÄTSEL

Turandot
(frei gesprochen)
Was kriecht am Boden, fliegt, gen Himmel,
was tappt im Dunklen, zündet Lichter,
wühlt im Vergangenen, strebt in die
Zukunft,
wellt im Gewohnten, regt sich im Neuen,
was ist besonnen und bäumt sich trotzig,
gesund ergeben und krakhaft protzig?

Kalaf überlegt.

Kalaf
(sieht klar auf)
Was Kriecht und fliegt,
im Dunklen tappt, erleuchtet,
Gewohntes übt,
nach Neuem strebt,
sich selber Weltsysteme webt,
besonnen ist und trotzig Hand in Hand,
est is: der menschliche Verstand!

Pantalone
Tartaglia, er hat's!

Tartaglia
Meiner Seel'!

Die Doktores
Optime: der Verstand, der Verstand, der Verstand!

Altoum

Brav, mach' tapfer weiter!

Bewengung im Saale, Fanfaren, Trommeln.
Truffaldino winkt den Fanfaren abzubrechen.

Adelma
(Ich vergeh'!...)

Turandot
O Schicksal, willst du mich bezwingen?
Einbildischer, noch bin ich nicht am Ende!

Truffaldino Klingelt.

Turandot
(fortfahrend)
Was ist beständig und stets wechselnd,
heute geboten und morgen verpönt,
hier gepriesen, dort bestraft,
erst befolgt, später verlacht,
ein unentbehrlich stillschweigend Gesetz,
je wen'ger begründet, je seltner verletzt?

Kalaf
O zürne nicht, daß mir auch dieser glückt:-
was ihr erfragt, das wechselnd ist und
ständig,
toter Begriff, und als Gebrauch lebendig,
so lang es gilt kleine Verletzung litte,
wenn abgetan verlacht wird, ist: die Sitte.

Pantalone
Tartaglia, ins Schwarze!

Tartaglia
Mitten drin!

Die Doktores
Optime:
die Sitte, die Sitte, die Sitte!

Altoum
Wär's nicht genug?

Bewegung, Fanfaren, Truffaldino winkt ab.

Turandot
(Ein Knabe, ein Knabe sollte mich treten!)

Adelma
(Ich verlier' ihn!) Prinzessin, mehr Strenge!

Turandot
O, der Schande, o, der Lehre!
(wendet sich zu Kalaf)
Dein Glück, o Eitler, fördert meinen Haß!
Das ist, was du gewinnst!
Doch spar ich dir das letzte, zieh hinweg!

Kalaf
(einfach )
Nein, ich bleibe

Turandot
Wohlan, dein Todesurteil sprech' ich:

Turandot
Was ist, das aus den Wurzeln der Zeiten,
dem Stamm, der Menschengemeinschaft
trägt,
dem Geäste der Gewohnheiten,
als köstlichste Blüte zuhöchst ausschlägt,
das jeden hinzieht, das wenige halten,
darüber einsam Geweihte walten;
das jegliches schönt, an alles sich wendet,
die Menschen zu heitern, von oben entsendet.
(Sie entschleiert sich rasch)
Schaue. Zittre nicht. Antworte!

Kalaf
(geblendet)
O Glanz! O Vision!

Altoum
(ängstlich)
Er verliert sich!
Kalaf verliert die Fassung. Bewegung der
Umstehenden.

Tartaglia, Pantalone, Altoum
Er ist verloren...er ist verloren...
Wer rät ihm, wer hilft?

Truffaldino
(der den Scharfrichter
hereinführt, boshaft)
Haha!

Turandot
Ergib dich!

Bei diesen Worten ermannt sich Kalaf.

Kalaf
(lächelt ruhig)
(unbefangen )
Nur eure Schönheit, Fürstin, riß mich weg;
ich war betäubt, nicht bin ich überwunden;
was aus der Zeiten Wurzeln, Stamm,
Gezweigen,
als feinste Blüte will zuhöchst sich zeigen,
das jeden trifft, nur wenigen sich angetraut,
gehört, gefühlt, ersonnen und geschaut,
ein Kuß der Erde von des Himmels Gunst:
es ist,-

Tartaglia, Pantalone, Altoum
Es ist? Es ist? es ist?

Kalaf
es ist: die Kunst.

Pantalone
O, seiest du benedeit!
(Er umarmt Kalaf)

Chor
Die Kunst, es ist die Kunst.

Tartaglia
Nicht mehr halt' ich an mir!

Altoum
(außer sich)
Musick!

Tartaglia und Pantalone
Musick!

Altoum
Auf die Tore!

Tartaglia und Pantalone
Auf die Tore!

Allgemeine Freudigkeit. Die großen Tore
werden geöffnet.
Man erblickt Volk in Bewegung.

Auf eine gebieterische Gebärde Turandots
verstummt alles.

Turandot
Haltet ein!
(spricht)
ich überstehe nicht die Scham. Ich habe
verspielt, ich weiß,
ich geb' es zu; doch am Altar soll dieser
Dolch...
(Man entreißt ihr die Waffe)

Altoum
Sinnlose, Hoffärtige, du hast das Recht
verwirkt, über dich selbst zu bestimmen.
Auf, in den Tempel.

Pantalone
Das Essen steht auf dem Tisch.

Kalaf
O mein König, hört... Was gewänn' ich,
wenn ich zu
ihrem Abscheu würde ihr Gatte?
Wenn sie mir stürbe?
Sagt, was freutet's euch?

Altoum
Nun, nun; das ist ja leider nicht anders
wahr... Aber ich bin am Ende meiner
Langmut. Vorwärts, meine Herren.

Tartaglia
Ma-ma-marsch!

Kalaf
Gestattet einen Aufschub, Gleiches Spiel
gibt gleiches
Recht: ich stell' der Fürstin frei, nun
ihrerseits ein Rätsel zu entwirren;... vermag
sie's nicht, so reiche man ihr spitzes
Spielzeug ihr züruck. Ich aber zieh' von
hinnen.

Turandot
Ich bin's nicht zufrieden.

Altoum
Ich bin's nicht zufrieden. Genug der Rätsel!

Turandot
Und - wie lautet es?

9. FINALE

Kalaf
Wes Stamms und Namens ist der fremde
Prinz...

Die Doktores
(notieren)
Wes Stamms und Namens ist der fremde
Prinz...

Kalaf
der an dem Gipfel seines Glückes
angelangt...

Die Doktores
der an dem Gipfel seines Glückes
angelangt...

Kalaf
leidvoller ist, als er je war zuvor?

Die Doktores
leidvoller ist, als er je war zuvor?

Chor
Wes Stamms und Namens ist der fremde
Prinz?
Wer ist der fremde Prinz?
Der auf dem Gipfel seines Glückes angelangt,
leidvoller ist als je zuvor?
Wer? Wer? Wer? Wer?

 

 


Zweiter Akt

Akt I
Akt II


Drittes Bild

1. LIED MIT CHOR

Hinter dem geschlossenen Vorhange

Vorsängerin
La la la la la la la la la ...

Chor
La la la la la la la la la ...

2. TANZ UND GESANG

Das Frauengemach Turandots. - Tanz und
Gesang. - Seitwärts einige Musikanten.
Turandot, neben ihr Adelma, auf Sofa und
Kissen sitzend.

Chor
Nacht wird zum Tag, schauet!
Leuchtend wird nun der Saal;
Leben, rythmisch bewegt, wogt auf und ab.
Mädchen, freuet euch!
Bald empfängt euch der Bräutigam.
Nacht wird zu Tag,
Laben wogt in seinem Arm.
Freuet euch, freuet euch. Ah!

 

Die Tänzerinnen entfernen sich auf einen Wink Turandots.

3. REZITATIV UND ARIE

Turandot
Genug! mein Kopf steht nach anderen
Dingen!
Es pocht mein Herz in ungewohntem Schlag,
mein Geist treibt sich, das Blut es stockt und
jagt!
Ich fühle mich unsicher...
daß ich ihn liebe,
sollt' es so sein?
Daß ich ihn hasse,
doppelte Pein!
Noch wich ich keinem,
mir selbst betreut;
würd' es sich wenden,
schnell wär's bereut!
O, daß ich fände,
was ihn beschämt,
o, daß ich's fände!
Doch all mein Denken
starret gelähmt;
und ob er siege,
ob er erliege,
mein Stolz, mein Stolz
fällt, ach, bezähmt!
Richte dich aufwärts!
Mein hoher Mut;
zum letzen Male
wehre wehre dich gut!
Richte dich aufwärts!
Ein würdiges Ende
herbeigeführt!
Ein würdiges Ende
herbeigeführt:
Turandot sterbe,
doch unberührt!

Adelma
Ich erkenn' euch nicht wieder, so sehr
gebärdet ihr euch fremd. Hat der Anblick
dieses Glücksprinzen das Metall
eurer Seele zum Glühen gebracht?
Mir wär's drum leid.

Turandot
Du empörst mich.

Adelma
Ich möchte euch gern zufrieden sehen.
Verzeiht.

Turandot
Du meinst es ja redlich. Sag', was soll ich tun?

4. INTERMEZZO DIALOGATO

Adelma
Hören wir zunächst, was Truffaldino meldet,
er kommt von seinem Auftrag grad zurück.

Truffaldino tritt würdig auf und knieet nieder.

Turandot
Was bringst du?

Truffaldino
(süß)
Meine angebetete Prinzessin,
ihr habt euch an den Rechten gewandt.
Alles ging vortrefflich, vortrefflich,
(gesprochen)
vortrefflich, vortrefflich! - möchte ein jeder
seine Intelligenz vor dem Einfluß der
Leidenschaften bewahren.
Die niederen Funktionen zehren von der
Klarheit des Gehirns. - Daran habe ich nicht zu tragen.
Mein Kopf ist der Triumph der Zucht.

Turandot
Komm zur Sache.

Truffaldino
Welcher Sache? Ach ja, ach ja. -
(gesprochen)
Kurios. Wenn ich von mir selber spreche,
erscheint mir alles andere als recht sekundär. Nun,
(er seufzt)
da ihr sie verlangt zu wissen, hier ist die
Geschichte:

5. ARIA

Truffaldino
Ich schlich geschickt
und unerblickt
in den bewachten Raum,
da lag gereckt
und ausgestreckt
der Bub in Schlaf und Traum.
Ich holte sacht,
was ich gebracht,
den Zauberrettig vor;
der lost dem Jung'
die starre Zung',
die Wurzel Mandragor!
- (Hier ist sie) -
Recht knabenhaft
und ekelhaft
seufzt er einer Windlad' gleich,
er dreht sich rund
wie'n junger Hund
und spricht so butterweich,
butter -, butter -, butterweich:

Turandot
... spricht seinen Namen?...

Truffaldino
Ja...

Turandot
... spricht seinen Namen?...

Truffaldino
er sagt:
(parodierend)
" Tod, Tod oder Turandot ",
und Weitres war aus ihm nicht zu locken!

Turandot
(aufgebracht)
Unfähiger Mann, ist das dein ganzer Witz!
Hinweg! Hinweg! Pack dich!

Truffaldino
(indigniert und beleidigt)
Mann oder Unmann, unfähig, fähig,
meinen Witz kann mir niemand schneiden!
Verdienst lohnt Undank, das ist nun alt,
Geist wird verhöhnt, Genie weckt Ärger:
Truffaldino bleibt er selber,
wird der Neid auch gelb und gelber;
Mann vor Verstand,
scharf und gewandt,
von reinen Sitten,
Stern im Reich der Mitten,
keuschen Wandelns,
strengen Handelns...

Turandot
Geh!

Truffaldino
Derb getreu untertänigster Sklav'!
(er geht, nachdem er sich dreimal verbeugt
hat)

Adelma
Seid getrost, Prinzessin, noch lange währt
dieser lange Tag: wer weiss, was die nächste Stunde bringt...

Truffaldino
(kommt schnell zurück)
Der Kaiser kommt zur Prinzessin. (ab)

Altoum tritt ein. Ihm sind Pantalone und
Tartaglia gefolgt, die hinter der Tür, vom
Publikum sichtbar, neugierig verbleiben.

Altoum
Mein Kind!...

Turandot
(zurückhaltend)
Was befehlt mein kaiserlicher Vater?

Pantalone
(von der Tür her)
Die Kröte!

Tartaglia
Die Ka-ka-kanaille!

Altoum
Warum so feierlich? Siehst du nicht,
wie ich dich liebe und vor dir zerfalle aus Gram?
Ich bin ein sehr alter Mann geworden.

Turandot
(etwas weicher)
Ich will euch nicht betrüben.

Altoum
Ach! schon, brav und kindlich gesprochen.
Guck mal her.
(Er hält eine Rolle hoch)
Was ist das?

Pantalone
Was ist das?

Altoum
Eine Rolle.

Tartaglia
Eine Rolle.

Altoum
Was steht darin?

Pantalone
Was steht darin?

Altoum
Die Namen, die du nicht weißt..

Pantalone und Tartaglia pfeifen lang und leise.

Turandot
Die ich nicht weiß?

Altoum
(nickend)
Die du nicht weißt.

Turandot
Mein Vater, ich kenn' die Namen - kenn'
die Namen nicht;... das soll,
morgen vor dem Diwan sich erweisen.

Altoum
(aufgebracht)
Halsstarrige!

Pantalone
Jetz kriegt sie's.

Altoum
Unwissende.

Tartaglia
Er kommt in Aff-affekt.

Altoum
Ehrlose!
(er wird ganz Majestät)
So -

6. ARIOSO

Altoum
höre:
Heimliche Kunde kam mir zu.
Von hoher Herkunft ist der Jüngling,
würdig sein Stamm
und strahlend das Geäst
die seine Tugend krönt:
er ist zu gut für dich...

Turandot
O Vater!

Altoum
Nichts von Vater für diesmal,
bitten kommt zu spät.

Turandot
Bitten?

Altoum
Nichts mehr davon.
In deiner eignen Ratlosigkeit sollst du dich
winden
und gedemütigt sein vor aller Welt.
Das ist mein väterlicher Wille, und meine
Absicht heilsam.

Pantalone
Fein gegeben!

Tartaglia
Brill-bril-brillant.

Altoum
und morgen, und morgen hat das Teufelsspiel ein Ende,
und du stehst beschämt vor aller Welt.
(wendet sich zum gehen)
(für sich)
Soll ich sie so verlassen?
Ich war ein bißchen hart!
(zu ihr)
Nun, meine Tochter?...

Turandot
Morgen sollt ihr euer Unrecht bekennen.

Altoum
(barsch)
Ah! Verstockte...!
Schade... schade... schade... (ab)

Pantalone
Schade...

Tartaglia
Schade...

7. DUETT

Turandot
Adelma, meine Freundin, sage du,
daß ich recht tat, mich so zu geben...

Adelma
(gesprochen)
Glaubt ihr, Prinzessin, daß euer Vater,
Seine Majestät allein die
wissenswerten Namen kenne...?

Turandot
Adelma, wohin zielest du?

Adelma
(spricht)
O, ich meine, ob niemand andrer im Palast,
ebenso gebildet sei, in diesem Punkte, als
Kaiser Altoum...?

Turandot
Wer könnt' es sein?

Adelma
Sucht nicht zu weit!

Turandot
Die beiden Minister?

Adelma
Sucht nicht zu hoch!

Turandot
Du scheinst etwas zu verbergen; -

Adelma
Vielleicht zu enthüllen...

Turandot
Adelma?

Adelma
Ihr nennt mich Freundin, ja, ich bin's zu euch,
ich darf es sein, da ich von Kön'gen stamme;
doch hält ihr mich als Sklavin, gebt mich frei, ihr sollt
erfahren, was ihr glühend wünscht zu kennen!
Denn ich, ich weiß des Fremden Kunst und
Namen. Ich schenk euch Freiheit,
schenkt mir drum die meine:
zwei kluge Mädchen kommen leicht ins reine,
Freiheit gegen Freiheit!

Turandot
Das wär Verrat!

Adelma
(gepreßt)
Er hat mich einst verlacht,
als ich, ein Kind, die Arme nach ihm
streckte...
ich hab'es nie verwunden!
Nun ist an mir die Reihe, ja nun ist's an mir,
nun ist's an mir, willigt ein!

Turandot
Du hast gelitten...! Du hast erduldet...!
das macht allein dich zur Fürstin,
(zärtlich)
Sei fortan meine Schwester.

Adelma
O Dank
(beiseite)
O mein Triumph!
Und jetzt, Prinzessin Turandot,
süßeste Schwester, horch auf...
(Sie flüstert Turandot in das Ohr)


8. INTERMEZZO

Letztes Bild

9. Thronsaal; Altoum und Gefolge in Erwartung Trommler
und Pfeifer eröffnen den Zug.

Tartaglia
Hört mir nur das klägliche Getrommel!

Pantalone
O, o, es macht mich ganz weich,
es gemahnt mich so sehr and die Lagunen!
(er schluchzt)

Tartaglia
Etwas Haltung, Pa - Pantalone, -

Frauen Chor
(hinter de Bühne)
Oh! Oh!

Tartaglia
seid doch schließlich der Kanzler!

Pantalone
Etwas Haltung käm zustatten deiner Zunge,
mein Herr Ta - ta - ta - Tartaglia!

Tartaglia
Ich drück, ich drück mich eben ... gebrochen aus

Turandot zieht ein; sie und ihr Gefolge mit
Trauerfloren.

Pantalone
Schaut nur die Prinzessin!
rudert daher als wie'ne Trauergondel!

Frauen Chor
(auf der Bühne)
Oh!

Die Frauen nehmen ihre Plätze ein.

Tartaglia
Und der Kapaun lässt die Flügel hängen.

Kalaf wird hereingeführt.

Frauen Chor
Oh!

Kalaf
So bin ich noch am Leben!
(düster)
und diese Trauerklänge, gelten sie
mir?

Altoum
Mein Sohn, sie deuten ihre Niederlage;
es tut mir leid um sie (ist sie doch mein Kind! ),
doch eine Lehre verdiente sie längst. - Nun, meine Tochter?

Turandot
Diese Zeichen von Trauer sollten
meiner Erniedrigung die äußeren Merkmale geben.
Euch, Prinz, tönen
sie als Siegesgesang...

Kalaf
Nicht um den Preis eures Leidens möcht'
ich gewinnen.

Altoum
Also laßt lustig aufspielen!

Tartaglia
Tschinellen!

Pantalone
Dideldum!

Turandot
Noch nicht...
(kleine Pause)
Die Rache mir süßer zu gestalten, führt'
ich euch sanft in die Irre. -
Nun aber, starre in den Abgrund,
der sich vor dir auftut,
und beweine deinen Übermut!
Hört, höret ihr alle! Seinen
Namen will ich euch künden:
Kalaf Sohn des Timurs, - du bist entlassen.

10. FINALE

Altoum
Vatermörderin!

Chor
Kalaf! Sohn des Timur!

Die Doktores
Kalaf! Sohn des Timur!

Chor
Kalaf! Sohn des Timur!

Die Doktores
Kalaf! Sohn des Timur!

Pantalone
Laßt euch den Bart auszwicken, Tartaglia!

Tartaglia
(niedergeschlagen)
Bei Gott!

Kalaf
Verloren! ach, verloren. So laßt mich ziehen!
Im Wirrsal des Gefechtes such' ich den Tod...
Vielleicht Vergessenheit... noch bin ich jung! Lebt
wohl! lebt alle wohl!
(wendet sich zum Gehen)

Turandot
Nein, Kalaf!

Kalaf
Du!

Turandot
Ja, ich selbst...

Kalaf
Du! Du!

Turandot
Ja, ich selbst, deren Seelenstarrheit du
brachest,
ja ich, ich selbst!

Alle Männer Außer Kalaf
Spricht so Turandot?

Turandot
Nur scheintot lag mein Herz, -

Chor
Ist sie's?

Turandot
nun schlägt es jauchzend;

Chor
Spricht so Turandot? ist sie's?

Turandot
Du hast's erweckt, und dir gehört es zu.
Kalaf, Timurs Sohn,
nicht mehr, nicht mehr ein fremder Prinz!

Chor
Spricht so Turandot? Ist sie's? Ist sie's?
Ein Wunder!

Kalaf
Das Außerordentliche!

Chor
Ein Wunder!

Kalaf
Das Verheißungsvolle!

Chor
Ein Wunder!

Kalaf
Alles erfüllt sich, meine Turandot!

Altoum
Kinder, das ist mein schönster Tag!

Tartaglia, Pantalone
Hochzeit, Hochzeit, Majestät!

Truffaldino
Nun ist es auch, ich melde meinen Abschied,
meinen Abschied, meinen Abschied.

Adelma
Geduld, Geduld,
(leicht)
ich werd' mir einen andren suchen. (ab)

Kalaf, Turandot und Chor
Was ist's das Menschen bindet,
vor dem jedwede Kleinheit schwindet,
wogegen Macht und List zerschlägt,
das Geringe zum Erhabnen prägt;
das treibt den Kreislauf der ew'gen Weiten,
umschließt die Gegensätzlichkeiten,
das überdauert alle Triebe,
das uns vereinte: ist die Liebe!
Liebe, Liebe, Liebe!

Eunuchen
(tanzend)
Hi, hi, hi, hi.

Turandot vertauscht den Trauerflor gegen
einen Brautschleier. -
Kalaf andererseits wird ein Ehrenmantel umgelegt.

Eunuchen
Hi, hi, hi, hi. (ab)

Kleidungszerimonie

Chor
Freut euch! Freut euch!
Freut euch! Freut euch!
La, la, la, la...
Enthüllet die Gottheit!
Enthüllet die Gottheit!
Ein Vorhang teilt sich, man erblickt
die riesenhafte goldene Statue des Buddha,
davor der Priester.
Die Trauung wird vollzogen.

Chor
Mädchen, freuet euch: nun ist die Hochzeit
nah; Glück und Licht spendet der neue Tag!


Akt I
Akt II

E N D E

 

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -