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Johann Adolph Hasse

(1699 - 1783)

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The Operas of Johann Adolph Hasse

 

Soliman
 



Ein Singespiel


CAST:

SOLIMAN. Türkischer Groß-Sultan,und Vater von
SELIM ein Sohn von der ersten Ehe
OSMIN  Solimans,und der Roßelane Sohn
NARSEA
EMIRA in Persien Töchter, undtürkische Gefangene
ACOMAS Janitscharen Aga
RUSTENO Groß-Vezier
CHOR VON SOLDATEN

VON SOLIMANS GEFOLGE:
Baßen, Veziers, und andere
adeliche Wachen.
Leib-Wachen; oder Bogen-Schützen, sogenante Solach.
Edel-Knaben, sogenannte Jcogliani.
Gesetz Ausleger, sogenannte Jmams.
Moren, als Edelknaben bei Narsea und Emira.

VON SELIMS GEFOLGE
Aga, und Baßen zu Pferd.
Persianische Gefangene beiderlei Geschlecht.

Sklaven, und Moren.
Feld-Musick.
Wache zu Fuß, oder Jannitscharen.

Wache zu Pferd, oder Spahi.
Soldaten, aus verschiednen Asiatischen und Europäischen

Orten, mit ihren Baßen, Officieren, und andern zur Feld­
Musik nöthigen Personen, Paucken, Trommeln, Fahnen,
Roß-Schweife etc. die anfangs in zwein Haufen getheilet
sind; sich aber hernach mit den Jannitscharen vereinigen,
und das ganze Ottomannische Heer ausmachen.





ERSTE HANDLUNG
ANDERE HANDLUNG
DRITTE HANDLUNG








ERSTE HANDLUNG






Aauftritt.

EMIRA
Verzeih: ich seh nicht ein.
Was dich aufs neue quält geliebteste Narsea,

Du kommst von Tauris kaum in Babilon hier an,
Und hast. da dir dein Selim fehlt.
Nun keine Ruhe mehr. Der Prinz langt aber ja
Von Tauris morgen an. Der Tag wird bald erscheinen,
Es fehlt noch kurze Zeit, und du fängst wieder an zu weinen!


NARSEA
Emira, ach! du weißt ja wohl wer Selim ist:
Und wer wir beide sind Wir unglückseelge Töchter

Des Königs Persiens, und er, als rechter Erbu
Des Thracischen Monarchs

EMIRA
Ich weiß, daß Soliman des Prinzens Vater,
Und daß Tacmantes unsrer sei.
Daß Selim unser Volk.

Als Feldherr Thraciens,
Mit seinem völlig schlug, und nachmahls Persien
Ganz uberschwemmete, daß er In Tauris uns
DIe Ketten angelegt, und unsern liebsten Vater
Zur Flucht gezwungen hat. Ich weiß, daß er das Heer

Mit persischem Verlust, und Beute ausgeziert
Nunmehr vor diese Mauern führte.
Wünschst aber du den nicht zu sehn, der Persien hat überwunden?
Und hast du keine Gluth vor selbigen empfunden?

NARSEA
Ist, grausame! wenn er so liebenswürdig ist,
Es etwann meine Schuld? Warum bleibt er nicht mehr
Ein wilder Thracier? Sag mir, wo kann man wohl
Nebst einem schönerem Gesichte.
Ein besser Herze sehn? Auf dieser meiner Hand

Schwur er mir seine zu, und Persien den Frieden.
Hierauf that niemand mehr als Feind,
Die Ruhe folgete sogleich auf sein Versprechen:
Hältst du denn meine Gluth nun noch für ein Verbrechen?


EMIRA
Wer sagt, davon ein Wort? So schuldig bin ich selbst.

NARSEA
Wie!

EMIRA
Ist Osmin denn nicht auch
Ein Sohn von Soliman? Hat nicht auch dieser Prinz

Die Persier genug bestritten?

NARSEA
Sein ältster Bruder hat
Ihm ja vor kuzer Zeit
Die Aufsicht über uns gegeben.


EMIRA
Wohlan, so wisse denn,
Daß ich den Osmin liebe.
Er aber weiß es nicht: ich habs ihm nie gesagt:
Doch da ich fruchtlos will dein Herz von Qual befrein,

So siehest du durch mich das meine völlig ein.

NARSEA
Und du verdammst also ...

EMIRA
Ich werde niemahls deine Flammen,
Wohl aber deine Furcht, und nichtigen Verdruß verdammen.


NARSEA
Ist denn den Prinzen Thraciens
Die Ehe nicht verwehrt?


EMIRA
Vor diesem war sie es.
Allein, es wurde Rosselane
Des Solimans Gemahl. Und dieß Exempel von dem Vater

Wird seinen Söhnen ein Gesetz.

NARSEA
Wer aber weiß denn schon, ob Soliman den Frieden
Vor gut, und gültig hält?

EMIRA
Der Sultan liegt in seiner Burg,
Wovon nicht weit der Pontus fliesset,
In allzu guter Ruh. Hier ist sowohl vom Heer,

Als auch von Krieg und Frieden,
Alleine Selim Herr. Und diese höchste Macht.
Hat er vom Vater selbst. Du wirst von ihm verehret,
Du weißt, was er versprach, und doch bleibst du verstöret?


NARSEA
Gleichwohl ...
(es wird einiger Lermen in der Burg. Narsea und Emira
stehen auf, und zween Edelknaben tragen die Stühle weg.)
Doch welch Tumult? Wie kann im Augenblick
Die Burg so lebhaft sein. O was wird dieß bedeuten!

EMIRA
Was willst du, daß es sei? Nichts weiter, als dein Prinz
Kommt eben ietzo an! Wir wollen gern. Von weiten
Wirst du ihn können sehn.


NARSEA
Geliebteste Emira, geh:
Ich folge dir bald nach: Erlaube nur vorher,
Daß ich In kurzer Zeit erst zu mir selber komme.
Du willst mich freudig sehn, und daß ich hoffen soll,

Und mir macht Angst, und Furcht,
Mit wohlgegründtem Recht unendlich viele Schmerzen:

Und Schatz und Vater liegt mir einerlei am Herzen.

EMIRA
Ich geh: indessen hör einmahl zu zagen auf,
Und hemm den Thränen ihren Lauf.
Sei nicht so sinnreich. dich aus Furcht

Beständig in dir selbst zu quälen:
Das Schicksal lässet so nichts fehlen,
Was uns nur immer martern kann.
Die Sterne sind nicht jederzeit
Auf unglückseelige erhitzet:
Und wenn es lang genug geblitzet,

Lacht uns die Sonne wieder an.
Sei nicht ...
(gehet ab.)
andrer auftritt
Osmin eilig, und Narsea


OSMIN
Narsea

NARSEA
Was bringest du Osmin?

OSMIN
In diesem Augenblick ...

NARSEA
Ich weiß es schon: ist Selim angelangt.

OSMIN
Ist unser Vater angekommen.

NARSEA
O Himmel! Soliman! Und zu was Ende denn?

OSMIN
Dieß seh' ich noch nicht ein.

NARSEA
Ich aber seh es wohl! Er suchet Persiens
Vollkommnen Untergang. Und will Tacmantes Blut
Nun gern vergossen sehn.

OSMIN
Prinzeßin, nein.
Der Friede, welchen Selim Schwur, wird Persien und sei­

nem König
Gewiß gehalten sein. Ich weiß, wie weit die Treu
Von meinem Bruder geht: Und ich weiß auch wie lieb

Er meinem Vater Sei,
Von dem er alles wird erhalten.


NARSEA
Ach unterstütze du mir auch,
Was er versprochen hat.

OSMIN
Sei darum unbesorgt.
Ich kann nichts anders wollen,
Als was mein Bruder will. Sein Wunsch ist auch der meine,

Und meinem Herzen gleicht nichts besser, als das seine.

NARSEA
Du weißt von mir, theils daß ich liebe,
Theils aber, daß ich Tochter sei:
Empfindst du keine Mitleids-Triebe,
Wem fallen sie sonst für mich bei.
Mein Herz ehrt deine schöne Gaben,
Wie das, was es sich wünscht zu haben:
Ich traue blos auf deine Tugend,
Und überlaß mich deiner Treu.

Du weißt ...
(gehet ab.)

III. auftritt
Osmin, hernach Acornas

OSMIN
Sie weiß nicht, daß, da sie des Bruders Abgott ist,
Emira meiner sei: Und daß, wenn er den Frieden
Vergnügt zu Stande bringt, ich sicher hoffen kann,
Daß mit dem Friedens-Schluß auch meine schöne Feindin
Noch endlich meine sei. Auf diesen einigen Punkt,
Wo man sich nicht genug Verändrung denken kann,

Kommt meines Bruders Glück, und auch das meine an.

ACOMAS
Find ich dich endlich doch! Weißt du nicht, daß
dein Vater
Hier angekommen sei? und daß er mich, und den Vezier

Rusteno bei sich hat?

OSMIN
Ich weiß es wohl. Doch sage mir
Aus was für Ursach kommt er her?

ACOMAS
Hör mich nur an, mein Prinz.
Liebst du denn Selim noch?

OSMIN
Ob ich ihn liebe? O! ich bin dazu gebohren,
Ich leb', um es zu thun. Mich zieht die Freundschaft mehr,

Als selbst das Blut zu ihm. Ich weiß die ersten Wege
Zur Ehre blos durch ihn. Der Himmel hat verhängt.

Daß sein, und mein Geschick sich so vereingen sollte.
Daß ich viel tausendmahl vor selben sterben wollte.

ACOMAS
Ach! wenn du ihn so liebst, so zittre ich aus Furcht
Für diesen so geliebten Bruder.

OSMIN
Allein, was für Vergehn
Verursacht deine Furcht?

ACOMAS
Bisweilen wird das wichtigste Verdienst
Wohl zum Vergehn gemacht. Bisweilen kauft ein Traum
Den Strick zum Tode ein.

OSMIN
Wie! Was sagst du?

ACOMAS
Der Rang des Soliman ist allzuwlchtig,
Und er darüber eifersüchtig.
Sein Leben ist bald aus, und in so hohem Alter

Schöpft man gar leicht Verdacht.

OSMIN
Allein die Tugend meines Bruders,
Ist meinem Vater mehr als allzuwohl bekannt.

ACOMAS
Hingegen fehlt es ihr
An Feinden nimmermehr. Hernach sind Roßelane,

Und auch Rusteno seit langer Zeit
Schon deinem Bruder feind; Der leidt ihn nicht, weil jener

So mächtig wird, als er. Die Mutter hasset ihn,
Weil er des Reiches Erbe ist. Von beiden aber wird

Des Vaters Herz gelenkt.

OSMIN
Dieß alles weiß ich wohl.
Allein mein Bruder kommt als eines Reiches Ueberwinder
Zum Vater jetzt zurück. Ein jeder nennet ihn,
Den Helden unsrer Zeit. Und unser ganzes Heer

Setzt Lieb' und Hofnung bloß auf ihn.

ACOMAS
Dieß eben fürchte ich, daß es der Schatten sei,
Mit welchem sich der Sultan quält.

OSMIN
Ist es nun billig, daß ein Sohn
Sich einem eingebildten Schatten
Des Vaters opfern soll?

ACOMAS
Der Trieb, die Eifersucht, die eine Krone macht.
Hört die Vernunft nicht an;
Sie fragt nach keiner Pflicht, und wird niemahls verzeihn,

Sollt' auch ein solcher Sohn der allerbeste sein.
Liß nur, zu was für einer Zahl
Von traurigen Exempeln nicht die Nachricht deiner Aeltern

steiget,
Und wie so manches Trauerspiel in der Historie sich zeiget.


OSMIN
Die alten schädlichen Maximen sind bekannt,
Die sonst die unbezwungnen Ottomannen

Gemeiniglich gehabt. Ich weiß, daß Morden blos,
Der Weg zum Throne war, und daß die Grausamkeit
Denselben unterhielt. Allein dergleichen Wege
Hat Soliman verdammt. Er führte Gütigkeit,
Und Gnade voller Ruh mit sich auf seinen Thron,
Und lehrte dadurch seinen Söhnen, daß auch ein Sultan

unumschränkt
Regieren kann, und dennoch niemahls an solche

Grausamkeiten denkt.

ACOMAS
O trau der Gnade ja
Des Vaters nicht zu viel. Ich führ den Kern des Heeres an,

Der dem Groß-Sultan pflegt Gesetze vorzulegen.
Dein Bruder wird von ihm, als wie ein Gott verehrt.

Darum ertheile man von der Gefahr
Ihm eiligsten Bericht, und allenfalls sei man

Auf schleunge Gegenwehr bedacht.

OSMIN
Ich kenne meinen Bruder,
Acomas, allzuwohl. Die äußerste Gefahr bringt ihn

Nicht zu Verrätherei. Er würde den Beschützer
Von ihm als Feind ansehn. wenn eine schlechte That.

Zu seiner Rettung nöthig war.
Ja sollte ihn so gar ein' ehrenlose Hand,

Und ein schandvoller Tod verderben,
So würde Selim doch, dem Vater treu und gerne sterben.

Und also mag der Himmel blos
Vor dessen Unschuld wachsam sein.


ACOMAS
Ich geb dir nach: allein wiß nur,
Daß späte Hülfe meist von keinem Nutzen sei
Du siehst den Sturm, der droht, die Zeit kann leicht verstreichen.
Ich zeig dir die Gefahr: Such du ihr auszuweichen.

Wann sich vom Felß ein Strom ergiesset,
Der nur zu lauter Schaden fliesset,
Und ihn ein Wandrer rauschen höret,

So sucht er ihm bald zu entziehn.
So bald sich nur ein Wölkgen zeiget,
Das erst von weitem aufwärts steiget,
So wird ein wohlgeübter Schiffer,
Dem Sturme sich so gleich entziehn.
Wann sich ...
(gehet ab.)

IV. auftritt
Osmin. hernach Rusteno.

OSMIN
Die Ankunft meines Vaters
Hat ganz gewißlich einen
Besondern Gegenstand. Denselben einzusehn

Muß meine Sorge sein. Allein Rusteno kommt:
Der weiß gewiß Bescheid. Mir ist daran gelegen
Daß ich von ihm jetzt das Gehelmniß weiß.

RUSTENO
(Da ist ja gleich der Prinz: Wohlan, ich bin verwegen.)
(bei Seite.)

OSMIN
Welch gütiges Gestirn bringt, o Vezier, denn meinen Vater
So schleunig zu uns her?

RUSTENO
Er kommt, um Selims Ruhm
Verwundernd anzusehn. Allein warum find ich
Den Osmin so bestürzt?

OSMIN
Kann ich wohl ohngescheut:
Mein Herze dir entdecken?

RUSTENO
Dein Zweifel schimpfet mich.
Erkläre dich nur frei.

OSMIN
Die unvermuthete Anherkunft meines Vaters.
Befremdet mich recht sehr, und ich weiß nicht warum
Ich wegen Selims zittre.

RUSTENO
Entsage doch, o Prinz
Nur aller dieser Furcht. Dein Bruder ist
Dem Vater viel zu lieb Allein
(nur zürne
nicht.)
Ist es mir auch erlaubt.
Nach meiner Art ganz frei mit dir zu sprechen?


OSMIN
Sprich nur.

RUSTENO
Glaubst du nicht, daß ich dir getreu.
Und ganz ergeben sei?


OSMIN
Ich glaub es.

RUSTENO
Hältst du auch deiner Mutter Lehren,
Und was sie durch mich spricht in Ehren?

OSMIN
So weit es sich geziemt.

RUSTENO
So wisse, denn, daß Roßelane
Mit meinen Lippen spricht. Und biß wie lange willst

Du deines ältern Bruders
Beständger Sklave sein? Du weiß, daß Selim Soliman

Schon aus der ersten Ehe
Gebohren sei und daß hingegen Rosselane
Dich ihm zur Welt gebracht, Aus Erbschafft fällt dem Bruder,

So Reich als Scepter zu. Nun was für Hofnung läßt
Die seltne Freundschaft dir? Besteiget er den Thron,

Was wird dein Schicksal, dir erwerben?
Womit wirst du belohnt? Mit Ketten, oder Sterben.

Ach lege doch das Joch so unbedachter Zärtlichkeit
Nur einmahl von dir ab. Die eigne Mutter führet
Dich selber auf den Thron. Laß ihren Rath dich rühren:

So wirst du, wenn du willst, und sonst niemand regieren.

OSMIN
Wie! Solche schöne Sachen
Sagt meine Mutter mir? Hat sie sich so erkläret?

So hör auch an, was mir im Herzen wiederfähret.
Ich liebe Selim. und sein Recht,
Wird mir stets heilig sein. Ich seh in ihm bewundernd

Die Ehre Traciens: und mein Exempel wird
In ihm durch mich verehrt. Drum soll mirs lieber sein

Den letzten Tropfen Blut für selben zu vergiessen,
Als tausendmahl den Thron und Scepter zu geniessen,

Wenn er verrathen wird. Hast du mich wohl verstanden?

RUSTENO
Ich hab es wohl gehört.
Die Tugend ist sehr groß. Doch scheint es fremd zu sein.
Daß man sich lieber selbst als andere verletze.
Und eines Sohnes Pflicht der Bruder Pflicht nachsetze.


OSMIN
Schweig nur: Ich habe gnug erduldt: Denn was mich anbetrifft.
Besorg' ich vor mich selbst:
Und ich weiß allbereits, ohn andern Rath zu hören,

Was ich als Bruder thu, wen ich als Sohn, soll ehren.
Ich weiß es schon, wen ich soll lieben.
Ich weiß auch, wen ich fürchten soll.

Ich kenne meine Pflicht zu wohl.
Und dieses sei genug für dich.
Ich komm nicht her; aus dem Verlangen.

Auf eines Thrones Glanz zu prangen:
Und glaube nur. mein redlich Herze
Hegt nicht so grossen Stolz vor sich.
Ich weiß ...
(gehet ab.)

V. auftritt
Husteno allein

Wieviel Gefahr setzt Rosselane
Nicht meinen Eifer aus. Den Osmin zu verführen

Ist nur vergebne Müh. Und Selims Untergang
Ist nicht ein kleines Werk. Es ist wohl wahr, der Samen

Von mir gestreueten, und eifersüchtgen Gifts,
Käumt in dem Herzen Solimans
Bereits gewaltig vor. Dennoch bleibt Soliman der Vater,
Der Prinz bleibt immer Sohn, und ich befürchte sehr ...
Ich könnte ... besser würd' es sein ... Doch nein, er muß verderben:
Es sterbe Selim. Ja. So hell' ich Rosselanen
Und mir zu einer Zeit. Sie macht dadurch den Scepter

Dem Sohn auf einmahl fest, und ich versichre mich
In des Monarchen Gunst. Mach ich mein Werk gescheidt.

So wird des Sultans Tochter
Der Lohn vor meine Müh: Dieselbe beth ich an.
Ich weiß, daß meiner Macht, so wohl, als meiner Liebe

Sich Selim wiedersetzt.
So lang, als dieser lebt, bin ich noch nicht Vezier zu nennen:

Und kommt er auf den Thron, so muß ich ins Verderben rennen.
Der Anfang ist gemacht,
Das Ende muß auch sein. Was hilft es viel erwägen,

Es ist nun keine Zeit die Reu zu überlegen.
Das, was ich einmahl angefangen,
Muß auch mit Recht zum Zweck gelangen:

Die Rache hat zu grosse Gründe,
Und die Belohnung ist zu schön.

Wer sich zu kühnen Unternehmen
Einmahl getrauet zu bequemen.
Der such das Ziel ja zu erreichen
Wo nicht: so laß er alles stehn.
Das was ...
(gehet ab.)

VI. auftritt
Ein prächtiger Ort, zur öffentlichen Audienz.
Des Groß-Sultans Thron auf einer Seite.
Erblickung der innern Höfe der Burg.

Soliman Acomas hornach Rusteno Bogen-Schüttzen.
welche die Eingänge beselzen

SOLIMAN
Ich hab' es allbereits befohlen.
Es gehe niemand aus, und niemand mache kund,
Ich sei in dieser Burg. Mein Sohn soll jetzt von
Hier überfallen sein. Kommt wieder an den Ort,
So bald er anlangt, ihr getreuen.
Habt Ihr es wohl gehört. Vor jetzo gehet fort.
(zu den stummen Personen, welche abgehen.)

ACOMAS
(Wie kann ich immer doch den Prinz hiervon berichten?)
(zu sich selbst, bei Seite.)

SOLIMAN
Nun ist es endlich Zelt.
Daß ich, Acomas, dir mein ganz Geheimniß lasse wissen.
Ich hab dich nicht umsonst mit mir hierher geführt.
Ich brauche deine Treu. Du kannst dem Sultan jetzt
Frei ins Gesichte sehn,
Sprich mit ihm, er erlaubts. Komm näher her getreten
Du fürchtest dich? Vor was?

ACOMAS
Mein unumschränkter Herr kommt, daß es wenige
Von seinen Lieblingen, sonst keine, dürffen wissen,
Von Pontus unvermuth im Flug nach Babilon,
Und ich soll ruhig sein?

SOLIMAN
Scheint es dir fremd, wenn ich
Jetzt so bestürzt, und auf die Weise
Hier angelanget bin? Auf was soll ich denn warten?
Daß ich von meinem Sohn
Den Thron besteigen seh, und daß, wenn ich, als Herr,

Und Vater dieses Sohns mich, als sein Sklave beuge,
Des Urgroßvaters Schimpf an mir von neuem zeige?

ACOMAS
(Ach, sah' ichs nicht voraus!) Der grosse Soliman
Dem dieses Reich so viele Reiche
Allein zu danken hat, und dessen Haupt

So mancher Lorbeerkranz bedeckt.
Kann so in Aengsten sein.

SOLIMAN
Mein Alter hat die Lorbeerkränze
Bereits verwelkt gemacht. Wie viel mir Tracien zu danken.

Weiß selbiges nicht mehr. Ich bin ein Schatten nur
Von dem, was ich sonst war. Da meine Sonne untergeht.

So steigt mein Sohn, als wie die neue auf
Und jedermann wendt seine Augen drauf.

Die Unterthanen, die Soldaten,
Die schwören nur bei ihm. An meinen Namen denkt
Man fast nicht mehr einmahl. Mein Sohn selbst hat vergessen,

Daß ich noch lebend bin. Er spricht und thut bereits
Als unumschränkter Herr. Ohn meinen Beifall zu erhalten,

Kommt er von Tauris nebst dem Lager
Nach Babilon zurück. Dem Feinde selbst läßt er

Gelegenheit zur Flucht. Wer weiß, was eigentlich
Desselben Absicht sei?

ACOMAS
Und gleichwohl ist dein Sohn,
Und auch das Heer dir so getreu.

SOLIMAN
Das Heer verändert leicht
Sein aufgelegtes Joch.
Hernach verführt der Glanz des Thrones

Gar leicht das Herze eines Sohnes.

ACOMAS
O Himmel! dieser Sohn
War deine Hofnung sonst; Wie wird er auf einmahl
Denn jetzo deine Furcht?

SOLIMAN
Ich hatt' ihn mehr, als allzulieb.
Allein ein Sultan muß in dem, der ihm soll folgen.
Stets einen Nebenbuhler scheun. Je mehr der Sohn verdient,

Je mehr ist meine Pflicht auf meiner Hut zu sein.

RUSTENO
Herr, Selim langt
Schon in der Burg hier an.
(man hört den Lermen von dem Marsche.)

SOLIMAN
Er komme nur: ich wart' auf ihn
Wo ihn der Pomp von seinem Siege
Bereits verblendet hat: Wo er mich, seinen Herrn, und Vater

Nicht mehr erkennen will: Wofern er glaubt, er habe schon
Den Scepter in der Hand: So treff' er mIch hier unvermutht
Auf meinem Throne an. Mein Angesichte soll
Den übermüthigen schon stören:
Er mag sehn, daß mir Kron, und Scepter noch gehören.
(er steiget
auf den Thron, und wird von Acornas, und Rusteno
bedient, die auf den beiden Seiten des Thrones stehen.)

VII. AUFTRITT
Selim hernach Osmin. Narsea, und Emira,
mit einem Gefolge von adelichen
Gefangenen und die vorigen.

DER CHOR
Es leb der stark' und tapfre Held.
Der Persien hat überwunden.
Er scheuet nicht Gefahr, noch Tod.

Wenn er auch noch so grausam droht:
Er ist die Hofnung unsres Reichs,
Vor dem die Barbarn Furcht empfunden.
Es leb der stark', und tapfre Held,

Der Persien hat überwunden.
Zuerst gehen die Soldaten, welche den Chor singen. Hernach kommt
der Zug von Elefanten, und Camelen, die mit Sack, und Pack beladen
sind Hierauf folgen Sklaven, und Moren, davon einige wilde Thiere
führen, andere aber Beute von den überwundenen tragen, und die
Gefangenen, und Handpferde machen den Schluß. Verschiedene
Bassa zu Pferde, welche die gewöhnlichen Roß-Schweife tragen,
rücken näher an, und nach diesen kommt Selim zwischen seinen

Officieren und Aga und führet den obersten Commando-Stab in der
Hand EinTrupp Janitscharen beschliesset den Marsch. Sobald als
Selim an den prächtigen Ort kommt, steigter ab. und tritt näher zu.
Sein ganz Gefolge aber setzt sich in den Höfen in Ordnung.

ACOMAS
Sieh nur, o Herr, wie angenehm
Dieß sein Gesichte sei.
(er weist auf
den Selim, der von Pferde steigt.)

RUSTENO
Sieh nur, wie kühn er thut.
(wie
oben.)

SOLIMAN
Der Argwohn schenkt mir Gift.
(zum Acomas)

Und meine Neigung sucht mich wieder zu verführen.
(zu Rusteno.)

SELIM
(Hier ist mein Vater! O ihr Sterne!)
(er sieht Soliman.)


SOLIMAN
Er wird schon ganz bestürzt.

SELIM
(Was sag' ich immermehr!)

SOLIMAN
Er untersteht sich nicht zu sprechen.

RUSTENO
Ja, sein Gewissen schrecket ihn.
(zu Soliman.)


ACOMAS
Nein, das Erstaunen läßt ihn schweigen.
(zu Soliman.)

SELIM
(O Liebe, steh mir bei!)
Wir haben, o mein Herr, und Vater überwunden.

Das ganze Persien
Seufzt in Gefangenschaft,
Und von dem äusserst kalten Meere, biß man von

Morgenländern hört.
Da wird von Thracien alleine der Mond und du zugleich verehrt.

Das, was du um mich siehst,
Wild, Beute, Sklaverei, Gewehr, und Siegeszeichen,
DIe Ich, als unterthängen Zinß hiermit zu deinen Füssen lege.

Die machen nun den Ruf von meinen Siegen rege.
Wie glücklich bin Ich überdieß,
Daß, da ich jetzt was neues schenken kann,
Das meiner Tapferkeit der gütge Himel zugetheilet,

Mein Vater selbst hierher es zu betrachten eilet.

SOLIMAN
Bei allem diesen Pomp seh ich zwar deinen Stolz
(zu Selim.)
Allein nicht deinen Sieg Was macht Tacmantes denn?
Wo stecket nun mein Feind?

SELIM
Er floh. indessen legt das Glück,
Des Königs Persiens bedauernswürdge Töchter,

Die jetzo Fesseln tragen müssen.
Als Friedens-Geisseln hier zu deinen hohen Füssen.

Hier kommen sie gleich an.
(er siehst die Narsea, und Emira,
welche von Osmin gefuhret werden.)
Um vor dich zu gelangen.
Führt sie mein jüngrer Bruder her. (Wie frostig
Ist ein solch Emptangen:)
(zu
sich selbst.)
(die Gefangenen treten heran,
und legen sich an dem Fusse

des Thrones auf die Knie.)

NARSEA
Sieh hier zwei Opfer deines Grimms.
Die doch unschuldig sind, zu deinen Füssen liegen.


OSMIN
Und welche deiner Gnad, und Huld
Wahrhaftig würdig sind.

EMIRA
(Welch wildes Angesicht!)
(zu sich selbst, in dem sie Soliman ansiehet.)


SELIM
(Wie schläget nicht mein Herz,
Da es sein Gut so nahe sieht.)
(zu sich selbst.)


SOLIMAN
Steht auf.
(die Gefangenen stehn auf, und Narsea stellet sich auf

Selims, Emira aber auf Osmins Seite.)
Ich hatte ja, dir Sohn, befohlen,
(zu Selim.)
Tacmantes lebend, oder todt zu meinen Füssen herzuholen.

Er lebt: mein Feind. ist frei:
Und du, Prinz hältst Triumph? Ich sehe ja so gar,
(er weist auf Selim, und Osmin, welche Persisch gekleidet sind.)
Daß meine Söhne schon. gleich neuen Alexandern,

In Persianscher Tracht vor meinen Augen wandern.
Man spricht von Friede, da das Lager
Von Tauris wiederkommt. Ich schmeichelte mir schon,

Du würdest dich berühmt, allein durch andre Sachen,
Als Sklaven, wildes Thier. und Frauenzimmer machen.

ACOMAS
(Die Gluth bricht wieder aus.)
(zu sich.)


RUSTENO
(Nunmehro wirkt der Gift.)
(zu sich.)


SELIM
Allein der Perser König
Fleht dich um Frieden an. Und ist es ein Triumph,
Wenn man verwegne straft, so wird er noch viel grösser,

Wenn man bezwungenen verzeiht. Es hat ja Persien
Schon deine Macht genug probirt: Nun lasse selbiges
Auch deine Gnade sehn. Die Welt bewundre sie.
Der Himmel falle bei

SOLIMAN
Ich will von dir Gehorsam haben,
Und keinen guten Rath. Die oberste Gewalt
Vom Ottomannschen Heer, die ich dir anvertraut,
Leg zu den Füssen meines Throns ohn allen Anstand nieder.
Verehre meinen Wink, und schnaube nicht dawieder.


SELIM
Auf den ehrwürdigen Befehl
Leg ich die Stirne hin.
(er legt
den Cornando-Stab zu den Füssen des Thrones nieder
welcher von zween Bassa. von des Groß-Sultans Gefolge.
auf
gehoben, und auf ein gros golden Becken, welches ein
Page reichet, geleget wird.).

SOLIMAN
Den Feldherrn sei nunmehr bekannt,
Daß die dem Sohn bißher vertraute höchste Macht
Vom ganzen Heer, anfetzt zu Ende sei gekommen.
(Soliman stehet vom Thron auf.)
Ich bin in Babilon, drum wird sie von mir wieder angenommen.
Das Lager sei daher auch morgen schon bereit
Mit mir aufs frühste aufzubrechen. Ihr Söhne wartet In der Burg

Indeß auf ferneren Befehl.
Und untersteht euch nicht von hinnen wegzugeben.

(er steigt vom Throne herunter)

OSMIN
(Ich wage nicht ein Wort.)

SELIM
(Ich bleibe steinern stehen.)

SOLIMAN
Mein Feind, der König, sei auch immer, wo er sei,
So zittre er vor mir, und hoffe, weil er lebt,
Von mir in Ewigkeit nicht Frieden..

NARSEA
(Narsea, was wird dir geschehn!)
(zu
sich.)

EMIRA
(Emira, was wird dir beschieden!)
(zu
sich.)

SOLIMAN
Er flieht umsonst, und sucht vergebens,
Nebst Frieden. Sicherheit des Lebens,
Da ist kein Wald, da ist kein Ufer.
Das ihn von meiner Wuth befreit.
Ein Sieger Ist als Narr zu strafen,
Der gleich will auf den Lorbeern schlafen,

Damit der Feind die Flucht ergreife,
Und ängstlich nach dem Frieden schreit.

Er flieht ...
(Soliman gehet ab, welchem alle Baßen,
und seine Bogenschützen folgen,
worauf die ganze vorige prächtige Begleitung
des Selims sich nach

und nach zurücke ziehet )

VIII. AUFTRITT
Narsea, Emira, Selim, und Osmin

NARSEA
Und Selim redet nicht?
(zu Selim.)


EMIRA
Und Osmin schweiget gar?
(zu Osmin.)


NARSEA
Begehst du also dein Vermählen?
(zu Selim.)


EMIRA
Vermuthlich soll man dieß zum Friedensschlusse
zählen?
(zu Osmin.)

SELIM
Mein Leben, liebster Schatz ...

NARSEA
Was? Ich dein Schatz! Wen redst du an?

SELIM
O Himmel! Scheint dir dieses denn
Ein gar so fremd, und kühnes Unterfangen?


NARSEA
Fremd, und auch kühn genug.

SELIM
Bist du denn nicht mein Schatz,
Und ich dein Bräutigam?

NARSEA
Du irrest dich, weil ich
Tacmantes Tochter nur, und deine Feindin bin.

Von deinem grausamen Triumph
Muß ich ein Schauspiel sein.
Dich muß ich nur mein Unglück
nennen,
Und vor den allzuwürdgen Sohn
des Bluthunds Asiens erkennen.

SELIM
Verschwör du dich nur noch, fürtrefliche Narsea,
Zu meinem Unglück nicht. Laß du mich wenigstens
Nur noch dein Mitleid sehn.

NARSEA
So viel, als mein betrübter Vater.
Von deinem hier erhält.

SELIM
Kann. wenn mein Vater nicht den Frieden billiget,
Ich was dawieder thun?

NARSEA
So? Da kannst du nichts thun? Und also machet dich
Der erste Anblick von dem Vater
Auf einmahl wankelhaft? Ich thorichte! Ich habe

Mich einem Thracier vertraut: Geh' undankbarer fort;
Vergiß so Lieb, als Treu, vergiß auch alle Schwüre:
Mach deinen Vater gut: Vollführe, was er will:
Und stille deinen Durst
In des Tacmantes Blut: Reiß nieder, senge, brenne:

Und mach, daß Persien sich nicht mehr kann erheben,
Ist dieß noch nicht genug, so nimm auch mir das Leben.
(halb zornig, und halb weinend.)

SELIM
Du kennst mich schlecht: Leb wohl.

NARSEA
Wo willst du aber hin?

SELIM
Zum Vater:
Um meine Neigungen ihm völlig zu entdecken.
Und weder Frieden, noch die Heirath zu verstecken:

Um beides demuthsvoll zu seinen Füssen zu erwerben,
Und schlägt mir dieses fehl, mit Freuden, ohne Dich, zu sterben.

OSMIN
Mein Bruder, warte noch.
Sprich mit dem Vater nicht;
sonst reizst du ihn zum Zorn.

Du giebst der Arglist neue Waffen,
Zu deinem Schaden, in die Hand.
Mein Herze lässet mich

Voraus ein Unglück sehn.

SELIM
Es kann kein größres sein,
Als was mir wiederfährt. Da mich mein Vater haßt,
Und meine auserwählte Schöne für mich nur Wiederwillen faßt,

So find ich mein Geschick so grausam, so unbillig.
Daß ich das Leben scheu; dem Tode folg ich willig.

O! meine Schöne, laß indessen
Die erste Liebe unvergessen,
Du kennst noch nicht mein redlich Herze,

Du siehst noch dessen Treu nicht ein.
Gewiß, ich stille dieses Weinen.
Das Mitleid soll vor uns erscheinen:

Wo nicht, so will ich zu den Füssen
Des Vaters, ohne Leben sein.
O! meine
...
(gehet ab.)

Narsea, Emira, und Osmin.

NARSEA
Osmin. folg ihm nur nach. Geh mit zum Vater hin,
Und suche nur mit seinen
Auch deine Bitten zu vereinen.

OSMIN
Dieß gebe ja der Himmel niemahls zu.
Ich halte ihn vielmehr zurück.
(im Weggehen.)

EMIRA
Verzieh.
(sie hält
ihn auf)
Ist Schwester dieß
Der nämliche Osmin,
Der Selim liebt, und nur nach seinem Wille lebet,

Der eben so ein Herz, wie jener hat, besitzt?

OSMIN
O halte mich nicht auf:
Erlaub mir nachzugehn. Du kennest die Gefahr

Von meinem Bruder nicht!
(zu
Emira.)
Hohl ich ihn ietzt nicht ein,
So hohlt er selbst den Strick, der ihm den Tod soll geben:

Und wo er sterben muß, Narsea, bringst du ihn ums Leben.
(gehet ab.)

X.AUFTRITT
Narsea, und Emira.

NARSEA
Emira, hörst du wohl? Verdammest du an mir
Noch immer meine Furcht? Hat sie mein Unglück nicht
Mir im voraus gesagt? Es war nicht viel, vor einen Vater
in tausend Angst zu sein; Nun macht mein Liebster mir
Noch zehnmahl grössere. Sag, was soll ich noch hoffen?
Beharrst du noch darauf, daß ich nicht weinen soll?


EMIRA
Narsea, Muth gefaßt,
Es ist im Himmel noch ein gütiges Gestirne,

Das uns, und Selim schützt.

NARSEA
Geliebte Schwester ich
Bewundere dein standhaft Herze,
Nachahmen kann ichs nicht. Ich bin zum Unglück blos
gebohren.
Mich liebet Selim, und dieß ist genug,

Daß vor mich an dem Himmel
Kein gutgar Stern mehr scheint. Ach Himmel, soll es sein.

So will ich durch Verdruß dem Tode gerne unterliegen,
Allein laß du dir nur an selbigem genügen.
Verhängniß, schon des Vaters nur

Und rette das, was ich verehre:
Denn gieb mir weiter kein Gehöre,
Und stürme nur auf mich allein.
Laß mich durch dein erzürnt Bezeigen,

O Himmel auf das tiefste beugen:
Verzeihe aber meinem Vater,
Laß meinen Schatz erhalten sein.

Verhängniß ...
(gehet ab.)

XI. AUFTRITT
Emira allein.
Wie schlimm verfährst du nicht, o Liebe,
Mit denen, die dir traun! Wenn wird man wohl einmahl

Mit dir in Ruhe sein? Nur Seufzer, Angst und Klagen
Sind deine Stärkungen, die du weißt aufzutragen.
Wenn eine Seele bei Verdruß
Der Liebe einmahl schwärmen muß:

So hat sie weiter kein Vergnügen.
So weiß sie nicht, was Ruhe sei.
Dem armen Herzen, das erkennet,
Daß es aus Liebe schmachtend brennet,

Bringt auch ein wirkliches Ergötzen
Die marterndste Empfindung bei.

Wenn eine…
(gehet ab.)

XII. AUFTRITT
Soliman, hernach Rusteno, endlich Selim


SOLIMAN
Das ganze Lager murrt.
Weil ich es führen will? Mein Sohn hat wirklich alle Herzen

Von mir ganz abgewandt. Stürz ich den Selim nicht,
Was fängt er wohl noch mit mir an?


RUSTENO
Herr. Selim bittet dich.
Daß du ihm gönnst vor dich zu kommen.

SOLIMAN
Geh: und verhindre ihn.

RUSTENO
Wie du befiehlst. (Er ist gefangen.)
(zu sich, im Weggehen.)

SOLIMAN
Verziehe. Es wird beßer sein,
Wenn ich erst höre, was er will.
Wart ohnweit hier, und laß ihn kommen.
Vielleicht ist durch ihn selbst sein Untergang jetzt da.


RUSTENO
(Mein Sieg verzögert zwar, hingegen ist er nah.)
(er gehet ab, und bleibet zwischen der Scene stehen.)

SOLIMAN
Ich will doch hören, was er sagt. Ich will nicht zornig thun.
Er soll vielmehr die alte Zärtlichkeit

In meinem Angesicht erblicken
Es muß sein ganzes Herz mir zu entdecken, glücken.

(Selim tritt herein.)
Komm naher her, mein Sohn, und such des Vaters Gunst
Anjetzt aufs neue zu verdienen.

SELIM
Durch was für ein Vergehn
Hab ich dieselbe denn, mein Vater, eingebüßt?


SOLIMAN
Willst du. daß ich verzeih,
So steh dein Fehlen zu Heißt dieses kein Vergehn,
Daß du die dir vertraut, und höchste Macht beim Heere

So schändlich mißgebraucht? Daß du im ganzen Lager
Aufruhr erwecket hast? Und daß dir, da du jetzt
Mein schwaches Alter sollst aufs beste unterstützen,

Dich das Verlangen blos zum Throne laßt erhitzen?

SELIM
So schuldig glaubst du mich? Die Erde schluck mich ein,
Wenn ich nur einen so verwegenen Gedanken,
Jemahls im Sinn gehabt. Nein, Vater, dich betrügt

Ein falscher Bösewicht. Du sollst anjetzo gleich
Mein ganzes Herze sehn. Ich will mein ganz Verbrechen

Dir willig zugestehn. Allein dasselbe ist
Gar nicht von dieser Art. Nur Liebes-Fehler sind begangen,
Und nach Narsea steht mein einziges Verlangen.

SOLIMAN
Nach der Narsea? Sag,
Was hoffst du denn von dieser Liebe?


SELIM
Daß sie mein Vater billige,
Daß mich ein feierliches Band mit ihre vereinige:
Und endlich sei durch diese Wahl ein dauerhafter Frieden,

So wohl den Persern, als den Thraciern beschieden.

SOLIMAN
Hat sie zu dieser Heirath schon
Von dir ein förmliches Versprechen?

SELIM
Ja. sie hat Hand und Schwur: ich werd ihn auch
nicht brechen.

SOLIMAN
Verwegner, und du schwörst, Tacmantes Kind
Zu meiner Aeltern Thron, und Bette zu erheben,
Und gleichwohl rühmst du dich noch Unschuldsvoll zu

leben?

SELIM
Man siehet ja auf deinem Thron
Jetzt deine vorge Sklavin prangen,
Warum soll nun die Erbin nicht von Persien dazu gelangen?
Du führtst durch Rosselanen ja
Auf feierlichste Art die Heirath wieder ein,
Ich folg dem Vater nach. und soll doch schuldig sein?


SOLIMAN
Und du versprichst die Eh, und schaffst, ohn daß ichs weiß,
Den Frieden dem. den ich mit aller Macht bekriege,

Und Ich soll stille sein? Bin Ich denn also nur
Ein Königlich Gespenst? Und bist du von dem Reich

Der unumschränkte Herr?
Ich also kann nicht mehr nach meinem Gutbefinden.

Den Krieg bestätigen, und friedlich mich verbinden?

SELIM
Erzürne dich nur nicht. Narsea liebe ich,
Und leb auch nicht ohn sie.
Drum komm ich her zu deinen Füssen,
Und will entweder meinen Tod, wo nicht,
Belohnung von dir wissen.
Ach sind dir jetzt in deiner Brust
Die ersten Neigungen nicht gänzlich unbewust:

Hab' ich, wenn ich dir nachgefolgt,
Durch allen meinen Schweiß, durch alle meine Wunden

Jemahls etwas verdient: So mach, daß mein unschuldige Liebe
Noch endlich glücklich sei. Sprichst aber Vater, du
Was ich gelobt, nicht gut: So ist dieß mein Verbrechen.

Ich schütze mich nicht mehr.
(er kniet nieder)
Eröffne meine Brust,
Durchstosse mir das Herz:
Besänftge dich durch mein Verderben.
Mein Fehler ist zu schön,
noch schöner ist mein Sterben.


SOLIMAN
Steh auf. Ich werde mich entschlüssen.

SELIM
Sprich, Herr. Ich will von meinen ietzigen Geschick
Hier unterrichtet sein. Und eh begeb ich mich
Auch nimmermehr von deinen Füssen.

SOLIMAN
Ich thue, was du willst: Du sollst dein Schicksal wissen.
(gehet ab.)

SELIM
Er lässet mich!
(er stehet wieder auf.)
Wohlan, ich will es hier erleben.

RUSTENO
Dein Vater, Selim, will du sollst den Degen geben.
(es kommen 12 Bogen-Schutzen mit Rusten heraus.)

SELIM
Den Degen!

RUSTENO
Dein Schicksal thut mir weh.
Allein, du weißt es wohl,
Daß ich muß dem Monarch gehorchen.
(er gehet auf ihn los, um ihn zu entwafnen.)

SELIM
Verwegner, geh zurück
(er stößt ihn von sich.)
Von deines gleichen nimmt
Mir keiner mein Gewehr. Ich aber geb es hin.

(er nimmt den Degen ab.)
Doch sag dem Vater nur, daß ich zwar seinen Wink verehre,
Allein aus keiner Furcht. Ein recht unschuldig Herz
Geht seinem Schicksal stets mit frohem Mut entgegen.

Geh du zum Vater hin: Hier hast du meinen Degen.
(er wirft
den Degen dem Rusten vor die Füße, und einer
von den Bogen-Schützen hebt ihn auf.)

RUSTENO
(Sag' alles, was dein Zorn nur immer sagen kann,
In einem Augenblick fängt meine Rache an.)

SELIM
Mein Vater nehme meinen Degen,
Allein er mag zugleich erwägen,
Wie oft er schon in manchen Schlachten
Zu seinen Nutzen hat geblitzt.
Und soll ich auch noch heute sterben,

So werd' ich doch den Ruhm erwerben,
Daß er von allen seinen Feinden
Vor ihn sehr vieles Blut verspritzt.

Mein Vater ...
(gehet
zwischen den Bogen-Schützen ab.)





Andere Handlung


ERSTE HANDLUNG
ANDERE HANDLUNG
DRITTE HANDLUNG

 



Ein Cabinet, mit Persischen Zierrathen ausgeputzt.
Ein vor Soliman reicher zugerichteter Sopha.

I. AUFTRITT
Soliman. hernach Osmin.

SOLIMAN
Hier!
(es kommt
ein Page heraus.)
Laßt Acomas vor uns kommen.
(der Page gehet ab, und Soliman setzt sich nieder)

OSMIN
Mein Vater, wenn ich mich
Zu deinen Füssen niederlege,
So zürne nicht mit mir.
(im
Niederknien.)

SOLIMAN
Steh auf. Sag, was verlangest du?

OSMIN
Was kann ich anders wohl verlangen
Als Mitleid, und Verzeihn
Vor meinen armen Bruder?

SOLIMAN
Du willst mein Mitleid, und Verzeihn
Weißt du denn aber auch
Was er verbrochen hat?

OSMIN
Verbrechen weiß ich nicht:
Allein, mein Vater wenn auch ich nicht reden soll,

Wer spricht denn sonst für ihn?

SOLIMAN
Schweig', denn ich kann.
Und darf dich auch nicht hören.

OSMIN
O allerliebster Vater.

SOLIMAN
Osmin, hast du gehört?
Ich habe dir zu schweigen letzt befohlen,

Nicht, daß du klagen sollst,
Geh: und erfülle das, was ich dir aufgeleget.

OSMIN
(O, daß ein Vater doch so wenig Mitleid heget!)
Soll mein geliebter Bruder, Leben,
Und Blut du deiner Rache geben:

So töd' ihn mir in meinem Herzen,
Da trifst du ihn gewißlich an.
Mein ganzes Blut soll gleichfalls fliessen.

So bald er seines wird vergiessen
Ich will mit ihm zugleich verderben.

Wenn ich nicht vor ihn sterben kann.
Soll mein ...
(gehet ab.)

II. AUFTRITT
Soliman, hernach Acomas


SOLIMAN
Was hilft es mir nunmehr.
Daß ich die Araber geschlagen,
Und daß Aegea, nebst Aegipten Fesseln tragen?

Ist dieß der Preiß von meinen Siegen
Daß, da ich bald in Run die Augen sollte schliessen

Das Lager muß empört den Sohn Verräther wissen?
Komm her, Acomas komm.
Vertheidge mir nun noch den ungerathnen Sohn,

So fern dirs möglich ist. Heiß meinen Argwohn nun
Noch immer ungerecht: Narsea wird
Von Selim so geliebt, daß er als Bräutigam ihr
Die Treu geschworen hat: Zu meiner Schande will

Er dem Tacmantes Friede geben,
Und alle Pflicht ist schon im Stolz so weit verstecket,

Daß er sein Absehn mir frei ins Gesicht entdecket.

ACOMAS
Vielleicht entdeckt dir Selim nur sein Herz,
Um deinen Zweifel beizulegen.

SOLIMAN
Auf diese Art vermehrt er ihn:
Ich fürcht' ietzt mehr als sonst jemahls,
Daß zwischen meinem Feind, und Sohn
Ein schädliches Verständniß sei.

ACOMAS
Woher entsteht die Furcht?

SOLIMAN
Aus seiner thorichten,
Und recht verwegnen Brunst. Aus dem verlangten Bündniß

Mit seinen Persiern: Auch aus dem Lager selbst,
Das sich bereits für ihn verschwöret,
Und aus der sichern Art, woduch er sich erkläret.


ACOMAS
Doch wenn ich reden darf ...

SOLIMAN
Sprich nur. Und, wenn dirs möglich ist,
Vertheidige sein Thun; Nein; nein, ich habe nicht
Nach meinem Blute Durst. O sollt er mir in meinen Augen
Aufs neu unschuldig sein!

ACOMAS
Und ich seh noch nicht ein,
Was er verbrochen hat. Er liebet die Narsea.
Drum hat er gern mit dir vom Frieden wollen sprechen,

Blos, daß er sie erhält: Dieß ist sein ganz Verbrechen.

SOLIMAN
Soll dieser Liebe nun die Ottomannsche Grösse
Feil, und zu Diensten stehn? Soll ich mit Persien
Mich nun vereinigen, und selbst die Wafen geben,
Wodurch ich noch als Knecht von meinem Feind kann leben?

Nein dieses leid Ich nicht. Die Macht von blinder Liebe,
Ist mir bereits bekannt. Nein, meiner Aeltern blutgen Spur

Muß ietzt gefolget sein: Durch einen einzgen Streich
Kann Ich die letzten Tage noch von meinem Leben sicher machen.
Holla! ...
(es kommt ein Page heraus.)

ACOMAS
Was hör ich! Soliman! Wie kannst du von dir selbst
So unterschieden sein! Du hast der Aeltern Spur
Stets mißgebilliget, und ietzo folgst du ihr?

Ach halte ein! Ach was erweckst du nicht
Für Leid vor deine Unterthanen,
Den Feinden nichts als Sieg,
Und dir hingegen Reu! Entziehe doch der Welt
Dein eignes Bildniß nicht. Du weißt,
wie oft dem Sohn.
Bald über Indier, bald aber über Mauren.
Als Sieger wiederkam. Du weißt, daß er als Kind

Schon dein Ergözen war: und weißt ...

SOLIMAN
O denke mir an meine Neigung
Und seinen Ruhm nicht mehr.

Ich weiß so beides allzusehr.

ACOMAS
Ach ja. ich kann die Regungen des Bluts
Dir aus den Augen sehn.
Herr, steh denselben bei Bestraf die Missethäter,

Die dir dein Herz verführt. Nein Selim schicket sich
Nicht zu Verrätherei Ruff Ihn zu dir zurück.
Mach ihn von Banden frei
Schenk ihm die erste Gunst. Er wird vom ganzen Heer

Zu deinem Schutz die Neigung rege machen.
Sein Eifer weiht sich dir, sein Arm, sein Helden-Muth.

Und wenn dus haben willst, so sag ich vor ihn gut.

SOLIMAN
Schwelg: Gehe: Weiter nichts.

ACOMAS
Entschlüsse dich: Ich lauffe eiligst hin,
Er soll sogleich zu deinen Füßen sein.

SOLIMAN
Geh, laße mich allein.

ACOMAS
Ach, wo dein Herz so grausam ist,
Daß es sein Mitleid gar vergißt
So denke nur, wer der Verbrecher.
Und auch, was das Vergehen sei.
Besinne dich auf meinen Rath:
Denk, welch ein Herz ein Vater hat.
Denk, daß dein Sohn sich hat vergangen.
Allein wodurch? durch Lieb' und Treu.
Ach. wo dein …

III. AUFTRITT

Soliman, hernach Narsea.


SOLIMAN
Wie schlimm, ist nicht mein Stand! Was soll ich
nun als Vater.
Und als Regente thun? Nach Schärfe schreit der Thron.

Der Sohn nach Gnad' und Huld. Du, der du über Muselmänner,
Und über Himmel herrschst.

Ach lenke einem armen Vater
Sein so betrübtes Herz Sag jemand, daß Narsea
(der Page geht ab.)
Hier zu mir kommen soll. Man such vor Mittel ihn zu retten,
Eh daß man ihn bestraft. Ich wollte gern verwunden.
Und gleich wohl weiß ich nicht, durch was für Zauberei

Mir meine Hand dazu starr. Lind gehemmet sei.

HARSEA
Sieh deine Sklavin hier
Auf deinen hohen Wink. Darf ich denn aber hoffen,

Daß Soliman mein Bitten hört?

SOLIMAN
Was willst du denn von mir?

NARSEA
Ach steht es jemahls frei,
Daß eine unglückseelge Sklavin
Um Gnade bitten darf: So habe Herr. mit meinem Vater

Erbarmen, und Geduld. Um seiner hohen Augen willen.
Die ich mir anzusehn nicht trau: Und alle diese Thränen.
Die mir aus meinen Augen schon ...

SOLIMAN
Willst du den Vater frei. so rette meinen Sohn.

NARSEA
Und auf was Art!

SOLIMAN
Narsea, Selim ist
Aus Lieb in dich entbrennt. Er hat dich. in das Bett',
Und auf den Thron der Ottomannen
Zu führen angelobt. Ich kann in seinem Wunsch

Unmöglich willigen. Ich war als Vater zwar
Ihm dieses
zu verwehren,
Alleine groß genug. Allein ich möchte nicht
Den üblen Wirkungen von starrigtem Verstocken

Ihn ausgesetzet sehn. Drum such' ich Rath bei dir:
Vernichte du, was unbedachtsam
Von Ihm versprochen ist. Bleib hier. Ich schick dir meinen Sohn

Den Augenblick hierher. Sag ihm, daß er nicht mehr
An dich gedenken soll. und seine Gunst zu andern

Nunmehro wenden muß. Er wird bezwungen sein,
Wenn er bei der, die seine Brust entzündet,
Den Ausspruch seines Glücks, auf deinen Lippen findet...


NARSEA
Es ist wahr: Selim hat
Mein unglückseelige, und nur geringe Schönheit

Gefällig angesehn
Er liebt mich, und ich sollte eher sterben
Als ihm auch günstig sein, allein (ich kann nicht lügen.)
Ich lieb ihn ebenfalls, und will dich nicht betrügen.

Dieß weiß auch Selim schon. Ihm solches zu verhehlen
Stand nicht in meiner Macht. Und ich sollt jetzo selbst
Solch grausam Urtheil ihm ... Nein Herr: Besinne dich
Auf einen andern Rath. Denn wenn ich auch schon wollte,
So weiß ich, daß ein einzger Blick den ganzen Mund verrathen

sollte.

SOLIMAN
Der Schluß ist schon gemacht: Stehst du mit deinem Wollen
Den meinigen letzt bei; so geh ich deinem Vater Friede,

Und lasse dir, und deiner Schwester
Die Freiheit wieder zu. Schlägst du es aber aus,

So ist kein Mitleid, und kein Friede
Vor den Tacmantes mehr. Und weil du meinen Sohn verführt,

Sollst du es schwer entgelten müssen.

NARSEA
Entferne ihn vielmehr von mir
So weit, als du nur willst. Ich will selbst vor ihm fliehn,

Und ihn nie wiedersehn.

SOLIMAN
Es liegt mir allzuviel daran.
Daß du ihm aus dem Irrthum hilfst. Denn wenn er dich nicht läßt;

So ist sein Tod gewiß.
(er
stehet auf.)
Ich bin nicht weit von hier,
(die Pagen nehmen die Teppiche weg.)
Und werde alles sehn. Du bringst auf ewig nun,
Wenn er sich nicht entschlußt, sich gleich von dir zu scheiden.

Den Vater selber um, und must den Liebsten meiden.
Wünschst du den Vater auf dem Throne?
Wünschst du das Leben meinem Sohne?

So kommt des Vaters, und des Liebsten
Geschick auf dich alleine an.
Verlangst du Scharte nur zu sehen;
Soll Gnade gegen sie geschehen:
Entschlüsse dich, daß sich mein Herze
Mit dir zugleich entschlüssen kann.
Wünschst du ...
(gehet ab.)

IV. AUFTRITT
Narsea, hernach Selim.

NARSEA
Ich soll die meinem Schatz
So oft geschworne Treu.
Nun selbst aufkündigen! Der Prinz soll, nun auf immer

Von mir entfernet sein! ... Und dieser Ausspruch soll
Durch meinen Mund geschehn ... Ist aber dieses nicht
Soviel als wie der Tod? ... Ja. Aber dadurch helfe ich
Dem Vater wieder auf den Thron, dadurch erhalte ich
Das Leben meinem Schatz: Und beide bring ich um,
Wenn ich die Liebe nicht gleich suche zu verderben,
Und Selim heisse fllehn Drum thu ich es, denn will ich sterben.
Da ist er: Himmel steh mir bei!

SELIM
Kann ich denn endlich nun einmahl,
Mein auserwähltes Leben.
Dich ohne Furcht in Nahe sehn?

NARSEA
(Was Ist dieß nicht für Pein!)
(zu sich selbst.)

SELIM
Es hat jemand das Herz gehabt,
Mit meinem Vater so zu sprechen,
Daß mirs geholfen hat. DIe Fesseln sind schon abgenommen,

Und er erlaubet mir, daß ich dich ietzo seh.
Wodurch ich mir die Näh von unsrem künftgen Glück
In voraus prophezei. Nun werd' ich diese schöne Augen

Nicht mehr erzürnet sehn Ach bist du ietzo noch
Die du gewesen bist ... Wie? du entziehest dich
Ja jedem Blick von mir? Antwortest du auf mein Vergnügen.

Mit solcher spröden Art?

NARSEA
(Bald, bald wird mich der Tod besiegen!)
(zu sich selbst.)

SELIM
Du wolltest reden, und du schweigst?
Von einem Herzen. das dir allzeit zugehöret ...
Mißfället dir die schuldge Huldigung

NARSEA
(Mein Herze Muth gefaßt, und scheine nicht zerstöret.)
(zu sich selbst.)
Mein Prinz. erstaune nicht. Ich bin gar nicht für dich gebohren.

Und du auch nicht für mich. Doch hab ich dich vielleicht gellebet:
Allein (o Himmel!)
(zu sich selbst).
Unsre Sterne
Verstatten dieses nicht. Ich darf dich nicht mehr lieben:
Und wird vor diesen Wankelmuth von dir mir Strafe zubeschieden,
So mach' es so wie ich, und lasse mich zu frieden.


SELIM
Träum', oder schwärme ich? Narsea, bist du es?
Bin ich denn Selim noch? Allein, wenn du dich mir entziehst.
Für wen soll ich inskünftge leben?

NARSEA
Du lebst schon ietzt nicht mehr für mich.

SELIM
Allein warum, mein Herz? Wo kommt so unvermuthete.
So fremde Aendrung her'?

NARSEA
Was hilft dIrs, wenn dus weißt. Mein Schicksal Ist zu
schwer.

SELIM
Und also läßt du mich? Und was
Fang ich nun ärmster an? Barbarin! Undankbare!
Ist dieses nun mein Lohn? Ich schlag ein ganzes Reich
Nur dir zu Liebe aus: Mein Vater kommt dadurch in Zorn:
Mir drohet gar der Tod. Und da ich glaube, meine Furcht
Und die Gefahr sei nun verlohren,
So leb' Ich nicht für dich? So bin ich nicht für dich gebohren?


NARSEA
(Dieß lasset Marter sein.)
(zu sich)

SELIM
Du jagst mich fort und hörst mich nicht,
Und sagst auch nicht warum. Wo findt man in der Welt

Dergleichen Untreu mehr? Vertraut dem weichlichen
Geschlechte,
Ihr liebenden, euch fernhin. So mach es doch nur kund,

Sag wenigstens. worin mein Fehler stecken soll.
Erkläre dich: und sprich.

NARSEA
(Ach länger daur' Ichs nicht)
(zu sich.)
Leb wohl.

Ich schein dir freilich undankbar
Doch weiche nur dem Schmerz nicht gar:

Entziehe dich nur meinen Augen,
Und denke weiter nicht an mich.

Nenn mich nur ein leichtsinnig Herze,
Und droh mir mit der Untreu Schmerze:
Du wirst mich doch beständig finden,
In kurzem zeigt die Ursach sich.
Ich schein ...
(gehet ab.)

V. AUFTRITT
Selim, hernach Soliman.


SELIM
Sie flieht mich! Ach ich geh ihr nach!
(er will ihr nachfolgen, begegnet aber dem Soliman.)


SOLIMAN
Halt deine Schritte ein.
Hör mich jetzt an, und schweige.

SELIM
(Kann wohl jemals ein Mensch in grössern Aengsten sein.)
(zu sich)

SOLIMAN
Sieh nur, auf was für einen Grad
Die Gnade für dich bei mir steigt. Mir deine Unschuld

anzurühmen
Ist ein vergebnes Werk. Du scheinst dem Vaterland

So schuldig als wie mir. Ich konnte dich bestrafen,
Ich wollt', und sollt es thun! In Thracien wird noch verehret,

Was man von Manlius, und Brutus sonst gehöret.
Allein, in eines Vaters Herz
Erstickt der Zorn sehr leicht. Ich denke auch nicht mehr
An alles dein Vergehn. Ich schenke dir durch dieß Umarmen

Die erste Liebe wiederum.
O, machen mir durch uns derselben neue Ehre.


SELIM
Ach Vater, voller Huld.

SOLIMAN
Schweig, und gieb mit Gehöre.
Du willst, ich soll den Persiern den Frieden zugestehn?

Ich räume dieses ein. Und gebe dir so gar,
Wenn dich dieß ruhig macht,
Den Thron. der mir gehört. In meinen Augen wird

Der letzte Schlaf bald sein. Der Tod wird bald
Den durch viel Schweiß erworbnen Schmuck
Von meinem Haupte ziehn. Du wirst zum Thron gelangen,

Was hofst du aber da zu finden?
Ein inglückseelig Nest, und die elendsten Hütten,
Wo Furcht, und wo Verdruß, und Argwohn stündlich wüten.


SELIM
Des Thrones falscher Schein.
War niernahls, was mir kann.

SOLIMAN
Schwelg ietzt, und hör mich an:
Kann ich vor dir so viel gegebene Geschenke
Nunmehr auch eines Lohns
Von dir gewärtig sein?

SELIM
Mein Vater, ach befiehl.
Verlange was du willst, ich
und mein Blut sind schlechte Gaben

SOLIMAN
Ich will so viel nicht von dir haben!

SELIM
Ich thu, was du nur willst.

SOLIMAN
So nimm Amasiens Statthalterschaft aufs neu .
Als wie vor diesem an. Und wo die Vater-Liebe
Noch einen Preiß verdient. so bitt' ich dieß von dir:
Vergiß auf einmahl die Narsea: Sieh sie nicht wieder

geh von hier

SELIM
(Ich unglückseeliger!) Nimm, wenn es dir gefällt,
Mein Leben wieder hin:
Nur laß mir meinen Schatz: Sie ist meineidig, undankbar,

Wie gern vergaß ich sie! Ich kann es nicht. Ach wisse ..

SOLIMAN
Ich will von dir nichts weiter hören.
Kannst du auch nicht einmahl
Den Vater nur zum Lohn, und zu Gefallen leben:
So hör' letzt den Monarch Der hat dir den Befehl gegeben.


SELIM
Hierinnen kann ich dir nun nicht gehorsam sein.

SOLIMAN
Und ich verlange es.
Narseens Leben soll mir nun vor dein Gehorchen

Die einzge Geisel sein Thust du noch Wiederstand.
So ist tür dich bei mir kein Hoffen,
Für sie kein Mitleid mehr. Der Pfeil wurd' angehalten.
Doch drum nicht weggelegt. Er kommt nicht wieder auf den Bogen,
Wenn man ihn einmahl schießt. Ich rathe dir. da kannst es wittern,
Selim. zum letzten mahl. Denk dran, und fange an zu zittern.

(gehet ab.)

VI. AUFTRITT
Selim, hernach Osmin.


SELIM
Kann in der Welt auch wohl nun noch ein Unglück sein,
Das für mich übrig bleibt!

OSMIN
Geliebter Bruder. ach! erlaube, daß Ich dich
Einmahl umarmen darf. Doch endlich ... Was seh ich?
Was hast du denn für neue Pein?

SELIM
Ich bin der unglückseeligste
Von allen sterblichen. Narsea hasset mich.
Sie will nicht mehr. daß Ich sie liebe. SIe jagt mich fort, und flicht:
Und bei Verlust von Ihrem Leben. verbietet auch mein Vater mir
Daß Ich Ihr folgen darf. Und dennoch will Ichs thun.

Und sollt ich in die tiefsten Klüfte
Nach ihren Tritten gehn
(im
Weggehen.)

OSMIN
(Er bringt sich selber um ) Halt ein.
(er hält ihn zurück )
So liebst Narseen du? So willst du, da du sonst
Dein Leben vor sie galost, nunmehr die Hand bewafnen,

Die sie zum Tode bringt? Es Ist ein schöner Gegenstand
Für einen liebenden, wenn er die Helfte seiner Seele

Vor sich entathmen sieht,
Und noch die letzten Worte
Von ihren Lippen sammlen kann: Wenn er die weiche Brust

In vollem Blut erblickt . .

SELIM
Schweig, unbarmherziger.
Ich werde gehn. Sie soll mir sagen,
Warum sie anders ist: Warum sie mich entfernt will wissen.
Sie soll mir alles dleß Geheimniß sagen müssen.
Hernach will ich von hier und auch zum Tode gehn.


OSMIN
Verzieh, ich will zu ihr
An deiner Stelle gehn. Indessen lindere
Den Schmerz. der dich besiegt. Ich hätte eben auch
Zu klagen grosses Recht. Du kennest noch die Wunden

Von diesem Herzen nicht: Du weißt nicht seine Triebe:
Und seufzest nicht allein aus Liebe.
(gehet ab.)

VII. AUFTRITT
Selim allein.

Was sagt er! Was hab ich gehört! Ach sollte wohl mein Bruder
Mein Nebenbuhler sein! Nein: man kann die Narsea
Nicht ohne Liebe sehn Der Pfeil, der mich verletzt.
Traf auch des Osmins Herz. Vielleicht steht meiner ungetreuen

Die neue Liebe an? Dieß wird die Quelle sein,
Woraus die Unbeständigkeit
Von ihr entsprungen ist. Ach die Verrätherei.
Muß mir entdecket sein. Ich will ietzt zu ihr gehn,
Und bittern Vorwurf thun, und denn mein Leben in Verzweiflung

Vor Ihren Augen endigen. Der Vater töde mich;
Es töd mich diese Hand: Nur man ernähre nicht,
Solch unbarmherzig Gift:
Und lebe nicht, wenn uns dergleichen Hölle trift.

Ich glaubte schon, der Tag sei heiter,
Ich dacht an keine Stürme weiter!

Allein, so Meer, als Himmel trüget,
Und meine Hofnung täuschet mich.
Auch alles hat sich ändern müssen:
Soll ich denn jedes Unglück wissen:
O nunmehr ist es Zeit zu sterben,
Ja, armes Herz, sonst quälst du dich.

Ich glaubte ...
(gehet ab.)

VIII. AUFTRITT
Eine angenehme Gegend, mit einigen Rasen-Bänken.

Emira, hernach Osmin.

EMIRA Nunmehro fasse Herz. Emira lasse sehn,
Daß du noch Muth besitzst. Nun kannst du endlich wieder

In alter Freiheit sein. Sie hat schon Soliman
Narseen zugesagt. Und diese kauftet sie
Mit ihres Herzens Qual. Hast du nicht Kraft genug,

Ihr dieses nachzuthun? Und gleichwohl bist du die,
Die Kraft anrathen will. Du kannst Osmin nicht lassen,
Er ist dir viel zu lieb. Du fängst schon an zu sterben,
Wenn du nur dran gedenkst. 0 ihr beglückten Ufer.
Wo meine Lieb' entstand. O angenehme Ketten,
In denen diese meine Seele
Zu dienen lernete ... Allein hier kommt Osmin.

Zum wenigsten laß man
Ihm seine Schwäche nur nicht sehn.


OSMIN
Wo ist Narsea denn?

EMIRA
Und was verlangest du?

OSMIN
Ich hab' etwas
Nothwendiges mit ihr zu sprechen.

EMIRA
Such nur dieselbige
Dort in dem Schatten. Lebe wohl.
(im Weggehen.)

OSMIN
Und du verlässest mich?
(er hält sie zurück.)

EMIRA
Was willst du denn von mir?

OSMIN
Dieß ist das letzte mahl,
Daß ich dich sprechen kann. Ich werde dich vielleicht

Wohl niemahls wieder sehn. Du weißt es ebenfalls,
Und wartest keinen Augenblick. Soll Ich denn auch
Zum wenigsten nicht Abschied von dir nehmen?

EMIRA
Was aber willst du denn?

OSMIN
Nicht das geringste, grausame.
Allein, verdien' ich auch nicht deine Liebe,
So schlage mir dein Mitleid nur nicht ab.

EMIRA
(O was Ist dieß für eine Zeit!) O Himmel!
(zu sich selbst Sie seufzet, und sieht den Osmin mitleidig an.)

OSMIN
Was seh ich? Ach fürtrefliche Emira.
Kann ich denn also wohl noch hoffen? ...


EMIRA
Wie! Und was siehst du denn?

OSMIN
Soll nicht dein Mitleids voller Blick,
Soll denn dein Seufzer nicht ...

EMIRA
Es ist dir nicht erlaubt,
Geheimniße von andern Herzen
Nach deinem Willen einzusehn. (Bald war ich außer mir.)
(zu sich.)
Narseen willst du sehn? Sie ist nicht weit von hier.
O lerne doch mit deinem Heucheln,
Ein andermahl dir nicht zu schmeicheln:

Was ich in meiner Brust verberge,
Steht dir nicht frei, es einzusehn.
Ich kann so gar auch in den Ketten.

Noch immer meine Ehre retten:
Und meine Rückkunft zu dem Vater
Kann, ohne roth zu sein, geschehn.
O lerne ...
(gehet ab.)

IX. AUFTRITT
Osmin. hernach Selim.

OSMIN
Wie stolz ist diese Schönheit nicht! Allein ich muß
Narseen suchen,
Ich soll, und muß sie sehn. O Himmel! Wie, mein Bruder!

(er sieht Selim.)
Was willst du, Selim, denn?

SELIM
Ich werde hier vielleicht
Dir ungelegen sein. Allein ich muß
Mit der Narsea selber sprechen:

OSMIN
O gehe fort. Sie wird ihr Herz
Mir zehnmal leichter offenbaren.

SELIM
Nein, nein: Ein Nebenbuhler schickt
Sich zum Vertrauten' nicht.

OSMIN
Und ich soll also gar
Dein Nebenbuhler sein?

SELIM
Ja: Denn [du] raubest mir, was mich vergnügen kann.

OSMIN
Traumst du? ich ehre zwar Narseen, allein ich beth'
Emiren an.

SELIM
Du liebst Emiren? Ach! nun fang ich wieder an zu leben.

OSMIN
Ich hab' in Babilon,
Wie du in Tauris thatst,

Gelernet, wie man seufzen muß.

SELIM
Nun seh' ich alles ein.
Ich habe mich geirrt. Verzeih.
Wo ist Narsea denn? Mir scheint ...

(er siehet begierig in die Scenen.)

OSMIN