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Richard Wagner

(1813 - 1883)

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The Operas of  Richard Wagner

 

DIE FEEN

von Richard Wagner



Personen der Handlung:

Der Feenkönig
Ada, eine Fee
Zemina, Farzana, Feen
Arindal, König von Tramond
Lora, seine Schwester
Morald, ihr Geliebter
Gernot, im Dienste Arindals
Drolla, Loras Begleiterin
Gunther, am Hofe von Tramond
Harald, Feldherr im Heere Arindals
Die Stimme des Zauberers Groma
Die beiden Kinder Arindals und Adas
Ein Bote

Chor der Feen. Chor der Gefährten Moralds.
Chor des Volkes. Chor der Krieger. Chor der Erdgeister.
Chor der ehernen Männer. Chor der unsichtbaren Geister Gromas.




Erster Akt
Zweiter Akt
Dritter Akt




Erster Akt

Feengarten
Chor der Feen, unter ihnen Farzana und Zemina
Ballett


Chor

Schwinget euch auf,
schwinget euch nieder,
glücklicher Feen zarte Gestalten!
Denn unvergänglicher Schöne
nie verblühender Hauch
durchweht die herrlichen Welten,
atmet froh dieser Kreis.
Farzana und Zemina treten hervor

Farzana

Warum, Zemina, seh ich dich so traurig?

Zemina

Soll ich, wie du, mich dieser Feste freun,
da ihre Zier für immer bald verschwunden?

Farzana

Schon für verloren hältst du unsre Ada,
weil sie, um den verweg'nen Sterblichen,
dem sie in toller Liebe zugetan,
für immer zu besitzen,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagt?

Zemina

Du weisst, dass sie noch sterblich werden kann,
da sie entsprossen zwar von einer Fee,
ein Sterblicher jedoch ihr Vater ist.

Farzana

Doch weisst du auch, was ihr und ihrem Gatten
vom Feenkönig auferlegt?
Glaub mir, nicht kann's der Sterbliche erfüllen,
Und Groma selbst, der Zauberer, sein Freund
soll weichen unsrer Macht,
und dann kehrt Ada ewig uns zurück!

Zemina

Lass uns vereint dann streben, sie zu retten!

Zemina und Farzana

Ihr Feen all!
Ihr Geister all!
Vernehmt, was wir verlangen!
Die Feen und Geister versammeln sich um beide
Reicht Hilfe uns zu unsrem Werk!
Den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

Chor

Wir geben Hilf
und Beistand euch!
Unsterblich soll sie bleiben!

Farzana und Zemina

Reicht Hilfe uns zu unsrem Werk,
den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

Chor

Wir helfen euch bei eurem Werk,
den Sterblichen zu trennen
von der geliebten Fee!

Alle ab

VERWANDLUNG: Wilde Einöde mit Felsen
Gernot kommt von der einen, Morald und Gunther
von der anderen Seite


Gernot

Was seh ich? Morald, ihr, und Gunther, du?

Morald

Wie, Gernot?

Gunther

O komm in meine Arme!

Gernot

Was Teufel, sagt, wie kommt ihr doch hierher?

Gunther

Erzähle du, wie dir's ergangen ist.

Morald

Ja, Gernot, melde eilig mir,
wo ist dein Herr, wo Arindal?
Von unsrer Heimat komm ich her,
wo alles traurig ich gelassen.
Der greise König starb dahin
aus Gram um den verschwund'nen Sohn.
Der wilde Murold, unser Feind,
verwüstet fürchterlich das reich,
begehrt die Schwester Arindals,
die heissgeliebte teure Lora!
Das einz'ge Mittel ist geblieben:
Ihn, der jetzt König ist, zu suchen,
und dazu bot Groma uns die Hand,
er, der seit alten Zeiten her
Beschützer ist des Königstamms;
er lehrt uns, Arindal zu finden.-
Doch sage du, was ist geschehn?

Gunther

Erzähle, Freund, erzähle uns!

Gernot

Nun denn, so hört mir beide zu!
Ihr wisst, schon ist's acht Jahre her,
dass ich mit Arindal verschwand.
Zum Jagen zogen wir hinaus,
und schon begann die Nacht zu dämmern,
als eine Hirschin sich uns zeigte,
so schön, als nimmer man gesehn.
Der jagte Arindal nun nach
mit unermüdlichem Bestreben,
und als er nimmer sie erreichte,
gelangten wir an einen Fluss,
in dem die Hirschin uns entschwand.
Verzweiflungsvoll stand Arindal,
bis eine Stimme wir vernahmen,
die mit entzückend holdem Klang
den König mächtig nach sich zog.
Da sprang er plötzlich in die Fluten,
und ich, als treuer Diener, nach.

Gunther

Unglaublich!

Morald

Fahrt fort, mein Freund!

Gernot

Vor Schrecken wär ich fast gestorben;
doch als ich endlich mich gefasst,
war ich in einem schönen Schloss,
und Arindal lag hingegossen
zu eines schönen Weibes Füssen.
Sie sprach zu ihm hinabgewandt:
"Ich liebe dich, wie du mich liebst,
doch eh ich ganz dein Eigen bin,
hast du noch viel zu überstehn.
Vor allem magst acht Jahre lang
du nimmer fragen, wer ich sei!"-
Trotz meinem grössten Widerstreben
ging Arindal das Bündnis ein!-
Wer sie getraut, ich weiss es nicht,
doch schon zwei Kinder zeugten sie.
Acht Jahre flossen so dahin,
und ob ich schon nach Haus mich sehnte,
lebt ich in Freud und Herrlichkeit,
bis gestern der verliebte Prinz,
von heftiger Begier getrieben,
in seine Gattin drang, zu sagen
wer und woher sie sei.
Da hörten plötzlich Donner wir erschallen:
verschwunden war sie, und mit ihr
das Schloss und ihre Dienerinnen.
In diese öde Felsengegend
sind wir versetzt, und Arindal
sucht in Verzweiflung seine Gattin.

Gunther

O Wunder über alle Wunder!

Gernot

Doch, saget endlich denn auch mir:
lebt meine liebe Drolla noch?

Gunther

Sie lebt und weinet oft um dich!

Morald

Und dass du bald sie wiedersiehst,
muss Arindal mit dir uns folgen!

Gernot

O seht, dort naht er schon!
Wie ein Besess'ner sieht er aus!

Morald

So eilen wir von hier hinweg,
und du, verschweig ihm unsre Gegenwart!
indem er mit Gernot und Gunther abgeht...
Denn wisse: Groma lehrte uns
wie wir von hier hinweg -

die letzten Worte hinter der Bühne...

Arindal kommt

Arindal

Wo find ich dich, wo wird mir Trost?
Entflohn bist du, und all mein Glück mit dir!
In jede Gegend, in jeden Raum
hab ich mein spähend Auge gerichtet;
in jedes Tal, in jede Höhe
drang meiner glüh'nden Sehnsucht Seufzer!
Weh mir, vergebens all' Bemühen!
Die Wildnis tönt von ihrem Namen,
das Echo spottet meiner Qual,
nur " Ada! Ada! " ruft es aus!
Und keine Antwort nennet " Arindal "!
Dein auge leuchtet mir nicht mehr!
Dein Busen, ach, erwärmt mich nicht!
Kein Kuss stillt meiner Lippen Durst!
Dein Arm umfängt mich nimmermehr,
nur Todeskälte haucht mich an!
Weh mir!
War alles denn ein Traum?
Wo bist du, ach, wo bist du,
wo weilst du fern von mir?
Wohin send ich den Blick,
der dich erreichen soll?
Bei dir ist meine Sonne,
bei dir allein ist Leben,
doch fern von dir ist Tod
und grausenvolle Nacht.
Ach! Lass mich das Leben finden,
lös mich von Todesangst!
Wo bist du, ach, wo weilst du,
wo weilst du fern von mir?
O ende meine Qual,
und nimm mich auf zu dir!

Gernot kommt und betrachtet Arindal


Gernot

Da steht Ihr nun, so recht bejammernswert!
Was wird wohl all das Klagen euch noch helfen?
Verlasst den Ort, und folgt zur Heimat mir!

Arindal

Ich sollte meine Gattin lassen? Schweig!

Gernot

Ihr Eure Gattin? Liess sie Euch nicht sitzen?
Sie war so lang für Euch, als ihr's beliebte;
jetzt, da sie Eurer satt, läuft sie davon!

Arindal

Welch albernes Geschwätz!

Gernot

Mit einem Wort, die, die Ihr Gattin nennt,
ist eine Hexe, so eine alte böse Zauberin!

Arindal

Sei still!

Gernot

Deshalb verliesst Ihr Reich und Land,
weil Ihr in eine Hirschkuh Euch verliebt?

Arindal

Du Lästermaul!

Gernot

Ja, wie Ihr sie nachher gesehn,
das war nur Lug und Trug!

Arindal

O diese Schönheit also zu verhöhnen!

Gernot

O welche Schönheit! Nächstens seh ich Euch
wohl selbst mit einem stattlichen Geweih!

Arindal

Du reizest meinen Zorn!

Gernot

Auf einen Hirsch darf ich nun nicht mehr jagen,
denn wer steht dafür, dass so 'nen König ich erlege?

Arindal

Halt ein, du frecher Bursch!
Zu meiner Qual kann deiner Scherze Rohheit nimmer passen!

Gernot

Habt von der Dilnovaz Ihr schon gehört?

Arindal

Was soll dies hier?

Gernot

Hört zu, ich will's erzählen!
Arindal sinkt erschöpft auf einem Felsenblock
ROMANZE
War einst'ne böse Hexe wohl,
Frau Dilnovaz genannt,
die war so hässlich und so alt,
als es nur je bekannt!
Doch trug sie einen Ring am Finger,
der machte jung und schön,
als hätte man in seinem leben
nicht Schöneres gesehn.
Sie kam zu einem König so,
betört ihn allzumal;
er machte sie zur Königin,
er nahm sie zum Gemahl!
Er war so blind in sie vernarret,
dass er nicht hört' und sah,
und dass er nimmermehr gewahrte,
was um ihn her geschah.
Einst traf er sie in fremdem Arm
in arger Liebesglut;
da zog er seinen Degen schnell
und hieb nach ihr voll Wut!
Doch traf er nur den kleinen Finger,
an dem sie trug den Ring;
da sah er bald in der Geliebten
ein altes hässlich Ding.

Gunther kommt in der Gestalt eines alten,
ehrwürdigen Priesters, indem er seine Maske
durch gravitätischen Gang und Gesang begleitet.


Gunther

Arindal!

Arindal

O welch ehrwürdige Gestalt!
Sag an, wer bist du, was begehrst du?

Gunther

O welcher Schelmenstreich!
Wer mag den Schalk erkennen?
Den heiligen Priester nennt man mich
und Liebe treibt mich her zu dir!

Arindal

Ich staune! Rede, heilger Greis!

Gernot

Ich möcht ihn selbst für heilig halten!

Gunther

O König, du bist übel dran,
von einem bösen Weib umstrickt!
Ich kam hieher, dich zu ermahnen,
aus ihren Banden dich zu retten:
(mit großen Pathos)
Wer sich für immer ihr ergibt,
fällt ab von Gott und seinem Reich!

Arindal

Entsetzlich! Was muss ich vernehmen!

Gernot

Was macht der Kerl für schöne Worte!

Gunther

Du siehst die wilden Tiere wohl,
die sich in diesen Klüften bergen!
Sie waren Menschen einst, doch jetzt
sind sie von diesem Weib verdammt.
Folgst du mir nicht sogleich von hier,
droht gleiches Schicksal dir!

Gernot

Ihr wisst, ihr wisst! Das Hirschgeweih!

Arindal

O Himmel, wär es möglich,
ich sei von ihr getäuscht?

Gernot

Haha! Das ist zum Lachen,
solch närrischer Betrug!

Gunther

Wirst du sogleich mir folgen,
sollst du gerettet sein!
Wenn du noch länger zögerst,
so musst du untergehn.

Arindal

So soll ich ihr entfliehn,
die ich so heiss geliebt.
Indem Arindal von Gunther fortgezogen wird,
wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich
wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.

Was seh ich! Gunther du?

Gernot

Was Teufel!

Gunther

O weh! Was ist mir geschehn?

Gernot

Nun ist der ganze Spass vorbei!

Arindal

Welch unerhörte Freveltat,
so jämmerlich mich zu betrügen!
O dank, geliebte Ada,
noch liebst du sicher mich!
Den Trug seh ich vernichtet,
durch deiner Liebe Macht!

Gernot

Nun ist schon halb verloren
die gutgemeinte List!
Er bleibt bei seinem Sinne
und folgt uns sicher nicht.

Die Dämmerung ist eingebrochen:
Morald tritt auf, in der Gestalt
von Arindals verstorbenem Vater.


Morald

Arindal!

Arindal

Gott, was erblick ich!
Dort mein Vater!
Welch neue Täuschung findet statt?

Gunther und Gernot

Wie täuschen ist das wesen, die Gestalt!

Arindal

Sag an, bist du mein Vater nicht?

Morald

Dein Vater bin ich nimmermehr,
ich bin nur deines Vaters Geist!
Ich starb dahin aus Gram um dich,
da ich dich für verloren hielt!

Arindal

Hier waltet keine Täuschung mehr!
O Gott, mein Vater ist dahin!

Gunther und Gernot

Mich fasst fürwahr ein Grausen an,
so ähnlich sieht er seinem Vater!

Morald

Als Geist komm ich, dich zu ermahnen,
dieweil dein Reich in arger Not!
Der wilde König Murold fiel
nach meinem Tod in unser Reich;
verwüstet ist es rings umher,
nur eine Stadt ist noch geblieben;
sie wird von deiner Schwester jetzt
mit ihrer letzten Kraft beschützt,
derweil du in verliebtem Wahn
dem trägen Müssiggange fröhnst!

Arindal

O, welch entsetzliches Geschick!
Dein Vorwurf, Vater, trifft mich schwer!

Gunther und Gernot

Wie's ihn ergreisst! Nur zu! Nur zu!

Morald

Darum verlasse diesen Ort
und folge mir nach deinem Reich!
Dein Arm gebricht dem Vaterland
und deine Schwester ruft zu dir!

Arindal

O Himmel, wär es möglich?
Mich trifft so schwer Geschick!

Morald

Wirst du sogleich mir folgen,
so rettest du dein Reich!
Wenn du noch länger zögerst,
muss alles untergehn!

Arindal

So muss ich sie verlassen,
mich ruft die harte Pflicht!

Gunther und Gernot

Dies wird ihn wohl erweichen,
er folgt nun sicher uns.

Als Arindal im Begriff ist, Morald zu folgen,
wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder
in seine eigene Gestalt verwandelt.


Arindal

Wie? Morald? Wiederum Betrug?

Gunther und Gernot

O weh! Auch ihm ist es missglückt!
Nun ist der ganze Spass vorbei!

Arindal

O, Morald, teurer Freund,
auch du verspottest mich durch solchen Trug?

Morald

O Herr verzeih! Die beste List
ist jetzt durch fremde Macht vereitelt.
Erzürne nicht, und lass als Freund
zum teuren Freunde jetzt mich sprechen!

Arindal

So ist es wahr, mein Vater starb?

Morald

Aus bittrem Kummer über dich.

Arindal

O hartes Schicksal! Wehe mir!

Morald

Was ich in jener Truggestalt
von deiner Heimat dir gemeldet,
sei jetzt von deinem Freunde dir
als schlimme Wahrheit wiederholt!
In Trümmern liegt das schöne Reich!

Arindal

Genug, halt ein! Ich folge euch!
Ach, was allein zurück mich hielt,
ist mir für ewig ja entschwunden!
Geht denn beiseit und pflegt der Ruh,
ich folge morgen euch von hinnen!

Morald und Gernot

O welches Glück, er willigt ein!

Arindal

Hinweg von hier ruft mich die Pflicht!

Morald und Gernot

Sein starrer Sinn hat sich erweicht!

Arindal

Ich zögre länger nicht!
Ich zögre länger nun nimmermehr!
O, wer ermisset meinen Schmerz,
ich soll die Gattin nicht mehr sehn!

Gunther

Nach meiner Heimat ziehe ich,
zu unsren hübschen Mädchen hin.

Morald

Nach meiner Heimat ziehe ich,
zur heissgeliebten Lora hin!

Gernot

Nach meiner Heimat ziehe ich,
zu meiner treuen Drolla hin!

Morald und Gernot

O welches Glück, er willigt ein,
sein starrer Sinn hat sich erweicht!

Die Nacht ist eingebrochen.
Arindal bleibt allein zurück.


Arindal

(allein)
So soll für immer ich nun von dir scheiden,
und du, geliebte Gattin, zeigst dich nicht?
Nicht einen Kuss, nicht eine einz'ge Träne
hast du für deinen scheidenden Geliebten!
O Grausame, leb wohl, leb ewig wohl,
zum Kampfe zieh ich für mein Vaterland,
und meine Hoffnung ist allein der Tod!
Indem er sich zum Abgehen wendet,
fühlt er sich plötzlich ermattet
und sinkt allmählich auf einen Stein nieder.

Doch was bemächtigt meiner Glieder sich?
Ich will hinweg, doch weigert sich mein Fuss!-
Mein Auge sinkt! - Ist dies der nah'nde Schlummer?
Ich fühl's! Leb wohl, mein Lieb,
dein Gatte scheidet so! Ade!

Er entschlummert.

Die Szene verwandelt sich in einen reizenden Feengarten,
im Hintergrunde ein glänzender Palast.
Ada tritt während des Ritornells aus dem Palaste
im reichsten Feenschmuck.


Ada

Wie muss ich doch beklagen,
was sonst so hehr, so schön -
zu traurig hartem Lose
wird mir Unsterblichkeit!
Weil ihn allein ich liebe,
gäb ich so gern sie hin!
Doch ganz ihm zu gewinnen,
wie ist's so hart, so schwer!
Mir bleibt nun nichts als klagen
und weinen um mein Los!
Ihn werde ich verlieren,
um ewig tot zu sein!

Arindal erwacht allmählich.


Arindal

Wo bin ich? Ach, in welche sel'ge Räume
hat mich ein schöner Traum wohl hingeführt!
Und dort, ha, träum ich nicht, ist meine Gattin?

Ada

Erkennst du mich? Geliebter, Undankbarer!
Du wolltest mich verlassen?

Arindal

Ada, dich seh ich wieder?
Übermass von Wonne!
Mir wird das freudige Glück,
dich wieder ganz zu besitzen,
all schweres, bitt'res Leid
in deinem Arm zu vergessen!

Ada

O dämpfe deine Glut,
gebiete dem Entzücken!
Zu neuer, herber Qual
bin ich dir jetzt erschienen!

Arindal

O warum Pein, o warum Qual?
Du bist für immer mein,
und jede Lust mit dir!

Ada

Unglücklicher! Nur kurze Zeit,
für ewig dann getrennt
bin ich von Arindal!

Arindal

Ich lasse dich nimmermehr
und weiche nie von dir!

Ada

mit Angst
Nur noch ein einz'ger Tag,
und du verlässest mich!

Ada und Arindal

Noch halt ich dich in meinen Armen,
doch dich entreisst das Schicksal mir.
Verderben wird uns beiden drohen,
Wenn unsrer Liebe Macht nicht siegt!

Gunther, Morald, Gernot
und der Chor ihrer Gefährten kommen.


Morald

Auf, Arindal, komm jetzt mit uns von hinnen!
Was seh ich? Gott, wohin sind wir versetzt?

Gunther

Und dort, das schöne Weib!

Gernot

Ich kenne alles!
Sein Weib, die hübsche Hexe, hat er wieder;
nun ist's vorbei, er folgt uns sicher nicht!

Chor

Fürwahr, welch göttlich schönes Weib!

Morald

Solch milden Zauber sah ich nie!

Chor

Sah ich wohl je so hohen Reiz?

Morald

Ich kann den König wohl begreifen!

Arindal

Weh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!

Morald und Gernot

Wie blendet ihre Schönheit mich,
wie ihrer Wangen holdes Licht!

Gernot

Ach, das ist alles ja nicht echt,
und ihre Wangen sind geschminkt!

Arindal

Weh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!
Wie soll ich mein Versprechen halten!
Wie kann ich fort, wie soll ich los?

Morald und Gernot

Den König wag ich kaum zu mahnen,
dass er von hier uns folgen soll.
Führwahr, welch göttlich schönes Weib!
Sah ich wohl je so hohen Reiz?
So milden Zauber sah ich nie,
ich kann der König wohl begreifen!

Ada

Weh' mir! Schon naht der Anfang meiner Leiden!
Man kommt, des Vaters Tod mir zu verkünden!

Ein festlicher Zug von Feen aus Adas Reiche tritt auf,
vor ihnen her Farzana und Zemina.


Farzana

Dein Vater hat das Los
der Sterblichen geteilt.

Zemina

Aus deines Reiches Fernen
strömt alles Volk herbei,
zu grüssen dich als Königin!

Chor

Heil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!
Gegrüsset sei als Herrscherin
von deines Volkes Schar!
Von fern ertönt der Jubel
unsrer frohen Huldigung.
Heil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!

Ada

O hätt ich diese Jubels Klänge
wohl nimmermehr gehört!
Ich fühle nur die neue Fessel
an mein unselig Los!

Zemina und Farzana

Dies fesselt sie mit neuen Banden
an die Unsterblichkeit;
denn will sie wirklich sterblich werden,
verliert sie auch ihr Reich.

Gunther

Hab ich wohl je etwas gesehen,
was diesem Treiben gleicht!

Morald

Was soll ich wohl von allem halten,
ich kann mich fassen kaum.

Gernot

Das ist nur alles toller Spuk,
Betrug und Heuchelei!

Arindal

Sag, meine Gattin, mir
was soll dies Treiben all?

Ada

Du hörst mich Königin wohl nennen,
dies wisse denn, doch frage nicht!
Denn das, was Freude dir erscheint,
wird mir zu schwerer Pein!
Ich muss von dir jetzt wieder fort,
du folg den Deine in dein Land!
Für jetzt - wenn nicht für immerdar!
O, könnt ich alles dir vertrauen!
Doch dies verbietet mein Geschick.

Arindal

So sprich!
Wann sehe ich dich wieder?

Ada

Schon morgen! Bittres Wiedersehn!

Arindal

Schon morgen, morgen! Welches Glück!

Ada

Zu deinem Unglück siehst du mich!-

Zemina

beseite zu Farzana
Du weisst, er muss ihr jetzt schwören
auf keinen Fall sie zu verfluchen!

Farzana

beseite
Doch da er's nimmer halten kann,
so muss der Meineid ihn verderben!

Ada

Vernimm denn, was ich dir verkünde:
was du auch morgen sehen magst,
was dich für Schrecken auch bedrohn,
was dir für Unheil auch begegne,
o Arindal, lass nimmer dich so weit verleiten,
mich, deine Gattin, zu verfluchen!

Arindal

Was höre ich, du spottest mein!

Ada

Sei standhaft dann und schwöre mir's,-
schnell
ach, schwöre nicht!-

Arindal

Ich schwöre dir's!"

Zemina und Farzana

Habt ihr's gehört? Er hat geschworen!

Morald und Gernot

Er schwur!

Ada

wendet mit Entsetzen sich ab
Weh mir, er hat geschworen!

Morald und Gernot

Ein schreckenvoll Geheimnis
verbirgt wohl dieser Schwur!
Die ihn dazu vermocht,
steht jetzt geängstet da!

Zemina und Farzana

Er hat es ihr geschworen,
und kann nicht mehr zurück;
der Schwur bringt ihm Verderben
und trennt von Ada ihn.

Arindal

Was ich beschworen habe,
sei treulich auch bewährt!
So wie ich heiss sie liebe,
bleibt heilig auch mein Schwur.

Ada

O hätt er nie geschworen,
den harten Schreckenseid!
Er wird ihn nimmer halten
und durch ihn untergehn!

Chor

Dir tönet freudig unser Jubel,
als unsre Fürstin sei gegrüsst!
Es schall' hinauf in alle Räume
der Preisgesang der Königin!
Heil, schöne Ada, dir! Heil unsrer Königin!

Morald und Gernot

Auf, komm mit uns nach deinem Lande,
zu deinem Reiche kehre heim,
lässt du noch länger hier dich halten,
muss Land und Schwester untergehn!
Auf, König, folge uns
nach deiner Heimat hin!

Arindal

So lass ich dich aus meinem Armen
bis zum beglückten Wiedersehn;
ich schwur dir Treu und will sie halten
und sollt ich druber untergehn!
Leb wohl, du mein Gemahl,
ich bleibe ewig treu!

Zemina und Farzana

So reisse dich aus seinen Armen,
das Volk will dich gekrönet sehn!
Lass länger nich zurück dich halten,
der Huldigung entgegengehn!
Auf, komm!
Auf, Ada, folge uns
zum frohen Feste hin!

Ada

So lass ich dich aus meinen Armen,
wir werden bald uns wiedersehn;
o mögest deinen Schwur du halten,
sonst musst du mit mir untergehn!
Leh wohl, mein Arindal,
und bleibe ewig treu!

Ada wird in einem Triumphwagen davongezogen.







Zweiter Akt

Erster Akt
Zweiter Akt
Dritter Akt


Vorhalle des Palastes in der Hauptstadt des Reiches Arindals
Chor der Krieger und des Volkes


Chor

Weh uns, wir sind geschlagen
und flüchtig vor dem Feind!
Schon tobt er vor den Mauern
und droht mit Untergang!-
Zu dir hinauf, o mächtger Gott,
tönt unser Ruf aus tiefer Not!
Erhöre uns und steh uns bei!
Uns drängt die Todesangst,
der Hilfe Ruf umsonst!
Verderben harret uns
und droht mit Qualentod!

Lora tritt auf in Waffenrüstung.


Lora

Was drängt euch so mit harter Todesangst,
dass ihr mit solchem Schrei die Luft erfüllt?

Chor

Geschlagen sind wir wieder,
dem Untergang geweiht!

Lora

Kleinmütige! Warum sogleich verzagen?
Auf wen drängt sich mehr Missgeschick zusammen,
als auf mich selbst, die ich ein schwaches Weib?
Mein Vater starb, mein Bruder ist entfernt,
und selbst den teuren Freund muss ich vermissen!
Habt ihr vergessen Gromas Weissagung,
dass dieses Reich niemals verloren geh,
sobald uns Arindal zurückgekehrt?

Chor

Doch wer sagt dies uns an,
dass je zurück er kehre?

Lora

Sandt ich den teuren Morald selber nicht,
ihn aufzusuchen und zurückzubringen?

Chor

Unglückliche! Wohl längst ist Arindal dahin!

Lora

Was sagt ihr! Weh mir, wenn es möglich sei!
Ihr weckt des eignen Herzen trübe Anhnung:
sie kehrten nimmer mir zurück!
O musst du Hoffnung schwinden,
die du mein einz'ger Trost,
die mich in schweren Leiden
mit holdem Arm umfing!
Den Bruder bald zu sehen,
war mir ein froher Wahn;-
den Freund bald zu umarmen,
war höchste Wonne mir!
Und kehrte keiner wieder,-
welch qualenvoll Geschick!-
So müsst ich, ganz verlassen,
allein zu Grunde gehn!

Ein Bote tritt auf.


Bote

Heil euch! Ich bringe frohe Kunde:
mit Arindal kehrt Morald uns zurück!

Chor

Was sagt er? Gott, wär's möglich?

Lora

Kaum trau ich meinem Ohr! Wo sahst du sie?

Bote

Ich zog mit aus, den König aufzusuchen,
wir fanden und bewogen ihn zur Rückkehr!

Lora

Sie kehren mir zurück!
Wie fass ich mich vor hoher Freude!
Wie fass ich mich vor Wonneglut!
Den Busen fühl ich hoch sie heben,
und froh erbebt mein heisses Herz!
Den teuren Bruder soll ich sehn,
des Untergang ist schon beklagt!
Geliebter Freund, du kehrest wieder,
und eilst in deiner Treuen Arm!

Chor

Welch hohe Freude wird uns wieder,
der Teure kehret uns zurück,
die Hoffnung soll uns wieder heben!
Voll Wonne atme jedes Herz!
Lora eilt ab und kommt
mit Arindal und Morold zurück.

O König, sei gegrüsst von deinem treuen Volk!
Der Jubel wehrt dem Leid bei deiner Wiederkehr!

Arindal

O hemmet dieses Jubels Töne,
mit Schreckensmahnung drängt er mich!
Denn ach! Zum reichen Königsmantel
wird mir des Vaters Grabgewand!

Morald

O Lora, sieh, was ich versprochen,
das hielt ich trotz Gefahren dir:
den teuren Bruder bring ich wieder,
gedenkest du des süssen Lohns?

Lora

O, welchen Lohn soll ich dir geben
für dieser Wonne Übermass!
Den Freund, den Bruder hab ich wieder:
Vorüber seh ich alles Leid!

Lora und Morald

Ich seh dem Schicksal froh entgegen,
und fühle neu gerüstet mich;
Denn Rettung naht dem Vaterlande
und Liebe winkt in deinem Arm!
Dahin flieht alles Leiden
und alle Freuden ziehen ein!
Lass denn zum letzten Kampf uns schreiten,
der uns dem Glück entgegen führt!

Arindal

Ich seh dem Schicksal bang entgegen
und fühle fast entmutigt mich;
so viele Not in Heimatlande
und neue Qual noch harret mein.
Wie trage ich wohl alle Leiden,
wie soll ich stark zum Kampfe sein!
Schon drückt die Gegenwart mich nieder,
die zu noch grösserm Schrecken führt!

Alle ab.
Gernot und Gunther kommen.


Gernot

Wie ist dir's, Gunther, dass du endlich wieder
auf deinen eig'nen Füssen stehen kannst?

Gunther

O was für eine schlimme Nacht war dies!
Von solchen Greueln hab ich nie geträumt!

Gernot

Doch dieser Morgen! War es nicht,
als ob die blut'ge Sonne alles wollt versengen?
Die Erde bebte unter meinem Fuss,
der Blitz verdarb mir mein Gesicht,
der Donner mein Gehör!

Gunther

Der König selbst, wie war er doch erschüttert!

Gernot

Und was find ich nun hier?
Von Feinden alles voll,
kaum noch ein Fussbreit Lands gehöret uns!

Gunther

O böse Zeichen - böse Zeiten!

Gernot

Mir ist's, als hätt ich einen tücht'gen Rausch gehabt,
so geht der Jammer mir durch alle Glieder!
Wenn ich nur meine Drolla fänd!
Sag mir: ist sie noch jung?

Gunther

Du fragst mich ziemlich dumm;
seit du von uns, ward sie acht Jahre älter,
damals - war sie ein Kind!

Gernot

Ich meine hübsch?

Gunther

Gewiss!
Ich kam oft in Versuchung -

Gernot

Wie?

Gunther

Nun, sie zu trösten!

Gernot

Das hättest du lassen können!
blieb sie mir treu?

Gunther

Ich glaube; frag sie selbst,
dort kommt sie her,
ich lass euch gern allein!

ab.
Drolla kommt.


Drolla und Gernot

Wie? Seh ich recht, ist dies nicht Gernot? (Drolla?)
Du bist's! O welche Freude!
Ach, nach so langen Zeiten
dich endlich wiedersehn!
Dich an mein Herz zu drücken,
ist zum Entzücken ganz!
O sage mir, erzähle,
wie ists dir's doch ergangen?
O erzähle! O erzähle!

Gernot

Mir ist's recht gut ergangen!
Ich war mit meinem Herrn so lang
bei einer schönen Königin.
In ihrem Schlosse war die Wahl
der hübschen Mädchen wahrlich schwer.
Sie waren alle wie zum Küssen,
die eine blond, die andre braun,
mit blauen und mit schwarzem Augen!

Drolla

Gewiss, gewiss - ganz allerliebst!

Gernot

Und da ich auch ein hübscher Bursch,
verliebten alle sich in mich,
und ich, ei nun - und ich -

Drolla

Jetzt stockt er wahrlich mit der Sprache!
O warte nur, du böser Schelm!
Mir dieses in Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

Gernot

Jetzt will ich doch von ihr erfahren,
ob sie wohl wirklich mich noch liebt.
Die Eifersucht soll mir es sagen,
glaubt sie, was sie von mir gehört!

Drolla

So lass auch dir von mir erzählen,
wie mir's so lange Zeit erging!
Bei Hofe war ich hier so lang
als Loras beste Dienerin.
Um sie zu werben zogen her
der schönsten Ritter reiche Zahl;
sie waren alle wie zum Küssen,
der eine blond, der andre braun,
mit blauen und mit schwarzen Augen.

Gernot

Ich werde selber schwarz und blau!

Drolla

Und da ich auch nicht hässlich bin,
verliebten alle sich in mich,
und ich - ei nun, und ich -

Gernot

beseite
Jetzt stockt sie wahrlich mit der Sprache -
o warte nur, du böses Ding!
Mir dieses ins Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

Drolla

beseite
Vor Ärger kann er kaum sich fassen!
so ist es recht dem Flattergeist!
Vor Eifersucht soll er verzagen,
glaubt er, was er von mir gehört!

Drolla und Gernot

Hinweg von mir, du Falscher! (Falsche!)
Ich mag dich nicht mehr sehn!
So hieltest du die Treu,
die du mir oft geschworen?
In fremde Männer (Mädchen) sich verlieben,
derweil ich in der Fern bin,
das heiss ich wahrlich doch betrügen,
und seine Liebste (seinen Liebsten) hintergehn! -

Sie laufen zu verschiedenen Seiten davon,
bleiben aber an den äußersten Enden stehen
und sehen sich aus der Ferne schüchtern an.


Gernot

Drolla!-

Drolla

Gernot?

Gernot

Bist du denn noch nicht fort?

Drolla

Du bist noch da?

Gernot

Mich dünkt, du weinst?

Drolla

Was kümmert's dich, Treuloser!

Gernot

Ich, treulos? Ach fürwahr, das bin ich nicht!

Drolla

Hast du's nicht selbst erzählt?

Gernot

Gelogen, ach, gelogen!
In mich hat keine sich verliebt,
und ich hab nur nach dir mich hingesehnt,
entdecken wollt ich, wie es mit dir stünd?

Drolla

Und ich hab wahrlich auch gelogen,
in mich hat keiner sich verliebt,
wie ich in keinen mich.
Ich bin dir treu geblieben!
Um dich zu strafen, log ich dir was vor.

Gernot

Was hör ich? Lass uns sogleich umarmen!
Umarmung
Verzeihung!

Drolla und Gernot

So sind wir denn vereint,
um nie uns mehr zu trennen,
kein Argwohn, kein Verdacht
soll je uns scheiden können!
Du liebst mich, welche Freude,
ach, welche Seligkeit!
Erdichtet und erlogen
war, was uns jetzt entzweit!
Wir trennen nie uns mehr,
um ewig froh zu sein!

Umarmung und Kuß. Beide ab.
Ada, Farzana und Zemina treten auf.


Ada

O Grausame, so habt ihr kein Erbarmen
und treibt mich kalt zu diesen grausen Taten?

Farzana

Verzeih, wir sind nicht Schuld an dem Geschick,
das dir dein eig'ner Will' bereitet hat.

Ada

Doch da ihr wisst, welch Los mich Ärmste trifft,
wenn ich besiegt, so freut ihr euch der Qual?

Zemina

O glaub es nicht, denn sie entlockt mir Tränen!
Doch höre: du kannst dich allem noch entziehn,
sobald du jetzt dem Sterblichen entsagst!

Farzana

Noch ist es Zeit und offen steht die Wahl:
hier langer Tod und dort ein ewig Leben!

Zemina und Farzana

Bedenk, und deine Wahl sei dein Geschick!

Sie verschwinden.
Ada allein


Ada

Weh mir, so nah die fürchterliche Stunde,
die all mein Glück und all mein Elend kennt!
O warum weckt ihr noch in meiner Seele
den Zweifel jener herben Wahl!
Unglückliche, wohin soll ich mich wenden?
Wie so gewiss ist nur mein Untergang,
und ach, wie ungewiss mein Sieg!-
Ich häufe selbst die Schrecken an,
die Qualen leit ich auf ihn hin,
ich wecke Zweifel in ihm auf,
die nie ein Sterblicher erträgt!
Von überall stürmt Unglück ein,
sein letzter Stern, die Liebe, sinkt -
Nacht wird's um seine Sinne her,
er rächt sich und verflucht sein Weib! -
Weh mir! Und dieser Fluch trennt mich von ihm,
und Ewigkeiten treten zwischen uns!
Verzweiflung, Wahnsinn, Tod ist dann sein Los,
und meines fürchterlich: auf hundert Jahr
Verwandelung in Stein!-
Ich könnte allem mich entziehn,
steht mir's nicht frei! In ew'ger Schöne
unsterblich, unverwelklich blühn?-
Es huldigt mir die Feenwelt,
ich bin ihr Glanz und ihre Zier!
Es ehrt ein unvergänglich Reich
mich, seine hohe Königin!
Ich könnte allem mich entziehn,
in Feen pracht unsterblich blühn!
Betrogne, Unglücksel'ge!
Was ist die Unsterblichkeit?
Ein grenzenloser, ew'ger Tod!
Doch jeder Tag bei ihm
ein neues, ewiges Leben!-
So sei es denn! Geschlossen ist die Wahl,
für jenes Leben opf'r ich alles hin!
Mein Arindal!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn;
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinen Banden mich befrein!
Die falsche Tücke sei vernichtet,
die mich von ihm zu trennen strebt!
All eu'r Bemühen sei vergebens,
das meine Liebe töten will!
Denn sollte er auch unterliegen,
und mich der Felsen in sich schliessen,
so soll die Liebe selbst den Stein
der Sehnsucht Tränen weinen lassen!
Und diese Tränen fühlt mein Gatte,
dieser Seufzer dringt zu ihm,
der Klageruf wird ihn durchbeben,
lässt ihn nicht rasten, treibt ihn her!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn,
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinem Banden mich befrein!

ab
Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer.
Der Chor des Volkes und der Krieger
tritt von verschiedenen Seiten auf.
Lora, Drolla, Arindal, Gunther,
Morald und Gernot kommen.


Alle

Hört ihr des Sturmes Brausen,
das vor den Mauern tobt?
Es sind des Feindes Scharen
zu neuer Wut erwacht!

Arindal

Wie bang erfüllt ist meine Brust!

Lora

Auf denn, ihr Freunde, zieht hinauas!

Arindal

O wie ertrag ich alle Not!

Lora

Befreiet uns von dieser Not!

Drolla

So ziehet froh hinaus
zu dem Befreiungskampf!

Chor

So ziehen wir hinaus
zum letzten Todeskampf!

Arindal

Zu kämpfen, ach, vermag ich nicht!

Morald

Ihr Krieger, kommt, ich führe euch!

ab mit dem Kriegern


Lora

Wie, Bruder, du vermöchtest es,
dem heil'gen Kampf dich zu entziehn?

Arindal

O Lora, krank ist meine Seele,
und siech liegt aller Lebensmut!

Drolla und Gernot

Seht ihr des Königs trüben Blick,
wie er umsonst nach Fassung ringt?

Arindal

Wie soll ich Härt'res noch ertragen,
da diese Not das Schwerste mir?

Lora

Wie soll ich seine Stimmung deuten,
die ihn so schwer darnieder drückt!

Als sich Arindal abwendet, tritt ihm Ada entgegen.


Ada

Weh dir, wenn dies das Schwerste dir erscheint!

Arindal

O Himmel, meine Gattin!

Alle

Wie, dies ist seine Gattin?

Ada gibt ein Zeichen; ihre beiden Kinder erscheinen
und stürzen sich in Arindals Arme.


Ada

Jetzt, Arindal, gedenke deines Schwurs!

Lora, Drolla, Gunther, Chor

O seht die holden Kleinen,
wie lieblich anzuschaun!

Gernot

Das sind die hübschen Dinger,
die ihm von ihr geschenkt!

Arindal

Ach, meine Kinder seh ich wieder,
welch freudig unverhofftes Glück!
Ich lasse sie mir nimmer rauben,
und kein Geschick entreisst sie mir!

Alle

Seht, o seht die holden Kleinen, etc.

Ada

O hättest du sie nie gesehn!
Zum Jammer wird ihr Anblick dir!

Auf ihren Wink öffnet sich ein feuriger Schlund.


Gunther
und Gernot
Was, Teufel, seh' ich da?

Chor

Entsetzen! Was geschieht?

Arindal

Ha, was beginnst du?

Ada

Gib meine Kinder mir zurück!

Arindal

Ha nimmermehr! Was soll gescheh'n?

Ada

Lass mich, noch sind sie nicht ganz dein!

Entreiß ihm die Kinder


Arindal

Entsetzliche! Sie sind nicht mein?

Ada

Der Feuerschlund soll sie empfangen!

Lora, Drolla, Gunther, Chor

Ha, was beginnet die Verweg'ne!
Greift an und haltet sie zurück!

Ada

Zurück von mir, Verweg'ner!

Arindal

O Weib, ich lass dich nicht gewähren!
Und ihr hinab!

Sie wirft die Kinder in den Schlund,
der sogleich verschwindet.


Alle

O Gott, was haben wir gesehn?
War es nur Täuschung, war es Wahrheit?
Entsetzlich Weib, was tatest du?
Kann man dich eine Mutter nennen?

Arindal

Wie mächtig wühlt's in meiner Brust,
es paart sich Vorwurf und Verdacht!

Ada

Wie mächtig wühlt's in seiner Brust!
O Himmel, schütz ihn vor Verdacht!

Flüchtlinge vom Chor der Krieger kommen.


Chor

Entflieht, wir sind besiegt!

Alle

Welch neues Unheil stürmt auf uns
und drohet uns mit Untergang!

Ada

Dies Unheil trifft mich mehr als ihn!
Es weihet mich dem Untergang!

Arindal

Hier Zwietracht, draußen Untergang,
welch neues Unheil!
Ach, Ada, weißt du keinen Trost
für mich in diesen schweren Leiden?

Ada

Zu deinem Troste kam ich nicht,
zu deiner Qual bin ich erschienen!

Arindal

Sie weiset kalt mich sich von ab.-
Wie könnte sie den Gatten trösten,
dem sie die Kinder mordete!

Lora

All meine letzte Hoffnung sinkt!
Der treue Harald bleibet aus mit seiner Hilfe,
die er versprach, vom Nachbarlande herzuschaffen!
O, Hilfe jetzt und niemals mehr!

Chor des Volkes

Schon näher dringt der Sturm,
hört ihr den grausen Lärm?

Neue Flüchtlinge kommen.


Chor der Krieger

Verloren, ach verloren!
Nichts kann uns mehr erretten!

Lora

Ihr Feigen, was entflieht ihr,
führt euch der tapfere Morald nicht?

Chor der Krieger

Er ist verschwunden uns,
gefangen oder tot!

Lora

mit einem Schrei
Tot!

Alle

Zu Trümmern stürze alles hin,
der Beste ist gefallen!

Ada

Noch ahnt er nicht, dass ich die Schuld
an allem seinen Elend bin!

Chor

Seht, dort kommt Harald her,
der Hilfe uns versprach!

Arindal

Der letzte Hoffnungsschein!

Ada

Wird mir zum Untergang!

Lora

Sag an, wo sind die Krieger,
die du zur Hilfe bringst?

Harald

Weh euch, ich bringe nichts! -
Vernichtet ist mein Werk!

Alle

Was sagt er? Keine Hilfe,
nur neuer Untergang?

Harald

Die besten Krieger hatte ich geworben,
und schon nicht fern mehr waren wir der Stadt,
da stellt sich uns ein Kriegsheer in den Weg,
an seiner Spitze ein gewaffnet Weib.
Sie griff uns an mit unerhörter Macht,
und alles war in kurzer Zeit zerstreut.
Dann sprach das Weib: " Geh heim zu Arindal,
sag ihm, ich sei Ada, die Königin!"

Ada

für sich
O, muss ich dieses noch ertragen!

Arindal

Was sagst du? Ist es diese,
die dir den Auftrag gab?

Harald

Mein König, ja, sie ist's!

Alle

Entsetzlich! Seine Gattin
ist mit dem Feind in Bund!

Arindal

Ha, furchtbar tagt's ib mir!
Ich war von je betrogen!
Ha, schändlich Weib, so bist du jetzt entlarvt,
und deiner argen Tücke Ziel ist da!
Von jenen Zauberinnen bist du eine,
die zum Verderben uns mit Lieb' umstricken!
Du hieltest mich in schnöden Banden fest,
verlocktest mich mit bösem Trug!

Ada

Mein Arindal!

Arindal

Um grausam mich zu quälen,
gabst meinen Kindern du den Feuertod,
zertrümmertest mit arger List mein Reich,
ich selbst bin der Verzweiflung preisgegeben!

Ada

Halt ein!

Arindal

Zu was dich länger schonen,
um dich zu strafen, gabst du mir die Macht!
Verruchtes Weib, sei denn verflucht!

Ada

Arindal, halt ein! Ah!
entsetzlicher Schrei
Meineidiger, was tatest du!

Zemina und Farzana erscheinen.


Zemina und Farzana

Ada, die Bande sind gelöst,
unsterblich bleibst du, wie zuvor!

Alle

O Gott, was hören wir,
was hat das zu bedeuten?

Ada

mit wütendem Schmerz
Entsetzlicher! So hieltest du den Schwur?
Mit solchem Mut bewährtest du die Treu?
Verloren, ach verloren! Weh, unglücklich
hast du für Ewigkeit dein Weib gemacht!-
So wisse denn, wie gross die Freveltat!
Von einem Sterblichen und einer Fee
bin ich erzeugt und so der Mutter gleich unsterblich.
Da sah ich dich, und dir Meineidigen
wandt ich all meine heisse Liebe zu!
Sie war so gross, dass ich, um dein zu sein,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagte!-
Der Feenkönig zürnte mir darum,
und da den Rücktritt er nicht wehren konnte,
sucht er ihn dadurch zu erschweren mir,
dass er mir dieses als Bedingnis gab:
acht Jahr dir zu verschweigen, wer ich sei,
und dann den letzten Tag auf dich so viel
der Qualen und der Schrecken aufzuhäufen,
als dich verleiten könnte, mir zu fluchen!
Nur, wenn dein Herz standhaft aus Liebe sei
soll ich das Los der Sterblichkeit erhalten.
Wenn nicht, so sollte ich unsterblich bleiben
und dann noch mein Begehren dadurch büssen,
dass ich auf hundert Jahr in einen Stein verwandelt sei!
Nun denn, du kennst mein Los!

Arindal

O Gott, wie braust's in meinem Hirn!
Sag an, bist du nicht schuld an meines Reiches Not?

Ada

Sie endet schneller noch als sie bereitet!

Arindal

Nun denn, sind jene Krieger nicht erschlagen,
die dieser mir zu Hilfe brachte?

Ada

Ich tat's! Es waren deines Feindes Krieger,
mit denen Harald dich verraten wollte.

Harald wird ergriffen und abgeführt.


Arindal

Und Morald, fiel er nicht, war es nur Schein?

Ada

Durch meine Macht besiegt er jetzt den Feind!

Arindal

Was frag ich noch? Schon fasst mich Wahnsinn an!
Doch meiner Kinder Mord verdammet dich!

Auf das Zeichen kommen ihre beiden Kinder
und stürzen sich in Arindals Arme.


Ada

Von ihrer Geburt gereinigt, nimm sie hin,
der Erde schönstes Los beglücke sie;
nur mich nimmt grenzenloses Elend auf!

Arindal

sinkt zu Adas Füßen zusammen
Nun denn, Verzweiflung, dir gehör ich an!

Chor der Krieger

hinter der Bühne
Triumph! Wir sind befreit,
erschlagen ist der Feind!

Morald kommt mit den Kriegern.


Morald

Ich bringe Sieg und Freude,
vernichtet ist der Feind!

Alle

Was hör ich! Wir sind befreit!

Chor, Drolla, Gunther, Gernot

Ertönet, Jubelklänge
zum Himmel hoch empor,
des Sieges Hochgesänge
erschallen jetzt allein!

Lora und Morald

Ich drücke dich als Sieger
an meine frohe Brust!
Welch unnennbare Freude,
von dir befreit zu sein!
(Dich Holde zu befrein!)

Zemina und Farzana

So ist sie denn gerettet,
zurückgegeben uns.
Nach der Verbannung Leiden
wird sie unsterblich sein!

Ada

Hinweg von mir, Verräter!
Ich stosse dich von mir!
Noch eh der Tag sich endet,
umschliesset mich der Stein!

Arindal windet sich zu Adas Füßen.


Arindal

Ach Ada, hab Erbarmen,
stoss mich nicht ganz von dir!-
Verzweiflung muss mich fassen,
Wahnsinn mein Ende sein!

Die Bühne verfinstert sich, Ada versinkt mit Zemina
und Farzana unter Donner und Blitz.
Dann fällt der Vorhang schnell.






Dritter Akt


Erster Akt
Zweiter Akt
Dritter Akt

 

Festliche Halle: Morald und Lora auf dem Thron:
Drolla, Gernot und Gunther neben ihnen.
Chor von Männern und Jungfrauen,
festlich geschmückt. Siegesreigen.

Chor
Heil sei dem holden Frieden
im sanften Himmelsglanz!
Heil sei dem hohen Siege,
der uns den Frieden gab!
Der du zum Siege uns geführt,
sei uns als König jetzt gegrüsst!
Die du im Leiden unser Trost,
sei jetzt als Königin gegrüsst!
Heil, siegesreicher Morald dir!
Heil, tugendreiche Lora dir!
Heil sei euch!

Morald

Genug, o endet dieser Feste Jubel!
Vor Freude nicht, vor Wehmut bebt mein Herz!
Noch gilt eu'r froher Königsgruss nicht mir!
Denn der mir seine Würde übertrug,
ist dem unseligsten Geschick verfallen.
Des Wahnsinns graue Nacht umhüllet ihn,
und hält die leidenvolle Seel umfangen.
Wenn auch sein Wille mich zum König machte,
so ehrt doch nur so lange mich als Herrscher,
als Arindal dem düstren Wahn erliegt!

Lora

Ach Bruder! Welch beklagenswert Geschick!
Jetzt, da die Freude jeden Busen schwellt,
muss ich dein fürchterliches Los beweinen!

Chor

Wir ehren euren Schmerz!
Die Freude halte ein!

Lora und Morald

Allmächtiger,
in deine Himmel
send ich mein brünstig Flehn hinauf!
Lass weichen aus des
( Bruders ) ( Freundes ) ( Königs ) Sinnen
des Wahnes schreckenvolle Macht!
Ein Strahl aus deinem Glanz
erleuchte seiner Seele Nacht!

Arindal

Hallo! Lasst alle Hunde los!
Dort, dort! Die Hirschin! Seht!
Herbei!
Ihr Jäger herbei!
Du, Waidmann, wandre voran!
Jucche, es schmettert das Horn!
O seht, schon müde wird das Tier!
Packt an! Ich sende den Pfeil!
Seht wie er fliegt! Ich zielte gut!
Haha! Das traf in's Herz!
O seht, das Tier kann weinen!
Die Träne glänzt in seinem Aug'!
O, wie's gebrochen nach mir schaut!
Wie schön sie ist!
Entsetzen! Ha, es ist kein Tier,
seht her! Es ist mein Weib!-
Ich seh den Himmel dort sich öffnen,
die lichten Tore springen auf!
O welcher Duft, o welcher Glanz!
Bin ich ein Gott, dies zu empfinden?
Beschwingt hebt sich mein Geist empor!
Ha, wie der Staub nach unten sinkt!
Es reicht sich eine Hand mir dar,
voll Liebe führt sie mich hinauf,
ich atme milde Götterluft!-
Was soll's? Noch bin ich Mensch!
Du seist verflucht!
Haha! So ist's vollbracht!
Jetzt bin ich wieder Staub!
Leg dich zur Ruhe, Staub,
die Erde birgt dich gern!-
Ha, wie es um dich dämmert!
Es ist die milde Nacht.
O schaurig, süsse Luft,
befängst du meine Seele?
Ich lag in deinem Arme,
so sanft war meine Ruhe,
ich kann dich nicht umfangen,
du bist so fern, so fern!
Und dennoch nahst du mir,
ja, ja, ich sehe dich!
Warum den tiefen Schmerz
im tränenvollen Blick?

Ada

Mein Gatte Arindal,
was hast du mir getan?
Es schliesst ein kalter Stein
die heisse Liebe ein.
Die Träne nur erweicht
der rauhen Hülle Zwang,
durch alle Schranken dringt
die Liebe noch zu dir,
und hörest du die Klage,
so eile her zu mir!

Groma

Auf, Arindal, was zauderst du?
Sieh, jenen Schild und jenes Schwert
kann dich dem Sieg, doch jene Leier
noch grösser'm Glück entgegenführen.
Bist du von Mut und Lieb' erfüllt,
so wirst das Höchste du erreichen!-

Farzana

So wäre unsre Ada denn gerettet,
und der Unsterblichkeit zurückgegeben!
Wohlan, vollenden wir das letzte Werk,
damit kein Rückschritt je zu denken sei:-
den Sterblichen dem sichern Tod zu weihn!

Zemina

Fürwahr, mich jammert Arindals Geschick;
schon büsst er durch des Wahnsinns Schrecken
den Meineid schwer.

Farzana

O nicht der Meineid bloss, seine Vermessenheit
weiht ihn dem Tod!
Soll ungestraft ein kühner Sterblicher
des Feenreiches Stolz uns rauben wollen?
Wir führen auf den Weg zu Ada ihn;
sie zu befrein, sei er von uns ermuntert.

Zemina

Was willst du tun? Ihn auf den Weg geleiten,
auf dem er wirklich sie erlösen kann?

Farzana

Was fürchtest, Törin, du? Da er als Mensch
zu siegen nicht vermocht, wie sollt er da
bewähren sich, wo Feenkraft nur siegt?
Im Kampfe wird er sicher unterliegen!

Zemina und Farzana

Auf! Erwache, Arindal!

Arindal

Wer ruft mich? Ha, wohin
hat mich ein wilder Wahn getragen?
Ich hörte meine Gattin rufen!
O Gott, wie ist die düst're Nacht
durch ihren Ruf zum Tage mir erhellt!

Zemina und Farzana

Nun, Arindal, erkennst du uns?

Arindal

Euch seh ich wieder, teure Feen,
die ihr um meine Gattin wart.
Ach, meine Gattin, wo ist sie?

Zemina und Farzana

Hast du den Mut, sie zu befrein?

Arindal

Was höre ich? Sie zu befrein
durch meinen Mut könnt es gelingen?

Farzana

Was prahlest du von deinem Mute?
Ist sie nicht deiner Feigheit Opfer?

Arindal

O wende deine Hohn von mir!
Sagt mir, ist sie noch zu befrein?

Zemina

Im kalten Steine eingeschlossen
verzweifelt sie an ihrer Rettung.

Arindal

Ihr foltert mich! - Ich habe Mut!
Wer leitet mich zu ihr dahin?

Zemina und Farzana

Nun denn, wir führen dich zu ihr!

Arindal

O Gott, wie fass ich es, zu ihr!
Ach sie, die Gattin zu befrein,
wie füllt es mich mit Freudenglut!
O leitet mich dahin zu ihr,
ihr opf'r ich all mein heisses Blut!

Zemina und Farzana

Ha, diese rasche Freudenglut
wird ihn den sich'ren Tode weihn.
Wir leiten gern ihn hin zu ihr,
denn uns erfreut sein Untergang!

VERWANDLUNG
Furchtbare Kluft des unterirdischen Reiches.
Erdgeister mit scheußlichen Larven
durchwogen geschäftig den Ort.

Chor der Geister
Ihr Geister, auf, bewachet treu
die dunkle Schreckenspforte,
die diese Kluft umschliesst!
Dem Ungeweihten wehrt den Weg!
Er führt zum höchsten Heiligtum!
Ihr Geister auf! Bewachet treu!

Arindal

Wo führt ihr hin! Hier schmachtet meine Gattin?

Chor

Wer naht sich dort?

Farzana

Ein Sterblicher begehrt von euch den Eintritt!

Chor

Wehe ihm!

Zemina

Nun, Arindal! Bekämpfe jene!

Arindal

O diese schreckenvolle Überzahl!

Farzana

Kleinmütiger, dir bangt?

Arindal

Die Liebe siegt!-
Weh mir, ich unterliege schon!

Groma

Den Schild!

Zemina und Farzana

Entsetzlich, ha, er hat gesiegt!
Durch fremde Macht bezwang er sie,
doch siegen soll er nimmermehr!

Arindal

O welches Glück, der Sieg ist mein!
Dank sei, Groma, deiner hohen Macht!

Gunther und Gernot

Heil Arindal, und fasse Mut,
zum Siege schreitest du voran!

Die Bühne ist in einen anderen Teil
des unterirdischen Reiches verwandelt.
Chor von ehernen Männern: fest aneinendergereiht

Chor der ehernen Männer
Schliesst fest euch an, und haltet stark,
den Eingang wehren wir
zum höchsten Heiligtum!

Chor

Was will der Fremdling hier?

Zemina

Er trotzet eurer Kraft
und fordert euch zum Kampf!

Chor

Wehe ihm!

Arindal

Mich schreckt nicht eure Erzes Schirm,
vernichten soll euch meine Macht!
Weh mir, den Schild verlässt die Kraft!

Groma

Das Schwert!

Zemina und Farzana

Ha, wehe uns, der Sieg ist sein!
Statt des Vermessenen Verderben
bezwecken wir sein höchstes Glück!

Chor von Gromas unsichtbaren Geistern

Heil, Arindal, und fasse Mut,
zum Siege schreitest du voran!

Farzana

Doch jetzt erlahme seine Kraft!

Arindal

Doch sagt! Wo find ich meine Gattin?

Farzana

Wohlan! Jetzt sollst du sie befrein!

Zemina

Sieh, Arindal, dort schmachtet deine Gattin!

Arindal

Allmächtiger, wie trag ich diesen Anblick?
Wie nenn ich das Gefühl, das mich durchbebt?
Ist's Wonne, die mir wird durch ihre Nähe?
Ist es Entsetzen, so sie zu erblicken?
Ah, welche Wehmut füllt mein armes Herz.
O Ada! Wie vernichte ich den Fluch?

Zemina

Was ziemt's zu klagen hier? Sie zu befrein
kamst du hierher!

Arindal

O sagt, wie ich's vollende?

Farzana

Entzaubre diesen Stein, und sie ist frei!

Arindal

Weh mir! Kann Menschenkraft dies je vollbringen?

Farzana

Versuch's, doch wisse erst, was dich bedroht!
Du bist mit kühn vermess'ner Kraft
gedrungen bis hierher
in der Feen Heiligtum, und kannst du jetzt
dein Werk nicht ganz vollenden,
so büssest du das frevelnde Begehren
mit ewiger Verwandelung in Stein!

Arindal

Ha, furchtbar! Dies ist denn mein Los!
Weh mir, es unterliegt mein Mut
und mein Verlangen ist gelähmt.
Vollenden kann ich nicht mein Werk
und lange Qualen sind ihr Los!

Farzana und Zemina

Ha, endlich unterliegt sein Mut
und sein Verlangen ist gelähmt.
Vollendet er jetzt nicht sein Werk,
so ist ein ew'ger Tod sein Los.

Chor

Mut, Arindal, und sei getrost,
du kannst die Gattin noch befrein!

Groma

Ergreif die Leier!

Arindal

O Gott, was höre ich?
Ja, ich besitze Götterkraft!
Ich kenne ja der holden Töne Macht
der Gotheit, die der Sterbliche besitzt!
Du, heisse Liebe, Sehnsucht und Verlangen
entzaubert denn in Tönen diesen Stein!

Zemina und Farzana

Weh, das ist Gromas Werk!

Arindal

O ihr, des Busens Hochgefühle,
die hold in Liebe sich umfah'n!
Und du Verlangen, heisses Sehnen,
mit deinem wonnesüssen Schmerz!
Euch ruf ich auf, aus meinem Busen,
aus meiner Seele schwingt euch auf!
Zusammen fliesse all Empfinden
in holder Töne Zaubermacht,
und flehet an den kalten Stein:
gib meine Gattin mir zurück!

Ada

Jetzt kann mich keine Macht dir rauben!

Die Szene verwandlet sich in einen herrlichen Feenpalast,
von Wolken umgeben. Auf einem Thron der Feenkönig,
um ihn der Chor der Feen und Geister.

Feenkönig
Du Sterblicher drangst ein in unser Reich,
und die unendliche Gewalt der Liebe
verlieh dir jene hohe Kraft, die nur
Unsterblichen zu eigen ist verliehn!
So wisse denn: durch deine Schuld als Mensch
bleibt Ada jetzt unsterblich, wie sie war;
doch, der sie uns mit Götterkraft entwunden,
ist mehr als Mensch - unsterblich sei, wie sie!

Chor

Gegrüsst sei Arindal im hohen Feenreiche,
dir ist Unsterblichkeit nach deiner Kraft verliehn!

Ada

Entsage deinem Erdenreich,
mein Feenland beherrsche jetzt!

Arindal

Noch fühl ich sterblich mich genug
und kann vor Wonne mich nicht fassen!

Zemina und Farzana

Entzücken kehret wieder ein,
da beide jetzt gewonnen sind!

Arindal

Euch beiden geb ich jetzt mein Erdenland,
ein höh'res Reich ist Seligem mir verliehn!
Seid glücklich stets, denn ich beschütze euch!

Chor

Ein hohes Los hat er errungen,
dem Erdenstaub ist er entrückt!
Drum sei's in Ewigkeit besungen,
wie hoch die Liebe ihn beglückt!




Erster Akt
Zweiter Akt
Dritter Akt



E N D E