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Carl Maria von Weber

(1786 - 1826)

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The Operas of Carl Maria von Weber

 

OBERON
 


Musik von Carl Maria von Weber

 
 
CAST:
Oberon, re degli elfi,
tenore
Puck, spirito al servizio di Oberon, contralto
Rezia, figlia del Califfo, soprano
Fatima [Fatime], sua confidente, mezzosoprano
Hüon di [von] Bordeaux, duca di Guienna, tenore
Scerasmin [Scherasmin], suo scudiero, baritono
Ondina [Meeresmädchen], soprano
Tre fate ed elfi [Drei Feen u. Elfen]      contralto
Droll, [del seguito di Oberon], recitante
Harun al-Rascid [al-Raschid], Califfo di Bagdad, recitante
Babekan, principe saraceno, recitante
Abdellah, corsaro, recitante
Almansor, emiro di Tunisi, recitante
Rossana [Roschane], moglie di Almansor, recitante
Nadina [Nadine], schiava, recitante

Fate, Elfi, Geni, Schiavi, Custodi dell'harem, Sèguito del Califfo, Spiriti,

Ninfe, Schiave; Guardie, Nobili e Dame della corte di Carlomagno






1.
Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug







Ouverture

 

ERSTER AUFZUG
 

Halle in Oberons Palast

I. Introduction

Feen und Elfen
Leicht, wie Feentritt nur geht,
durch den Saal, ihr Elfen, weht!
Viel zu laut die Quelle tönt! zu laut!
Viel zu laut der Zephir stöhnt! zu laut!
Jagt die wirre Mücke fort,
laßt die Bien' nicht summen fort!
Auf der Lilien Lager liegt
Oberon, in Traum gewiegt!
Schlummer schloß sein Augenlid,
das so lang' den Schlaf vermied.

Soli
O bracht' er Ruh' und sanfte Lust
in unsers traurenden Königs Brust!
Ruh'! Ruh'!
O bracht' er Ruh' u.s.w.


Feen und Elfen
Leicht, wie Feentritt u.s.w.

Puck
Che cosa sta succedendo, qui?
Voi, fannulloni, che cosa aspettate? Via, via, o, per

il suggello di Salomone...!

Puck
Dorme ancora! È la prima volta, da quando ha litigato
con Titania.

Droll
Dimmi: perché litigano?

Puck
Discutevano su chi fosse più volubile, la donna o
l'uomo. Naturalmente la regina difendeva il suo sesso.
Si accalorarono. Giurarono, per tutto ciò che di

più sacro può giurare una fata, di non amarsi più
fin che non avessero scovato una coppia, una tenera
coppietta, saldissima e fedelissima in ogni circostanza,
gioie, tentazioni, pericoli, catastrofi. E adesso il re
darebbe la corona, pur di mettere le mani su un

paio di tortorelle simili. O per rimangiarsi quel che
ha detto. Ma zitti! Si sta svegliando.
Tiriamoci in­
dietro.

2. Arie

Oberon
Schreckensschwur! Dein wildes Quälen
selbst im Schlummer niemals ruht!
Leiden weckst du, nicht zu zählen,
fachst nur an die inn're Gluth.
Immer Angst und immer Schmerzen
doppelt, wenn der Traum verweilet,
unnennbare Pein im Herzen,
doch kein Balsam, der sie heilt.

Schreckensschwur! u.s.w.

Puck
Heil, Meister, dir!

Oberon
Mein treuer Puck!
Mmmmh...
Che hai fatto dal primo Hahnenschrei?


Puck
Volato, grande re, volato da un polo all'altro e intorno
a tutta la grande palla terrestre, per cercare ciò

che potrebbe giovarti. Niente! Però ti potrei ripetere
una storiella che ho ascoltato.

Oberon
Ja, ja, mein Puck... Parla pure!

Puck
Un paio d'ore fa mi ero accoccolato proprio accanto
al trono di Carlo il Grande, e intorno c'era grande
agitazione. Il cavaliere Hüon von Bordeaux gli

aveva appena ucciso il figlio in duello. Colpa del figlio,
dicevano tutti, e della sua tracotanza. Re Carlo è un
giusto re, ma ha un cuore di padre, e così finì col
sentenziare: «Che la tua vita venga risparmiata,
cavaliere, ma a una condizione. Andrai a Bagdad,
entrerai nella sala del Califfo, e davanti a tutta

la corte ucciderai chi siede alla sua sinistra e bacerai
sua figlia come se ne fossi diventato lo sposo».

Oberon
So! ... E Hüon partirà per questa impresa da pazzi,
tutto solo...

Puck
Con un unico scudiero, un ragazzone allegro e fedele...

Oberon
Presto, torna laggiù, addormentali e portameli qui
prima che si raffreddi il fiato di chi te lo sta ordinando.

Puck
Sia! Il re delle fate proteggerà Hüon, e per riconoscenza
il cavaliere porrà fine alle sofferenze del re!
Eccoli, mio re! Cavaliere e fido scudiero.

Oberon
Del Califfo a meraviglia
fa' che sogni lui la figlia,
fa' che lei nella stess'ora
sogni lui che già l'adora;
di Bagdad, col tuo talento,
mostra a noi quel gran portento.

3. Vision

Rezia
Warum mußt du schlafen, o Held voll Muth?
Ein Mädchen sitzt weinend an Babylons Fluth.
Auf, rette sie dir, eh' als Opfer sie sinkt!
Güyenne zu Hülfe, die Schönheit dir winkt.

Oberon
Basta così!
Fine del sortilegio! Svegliatevi, terrestri!
Auf!

Hüon
O schönes Bild!
Quelle beauté! Himmel! Wo bin ich
nur!

Oberon
Ich bin dein Freund, Herr Hüon von Bordeaux.
Vi
proteggerò. Il suono di questo corno vi porterà aiuto
nei pericoli. E adesso partite: amore e gloria vi
attendono. Eile, Hüon, sei glücklich!

4. Ensemble

Elfen und Genien
Ehre und Heil dem, der treu ist und brav!
In Oberon zeigt sich stets ein Freund!
Doch weh' ihm, der feig ist, Verräther und Sklav'!
die Rache der Feen bereit erscheint!
Ehre und Heil u.s.w.

Hüon
Sei ein Führer mir, holder Geist!
Zu dem Thron des UnOäub'gen leite mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt!
Dort zeig' die Treu' deines Hüons sich! u.s.w.

Oberon
Es küßt die Sonne den Purpursaum,
der um Feenlauben fließt;
oft muß sie sinken in jene Fluth,
eh', sterblicher Ritter, vergönnt dir ist
zu nahen Bagdads Schloß!
Doch sieh! Mein Lilienscepter naht,
und Bagdad liegt vor dir.

Scherasmin
Tausend! was ist da zu schau'n!

Hüon
Kann ich meinen Augen trau'n!
Ja, auf gold'ne Zinnen hier
sich das Abendroth ergießet,
und der Strom in reicher Zier
schnell zu seinem Meere fließet!
Doch ach, wo find' ich sie,
die mir Liebe im Schlummer hat gespendet?
Floh sie denn auf ewig mich?
Hat der Klang denn ganz geendet?

Oberon
Getrost, mein Held! Nach Ruhme strebe kühn!
Nur fort! Die Lieb' wird dir in Babylon erblüh'n.

Elfen und Genien
Eil', o Held! Liebe und Ruhm,
sie werden bald dein schönes Eigenthum!
Eil', o Held! Liebe und Ruhm,
Lieb' sei dein Eigenthum! u.s.w.

Hüon
Sei ein Führer mir, holder Geist,
zum Kalifen leite mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt!
Holder Geist! Sei mein Führer,
leite zu dem Gottverworf'nen mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,
dort zeig' die Treu' deines Hüons sich! u.s.w.
Sei mein Führer! Du holder Geist!

Hüon
Cette image cdleste... pour moi?

Scherasmin
Ma certamente, monseigneur, e diventerà votre épouse!
L'imperatore ha ordinato di baciarla, e di uccidere l'uomo
che sarà alla sinistra del Califfo. Io però direi di scappare
con la bella, e lasciar stare uccisioni e combattimenti.

Hüon
Nein! J'ai donné ma parole! Die Ehre sei mein
Schild! Nach Bagdad!

5. Arie

Hüon
Von Jugend auf in dem Kampfgefild',
die Lanze hoch und vor den Schild:
stets da, wo sich der Mann erprobt,
am wild'sten Schlacht und Kampflust tobt!
Führend des Vaters Schwert,
stolz, daß sein Name mich ehrt',
im Herzen noch die Liebe schwieg;
mein einz'ges Streben: Sieg! Sieg! Sieg!
Jetzt gießt sich aus ein sanft'rer Glanz
auf meines Lebens Wogentanz,
der Schönheit Lächeln mildert zart
des Ruhmes wilde Männerart.
Süß wie des Abends Weh'n,
Stern in der Nacht so schön,
nichts Reizender's dir je verblieb,
um mich zu fesseln! Lieb'! Lieb'! Liebe!
Ob aber auch neues Gefühl mich durchbebt,
doch stets noch die frühere Gluth mich belebt!
u.s.w.
Sein ohne Lieb', welch düstrer Trauerflor!
doch Sein ohne Ehre: den Tod zög' ich vor!
u. s. w.

Zimmer im Harem

Rezia
[arab.] Piuttosto sposare un serpente che il principe
Babekan!
[ital. ] Ripeti nella lingua degli infedeli, Fatima:
«Piuttosto sposare un serpente che il principe Babekan!»

Fatime
[arab.]
Pietoso Allah!

Rezia
[arab.]
Salvami, sognato cavaliere!
Rette mich, Hüon!

6. Finale 1

Rezia
Eil', edler Held! befreie dir
die Braut, die deiner wartet hier!
Eh' soll die Hand mir Tod verleih'n,
als eines Andern sein denn dein!
Ja, o Herr, mein Heil, mein Leben,
Rezia ist für ewig dein!
Liebe wußte wohl zu prägen
meiner Brust dein Siegel ein! u.s.w.
[Ja, im Herzen ruht dein Bildniss,
dort bestimmt es ganz mein Loos!
Ja, im Herzen ruht dein Bildniss,
wie der Tropfen in der Tulpe
thaugetränktem Liebesschooß.
Ja, o Herr! mein Heil, mein Leben! u.s.w.]

Fatime
Glück! Freude! Gerettet sind wir in der Noth!
Auf! Er ist da und trotzet kühn dem Tod!

Rezia
Da? Wo? Süße Fatime, rede weiter fort!

Fatime
Heut' Abend führte zu Namuna ihn
der Zufall, nein, das Schicksal, fürwahr das Schicksal!
Dort, ganz Wort für Wort, hört' er, was dir im Traum erschien
und Schwur zu retten aus den Fesseln dich,
wo nicht, den Tod für sich!

Rezia
Sagt' ich's nicht? Sagt' ich's nicht?

Rezia und Fatime
O, welches Glück!
Seine Nähe trag' ich kaum! u.s.w.
Sie erträgt es kaum! u.s.w.
O, welches Glück! O, welches Glück!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
Liebe hat erfüllt den Traum! u.s.w.

Fatime
Horch, Herrin, horch! Auf der Terrasse Bahn
hört schon man des Harems Wächter nah'n,
und sieh', die Sklaven kommen sacht,
weil schon zur Ruhe ruft die Nacht!

Sklaven und Haremswächter
Dunkel ist es schon und spät,
und von jedem Minaret
Stimmen zum Gebet schon riefen;
die Lüftchen selbst entschliefen.
Länger bleibt nicht hier am Ort!
Fort zur Ruh', fort, fort, fort, fort!

Rezia
Seele, froh in Jubelklängen,
wie soll ich zurück dich drängen?
Nur zu laut thut dich ja kund
das glüh'nde Aug', beredter Mund!
Daß dich nicht verrath' ein Wort,
fort zur Ruhe, nur fort,
nur fort, nur fort, nur fort, fort!
Seele, froh u.s.w.

Sklaven und Haremswächter
Länger bleibt nicht hier am Ort,
fort zur Ruh', fort zur Ruh'!
Dunkel ist es schon und spät,
und von jedem Minaret
Stimmen rufen zum Gebet!
Das Lüftchen selber schlafen geht,
fort, drum fort, fort, nur fort,
nur fort, nur fort!
(Ein prächtiger Speisesaal im l'alaste des Harun )

7. Chor

Gefolge des Kalifen
Ehre! Ehre!
Ehre sei dem mächt'gen Kalifen und Preis!
Beugt euch, Gläub'ge, tief in den Staub vor seiner Macht!
Fluch treff' den Ungläub'gen, der es wagt zu trot[zen ihm,
wenn er, so wie der Morgen lacht, entfliehen sieht die Nacht! u.s.w.
Ehre, Ehre sei dem großen Kalifen und Preis!
Beugt euch, Gläub'ge, tief in den Staub vor seiner Macht!
Ehre dem Kalifen, ja, Ehre und Preis!

Harun
[arab.] Silenzio!
Mia figlia Rezia, oggi, sarà tua!

Babekan
[arab.] Che inizino le nozze!

8. Ballet
[Musik]

Harun
[arab.] Spade? Per Allah, che impudenza!

Hüon
Où est ma bienaimée?

Rezia
Er ist's, er ist's! O rette mich!

Babekan
[arab.] Alto là, per Allah!

Scherasmin
È lui, che sedeva alla sinistra del Califfo!

Hüon
So stirb!

Harun
[arab.] Fateli a pezzi!

Scherasmin
Il corno, monseigneur, il corno!

Hüon
Dank dir, o Helfer Oberon!

Garten am Palaste

Scherasmin
Non temere, mia piccola miscredente!
Guarda la tua signora e il mio cavaliere.
Potrai
amarmi anche tu, un pochino?

9. Ariette

Fatime
Arabiens einsam Kind,
der Wüste Mädchen bloß,
die Künste nicht bekannt mir sind,
zu zieh'n der Liebe Loos.
Arabiens einsam Kind,
der Wüste Mädchen bloß,
gleich abgepflücktem Blatt' bin ich,
das auf dem Bache schwimmt;
ein Weilchen, dann verliert es sich
spurlos, wie's ihm bestimmt.
Doch wenn mich Freundes Hand
dem Wellenspiel entriß,
und trüg' mich in ein fernes Land,
blüht' ich ihr neu gewiß!
Und Nachtigall wohl trennt' man eher
von ihrer Rose ab,
als ich des Herzens Ruhe stör',
wo Lieb' mir Heimath gab u.s.w.

Hüon
Lass uns nach dem Hafen eilen, Scherasmin!

Scherasmin
Al porto, al porto, andiamo via!

10. Quartett

Hüon und Scherasmin
Über die blauen Wogen,
über die Fluthen hier,
Stern von Arabiens Töchtern,
sprich, willst du zieh'n mit mir? Sprich!

Rezia und Fatime
Hätten die Wogen nicht Grenzen,
nicht Küste die Meerfluth hier,
doch zöge Arabiens Tochter
furchtlos dahin mir dir! u.s.w.

Rezia, Fatime, Hüon und Scherasmin
An Bord denn, an Bord denn, an Bord!
Fort, da der Himmel rein
und günstig weht der Wind! u.s.w.
Die Herzen sind treu wie unser Boot
und hell von Hoffnung,
wie Segel in der Sonne Schein! u.s.w.
An Bord, an Bord, da der Himmel rein!
An Bord, an Bord, da günstig weht der Wind,
an Bord, an Bord, an Bord!



1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug





ZWEITER AUFZUG





Felsenlandschaft

11. Solo, Chor und Sturm

Puck
Geister der Luft und Erd' und See!
Geister der Gluth in heil'ger Höh'!
All', die gebieten Fluth und Wind,
kommt hieher, ihr Geister, geschwind!
Ob ihr gebannt in die Höhlen ein,
karg nur beleuchtet von Demantschein,
oder in den Wassern tief,
wo die Perl' gefesselt schlief,
oder dort in Himmeln weit,
wo kein Auge Beistand leiht,
oder im Spalt eines Felsens dort,
wo die Lava kocht noch immer fort,
Geister, wo immer auch eu'r Revier,
kommt hieher, kommt hieher zu mir!
Es ruft euch, Geister nah und fern,
durch mich Gebot eures Oberherrn!

Geister
Wir sind hier! Wir sind hier!
Sprich, was soll gescheh'n? u.s.w.
Soll'n wir spalten den Mond?
Soll'n wir verfinstern die Sonn'? u.s.w.
Soll'n wir schaffen den Ozean von Grunde au leer? u.s.w.
Sprich! Wir thun's und noch viel mehr!

Puck
Nein! Nein! Ihr braucht nur vor der Hand
ein Boot zu schleudern an den Strand;
da Feenmacht dies thun nicht kann,
such' ich bei euch um Beistand an.

Geister
Nichts als das? Haha! haha!
Ho, ho! Ho, ho, ho u.s.w.
Leicht're Arbeit nie ich sah'.
Wog' und Wind! Hoch auf und hohl!
Horch! Gescheh'n! Leb' wohl! Leb' wohl!

[Sturm]
Höhle an der Seeküste

Hüon
Schlag' die Augen auf, mein Leben! - O Gott, sie
stirbt! Und ich, ich bin ihr Mörder!

12. Gebet

Hüon
Vater! Hör' mich fleh'n zu dir! u.s.w.
Schon', o schon' die Blüthe hier!
Und muß es sein, so treff' dein Donnerschlag allein
nur mich, der schuld an dieser Pein! u.s.w.
Schon', o schon' die Blüthe hier!
Vater! Hör' mich fleh'n zu dir!
Schon', o schon' die Blüthe hier! u.s.w.

Rezia
Mein Hüon!

Hüon
Meine süsse Rezia! Ich geh', suche menschliche Hilfe,
und kehre bald zurück!

13. Szene und Arie

Rezia
Ozean! Du Ungeheuer! Schlangengleich
hältst du umschlungen rund die ganze Welt!
Dem Auge bist ein Anblick von Größe du,
wenn friedlich in des Morgens Licht du schläfst!
Doch wenn in Wuth du dich erhebst, o Meer!
und schlingst die Knoten um dein Opfer her,
zermalmend das mächtige Schiff, als wär's ein Rohr:
dann, Ozean, stellst du ein Schreckbild dar.
Noch seh' ich die Wellen toben,
durch die Nacht ihr Schäumen schleudern,
an der Brandung wild gehoben,
jede Lebenshoffnung scheitern!
Doch still! Seh' ich nicht Licht dort schimmern,
ruhend auf der fernen Nacht,
wie des Morgens blasses Flimmern,
wenn vom Schlaf er erwacht?
Heller nun empor es glühet
in dem Sturm, dess' Nebelzug
wie zerriß'ne Wimpel fliehet,
wie wilder Rosse Mähnenflug!
Und nun die Sonn' geht auf! Die Winde lispeln leis';
gestillter Zorn wogt nur im Wellenkreis.
Wolkenlos strahlt jetzt die Sonne
auf die Purpurwellen nieder,
wie ein Held nach Schlachtenwonne
siegreich eilt zur Heimath wieder.
Ach! vielleicht erblicket nimmer
wieder dieses Aug' ihr Licht!
Lebewohl, du Glanz für immer,
denn für mich erstehst du nicht! u.s.w.
Doch was glänzt dort schön und weiß,
hebt sich mit der Wellen Heben?
'S ist die Möve, sie schweift im Kreis',
wo die Fluth raubt ein Leben!
Nein, kein Vogel ist's! Es naht!
Heil! Es ist ein Boot, ein Schiff!
Und ruhig segelt's seinen Pfad
ungestört durch das Riff.
O Wonne! Mein Hüon, zum Ufer herbei! u.s.w.
Schnell, schnell diesen Schleier! Er weht! o Gott, sen[de Rath!
Sie seh'n mich! Schon Antwort! Sie rudern mit Macht!
Hüon! Hüon! Hüon! u.s.w.
Mein Hüon, mein Gatte, die Rettung, sie naht! u. s. w.
Rettung naht! u.s.w.

Abdellah
Ah!! Una bella preda, per Maometto!
Acchiappatela, forza, e via di nuovo sul mare!

Rezia
Hüon! Hüon! Rette mich! Hilfe!

Hüon
Bösewichter! Lasst sie los!

Abdellah
Fatelo fuori! E poi alla barca; in fretta!

[Oberons Ankunft]

Oberon
Povero mortale! Mi duole porre a così dura prova la tua anima
timorosa e nata dalla polvere. Ma resta fedele, e per ogni minuto
di sofferenza avrai anni di fama e di dolce amore. Puck!

Puck
Eccomi, grande Oberon!

Oberon
Veglia su di lui per sette giorni: tanto durerà il suo sonno.
E quando i pirati saranno giunti a Tunisi, portalo laggiù e
depositalo nei giardini di Almansor: delicatamente!

Puck
Accadrà come dici: ecco, già un profumo ci avvolge, già
il sole si nasconde, già ci raggiunge dal mare il suono
incantato delle sirene. Oberon, ha inizio il tuo regno!

14. Finale II

Meermädchen
O wie wogt es sich schön auf der Fluth,
wenn die müde Welle im Schlummer ruht,
leise verschwand der letzte Sonnenschein,
und sich die Sterne dort oben reih'n,
und sich der Nachthauch hebt so sanft und mild,
Düfte entathmend aus fernem Gefild'!
O wie wogt und singt sich's hold,
trocknend der nassen Locken Gold!
O wie wogt es sich schön auf der Fluth,
wenn nicht's als wir ihr am Busen ruht!
Der Wächter lehnet im Dämm'rungschein
über den Thurm, den die Zeit stürzt ein,
bekreuzt sich, murmelt ein frommes Gebet,
und horcht auf das Lüftchen, das zaub'risch weht.
O wie wogt und singt sich's hold,
trocknend der nassen Locken Gold!

Puck
Meister, sprich! Es ist gethan!
Soll'n wir tanzen auf dem Plan
oder in der Mädchen Sang
mischen froher Lieder Klang?

Oberon
Bessern Lohn verdient hast du!
Ich verweil' und seh' ihm zu.

Oberon und Puck
Hieher! Hieher! ihr Elfen all'!
Kommt! Tanzt nach der Nymphen melod'schem Schall!
Eilt und beweiset den Mädchen der Fluth,
daß die Geister der Erde auch froh und gut!
kommt so flüchtig und seid so schön,
wie Blüthen im Hauche des Sommers weh'n u.s.w.
Hieher! Hieher! Hieher, ihr Elfen all'!
Tanzt nach der Nymphen melod'schem Schall!

Meermädchen und Elfen, Puck und Wassernymphen
Wer blieb' im korallenen Schacht,
wenn der Mond auf stillen Wogen lacht
und die Sterne schmücken das blaue Haus,
wo nächtlich sie geh'n, wandern sie ein und aus?
Wohlgemuth, wohlgemuth segelt fort! u.s.w.
Über der See glüh'n so mild,
glüh'n so blaß sie dort! u.s.w.

Oberon und Elfen
Wer schlief' in der Lilie Schooß,
wenn der Mond scheint über Wald und Moos
und die Sterne schmücken das blaue Haus,
wo nächtlich sie wandern ein und aus?
Wohlgemuth, wohlgemuth tanzen wir! u.s.w.
Ufer entlang bei der hellen Zier,
tanzen wir! u.s.w.
 

 

 


DRITTER AUFZUG
 

 

1. Aufzug
2. Aufzug
3. Aufzug

 

 

Garten des Emirs Almansor zu Tunis

15. Arie

Fatime
Arabien, mein Heimathland,
du Land so theuer mir,
ist's doch als flög' ich über's Meer,
wär' wiederum in dir
und säh' dort meines Vaters Zelt,
dicht unter'm Dattelbaum,
und der Klang der Töne der Fröhlichkeit
erschallt mir wie im Traum!
Da hört' ich bei leisem Zitherschlag
ein Mädchen singen einmal
von Zenab, die dem Serdar entfloh
mit dem Jüngling ihrer Wahl.
Al, al, al! u.s.w.
Sei's auch finstere Nacht, al, al, al! u.s.w.
doch der Morgen für mich und für Jussuf erwacht!
Ob die Blumen des Gartens geschlossen sich auch,
blüht doch Rose des Herzens im Liebeshauch.
Al, al, al! Bald vorbei die Gefahr,
hinter uns Anderun und der harte Serdar! u.s.w.
Al, al, al! u.s.w.
Al, al, al! u.s.w.
Horcht, es wiehert sein Roß! Al, al, al! u.s.w.
Beweise, mein Berber, dich treu dem Genoß!
Durch die salzige Wüste geht's schnell wie ein Blick,
es bleibet die Angst mit den Thürmen zurück.
Al, al, al! Auf der Grenze wir nun,
und wir lachen des Herrn und des Anderun!
Al, al, al! u.s.w.

Scherasmin
Fatima! Amor mio! Non essere così triste, forse ci
aspettano tempi migliori. Adesso siamo schiavi e
giardinieri, ma allora, ai miei tempi, che bei giorni!
Da ragazzo, sulle rive della Garonne, eh, an dem
Strande der Garonne...

16. Duett

Scherasmin
An dem Strande der Garonne
mich im Lenz des Lebens freuend,
als allein ich laufen konnte,
Knuff und Puff und Stoß nicht scheuend,
Arbeit meidend, liebend Spaß,
Waffenfeind, kein Weinverächter,
prügelnd jedes Nachbars Sohn
und küssend alle Nachbars Töchter!
O, wie floh'n die Tage schön,
dort an jenes Flusses Höh'n,
o, wie floh'n die Tage schön,
dort an der Garonne Höh'n,
dort an jenes Flusses Höh'n!

Fatime
An dem Strom des Bendemir
sah zuerst das Lichtich glänzen;
dort verlebt' ich Jahr für Jahr
bei der Wellen leichten Tänzen,
wanderte mit meinem Stamm,
wo der Dattelbaum sich neigte
oder grüner Weideplan
für der Heerde Schaar sich zeigte.
Unbekannt war Kummer mir
an dem Strom des Bendemir u.s.w.

Scherasmin
Sich geändert hat die Zeit!

Fatime
Ausgelöscht der Freude Flammen!
Wir sind Sklaven! Sklaven!

Scherasmin
Was kümmert das?
Sind wir Sklaven doch zusammen!
Darum fröhlich, so wie treu,
laß uns jubeln, singen, lieben!
Graben erst und schnäbeln dann,
wie's Adam schon und Eva trieben.

Fatime und Scherasmin
Also fröhlich, so wie treu u.s.w.

Puck
Sette giorni son passati
dall'assalto dei pirati;
oggi vendono qui al porto
Rezia che ti crede morto.
Sveglia! amici, son qui presso!
Torno ad Oberon, suo messo.

Scherasmin
Possibile? Signore, mio signore!

Hüon
Scherasmin! wo bin ich?

Scherasmin
A Tunisi, dove i corsari mi vendettero con Fatima
all'emiro Almansor.

Fatime
Scerasmin! [arab.] Grandi novità! [ital.] Miracoli!
Tu hai ritrovato il cavaliere e in questo stesso istan­
te la mia signora é stata acquistata dall'emiro!

Hüon
Rézia! Quelle joie!

Scherasmin
Presto, bisogna travestirvi, e fare assumere anche voi
come giardiniere.

17. Terzettino

Hüon
So muß ich mich verstellen!

Scherasmin
Dies führt zum Ziel allein!

Hüon
Doch zittern mög' der Freche,
der Rache will ich ihn weih'n!

Fatime
Unsichtbarer, voll Macht und Licht,
der du die Tugend belohntest durch Glück,
o sende dem Bravsten der Ritter nun
die Schönste der Schönen auch bald zurück!

Fatime und Scherasmin, Hüon
Geist, hoch verehrt, steh' uns bei!
Schütze sein / mein Schwert und sein / mein Herz so treu!

Zimmer in des Emirs Harem

18. Cavatine

Rezia
Traure, mein Herz, um verschwundenes Glück!
Thränen, entströmt für das Hoffen, das floh!
Kummer ist jetzt noch mein einziges Gut,
wie Peri's von Duft, leb' von Seufzern ich so;
und sei auch für Andre wohl trübe ihr Quell,
mir ist er wie Gelun's Gewässer so hell.
Ihr, die ihr sonnt euch im Strahle der Lust,
Segler auf goldener Hoffnungen Fluth,
ein Wölkchen kann euch nah'n, die Woge euch droh'n,
die Zukunft euch bringen voll Dunkel und Grau'n!
Doch die Geißel der Wüste traf mein Herz, ach, so schwer,
abgestorb'ner Baum scheut den gift'gen Hauch nicht mehr!

Almansor
Sublime beauté, quelle triste chanson! Épanche ton
coeur, laisse couler ton angoisse: Almansor peut
beaucoup!

Rezia
Può risvegliare i morti?

Almansor
Il peut donner la joie aux vivants! Et il veut étre ton
esclave!

Roschane
Vos joues sont en feu, mon ami; que se passe-t-il?
Et vos yeux sont sauvages!

Almansor
[arab.]
Non ti posso vedere.
Éloigne-toi de mon che mon, esclave!

Roschane
Ta femme, une esclave? Et je vis pour écouter une
chose pareille! Ah, nous verrons cela! Rira bien qui
rira le dernier!

Roschanes Zimmer

Hüon
Wo ist sie? Où est ma bienaimée?

Nadine
È lei la bella che ti ha mandato il messaggio nascosto
nei fiori. Aspettala qui.

Hüon
Meine teure, geliebte Rezia!

19. Rondo

Hüon
Ich jub'le in Glück und Hoffnung neu!
Ein Glanz ergießt auf die Ketten sich,
strahlt wie der Leuchthurm durch finst're Nacht
und führt den Pfad zur Geliebten mich.
[Ich bin wie der Bergstrom, der, befreit
von des Frostes Herrschaft kalt und bang',
rauschet abwärts von steiler Höh',
hüpfend und schäumend in Lust und Drang.
Ich jub'le in Glück, in Hoffnung neu!
Sie such' ich, so wie das Meer der Fluß;
eher soll der Woge wehren ein seid'nes Band,
eh' den Pfad sie mir schließen zum Hochgenuß!]
Ich jub'le u.s.w.

HÜON
Rezia! Geliebte! Lass uns flieh'n!

Roschane
Tu vois l'épouse d'Almansor. [franz. Akzent] Ti ho
visto in giardino, e ti ho amato.
Je t'aime, tu seras
mon maître [noch franz. Akzent] sul trono di Tunisi.
Stanotte ucciderai Almansor, mentre dorme ubriaco.

HÜON
Ich bin betrogen! Princesse, j'aime une autre.

Roschane
Quoi?! Mes arts, mes séductions, venez toutes ä mon
secours! Tu ne pourras m'échapper! Vite, vite, ici!

20. Chor, Solo und Ballet

Sklavinnen
Für dich hat Schönheit sich geschmücket,
die Lust den Becher voll ergossen!
O schlürf' ihn aus! Die Blume gepflücket,
eh' die Rose welkt, eh' der Wein vergossen!

HÜON
Fort! Fort! Den Blumen, die ihr preist,
Gift in den Kelchen kreist,
und des Bechers Purpurfluth
scheint geröthet mir von Blut!

Sklavinnen
Wenn Frauenaugen liebend glüh'n,
kannst du scheu'n dies Zauberlicht?
Hast du noch das Herz zu flieh'n,
wenn dich weißer Arm umflicht?
Kannst du flieh'n? u.s.w.

Hüon
Dann Frauenauge nicht reizend lacht,
wenn drin sträfliches Feuer angefacht,
dem Aug' des Todten dann gleicht es so,
wenn die Seel', die's belebt, daraus entfloh.
Nicht wohnt der Reiz noch der Freude Preis
in der Buhl'rin Hand, sei wie Schnee sie so weiß;
eher fürwahr mir die Hand behagt,
wenn der Wurm zum Gerippe sie genagt!

Sklavinnen
O wende dich nicht von dem Mahle der Lust,
verlier' nicht Momente, nur Sel'gen bewußt!
Des Weisen gedenk', der von dem Mahle schrieb:
«Wie froh wär' das Sein, wenn ein Schatten nur blieb! »
Drum Sterblicher, freu' dich! Sei glücklich! Verlach'
den, der sieht, daß Leben ein Schatten, und harrt,
bis es flieht. Für dich hat Schönheit u.s.w.

HÜON
Lasst mich!

Almansor
[arab.]
Orrore! Vergogna! Un homme ici, madame?

Roschane
Tu arrive au bon moment. Ce chien de chrétien est
entré dans ma chambre...

Almansor
Je ne vous crois pas un mot, madame. Il mourra.
Et vous...

Roschane
Ah, c'est comme ça?! Je te reverrai en enfer! Je te
maudirai pour l'éternité!
Assassin!

Garten hinter Ibrahims Haus

Scherasmin
Ehi! Un serpente, attenzione! Ma no, non è un serpente.
È il corno magico, il corno di Oberon!

Fatime
Scerasmin! Stanno portando Hüon al supplizio, lo
bruceranno vivo!

Scherasmin
Niente paura! Un soffio qui, un altro lä, e vedrai...

Hof im Harem

Almansor
[arab.] Portate qui lo schiavo! Que voulez-vous, belle
étrangère?

Rezia
Pietä, signore, è il mio sposo!

Almansor
[franz. Akzent] Il tuo sposo? Al palo tutti e due, allora!
[arab.] Legateli!

21. Finale ultimo

Sklaven
Horch!
Welch Wunderklingen?
Horch! Woher kommt der Ton?
Horch! Jeder Fuß muß springen
im lust'gen Tanz hier schon.
Horch! Horch!

Rezia, Fatime, Hüon und Scherasmin
O Dank! O Dank! für des Hornes Macht!
Sie tanzen im Hof und dort im Palast,
sie tanzen im Garten, sie tanzen im Saal,
was das Meer begrenzt, was die Stadt umfaßt.
Es bringet ein zweiter, stärk'rer Hauch
den Elfenkönig nun selbst wohl auch!

Oberon
Heil, treues Paar! Vorüber Leiden!
Es danket euer Freund euch Beiden,
durch euch ward ihm des Siegs Gewinn,
und neu umarmt er seine Königin.
Schnell wie der Blitz entflieht,
bring' ich dich Kampfgenoß
hin in Frankreichs beglückt' Gebiet,
in des Kaisers hohes Schloß.
Fall' ihm zu Fuß mit der dir errung'nen Braut.
Preis tönet dir durch die Welt voll und laut.
Sieh, der Zauber endet heut'!
Lebe wohl! mein Dank bleibt ewig dir!
Lebe wohl! Lebe wohl!

Der Palast Karls des Grossen

Hüon
Sieh her! Seinem beschwor'nen Eid getreu,
kniet Hüon vor deinem Thron auf's Neu'!
Durch Himmels Beistand hat er nun vollbracht,
was du gebot'st, hat vom Kalifen gebracht
die holde Maid, der nicht vor'm Tod gegraut,
die Erbin seines Throns und jetzt Vasallenbraut.

Schlußchor
Heil sei dem Helden und seinem Schwert,
das vom Sarazenen ihm hat die schöne Braut gewährt.
Heil sei der Jungfrau, die über's Meer
gefolgt ist dem Ritter getreu hieher.
In Bardengesängen die Mähr' soll erblüh'n
von Rezia der Schönen und Hüon kühn!



DIE ENDE


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