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Ludwig van Beethoven

(1770 - 1827)

[ BeethovenComposers | Mp3 |Home Page]

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The Lieder of L. Ludwig  van Beethoven

 

Lieder – complete index


Index-a:

op. 32. An die Hoffnung
op. 46. Adelaide
op. 48. Sechs Lieder nach Gedichten von Gellert, op. 48
           1. Bitten
           2. Die Liebe des Nächsten
           3. Vom Tode
           4. Die Ehre Gottes aus der Natur
           5. Gottes Macht und Vorsehung
           6. Bußlied
op. 52
           1. Urians Reise um die Welt
           2. Feuerfarb'
           3. Das Liedchen von der Ruhe
           4. Mailied
           5. Molly's Abschied
           6. Lied ("Ohne Liebe lebe, wer da kann")
           7. Marmotte
           8. Das Blümchen Wunderhold
op. 65. Ah! Perfido
op. 75
           1. Mignon
           2. Neue Liebe, neues Leben
           3. Aus Goethes Faust
           4. Gretels Warnung
           5. An den fernen Geliebten
           6. Der Zufriedene

Op.32 "An die Hoffnung"

Text by Christoph August Tiedge (1752-1841)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 32

Die du so gern in heil'gen Nächten feierst
Und sanft und weich den Gramverschleierst,
Der eine zarte Seele quält,
O Hoffnung! Laß, durch dich empor gehoben,
Den Dulder ahnen, daß dort oben
Ein Engel seine Thränen zählt!
Wenn, längst verhallt, geliebte Stimmen schweigen;
Wenn unter ausgestorb'nen Zweigen
Verödet die Erinn'rung sitzt:
Dann nahe dich, wo dein Verlas''ner trauert
Und, von der Mitterwacht umschauert,
Sich auf versunk'ne Urnen stützt.
Und blickt er auf, das Schicksal anzuklagen,
Wenn scheidend über seinen Tagen
Die letzten Strahlen untergehn:
Dann laß' ihn um den Rand des Erdentraumes
Das Leuchten eines Wolkensaumes
Von einer nahen Sonne seh'n!

Op.46 "Adelaide"

Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 46 (1795/96)

See also:

Franz Schubert (1797-1828), D. 95 (1814), published 1848

Einsam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten,
Mild vom lieblichen Zauberlicht umflossen,
Das durch wankende Blütenzweige zittert,
Adelaide!
In der spiegelnden Flut, im Schnee der Alpen,
In des sinkenden Tages Goldgewölken,
Im Gefilde der Sterne strahlt dein Bildnis,
Adelaide!
Abendlüfte im zarten Laube flüstern,
Silberglöckchen des Mais im Grase säuseln,
Wellen rauschen und Nachtigallen flöten:
Adelaide!
Einst, o Wunder! entblüht auf meinem Grabe
Ein Blume der Asche meines Herzens;
Deutlich schimmert auf jedem Purpurblättchen:
Adelaide!

Op.48 "Sechs Lieder nach Gedichten von Gellert"

Text by Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 48 (1803)

1. Bitten
2. Die Liebe des Nächsten
3. Vom Tode
4. Die Ehre Gottes aus der Natur
5. Gottes Macht und Vorsehung
6. Bußlied

Op.48 n.1 Bitten

Gott, deine Güte reicht so weit,
So weit die Wolken gehen,
Du krönst uns mit Barmherzigkeit
Und eilst, uns beizustehen.
Herr! Meine Burg, mein Fels, mein Hort,
Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort;
Denn ich will vor dir beten!

Op.48 n.2. Die Liebe des Nächsten

So jemand spricht: Ich liebe Gott,
Und haßt doch seine Brüder,
Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott
Und reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb, und will, daß ich
Den Nächsten liebe, gleich als mich.

Op.48 n. 3 Vom Tode

Meine Lebenszeit verstreicht,
Stündlich eil ich zu dem Grabe,
Und was ist's, das ich vielleicht,
Das ich noch zu leben habe?
Denk, o Mensch, an deinen Tod!
Säume nicht, denn Eins ist Not!

Op.48 n.4. Die Ehre Gottes aus der Natur

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre;
Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere;
Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort!
Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt?
Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne
Und läuft den Weg gleich als ein Held.

Op.48 n.5. Gottes Macht und Vorsehung

(See also: Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Gott ist mein Lied",1826)

Gott ist mein Lied!
Er ist der Gott der Stärke,
Hehr ist sein Nam'
Und groß sind seine Werke,
Und alle Himmel sein Gebiet.

Op.48 n.6. Bußlied

An dir allein, an dir hab ich gesündigt,
Und übel oft vor dir getan.
Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt;
Sieh, Gott, auch meinen Jammer an.
Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen,
Und meine Tränen sind vor dir.
Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen?
Wie lang entfernst du dich von mir?
Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden,
Vergilt mir nicht nach meiner Schuld.
Ich suche dich, laß mich dein Antlitz finden,
Du Gott der Langmut und Geduld.
Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen,
Gott, Vater der Barmherzigeit.
Erfreue dich um deines Namens willen,
Du bist mein Gott, der gern erfreut.
Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen
Und lehre mich dein heilig Recht
Mich täglich tun nach deinem Wohlgefallen;
Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht.
Herr, eile du, mein Schutz, mir beizustehen,
Und leite mich auf ebner Bahn
Er hört mein Schrei'n, der Herr erhört mein Flehen
Und nimmt sich meiner Seele an.

Op.52 n.1 "Urians Reise um die Welt"

Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.1

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen.
D'rum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Zuerst ging's an den Nordpol hin;
Da war es kalt bei Ehre!
Da dacht' ich denn in meinem Sinn,
Das es hier beßer wäre.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
In Grönland freuten sie sich sehr,
Mich ihres Ort's zu sehen,
Und setzten mir den Trankrug her:
Ich ließ ihn aber stehen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Die Eskimos sind wild und groß,
Zu allen Guten träge:
Da schalt ich Einen einen Kloß
Und kriegte viele Schlänge.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Nun war ich in Amerika!
Da sagt ich zu mir: Lieber!
Nordwestpassage ist doch da,
Mach' dich einmal darüber.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Flugs ich an Bord und aus in's Meer,
Den Tubus festgebunden,
Und suchte sie die Kreuz und Quer
Und hab' sie nicht gefunden.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Von hier ging ich nach Mexico -
Ist weiter als nach Bremen -
Da, dacht' ich, liegt das Gold wie Stroh;
Du sollst'n Sack voll nehmen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Allein, allein, allein, allein,
Wie kann ein Mensch sich trügen!
Ich fand da nichts als Sand und Stein,
Und ließ den Sack da liegen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
D'rauf kauft' ich etwas kalte Kost
Und Kieler Sprott und Kuchen
Und setzte mich auf Extrapost,
Land Asia zu besuchen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Der Mogul ist ein großer Mann
Und gnädig über Massen
Und klug; er war itzt eben dran,
'n Zahn auszieh'n zu lassen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Hm! dacht' ich, der hat Zähnepein,
Bei aller Größ' und Gaben!
Was hilfts denn auch noch Mogul sein?
Die kann man so wohl haben!
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Ich gab dem Wirth mein Ehrenwort,
Ihn nächstens zu bezahlen;
Und damit reist' ich weiter fort,
Nach China und Bengalen.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Nach Java und nach Otaheit
Und Afrika nicht minder;
Und sah bei der Gelegenheit
Viel Städt' und Menschenkinder.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!
Und fand es überall wie hier,
Fand überall 'n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir,
Und eben solche Narren.
Da hat er gar nicht übel drum getan,
Verzähl' er doch weiter, Herr Urian!

Op.52 n.2 "Feuerfarb"

Text by Sophie Brentano née Mereau (1770-1806)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.2

Ich weiß eine Farbe, der bin ich so hold,
Die achte ich höher als Silber und Gold;
Die trag' ich so gerne um Stirn und Gewand
Und habe sie ,,Farbe der Wahrheit`` genannt.
Wohl blühet in lieblicher, sanfter Gestalt
Die glühende Rose, doch bleichet sie bald.
Drum weihte zur Blume der Liebe man sie;
Ihr Reiz ist unendlich, doch welket er früh.
Die Bläue das Himmels strahlt herrlich und mild,
D'rum gab man der Treue dies freundliche Bild.
Doch trübet manch' Wölkchen den Äther so rein!
So schleichen beim Treuen oft Sorgen sich ein.
Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht,
Heißt Farbe der Unschuld, doch dauert sie nicht.
Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid,
So trüben auch Unschuld Verläumdung und Neid.
Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold
Den heiligen Namen der Wahrheit gezollt?
Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt
Und ruhige Dauer sie schützend umschließt.
Ihr schadet der nässende Regenguß nicht,
Noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht:
D'rum trag' ich so gern sie um Stirn' und Gewand
Und habe sie ,,Farbe der Wahrheit`` genannt.

Op.52 n.3 "Das Liedchen von der Ruhe"

Text by Hermann Wilhelm Franz Ueltzen (1759-1808)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.3

Im Arm der Liebe ruht sich's wohl,
Wohl auch im Schoß der Erde.
Ob's dort noch, oder hier sein soll,
Wo Ruh' ich finden werde:
Das forscht mein Geist und sinnt und denkt
Und fleht zur Vorsicht, die sie schenkt.
In Arm der Liebe ruht sich's wohl,
Mir winkt sie ach! vergebens.
Bei dir Elise fand ich wohl
Die Ruhe meines Lebens.
Dich wehrt mir harter Menschen Sinn
Und in der Blüte welk' ich hin!
Im Schoß der Erde ruht sich's wohl,
So still und ungestöret,
Hier ist das Herz so kummervoll
Dort wird's durch nichts beschweret.
Man schläft so sanft, schläft so süß
Hinüber in das Paradies.
Ach, wo ich wohl noch ruhen soll
Von jeglicher Beschwerde,
In Arm der Liebe ruht sich's wohl,
Wohl auch im Schoß der Erde!
Bald muß ich ruf'n und wo es sei,
Dies ist dem Müden einerlei.

Op.52 n.4 "Mailied"

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.4

See also:

Christian August Gabler (1770-1839), published 1798.
Bernhard (Joseph) Klein (1793-1832), op. 15 no. 6 (1827).
Armin Knab (1881-1951). Goethelieder, 1924-46
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 79 no. 4 (1836).
Hans Erich Pfitzner
(1869-1949), op. 26 no. 5 1916)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1781.
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 19a no. 3 (1904/14)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 3, from Gedichte von Goethe, I:3.

Wie herrlich leuchtet mir die Natur,
Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch,
Und Freud und Wonne aus jeder Brust;
O Erd', o Sonne, o Glück, o Lust!
O Lieb', o Liebe! So golden schön
Wie Morgenwolken auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich das frische Feld,
Im Blütendampfe die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen, wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge, wie liebst du mich!
So liebt die Lerche Gesang und Luft,
Und Morgenblumen den Himmelsduft
Wie ich dich liebe mit warmen Blut,
Die du mir Jugend und Freud und Mut
[Zu] neuen Liedern und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, wie du mich liebst!

Op.52 n.5 "Molly's Abschied"

Text by Gottfried August Bürger (1747-1794)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.5

Lebewohl, du Mann der Lust und Schmerzen,
Mann der Liebe, meines Lebens Stab!
Gott mit dir, Geliebter, tief zu Herzen
Halle dir mein Segensruf hinab!
Zum Gedächtnis biet' ich dir statt Goldes,
Was ist Gold und goldeswerther Tand?
Biet' ich lieber was dein Auge Holdes,
Was dein Herz an Molly Liebes fand.
Vom Gesicht, der Waltstatt deiner Küße,
Nimm, so lang' ich ferne von dir bin,
Halb zum Mindesten im Schattenrisse
Für die Phantasie die Abschrift hin!
Nimm, du süßer Schmeichler, von den Locken,
Die du oft zerwühltest und verschobst,
Wann du über Flachs an Pallas Rocken,
Über Gold und Seide sie erhobst!
Meiner Augen Denkmal sei dies blaue
Kränzchen flehender Vergißmeinnicht
Oft beträufelt von der Wehmut Taue,
Der hervor durch sie von Herzen bricht!

Op.52 n.6 "Lied"

Text by Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.6

Ohne Liebe lebe, wer da kann;
Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
Bleibt er doch kein Mann.
Süße Liebe mach' mein Lebensüß,
Stille ein die regen Triebe
Sonder Hindernis!
Schmachten lassen sei der Schönen Pflicht;
Nur uns ewig schmachten lassen,
Dieses sei sie nicht!

Op.52 n.7 "Marmotte"

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from "Jahrmarktsfest auf Plundersweilern"

Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 n.7

Ich komme schon durch manches Land,
Avecque la marmotte,
Und immer was zu essen fand,
Avecque la marmotte,
Avecque sí, avecque là,
Avecque la marmotte.

Op.52 n.8 "Das Blümchen Wunderhold"

Text by Gottfried August Bürger (1747-1794)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 52 no. 8. Published 1805.

Es blüht ein Blümchen irgendwo
In einem stillen Tal.
Das schmeichelt Aug' und Herz so froh
Wie Abendsonnenstrahl.
Das ist viel köstlicher als Gold,
Als Perl' und Diamant.
Drum wird es "Blümchen Wunderhold"
Mit gutem Fug genannt.
Wohl sänge sich ein langes Lied
Von meines Blümchens Kraft;
Wie es am Leib' und am Gemüt
So hohe Wunder schafft.
Was kein geheimes Elixier
Dir sonst gewähren kann,
Das leistet traun! mein Blümchen dir.
Man säh' es ihm nicht an.
Wer Wunderhold im Busen hegt,
Wird wie ein Engel schön.
Das hab' ich, inniglich bewegt,
An Mann und Weib gesehn.
An Mann und Weib, alt oder jung,
Zieht's, wie ein Talisman,
Der schönsten Seelen Huldigung
Unwiderstehlich an.
Auf steifem Hals ein Strotzerhaupt,
Dess' Wangen hoch sich bläh'n,
Dess' Nase nur nach Äther schnaubt,
Läßt doch gewiß nicht schön.
Wenn irgend nun ein Rang, wenn Gold
Zu steif den Hals dir gab,
So schmeidigt ihn mein Wunderhold
Und biegt dein Haupt herab.
Es webet über dein Gesicht
Der Anmut Rosenflor;
Und zieht des Auges grellem Licht
Die Wimper mildernd vor.
Es teilt der Flöte weichen Klang
Des Schreiers Kehle mit,
Und wandelt in Zephyrengang
Des Stürmers Poltertritt.
Der Laute gleicht des Menschen Herz,
Zu Sang und Klang gebaut,
Doch spielen sie oft Lust und Schmerz
Zu stürmisch und zu laut:
Der Schmerz, wann Ehre, Macht und Gold
Vor deinen Wünschen fliehn,
Und Lust, wann sie in deinen Sold
Mit Siegeskränzen ziehn.
O wie dann Wunderhold das Herz
So mild und lieblich stimmt!
Wie allgefällig Ernst und Scherz
In seinem Zauber schwimmt!
Wie man alsdann nichts tut und spricht,
Drob jemand zürnen kann!
Das macht, man trotzt und strotzet nicht
Und drängt sich nicht voran.
O wie man dann so wohlgemut,
So friedlich lebt und webt!
Wie um das Lager, wo man ruht,
Der Schlaf so segnend schwebt!
Denn Wunderhold hält alles fern,
Was giftig beißt und sticht;
Und stäch' ein Molch auch noch so gern,
So kann und kann er nicht.
Ich sing', o Lieber, glaub' es mir,
Nichts aus der Fabelwelt,
Wenn gleich ein solches Wunder dir
Fast hart zu glauben fällt.
Mein Lied ist nur ein Widerschein
Der Himmelslieblichkeit,
Die Wunderhold auf Groß und Klein
In Tun und Wesen streut.
Ach! hättest du nur die gekannt,
Die einst mein Kleinod war -
Der Tod entriß sie meiner Hand
Hart hinterm Traualtar -
Dann würdest du es ganz verstehn,
Was Wunderhold vermag,
Und in das Licht der Wahrheit sehn,
Wie in den hellen Tag.
Wohl hundertmal verdankt' ich ihr
Des Blümchens Segensflor.
Sanft schob sie's in den Busen mir
Zurück, wann ich's verlor.
Jetzt rafft ein Geist der Ungeduld
Es oft mir aus der Brust.
Erst, wann ich büße meine Schuld,
Bereu' ich den Verlust.
O was des Blümchens Wunderkraft
Am Leib' und am Gemüt
Ihr, meiner Holdin, einst verschafft,
Faßt nicht das längste Lied! -
Weil's mehr, als Seide, Perl' und Gold
Der Schönheit Zier verleiht,
So nenn' ich's "Blümchen Wunderhold",
Sonst heißt's - Bescheidenheit.

Op.65 "Ah! perfido"

Text by Anonymous
Music by Ludwig van Beethoven, op. 65

Ah! perfido, spergiuro,
Barbaro traditor, tu parti?
E son questi gl'ultimi tuoi congedi?
Ove s'iutese tirannia più crudel?
Va, scellerato! va, pur fuggi da me,
L'ira de' numi non fuggirai.
Se v'è giustizia in ciel, se v'è pietà,
Congiureranno a gara tutti a punirti!
Ombra seguace! presente, ovunque vai,
Vedrò le mie vendette,
Io già le godo immaginando,
I fulmini ti veggo già balenar d'intorno.
Ah no! fermate, vindici Dei!
Risparmiate quel cor, ferite il mio!
S'ei non è più qual era, son io qual fui,
Per lui vivea, voglio morir per lui!
Per pietà, non dirmi addio,
Di te priva che farò?
Tu lo sai, bell'idol mio!
Io d'affanno morirò.
Ah crudel! tu vuoi ch'io mora!
Tu non hai pietà di me?
Perchè rendi a chi t'adora
Così barbara mercè?
Dite voi se in tanto affanno
Non son degna di pietà?

Op.75 n.1 "Kennst du das Land?"

Text by Anonymous
Music by Ludwig van Beethoven, op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)

See also:

Alban Berg (1885-1936) Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17 no. 2, "Mignon"
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in French translation by Wilder)
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 37 no. 1, "Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811, op. 4
Franz Liszt
(1811-1886), "Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien", 1822
Stanislaw Moniuszko
(1819-1872), "Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by Mickiewicz).
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ. 1795-96
Franz Schubert (1797-1828), D. 321, 1815, Composed Oct. 23, 1815. First Published 1832
Robert Schumann
(1810-1856), Lieder-Album für die Jugend, 1849; op. 79 no. 29, op. 98a no. 1
Ludwig Spohr
(1784-1859), "Mignons Lied", 1816, op. 37 no. 1
Gasparo Spontini
"Mignon", 1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky
(1840-1893), "Pesn' Min'ony", op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht", op. 54 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf
(1860-1903), "Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

Op.75 n.2 "Neue Liebe, neues Leben"

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 75 no. 2 (1809)

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1836
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794 and 1809
Ludwig Spohr (1784-1859), WoO. 127 (1858)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr!
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh',
Ach, wie kannst du nur dazu!
Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick
Ach, mein Weg zu ihr zurück.
Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreissen läßt,
Hält das liebe, lose Mädchen
Mich so wider Willen fest,
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach wie groß!
Liebe, Liebe, laß mich los!

Op.75 n.3 "Es war einmal ein König"

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Faust.
Music by Ludwig van Beethoven, "Aus Goethe's Faust", op. 75 no. 3 (1809)

See also:

Ferruccio Busoni (1886-1924), "Lied des Mephistopheles aus Goethes Faust", publised 1964
Richard Wagner
(1813-1883), "Lied des Mephistopheles I", op. 5, from Sieben Kompositionen zu Goethes Faust, no. 4

Es war einmal ein König,
Der hatt' einen großen Floh,
Den liebt' er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig'nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran;
"Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!"
In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt' auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.
Und Herrn und Frau'n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.

Op.75 n.4 "Gretels Warnung"

Text by Gerhard Anton von Halem (1752-1819)
Music by Ludwig van Beethoven, "Aus Goethe's Faust", op. 75 no. 4, published in 1810

Mit Liebesblick und Spiel und Sang
Warb Christel jung und schön;
So lieblich war, so frisch und schlank
Kein Jüngling rings zu seh'n.
Nein, keiner war
In ihrer Schaar,
Für den ich das gefühlt!
Das merkt er, ach!
Und ließ nicht nach,
Bis er es all, bis er es all,
Bis er es all erhielt!
Wohl war im Dorfe mancher Mann,
So jung und schön wie er;
Doch sah'n nur ihn die Mädchen an
Und kos'ten um ihn her.
Bald riß ihr Wort
Ihn schmeichelnd fort,
Gewonnen war sein Herz.
Mir ward er kalt,
Dann floh er bald
Und ließ mich hier, und ließ mich hier,
und ließ mich hier im Schmerz.
Sein Liebesblick und Spiel und Sang,
So süß und wonniglich,
Sein Kuß, der tief zur Seele drang,
Erfreut nicht fürder mich.
Schaut meinen Fall,
Ihr Schwestern all',
Für die der Folsche glüht,
Und trauet nicht dem, was er spricht.
O seht mich an, mich Arme an,
O seht mich an, und flieht!

Op.75 n.5 "An den fernen Geliebten"

Text by Christian Ludwig Reissig (1783-1822)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 75 no. 5

Einst wohnten süße Ruh' und gold'ner Frieden
In meiner Brust;
Nun mischt sich Wehmut, ach! seit wir geschieden,
In jede Lust.
Der Trennung Stunde hör' ich immer hallen
So dumpf und hohl,
Mir tönt im Abendlied der Nachtigallen
Dein Lebewohl!
Wohin ich wandle, schwebt vor meinen Blicken
Dein holdes Bild,
Das mir mit banger Sehnsucht und Entzücken
Den Busen füllt.
Stets mahn' es flehend deine schöne Seele,
Was Liebe spricht:
",Ach Freund! den ich aus einer Welt erwähle,
Vergiß mein nicht!"
Wenn sanft ein Lüftchen deine Locken kräuselt
Im Mondenlicht;
Das ist mein Geist, der flehend dich umsäuselt:
"Vergiß mein nicht!"
Wirst du im Vollmondschein dich nach mir sehnen,
Wie Zephyrs Weh'n
Wird dir's melodisch durch die Lüfte tönen:
"Auf Wiederseh'n!"

Op.75 n.6 "Der Zufriedene"

Text by Christian Ludwig Reissig (1783-1822)
Music by Ludwig van Beethoven, op. 75 no. 6

See also:

Franz Schubert (1797-1828), D. 320 (1815)

Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allen ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.
So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küßen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.
Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.