Lieder index:
1. "Du feuchter Frühlingsabend"
2. "An Leukon"
3. "Schafen, schlafen, nichts als schlafen"
4. "Das macht, es hat die Nachtigall"
5. "Er klagt, daß der Frühling so kurz blüht"
6. "Erster Verlust"
7. "Ferne Lieder"
8. "Fraue, du Süße"
9. "Grabschrift"
10. "Grenzen der Menschheit"
11. "Ich will die Fluren meiden"
12. "Im Morgengrauen"
13. "Im Zimmer"
14. "In Arm der Liebe schliefen wir selig ein"
15. "Kennst du das Land?"
16. "Nacht"
17. "Nun ich der Riesen Stärksten überwand"
18. "Regen"
19. "Auf geheimem Waldespfade"
20. "Schlafend trägt man mich"
21. "Schließe mir die Augen beide"
22. "Sieben frühe Lieder"
1. Nacht
2. Schilflied
3. Die Nachtigall
4. Traumgekrönt
5. Im Zimmer
6. Liebesode
7. Sommertage
23. "Sommertage"
24. "Spaziergang"
25. "Maienkätzchen, erster Gruß"
26. "Traumgekrönt"
27. "Über den Bergen"
28. "Spätherbstnebel, kalte Träume"
29. "Warm die Lüfte"
1. "Du
feuchter Frühlingsabend"
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Alban Berg, "Am Abend" Jugendlieder 1901-04
See also:
Anton Bruckner (1824-1896),
"Im April" (1868?)
Adolf Jensen (1837-1879), "Du feuchter Frühlingsabend", op. 6
no.1 (1862)
Eduard Lassen (1830-1904), "Im April", op. 46 no. 2
Max Reger (1873-1916),
"Im April", op. 4 no. 4 (1890-1)
Du feuchter Frühlingsabend,
wie hab' ich dich so gern!
Der Himmel wolkenverhangen,
nur hie und da ein Stern.
[Ein] leiser Liebesodem
hauchet so lau die Luft,
es steigt aus allen Talen
ein warmer Frühlingsduft.
Ich möcht' ein Lied ersinnen,
das diesem Abend gleich,
und kann den Klang nicht finden,
so dunkel, mild und weich.
2. "An
Leukon"
Text by Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803)
Music by Alban Berg
Rosen pflücke, Rosen blühn,
morgen ist nicht heut!
Keine Stunde laß entfliehn,
flüchtig ist die Zeit.
Trink und küsse: sieh,
es ist heut Gelegenheit,
weißt du, wo du morgen bist?
Flüchtig ist die Zeit.
Aufschub einer guten Tat
hat schon oft bereut.
Hurtig leben ist mein Rat.
Flüchtig ist die Zeit.
3.
"Schafen, schlafen, nichts als schlafen"
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Alban Berg, "Dem Schmerz sein Reicht", op. 2 no. 1 (1910)
See also:
Othmar Schoeck (1886-1957), "Schafen, schlafen,
nichts als schlafen", op. 14 no. 4 (1907)
Anna Teichmüller (1861-1940), "Schlafen, schlafen", op. 24 no.
5, published 1910
Richard Trunk (1879-1968), "Schlafen, schlafen", op. 41 no. 3
Schlafen, schlafen, nichts als schlafen!
Kein Erwachen, [kein Traum!]
Jener Wehen, die mich trafen,
Leisestes Erinnern kaum.
Daß ich, wenn des Lebens Fülle
Nieder klingt in meine Ruh,
Nur noch tiefer mich verhülle,
Fester zu die Augen tu!
4. "Das
macht, es hat die Nachtigall"
Text by Theodor Storm (1817-1888)
Music by Alban Berg, "Die Nachtigall", from Sieben frühe Lieder, no. 3 (1907)
See also:
Reinhold Becker (1842-1924), "Die Nachtigall",
op. 5 no. 2
Franz (Friedrich) von Holstein (1826-1878), "Die Nachtigall",
op. 43 no. 1 (1880)
Erik Meyer-Helmund (1861-1932), "Das macht, es hat die
Nachtigall", op. 27 no. 1 (1886-88)
Emil Sjögren (1853-1918), "Die Nachtigall", op. 16 no. 3
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), "Die Nachtigall", op. 14 no. 12
(1936)
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut,
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
5. "Er
klagt, daß der Frühling so kurz blüht"
Text by Arno Holz (1863-1929)
Music by Alban Berg, 1905-09
Kleine Blumen wie aus Glas
seh' ich gar zu gerne,
durch das dunkelgrüne Gras
gucken sie wie Sterne.
Gelb und rosa, rot und blau,
schön sind auch die weißen,
Trittmadam' und Himmeltau,
wie sie alle heißen.
Komb und gibb mir mittendrin
Küßgens ohnbemessen.
Morgen sind sie längst dahin
und wir selbst vergessen.
6.
"Erster Verlust"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, Op. 15 Nr. 2, 1904
See also:
Pierre-Octave Ferroud (1900-1936), from Drei traute
Gesänge, published 1932
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), from 7, Goethe-Lieder (4),
published 194-?
Armin Knab (1881-1951), 1924-6
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 8, "Pervaja
utrata" (singable in Russian and German)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
op. 99 no. 1 (1841-5)
Hans Georg Nägeli (1778-1836), 1797
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 15 no. 5 (1908)
Franz Schubert (1797-1828),
D. 226 (July 5, 1815), first published in 1821 as op 5 no 4
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 3 (1815?), from
Gedichte von Goethe IV, 3.
Hugo Wolf (1860-1903), op. 9
no. 3 (1876)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807
Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück?
Einsam nähr' ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich [ums verlorne] Glück,
Ach, wer bringt die schönen Tage,
[Jene holde Zeit zurück!]
7. "Ferne
Lieder"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, op. 6 Nr. 3, 1903
Rosen!
Ein Zypressenhain,
Alte Brunnen fließen.
Auf dem Meer im Abendschein
Schwarze Schwalben schießen.
Aus der weißen Villa dringt
Eine sanfte Klage:
Eine Frau, die spielt und singt
Lieder andrer Tage.
Eine große Stille spinnt,
die Fontänen steigen.
Und die fernen Lieder sind
Laut geword'nes Schweigen
8.
"Fraue, du Süße"
Text by Ludwig Finckh (1876-1964)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, 1904-08
Ich hab' es nie gewußt, was Liebe ist.
Es ist so, daß man Tod und Welt vergißt,
Und Glück und Leid und alles was es gibt,
Und daß man liebt.
Und ist so, daß die leichte Siegerkraft
Im Arm sich reckt, die Königreiche schafft,
Daß man im Kissen liegt die ganze Nacht
Und weint und lacht.
Was ist die Welt? Ein Stäubchen auf der Hand.
Der größte Berg, ein kleines Körnchen Sand.
Kein Hauch. Kein Laut. Nur ein Gedanke da:
Du bist mir nah!
9.
"Grabschrift"
Text by Ludwig Jacobowski (1868-1900)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, op. 13 Nr. 3, 1904
"Dem Auge fern, dem Herzen nah!"
Als ich die alte Grabschrift sah
Im eingesunknen Marmorstein,
Da fiel mein totes Lieb mir ein.
O Gott, ich schrieb schon tausendmal
Das gleiche Lied aus gleicher Qual,
Und war doch keins wie dieses da:
"Dem Auge fern, dem Herzen nah!"
10.
"Grenzen der Menschheit"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Alban Berg, 1902
See also:
Franz Schubert (1797-1828),
D. 716 (1821)
Hugo Wolf (1860-1903), from
Goethe-Lieder no. 51
Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät,
Küß' ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Tief in der Brust.
Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.
Steht er mit festen
Markigen Knochen
Dauerndem Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rabe
Sich zu vergleichen.
Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Daß viele Wellen
Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.
Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sich dauernd
An ihres Daseins
Unendliche Kette.
11. "Ich
will die Fluren meiden"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, 1901-04
Ich will die Fluren meiden
Mit meinem trüben Gram,
Daß nicht der Lenz muß scheiden,
Wo ich zu nahe kam;
Daß nicht der Quell zu springen,
Zu blühn der Blume Herz,
Die Nachtigall zu singen
Vergißt ob meinem Schmerz.
12. "Im
Morgengrauen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, op. 13 Nr. 2, 1904
So harre ich schweigend;
Durch die Hand, die kalte,
Pocht leis' der Puls.
An meiner Liegestatt
Brennt schon die Ampel, die getreue, alte,
Sie brennt so matt.
Auch sie ist müd!
Ich hör' die Hähne schreien von fern,
Es geht dem grauen Morgen zu.
Wer wird zuerst verlöschen von uns beiden,
Ich oder du?
13. "Im
Zimmer"
Text by Johannes Schlaf (1862-1941)
Music by Alban Berg, Jugendlieder, 1901-04
See also:
Robert Gund (1865-1927), op. 39 no. 2 (1910)
Herbstsonnenschein.
Der liebe Abend blickt so still herein.
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.
So, mein Kopf auf deinen Knien,
So ist mir gut.
Wenn mein Auge so in deinem ruht,
Wie leise die Minuten ziehn.
14. "In
Arm der Liebe schliefen wir selig ein"
Text by Otto Erich Hartleben (1864-1905)
Music by Alban Berg, "Liebesode", from Sieben Frühe Lieder no. 6 (1907)
See also:
Joseph Marx (1882-1964), "Selige Nacht",
published 1915
Max Reger (1873-1916),
"In Arm der Liebe", op. 48 no. 3 (1900)
Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein,
Am offnen Fenster lauschte der Sommerwind,
Und unsrer Atemzüge Frieden trug er hinaus in die helle Mondnacht.
Und aus dem Garten tastete zagend sich ein Rosenduft an unserer Liebe Bett
Und gab uns wundervolle Träume,
Träume des Rausches, so reich an Sehnsucht
15.
"Kennst du das Land?"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Alban Berg, Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827),
op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in
French translation by Wilder) Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 37 no. 1,
"Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811, op. 4
Franz Liszt (1811-1886),
"Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien",
1822
Stanislaw Moniuszko (1819-1872),
"Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by Mickiewicz)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ.
1795-96
Franz Schubert (1797-1828),
D. 321, 1815, composed Oct. 23, 1815, first published 1832
Robert Schumann (1810-1856),
Lieder-Album für die Jugend, 1849, op. 79 no. 29, op. 98a no. 1
Ludwig Spohr (1784-1859),
"Mignons Lied", 1816, op. 37 no. 1
Gaspare Spontini,"Mignon",
1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky (1840-1893),
"Pesn' Min'ony", op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht", op. 54
no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf (1860-1903),
"Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!
16.
"Nacht"
Text by Carl (Ferdinand Max) Hauptmann (1858-1921)
Music by Alban Berg, from Sieben frühe Lieder, no. 1
Dämmern Wolken über Nacht und Tal,
Nebel schweben, Wasser rauschen sacht.
Nun entschleiert sich's mit einemmal:
O gib Acht! Gib Acht!
Weites Wunderland ist aufgetan.
Silbern ragen Berge, traumhaft groß,
Stille Pfade silberlicht talen
Aus verborg'nem Schoß;
Und die hehre Welt so traumhaft rein.
Stummer Buchenbaum am Wege steht
Schattenschwarz, ein Hauch vom fernen Hain
Einsam leise weht.
Und aus tiefen Grundes Düsterheit
Blinken Lichter auf in stummer Nacht.
Trinke Seele! Trinke Einsamkeit!
O gib Acht! Gib Acht!
17. "Nun
ich der Riesen Stärksten überwand"
Text by Alfred Mombert (1872-1942)
Music by Alban Berg, op. 2 no. 3 (1910)
Nun ich der Riesen Stärksten überwand,
Mich aus dem dunkelsten Land heimfand
an einer weißen Märchenhand.
Hallen schwer die Glocken.
Und ich wanke durch die Straßen
schlafbefangen.
18.
"Regen"
Text by Johannes Schlaf (1862-1941)
Music by Alban Berg, 1905-09
Geht ein grauer Mann durch den stillen Wald,
singt ein graues Lied.
Die Vöglein schweigen alsbald.
Die Fichten ragen so stumm und schwül
mit ihrem schweren Astgewühl.
In fernen Tiefen vergrollt ein Ton.
19. "Auf
geheimem Waldespfade"
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Alban Berg, "Schilflied", from Sieben frühe Lieder (1907)
See also:
Nicolaus Lenau, published 1844
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), A4 (1903-9?), "Auf geheimem
Waldespfade"
Hans Erich Pfitzner (1869-1949),
188-? "Auf geheimem Waldespfade" (fragment)
Henri Marteau (1874-1934), op. 31 no. 3, "Auf geheimem
Waldespfade" from Fünf Schilflieder, published 1925
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 2 no. 3 (1905), "Auf geheimem
Waldespfade", from Drei Schilflieder
Auf geheimem Waldespfade
Schleich' ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein', ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang,
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
20.
"Schlafend trägt man mich"
Text by Alfred Mombert (1872-1942)
Music by Alban Berg, "Schlafend trägt man mich", op. 2 no. 2 (1910)
See also::
Joseph Marx (1882-1964), "Schlafend trägt man mich
in mein Heimatland!", 1911
Schlafend trägt man mich
in mein Heimatland!
Ferne komm ich her,
über Gipfel, über Schlünde,
über ein dunkles Meer
in mein Heimatland.
21.
"Schließe mir die Augen beide"
Text by Theodor Storm (1817-1888)
Music by Alban Berg, 1900, 1925
See also::
Hermann (Gustav) Goetz (1840-1876), op. 12 no. 2
(1868-76)
Joseph Marx (1882-1964), 1905
Schließe mir die Augen beide
mit den lieben Händen zu;
geht doch alles, was ich leide,
unter deiner Hand zur Ruh.
Und wie leise sich der Schmerz
Well' um Welle schlafen leget,
wie der letzte Schlag sich reget,
füllest du mein ganzes Herz.
22.
"Sieben frühe Lieder"
Music by Alban Berg
1. Nacht
2. Schilflied
3. Die Nachtigall
4. Traumgekrönt
5. Im Zimmer
6. Liebesode
7. Sommertage
22.1. Nacht
Text by Carl (Ferdinand Max) Hauptmann (1858-1921)
Dämmern Wolken über Nacht und Tal,
Nebel schweben, Wasser rauschen sacht.
Nun entschleiert sich's mit einemmal:
O gib Acht! Gib Acht!
Weites Wunderland ist aufgetan.
Silbern ragen Berge, traumhaft groß,
Stille Pfade silberlicht talen
Aus verborg'nem Schoß;
Und die hehre Welt so traumhaft rein.
Stummer Buchenbaum am Wege steht
Schattenschwarz, ein Hauch vom fernen Hain
Einsam leise weht.
Und aus tiefen Grundes Düsterheit
Blinken Lichter auf in stummer Nacht.
Trinke Seele! Trinke Einsamkeit!
O gib Acht! Gib Acht!
22.2.
Schilflied
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850), text also set by other composers
Auf geheimem Waldespfade
Schleich' ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein', ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang,
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
22.3. Die
Nachtigall
Text by Theodor Storm (1817-1888), text also set by other composers
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut,
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
22.4.
Traumgekrönt
Text by Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Das war der Tag der weißen Chrysanthemem,
Mir bangte fast vor seiner Pracht...
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
Tief in der Nacht.
Mir war so bang, und du kamst lieb und leise,
Ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis' wie eine Märchenweise
Erklang die Nacht.
22.5. Im
Zimmer
Text by Johannes Schlaf (1862-1941), text also set by other composers
Herbstsonnenschein.
Der liebe Abend blickt so still herein.
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.
So, mein Kopf auf deinen Knien,
So ist mir gut.
Wenn mein Auge so in deinem ruht,
Wie leise die Minuten ziehn.
22.6.
Liebesode
Text by Otto Erich Hartleben (1864-1905), text also set by other composers
Im Arm der Liebe schliefen wir selig ein,
Am offnen Fenster lauschte der Sommerwind,
Und unsrer Atemzüge Frieden trug er hinaus in die helle Mondnacht.
Und aus dem Garten tastete zagend sich ein Rosenduft an unserer Liebe Bett
Und gab uns wundervolle Träume,
Träume des Rausches, so reich an Sehnsucht.
22.7.
Sommertage
Text by Paul Hohenberg
Nun ziehen Tage über die Welt,
Gesandt aus blauer Ewigkeit,
Im Sommerwind verweht die Zeit.
Nun windet nächtens der Herr
Sternenkränze mit seliger Hand
Über Wander- und Wunderland.
O Herz, was kann in diesen Tagen
Dein hellstes Wanderlied denn sagen
Von deiner tiefen, tiefen Lust:
Im Wiesensang verstummt die Brust,
Nun schweigt das Wort, wo Bild um Bild
Zu dir zieht und dich ganz erfüllt.
23.
"Sommertage"
Text by Paul Hohenberg
Music by Alban Berg, from Sieben frühe Lieder, no. 7
Nun ziehen Tage über die Welt,
Gesandt aus blauer Ewigkeit,
Im Sommerwind verweht die Zeit.
Nun windet nächtens der Herr
Sternenkränze mit seliger Hand
Über Wander- und Wunderland.
O Herz, was kann in diesen Tagen
Dein hellstes Wanderlied denn sagen
Von deiner tiefen, tiefen Lust:
Im Wiesensang verstummt die Brust,
Nun schweigt das Wort, wo Bild um Bild
Zu dir zieht und dich ganz erfüllt.
24.
"Spaziergang"
Text by Alfred Mombert (1872-1942)
Music by Alban Berg, 1904-09
See also:
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 14 no. 4 (1936)
Sie wandeln durch des Waldes grün;
Vögel singen und Blumen blühn.
Ein blasser Mann und ein stilles Kind,
sie schlürfen durstig den Frühlingswind.
Und der Knabe blieb verwundert stehn:
"Ich glaub' ich kann die Mutter sehn."
Sie starren in das junge Grün.
Vögel singen und Blumen blühn.
25.
"Maienkätzchen, erster Gruß"
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Alban Berg, "Tiefe Sehnsucht" (Deep longing), 1905
See also:
Johannes Brahms (1833-1897),
"Maienkätzchen" (Catkins), op. 107 no. 4 (1886), published 1888
Alexander Zemlinsky (1871-1942),
"Tiefe Sehnsucht" (Deep longing), op. 5, ii, 2 (1897?)
Maienkätzchen, erster Gruß,
Ich breche euch und stecke euch
An meinen alten Hut.
Maienkätzchen, erster Gruß,
Einst brach ich euch und steckte euch
Der Liebsten an den Hut.
26.
"Traumgekrönt"
Text by Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Music by Alban Berg, from Sieben Frühe Lieder no. 4
Das war der Tag der weißen Chrysanthemem,
Mir bangte fast vor seiner Pracht...
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
Tief in der Nacht.
Mir war so bang, und du kamst lieb und leise,
Ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis' wie eine Märchenweise
Erklang die Nacht.
27.
"Über den Bergen"
Text by Karl Busse (1872-1918)
Music by Alban Berg, Jugendlieder 1905-09
See also:
Ernest Vietor (1905-1930), op. 4 no. 2, 1907?
Über den Bergen,
weit zu wandern, sagen die Leute,
wohnt das Glück.
Ach, und ich ging,
im Schwarme der andern,
kam mit verweinten Augen zurück.
Über den Bergen,
weit, weit drüben, sagen die Leute
wohnt das Glück.
28.
"Spätherbstnebel, kalte Träume"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Alban Berg, "Vielgeliebte schöne Frau" (1902)
See also:
Hugo Wolf (1860-1903),
"Spätherbstnebel", from 7 Heine-Lieder, no. 5
Spätherbstnebel, kalte Träume,
überfloren Berg und Tal,
Sturm entblättert schon die Bäume,
und sie schaun gespenstig kahl.
Nur ein einz'ger, traurig schweigsam
einz'ger Baum steht unentlaubt,
feucht von Wehmutstränen gleichsam,
schüttelt er sein grünes Haupt.
Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
und der Baum, den ich dort schau'
sommergrün, das ist dein Bildnis,
vielgeliebte schöne Frau.
29.
"Warm die Lüfte"
Text by Alfred Mombert (1872-1942)
Music by Alban Berg, op. 2 no. 4 (1910)
Warm die Lüfte,
es sprießt Gras auf sonnigen Wiesen.
Horch!
Horch, es flötet die Nachtigall...
Ich will singen:
Droben hoch im düstern Bergforst,
es schmilzt und sickert kalter Schnee,
ein Mädchen im grauen Kleide
lehnt am feuchten Eichstamm,
krank sind ihre zarten Wangen,
die grauen Augen fiebern
durch Düsterriesenstämme.
"Er kommt noch nicht. Er läßt mich warten
"
Stirb!
Der Eine stirbt, daneben der Andere lebt:
Das macht die Welt so tiefschön.
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