Lieder
complete index:
Lieder Index a: songs without Opus
Number:
a) "Mondnacht"
b) "Regentropfen aus den Bäumen"
c) "Volks-Kinderlieder":
1. Dornröschen
2. Die
Nachtigall
3. Die Henne
4. Sandmännchen
5. Der Mann
6. Heidenröslein
(Goethe)
7. Das
Schlaraffenland
8. Beim
Ritt auf dem Knie
9. Der
Jäger im Walde
10.Das Mädchen und die Hasel
11.Wiegenlied
12.Weihnachten
13.Marienwürmchen
14.Dem
Schutzengel
d) "Deutsche Volkslieder":
1. Sagt mir, o schönste Schäf'rin mein
2. Erlaube mir, feins Mädchen
3. Gar lieblich hat sich gesellet
4. Guten Abend
5. Die Sonne scheint nicht mehr
6. Da unten im Tale
7. Gunhilde
8. Ach, englische Schäferin
9. Es war eine schöne Jüdin
10.Es ritt ein Ritter
11.Jungfräulein, soll ich mit euch gehn
12.Feinsliebchen du sollst
13.Wach auf, mein Hort
14.Maria ging aus wandern
15.Schwesterlein
16.Wach auf mein Herzensschöne
17.Ach Gott, wie weh tut Scheiden
18.So wünsch ich ihr ein gute Nacht
19.Nur ein Gesicht auf Erden lebt
20.Schönster Schatz, mein Engel
21.Es ging ein Maidlein zarte
22.Wo gehst du hin, du Stolze?
23.Der Reiter
24.Mir ist ein schöns brauns Maidelein
25.Mein Mädel hat einen Rosenmund
a) "Mondnacht"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Johannes Brahms, WoO 21 (1853)
See also:
Robert Schumann (1810-1856), op. 39, from
Liederkreis, no. 5
Es war, als hätt' der Himmel,
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
b) "Regentropfen aus
den Bäumen"
Text by Klaus Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, from Liederkreis, no. 5, and WoO posth. 23
"Regenlied", published 1908
Regentropfen aus den Bäumen
Fallen in das grüne Gras,
Tränen meiner trüben Augen
Machen mir die Wange naß.
[Wenn die Sonne wieder scheinet,]
Wird der Rasen doppelt grün:
Doppelt wird auf meinen Wangen
Mir die heiße Träne glühn.
c)
"Volks-Kinderlieder"
Text: Volkslieder
Music by Johannes Brahms, WoO. 31 (1857), dedicated to the children
of Robert and Clara Schumann
1. Dornröschen
2. Die
Nachtigall
3. Die Henne
4. Sandmännchen
5. Der Mann
6. Heidenröslein
(Goethe)
7. Das
Schlaraffenland
8. Beim
Ritt auf dem Knie
9. Der
Jäger im Walde
10.Das Mädchen und die Hasel
11.Wiegenlied
12.Weihnachten
13.Marienwürmchen
14.Dem
Schutzengel
1. Dornröschen
Im tiefen Wald im Dornenhag,
da schläft die Jungfrau hundert Jahr,
es schläft die Flieg an der Wand,
in dem Schloß
Hund und Roß,
es schläft wohl auf dem Herd der Brand.
Der Ritter zog sein Schwert da frisch
und hieb sich ab das Dorngebüsch,
und ging hinein ins Königshaus,
ins Kämmerlein
zum Bettelein,
küßt auf den Mund die schlafende Braut.
Da wacht das schöne Mägdelein,
schenkt ihm ir feines Ringelein,
die Flieg erwachet an der Wand,
in dem Schloß
Hund und Roß,
auf dem Herd erwacht der Feuerbrand.
2. Die Nachtigall
Sitzt a schöns Vögerl aufm Dannabaum,
tut nix als singa und schrain;
was muß denn das für a Vögerl sain?
Das muß a Nachtigall sain!
Noan, mai Schatz, das is koan Nachtigall,
noan, mai Schatz, das darfst nit glaubn;
koan Nachtigall schlägt auf oanam Dannabaum,
schlägt in a Haselnußstaudn.
3. Die Henne
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meld du di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Saht ihr nit mein Hennlein laufen?
Möcht mir gleich die Haar ausraufen!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meld du di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Als i bei dem Bub gesessen,
hat sie noch ihr Futter gfressen!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meld du di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Was wird da die Mutter sagen?
Sie wird mich zum Tor 'naus jagen!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meld du di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Muß geschwind zur Stadt hinlaufen,
muß ein ander Hennlein kaufen!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meld du di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Geh die Gasse auf und nieder,
finde grad mein Hennlein wieder!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Hab i di!
Ach, mein Hennlein, bi bi bi!
Meine Mutter gib mir Brocken,
soll damit mein Hennlein locken.
Ach, mein Hennlein, bi bi bi! bi bi bi,
und das Bröckli, das schluck i!
4. Sandmännchen
Die Blümelein sie schlafen
schon längst im Mondenschein,
sie nicken mit den Köpfen
auf ihren Stengelein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
es säuselt wie im Traum:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Das Heimchen in dem Ährengrund,
es tut allein sich kund:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Und wo es nur ein Kindchen fand,
streut er ihm in die Augen Sand.
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Es leuchtet morgen mir Willkomm
das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Die Vögelein sie sangen
so süß im Sonnenschein,
sie sind zur Ruh gegangen
in ihre Nestchen klein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
es säuselt wie im Traum:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Das Heimchen in dem Ährengrund,
es tut allein sich kund:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Und wo es nur ein Kindchen fand,
streut er ihm in die Augen Sand.
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Es leuchtet morgen mir Willkomm
das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Sandmännchen kommt geschlichen
und guckt durchs Fensterlein,
ob irgend noch ein Liebchen
nicht mag zu Bette sein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
es säuselt wie im Traum:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Das Heimchen in dem Ährengrund,
es tut allein sich kund:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Und wo es nur ein Kindchen fand,
streut er ihm in die Augen Sand.
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Es leuchtet morgen mir Willkomm
das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Sandmännchen aus dem Zimmer,
es schläft mein Herzchen fein,
es ist gar fest verschlossen
schon sein Guckäugelein.
Es rüttelt sich der Blütenbaum,
es säuselt wie im Traum:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Das Heimchen in dem Ährengrund,
es tut allein sich kund:
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Und wo es nur ein Kindchen fand,
streut er ihm in die Augen Sand.
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
Es leuchtet morgen mir Willkomm
das Äugelein so fromm!
Schlafe, schlafe, schlaf du, meine Kindelein!
5. Der Mann
Wille wille will, der Mann ist kommen,
wille wille will, was bracht er dann?
Wille wille will, viel Zuckerwaffeln,
wille wille will, dies Kindelein soll han!
Wille wille will, der Mann ist kommen,
wille wille will, was bringt er mehr?
Wille wille will, gar hübsche Sachen,
wille wille will, die Taschen sind ihm schwer!
Wille wille will, was solls noch geben?
wille wille will, ein Rütelein!
Wille wille will, er hörte schreien,
wille wille will, ein schlimmes Bübelein!
Wille wille will, mein Kind ist artig,
wille wille will, mein Kind ist still!
Wille wille will, das Rütlein geben,
wille wille will, dem der es eben will!
6.
Heidenröslein
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
See also:
Peter Grønland (1761-1825)
Johann Christoph Kienlen (1783-1829), 1820
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 1 (1815?), from
Gedichte von Goethe, I:1
Franz Schubert (1797-1828), D. 257
Robert Schumann (1810-1856), op. 67 no. 3 (1849)
Sah ein Knab ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
7. Das
Schlaraffenland
Im Polen steht ein Haus,
im Polen steht ein Haus,
in Polen steht ein polsches Haus,
da gehn die Krieger ein und aus,
da gehn die Krieger ein,
da gehn die Krieger aus.
Im Haus ist eine Magd,
im Haus ist eine Magd,
das ist 'ne hübsche Schenkenmagd,
die bringt den Gästen was behagt,
die bringt den Gästen was behagt,
was einer immer fragt.
Die Magd steht an der Tür,
die Magd steht an der Tür,
die Magd steht an der Kammertür
und zieht die Kreiden nie herfür,
und zieht die Kreiden nie herfür,
umsonst kriegt jeder hier!
Sag, Bruder, willst du Bier?
Sag, Bruder, willst du Bier?
Sag, ist der Wein noch lieber dir,
so schenke dir vom besten ein,
so schenke dir vom besten ein,
so schenke dir nur ein!
8. Beim
Ritt auf dem Knie
Ull Mann wull riden,
wull hat he ken Pärd;
ull Frau nohm Zickenbuck,
sett den ull Mann darupp
leht ihm su riden.
Ull Mann wull irden,
wull hat he ken Tom;
ull Frau nohm Hemdensohm,
macht dem ull Mann en Tom,
leht ihm su riden.
Ull Mann wull riden,
wull hat he ken Mütz;
ull Frau nohm Topp voll Grütz,
macht dem ull Mann en Mütz,
leht ihm su riden.
Ull Mann wull riden,
wull hat he ken Sadl;
ull Frau nohm Lindenblatt,
klebt dem ull Mann fürt Gatt,
leht ihm su riden.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein Pferd;
alt Frau nahm'n Ziegenbock,
setzt den alten Mann daropp
und ließ ihn reiten.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein'n Hut;
alt Frau nahm'n schwarzen Topf,
setzt'n dem alten Mann auf'n Kopf
und ließ ihn reiten.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein'n Sporn;
alt Frau nahm'n Haseldorn,
gab'n dem alten Mann zu Sporn
und ließ ihn reiten.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein'n Sattel;
alt Frau nahm'n Unterrock,
Setzt den alten Mann daropp
Und ließ ihn reiten.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein'n Zaum;
alt Frau nahm'n Hemdensaum,
Gab'n dem alten Mann zum Zaum
Und ließ ihn reiten.
Alt Mann wollt reiten
und hatte kein'n Peitsch;
alt Frau nahm'n Katzenschwanz,
Gab'n dem alten Mann in d'Hand
Und ließ ihn reiten.
9. Der
Jäger im Walde
Der Jäger in dem Walde
sich suchet seinen Aufenthalt,
mit Hund und Wehr
wohl hin und her,
ob für ihn nichts zu treffen wär.
Mein Hündelein ist stets bei mir
in diesem grünen Laubgewölb,
mein Hündchen wacht,
mein Herz es lacht,
die Augen gehen hin und her.
10.
Das Mädchen und die Hasel
Es wollt ein Mädchen brechen
gehn die Rosen in der Heide;
Was fand sie da am Wege stehn?
Ein Hasel, die war grüne.
Was fand sie da am Wege stehn?
Ein Hasel, die war grüne.
Gutn Tag, gutn Tag, lieb Hasel mein,
Warum bist du so grüne?
Hab Dank, hab Dank, wacker Mägdelein,
Warum bist du so schöne?
Hab Dank, hab Dank, wacker Mägdelein,
Warum bist du so schöne?
Warum daß ich so schöne bin,
Das will ich dir wohl sagen;
Ich eß weiß Brot, trink kühlen Wein,
Davon bin ich so schöne;
Ich eß weiß Brot, trink kühlen Wein,
Davon bin ich so schöne.
Iß'st du weiß Brot, trinkst kühlen Wein
Und bist davon so schöne,
So fällt alle Morgen Tau auf mich,
Davon bin ich so grüne.
So fällt alle Morgen Tau auf mich,
Davon bin ich so grüne.
So fällt alle Morgen Tau auf dich
Und bist davon so grüne;
Wenn aber ein Mädchen seinen Kranz verliert,
Sie kriegt ihn nimmer wieder.
Wenn aber ein Mädchen seinen Kranz verliert,
Sie kriegt ihn nimmer wieder.
Wills Mädchen ihren Kranz behalten,
Zu Hause muß sie bleiben;
Darf nicht auf alle Narrentanz gehn,
Die Narrentanz muß sie meiden.
Darf nicht auf alle Narrentanz gehn,
Die Narrentanz muß sie meiden.
Hab Dank, hab Dank, lieb Hasel mein,
Daß du mir das gesagt,
Hatt mich sonst heut aufn Narrentanz bereit't,
Zu Hause will ich nun bleiben.
Hatt mich sonst heut aufn Narrentanz bereit't,
Zu Hause will ich nun bleiben.
11. Wiegenlied
Schlaf, Kindlein schlaf!
Der Vater hüt't die Schaf,
die Mutter schüttelt 's Bäumelein,
da fällt herab ein Träumelein.
Schlaf, Kindlein schlaf!
Schlaf, Kindlein schlaf!
Am Himmel ziehn die Schaf,
die Sternlein sind die Lämmelein,
der Mond der ist das Schäferlein.
Schlaf, Kindlein schlaf!
Schlaf, Kindlein schlaf!
So schenk ich dir ein Schaf,
mit einer goldnen Schelle fein,
das soll dein Spielgeselle sein.
Schlaf, Kindlein schlaf!
Schlaf, Kindlein schlaf!
Und bläk nicht wie ein Schaf,
sonst kommt des Schäfers Hündelein
und beißt mein böses Kindelein.
Schlaf, Kindlein schlaf!
Schlaf, Kindlein schlaf!
Geh fort und hüt die Schaf,
geh fort, du schwarzes Hündelein,
und weck mir nicht mein Kindelein!
Schlaf, Kindlein schlaf!
12. Weihnachten
Uns leuchtet heut der Freude Schein!
Auf Jubelklang!
Wir grüßen den erkornen Herrn!
Strömt aus in Festgesang!
Wir grüßen den erkornen Herrn!
Strömt aus in Festgesang!
Vom Himmel kommt er zart und lind.
Auf Jubelklang!
Auf Blumen eingewiegt ein Kind.
Strömt aus in Festgesang!
Auf Blumen eingewiegt ein Kind.
Strömt aus in Festgesang!
Vor ewger Jugend hellem Schein.
Auf Jubelklang!
Sinkt alles düstre Alte ein.
Strömt aus in Festgesang!
Sinkt alles düstre Alte ein.
Strömt aus in Festgesang!
Die ganze Welt erstehet jung.
Auf Jubelklang!
In neuer Glaubenstaten Schwung.
Strömt aus in Festgesang!
In neuer Glaubenstaten Schwung.
Strömt aus in Festgesang!
13.
Marienwürmchen
Marienwürmchen, setze dich
auf meine Hand, auf meine Hand,
ich tu dir nichts zu leide;
es soll dir nichts zu leid geschehn,
will nur deine bunten Flügel sehn,
bunte Flügel, bunte Flügel meine Freude!
Marienwürmchen, fliege weg,
dein Häuschen brennt, die Kinder schrein
so sehre, ach, so sehre;
die böse Spinne spinnt sie ein,
Marienwürmchen flieg hinein,
deine Kinder, deine Kinder schreien sehre!
Marienwürmchen, fliege hin
zu Nachbars Kind, zu Nachbars Kind,
sie tun dir nichts zu leide;
es soll dir ja kein Leid geschehn,
sie wolln deine bunten Flügel sehn,
und grüß sie, und grüß sie alle beide!
14. Dem
Schutzengel
O Engel, mein Schutzengel mein,
du Gottes Edelknabe,
laß mich dir anbefohlen sein,
so lang ich Odem habe.
Der Tag schleicht hin, die Nacht geht an,
dein Licht in mir laß scheinen,
zum Guten mich allzeit ermahn,
mein Herz zieh nach dem deinen.
Weck mich aus meiner Trägheit auf,
zur Tugend an mich treibe;
gelt, vor dem kurzen Lebenslauf,
den Tod ins Herz mir schreibe.
Beschütz mich in dem letzten Streit,
wenn Leib und Seel sich scheiden,
begleit mich in die Ewigkeit,
wo Freud ist sonder Leiden.
Das bitt ich durch die Lieb zu mir,
laß dieser mich genießen,
zur Lieb bin ich verpflichtet dir,
in Lieb will ich beschließen.
d) "Deutsche
Volkslieder"
Text: Volkslieder
Music by Johannes Brahms, WoO. 33
1. Sagt mir, o schönste Schäf'rin mein
2. Erlaube mir, feins Mädchen
3. Gar lieblich hat sich gesellet
4. Guten Abend
5. Die Sonne scheint nicht mehr
6. Da unten im Tale
7. Gunhilde
8. Ach, englische Schäferin
9. Es war eine schöne Jüdin
10.Es ritt ein Ritter
11.Jungfräulein, soll ich mit euch gehn
12.Feinsliebchen du sollst
13.Wach auf, mein Hort
14.Maria ging aus wandern
15.Schwesterlein
16.Wach auf mein Herzensschöne
17.Ach Gott, wie weh tut Scheiden
18.So wünsch ich ihr ein gute Nacht
19.Nur ein Gesicht auf Erden lebt
20.Schönster Schatz, mein Engel
21.Es ging ein Maidlein zarte
22.Wo gehst du hin, du Stolze?
23.Der Reiter
24.Mir ist ein schöns brauns Maidelein
25.Mein Mädel hat einen Rosenmund
1. Sagt mir, o schönste
Schäf'rin mein
Sagt mir, o schönste Schäf'rin mein,
der Augen edle Zier!
Darf ich bei euch nicht kehren ein
als ein getreuer Hirt?
Ich steh schon lang vor eurer Tür,
o Schäferin eröffnet mir
die Pfort, die Pfort, die Pfort.
",Wer da? wer klopft vor meiner Tür
und will zu mir herein?
Mein Hüttlein ich eröffne nicht,
ich lasse niemand ein,
und wenn er auch der Schönste wär,
so macht er mir mein Herz nicht schwer.
Umsonst! Umsonst! Umsonst!"
Die finstre Nacht hat mich verführt
in'n Wald, mein trautes Kind!
Drum bitt ich, schlagts euch aus dem Sinn
und macht mir auf geschwind;
ich hab mich allzeit aufgeführt,
Wies einem treuen Hirt'n gebührt,
Allzeit, allzeit, allzeit.
"So will ich aus Erbarmen dann
erhören deine Bitt,
die Pforte stehet offen schon,
komm nur in meine Hütt."
Ach Schatz, wie seh ich euch hier stehn?
Wie tugendsam, wie zart, wie schön
seid ihr, seid ihr, seid ihr!
"Ach wie war ich so unbedacht,
o edler schöner Hirt!
daß ich nicht ehr hab aufgemacht,
du hast mein Herz gerührt.
Komm 'nein, o schönster Schäfer mein,
ich will alzeit dein eigen sein,
ich will, ich will, ich will!
O werter Schäfer, mach dein Hütt
nur alsobald bei mir;
so wahr ich leb, ich mach kein Schritt
jetzund mehr ab von dir.
Mein Herz ist dein, o werter Hirt,
bis es der Liebe machen wird
ein End, ein End, ein End!"
2. Erlaube mir, feins
Mädchen
Erlaube mir, feins Mädchen,
in den Garten zu gehn,
daß ich dort mag schauen,
wie die Rosen so schön.
Erlaube sie zu brechen,
es ist die höchste Zeit;
ihre Schönheit,
ihr Jugend hat mir mein Herz erfreut.
O Mädchen, o Mädchen,
du einsames Kind,
wer hat den Gedanken
ins Herz dir gezinnt,
daß ich soll den Garten,
die Rosen nicht sehn?
Du gefällst meinen Augen,
das muß ich gestehn.
3. Gar lieblich hat sich
gesellet
Text: the same as WoO. 32 no. 25 "Liebeslied"
Gar lieblich hat sich gesellet
Mein Herz in kurzer Frist
Zu einer, die mir gefället,
Gott weiß wohl, wer sie ist.
Sie liebet mich ganz inniglich, die allerliebste mein,
Mit Treuen ich sie mein!
Wohl für des Maien Blüte
Hab ich sie mir erkorn,
Sie erfreut mir' mein Gemüte,
Mein'n Dienst hab ich ihr g'schworn;
Den will ich halten stetiglich, sein ganz ihr untertan,
Dieweil ichs Leben han.
Ich gleich sie einem Engel,
Die Herzallerliebste mein,
Ihr Härlein kraus als ein Sprengel,
Ihr Mündlein rot als Rubein,
Zwei blanke Ärmlein, die sind schmal, dazu ein roter Mund,
Der lacht zu aller Stund.
Mit Venus Pfeil'n durchschossen
Das junge Herze mein;
Schöns Lieb, sei unverdrossen,
Setz deinen Willen drein.
Geseg'n dich Gott, mein schönes Lieb,
Ich soll und muß von dir,
Du siehst mich wieder schier.
4. Guten Abend
Text: the same as WoO. 32 no. 26 and almost the same as op. 84 no.
5, "Spannung"
Er:
Gut'n Abend, gut'n Abend, mein tausiger Schatz,
Ich sag' dir guten Abend;
Komm' du zu mir, ich komme zu dir,
Du sollst mir Antwort geben, mein Engel!
Sie:
Ich kommen zu dir, du kommen zu mir?
Das wär' mir gar keine Ehre;
Du gehst von mir zu andern Jungfrauen,
[Das kann ich an dir wohl spüren, mein Engel!]
Er:
Ach nein, mein Schatz, und glaub' es nur nicht,
Was falsche Zungen reden,
Es geben so viele gottlosige Leut',
Die dir und mir nichts gönnen, mein Engel!
Sie:
Und gibt es so viele gottlosige Leut',
Die dir und mir nichts gönnen,
So solltest du selber bewahren die Treu'
Und machen zu Schanden ihr Reden, mein
Er:
Leb' wohl, mein Schatz, ich hör' es wohl,
Du hast einen Anderen lieber,
So will ich meiner Wege geh'n,
Gott möge dich wohl behüten, mein Engel!
Sie:
Ach nein, ich hab' kein' Anderen lieb,
Ich glaub' nicht gottlosigen Leuten,
Komm' du zu mir, ich komme zu dir,
Wir bleiben uns beide getreue, mein Engel!
5. Die Sonne scheint nicht
mehr
Die Sonne scheint nicht mehr
So schön, als wie vorher,
Der Tag ist nicht so heiter,
So liebreich gar nicht mehr.
Das Feuer kann man löschen,
Die Liebe nicht vergessen,
Das Feuer brennt so sehr,
Die Liebe noch viel mehr.
Mein Herz ist nicht mehr mein,
O könnt ich bei dir sein,
So wäre mir geholfen
Von aller meiner Pein.
6. Da unten im Tale
Text: the same used in op. 97 no. 6, "Trennung"
Da unten im Tale
Läufts Wasser so trüb
Und i kann dirs nit sagen,
I hab di so lieb.
Sprichst allweil von Lieb,
Sprichst allweil von Treu
Und a bissele Falschheit
Is au wohl dabei!
Und wenn i dirs zehnmal sag,
Das i di lieb,
Und du willst nit verstehen,
Muß i halt weiter gehn.
Für die Zeit, wo du g'liebt mi hast,
Dank i dir schön,
Und i wünsch, daß dirs anderswo
Besser mag gehn.
7. Gunhilde
Text: the same as WoO. 32 no. 10
Gunhilde lebt gar stille und fromm
In ihrem Klosterbann,
Bis sie ihr Beichtiger verführt,
Bis sie mit ihm entrann.
Er zog mit ihr wohl durch die Welt,
Sie lebten in Saus und Braus;
Der Mönch verübte Spiel und Trug,
Ging endlich auf den Raub.
Gunhilde ach, du armes Weib,
Gunhild, was fängst du an?
Sie steht allein im fremden Land,
Am Galgen hängt ihr Mann.
Sie weinet rot die Äugelein:
O weh, was ich getan!
Ich will nach Haus und Buße tun,
Der Sünden Straf empfahn.
Sie bettelte sich durch das Land,
Almosen sie da nahm,
Bis sie zum Rheine in den Wald,
Wohl vor das Kloster kam.
Sie pochet an das Klostertor,
Das Tor wird aufgetan;
Sie geht wohl vor die Äbtin stehn
Und fängt zu weinen an.
Hier nehmet das verlorne Kind,
O Mutter, das entrann,
Und laßt es harte Buße tun
In schwerem Kirchenbann.
Gunhilde, sprich, was willst du hier?
Laß solche Rede sein,
Hast ja gesessen im Gebet,
In deinem Kämmerlein.
Gunhilde, du mein heilig Kind,
Was klagest du dich an?
Willst du hier Kirchenbuße tun,
Was fang ich Ärmste an?
Sie führten sie ins Kämmerlein,
Ob sies gleich nicht verstand;
Der Engel, der ihr Stell vertrat,
Alsbald vor ihr verschwand.
8. Ach, englische
Schäferin
Ach, englische Schäferin,
erhöre mein Bitt,
und laß mich einkehren
in deine grün Hütt!
ich hab mich verspätet
mit Jagen im Wald,
die Nacht, die mich quälet,
ist schrecklich und kalt!
"Ach ja mein lieber Jäger,
was machst du denn hier?
Habt ihr auf grün Heide,
im Wald kein Quartier?
Bei mir zu verbleiben,
das kann ja nicht sein,
mein Tür ist verschlossen,
laß niemand herein!"
Ach, englische Schäferin,
holdseligstes Kind,
eur huldreicher Anblick
der hat mich entzündt;
wenn ich mich könnt laben
und lindern die Pein,
den Wald wollt ich lassen
und Schäfer nur sein!
"Ach herzliebster Jäger,
so spät in der Nacht
hat euch noch die Liebe
zu Kreuze gebracht!
Wenn ich euch soll heben,
und lindern die Plag,
eure Schäferin werden,
so kommet bei Tag."
Ach, englische Schäferin,
warum denn so stolz,
es ist euer Bettlein
ja doch nur von Holz!
Tät ich mich drein legen,
so wärs mir ein Spott,
Gottbefohlen, du Schäferin,
ich muß jetzo fort.
"Ach lieber, mein Jäger,
was frag ich nach euch,
ihr seid bei Nacht kommen,
das hat mich erfreut:
ihr könnt eine Andre lieben,
ich wünsch euch viel Glück,
dürft mir nicht mehr kommen
vor meine Schäferhütt!"
9. Es war eine schöne
Jüdin
Es war eine schöne Jüdin,
ein wunderschönes Weib,
die hatt eine schöne Tochter,
das Haar war ihr geflochten,
zum Tanz war sie bereit.
"Ach, Mutter, liebste Mutter,
mein Herz tut mir so weh:
laß mich eine kleine Weile
spazieren auf grüner Heide,
bis daß mir beßer wird."
Die Mutter wandt den Rücken,
die Tochter sprang in die Gaß,
wo alle Schreiber saßen:
"Ach, liebster, liebster Schreiber,
mir tut mein Herz so weh."
"Wenn du dich lassest taufen,
mein Weibchen sollst du sein."
Eh ich mich lasse taufen,
lieber will ich mich versaufen
ins tiefe, tiefe Meer.
"Gut Nacht mein Vater und Mutter,
wie auch mein stolzer Bruder,
ihr seht mich nimmermehr!
Die Sonne ist untergangen
im tiefen, tiefen Meer."
10. Es ritt ein Ritter
Text: teh same as WoO. 33 no. 24
Es ritt ein Ritter wohl durch das Ried,
er fing es an ein neues Lied,
gar schöne tät er singen,
daß Berg und Tal erklingen.
Das hört des Königs sein Töchterlein,
in ihres Vaters Lustkämmerlein,
sie flocht ihr Haar in Seiden,
mit dem Ritter wollt sie reiten.
Und da sie in den Wald raus kam'n,
viel heiße Träne sie fallenließ.
Er schaut ihr wohl unter die Augen,
warum weinet ihr, schöne Jungfraue?
Warum sollt ich nicht weinen,
ich bin ja des Königs sein Töchterlein;
hätt ich meinem Vater gefolget,
Frau Kaiserin wär ich worden.
Er nahm sein Rößlein wohl bei dem Zaum
und band es an einen Weidenbaum,
hier steh mein Rößlein und trinke,
mein jungfrische Herze muß sinken.
11. Jungfräulein, soll
ich mit euch gehn
Jungfräulein, soll ich mit euch gehn
in euren Rosengarten,
da wo die roten Röslein stehn,
die feinen und die zarten,
und auch ein Baum der blühet und seine Läublein wiegt,
und auch kein kühler Brunnen, der grad darunter liegt.
"In meinen Garten kannst du nicht
an diesem Morgen früh,
den Gartenschlüssel findst du nicht,
er ist verborgen hie.
Er liegt so wohl verschlossen, er liegt in guter Hut,
der Knab darf feiner Lehre, der mit den Gart'n auftut."
In meines Buhlen Garten
da stehn der Blümlein viel,
wollt Gott sollt ich ih'r warten
wohl, das wär mein Fug und Will,
die roten Röslein brechen, denn es ist an der Zeit,
ich hoff, ich wollt erwerben, die mir im Herzen leit.
"Gut G'sell, darum mich beten hast,
das kann und mag nicht sein,
du würdest mir zertreten han,
die liebsten Blümlein mein.
So kehre nun von hinnen,
und geh nun wied'rum heim,
du brächst mich doch zu Schanden,
fürwahr, das wär nicht fein."
Dort hoch auf jenem Berge,
da steht ein Mühlenrad,
das mahlet nichts als Liebe,
die Nacht bis an den Tag.
Die Mühle ist zerbrochen, die Liebe hat ein End,
so segn dich Gott, mein feines Lieb, jetzt fahr ich ins Elend.
12. Feinsliebchen du
sollst
Text: the same as WoO. 32 no. 19 "Die Versuchung"
Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehn,
du zertrittst dir die zarten Füßlein schön.
"Wie sollte ich denn nicht barfuß gehn,
hab keine Schuhe ja anzuziehn."
Feinsliebchen, willst du mein eigen sein,
so kaufe ich dir ein Paar Schühlein fein!
"Wie könnte ich euer eigen sein,
ich bin ein arm Dienstmägdelein."
Und bist du arm, so nehm ich dich doch,
du hast ja Ehr und Treue noch.
"Die Ehr und Treu mir Keiner nahm,
ich bin wie ich von der Mutter kam."
Und Ehr und Treu ist beßer wie Geld,
ich nehm mir ein Weib das mir gefällt.
Was zog er aus seiner Tasche fein?
Mein Herz, von Gold ein Ringelein.
13. Wach auf, mein Hort
Text: the same as WoO. 32 no. 12, "Tagweis von einer schönen
Frauen"
Wach auf, mein Hort,
vernimm mein Wort,
merk auf, was ich dir sage:
mein Herz das wüt't
nach deiner Güt,
laß mich Frau nicht verzagen,
ich setz zu dir
all mein Begier,
das glaub du mir:
laß mich der Treu genießen.
Dein stolzen Leib
du mir verschreib
und schleuß mir auf dein Herze,
schleuß mich darein
Herzliebste mein,
wend mir mein großen Schmerzen,
und den ich trag
Tag unde Nacht
zu dir allein,
werd mir freundlich zu Willen.
"Ach, junger Knab,
dein Bitt laß ab,
du bist mir viel zu wilde,
und wenn ich tät
nach deiner Bitt,
ich fürcht, es blieb nicht stille.
Ich dank dir fast,
mein werter Gast,
der Treue dein,
die du mir gönnst von Herzen."
Da lag'n die Zwei,
ohn Sorgen frei,
die lange Nacht in Freuden,
bis üb'r sie schien
der Tag herein,
noch soll mein Treu nicht leiden,
noch für und für
lieg ich an dir,
das trau du mir,
laß mich der Lieb genießen.
Der Wächter an
der Zinnen stand:
liegt Jemand hier verborgen,
der mach sich auf
und zieh davon,
daß er nicht komm in Sorgen,
nimm Urlaub von
dem schönen Weib,
denn es ist Zeit,
es scheint der helle Morgen.
Von dan'n er sich schwang,
hub an und sang,
wie es ihm wär ergangen
mit einem Weib,
ihr stolzer Leib
hätt ihn mit Lieb umfangen.
Hätt ihn verpflicht,
hub an und dicht't
ein Tageweis
von einer schönen Frauen.
14. Maria ging aus wandern
Text: the same as WoO. 32 no. 22 "Marias Wallfahrt"
Maria ging aus wandern,
so fern ins fremde Land,
bis sie Gott den Herren fand!
Sie hat ihn schon gefunden,
wohl vor des Herodes Haus,
er sah so betrüblich aus.
Das Kreuz, das mußt er tragen
nach Jerusalem wohl vor die Stadt,
wo er gemartet ward.
Was trug er auf sein'm Haupte?
Eine scharfe Dornenkron,
das Kreuz das trägt er schon.
Daran soll man bedenken,
ein Jeder jung or alt,
daß das Himmelreich leid't Gewalt!
15. Schwesterlein
Text: the same as op. 97 no. 15
Schwesterlein, Schwesterlein, wann gehn wir nach Haus?
"Morgen wenn die Hahnen krähn,
Wolln wir nach Hause gehn,
Brüderlein, Brüderlein, dann gehn wir nach Haus."
Schwesterlein, Schwesterlein, wohl ist es Zeit.
"Mein Liebster tanzt mit mir,
Geh ich, tanzt er mit ihr,
Brüderlein, Brüderlein, laß du mich heut."
Schwesterlein, Schwesterlein, was bist du blaß?
"Das macht der Morgenschein
Auf meinen Wängelein,
Brüderlein, Brüderlein, die vom Taue naß."
Schwesterlein, Schwesterlein, du wankest so matt?
"Suche die Kammertür,
Suche mein Bettlein mir
Brüderlein, es wird fein unterm Rasen sein."
16. Wach auf mein
Herzensschöne
Text: the same as WoO. 32 no. 14 "Nachtgesang"
Wach auf mein Herzensschöne,
zart Allerliebste mein.
Ich hör ein süß Getöne
von kleinen Waldvöglein,
die hör ich so lieblich singen,
ich mein, es woll des Tages Schein,
vom Orient herdringen.
Ich hör die Hahnen krähen
und spür den Tag dabei.
Die kühlen Winde wehen,
die Sternlein leuchten frei;
singt uns Frau Nachtigalle,
singt uns ein süße Melodei,
sie meld't den Tag mit Schalle.
Du hast mein Herz umfangen
in treu inbrünstger Lieb,
ich bin so oft gegangen,
Feinslieb, nach deiner Zier,
ob ich dich möcht ersehen,
so würd erfreut das Herz in mir,
die Wahrheit muß ich g'stehen.
Selig ist Tag und Stunde,
darin du bist geborn.
Gott grüß mir dein rot Munde,
den ich mir hab erkorn;
kann mir kein Liebre werden,
schau daß mein Lieb nicht sei verlorn,
du bist mein Trost auf Erden.
17. Ach Gott, wie weh tut
Scheiden
Text: the same as WoO. 32 no. 16 "Scheiden"
Ach Gott, wie weh tut Scheiden,
hat mir mein Herz verwund't,
so trab ich üb'r die Heiden
und traur zu aller Stund.
Der Stunden der sind allsoviel,
mein Herz trägt heimlich Leiden,
wiewohl ich oft fröhlich bin.
Hatt mir ein Gärtlein bauet,
von Veil und grünem Klee,
ist mir zu früh erfroren,
tut meinem Herzen weh.
Ist mir erfrorn bei Sonnenschein,
ein Kraut, je länger, je lieber,
ein Blümlein, vergiß nicht mein.
Das Blümlein, das ich meine,
das ist von edler Art,
ist aller Tugend reine,
ihr Mündlein, das ist zart,
ihr Äglein, die sind hübsch und fein,
wenn ich an sie gedenke,
wie gern ich bei ihr wollt sein.
Sollt mich meins Buhl'n erwehren,
als oft ein Ander tut,
sollt führn ein fröhlichs Leben,
dazu ein'n leichten Mut,
das kann und mag doch nicht gesein;
gesegn dich Gott im Herzen,
es muß geschieden sein.
18. So wünsch ich ihr ein
gute Nacht
So wünsch ich ihr ein gute Nacht,
bei der ich war alleine;
ein freundlich Wort sie zu mir sprach,
da wir uns sollten scheiden.
Ich scheid mit Leid,
Gott weiß die Zeit,
wiederkommen bringt uns Freud.
Zu Nächten da ich bei ihr war,
ihr Angesicht wollt röten,
sie sah den Knaben freundlich an,
sprach: Gott tu dich behüten.
Mein Schimpf, mein Schmerz,
bricht mir mein Herz,
das werd ich jetzund innen.
Das Maidlein an der Zinnen stand,
hub kläglich an zu weinen:
gedenk daran du Reitersknab,
laß mich nicht läng'r alleine;
kehr wieder bald,
mein Aufenthalt,
lös mich von schweren Träumen.
Der Knab wohl üb'r die Heiden reit't
und wend't sein Rößlein rumme:
daran gedenk, du schöne Maid,
und kehr dein Red nit umme;
beschert Gott Glück,
gehts wieder zurück,
du bleibst mein'm Herzen eine Kron.
19. Nur ein Gesicht auf
Erden lebt
Nur ein Gesicht auf Erden lebt,
so mich vergnügen kann,
nur eines unt'r der Sonne schwebt,
so ich nicht meiden kann.
Mein Herz im Leib vor Freud aufspringt,
wenn ich nur denk daran,
aber der Seel groß Schmerz bringt,
wenn ichs nicht sehen kann.
Ob ich schon oft muß leiden viel
von bösen Zungen hart,
auf keine Weis doch meiden will,
Schönste, dein Gegenwart.
Wann ich dich lieb, o schönstes Kind,
was geht es Andre an.
Ein jeder jetzund Lieben find't,
das niemand wehren kann.
Ach lieber Schatz, erlaube mir,
zu küssen deinen Mund,
dieweil dein liebes Angesicht,
mich also hart verwund't.
Mein Herz, Gesicht, mein'n ganzen Leib
auf ewig dir verschreib,
der Himmel selbst mir Zeuge sei,
daß ich dein Diener bleib.
20. Schönster Schatz,
mein Engel
Schönster Schatz, mein Engel,
ich lieb dich ganz allein,
ich hoff du sollst mein werden,
sollst noch mein eigen sein.
Gib du mir Wein zu trinken,
so tu ich dir Bescheid,
tust du mir heimlich winke,
so ist mein Herz erfreut.
All Freud ist mir benommen,
vor lauter Traurigkeit;
ich hab mein Schatz gesehen
in einem weißen Kleid.
Ich hab ihn drin gesehen,
den ich nicht mehr sehn kann,
das tut mein Herze kränken,
das brennt wie Feuer und Flamm!
21. Es ging ein Maidlein
zarte
Text: the same as WoO. 32 no. 23, "Das Mädchen und der
Tod"
Es ging ein Maidlein zarte,
früh in der Morgenstund,
in einen Blumengarten,
frisch, fröhlich und gesund;
der Blümlein es viel brechen wollt
daraus ein'n Kranz zu machen, von Silbern und von Gold.
Da kam herzugeschlichen
ein gar erschrecklich Mann,
die Farb war ihm verblichen,
kein Kleider hatt er an;
er hatt kein Fleisch, kein Blut, kein Haar,
es war an ihm verdorret, sein Fleisch und Flechsen gar.
O Tod laß mich beim Leben,
nimm all mein Hausgesind!
Mein Vater wird dirs geben,
wenn er mich lebend find't;
ich bin sein einzig Töchterlein,
er würde mich nicht geben um tausend Gulden fein.
Er nahm sie in der Mitten
da sie am schwächsten war,
es half an ihm kein Bitten,
er warf sie in das Gras,
und rührte an ihr junges Herz,
da liegt das Maidlein zarte, voll bittrer Angst und Schmerz.
22. Wo gehst du hin, du
Stolze?
Wo gehst du hin, du Stolze? was hab ich dir getan,
daß du an mir vorbeigehst, und siehst mich gar nicht an?
Seh ich dich kommen, grüß ich dich,
du gehst vorbei und dankst mir nicht;
es wird die Stunde kommen, wo du noch denkst an mich!
Die Rosen, die im Walde erblühn in frischer Pracht,
bald sind sie abgefallen, verblühet über Nacht.
Fällt eine Rose in den Staub, so blüht die andre auf am Strauch,
und ist es nicht die eine, die andere mir lacht.
23. Der Reiter
Tetx: the same as WoO. 32 no. 6
Der Reiter spreitet seinen Mantel aus,
wohl in das grüne Gras;
da leg dich, du wackres Braunmägdelein,
mach dir dein Haupt nicht naß,
wohl in dem grünen Gras!
"Was soll ich bei dir sitzen,
ich hab gar g'ringes Gut!
Hab zwei schwarzbraune Augen,
ist all mein Hab und Gut,
ist all mein Hab und Gut."
"Mein Liebster ist hereingestiegen
wohl durchs Kammerfensterlein,
ich hatt ihn nicht gerufen,
konnt ihn nicht halten ein,
konnt ihn nicht halten ein!"
24. Mir ist ein schöns
brauns Maidelein
Mir ist ein schöns brauns Maidelein
gefallen in den Sinn,
wollt Gott, ich sollt heut bei ihr sein,
mein Trauern führ dahin.
Kein Tag noch Nacht hab ich kein Ruh,
das schafft ihr schön Gestalt.
Ich weiß nicht, wie ihm fürbaß tu,
mein Feinslieb macht mich alt.
Dem Mägdlein ich gern dienen will,
wenn ichs mit Fugen kunnt;
darum hab ich der Neider viel,
daß mir nit wird vergunnt.
Ich hoff, sie solls erfahren bald,
wie ichs so treulich mein.
Auf Erd ich mir nichts wünschen wollt,
denn zu sein bei ihr allein.
Dem Maidlein ich mein Treu versprich,
zu Ehrn und anders nicht;
Alls was doch fromm und ehrlich ist,
danach ich stets mich richt.
Sollt denn mein Treu verloren sein,
kränkt mir mein Sinn und G'müt;
ich hoff sie solls erfahren schier,
mein Sach soll werden gut.
Damit will ich dem Maidelein
gesungen haben frei,
zu guter Nacht ein Liedelein,
alls Gut wünsch ich dabei,
damit daß sie gedenkt an mich,
wenn ich nit bei ihr bin.
So b'üt dich Gott im Himmelreich,
ade, ich fahr dahin!
25. Mein Mädel hat einen
Rosenmund
Text: the same as op. 97 no. 25
Mein Mädel hat einen Rosenmund,
und wer ihn küßt, der wird gesund;
o du schwarzbraunes Mägdelein du
du läßt mir keine Ruh!
Die Wangen sind wie Morgenröt,
wie sie steht überm Winterschnee;
o du schwarzbraunes Mägdelein du
du läßt mir keine Ruh!
Dein Augen sind wie die Nacht so schwarz,
wenn nur zwei Sternlein funkeln drin;
o du schwarzbraunes Mägdelein du
du läßt mir keine Ruh!
Du Mädel bist wie der Himmel gut,
Wenn er über uns blau sich wölben tut;
o du schwarzbraunes Mägdelein du
du läßt mir keine Ruh!
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