Lieder
complete index:
Lieder Index b: opp. 3,
6, 7, 14, 19, 28 n.3 and 30
op. 3.
no. 1. Liebestreu
no. 2. Liebe und Frühling I
no. 3. Liebe und Frühling II
no. 4. Lied, "Weit über das Feld durch die
Lüfte hoch"
no. 5. In der Fremde
no. 6. Lied, "Lindes Rauschen in den
Wipfeln"
op. 6.
no. 1. Spanisches Lied
no. 2. Der Frühling
no. 3. Nachwirkung
no. 4. Juchhe! ("Hurrah!")
no. 5. Wie die Wolke nach der Sonne
no. 6. Nachtigallen schwingen
op. 7.
no. 1. Treue Liebe
no. 2. Parole
no. 3. Anklänge
no. 4. Volkslied
no. 5. Die Trauernde
no. 6. Heimkehr
op. 14.
no. 1. Vor dem Fenster
no. 2. Vom verwundeten Knaben
no. 3. Murrays Ermordung
no. 4. Sonett
no. 5. Trennung
no. 6. Gang zur Liebsten
no. 7. Ständchen
no. 8. Sehnsucht, "Mein Schatz ist nicht
da"
op. 19.
no. 1. Der Kuß
no. 2. Scheiden und Meiden
no. 3. In der Ferne
no. 4. Der Schmied
no. 5. An eine Äolsharfe
op. 28 no. 3. Es rauschet das Wasser
op. 30. Geistliches Lied
Op.3 n.1 "Liebestreu"
Text by Robert Reinick (1805-1852), from Lieder (Berlin, 1844).
Music by Johannes Brahms, Op. 3 no. 1 (January 1853)
"O versenk', o versenk' dein Leid,
mein Kind, in die See, in die tiefe See!"
Ein Stein wohl bleibt auf des Meeres Grund,
mein Leid kommt stets in die Höh'.
"Und die Lieb', die du im Herzen trägst,
brich sie ab, brich sie ab, mein Kind!"
Ob die Blum' auch stirbt, wenn man sie bricht,
treue Lieb' nicht so geschwind.
"Und die Treu', und die Treu',
's war nur ein Wort, in den Wind damit hinaus."
O Mutter und splittert der Fels auch im Wind,
Meine Treue, die hält ihn aus.
Op.3 n.2 "Wie sich Rebenranken schwingen"
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), written 1833, published in
Gedichte (Leipzig, 1834, 1843)
Music by Johannes Brahms, "Liebe und
Frühling I", Op. 3 no. 2 (July 1853, revised 1882)
See also:
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900),
"Wie sich Rebenranken", NWV 16 (1863)
Wie sich Rebenranken schwingen
In der linden Lüfte Hauch,
Wie sich weiße Winde schlingen
Luftig um den Rosenstrauch:
Also schmiegen sich und ranken
Frühlingsselig, still und mild,
Meine Tag- und Nachtgedanken
Um ein trautes, liebes Bild.
Op.3 n.3
"Liebe und Frühling II"
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), published in Gedichte
(Leipzig, 1834, 1843)
Music by Johannes Brahms, Op. 3 no. 3 (July
1853)
Ich muß hinaus, ich muß zu dir,
Ich muß es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir
In diesen lichten Tagen.
Ich will die Rosen nicht mehr sehn
Nicht mehr die grünen Matten;
Ich will nicht mehr zu Walde gehn,
Nach Duft und Klang und Schatten.
Ich will nicht mehr der Lüfte Zug,
Nicht mehr der Wellen Rauschen,
Ich will nicht mehr der Vögel Flug
Und ihrem Liede lauschen.
Ich will hinaus, ich will zu dir,
Ich will es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir
In diesen lichten Tagen.
Op.3 n.4
"Lied"
Text by Friedrich Martin von Bodenstedt (1819-1892), first appeared in Ivan, der Sohn des
Starost, Poetische Farbenskizze aus Rußland (1842), then in Gedichte (1853) titled
"Ivan"
Music by Johannes Brahms, Op. 3 no. 4 (July 1853)
Weit über das Feld durch die Lüfte hoch
Nach Beute ein mächtiger Geier flog.
Am Stromesrande im frischen Gras
Eine junge weißflüglige Taube saß;
O verstecke dich, Täubchen, im grünen Wald!
Sonst verschlingt dich der lüsterne Geier bald!
Eine Möwe hoch über der Wolga fliegt,
Und Beute spähend im Kreis sich wiegt.
O halte dich, Fischlein, im Wasser versteckt,
Daß dich nicht die spähende Möwe entdeckt!
Und steigst du hinauf, so steigt sie herab
Und macht dich zur Beute und führt dich zum Grab.
Ach, du grünende feuchte Erde du!
Tu dich auf, leg mein stürmisches Herz zur Ruh'!
Blaues Himmelstuch mit der Sternlein Zier,
O trockne vom Auge die Träne mir!
Hilf, Himmel, der armen, der duldenden Maid!
Es bricht mir das Herz vor Weh und Leid!
Op.3 n.5
"In der Fremde"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857), first appeared in the novella "Viel
Lärmen um nichts" (1833), and then in the collected Gedichte (1837) under the
Totenopfer section
Music by Johannes Brahms, Op. 3 no. 5 (1852)
See also:
Robert Schumann (1810-1856), Op. 39 (1840),
from Liederkreis, no. 1
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
Da kommen die Wolken her,
Aber Vater und Mutter sind lange tot,
Es kennt mich dort keiner mehr.
Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit,
Da ruhe ich auch, und über mir
Rauscht die schöne Waldeinsamkeit,
Und keiner kennt mich mehr hier.
Op.3 n.6
"Lindes Rauschen in den Wipfeln"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857), first appeared in the novella
"Viel Lärmen um nichts" (1833), then in the collected Gedichte (1837) in the
Wanderlieder section as "Erinnerung"
Music by Johannes Brahms, Op. 3 no. 6 (1852)
See also:
Othmar Schoeck (1886-1957), "Erinnerung", Op.
10 no. 1 (1907)
Lindes Rauschen in den Wipfeln,
Vöglein, die ihr fernab fliegt,
Bronnen von den stillen Gipfeln,
Sagt, wo meine Heimat liegt?
Heut im Traum sah ich sie wieder,
Und von allen Bergen ging
Solches Grüßen zu mir nieder,
Daß ich an zu weinen fing.
Ach! hier auf den fremden Gipfeln:
Menschen, Quellen, Fels und Baum
[Wirres Rauschen in den Wipfeln]
Alles ist mir wie ein Traum!
Muntre Vögel in den Wipfeln,
Ihr Gesellen dort im Tal,
Grüßt mir von den fremden Gipfeln
Meine Heimat tausendmal!
Op.6 n.1
"In dem Schatten meiner Locken"
Text by Anonymous, translated to German by Paul von Heyse (1830-1914)
Music by Johannes Brahms, "Spanisches Lied", Op. 6 no. 1 (April 1852)
See also:
Adolf Jensen (1837-1879), "In dem Schatten meiner
Locken",
Op. 1 no. 4 (1856)
Hugo Wolf (1860-1903), "In dem Schatten meiner Locken", from Spanisches
Liederbuch: Weltliche Lieder no. 2
In dem Schatten meiner Locken
Schlief mir mein Geliebter ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
Sorglich strählt ich meine krausen
Locken täglich in der Frühe,
Doch umsonst ist meine Mühe,
weil die Winde sie zerzausen.
Lockenschatten, Windessausen
Schläferten den Liebsten ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
Hören muß ich, wie ihn gräme,
Daß er schmachtet schon so lange,
Daß ihm Leben gäb und nähme
Diese meine braune Wange,
Und er nennt mich eine Schlange,
Und doch schlief er bei mir ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
Op.6 n.2
"Der Frühling"
Text by Jean Baptiste Rousseau (1671-1741), first appeared in Spiele der lyrischen und
dramatischen Muse (1826), and later in his collected Gedichte of 1832
Music by Johannes Brahms, Op. 6 no. 2 (April
1852)
Es lockt und säuselt um den Baum:
Wach auf aus deinem Schlaf und Traum,
Der Winter ist zerronnen.
Da schlägt er frisch den Blick empor,
Die Augen sehen hell hervor
Ans goldne Licht der Sonnen.
Es zieht ein Wehen sanft und lau,
Geschaukelt in dem Wolkenbau
Wie Himmelsduft hernieder.
Da werden alle Blumen wach,
Da tönt der Vögel schmelzend Ach,
Da kehrt der Frühling wieder.
[Es zuckt und bebt im Blute was,
Die Wimpern werden tränennaß,
Es pochet leis im Herzen.
O Mensch, du fühlest Frühlingslust,
Und Liebe hebet deinen Ernst,
Und wecket süße Schmerzen!]
Es weht der Wind den Blütenstaub
Von Kelch zu Kelch, von Laub zu Laub,
Durch Tage und durch Nächte.
Flieg auch, mein Herz, und flattre fort,
Such hier ein Herz und such es dort,
Du triffst vielleicht das Rechte.
Op.6 n.3
"Nachwirkung"
Text by Alfred von Meißner (1822-1885)
Music by Johannes Brahms, Op. 6 no. 3 (April 1852)
Sie ist gegangen, die Wonnen versanken,
Nun glühen die Wangen, nun rinnen die Tränen,
Es schwanken die kranken,
Die heißen Gedanken,
Es pocht das Herz in Wünschen und Sehnen.
Und hab' ich den Tag mit Andacht begonnen,
Tagüber gelebt in stillem Entzücken,
So leb' ich jetzt träumend,
Die Arbeit versäumend
Von dem, was sie schenkte in Worten und Blicken.
So hängen noch lang nach dem Scheiden des Tages
In säuselnder Nachtluft, beim säuselnden Winde
Die Bienlein wie trunken
Und wonneversunken
An zitternde Blüten der duftigen Linde.
Op.6 n.4
"Wie ist doch die Erde so schön"
Text by Robert Reinick (1805-1852) from Lieder (Berlin, 1844)
Music by Johannes Brahms, "Juchhe!" ("Hurrah!"), Op. 6 no. 4 (1852)
See also:
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Wie ist doch die Erde
so schön", Op. 44 no. 3
Heinrich August Marschner (1795-1861), "Juchhe!",
Op. 101 no. 4 (1839?)
Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Vögelein;
Sie heben ihr leicht Gefieder,
Und singen so fröhliche Lieder
In den blauen Himmel hinein.
Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Flüss' und Seen;
Sie malen im klaren Spiegel
Die Gärten und Städt' und Hügel,
Und die Wolken, die drüber gehn!
Und Sänger und Maler wissen es,
Und es wissen's viel and're Leut',
Und wer's nicht malt, der singt es,
Und wer's nicht singt, dem klingt es
Im Herzen vor lauter Freud'!
Op.6 n.5
"Wie die Wolke nach der Sonne"
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Johannes Brahms, Op. 6 no. 5 (1853)
Wie die Wolke nach der Sonne
Voll Verlangen irrt und bangt
Und durchglüht vom Himmelswonne
Sterbend ihr am Busen hangt.
Wie die Sonnenblume richtet
Auf die Sonn' ihr Angesicht
Und nicht eh'r auf sie verzichtet
Bis ihr eignes Auge bricht:
Wie der Aar auf Wolkenpfade
Sehnend steigt ins Himmelszelt
Und berauscht vom Sonnenbade
Blind zur Erde niederfällt:
So auch muß ich schmachten, bangen,
Spähn und trachten, dich zu sehn,
Will an deinen Blicken hangen
Und an ihrem Glanz vergehn.
Op.6 n.6
"Nachtigallen schwingen"
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), from Gedichte (Leipzig,
1843)
Music by Johannes Brahms, Op. 6 no. 6 (1853)
Nachtigallen schwingen
Lustig ihr Gefieder,
Nachtigallen singen
Ihre alten Lieder.
Und die Blumen alle,
Sie erwachen wieder
Bei dem Klang und Schalle
Aller dieser Lieder.
Und meine Sehnsucht wird zur Nachtigall
Und fliegt in die blühende Welt hinein,
Und fragt bei den Blumen überall,
Wo mag doch mein, mein Blümchen sein?
Und die Nachtigallen
Schwingen ihren Reigen
Unter Laubeshallen
Zwischen Blütenzweigen,
Von den Blumen allen
Aber ich muß schweigen.
Unter ihnen steh' ich
Traurig sinnend still:
Eine Blume [1] seh' ich,
Die nicht blühen will.
Op.7 n.1
"Treue Liebe"
Text by Edouard Ferrand (B. Eduard Schulz) (1813-1842), from Gedichte (1834)
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 1 (November 1852)
Ein Mägdlein saß am Meerestrand
Und blickte voll Sehnsucht ins Weite.
"Wo bleibst du, mein Liebster, Wo weilst du so lang?
Nicht ruhen läßt mich des Herzens Drang.
Ach, kämst du, mein Liebster, doch heute!"
Der Abend nahte, die Sonne sank
Am Saum des Himmels darnieder.
"So trägt dich die Welle mir nimmer zurück?
Vergebens späht in die Ferne mein Blick.
Wo find' ich, mein Liebster, dich wieder,
Die Wasser umspielten ihr schmeichelnd den Fuß,
Wie Träume von seligen Stunden;
Es zog sie zur Tiefe mit stiller Gewalt:
Nie stand mehr am Ufer die holde Gestalt,
Sie hat den Geliebten gefunden! "
Op.7 n.2
"Parole"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857), first appeared (untitled) in the
novel "Dichter und ihre Gesellen" (1834), later titled "Parole" in the
first two editions of Eichendorff's collected poems (Berlin, 1837 and 1843); in a
posthumous edition, "Die Verlassene"
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 2 (November
1852)
Sie stand wohl am Fensterbogen
Und flocht sich traurig das Haar,
Der Jäger war fortgezogen,
Der Jäger ihr Liebster war.
Und als der Frühling gekommen,
Die Welt war von Blüten verschneit,
Da hat sie ein Herz sich genommen
Und ging in die grüne Heid'.
Sie legt das Ohr an den Rasen,
Hört ferner Hufe Klang
Das sind die Rehe, die grasen
Am schattigen Bergeshang.
Und abends die Wälder rauschen,
Von fern nur fällt noch ein Schuß,
Da steht sie stille zu lauschen:
"Das war meines Liebsten Gruß!"
Da sprangen vom Fels die Quellen,
Da flohen die Vöglein ins Tal.
"Und wo ihr ihn trefft, ihr Gesellen,
O, grüßt mir ihn tausendmal!"
Op.7 n.3
"Anklänge"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 3 (1853)
Hoch über stillen Höhen
Stand in dem Wald ein Haus;
So einsam war's zu sehen,
Dort übern Wald hinaus.
Ein Mädchen saß darinnen
Bei stiller Abendzeit,
Tät seidne Fäden spinnen
Zu ihrem Hochzeitskleid.
Op.7 n.4
"Volkslied"
Volkslied, found in the collection by Georg Scherer, Deutsche Volkslieder (Leipzig, 1851)
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 4 (August
1852)
Die Schwälble ziehet fort, ziehet fort,
Weit an en andre Ort;
Und i sitz' do in Traurigkeit,
Es isch a böse, schwere Zeit.
Könnt' i no fort durch d' Welt, fort durch d' Welt,
Weil mir's hie gar net, gar net g'fällt!
O Schwälble, komm, i bitt', i bitt'!
Zeig mir de Weg und nimm mi mit!
Op.7 n.5
"Die Trauernde"
Volkslied, earliest printed version found in "Kriegs- und Volkslieder"
(Stuttgart, 1824)
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 5 (August 1852)
Mei Mueter mag mi net,
Und kein Schatz han i net,
Ei warum sterb' i net,
Was tu i do?
Gestern isch Kirchweih g'wä,
Mi hot mer g'wis net g'seh,
Denn mir isch's gar so weh,
I tanz ja net.
Laßt die drei Rose stehn,
Die an dem Kreuzle blühn:
Hent ihr das Mädle kennt,
Die drunter liegt?
Op.7 n.6
"Heimkehr"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), written November, 1811, found in collected
Gedichte (Stuttgart and Tübingen, 1815)
Music by Johannes Brahms, Op. 7 no. 6 (May 1851)
See also:
(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), Op. 4 no. 2
(1832)
Friedrich Gernsheim (1839-1916), Op. 3 no. 6, published 1865
Conradin Kreutzer (1780-1849), Op. 34 no. 9 (1811), from Neun
Wanderlieder von Uhland
O brich nicht, Steg, du zitterst sehr,
O stürz' nicht, Fels, du dräuest schwer,
Welt, geh' nicht unter, Himmel, fall' nicht ein,
Bis ich mag bei der Liebsten sein!
Op.14 n.1
"Vor dem Fenster"
Volkslied; text can be found in Karl Simrock's
collection "Die deutschen Volkslieder" (Frankfurt am Main, 1851), and in Franz
Ludwig Mittler's Deutsche Volkslieder (Marburg, Leipzig, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 1 (September 1858)
Soll sich der Mond nicht heller scheinen,
Soll sich die Sonn' nicht früh aufgehn,
So will ich diese Nacht gehn freien,
Wie ich zuvor auch hab' getan.
Als er wohl auf die Gasse trat,
Da fing er an ein Lied und sang,
Er sang aus schöner, aus heller Stimme,
Daß sein fein's Lieb zum Bett aussprang.
Steh still, steh still, mein feines Lieb,
Steh still, steh still und rühr dich nicht,
Sonst weckst du Vater, sonst weckst du Mutter,
Das ist uns beiden nicht wohlgetan.
Was frag' ich nach Vater, was frag' ich nach Mutter,
Vor deinem Schlaffenster muß ich stehn,
Ich will mein schönes Lieb anschauen,
Um das ich muß so ferne gehn.
Da standen die zwei wohl beieinander
Mit ihren zarten Mündelein,
Der Wächter blies wohl in sein Hörnelein,
Ade, es muß geschieden sein.
Scheiden, Scheiden über Scheiden,
Scheiden tut meinem jungen Herzen weh,
Daß ich mein schön Herzlieb muß meiden,
Das vergeß' ich nimmermehr.
Op.14 n.2
"Vom verwundeten Knaben"
Volkslied
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 2 (1858)
Es wollt' ein Mädchen früh aufstehn
Und in den grünen Wald spazieren gehn.
Und als sie nun in den grünen Wald kam,
Da fand sie einen verwund'ten Knab'n.
Der Knab', der war von Blut so rot,
Und als sie sich verwandt, war er schon tot.
Wo krieg' ich nun zwei Leidfräulein,
Die mein fein's Lieb zu Grabe wein'n?
Wo krieg' ich nun sechs Reuterknab'n,
Die mein fein's Lieb zu Grabe trag'n?
Wie lang soll ich denn trauern gehn?
Bis alle Wasser zusammengehn?
Ja, alle Wasser gehn nicht zusamm'n,
So wird mein Trauern kein Ende han.
Op.14 n.3
"Murrays Ermordung"
Text by Johann Gottfried Herder (1744-1803), from
"Volkslieder" (Tübingen, 1778-79) and "Stimmen der Völker in
Liedern" (1807), based on an Old Scots Ballad, "The Bonny Earl of Murray"
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 3 (January 1858)
O Hochland und o Südland!
Was ist auf euch geschehn!
Erschlagen der edle Murray,
Werd' nie ihn wiedersehn.
Weh dir! Weh dir, Huntley,
So untreu, falsch und kühn,
Sollst ihn zurück uns bringen,
Ermordet hast du ihn.
Ein schöner Ritter war er,
In Wett- und Ringelauf;
Allzeit war unsres Murray
Die Krone obendrauf.
Ein schöner Ritter war er
Bei Waffenspiel und Ball;
Es war der edle Murray
Die Blume überall.
Ein schöner Ritter war er
In Tanz und Saitenspiel;
Ach, daß der edle Murray
Der Königin gefiel.
O, Königin, wirst lange
Sehn über Schlosses Wall,
Eh' du den schönen Murray
Siehst reiten in dem Tal.
Op.14 n.4
"Ach, könnt' ich, könnte vergessen sie"
Text by Johann Gottfried Herder (1744-1803), after a 13th century
French poem by Thibaut IV, Graf von Champagne und König von Navarra (1201-1253)
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 4 (1858)
See also:
Karl Friedrich Zelter (1758-1832),
"Sonett aus dem 13. Jahrhundert" (1802)
Ach, könnt' ich, könnte vergessen sie,
Ihr schönes, liebes, liebliches Wesen,
Den Blick, die freundliche Lippe die!
Vielleicht ich möchte genesen!
Doch ach, mein Herz, mein Herz kann es nie!
Und doch ist's Wahnsinn, zu hoffen sie!
Und um sie schweben,
Gibt Mut und Leben,
Zu weichen nie.
Und denn, wie kann ich vergessen sie,
Ihr schönes, liebes, liebliches Wesen,
Den Blick, die freundliche Lippe die?
Viel lieber nimmer genesen!
Op.14 n.5 "Trennung"
Text: Volkslied, found in Deutsche Volkslieder (Kretzschmer, Zuccalmaglio: Berlin,
1838-40), under the heading of "Westphalia"
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 5 (November 1858)
Wach auf, wach auf, du junger Gesell,
Du hast so lang geschlafen.
Da draußen singen die Vögel hell,
Der Fuhrmann lärmt auf der Gassen!
Wach auf, wach auf, mit heller Stimm'
Hub an der Wächter zu rufen,
Wo zwei Herzlieben beisammen sind,
Da müssen sie sein gar kluge.
Der Knabe war verschlafen gar,
Er schlief so lang, so süße,
Die Jungfrau aber weise war,
Weckt' ihn durch ihre Küsse!
Das Scheiden, Scheiden tuet not,
Wie Tod ist es so harte,
Der scheid't auch manches Mündlein rot
Und manche Buhlen zarte.
Der Knabe auf sein Rößlein sprang
Und trabte schnell von dannen,
Die Jungfrau sah ihm lange nach,
Groß Leid tat sie umfangen!
Op.14
n.6 "Gang zur Liebsten"
Volkslied, found in Deutsche Volkslieder (Kretzschmer, Zuccalmaglio: Berlin, 1838-40),
under the heading of "From the Lower Rhine"
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 6 (December 1858)
Des Abends kann ich nicht schlafen gehn,
Zu meiner Herzliebsten muß ich gehn,
Zu meiner Herzliebsten muß ich gehn,
Und sollt' ich an der Tür bleiben stehn,
Ganz heimelig!
"Wer ist denn da? Wer klopfet an,
Der mich so leis aufwecken kann?"
Das ist der Herzallerliebste dein,
Steh auf, mein Schatz, und laß mich ein,
Ganz heimelig!
Wenn alle Sterne Schreiber gut,
Und alle Wolken Papier dazu,
So sollten sie schreiben der Lieben mein,
Sie brächten die Lieb' in den Brief nicht ein,
Ganz heimelig!
Ach, hätt' ich Federn wie ein Hahn
Und könnt' ich schwimmen wie ein Schwan,
So wollt' ich schwimmen wohl über den Rhein,
Hin zu der Herzallerliebsten mein,
Ganz heimelig!
Op.14
n.7 "Ständchen"
Text: Volkslied, found in Deutsche Volkslieder (Kretzschmer, Zuccalmaglio: Berlin,
1838-40), under the heading of "From the Lower Rhine"
Music by Johannes Brahms, Op. 14 no. 7 (September 1858)
Gut Nacht, gut Nacht, mein liebster Schatz,
Gut Nacht, schlaf wohl, mein Kind!
Daß dich die Engel hüten all,
Die in dem Himmel sind!
Gut Nacht, gut Nacht, mein lieber Schatz,
Schlaf du, von nachten lind.
Schlaf wohl, schlaf wohl und träume von mir,
Träum von mir heute nacht!
Daß, wenn ich auch da schlafen tu,
Mein Herz um dich doch wacht;
Daß es in lauter Liebesglut
An dich derzeit gedacht.
Es singt im Busch die Nachtigall
Im klaren Mondenschein,
Der Mond scheint in das Fenster dir,
Guckt in dein Kämmerlein;
Der Mond schaut dich im Schlummer da,
Doch ich muß ziehn allein!
Op.14
n.8 "Sehnsucht"
Text: Volkslied, found in Deutsche Volkslieder (Kretzschmer, Zuccalmaglio: Berlin,
1838-40), under the heading of "From Tyrol"
Music by Johannes Brahms,
Op. 14 no.8 (November, 1858)
Mein Schatz ist nicht da,
Ist weit überm See,
Und sooft ich dran denk',
Tut mir's Herz so weh!
Schön blau ist der See,
Und mein Herz tut mir weh,
Und mein Herz wird nicht g'sund,
Bis mein Schatz wiederkommt.
Op.19
n.1 "Der Kuß"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776), 1776, published posthumously in 1778
in an altered form by Johann Heinrich Voss
Music by Johannes Brahms, Op. 19 no. 1 (September 1858)
Unter Blüten des Mais spielt' ich mit ihrer Hand,
Koste liebend mit ihr, schaute mein schwebendes
Bild im Auge des Mädchens,
Raubt' ihr bebend den ersten Kuß.
Zuckend fliegt nun der Kuß, wie ein versengend Feu'r,
Mir durch Mark und Gebein. Du, die Unsterblichkeit
Durch die Lippen mir sprühte,
Wehe, wehe mir Kühlung zu!
Op.19
n.2 "Scheiden und Meiden"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), August 1811
Music by Johannes Brahms, Op. 19 no. 1 (September 1858)
See also:
Peter Cornelius (1824-1874), 1847-8
Conradin Kreutzer (1780-1849), Op. 34 no. 2 (1811), from Neun
Wanderlieder von Uhland
Othmar Schoeck (1886-1957), Op. 3 no. 5 (1908)
So soll ich dich nun meiden,
Du meines Lebens Lust!
Du küssest mich zum Scheiden,
Ich drücke dich an die Brust!
Ach, Liebchen, heißt das meiden,
Wenn man sich herzt und küßt?
Ach, Liebchen, heißt das scheiden,
Wenn man sich fest umschließt?
Op.19
n.3 "In der Ferne"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), June 1806
Music by Johannes Brahms, Op. 19 no. 3 (October 1858)
See also:
Leopold Damrosch (1832-1885), Op. 10
no. 1
Conradin Kreutzer (1780-1849), Op. 34 no. 3 (1806), from Neun
Wanderlieder von Uhland
Will ruhen unter den Bäumen hier,
Die Vögelein hör' ich so gerne,
Wie singet ihr so zum Herzen mir?
Von unsrer Liebe was wisset ihr
In dieser weiten Ferne?
Will ruhen hier an des Baches Rand,
Wo duftige Blümlein sprießen.
Wer hat euch Blümlein hierher gesandt?
Seid ihr ein herzliches Liebespfand
Aus der Ferne von meiner Süßen?
Op.19
n.4 "Ich hör' meinen Schatz"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), July 1809
Music by Johannes Brahms, "Der Schmied", Op. 19 no. 4 (1859)
See also:
Adolf Jensen (1837-1879), "Der Schmied", Op. 24 no. 6 (1864).
Robert Schumann (1810-1856), "Der
Schmidt", Op. 145 no. 1 (1849)
Ich hör' meinen Schatz,
Den Hammer er schwinget,
Das rauschet, das klinget,
Das dringt in die Weite,
Wie Glockengeläute,
Durch Gassen und Platz.
Am schwarzen Kamin,
Da sitzet mein Lieber,
Doch geh' ich vorüber,
Die Bälge dann sausen,
Die Flammen aufbrausen
Und lodern um ihn.
Op.19
n.5 "An eine Äolsharfe"
Text by Eduard Mörike (1804-1875), first published in Gedichtsammlung, 1838
Music by Johannes Brahms, "Der Schmied" (The blacksmith), Op. 19 no. 5 (1858)
See also:
Hugo Wolf (1860-1903),
from Mörike-Lieder, no. 11
Angelehnt an die Efeuwand
Dieser alten Terrasse,
Du, einer luftgebor'nen Muse
Geheimnisvolles Saitenspiel,
Fang' an,
Fange wieder an
Deine melodische Klage!
Ihr kommet, Winde, fern herüber,
Ach! von des Knaben,
Der mir so lieb war,
Frischgrünendem Hügel.
Und Frühlingsblüten unterweges streifend,
Übersättigt mit Wohlgerüchen,
Wie süß, wie süß bedrängt ihr dies Herz!
Und säuselt her in die Saiten,
Angezogen von wohllautender Wehmut,
Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,
Und hinsterbend wieder.
Aber auf einmal,
Wieder Wind heftiger herstößt,
Ein holder Schrei der Harfe
Wiederholt mir zu süßem Erschrecken
Meiner Seele plötzliche Regung,
Und hier, die volle Rose streut geschüttelt
All' ihre Blätter vor meine Füße!
Op.28
n.3 "Es rauschet das Wasser"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Jery und Bätely
Music by Johannes Brahms, Op. 28 no. 3 (1862)
Es rauschet das Wasser und bleibet nicht steh'n;
Gar lustig die Sterne am Himmel hingeh'n;
Gar lustig die Wolken am Himmel hinzieh'n
So rauschet die Liebe und fähret dahin.
Es rauschen die Wasser, die Wolken zergeh'n;
Doch bleiben die Sterne, sie wandeln und gehn.
So auch mit der Liebe, der treuen, geschicht,
Sie wegt sich, sie regt sich und ändert sich nicht.
Op.30
"Laß dich nur nichts nicht dauern"
Text by Paul Fleming (1609-1640)
Music by Johannes Brahms, Op. 30 (choral: soprano,
alto, tenor, bass with organ), 1856 "Geistliches Lied"
See also:
Felix
Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Op. 8 no. 5 (publ. 1828),
"Pilgerspruch"
Max Reger (1873-1916), Op. 137 no. 9 (1914)
Laß dich nur nichts nicht dauern, mit Trauern
Sei stille! Wie Gott es fügt,
So sei vergnügt mein Wille.
Was willt du viel dich sorgen auf morgen?
Der Eine steht allem für,
Der gibt auch dir das Deine.
Sei nur in allem Handel ohn Wandel,
Steh feste! Was Gott beschleußt,
Das ist und heißt das Beste.
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