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Johannes Brahms

(1833 - 1897)

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The Lieder of Johannes Brahms

 

Lieder – complete index


 
Lieder – Index c: opp. 32, 33, 42 and 43:

 
 
Op.32 no.1 "Wie rafft' ich mich auf in der Nacht"
Op.32 no.2 "Nicht mehr zu dir zu gehen"
Op.32 no.3 "Ich schleich' umher"
Op.32 no.4 "Der Strom, der neben mir verrauschte"
Op.32 no.5 "Wehe, so willst du mich wieder"
Op.32 no.6 "Du sprichst, daß ich mich täuschte"
Op.32 no.7 "Bitteres zu sagen denkst du"
Op.32 no.8 "So stehn wir, ich und meine Weide"
Op.32 no.9 "Wie bist du, meine Königin"
Op.33: (15) Romanzen aus L. Tiecks "Magelone"
Op.33 n.1 "Keinen hat es noch gereut"
Op.33 n.2 "Traun! Bogen und Pfeil"
Op.33 n.3 "Sind es Schmerzen, sind es Freuden"
Op.33 n.4 "Liebe kam aus fernen Landen"
Op.33 n.5 "So willst du des Armen"
Op.33 n.6 "Wie soll ich die Freude"
Op.33 n.7 "War es dir, dem diese Lippen bebten"
Op.33 n.8 "Wir müssen uns trennen"
Op.33 n.9 "Ruhe, Süßliebchen, im Schatten"
Op.33 n.10 "Verzweiflung"
Op.33 n.11 "Wie schnell verschwindet"
Op.33 n.12 "Muß es eine Trennung geben"
Op.33 n.13 "Geliebter, wo zaudert"
Op.33 n.14 "Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt"
Op.33 n.15 "Treue Liebe dauert lange"
Op. 42 n. 1 "Hör es klagt die Flöte wieder"
Op.43:
Op.43 n.1 "Von ewiger Liebe"
Op.43 n.2 "Die Mainacht"
Op.43 n.3 "Ich schell' mein Horn"
Op.43 n.4 "Das Lied vom Herrn von Falkenstein" 
 

Op.32 no.1 "Wie rafft' ich mich auf in der Nacht"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835), December 1820
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 1 (September, 1864)
 


 
Wie rafft' ich mich auf in der Nacht, in der Nacht,
Und fühlte mich fürder gezogen,
Die Gassen verließ ich vom Wächter bewacht,
Durchwandelte sacht
In der Nacht, in der Nacht,
Das Tor mit dem gotischen Bogen.
Der Mühlbach rauschte durch felsigen Schacht,
Ich lehnte mich über die Brücke,
Tief unter mir nahm ich der Wogen in Acht,
Die wallten so sacht,
In der Nacht, in der Nacht,
Doch wallte nicht eine zurücke.
Es drehte sich oben, unzählig entfacht
Melodischer Wandel der Sterne,
Mit ihnen der Mond in beruhigter Pracht,
Sie funkelten sacht
In der Nacht, in der Nacht,
Durch täuschend entlegene Ferne.
Ich blickte hinauf in der Nacht, in der Nacht,
Und blickte hinunter aufs neue:
O wehe, wie hast du die Tage verbracht,
Nun stille du sacht
In der Nacht, in der Nacht,
Im pochenden Herzen die Reue!
 
 

Op.32 no.2 "Nicht mehr zu dir zu gehen"
 
Volkslied aus der Moldau, translated to German by Georg Friedrich Daumer (1800-1875)
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 2 (1864)
 


 
Nicht mehr zu dir zu gehen
Beschloß ich und beschwor ich,
Und gehe jeden Abend,
Denn jede Kraft und jeden Halt verlor ich.
Ich möchte nicht mehr leben,
Möcht' augenblicks verderben,
Und möchte doch auch leben
Für dich, mit dir, und nimmer, nimmer sterben.
Ach, rede, sprich ein Wort nur,
Ein einziges, ein klares;
Gib Leben oder Tod mir,
Nur dein Gefühl enthülle mir, dein wahres!
 
 

Op.32 no.3 "Ich schleich' umher"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835), June 1820
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 3 (1864)

See also:

Norbert Burgmüller (1810-1836), "Lied",

Op. 6 no. 3, published 1838
 
Ich schleich' umher, betrübt und stumm,
Du fragst, o frage mich nicht, warum?
Das Herz erschüttert so manche Pein!
Und könnt' ich je zu düster sein?
Der Baum verdorrt, der Duft vergeht,
Die Blätter liegen so gelb im Beet,
Es stürmt ein Schauer mit Macht herein,
Und könnt' ich je zu düster sein?

Op.32 no.4 "Der Strom, der neben mir verrauschte"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835), June 1821
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 4 (September 1864)
 


Der Strom, der neben mir verrauschte, wo ist er nun?
Der Vogel, dessen Lied ich lauschte, wo ist er nun?
Wo ist die Rose, die die Freundin am Herzen trug?
 
Und jener Kuß, der mich berauschte, wo ist er nun?
Und jener Mensch, der ich gewesen, und den ich längst
Mit einem andern ich vertauschte, wo ist er nun?

Op.32 no.5 "Wehe, so willst du mich wieder"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835), June 1821
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 5 (September 1864)
 


Wehe, so willst du mich wieder,
Hemmende Fessel, umfangen?
Auf, und hinaus in die Luft!
Ströme der Seele Verlangen,
Ström' es in brausende Lieder,
Saugend ätherischen Duft!
Strebe dem Wind nur entgegen
Daß er die Wange dir kühle,
Grüße den Himmel mit Lust!
Werden sich bange Gefühle
Im Unermeßlichen regen?
Atme den Feind aus der Brust! 

Op.32 no.6 "Du sprichst, daß ich mich täuschte"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835), August 1819
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 6 (September 1864)
 


Du sprichst, daß ich mich täuschte,
Beschworst es hoch und hehr,
Ich weiß ja doch, du liebtest,
Allein du liebst nicht mehr!
Dein schönes Auge brannte,
Die Küsse brannten sehr,
Du liebtest mich, bekenn es,
Allein du liebst nicht mehr!
Ich zähle nicht auf neue,
Getreue Wiederkehr;
Gesteh nur, daß du liebtest,
Und liebe mich nicht mehr!

Op.32 no.7 "Bitteres zu sagen denkst du"
 
Original Persian text by Hafis (Mohammed Schemsed-din) (ca. 1327-1390)
Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 7 (September 1864)
 


Bitteres zu sagen denkst du;
Aber nun und nimmer kränkst du,
Ob du noch so böse bist.
Deine herben Redetaten
Scheitern an korall'ner Klippe,
Werden all zu reinen Gnaden,
Denn sie müssen, um zu schaden,
Schiffen über eine Lippe,
Die die Süße selber ist.

Op.32 no.8 "So stehn wir, ich und meine Weide"
 
Original Persian text by Hafis (Mohammed Schemsed-din) (ca. 1327-1390), translation to German by Georg Friedrich Daumer (1800-1875)

Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 8 (September 1864)
 


So stehn wir, ich und meine Weide,
So leider miteinander beide.
Nie kann ich ihr was tun zu Liebe,
Nie kann sie mir was tun zu Leide.
Sie kränket es, wenn ich die Stirn ihr
Mit einem Diadem bekleide;
Ich danke selbst, wie für ein Lächeln
Der Huld, für ihre Zornbescheide.

Op.32 no.9 "Wie bist du, meine Königin"
 
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), after the Persian of Hafis (Mohammed
Schemsed-din) (ca. 1327-1390)

Music by Johannes Brahms, Op. 32 no. 9
 


Wie bist du, meine Königin,
Durch sanfte Güte wonnevoll!
Du lächle nur, Lenzdüfte wehn
Durch mein Gemüte, wonnevoll!
Frisch aufgeblühter Rosen Glanz,
Vergleich ich ihn dem deinigen?
Ach, über alles, was da blüht,
Ist deine Blüte wonnevoll!
Durch tote Wüsten wandle hin,
Und grüne Schatten breiten sich,
Ob fürchterliche Schwüle dort
Ohn Ende brüte, wonnevoll!
Laß mich vergehn in deinem Arm!
Es ist ihm ja selbst der Tod,
Ob auch die herbste Todesqual
Die Brust durchwüte, wonnevoll!
 
 


 
(15) Romanzen aus L. Tiecks "Magelone", Op.33
 
Texts by Johann Ludwig Tieck (1773-1853), from Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence

Music by Johannes Brahms, Op. 33 (1861-1869)

Op.33 n.1 "Keinen hat es noch gereut"
Op.33 n.2 "Traun! Bogen und Pfeil"
Op.33 n.3 "Sind es Schmerzen, sind es Freuden"
Op.33 n.4 "Liebe kam aus fernen Landen"
Op.33 n.5 "So willst du des Armen"
Op.33 n.6 "Wie soll ich die Freude"
Op.33 n.7 "War es dir, dem diese Lippen bebten"
Op.33 n.8 "Wir müssen uns trennen"
Op.33 n.9 "Ruhe, Süßliebchen, im Schatten"
Op.33 n.10 "Verzweiflung"
Op.33 n.11 "Wie schnell verschwindet"
Op.33 n.12 "Muß es eine Trennung geben"
Op.33 n.13 "Geliebter, wo zaudert"
Op.33 n.14 "Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt"
Op.33 n.15 "Treue Liebe dauert lange"

Op.33 n.1 "Keinen hat es noch gereut"

Keinen hat es noch gereut,
Der das Roß bestiegen,
Um in frischer Jugendzeit
Durch die Welt zu fliegen.
Berge und Auen,
Einsamer Wald,
Mädchen und Frauen
Prächtig im Kleide,
Golden Geschmeide,
Alles erfreut ihn mit schöner Gestalt.
Wunderlich fliehen
Gestalten dahin,
Schwärmerisch glühen
Wünsche in jugendlich trunkenem Sinn.
Ruhm streut ihm Rosen
Schnell in die Bahn,
Lieben und Kosen,
Lorbeer und Rosen
Führen ihn höher und höher hinan.
Rund um ihn Freuden,
Feinde beneiden,
Erliegend, den Held. -
Dann wählt er bescheiden
Das Fräulein, das ihm nur vor allen gefällt.
Und Berge und Felder
Und einsame Wälder
Mißt er zurück.
Die Eltern in Tränen,
Ach, alle ihr Sehnen -
Sie alle verreinigt das lieblichste Glück.
Sind Jahre verschwunden,
Erzählt er dem Sohn
In traulichen Stunden,
Und zeigt seine Wunden,
Der Tapferkeit Lohn.
So bleibt das Alter selbst noch jung,
Ein Lichtstrahl in der Dämmerung.
 
 

Op.33 n.2 "Traun! Bogen und Pfeil"

Traun! Bogen und Pfeil
Sind gut für den Feind,
Hülflos alleweil
Der Elende weint;
Dem Edlen blüht Heil,
Wo Sonne nur scheint,
Die Felsen sind steil,
Doch Glück ist sein Freund.

Op.33 n.3 "Sind es Schmerzen, sind es Freuden"

Text also set by other composers

Sind es Schmerzen, sind es Freuden,
Die durch meinen Busen ziehn?
Alle alten Wünsche scheiden,
Tausend neue Blumen blühn.
Durch die Dämmerung der Tränen
Seh' ich ferne Sonnen stehn, -
Welches Schmachten? welches Sehnen!
Wag' ich's? soll ich näher gehn?
Ach, und fällt die Träne nieder,
Ist es dunkel um mich her;
Dennoch kömmt kein Wunsch mir wieder,
Zukunft ist von Hoffnung leer.
So schlage denn, strebendes Herz,
So fließet denn, Tränen, herab,
Ach, Lust ist nur tieferer Schmerz,
Leben ist dunkles Grab, -
Ohne Verschulden
Soll ich erdulden?
Wie ist's, daß mir im Traum
Alle Gedanken
Auf und nieder schwanken!
Ich kenne mich noch kaum.
O, hört mich, ihr gütigen Sterne,
O höre mich, grünende Flur,
Du, Liebe, den heiligen Schwur:
Bleib' ich ihr ferne,
Sterb' ich gerne.
Ach, nur im Licht von ihrem Blick
Wohn Leben und Hoffnung und Glück! 

Op.33 n.4 "Liebe kam aus fernen Landen"

Liebe kam aus fernen Landen
Und kein Wesen folgte ihr,
Und die Göttin winkte mir,
Schlang mich ein mit süßen Banden.
Da begann ich Schmerz zu fühlen,
Tränen dämmerten den Blick:
Ach! was ist der Liebe Glück,
Klagt' ich, wozu dieses Spielen?
Keinen hab' ich weit gefunden,
Sagte lieblich die Gestalt,
Fühle du nun die Gewalt,
Die die Herzen sonst gebunden.
Alle meine Wünsche flogen
In der Lüfte blauen Raum,
Ruhm schien mir ein Morgentraum,
Nur ein Klang der Meereswogen.
Ach! wer löst nun meine Ketten?
Denn gefesselt ist der Arm,
Mich umfleucht der Sorgen Schwarm;
Keiner, keiner will mich retten?
Darf ich in den Spiegel schauen,
Den die Hoffnung vor mir hält?
Ach, wie trügend ist die Welt!
Nein, ich kann ihr nicht vertrauen.
 
O, und dennoch laß nicht wanken,
Was dir nur noch Stärke gibt,
Wenn die Einz'ge dich nicht liebt,
Bleib nur bittrer Tod dem Kranken.

Op.33 n.5 "So willst du des Armen"

So willst du des Armen
Dich gnädig erbarmen?
So ist es kein Traum?
Wie rieseln die Quellen,
Wie tönen die Wellen,
Wie rauschet der Baum!
Tief lag ich in bangen
Gemäuern gefangen,
Nun grüßt mich das Licht!
Wie spielen die Strahlen!
Sie blenden und malen
Mein schüchtern Gesicht.
Und soll ich es glauben?
Wird keiner mir rauben
Den köstlichen Wahn?
Doch Träume entschweben,
Nur lieben heißt leben;
Willkommene Bahn!
Wie frei und wie heiter!
Nicht eile nun weiter,
Den Pilgerstab fort!
Du hast überwunden,
Du hast ihn gefunden,
Den seligsten Ort!

Op.33 n.6 "Wie soll ich die Freude"
 

Wie soll ich die Freude,
Die Wonne denn tragen?
Daß unter dem Schlagen
Des Herzens die Seele nicht scheide?
Und wenn nun die Stunden
Der Liebe verschwunden,
Wozu das Gelüste,
In trauriger Wüste
Noch weiter ein lustleeres Leben zu ziehn,
Wenn nirgend dem Ufer mehr Blumen erblühn?
Wie geht mit bleibehangnen Füßen
Die Zeit bedächtig Schritt vor Schritt!
Und wenn ich werde scheiden müssen,
Wie federleicht fliegt dann ihr Tritt!
Schlage, sehnsüchtige Gewalt,
In tiefer, treuer Brust!
Wie Lautenton vorüberhallt,
Entflieht des Lebens schönste Lust.
Ach, wie bald
Bin ich der Wonne mir kaum noch bewußt.
Rausche, rausche weiter fort,
Tiefer Strom der Zeit,
Wandelst bald aus Morgen Heut,
Gehst von Ort zu Ort;
Hast du mich bisher getragen,
Lustig bald, dann still,
Will es nun auch weiter wagen,
Wie es werden will.
Darf mich doch nicht elend achten,
Da die Einz'ge winkt,
Liebe läßt mich nicht verschmachten,
Bis dies Leben sinkt!
Nein, der Strom wird immer breiter,
Himmel bleibt mir immer heiter,
Fröhlichen Runderschlags fahr' ich hinab,
Bring' Liebe und Leben zugleich an das Grab.

Op.33 n.7 "War es dir, dem diese Lippen bebten"
 
War es dir, dem diese Lippen bebten,
Dir der dargebotne süße Kuß?
Gibt ein irdisch Leben so Genuß?
Ha! wie Licht und Glanz vor meinen Augen schwebten,
Alle Sinne nach den Lippen strebten!
In den klaren Augen blickte
Sehnsucht, die mir zärtlich winkte,
Alles klang im Herzen wieder,
Meine Blicke sanken nieder,
Und die Lüfte tönten Liebeslieder.
Wie ein Sternenpaar
Glänzten die Augen, die Wangen
Wiegten das goldene Haar,
Blick und Lächeln schwangen
Flügel, und die süßen Worte gar
Weckten das tiefste Verlangen;
O Kuß, wie war dein Mund so brennend rot!
Da starb ich, fand ein Leben erst im schönsten Tod.

Op.33 n.8 "Wir müssen uns trennen"

Wir müssen uns trennen,
Geliebtes Saitenspiel,
Zeit ist es, zu rennen
Nach dem fernen, erwünschten Ziel.
Ich ziehe zum Streite,
Zum Raube hinaus,
Und hab' ich die Beute,
Dann flieg' ich nach Haus.
Im rötlichen Glanze
Entflieh' ich mit ihr,
Es schützt uns die Lanze,
Der Stahlharnisch hier.
Kommt, liebe Waffenstücke,
Zum Scherz oft angetan,
Beschirmet jetzt mein Glücke
Auf dieser neuen Bahn!
Ich werfe mich rasch in die Wogen,
Ich grüße den herrlichen Lauf,
Schon mancher ward niedergezogen,
Der tapfere Schwimmer bleibt obenauf.
Ha! Lust zu vergeuden
Das edele Blut!
Zu schützen die Freude,
Mein köstliches Gut!
Nicht Hohn zu erleiden,
Wem fehlt es an Mut?
Senke die Zügel,
Senke die Zügel,
Glückliche Nacht!
Spanne die Flügel,
Daß über ferne Hügel
Uns schon der Morgen lacht! 

Op.33 n.9 "Ruhe, Süßliebchen, im Schatten"

Text also set by other composers

 
Ruhe, Süßliebchen, im Schatten
Der [grünen], dämmernden Nacht:
Es säuselt das Gras auf den Matten,
Es fächelt und kühlt dich der Schatten
Und treue Liebe wacht.
Schlafe, schlaf ein,
Leiser rauscht der Hain,
Ewig bin ich dein.
Schweigt, ihr versteckten Gesänge,
Und stört nicht die süßeste Ruh'!
Es lauschet der Vögel Gedränge,
Es ruhen die lauten Gesänge,
Schließ, Liebchen, dein Auge zu.
Schlafe, schlaf ein,
Im dämmernden Schein,
Ich will dein Wächter sein.
Murmelt fort, ihr Melodien,
Rausche nur, du stiller Bach.
Schöne Liebesphantasien
Sprechen in den Melodien,
Zarte Träume schwimmen nach.
Durch den flüsternden Hain
Schwärmen goldne Bienelein
Und summen zum Schlummer dich ein.

Op.33 n.10 "Verzweiflung"

 
So tönet denn, schäumende Wellen,
Und windet euch rund um mich her!
Mag Unglück doch laut um mich bellen,
Erbost sein das grausame Meer!
Ich lache den stürmenden Wettern,
Verachte den Zorngrimm der Flut;
O, mögen mich Felsen zerschmettern!
Denn nimmer wird es gut.
Nicht klag' ich, und mag ich nun scheitern,
Im wäßrigen Tiefen vergehn!
Mein Blick wird sich nie mehr erheitern,
Den Stern meiner Liebe zu sehn.
So wälzt euch bergab mit Gewittern,
Und raset, ihr Stürme, mich an,
Daß Felsen an Felsen zersplittern!
Ich bin ein verlorener Mann.

Op.33 n.11 "Wie schnell verschwindet"

 
Wie schnell verschwindet
So Licht als Glanz,
Der Morgen findet
Verwelkt den Kranz,
Der gestern glühte
In aller Pracht,
Denn er verblühte
In dunkler Nacht.
Es schwimmt die Welle
Des Lebens hin,
Und färbt sich helle,
Hat's nicht Gewinn;
Die Sonne neigert,
Die Röte flieht,
Der Schatten steiget
Und Dunkel zieht.
So schwimmt die Liebe
Zu Wüsten ab,
Ach, daß sie bliebe
Bis an das Grab!
Doch wir erwachen
Zu tiefer Qual:
Es bricht der Nachen,
Es löscht der Strahl.
Vom schönen Lande
Weit weggebracht
Zum öden Strande,
Wo um uns Nacht.

Op.33 n.12 "Muß es eine Trennung geben"
 


Muß es eine Trennung geben,
Die das treue Herz zerbricht?
Nein, dies nenne ich nicht leben,
Sterben ist so bitter nicht.
Hör' ich eines Schäfers Flöte,
Härme ich mich inniglich,
Seh' ich in die Abendröte,
Denk' ich brünstiglich an dich.
Gibt es denn kein wahres Lieben?
Muß denn Schmerz und Trennung sein?
Wär' ich ungeliebt geblieben,
Hätt' ich doch noch Hoffnungsschein.
Aber so muß ich nun klagen:
Wo ist Hoffnung, als das Grab?
Fern muß ich mein Elend tragen,
Heimlich bricht das Herz mir ab.

Op.33 n.13 "Geliebter, wo zaudert"

Text also set by other composers

Geliebter, wo zaudert
Dein irrender Fuß?
Die Nachtigall plaudert
Von Sehnsucht und Kuß.
Es flüstern die Bäume
Im goldenen Schein,
Es schlüpfen mir Träume
Zum Fenster hinein.
Ach! kennst du das Schmachten
Der klopfenden Brust?
Dies Sinnen und Trachten
Voll Qual und voll Lust?
Beflügle die Eile
Und rette mich dir,
Bei nächtlicher Weile
Entfliehn wir von hier.
Die Segel, sie schwellen,
Die Furcht ist nur Tand:
Dort, jenseit den Wellen
Ist väterlich Land.
Die Heimat entfliehet,
So fahre sie hin!
Die Liebe, sie ziehet
Gewaltig den Sinn.
Horch! wollüstig klingen
Die Wellen im Meer,
Sie hüpfen und springen
Mutwillig einher,
Und sollten sie klagen?
Sie rufen nach dir!
Sie wissen, sie tragen
Die Liebe von hier.

Op.33 n.14 "Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt"

 
Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt,
Zurück bleibt alles Bangen,
Die Brust mit neuem Mute strebt,
Erwacht ein neu Verlangen.
Die Sterne spiegeln sich im Meer,
Und golden glänzt die Flut.
Ich rannte taumelnd hin und her,
Und war nicht schlimm, nicht gut.
Doch niedergezogen
Sind Zweifel und wankender Sinn;
O tragt mich, ihr schaukelnden Wogen,
Zur längst ersehnten Heimat hin.
In lieber, dämmernder Ferne,
Dort rufen heimische Lieder,
Aus jeglichem Sterne
Blickt sie mit sanftem Auge nieder.
Ebne dich, du treue Welle,
Führe mich auf fernen Wegen
Zu der vielgeliebten Schwelle,
Endlich meinem Glück entgegen!

Op.33 n.15 "Treue Liebe dauert lange"

 
Treue Liebe dauert lange,
Überlebet manche Stund',
Und kein Zweifel macht sie bange,
Immer bleibt ihr Mut gesund.
Dräuen gleich in dichten Scharen,
Fordern gleich zum Wankelmut
Sturm und Tod, setzt den Gefahren
Lieb' entgegen, treues Blut.
Und wie Nebel stürzt zurücke,
Was den Sinn gefangen hält,
Und dem heitern Frühlingsblicke
Öffnet sich die weite Welt.
Errungen,
Bezwungen
Von Lieb' ist das Glück,
Verschwunden
Die Stunden,
Sie fliehen zurück;
Und selige Lust,
Sie stillet,
Erfüllet
Die trunkene, wonneklopfende Brust;
Sie scheide
Von Leide
Auf immer,
Und nimmer
Entschwinde die liebliche, selige, himmlische Lust!

Op. 42 n. 1 "Hör es klagt die Flöte wieder"
 
Text by Clemens Maria Wenzeslaus von Brentano (1778-1842), from the Singspiel "Die
Musikanten"

Music by Johannes Brahms, Op. 42 no. 1, "Abendständchen" (1859)

See also:

Louis Ferdinand, Prinz von Preußen (b. 1907), "Abendständchen", published 1955
Robert Gund (1865-1927), Op. 34 no. 5, "Abendständchen" (1904)
Luise Reichardt (1779-1826), "Duettino", published 1819
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), Op. 16 no. 7, "Abendständchen" (1937-8)

 
 
Knabe

Hör es klagt die Flöte wieder

Und die kühlen Brunnen rauschen,
 
Blinder

Holder wehn die Töne nieder
Stille, stille, laß und lauschen.
 
Knabe

Holdes Bitten mild Verlangen
Wie es süß zum Herzen spricht!
 
Blinder

Durch die Nacht die mich umfangen
Blick zu mir der Töne licht.

Op.43 n.1 "Von ewiger Liebe"
 
Text by Josef Wenzig (1807-1876)
Music by Johannes Brahms, Op. 43 no. 1 (1864)
 


Dunkel, wie dunkel in Wald und in Feld!
Abend schon ist es, nun schweiget die Welt.
Nirgend noch Licht und nirgend noch Rauch,
Ja, und die Lerche sie schweiget nun auch.
Kommt aus dem Dorfe der Bursche heraus,
Gibt das Geleit der Geliebten nach Haus,
Führt sie am Weidengebüsche vorbei,
Redet so viel und so mancherlei:
"Leidest du Schmach und betrübest du dich,
Leidest du Schmach von andern um mich,
Werde die Liebe getrennt so geschwind,
Schnell wie wir früher vereiniget sind.
Scheide mit Regen und scheide mit Wind,
Schnell wie wir früher vereiniget sind."
Spricht das Mägdelein, Mägdelein spricht:
"Unsere Liebe sie trennet sich nicht!
Fest ist der Stahl und das Eisen gar sehr,
Unsere Liebe ist fester noch mehr.
 
Eisen und Stahl, man schmiedet sie um,
Unsere Liebe, wer wandelt sie um?
Eisen und Stahl, sie können zergehn,
Unsere Liebe muß ewig bestehn!"

Op.43 n.2 "Die Mainacht"
 
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Johannes Brahms, Op. 43 no. 2

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), Op. 9 no. 6
Franz Schubert (1797-1828), D. 194 (May 1815), first published in 1894

Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,
Und die Nachtigall flötet,
Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.
Selig preis ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
Ihrem singenden Gatten
Tausend trauliche Küße gibt.
Überhüllet von Laub girret ein Taubenpaar
Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
Suche dunklere Schatten,
Und die einsame Träne rinnt.
Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenrot
Durch die Seele mir strahlt, find ich auf Erden dich?
Und die einsame Träne
Bebt mir heißer die Wang herab!

Op.43 n.3 "Ich schell' mein Horn"
 
Text: Volkslied
Music by Johannes Brahms, Op. 43 no. 3 (1857) 

Ich schell' mein Horn ins Jammertal,
Mein Freud' ist mir verschwunden,
Ich hab' gejagt, muß abelahn,
Das Wild lauft vor den Hunden.
Ein edel Tier in diesem Feld
Hatt' ich mir auserkoren,
Das schied von mir, als ich wohl spür',
Mein Jagen ist verloren.
Fahr hin, Gewild, in Waldes Lust!
Ich will dir nimmer schrecken
Mit Jagen dein' schneeweiße Brust,
Ein ander muß dich wecken
Mit Jägers Schrei und Hundebiß,
Daß du nit magst entrinnen;
Halt dich in Hut, mein Tierle gut!
Mit Leid scheid' ich von hinnen.
Kein Hochgewild ich fahen kann,
Das muß ich oft entgelten,
Noch halt ich stät' auf Jägers Bahn,
Wie wohl mir Glück kommt selten.
Mag mir nit g'bürn ein Hochwild schön,
So laß ich mich begnügen
An Hasenfleisch, nit mehr ich heisch,
Das mag mich nit betrügen. 

Op.43 n.4 "Das Lied vom Herrn von Falkenstein"
 
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Johannes Brahms, Op. 43 no. 4 (1857)
 


Es reit' der Herr von Falkenstein
Wohl über ein' breite Heide.
Was sieht er an dem Wege stehn?
Ein Mädel mit weißem Kleide.
"Gott grüße euch, Herrn von Falkenstein!
Seid ihr des Lands ein Herre,
Ei so gebt mir wieder den Gefangenen mein
Um aller Jungfrauen Ehre!"
Den Gefangenen mein, den geb' ich nicht,
Im Turm muß er verfaulen!
Zu Falkenstein steht ein tiefer Turm,
Wohl zwischen zwei hohen Mauren.
"Steht zu Falkenstein ein tiefer Turm
Wohl zwischen zwei hohen Mauren,
So will ich an die Mauren stehn,
Und will ihm helfen trauren."
 
Sie ging den Turm wohl um und wieder um:
"Feinslieb, bist du darinnen?
Und wenn ich dich nicht sehen kann,
So komm' ich von meinen Sinnen."
Sie ging den Turm wohl um und wieder um,
Den Turm wollt' sie aufschließen:
"Und wenn die Nacht ein Jahr lang wär',
Kein Stund' tät' mich verdrießen!
Ei, dörft ich scharfe Messer trag'n,
Wie unser's Herrn sein' Knechte,
So tät' ich mit Dem von Falkenstein
Um meinen Herzliebsten fechten!"
Mit einer Jungfrau fecht' ich nicht,
Das wär' mir eine Schande!
Ich will dir deinen Gefang'nen geb'n,
Zieh mit ihm aus dem Lande.
"Wohl aus dem Land da zieh' ich nicht,
Hab' niemand was gestohlen;
Und wenn ich was hab' liegen lahn,
So darf ich's wieder holen."