Lieder
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Lieder Index d, opp. 44, 46, 47, 48, 49, 53,
54, 57 and 58:
Op.44 n.6 "Die Nonne"
Op.46 n.1 "Die Kränze"
Op.46 n.2 "Magyarisch"
Op.46 n.3 "Die Schale der Vergessenheit"
Op.46 n.4 "An die Nachtigall"
Op.47 n.1 "Botschaft"
Op.47 n.2 "Liebesglut"
Op.47 n.3 "Sonntag"
Op.47 n.4 "O liebliche Wangen"
Op.47 n.5 "Die Liebende schreibt"
Op.48 n.1 "Der Gang zum Liebchen"
Op.48 n.2 "Der Überläufe"
Op.48 n.3 "Wer sehen will zween lebendige Brunnen"
Op.48 n.4 "Gold überwiegt die Liebe"
Op.48 n.5 "Trost in Tränen"
Op.48 n.6 "Vergangen ist mir Glück und Heil"
Op.48 n.7 "Herbstgefühl"
Op.49 n.1 "Am Sonntag Morgen"
Op.49 n.2 "An ein Veilchen"
Op.49 n.3 "Sehnsucht"
Op.49 n.4 "Wiegenlied"
Op.49 n.5 "Abenddämmerung"
Op. 53 "Alto Rhapsody"
Op. 54 "Hyperions Schicksalslied"
Op.57 n.1 "Von waldbekränzter Höhe"
Op.57 n.2 "Wenn du nur zuweilen lächelst"
Op.57 n.3 "Es träumte mir"
Op.57 n.4 "Ach, wende diesen Blick"
Op.57 n.5 "In meiner Nächte Sehnen"
Op.57 n.6 "Strahlt zuweilen auch ein mildes Licht"
Op.57 n.7 "Die Schnur, die Perl' an Perle"
Op.57 n.8 "Unbewegte laue Luft"
Op.58 n.1 "Blindekuh"
Op.58 n.2 "Während des Regens"
Op.58 n.3 "Die Spröde"
Op.58 n.4 "O komme, holde Sommernacht"
Op.58 n.5 "Schwermut"
Op.58 n.6 "In der Gasse"
Op.58 n.7 "Vorüber"
Op.58 n.8 "Serenade"
Op.44 n.6 "Die
Nonne"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Johannes Brahms, Op. 44 no. 6 (1859-60?)
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), Op. 9 no. 12
Joachim Raff (1822-1882), Op.
98 no. 21 (1855-63), from Sanges-Frühling
Im stillen Klostergarten eine bleiche Jungfrau ging.
Der Mond beschien sie trübe,
An ihrer Wimper hing
Die Thräne zarter Liebe.
"O wohl mir, daß gestorben der treue Buhle mein!
Ich darf ihn wieder lieben:
Er wird ein Engel sein,
Und Engel darf ich lieben."
Sie trat mit zagem Schritte wohl zum Mariabild;
Es stand im lichten Scheine,
Es sah so muttermild
Herunter auf die Reine.
Sie sank zu seinen Füßen, sah auf mit Himmelsruh',
Bis ihre Augenlider
Im Tode fielen zu:
Ihr Schleier wallte nieder.
Op.46 n.1 "Die
Kränze"
Text: from the Greek, german translation by Georg Friedrich Daumer (1800-1875),
"Antike Musen: Hellas", from Polydora, ein weltpoetisches Liederbuch
(Frankfurt-am-Main, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 46 no. 1 (1864), first performed 1873
Hier ob dem Eingang seid befestiget,
Ihr Kränze, so beregnet und benetzt
Von meines Auges schmerzlichem Erguß!
Dennn reich zu tränen pflegt das Aug' der Liebe.
Dies zarte Naß, ich bitte,
Nicht allzu frühe träufet es herab.
Spart es, bis ihr vernehmet, daß sie sich
Der Schwelle naht mit ihrem Grazienschritte,
Die Teuere, die mir so ungelind.
Mit einem Male dann hernieder sei es
Auf ihres Hauptes gold'ne Prahct ergossen,
Und sie empfinde, daß es Tränen sind;
Daß es die Tränen sind, die meinem Aug'
In dieser kummervollen Nacht entflossen.
Op.46 n.2 "Magyarisch"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from Polydora, ein weltpoetisches Liederbuch
(Frankfurt-am-Main, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 46 no. 2 (1868), first performed 1869
Sah dem edlen Bildnis in des Auges
Allzusüßen Wunderschein,
Büßte so des eigenen Auges heitern
Schimmer ein.
Herr mein Gott, was hast du doch gebildet
Uns zu Jammer und zu Qual
Solche dunkle Sterne mit so lichtem
Zauberstrahl!
Mich geblendet hat für alle Wonnen
Dieser Erde jene Pracht;
All umher, wo meine Blicke forschen,
Ist es Nacht.
Op.46 n.3 "Die Schale der
Vergessenheit"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776), 1776 (not published), revised by
Johann Heinrich Voss (1751-1826)
Music by Johannes Brahms, Op. 46 no. 3
Eine Schale des Stroms, welcher Vergessenheit
Durch Elysiums Blumen rollt,
Bring, o Genius, bring deinem Verschmachtenden!
Dort, wo Phaon die Sängerin,
Dort, wo Orpheus vergaß seiner Eurydike,
Schöpf den silbernen Schlummerquell!
Ha! Dann tauch' ich dein Bild, spröde Gebieterin,
Und die lächelnde Lippe voll
Lautenklanges, des Haars schattige Wallungen,
Und das Beben der weißen Brust,
Und den siegenden Blick, der mir im Marke zuckt,
Tauch' ich tief in den Schlummerquell.
Op.46 n.4 "An die
Nachtigall"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776) and Johann Heinrich Voss (1751-1826)
Music by Johannes Brahms, Op. 46 no. 4 (1868), first performed 1874
See also:
Schubert.html(1797-1828), D. 196 (May 22, 1815), first
published in 1865 as Op. posth. 172 no. 3
Geuß nicht so laut der liebentflammten Lieder
Tonreichen Schall
Vom Blütenast des Apfelbaums hernieder,
O Nachtigall!
Du tönest mir mit deiner süßen Kehle
Die Liebe wach;
Denn schon durchbebt die Tiefen meiner Seele
Dein schmelzend "Ach".
Dann flieht der Schlaf von neuem dieses Lager,
Ich starre dann
Mit naßem Blick und totenbleich und hager
Den Himmel an.
Fleuch, Nachtigall, in grüne Finsternisse,
Ins Haingesträuch,
Und spend im Nest der treuen Gattin Küsse,
Entfleuch, Entfleuch!
Op.47 n.1 "Botschaft"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875) after a Persian text by Hafis (Mohammed
Schemsed-din, ca. 1327-1390)
Music by Johannes Brahms, Op. 47 no. 1 (1868), first performed 1871
Wehe, Lüftchen, lind und lieblich
Um die Wange der Geliebten,
Spiele zart in ihrer Locke,
Eile nicht hinwegzufliehn!
Tut sie dann vielleicht die Frage,
Wie es um mich Armen stehe;
Sprich: "Unendlich war sein Wehe,
Höchst bedenklich seine Lage;
Aber jetzo kann er hoffen
Wieder herrlich aufzuleben,
Denn du, Holde,
Denkst an ihn."
Op.47 n.2 "Liebesglut"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875) after a Persian text by Hafis (Mohammed
Schemsed-din, ca. 1327-1390)
Music by Johannes Brahms, Op. 47 no. 2 (1868), first performed 1888
Die Flamme hier, die wilde, zu verhehlen,
Die Schmerzen alle, welche mich zerquälen,
Vermag ich es, da alle Winde ringsum
Die Gründe meiner Traurigkeit erzählen?
Daß ich ein Stäubchen deines Weges stäube,
Wie magst du doch, o sprich, wie darfst du schmählen?
Verklage dich, verklage das Verhängnis,
Das waltet über alle Menschenseelen!
Da selbiges verordnete, das ewige,
Wie alle sollten ihre Wege wählen,
Da wurde deinem Lockenhaar der Auftrag,
Mir Ehre, Glauben und Vernunft zu stehlen.
Op.47 n.3 "Sonntag"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder
(Stuttgart and Tübingen, 1844-5)
Music by Johannes Brahms, Op. 47 no. 3 (1859), first performed 1871
See also:
Max Reger (1873-1916), Op.
98 no. 3 (1906)
So hab' ich doch die ganze Woche
Mein feines Liebchen nicht geseh'n,
Ich sah es an einem Sonntag
Wohl vor der Türe steh'n:
Das tausendschöne Jungfräulein,
Das tausendschöne Herzelein,
Wollte Gott, wollte Gott, ich wär' heute bei ihr!
So will mir doch die ganze Woche
Das Lachen nicht vergeh'n,
Ich sah es an einem Sonntag
Wohl in die Kirche geh'n:
Das tausendschöne Jungfräulein,
Das tausendschöne Herzelein,
Wollte Gott, wollte Gott, ich wär' heute bei ihr!
Op.47 n.4 "O liebliche
Wangen"
Text by Paul Flem[m]ing (1609-1640), Geistliche und weltliche Poemata (Jena, 1651)
Music by Johannes Brahms, Op. 47 no. 4 (1868), first performed 1887
O liebliche Wangen,
Ihr macht mir Verlangen,
Dies rote, dies weiße
Zu schauen mit Fleiße.
Und dies nur alleine
Ist's nicht, [was] ich meine;
Zu schauen, zu grüssen,
Zu rühren, zu küssen!
Ihr macht mir Verlangen,
O liebliche Wangen!
O Sonne der Wonne!
O Wonne der Sonne!
O Augen, so saugen
Das Licht meiner Augen.
O englische Sinnen!
O himmlisch Beginnen!
O Himmel auf Erden,
Magst du mir nicht werden,
O Wonne der Sonne!
O Sonne der Wonne!
O Schönste der Schönen!
Benimm mir dies Sehnen,
Komm, eile, komm, komme,
Du süße, du fromme!
Ach, Schwester, ich sterbe,
Ich sterb', ich verderbe,
Komm, [komme, komm, eile],
Benimm mir dies Sehnen,
O Schönste der Schönen!
Op.47 n.5 "Die Liebende
schreibt"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), 8th sonnet of Sämtliche Gedichte
Music by Johannes Brahms, Op. 47 no. 5, composed 1858, first performed 1893
See also:
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Op. 86
no. 3
Franz Schubert (1797-1828),
D. 673, composed 1819
Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
Wer davon hat, wie ich, gewiße Kunde,
Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?
Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
Führ' ich stets die Gedanken in die Runde
Und immer treffen sie auf jene Stunde,
Die einzige: da fang' ich an zu weinen.
Die Träne trocknet wieder unversehens:
Er liebt ja, denk' ich, hier in diese Stille,
O solltest du nicht in die Ferne reichen?
Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens;
Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!
Op.48 n.1 "Der Gang zum
Liebchen"
Volkslied aus dem Böhmischen, text by Josef Wenzig (1807-1876), Slawische Volkslieder
(Halle, 1830)
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 1, first published: 1868
Es glänzt der Mond nieder,
Ich sollte doch wieder
Zu meinem Liebchen,
Wie mag es ihr geh'n?
Ach weh', sie verzaget
Und klaget, und klaget,
Daß sie mich nimmer
Im Leben wird seh'n!
Es ging der Mond unter,
Ich eilte doch munter,
Und eilte daß keiner
Mein Liebchen entführt.
Ihr Täubchen, o girret,
Ihr Lüftchen, o schwirret,
Daß keiner mein Liebchen,
Mein Liebchen entführt!
Op.48 n.2 "Der
Überläufe"
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 2 (1853), first performed 1890
In den Garten wollen wir gehen,
Wo die schönen Rosen stehen,
Da stehn der Rosen gar zu viel,
Brech' ich mir eine, wo ich will.
Wir haben gar öfters beisammen gesessen,
Wie ist mir mein Schatz so treu gewesen?
Das hätt' ich mir nicht gebildet ein,
Daß mein Schatz so falsch könnt' sein.
Hört ihr nicht den Jäger blasen
In dem Wald auf grünem Rasen,
Den Jäger mit dem grünen Hut,
Der meinen Schatz verführen tut.
[Hört ihr nicht den Trompeter blasen,
In der Stadt auf der Parade?
Den Trompeter mit dem Federbusch,
Der meinen Schatz verraten tut.]
Op.48 n.3 "Wer sehen will zween
lebendige Brunnen"
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 3, "Liebesklage des Mädchens"
See also:
Erich J. Wolff (1874-1913), "Wer sehen will zween lebendige
Brunnen", Lieder no. 56, published 1914
Wer sehen will zween lebendige Brunnen,
Der soll mein' zwei betrübte Augen seh'n,
Die mir vor Weinen schier sind ausgerunnen,
Wer sehen will viel groß' und tiefe Wunden,
Der soll mein sehr verwund'tes Herz beseh'n,
So hat mich Liebe verwund't im tiefsten Grunde.
Op.48 n.4 "Gold überwiegt die
Liebe"
Volkslied, german translation from the Bohemian by Josef Wenzig (1807-1876), from
Slawische Volkslieder (Halle, 1830)
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 4, first performed 1869
Sternchen mit dem trüben Schein,
Könntest du doch weinen!
Hättest du ein Herzelein,
O, du gold'nes Sternlein mein,
Möchtest Funken weinen.
Weintest mit mir, weintest laut
Nächte durch voll Leiden,
Daß sie mich vom Liebsten traut,
Um das Gold der reichen Braut
Mich vom Liebsten scheiden.
Op.48 n.5 "Trost in
Tränen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 5 (1858)
See also:
Ludwig Berger (1777-1839), Op. 33 no. 2
Peter Cornelius (1824-1874), Op. 14 (1872)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
Op. 80, ii, 2 (1836)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1805-6
Franz Schubert (1797-1828),
D. 120 (November 30. 1814), first published in 1835
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), Op. 53 no. 5 (1815?), from
Gedichte von Goethe, I, 5
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1803
Wie kommst, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dirs an den Augen an,
Gewiß, du hast geweint.
"Und hab ich einsam auch geweint,
So ists mein eigner Schmerz,
Und Tränen fliessen gar so süß,
Erleichtern mir das Herz."
Die frohen Freunde laden dich,
O komm an unsre Brust!
Und was du auch verloren hast,
Vertraue den Verlust.
"Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht,
Was mich, den Armen, quält.
Ach nein, verloren hab ichs nicht,
So sehr es mir auch fehlt."
So raffe dich denn eilig auf,
Du bist ein junges Blut.
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Mut.
"Ach nein, erwerben kann ichs nicht,
Es steht mir gar zu fern.
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,
Wie droben jener Stern."
Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.
"Und mit Entzücken blick ich auf,
So manchen lieben Tag;
Verweinen laßt die Nächte mich,
Solang ich weinen mag."
Op.48 n.6 "Vergangen ist mir
Glück und Heil"
Text:Volkslied
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 6, published in 1868
Vergangen ist mir Glück und Heil
Und alle Freud' auf Erden;
Elend bin ich verloren gar,
Mir mag nit besser werden.
Bis in den Tod
Leid' ich groß Not,
So ich dich, Lieb, muß meiden,
Geschieht mir, ach,
O weh der Sach'!
Muß ich mich dein verjehen,
Groß Leid wird mir geschehen.
Erbarmen tu ich mich so hart,
Das kommt aus Buhlers Hulde,
Die mich in Angst und Not hat bracht,
Und williglich das dulde.
Um dich allein,
Herzliebste mein,
Ist mir kein Bürd' zu schwere,
Wär's noch so viel,
Ich dennoch will
In deinem Dienst ersterben,
Nach fremder Lieb' nit werben.
Um Hülf' ich ruf', mein höchster Hort,
Erhör mein sehnlich Klagen!
Schaff mir, Herzlieb, dein' Botschaft schier,
Ich muß sonst vor Leid verzagen!
Mein traurig's Herz,
Leid't großen Schmerz,
Wie soll ich's überwinden?
Ich sorg', daß schier
Der Tod mit mir
Will ringen um das Leben,
Tu mir dein Troste geben.
Op.48 n.7 "Herbstgefühl"
Text by Adolf Friedrich, Graf von Schack (1815-1894), from Gedichte (Berlin, 1867)
Music by Johannes Brahms, Op. 48 no. 7 (1867)
Wie wenn vom frost'gen Windhauch tödlich
Des Sommers letzte Blüte krankt,
Und hier und da nur, gelb und rötlich,
Ein einzles Blatt im Windhauch schwankt,
So schauert über mein Leben
Ein nächtig trüber kalter Tag,
Warum noch vor dem Tode beben,
O Herz, mit deinem ew'gen Schlag!
Sieh, rings entblättert das Gestäude!
Was spielst du, wie der Wind am Strauch,
Noch mit der letzten welken Freude?
Gib dich zur Ruh' - bald stirbt sie auch.
Op.49 n.1 "Am Sonntag
Morgen"
Text by Paul Heyse (1830-1914), from Italienisches Liederbuch (Berlin, 1860)
Music by Johannes Brahms, Op. 49 no. 1 (1868), first performed 1869
Am Sonntag Morgen, zierlich angetan,
wohl weiß ich, wo du da bist hingegangen,
und manche Leute waren, die dich sah'n,
und kamen dann zu mir, dich zu verklagen.
Als sie mir's sagten, hab' ich laut gelacht,
Und in der Kammer dann geweint zur Nacht.
Als sie mir's sagten, fing ich an zu singen,
Um einsam dann die Hände wund zu ringen.
Op.49 n.2 "An ein
Veilchen"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776) after Giovanni Battista Zappi
(1667-1719)
Music by Johannes Brahms, Op. 49 no. 2 (1868), first performed 1871
Birg, o Veilchen, in deinem blauen Kelche,
Birg die Tränen der Wehmut, bis mein Liebchen
Diese Quelle besucht! Entpflückt sie lächelnd
Dich dem Rasen, die Brust mit dir zu schmücken.
O dann schmiege dich ihr ans Herz, und sag ihr,
Daß die Tropfen in deinem blauen Kelche
Aus der Seele des treu'sten Jünglings flossen,
Der sein Leben verweinet, und den Tod wünscht.
Op.49 n.3 "Sehnsucht"
Text: Volkslied aus dem Böhmischen, text by Josef Wenzig (1807-1876), from Slawische
Volkslieder (Halle, 1830)
Music by Johannes Brahms, Op. 49 no. 3 (1868), first performed 1870
Hinter jenen dichten Wäldern
Weilst du, meine Süßgeliebte,
Weit, ach weit, weit, ach, weit!
Berstet ihr Felsen,
Ebnet euch Täler,
Daß ich ersehe,
Daß ich erspähe
Meine ferne, süße Maid!
Op.49 n.4 "Wiegenlied"
Text: first verse: from Des Knaben Wunderhorn, 1808; second verse by Georg Scherer
(1824-1909), 1849
Music by Johannes Brahms, Op. 49 no. 4 (1868), first performed 1869
See also:
Charles Edward Ives (1874-1954), in German (1900?)
Guten Abend, gut Nacht,
Mit Rosen bedacht,
Mit Näglein besteckt,
Schlupf unter die Deck':
Morgen früh, wenn Gott will,
Wirst du wieder geweckt.
Guten Abend, gut Nacht,
Von Englein bewacht,
Die zeigen [um] Traum
Dir Christkindleins Baum:
[Schlaf nun selig und süß,
Schau im Traum's Paradies.]
Op.49 n.5 "Abenddämmerung"
Text by Adolf Friedrich, Graf von Schack (1815-1894), from Gedichte (Berlin, 1867)
Music by Johannes Brahms, Op. 49 no. 5 (May, 1867)
Sei willkommen, Zwielichtstunde!
Dich vor allen lieb' ich längst,
Die du, lindernd jede Wunde,
Unsre Seele mild umfängst.
Hin durch deine Dämmerhelle,
In den Lüften, abendfeucht,
Schweben Bilder, die der grelle
Schein des lauten Tags gescheucht.
Träume und Erinnerungen
Nahen aus der Kinderzeit,
Flüstern mit den Geisterzungen
Von vergangner Seligkeit.
Und zu Jugendlust-Genossen
Kehren wir ins Vaterhaus;
Arme, die uns einst umschlossen,
Breiten neu sich nach uns aus.
Nach dem Trennungsschmerz, dem langen,
Dürfen wir noch einmal nun
Denen, die dahingegangen,
Am geliebten Herzen ruhn;
Und indes zum Augenlide
Sanft der Schlummer niederrint,
Sinkt auf uns ein sel'ger Friede
Aus dem Land, wo jene sind.
Op.53 "Alto Rhapsody"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Johannes Brahms, Op. 53
Aber abseits wer ist's?
Im Gebüsch verliert sich der Pfad.
Hinter ihm schlagen
Die Sträuche zusammen,
Das Gras steht wieder auf,
Die Öde verschlingt ihn.
Ach, wer heilet die Schmerzen
Des, dem Balsam zu Gift ward?
Der sich Menschenhaß
Aus der Fülle der Liebe trank?
Erst verachtet, nun ein Verächter,
Zehrt er heimlich auf
Seinen eigenen Wert
In ungenugender Selbstsucht.
Ist auf deinem Psalter,
Vater der Liebe, ein Ton
Seinem Ohre vernehmlich,
So erquicke sein Herz!
Öffne den umwölkten Blick
Über die tausend Quellen
Neben dem Durstenden
In der Wüste!
Op. 54 "Hyperions
Schicksalslied"
Text by Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Music by Johannes Brahms, Op. 54 (1868), published 1871. (Also known as
"Shicksalslied")
See also:
Wolfgang Fortner (1907-1987), 1934
Josef Matthias Hauer (1883-1959), Op. 6 no. 2 (1914)
Erich J. Wolff (1874-1913), Op. 10 no. 1, published 1907
Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren Euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige saiten.
Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
in bescheidener Knospe
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn;
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahrlang ins Ungewisse hinab.
Op.57 n.1 "Von waldbekränzter
Höhe"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from Frauenbilder und Huldigungen (Leipzig,
1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 1, composed before 1871, first performed 1872
Von waldbekränzter Höhe
Werf' ich den heißen Blick
Der liebefeuchten Sehe
Zur Flur, die dich umgrünt, zurück.
Ich senk' ihn auf die Quelle,
Vermöcht' ich, ach, mit ihr
Zu fließen eine Welle,
Zurück, o Freund, zu dir, zu dir!
Ich richt' ihn auf die Züge
Der Wolken über mir,
Ach, flög' ich ihre Flüge,
Zurück, o Freund, zu dir, zu dir!
Wie wollt' ich dich umstricken,
Mein Heil und meine Pein,
Mit Lippen und mit Blicken,
Mit Busen, Herz und Seele dein!
Op.57 n.2 "Wenn du nur zuweilen
lächelst"
Text by George Friedrich Daumer (1800-1875), after a Persian text by "Hafis"
(Mohammed Schemsed-din) (ca. 1327-1390), german text found in Daumer's Hafis: "Eine
Sammlung persischer Gedichte", second edition (Hamburg, 1852)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 2 (1871)
Wenn du nur zuweilen lächelst,
Nur zuweilen Kühle fächelst
Dieser ungemeßnen Glut
In Geduld will ich mich fassen
Und dich alles treiben lassen,
Was der Liebe wehe tut.
Op.57 n.3 "Es träumte
mir"
Text by George Friedrich Daumer (1800-1875), from Polydora: ein weltpoetisches Liederbuch
(Frankfurt am Main, 1854), after the Spanish
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 3 (composed before 1871), first performed 1872
Es träumte mir,
Ich sei dir teuer;
Doch zu erwachen
Bedurft' ich kaum.
Denn [schon] im Traume
Bereits empfand ich,
Es sei ein Traum.
Op.57 n.4 "Ach, wende diesen
Blick"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from Frauenbilder und Huldigungen (Leipzig,
1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 4 (before 1871)
Ach, wende diesen Blick, wende dies Angesicht!
Das Inn're mir mit ewig neuer Glut,
Mit ewig neuem Harm erfülle nicht!
Wenn einmal die gequälte Seele ruht,
Und mit so fieberischer Wilde nicht
In meinen Adern rollt das heiße Blut
Ein Strahl, ein flüchtiger, von deinen Licht,
Er wecket auf des Wehs gesamte Wut,
Da [schlangengleich] mich in das Herze sticht.
Op.57 n.5 "In meiner Nächte
Sehnen"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from Frauenbilder und Huldigungen (Leipzig,
1853), in the "Vermischte Formen" section
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 5 (before 1871)
In meiner Nächte Sehnen,
So tief allein,
Mit tausend, tausend Tränen,
Gedenk' ich dein.
Ach, wer dein Antlitz schaute,
Wem dein Gemüt
Die schöne Glut vertraute,
Die es durchglüt,
Wem deine Küsse brannten,
Wem je vor Lust
All seine Sinne schwanden
An deiner Brust
Wie rasteten in Frieden
Ihm Seel' und Leib,
Wenn er von dir geschieden,
Du göttlich Weib!
Op.57 n.6 "Strahlt zuweilen
auch ein mildes Licht"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 6
Strahlt zuweilen auch ein mildes Licht
Auf mich hin aus diesem Angesicht -
Ach, es können auch wohl Huldgebärden
Machen, daß uns fast das Herze bricht.
Was die Liebe sucht, um froh zu werden,
Das verraten diese Blicke nicht.
Op.57 n.7 "Die Schnur, die
Perl' an Perle"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), after the Sanskrit, found in the
"Spanish" section of Polydora (Frankfurt am Main, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 7 (before 1871)
Die Schnur, die Perl' an Perle
Um deinen Hals gereihte,
Wie wiegt sie sich so fröhlich
Auf deiner schönen Brust!
Mit Seel' und Sinn begabet,
Mit Seligkeit berauschet
Sie, diese Götterlust.
Was müssen wir erst fühlen,
In welchen Herzen schlagen,
So heiße Menschenherzen,
Wofern es uns gestattet,
Uns traulich anzuschmiegen
An eine solche Brust?
Op.57 n.8 "Unbewegte laue
Luft"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from Frauenbilder und Huldigungen (Leipzig,
1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 57 no. 8 (composed before autumn 1871)
Unbewegte laue Luft,
Tiefe Ruhe der Natur;
Durch die stille Gartennacht
Plätschert die Fontäne nur.
Aber im Gemüte schwillt
Heißere Begierde mir,
Aber in der Ader quillt
Leben und verlangt nach Leben.
Sollten nicht auch deine Brust
Sehnlichere Wünsche heben?
Sollte meiner Seele Ruf
Nicht dir deine tief durchbeben?
Leise mit dem Ätherfuß
Säume nicht, daherzuschweben!
Komm, o komm, damit wir uns
Himmlische Genüge geben!
Op.58 n.1 "Blindekuh"
Text by August Kopisch (1799-1853), from the Sicilian
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 1 (1871)
Im Finstern geh' ich suchen,
Mein Kind, wo steckst du wohl?
Ach, sie versteckt sich immer,
Daß ich verschmachten soll!
Im Finstern geh' ich suchen,
Mein Kind, wo steckst du wohl?
Ich, der den Ort nicht finde,
Ich irr' im Kreis umher!
Wer um dich stirbt,
Der hat keine Ruh'!
Kindchen erbarm dich,
Und komm herzu!
Ja, komm herzu,
Herzu, herzu!
Op.58 n.2 "Während des
Regens"
Text by August Kopisch (1799-1853), from Gedichte (1836)
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 2, published in 1871
Voller, dichter tropft ums Dach da,
Tropfen süßer Regengüsse,
Meines Liebchens holde Küsse
Mehren sich, je mehr ihr tropfet!
Tropft ihr, darf ich sie umfassen,
Laßt ihr's, will sie mich entlassen;
Himmel, werde nur nicht lichter,
Tropfen, tropfet immer dichter!
Op.58 n.3 "Die Spröde"
Text by August Kopisch (1799-1853), from the Calabrian
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 3, published in 1871
Ich sahe eine Tig'rin
Im dunkeln Haine,
Und doch mit meinen Tränen
Konnt' ich sie zähmen.
Sah auch die harten Steine,
Ja Marmelsteine,
Erweicht vom Fall der Tropfen
Gestalt annehmen.
Und du, so eine zarte,
Holdsel'ge Kleine,
Du lachst zu meinem Seufzen
Und bittern Grämen.
Op.58 n.4 "O komme, holde
Sommernacht"
Text by Melchior Grohe (1829-1906), "Sommernacht", from Reime und Reise
(Mannheim, 1861)
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 4 (1871)
O komme, holde Sommernacht,
Verschwiegen;
Dich hat die Liebe recht gemacht
Zum Siegen!
Da brechen manche Knospen los,
Verstohlen,
Da öffnen ihren süßen Schoß
Violen;
Da neigt ihr Haupt im Dämmerschein
Die Rose,
Da wird mein Liebchen auch noch mein,
Das lose!
Op.58 n.5 "Schwermut"
Text by Karl August Candidus (1817-1872), from Vermischte Gedichte (Leipzig, 1869)
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 5 (1871)
Mir ist so weh ums Herz,
Mir ist, als ob ich weinen möchte
Vor Schmerz!
Gedankensatt
Und lebensmatt
Möcht' ich das Haupt hinlegen
in die Nacht der Nächte!
Op.58 n.6 "In der Gasse"
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863), from the cycle Ein frühes Liebesleben
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 6 (1868?), published in 1871
Ich blicke hinab in die Gasse,
Dort drüben hat sie gewohnt;
Das öde, verlassene Fenster,
Wie hell bescheint's der Mond.
Es gibt so viel zu beleuchten;
O holde Strahlen des Lichts,
Was webt ihr denn gespenstisch
Um jene Stätte des Nichts!
Op.58 n.7 "Vorüber"
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863), from the cycle Ein frühes Liebesleben
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 7 (1867?), published in 1871
Ich legte mich unter den Lindenbaum,
In dem die Nachtigall schlug;
Sie sang mich in den süßesten Traum,
Der währte auch lange genug.
Denn nun ich erwache, nun ist sie fort,
Und welk bedeckt mich das Laub;
Doch leider noch nicht, wie am dunklern Ort,
Verglühte Asche der Staub.
Op.58 n.8 "Serenade"
Text by Adolf Friedrich, Graf von Schack (1815-1894), from Gedichte (1867)
Music by Johannes Brahms, Op. 58 no. 8, published in 1871
Leise, um dich nicht zu wecken,
Rauscht der Nachtwind, teure Frau!
Leise in das Marmorbecken
Gießt der Brunnen seinen Tau.
Wie das Wasser, niedertropfend,
Kreise neben Kreise zieht,
Also zittert, leise klopfend,
Mir das Herz bei diesem Lied.
Schwingt euch, Töne meiner Zither,
Schwingt euch aufwärts, flügelleicht;
Durch das rebumkränzte Gitter
In der Schönen Kammer schleicht.
"Ist denn, liebliche Dolores",
Also singt in ihren Traum -
"In der Muschel deines Ohres
Für kein Perlenwörtchen Raum?
[Denk der Laube, dicht vergittert,
Wo, umrankt von Duftgesträuch,
Ihr in Seligkeit gezittert,
Wie die Blätter über euch!
War der Platz doch still und sicher
Und kein Zeuge hat gelauscht;
Selten, daß ein abendlicher
Vogel durch das Laub gerauscht.]
O dem Freund [nur] eine Stunde,
Wo dein Arm ihn [heiß] umschlingt,
Und der Kuß von deinem Munde
Feurig bis ans Herz ihm dringt!
Hast du ihn so ganz vergessen?
Einsam harrt er am Balkon,
Überm Wipfel der Zypressen
Bleicht des Mondes Sichel schon.
Wie das Wasser, niedertropfend,
Kreise neben Kreise zieht,
Also zittert, leise klopfend,
Ihm das Herz bei diesem Lied."
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