Lieder
complete index
Lieder Index e, opp. 59, 61, 62, 63, 66 and 69:
op. 59.
no. 1. Dämmrung senkte sich von
oben
no. 2. Auf dem See
no. 3. Regenlied
no. 4. Nachklang
no. 5. Agnes
no. 6. Eine gute, gute Nacht
no. 7. Mein wundes Herz
no. 8. Dein blaues Auge
op. 61. (duets)
no. 1. Die Schwestern
no. 2. Klosterfräulein
no. 3. Phänomen
no. 4. Der Boten der Liebe
op. 62 no. 3. Waldesnacht
op. 63.
no. 1. Frühlingstrost
no. 2. Erinnerung
no. 3. An ein Bild
no. 4. An die Tauben
no. 5. Junge Lieder I
no. 6. Junge Lieder II
no. 7. Heimweh I
no. 8. Heimweh II
no. 9. Heimweh III
op. 66.
no. 3. Am Strande
no. 5. Hüt du dich
op. 69.
no. 1. Klage I
no. 2. Klage II
no. 3. Abschied
no. 4. Des Liebsten Schwur
no. 5. Tambourliedchen
no. 6. Vom Strande
no. 7. Über die See
no. 8. Salome
no. 9. Mädchenfluch
op.59 n.1 "Dämmrung
senkte sich von oben"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Johannes Brahms, op. 59 no. 1 (1871)
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1843
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 19a no. 2 (1909-14)
Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern,
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern.
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh',
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.
Nun am östlichen Bereiche
Ahn' ich Mondenglanz und Glut,
Schlanker Weiden Haargezweige
Scherzen auf der nächsten Flut.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Lunas Zauberschein,
Und durchs Auge schleicht die Kühle
Sänftigend ins Herz hinein.
op.59 n.2 "Auf dem See"
Text by Karl Joseph Simrock (1802-1876), "Vevey", from Gedichte (Leipzig, 1844)
in the section "Travels in Switzerland, 1833"
Music by Johannes Brahms, op. 59 no. 2 (1873)
Blauer Himmel, blaue Wogen,
Rebenhügel um den See,
Drüber blauer Berge Bogen
Schimmernd weiß im reinen Schnee.
Wie der Kahn uns hebt und wieget,
Leichter Nebel steigt und fällt,
Süßer Himmelsfriede lieget
Über der beglänzten Welt.
Stürmend Herz, tu auf die Augen,
Sieh umher und werde mild:
Glück und Friede magst du saugen
Aus des Doppelhimmels Bild.
Spiegelnd sieh die Flut erwidern
Turm und Hügel, Busch und Stadt,
Also spiegle du in Liedern,
Was die Erde Schönstes hat.
op.59 n.3 "Regenlied"
Text by Klaus Groth (1819-1899), from Hundert
Blätter, Paralipomena zum Quickborn (Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op.
59 no. 3 (1873)
Walle, Regen, walle nieder,
Wecke mir die Träume wieder,
Die ich in der Kindheit träumte,
Wenn das Naß im Sande schäumte!
Wenn die matte Sommerschwüle
Lässig stritt mit frischer Kühle,
Und die blanken Blätter tauten,
Und die Saaten dunkler blauten.
Welche Wonne, in dem Fließen
Dann zu stehn mit nackten Füßen,
An dem Grase hin zu streifen
Und den Schaum mit Händen greifen.
Oder mit den heißen Wangen
Kalte Tropfen aufzufangen,
Und den neuerwachten Düften
Seine Kinderbrust zu lüften!
Wie die Kelche, die da troffen,
Stand die Seele atmend offen,
Wie die Blumen, düftertrunken,
In dem Himmelstau versunken.
Schauernd kühlte jeder Tropfen
Tief bis an des Herzens Klopfen,
Und der Schöpfung heilig Weben
Drang bis ins verborgne Leben.
Walle, Regen, walle nieder,
Wecke meine alten Lieder,
Die wir in der Türe sangen,
Wenn die Tropfen draußen klangen!
Möchte ihnen wieder lauschen,
Ihrem süßen, feuchten Rauschen,
Meine Seele sanft betauen
Mit dem frommen Kindergrauen.
op.59 n.4 "Regentropfen aus den
Bäumen"
Text by Klaus Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op.
59 no. 4 (1873) "Nachklang", and WoO posth. 23 "Regenlied", published
1908
Regentropfen aus den Bäumen
Fallen in das grüne Gras,
Tränen meiner trüben Augen
Machen mir die Wange naß.
[Wenn die Sonne wieder scheinet,]
Wird der Rasen doppelt grün:
Doppelt wird auf meinen Wangen
Mir die heiße Träne glühn.
op.59 n.5 "Rosenzeit! wie
schnell vorbei"
Text by Eduard Mörike (1804-1875), "Refrain-Liedchen", from Gedichte
(Stüttgart and Tübingen, 1838), written in 1831 for the novel Maler Nolten
Music by Johannes Brahms, "Agnes", op. 59 no. 5 (1873)
See also:
Hugo Distler (1908-1942), op. 19, iii, 5, (1939), from
Mörike-Chorliederbuch
Robert Franz (1815-1892), "Rosenzeit!" (Time of roses), op. 27
no. 5, published 1870?
Ferdinand Hiller (1811-1885), "Agnes", op. 46 no. 2 (1850?)
Othmar Schoeck (1886-1957), "Agnes", WOO 20 (1905)
Hugo Wolf (1860-1903), "Agnes", from
Mörike-Lieder no. 14
Rosenzeit! wie schnell vorbei,
schnell vorbei bist du doch gegangen!
Wär mein Lieb' nur blieben treu, blieben treu,
sollte mir nicht bangen.
Um die Ernte wohlgemut,
wohlgemuth Schnitterrinnen singen.
Aber, ach! mir kranken Blut, mir kranken Blut,
will nichts mehr gelingen.
Schleiche so durch's Wiesental,
so durch's Thal, als im Traum verloren,
nach dem Berg, da tausendmal,
tausend mal er mir Treu' geschworen.
Oben auf des Hügels Rand, abgewandt,
wein' ich bei der Linde;
an dem Hut mein Rosenband, von seiner Hand,
spielet in dem Winde.
op.59 n.6 "Eine gute, gute
Nacht"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), after the Russian
Music by Johannes Brahms, op. 59 no. 6
(1873)
Eine gute, gute Nacht
Pflegst du mir zu sagen
Über dieses eitle Wort,
O wie muß ich klagen!
Daß du meiner Seele Glut
Nicht so grausam nährtest;
"Eine gute, gute Nacht",
Daß du sie gewährtest!
op.59 n.7 "Mein wundes
Herz"
Text by Klaus Groth (1833-1897), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op. 59 no. 7 (1873)
Mein wundes Herz verlangt nach milder Ruh',
O hauche sie ihm ein!
Es fliegt dir weinend, bange schlagend zu -
O hülle du es ein!
Wie wenn ein Strahl durch schwere Wolken bricht,
So winkest du ihm zu:
O lächle fort mit deinem milden Licht!
Mein Pol, mein Stern bist du!
op.59 n.8 "Dein blaues
Auge"
Text by Klaus Groth (1833-1897), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op. 59 no. 8 (1873)
Dein blaues Auge hält so still,
Ich blicke bis zum Grund.
Du fragst mich,
Was ich sehen will?
Ich sehe mich gesund.
Es brannte mich ein glühend Paar,
Noch schmerzt, noch schmerzt das Nachgefühl:
Das deine ist wie See so klar
Und wie ein See so kühl.
op.61 n.1 "Die Schwestern"
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Johannes Brahms, op. 61 no. 1 (duet)
Wir Schwestern zwei, wir schönen,
So gleich von Angesicht,
So gleich kein Ei dem andern,
Kein Stern dem andern nicht.
Wir Schwestern zwei, wir schönen,
Wir haben nußbraun Haar;
Und flichtst du sie in einem Zopf,
Man kennt sie nicht fürwahr.
Wir Schwestern zwei, wir schönen,
Wir tragen gleich Gewand,
Spazieren auf dem Wiesenplan
Und singen Hand in Hand.
Wir Schwestern zwei, wir schönen,
Wir spinnen in die Wett,
Wir sitzen an einer Kunkel,
Und schlafen in einem Bett.
O Schwestern zwei, ihr schönen,
Wie hat sich das Blättchen gewandt!
Ihr liebet einerlei Liebchen;
Jetzt hat das Liedel ein End!
op.61 n.2 "Das
Klosterfräulein"
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 61 no. 2 (duet), 1852
See also:
Richard Kursch , "Das Klosterfräulein", op. 5 no. 2,
published 1905
Robert Schumann (1810-1856),
"Klosterfräulein", op. 69 no. 3 (1849)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Das Klosterfräulein"
[Ach, ach,] ich armes Klosterfräulein!
O Mutter was hast du gemacht!
Lenz ging am Gitter vorüber
Und hat mir kein Blümlein gebracht!
Ach, ach, wie weit, wie weit hier unten
Zwei Schäflein gehen im Tal.
Viel Glück ihr Schäflein, ihr sahet
Den Frühling zum ersten Mal.
Ach, ach, wie weit, wie weit hier oben,
Zwei Vöglein fliegen in Ruh!
Viel Glück ihr Vöglein, ihr flieget
Der besseren Heimat zu.
op.61 n.3 "Phänomen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 61 no. 3 (duet)
See also:
Hugo Wolf (1860-1903), 1888-9. Goethe-Lieder no. 32
Wenn zu der Regenwand
Phöbus sich gattet,
Gleich steht ein Bogenrand
Farbig beschattet.
Im Nebel gleichen Kreis
Seh ich gezogen;
Zwar ist der Bogen weiß,
Doch Himmelsbogen.
So sollst du, muntrer Greis,
Dich nicht betrüben:
Sind gleich die Haare weiß,
Doch wirst du lieben.
op.61 n.4 "Der Boten der
Liebe"
Text by Josef Wenzig (1807-1876), böhmisch
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 61 no. 4 (duet)
Wie viel schon der Boten
Have already flown
Vom Walde her unter,
Boten der Treu,
Trugen mir Briefchen
Dort aus der Ferne,
Trugen mir Briefchen
Vom Liebsten herbei!
Wie viel schon der Lüfte
Wehten vom Morgen
Wehten bis abends
So schnell ohne Ruh,
Trugen mir Küßchen
Vom kühligen Wasser,
Trugen mir Küßchen
Vom Liebsten herzu!
Wie wiegten die Halme
Auf grünenden Bergen,
Wie wiegten die Öhren
Auf Feldern sich leis,
Mein goldenes Liebchen,
Lispelten alle,
Mein goldenes Liebchen,
Ich lieb dich so heiß.
op.62 n.3 "Waldesnacht, du
wunderkühle"
Text by Paul Heyse (1830-1914)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 62 no. 3 (1874)
See also:
Adolf Jensen (1837-1879), "Im Walde", op. 22 no. 4 (1864)
Arnold Schoenberg (1874-1951),
"Waldesnacht", from 7 frühe Lieder, no. 4 (1894-1903)
Waldesnacht, du wunderkühle,
Die ich tausend Male grüß',
Nach dem lauten Weltgewühle,
O wie ist dein Rauschen süß!
Träumerisch die müden Glieder,
Berg' ich weich ins Moos,
Und mir ist, als würd' ich wieder
All der irren Qualen los.
Fernes Flötenlied, vertöne,
Das ein weites Sehnen rührt,
Die Gedanken in die schöne,
Ach, missgönte Ferne führt!
Laß die Waldesnacht mich wiegen,
Stillen jede Pein,
Und ein seliges Genügen
Saug' ich mit den Düften ein.
In dem heimlich engen Kreisen,
Wir dir wohl, du wildes Herz,
Und ein Friede schwebt mit leisen
Flügelschlägen niederwärts.
Singet, holde Vögellieder,
Mich in Schlummer sacht!
Irre Qualen, löst euch wieder;
Wildes Herz, nun gute Nacht!
op.63 n.1 "Frühlinstrost"
Text by (Gottlob Ferdinand) Max(imilian) Gottfried von Schenkendorf (1783-1817), from
Gedichte (Berlin, 1837)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 1 (1874)
Es weht um mich Narzissenduft
Es spricht zu mir die Frühlingsluft:
Geliebter,
Erwach im roten Morgenglanz,
Dein harrt ein blütenreicher Kranz,
Betrübter!
Nur mußt du kämpfen drum und tun
Und länger nicht in Träumen ruhn;
Laß schwinden!
Komm, Lieber, komm aufs Feld hinaus,
Du wirst im grünen Blätterhaus
Ihn finden.
Wir sind dir alle wohlgesinnt,
Du armes, liebebanges Kind,
Wir Düfte;
Warst immer treu uns Spielgesell,
Drum dienen willig dir und schnell
Die Lüfte.
Zur Liebsten tragen wir dein Ach
Und kränzen ihr das Schlafgemach
Mit Blüten.
Wir wollen, wenn du von ihr gehst
Und einsam dann und traurig stehst,
Sie hüten.
Erwach im morgenroten Glanz,
Schon harret dein der Myrtenkranz,
Geliebter!
Der Frühling kündet gute Mär',
Und nun kein Ach, kein Weinen mehr,
Betrübter!
op.63 n.2 "Erinnerung"
Text by (Gottlob Ferdinand) Max(imilian) Gottfried von Schenkendorf (1783-1817), from
Gedichte (Berlin, 1837)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 2 (1874)
Ihr wunderschönen Augenblicke,
Die Lieblichste der ganzen Welt
Hat euch mit ihrem ew'gen Glücke,
Mit ihrem süßen Licht erhellt.
Ihr Stellen, ihr geweihten Plätze,
Ihr trugt ja das geliebte Bild,
Was Wunder habt ihr, was für Schätze
Vor meinen Augen dort enthüllt!
Ihr Gärten all, ihr grünen Haine,
Du Weinberg in der süßen Zier,
Es nahte sich die Hehre, Reine,
In Züchten gar zu freundlich mir.
Ihr Worte, die sie da gesprochen,
Du schönstes, halbverhauchtes Wort,
Dein Zauberbann wird nie gebrochen,
Du klingst und wirkest fort und fort.
Ihr wunderschönen Augenblicke,
Ihr lacht und lockt in ew'gem Reiz.
Ich schaue sehnsuchtsvoll zurücke
Voll Schmerz und Lust und Liebesgeiz.
op.63 n.3 "An ein Bild"
Text by (Gottlob Ferdinand) Max(imilian) Gottfried von Schenkendorf (1783-1817), "An
ein Bild, das Portrait seiner Gattin" (29 March 1816), published in Gedichte (Berlin,
1837)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 3 (1874)
Was schaust du mich so freundlich an,
O Bild aus weiter Ferne,
Und winkest dem verbannten Mann?
Er käme gar zu gerne.
Die ganze Jugend tut sich auf,
Wenn ich an dich gedenke,
Als ob ich noch den alten Lauf
Nach deinem Hause lenke.
Gleich einem, der ins tiefe Meer
Die Blicke läßt versinken,
Nicht sieht, nicht hört, ob um ihn her
Viel tausend Schätze winken.
Gleich einem, der am Firmament
Nach fernem Sterne blicket,
Nur diesen kennt, nur diesen nennt
Und sich an ihm entzücket:
Ist all mein Sehnen, all mein Mut
In dir, o Bild, gegründet,
Und immer noch von gleicher Glut,
Von gleicher Lust entzündet.
op.63 n.4 "An die Tauben"
Text by (Gottlob Ferdinand) Max(imilian) Gottfried von Schenkendorf (1783-1817), from
Gedichte (Berlin, 1837)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 4 (1874)
Fliegt nur aus, geliebte Tauben!
Euch als Boten send' ich hin;
Sagt ihr, und sie wird euch glauben,
Daß ich krank vor Liebe bin.
Ihr könnt fliegen, ihr könnt eilen,
Tauben, froh bergab und -an;
Ich muß in der Fremde weilen,
Ewig ein gequälter Mann.
Auch mein Brieflein soll noch gehen
Heut zu ihr, mein Liebesgruß,
Soll sie suchen auf den Höhen,
An dem schönen, grünen Fluß.
Wird sie von den Bergen steigen
Endlich in das Niederland?
Wird sie mir die Sonne zeigen,
Die zu lange schon verschwand?
Vögel, Briefe, Liebesboten,
Lied und Seufzer, sagt ihr's hell:
Suche ihn im Reich der Toten,
Liebchen, oder komme schnell!
op.63 n.5 "Junge Lieder I"
Text by Felix Schumann (1854-1879)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 5 (1874)
Meine Liebe ist grün wie der Fliederbusch,
und mein Lieb ist schön wie die Sonne,
die glänzt wohl herab auf den Fliederbusch
und füllt ihn mit Duft und mit Wonne.
Meine Seele hat Schwingen der Nachtigall,
und wiegt sich in blühendem Flieder,
und jauchzet und singet vom Duft berauscht
viel liebestrunkene Lieder.
op.63 n.6 "Junge Lieder
II"
Text by Felix Schumann (1854-1879)
Music by Johannes Brahms, "Klosterfräulein", op. 63 no. 6 (1874)
Wenn um den Holunder der Abendwind kost
Und der Falter um den Jasminenstrauch,
Dann kos' ich mit meinem Liebchen auch
Auf der Steinbank schattig und weich bemoost.
Und wenn vom Dorfe die Glocke erschallt
Und der Lerche jubelndes Abendgebet,
Dann schweigen wir auch, und die Seele zergeht
Vor der Liebe heiliger Gottesgewalt.
Und blickt dann vom Himmel der Sterne Schar
Und das Glühwürmchen in der Lilie Schoß,
Dann lasse ich sie aus den Armen los
Und küsse ihr scheidend das Augenpaar.
op.63 n.7 "Heimweh I"
Text by Klaus Joseph Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op. 63 no. 7 (1874)
Wie traulich war das Fleckchen,
Wo meine Wiege ging,
Kein Bäumchen war, kein Heckchen,
Das nicht voll Träume hing.
Wo nur ein Blümchen blühte,
Da blühten gleich sie mit,
Und alles sang und glühte
Mir zu bei jedem Schritt.
Ich wäre nicht gegangen,
Nicht für die ganze Welt! -
Mein Sehnen, mein Verlangen,
Hier ruht's in Wald und Feld.
op.63 n.8 "Heimweh II"
Text by Klaus Joseph Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op. 63 no. 8 (1874)
O wüßt ich doch den Weg zurück,
Den lieben Weg zum Kinderland!
O warum sucht' ich nach dem Glück
Und ließ der Mutter Hand?
O wie mich sehnet auszuruhn,
Von keinem Streben aufgeweckt,
Die müden Augen zuzutun,
Von Liebe sanft bedeckt!
Und nichts zu forschen, nichts zu spähn,
Und nur zu träumen leicht und lind;
Der Zeiten Wandel nicht zu sehn,
Zum zweiten Mal ein Kind!
O zeig mir doch den Weg zurück,
Den lieben Weg zum Kinderland!
Vergebens such ich nach dem Glück,
Ringsum is öder Strand!
op.63 n.9 "Heimweh III"
Text by Klaus Joseph Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, op. 63 no. 9 (1874)
Ich sah als Knabe Blumen blühn -
Ich weiß nicht mehr, was war es doch?
Ich sah die Sonne drüber glühn -
Mich dünkt, ich seh' es noch.
Es war ein Duft, es war ein Glanz,
Die Seele sog ihn durstend ein.
Ich pflückte sie zu einem Kranz -
Wo mag er blieben sein?
Ich such' an jedem Blümchen nach
Um jenen Schmelz, um jenes Licht,
Ich forsche jeden Sommertag -
Doch solche find' ich nicht.
Ihr wußtet nimmer, was ich trieb?
Ich suchte meinen alten Kranz.
Er war so frisch, so licht, so lieb -
Es war der Jugendglanz.
op.66 n.3 "Am Strande"
Text by Hermann Hölty (1828-1887)
Music by Johannes Brahms, op. 66 no. 3
Es sprechen und blicken die Wellen
Mit sanfter Stimme,
Mit freundlichem Blick,
Und wiegen die träumende Seele
In ferne Tage zurück.
Aus fernen, verklungene Tagen
Spricht's heimlich
Mit freundlichen Blicken
Zum Wandrer am Strande hier.
Mir ist, als hätten die Stimmen
Die je die Seele
Mir sanft bewegt
Und alle die freundlichen Blicke
Sich in die Wellen gelegt.
op.66 n.5 "Ich weiß mir'n
Mädchen hübsch und fein"
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Johannes Brahms, "Hüt du dich", op. 66 no. 5 (1875)
See also:
Eugen (Francis Charles) d'Albert (1864-1932), "Hüt du
dich", op. 22 no. 3, published 1900?
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
"Ich weiß mir'n Mädchen" (1834)
Friedrich Zipp (b. 1914), "Hüt du dich", op. 5 no. 6 (1935-6),
from Wunderhorn-Lieder
Ich weiß mir'n Mädchen hübsch und fein, hüt du dich!
Es kann wohl falsch und freundlich sein,
hüt du dich!
Vertrau ihr nicht, sie narret dich!
Sie hat zwei Äuglein, die sind braun,
hüt du dich!
Sie werd'n dich überzwerch anschaun, hüt du dich!
Vertrau ihr nicht, sie narret dich!
Sie hat ein licht goldfarbenes Haar, hüt du dich!
Und was sie red't, das ist nicht wahr,
hüt du dich!
Vertrau ihr nicht, sie narret dich!
Sie gibt dir'n Kränzlein fein gemacht, hüt du dich!
Für einen Narr'n wirst du geacht,
hüt du dich!
Vetrau ihr nicht, sie narret dich!
op.69 n.1 "Klage I"
Volkslied, text by Josef Wenzig (1807-1876), after the Bohemian, from Westslawischer
Märchenschatz (Leipzig, 1857)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 1 (1877), first performed 1879
Ach, mir fehlt, nicht ist da,
Was mich einst süß beglückt;
Ach, mir fehlt, nicht ist da,
Was mich erfreut!
Was mich einst süß beglückt,
Ist wie die Well' entrückt.
Ach, mir fehlt, nicht ist da,
Was mich erfreut!
Sagt, wie man ackern kann
Ohne Pflug, ohne Roß?
Sagt, wie man ackern kann,
Wenn das Rad bricht?
Ach, wie solch Ackern ist,
So ist die Liebe auch,
So ist die Liebe auch,
Küßt man sich nicht!
Zwingen mir fort nur auf,
Was mit Qual mich erfüllt;
Zwingen mir fort nur auf,
Was meine Pein:
Geben den Witwer mir,
Der kein ganz Herze hat;
Halb ist's der ersten Frau,
Halb nur wär's mein!
op.69 n.2 "Klage II"
Text: Volkslied, german translation from the Bohemian by Josef Wenzig (1807-1876), from
Westslawischer Märchenschatz (Leipzig, 1857)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 2 (1877)
O Felsen, lieber Felsen,
Was stürztest du nicht ein,
Als ich mich trennen mußte
Von dem Geliebten mein?
[Nimm von der eitlen Erde,
O Gott, mich auf zu dir,
Nimmt man den Heißgeliebten
Von allen Burschen mir.
O Gott, mein guter Vater,
Wie strafst du mich so schwer!
Was sonst mich süß erfreute,
Das gibst du mir nicht mehr.]
Laß dämmern, Gott, laß dämmern,
Daß bald der Abend wink'
Und daß auch bald mein Leben
In Dämmerung versink'!
O Nachtigall, du traute,
O sing' im grünen Hain,
Erleichtere das Herz mir
Und meines Herzens Pein!
Mein Herz, das liegt erstarret
Zu Stein in meiner Brust,
Es findet hier auf Erden
An nichts, an nichts mehr Lust.
Ich frei' wohl einen Andern
Und lieb' ich ihn auch nicht;
Ich tue, was mein Vater
Und meine Mutter spricht.
Ich tue nach des Vaters
Und nach der Mutter Wort,
Doch heiße Tränen weinet
Mein Herz in einem fort.
op.69 n.3 "Abschied"
Text: Volkslied, german translation from the Bohemian by Josef Wenzig (1807-1876), from
Westslawischer Märchenschatz (Leipzig, 1857)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 3 (1877)
Ach, mich hält der Gram gefangen,
Meinem Herzen ist so weh,
Denn ich soll von hinnen ziehen
Über jenes Berges Höh'!
Over yonder mountain height!
Was einst mein war, ist verloren,
Alle, alle Hoffnung flieht;
Ja, ich fürchte, daß, o Mädchen,
Dich mein Aug' nicht wiedersieht.
Dunkel wird mein Weg sich dehnen,
Wenn ich scheiden muß von hier:
Steh' ich dann auf jenem Berge,
Seufz' ich einmal noch nach dir.
op.69 n.4 "Des Liebsten
Schwur"
Text: Volkslied, german translation from the Bohemian by Josef Wenzig (1807-1876), from
Westslawischer Märchenschatz (Leipzig, 1857)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 4 (1877), first performed 1877
Ei, schmollte mein Vater nicht wach und im Schlaf,
So sagt' ich ihm, wen ich im Gärtelein traf.
Und schmolle nur, Vater, und schmolle nur fort,
Ich traf den Geliebten im Gärtelein dort.
Ei, zankte mein Vater nicht wieder sich ab,
So sagt' ich ihm, was der Geliebte mir gab.
Und zanke nur, Vater, mein Väterchen du,
Er gab mir ein Küßchen und eines dazu.
Ei, klänge dem Vater nicht staunend das Ohr,
So sagt' ich ihm, was der Geliebte mir schwor.
Und staune nur, Vater, und staune noch mehr,
Du gibst mir doch einmal mit Freuden noch her.
Mir schwor der Geliebte so fest und gewiß,
Bevor er aus meiner Umarmung sich riß:
Ich hätte am längsten zu Hause gesäumt,
Bis lustig im Felde die Weizensaat keimt.
op.69 n.5
"Tambourliedchen"
Text by Karl August Candidus (1817-1872)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 5
Den Wirbel schlag' ich gar so stark,
daß euch erzittert Bein und Mark,
ja, Bein und Mark!
Drum denk' ich ans schön Schätzelein,
Blaugrau, blau ist seiner Augen Schein.
Und denk' ich an den Schein so hell,
von selber dämpft das Trommelfell,
des Trommelfell den wilden Ton, klingt hell und rein.
Blaugrau, blau sind Liebchens Äugelein.
op.69 n.6 "Vom Strande"
Text by Joseph Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857), "Aus dem Spanischen"
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 6 (1877), first performed 1889
See also:
Joachim Raff (1822-1882), op. 98 no. 25 (1855-63) from
Sanges-Frühling
Ich rufe vom Ufer
Verlorenes Glück,
Die Ruder nur schallen
Zum Strande zurück.
Vom Strande, lieb' Mutter,
Wo der Wellenschlag geht,
Da fahren die Schiffe,
Mein Liebster drauf steht.
Je mehr ich sie rufe,
Je schneller der Lauf,
Wenn ein Hauch sie entführet,
Wer hielte sie auf?
Der Hauch meiner Klagen
Die Segel nur schwillt,
Je mehr mein Verlangen
Zurücke sie hält!
Verhielt' ich die Klagen:
Es löst' sie der Schmerz,
Und Klagen und Schweigen
Zersprengt mir das Herz.
Ich rufe vom Ufer
Verlorenes Glück,
Die Ruder nur schallen
Zum Strande zurück.
So flüchtige Schlösser,
Wer könnt' ihn'n vertrau'n
Und Liebe, die bliebe,
Mit Freuden d'rauf bau'n?
Wie Vögel im Fluge,
Wo ruhen sie aus?
So eilige Wand'rer,
Sie finden kein Haus,
Zertrümmern der Wogen
Grünen Kristall,
Und was sie berühren,
Verwandelt sich all.
Es wandeln die Wellen
Und wandelt der Wind,
Meine Schmerzen im Herzen
Beständig nur sind.
Ich rufe vom Ufer
Verlorenes Glück,
Die Ruder nur schallen
Zum Strande zurück.
op.69 n.7 "Über die See"
Text by Karl von Lemcke (1831-1913), from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 7 (1877)
Über die See,
Fern über die See,
Ist mein Schatz gezogen,
Ist [ihm] mein Herz
Voll Ach und Weh,
Bang ihm nachgeflogen.
Brauset das Meer,
Wild brauset das Meer,
Stürme dunkel jagen,
[Sinket] die Sonn',
Die Welt wird leer,
Muß mein Herz verzagen.
Bin ich allein,
Ach, immer allein,
Meine Kräfte schwinden.
Muß [ich] zurück
In matter Pein,
Kann dich nimmer finden.
op.69 n.8 "Singt mein Schatz
wie ein Fink"
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 8
See also:
Hans Pfitzner (1869-1949), "Singt mein Schatz wie
ein Fink", op. 33 (1923), from Alte Weise, no. 5
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), "Singt mein
Schatz wie ein Fink", op. 16 no. 4
Hugo Wolf (1860-1903) "Singt mein Schatz wie ein
Fink"
Singt mein Schatz wie ein Fink,
Sing ich Nachtigallensang;
Ist mein Liebster ein Luchs,
O so bin ich eine Schlang!
O ihr Jungfraun im Land,
[Vom Gebirg] und über See,
Überlaßt mir den Schönsten,
Sonst tut ihr mir weh!
Er soll sich unterwerfen
Zum Ruhm uns und Preis!
Und er soll sich nicht rühren,
Nicht laut und nicht leis!
O ihr teuren Gespielen,
Überlaßt mir den stolzen Mann!
Er soll sehn, wie die Liebe
Ein feurig Schwert werden kann!
op.69 n.9 "Mädchenfluch"
Text by Siegfried Kapper (1821-1879), "Fluch ihm, Mutter, ich auch will ihm
fluchen", from Die Gesänge der Serben (Leipzig, 1852), from a Serbian folk text
Music by Johannes Brahms, op. 69 no. 9 (1877), first performance 1878
Ruft die Mutter, ruft der Tochter
Über drei Gebirge:
"Ist, o Mara, liebe Tochter,
Ist gebleicht das Linnen?"
Ihr zurück die junge Tochter
Über neun Gebirge:
"Nichts in's Wasser, liebe Mutter,
Taucht' ich noch das Linnen,
Denn, o sieh', es hat das Wasser
Jawo mir getrübet.
Wie dann erst, o liebe Mutter,
Hätt' ich es gebleicht schon!
Fluch' ihm, Mutter, liebe Mutter!
Ich auch will ihm fluchen.
Gäbe Gott im hellen Himmel,
Daß er sich erhänge -
An ein böses Bäumchen hänge,
An den weißen Hals mir!
Gäbe Gott im hellen Himmel,
Daß er lieg' gefangen
Lieg' gefangen tief im Kerker,
An der weißen Brust mir!
Gäbe Gott, der Herr im Himmel,
Daß er Ketten trage -
Ketten trage, festgeschlungen,
Meine weißen Arme!
Gäbe Gott im hellen Himmel,
Daß ihn nähm' das Wasser -
Daß ihn nähm' das wilde Wasser,
Mir in's Haus ihn bringe!"
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