| The Lieder of Johannes Brahms |
Lieder
complete index Op.70 n.1
"Im Garten am Seegestade" Im Garten am Seegestade Uralte Bäume stehn, In ihren hohen Kronen Sind kaum die Vögel zu sehn. Die Bäume mit hohen Kronen, Die rauschen Tag und Nacht, Die Wellen schlagen zum Strande, Die Vöglein singen sacht. Das gibt ein Musizieren So süß, so traurig bang, Als wie verlorner Liebe Und ewiger Sehnsucht Sang. Text by Karl August Candidus (1817-1872), from Vermischte Gedichte, published 1869 Music by Johannes Brahms, Op. 70 no. 2 (1877) Ätherische ferne Stimmen, Der Lerchen himmlische Grüße, Wie regt ihr mir so süße Die Brust, ihr lieblichen Stimmen! Ich schließe leis mein Auge, Da ziehn Erinnerungen In sanften Dämmerungen Durchweht vom Frühlingshauche. Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lied des Rugantino aus Claudine von Villabella Music by Johannes Brahms, Op. 70 no. 3, "Serenade" See also: (1838-1920), Op. 49, i, 1, "Frage" (1882) Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), Op. 6 no. 5 (1904-5), Pesnja iz "Klaudiny" ("Aus Claudine von Villa-Bella", singable in Russian and German) Christian Gottlob Neefe (1748-1798), "Serenate, aus Claudine von Villa Bella" (1777) Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Aus Claudine von Villa Bella", published 1781 Liebliches Kind, Kannst du mir sagen, [Warum einsam und stumm Zärtliche Seelen ] Immer sich quälen, Selbst sich [betrüben], Und ihr Vergnügen Immer nur ahnen, Da, wo sie nicht sind; Kannst du mir's sagen, Liebliches Kind? Text by Gottfried Keller (1819-1890), from Neuere Gedichte (Brunswick, 1851) Music by Johannes Brahms, Op. 70 no. 4 (1875) Langsam und schimmernd fiel ein Regen, In den die Abendsonne schien; Der Wandrer schritt auf engen Wegen Mit düstrer Seele drunter hin. Er sah die großen Tropfen blinken Im Fallen durch den goldnen Strahl; Er fühlt' es kühl aufs Haupt ihm sinken Und sprach mit schauernd süßer Qual: Nun weiß ich, daß ein Regenbogen Sich hoch um meine Stirne zieht, Den auf dem Pfad, den ich gezogen, Die heitre Ferne spielen sieht. Und die mir hier am nächsten stehen, Und wer mich scharf zu kennen meint, Sie können selber doch nicht sehen, Wie er versöhnend ob mir scheint. So wird, wenn andre Tage kommen, Die sonnig auf dies Heute sehn, [Ob meinem fernen, bleichen Namen Der Ehre Regenbogen stehn.] Text by Heinrich Heine (1797-1856), "Frühling", from Romanzen (1839) Music by Johannes Brahms, "Es liebt sich so lieblich im Lenze", Op. 71 no. 1 (1877) See also: Leopold Damrosch (1832-1885), "Frühling" (Spring), Op. 16 no. 2 Robert Franz (1815-1892), "Frühling" (Spring), Op. 38 no. 1 (1867?) Die Wellen blinken und fließen dahin, Es liebt sich so lieblich im Lenze! Am Fluße sitzet die Schäferin Und windet die zärtlichsten Kränze. [Das knospet und quillt und duftet und blüht,] es liebt sich so lieblich im Lenze! Die Schäferin seufzt aus [tiefer Brust]: "Wem geb' ich meine Kränze?" Ein Reiter reitet den Fluß entlang, er grüßet so blühenden Mutes, die Schäferin schaut ihm nach so bang, fern flattert die Feder des Hutes. Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß die schönen Blumenkränze. Die Nachtigall singt von Lieb' und Kuß, es liebt sich so lieblich im Lenze! Text by Karl Joseph Simrock (1802-1876), from Gedichte (Leipzig, 1844) Music by Johannes Brahms, "Es liebt sich so lieblich im Lenze", Op. 71 no. 2 (1877) Silbermond mit bleichen Strahlen pflegst du Wald und Feld zu malen, gibst den Bergen, gibst den Talen der Empfindung Seufzer ein. Sei Vertrauter meiner Schmerzen, Segler in der Lüfte See: Sag' ihr, die ich trag' im Herzen, wie mich tötet Liebesweh. Sag' ihr, über tausend Meilen sehne sich mein Herz nach ihr. "Keine Ferne kann es heilen, nur ein holder Blick von dir." Sag' ihr, daß zu Tod getroffen diese Hülle bald zerfällt; nur ein schmeichlerisches Hoffen sei's, das sie zusammenhält. Text by Karl August Candidus (1817-1872), from Vermischte Gedichte (Leipzig, 1869) Music by Johannes Brahms, Op. 71 no. 3 (1877) O Frühlingsabenddämmerung! O laues, lindes Weh'n, Ihr Blütenbäume, sprech, was tut ihr so zusammensteh'n? Vertraut ihr das Geheimnis euch Von uns'rer Liebe süß? Was flüstert ihr ein ander zu Von uns'rer Liebe süß? Text by Karl von Lemcke (1831-1913), "Auf der Heide saust der Wind", from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861) Music by Johannes Brahms, Op. 71 no. 4 (1877) Auf der Heide [weht] der Wind Herzig Kind, herzig Kind Willst du, daß trotz Sturm und Graus In die Nacht ich muß hinaus Willst du, daß ich geh'? Auf der Heid' zu Bergeshöh' Treibt der Schnee, treibt der Schnee; Feget Straßen, Schlucht und Teich Mit den weißen Flügeln gleich. Willst du, daß ich geh'? Horch, wie klingt's herauf vom See Wild und weh, wild und weh! An den Weiden sitzt die Fei Und mein Weg geht dort vorbei Willst du, daß ich geh'? Wie ist's hier in deinem Arm Traut und warm, traut und warm; Ach, wie oft hab' ich gedacht: So bei dir nur eine Nacht Willst du, daß ich geh'? Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776) Music by Johannes Brahms, Op. 71 no. 5 (1877) See also: (1874-1954), "Minnelied", set in German (1892?) Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), "Minnelied im Mai", Op. 8 no. 1 (1828) Franz Schubert (1797-1828), "Minnelied", D. 429 (May 1816), published 1885 Holder klingt der Vogelsang, Wenn die Engelreine, Die mein [Jünglingsherz] bezwang Wandelt durch die Haine. Röter blühen Tal und Au, Grüner wird der Wasen, [Wo die Finger meiner Frau Maienblumen lasen.] Ohne sie ist alles tot, Welk sind Blüt' und Kräuter; Und kein Frühlingsabendrot Dünkt mir schön und heiter. Traute, minnigliche Frau, Wollest nimmer fliehen; Daß mein Herz, gleich dieser Au, Mög' in Wonne blühen! Text by Karl August Candidus (1817-1872), from Vermischte Gedichte (Leipzig, 1869) Music by Johannes Brahms, Op. 72 no. 1 (1876) Es kehrt die dunkle Schwalbe Aus fernem Land zurück, Die frommen Störche kehren Und bringen neues Glück. An diesem Frühlingsmorgen, So trüb' verhängt und warm, Ist mir, als fänd' ich wieder Den alten Liebesharm. Es ist als ob mich leise Wer auf die Schulter schlug, Als ob ich säuseln hörte, Wie einer Taube Flug. Es klopft an meine Türe, Und ist doch niemand draus; Ich atme Jasmindüfte, Und habe keinen Strauß. Es ruft mir aus der Ferne, Ein Auge sieht mich an, Ein alter Traum erfaßt mich Und führt mich seine Bahn, Text by Karl August Candidus (1817-1872), from Vermischte Gedichte (Leipzig, 1869) Music by Johannes Brahms, Op. 72 no. 2 (1876) Sommerfäden hin und wieder Fliegen von den Himmeln nieder; Sind der Menschen Hirngespinste, Fetzen goldner Liebesträume, An die Stauden, an die Bäume Haben sie sich dort verfangen; Hochselbsteigene Gewinste Sehen wir darunter hangen. Text by Clemens Maria Wenzeslaus von Brentano (1778-1842), from Gesammelte Werke (Frankfurt am Main, 1852-55) Music by Johannes Brahms, Op. 72 no. 3 (1877) See also: (1795-1861), Op. 132 no. 2, published 184-? O kühler Wald, Wo rauschest du, In dem mein Liebchen geht? O Widerhall, Wo lauschest du, Der gern mein Lied versteht? [O Widerhall, O sängst du ihr Die süßen Träume vor, Die Lieder all, O bring sie ihr, Die ich so früh verlor!] Im Herzen tief, Da rauscht der Wald, In dem mein Liebchen geht, In Schmerzen schlief Der Widerhall, Die Lieder sind verweht. [Im Walde bin Ich so allein, O Liebchen, wandre hier, Verschallet auch Manch Lied so rein, Ich singe andre dir!] Text by Karl von Lemcke (1831-1913), from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861) Music by Johannes Brahms, Op. 72 no. 4 (1877) Ich sitz' am Strande der rauschenden See Und suche dort nach Ruh', Ich schaue dem Treiben der Wogen Mit dumpfer Ergebung zu. Die Wogen rauschen zum Strande hin, Sie schäumen und vergehn, Die Wolken, die Winde darüber, Die kommen und verwehn. Du ungestümes Herz sei still Und gib dich doch zur Ruh', Du sollst mit Winden und Wogen Dich trösten, - was weinest du? Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Sämmtliche Werke (Stuttgart, 1860) Music by Johannes Brahms, Op. 72 no. 5 (1877) Hab' ich tausendmal geschworen Dieser Flasche nicht zu trauen, Bin ich doch wie neugeboren, Läßt mein Schenke fern sie schauen. Alles ist an ihr zu loben, Glaskristall und Purpurwein; Wird der Propf herausgehoben, Sie ist leer und ich nicht mein. Hab' ich tausendmal geschworen, Dieser Falschen nicht zu trauen, Und doch bin ich neugeboren, Läßt sie sich ins Auge schauen. Mag sie doch mit mir verfahren, Wie's dem stärksten Mann geschah. Deine Scher' in meinen Haaren, Allerliebste Delila! Text by Johann Gottfried Herder (1744-1803) after a Scottish ballad from "Reliques of Ancient, english Poetry" by Thomas Percy (1729-1811) Music by Johannes Brahms, Op. 75 no. 1 (1877) See also: (1796-1869), "Edward", Op. 1 no. 1 Franz Schubert (1797-1828), "Eine altschottische Ballade", D. 923 (1827), published 1863 Josef Antonín `St`epán (1726-1797), "Edward und seine Mutter", published 1778-9 Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot? Edward, Edward! Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot? Und gehst so traurig da? O! Ich hab geschlagen meinen Geier tot, Mutter, Mutter! Ich hab geschlagen meinen Geier tot, Und das, das geht mir nah. O! Deines Geiers Blut ist nicht so rot, Edward, Edward! Deines Geiers Blut ist nicht so rot, Mein Sohn, bekenn mir frei. O! Ich hab geschlagen mein Rotroß tot, Mutter, Mutter! Ich hab geschlagen mein Rotroß tot, Und's war so stolz und treu. O! Dein Roß war alt und hast's nicht not, Edward, Edward! Dein Roß war alt und hast's nicht not, Dich drückt ein andrer Schmerz. O! Ich hab geschlagen meinen Vater tot! Mutter, Mutter! Ich hab geschlagen meinen Vater tot, Und das, das quält mein Herz! O! Und was wirst du nun an dir tun, Edward, Edward? Und was wirst du nun an dir tun, Mein Sohn, das sage mir! O! Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn! Mutter, Mutter! Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn! Will wandern übers Meer! O! Und was soll werden dein Hof und Hall, Edward, Edward? Und was soll werden dein Hof und Hall, So herrlich sonst, so schön? O! Ach immer steh's und sink und fall! Mutter, Mutter! Ach immer steh's und sink und fall, Ich werd es nimmer sehn! O! Und was soll werden aus Weib und Kind, Edward, Edward? Und was soll werden aus Weib und Kind, Wann du gehst übers Meer? O! Die Welt ist groß, laß sie betteln drin, Mutter, Mutter! Die Welt ist groß, laß sie betteln drin, Ich seh sie nimmermehr! O! Und was soll deine Mutter tun, Edward, Edward? Und was soll deine Mutter tun, Mein Sohn, das sage mir? O! Der Fluch der Hölle soll auf euch ruhn, Mutter, Mutter! Der Fluch der Hölle soll auf euch ruhn, Denn ihr, ihr rietet's mir! O! Text by Willibald Alexis (Wilhelm Häring) (1798-1871) Music by Johannes Brahms, Op. 75 no. 4 (1878) See also: Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), Op. 2 no. 3 Liebe Mutter, heut' Nacht heulte Regen und Wind. "Ist heute der erste Mai, liebes Kind." Liebe Mutter, es donnerte auf dem Brocken droben. "Liebes Kind, es waren die Hexen oben." Liebe Mutter, ich möcht keine Hexen sehn. "Liebes Kind, es ist wohl schon oft geschehn." Liebe Mutter, ob wohl im Dorf Hexen sind? "Sie sind dir wohl näher, mein liebes Kind." Liebe Mutter, worauf fliegen die Hexen zum Berg? "Liebes Kind, auf dem Rauche von heissem Werg." Liebe Mutter, worauf reiten die Hexen zum Spiel? "Liebes Kind, sie reiten auf'nem Besenstiel." Liebe Mutter, ich sah gestern im Dorf viel Besen. "Es sind auch viel Hexen auf'm Brocken gewesen." Liebe Mutter, 's hat gestern im Schornstein geraucht. "Liebes Kind, es hat Einer das Werg gebraucht." Liebe Mutter, in der Nacht war dein Besen nicht zu Haus. "Liebes Kind, so war er zum Blocksberg hinaus." Liebe Mutter, dein Bett war leer in der Nacht. "Deine Mutter hat oben auf dem Blocksberg gewacht." Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) Music by Johannes Brahms, Op. 82 (1880/1881) Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götterbezwinget, Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher, Und an der Schwelle noch, streng, Rief er zurück sein Geschenk. Nicht stillt Aphrodite dem schöne Knaben die Wunde, die in den zierlichen Leib Grausam der Eber geritzt. Nicht erretet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter, Wann er, am skäischen Tor fallend, Sein Schicksal erfüllt. Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus, Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn. Siehe, da weinen die Götter, es weinen die Göttinnin alle, Daß das Schöne vergeht, Daß das Vollkommene stirbt. Auch ein Klaglied zu sein Im Mund der Geliebten, ist Herrlich, Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab. Text by Hans Schmidt (1856-1923), from Gedichte und Übersetzungen (Offenbach am Main, no date: the indications of who is speaking are not in the original text) Music by Johannes Brahms, Op. 84 no.1 (1881) Die Mutter: Geh' schlafen, Tochter, schlafen! Schon fällt der Tau aufs Gras, Und wen die Tropfen trafen, Weint bald die Augen naß! Die Tochter: Laß weinen, Mutter, weinen! Das Mondlicht leuchtet hell, Und wem die Strahlen scheinen, Dem trocknen Tränen schnell! Die Mutter: Geh' schlafen, Tochter, schlafen! Schon ruft der Kauz im Wald, Und wen die Töne trafen, Muß mit ihm klagen bald! Die Tochter: Laß klagen, Mutter, klagen! Die Nachtigall singt hell, Und wem die Lieder schlagen, Dem schwindet Trauer schnell! Text by Hans Schmidt (1856-1923), from Gedichte und Übersetzungen (Offenbach am Main, no date: the indications of who is speaking are not in the original text) Music by Johannes Brahms, Op. 84 no.2 (1881) Die Tochter: Mutter, hilf mir armen Tochter, Sieh' nur, was ein Knabe tat: Einen Kranz von Rosen flocht er, Den er mich zu tragen bat! Die Mutter: Ei, sei deshalb unerschrocken, Helfen läßt sich dir gewiß! Nimm den Kranz nur aus den Locken, Und den Knaben, den vergiß! Die Tochter: Dornen hat der Kranz, o Mutter, Und die halten fest das Haar! Worte sprach der Knabe, Mutter, an die denk' ich immerdar! Text by Hans Schmidt (1856-1923), from Gedichte und Übersetzungen (Offenbach am Main, no date: the indications of who is speaking are not in the original text) Music by Johannes Brahms, Op. 84 no.3 Die Mutter: Singe, Mädchen, hell und klar, Sing' aus voller Kehle, Daß uns nicht die Spatzenschar Alle Beeren stehle! Die Tochter: Mutter, mag auch weit der Spatz Flieh'n vor meinem Singen, Fürcht' ich doch, es wird den Schatz Um so näher bringen. Die Mutter: Freilich, für so dreisten Gauch Braucht es einer Scheuche, Warte nur, ich komme auch In die Beerensträuche! Die Tochter: Mutter, nein, das hat nicht Not: Beeren, schau, sind teuer, Doch der Küsse, reif und rot, Gibt es viele heuer! Text by Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869), from Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen (Berlin, 1838-40), loosely based on a folk song from the Lower Rhine Music by Johannes Brahms, Op. 84 no. 4 (1877-9), first performed 1883 Er: Guten Abend, mein Schatz, guten Abend, mein Kind! Ich komm' aus Lieb' zu dir, Ach, mach' mir auf die Tür, mach' mir auf die Tür! Sie: Meine Tür ist verschlossen, Ich laß dich nicht ein; Mutter, die rät' mir klug, Wär'st du herein mit Fug, Wär's mit mir vorbei! Er: So kalt ist die Nacht, so eisig der Wind, Daß mir das Herz erfriert, Mein' Lieb' erlöschen wird; Öffne mir, mein Kind! Sie: Löschet dein' Lieb'; lass' sie löschen nur! Löschet sie immerzu, Geh' heim zu Bett, zur Ruh'! Gute Nacht, mein Knab'! Volkslied from the Lower Rhine?, text from Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen (Berlin, 1838-40) Music by Johannes Brahms, "Spannung", Op. 84 no. 5 (1877-9), also as "Guten Abend" in WoO. 33 no. 4, WoO. 32 no. 26 Er: Gut'n Abend, gut'n Abend, mein tausiger Schatz, Ich sag' dir guten Abend; Komm' du zu mir, ich komme zu dir, Du sollst mir Antwort geben, mein Engel! Sie: Ich kommen zu dir, du kommen zu mir? Das wär' mir gar keine Ehre; Du gehst von mir zu andern Jungfrauen, [Das hab' ich wohl vernommen, mein Engel!] Er: Ach nein, mein Schatz, und glaub' es nur nicht, Was falsche Zungen reden, Es geben so viele gottlosige Leut', Die dir und mir nichts gönnen, mein Engel! Sie: Und gibt es so viele gottlosige Leut', Die dir und mir nichts gönnen, So solltest du selber bewahren die Treu' Und machen zu Schanden ihr Reden, mein Engel! Er: Leb' wohl, mein Schatz, ich hör' es wohl, Du hast einen Anderen lieber, So will ich meiner Wege geh'n, Gott möge dich wohl behüten, mein Engel! Sie: Ach nein, ich hab' kein' Anderen lieb, Ich glaub' nicht gottlosigen Leuten, Komm' du zu mir, ich komme zu dir, Wir bleiben uns beide getreue, mein Engel! Text by Heinrich Heine (1797-1856), first published in 1826 in Reisebilder von Heinrich Heine,later included in "Buch der Lieder" (1826/27) as No. 85 of the cycle "Heimkehr" Music by Johannes Brahms, Op. 85 no. 1 (1878) See also: Othmar Schoeck (1886-1957), Op. 4 no. 1 (1904) Dämmernd liegt der Sommerabend Über Wald und grünen Wiesen; Goldner Mond im blauen Himmel Strahlt herunter, duftig labend. An dem Bache zirpt die Grille, Und es regt sich in dem Wasser, Und der Wandrer hört ein Plätschern Und ein Atmen in der Stille. Dorten, an dem Bach alleine, Badet sich die schöne Elfe; Arm und Nacken, weiß und lieblich, Schimmern in dem Mondenscheine. Text by Heinrich Heine (1797-1856), from Rheinische Flora no. 12, later included in Buch der Lieder (1826/7) as No. 86 of the cycle "Heimkehr" Music by Johannes Brahms, "Mondenschein", Op. 85 no. 2 (1878) See also: Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Nacht liegt auf den fremden Wegen", A5 (1904?) John H. Powell (1882-1963), "Mondfriede", published 1910 Nacht liegt auf den fremden Wegen, Krankes Herz und müde Glieder; - Ach, da fließt, wie stiller Segen, Süßer Mond, dein Licht hernieder; Süßer Mond, mit deinen Strahlen Scheuchest du das nächt'ge Grauen; Es zerrinnen meine Qualen, Und die Augen übertauen. Text by Siegfried Kapper (1821-1879), from the Serbian, titled "Röslein, was erblühst du mir so frühe", from Gesänge der Serben (Leipzig, 1852) Music by Johannes Brahms, Op. 85 no. 3 (1878) Ach, und du mein kühles Wasser! Ach, und du mein rotes Röslein! Was erblühst du mir so frühe? Hab' ja nicht, für wen dich pflücken! Pflück' ich dich für meine Mutter? Keine Mutter hab' ich Waise! Pflück' ich dich für meine Schwester? Ei doch, längst vermählet ist sie! Pflück' ich dich für meinen Bruder? Ist gezogen in die Feldschlacht! Pflück' ich dich für den Geliebten? Fern, ach, weilet der Geliebte! Jenseit dreier grünen Berge, Jenseit dreier kühlen Wasser! Text by Siegfried Kapper (1821-1879), translated from the Bohemian, from Slawische Melodien (Leipzig, 1844) Music by Johannes Brahms, Op. 85 no. 4 (1877-82), published 1882 Wie schienen die Sternlein so hell, so hell Herab von der Himmelshöh'. Zwei Liebende standen auf der Schwell', Ach, Hand in Hand: "Ade!" Die Blümlein weinten auf Flur und Steg, Sie fühlten der Liebenden Weh, Die standen traurig am Scheideweg, Ach, Herz an Herz: "Ade!" Die Lüfte durchrauschen die Waldesruh', Aus dem Tal und von der Höh' Wehn zwei weiße Tücher einander zu: "Ade, ade, ade!" Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), from Spätherbstblätter, in a section titled "Lieder aus alter und neuer Zeit" Music by Johannes Brahms, Op. 85 no. 5 (1878), published 1882 Mit geheimnisvollen Düften Grüßt vom Hang der Wald mich schon, Über mir in hohen Lüften Schwebt der erste Lerchenton. In den süßen Laut versunken Wall' ich hin durchs Saatgefild, Das noch halb vom Schlummer trunken Sanft dem Licht entgegenschwillt. Welch ein Sehnen! welch ein Träumen! Ach, du möchtest vorm Verglühn Mit den Blumen, mit den Bäumen, Altes Herz, noch einmal blühn. Text by Karl von Lemcke (1831-1913), from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861) Music by Johannes Brahms, Op. 85 no. 6 (1878) Ich saß zu deinen Füßen In Waldeseinsamkeit; Windesatmen, Sehnen Ging durch die Wipfel breit. In stummen Ringen senkt' ich Das Haupt in deinen Schoß, Und meine bebenden Hände Um deine Knie ich schloß. Die Sonne ging hinunter, Der Tag verglühte all, Ferne, ferne, ferne Sang eine Nachtigall. |