Lieder
complete index
Lieder Index g, opp.: 86, 91, 93a,
94, 95, 96, 97, 103, 105, 107, 106 and 121
op. 86.
no. 1. Therese
no. 2. Feldeinsamkeit
no. 3. Nachtwandler
no. 4. Über die Heide
no. 5. Versunken
no. 6. Todessehnen
op. 91
no. 1. Gestillte Sehnsucht
no. 2. Geistliches Wiegenlied
op. 93a.
no. 2. Das Mädchen (also
op.95 no. 1)
no. 5. Der Falke
no. 6. Beherzigung
op. 94.
no. 1. Mit vierzig Jahren
no. 2. Steig auf, geliebter
Schatten
no. 3. Mein Herz ist schwer
no. 4. Sapphische Ode
no. 5. Kein Haus, keine Heimat
op. 95.
no. 1. Das Mädchen (also op.
93a no. 2)
no. 2. Bei dir sind meine
Gedanken
no. 3. Beim Abschied
no. 4. Der Jäger
no. 5. Vorschneller Schwur
no. 6. Mädchenlied
no. 7. Schön war, das ich dir
weihte
op. 96.
no. 1. Der Tod, das ist die
kühle Nacht
no. 2. Wir wandelten
no. 3. Es schauen die Blumen
no. 4. Meerfahrt
op. 97.
no. 1. Nachtigall
no. 2. Auf dem Schiffe
no. 3. Entführung
no. 4. Dort in den Weiden
no. 5. Komm bald
no. 6. Trennung
op. 103. Zigeunerlieder
op. 105.
no. 1. Wie Melodien zieht es
mir
no. 2. Immer leiser wird mein
Schlummer
no. 3. Klage
no. 4. Auf dem Kirchhofe
no. 5. Verrat
op. 106.
no. 1. Ständchen
no. 2. Auf dem See
no. 3. Es hing der Reif
no. 4. Meine Lieder
no. 5. Ein Wanderer
op. 107.
no. 1. An die Stolze
no. 2. Salamander
no. 3. Das Mädchen spricht
no. 4. Maienkätzchen
no. 5. Mädchenlied
op. 121. Vier ernste Gesänge
Op.86 n.1
"Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?"
Text by Gottfried Keller (1819-1890), from Neuere Gedichte (Brunswick, 1851), part of the
cycle "Von Weibern: Alte Lieder: 1846"
Music by Johannes Brahms, "Therese", Op. 86 no. 1 (1878)
See also:
Hans Erich Pfitzner
(1869-1949), "Du milchjunger Knabe",Op. 33 (1923), from Alte
Weise, no. 3
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), "Du
milchjunger Knabe", Op. 16 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903),
"Du milchjunger Knabe"
Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?
Was haben deine Augen für eine Frage getan!
Alle Ratsherrn in der Stadt und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage, die deine Augen gestellt!
Eine Meermuschel liegt auf dem Schrank meiner Bas':
Da halte dein Ohr d'ran, dann hörst du etwas!
Op.86 n.2
"Feldeinsamkeit"
Text by Hermann Allmers (1821-1902), from Dichtungen (Bremen, 1860)
Music by Johannes Brahms, Op. 86 no. 2 (1879?)
See also:
Charles Edward Ives (1874-1954), in German and English (1900)
Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew'ge Räume.
Op.86 n.3
"Nachtwandler"
Text by Max Kalbeck (1850-1921), from Nächte (Hirschberg, 1878), from a section titled
"Aus Heimat und Fremde"
Music by Johannes Brahms, Op. 86 no. 3 (1877?)
Stören nicht den leisen Schlummer
Dess, den lind ein Traum umfangen!
Laß ihm seinen süßen Kummer!
Ihm sein schmerzliches Verlangen!
Sorgen und Gefahren drohen,
Aber keine wird ihm schrecken,
Kommst du nicht, den Schlafesfrohen
Durch ein hartes Wort zu wecken.
Still in seinen Traum versunken,
Geht er über Abgrundtiefen,
wie vom Licht des Vollmonds trunken,
Weh' den Lippen, die ihn riefen!
Op.86 n.4 "Über
die Heide"
Text by Theodor Storm (1817-1888), from Gesammelte Schiften (Brunswick, 1868-9)
Music by Johannes Brahms, Op. 86 no. 4, published in 1882
See also:
(Friedrich) August Bungert (1845-1915), Op. 32 no.
5, from Verlorne Liebe, verlornes Leben published 1889-91
Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit,
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher,
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär' ich nur hier nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe - wie flog es vorbei!
Op.86 n.5
"Versunken"
Text by Felix Schumann (1854-1879)
Music by Johannes Brahms, Op. 86 no. 5 (1873)
Es brausen der Liebe Wogen
Und schäumen mir um das Herz;
Zwei tiefe Augen zogen
Mich mächtig niederwärts.
Mich lockte der Nixen Gemunkel,
Die wunderliebliche Mär,
Als ob die Erde dunkel
Und leuchtend die Tiefe wär'!
Als würde die seligste Ferne
Dort unten reizende Näh',
Als könnt' ich des Himmels Sterne
Dort greifen in blauer See.
Nun brausen und schäumen die Wogen
Und hüllen mich allwärts ein,
Es schimmert in Regenbogen
Die Welt von ferne herein.
Op.86 n.6
"Todessehnen"
Text by (Gottlob Ferdinand) Max(imilian) Gottfried von Schenkendorf (1783-1817), 1807,
first published in 1837
Music by Johannes Brahms, Op. 86 no. 6 (1878)
Ach, wer nimmt von meiner Seele
Die geheime, schwere Last,
Die, je mehr ich sie verhehle,
Immer mächtiger mich faßt?
Möchtest du nur endlich brechen,
Mein gequältes, banges Herz!
Findest hier mit deinen Schwächen,
Deiner Liebe, nichts als Schmerz.
Dort nur wirst du ganz genesen,
Wo der Sehnsucht nichts mehr fehlt,
Wo das schwesterliche Wesen
Deinem Wesen sich vermählt.
Hör' es, Vater in der Höhe,
Aus der Fremde fleht dein Kind:
Gib', daß er mich bald umwehe,
Deines Todes Lebenswind.
Daß er zu dem Stern mich hebe,
Wo man keine Trennung kennt,
Wo die Geistersprache Leben
Mit der Liebe Namen nennt.
Op.91 n.1 "Gestillte
Sehnsucht"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866), from Werke, vol. 2 (1816), from a section titled
"Jugendlieder"
Music by Johannes Brahms, Op. 91 no. 1, composed 1884
In gold'nen Abendschein getauchet,
Wie feierlich die Wälder stehn!
In leise Stimmen der Vöglein hauchet
Des Abendwindes leises Weh'n.
Was lispeln die Winde, die Vögelein?
Sie lispeln die Welt in Schlummer ein.
Ihr Wünsche, die ihr stets euch reget
Im Herzen sonder Rast und Ruh!
Du Sehnen, das die Brust beweget,
Wann ruhest du, wann schlummerst du?
Beim Lispeln der Winde, der Vögelein,
Ihr sehnenden Wünsche, wann schlaft ihr ein?
[Was kommt gezogen auf Traumesflügeln?
Was weht mich an so bang, so hold?
Es kommt gezogen von fernen Hügeln,
Es kommt auf bebendem Sonnengold.
Wohl lispeln die Winde, die Vögelein,
Das Sehnen, das Sehnen, es schläft nicht ein.]
Ach, wenn nicht mehr in gold'ne Fernen
Mein Geist auf Traumgefieder eilt,
Nicht mehr an ewig fernen Sternen
Mit sehnendem Blick mein Auge weilt;
Dann lispeln die Winde, die Vögelein
Mit meinem Sehnen mein Leben ein.
Op.91 n.2 "Die
ihr schwebet"
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after the Spanish poem by Lope Felix de Vega
Carpio (1562-1635)
Music by Johannes Brahms, Op. 91 no. 2, "Geistliches
Wiegenlied"
See also:
Hugo Wolf (1860-1903), Spanisches
Liederbuch no. 4, "Die ihr schwebet"
Die ihr schwebet
Um diese Palmen
In Nacht und Wind,
Ihr heilgen Engel,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
Ihr Palmen von Bethlehem
Im Windesbrausen,
Wie mögt ihr heute
So zornig sausen!
O rauscht nicht also!
Schweiget, neiget
Euch leis und lind;
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
Der Himmelsknabe
Duldet Beschwerde,
Ach, wie so müd er ward
Vom Leid der Erde.
Ach nun im Schlaf ihm
Leise gesänftigt
Die Qual zerrinnt,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
Grimmige Kälte
Sauset hernieder,
Womit nur deck ich
Des Kindleins Glieder!
O all ihr Engel,
Die ihr geflügelt
Wandelt im Wind,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein kind.
Op. 93a n.2
"Das Mädchen"
Text by Siegfried Kapper (1821-1879), "Wüßt ich, Antlitz, wer dich einst wird
küssen", from "Die Gesänge der Serben" (Leipzig, 1852)
Music by Johannes Brahms, Op. 93a no. 2 and Op. 95 no. 1 (1883),
both published 1884
Stand das Mädchen, stand am Bergesabhang,
Widerschien der Berg von ihrem Antlitz,
Und das Mädchen sprach zu ihrem Antlitz:
"Wahrlich, Antlitz, o du meine Sorge,
Wenn ich wüßte, du mein weißes Antlitz,
Daß dereinst ein Alter dich wird küssen,
Ging hinaus ich [zu] den grünen Bergen,
Pflückte allen Wermut in den Bergen,
Preßte bitt'res Wasser aus dem Wermut,
Wüsche dich, o Antlitz, mit dem Wasser,
Daß du bitter, wenn dich küßt der Alte!
Wüßt' ich aber, du mein weißes Antlitz,
Daß dereinst ein Junger dich wird küssen,
Ging hinaus ich in den grünen Garten,
Pflückte alle Rosen in dem Garten,
Preßte duftend Wasser aus den Rosen,
Wüsche dich, o Antlitz, mit dem Wasser,
Daß du duftest, wenn dich küßt der Junge!"
Op. 93a n.6
"Feiger Gedanken bängliches Schwanken"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Johannes Brahms, "Beherzigung" (Reflection), Op. 93a no. 6 (1883?) and
Op. 95
See also:
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914),
"Beherzigung", from 7 Goethe Lieder (7), published 194-?
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Beherzigung" and
"Aus Lila", published 1809
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), "Feiger Gedanken bängliches
Schwanken", Op. 10 no. 3 (1933)
Hermann Hans Wetzler (1870-1943), "Beherzigung" (1907)
Hugo Wolf (1860-1903), "Beherzigung", from Sechs
Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner no. 4
Alexander Zemlinsky (1871-1942), "Feiger Gedanken
bängliches Schwanken", Op. 22 no. 3 (1934)
Feiger Gedanken
bängliches Schwanken,
weibisches Zagen,
ängstliches Klagen
wendet kein Elend,
macht dich nicht frei.
Allen Gewalten
zum Trutz sich erhalten,
nimmer sich beugen,
kräftig sich zeigen,
rufet die Arme
der Götter herbei!
Op.94 n.1
"Mit vierzig Jahren"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866), first published in Deutscher Musenalmanach, 1883,
believed to have been written in 1832
Music by Johannes Brahms, Op. 94 no. 1 (1883/4)
Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen,
Wir stehen still und schaun zurück;
Dort sehen wir der Kindheit stilles liegen
Und dort der Jugend lautes Glück.
Noch einmal schau, und dann gekräftigt weiter
Erhebe deinen Wanderstab!
Hindehnt ein Bergesrücken sich, ein breiter,
Und hier nicht, drüben geht's hinab.
Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen,
Die Ebene zieht von selbst dich fort;
Dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen,
Und eh' du's denkst, bist du im Port.
Op.94 n.2
"Steig auf, geliebter Schatten"
Text by Friedrich Halm (1806-1871), from Gesammelte Werke, vol. 9 (Vienna, 1856-72), in a
section titled "Vermischte Gedichte"
Music by Johannes Brahms, Op. 94 no. 2 (1883/4)
Steig auf, geliebter Schatten,
Vor mir in toter Nacht,
Und lab mich Todesmatten
Mit deiner Nähe Macht!
Du hast's gekonnt im Leben,
Du kannst es auch im Tod.
Sich nicht dem Schmerz ergeben,
War immer dein Gebot.
So komm, still meine Tränen,
Gib meiner Seele Schwung,
Und Kraft den welken Sehnen,
Und mach mich wieder jung.
Op.94 n.3
"Mein Herz ist schwer"
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), from Spätherbstblätter, from the section titled
"Lieder aus alter und neuer Zeit"
Music by Johannes Brahms, Op. 94 no. 3 (1883/4)
Mein Herz ist schwer, mein Auge wacht,
Der Wind fährt seufzend durch die Nacht;
Die Wipfel rauschen weit und breit,
Sie rauschen von vergangner Zeit.
Sie rauschen von vergangner Zeit,
Von großen Glück und Herzeleid,
Vom Schloß und von der Jungfrau drin -
Wo ist das alles, alles hin?
Wo ist das alles, alles hin,
Leid, Lieb' und Lust und Jugendsinn?
Der Wind fährt seufzend durch die Nacht,
Mein Herz ist schwer, mein Auge wacht.
Op.94 n.4
"Sapphische Ode"
Text by Hans Schmidt (1856-1923), "Gereimte sapphische Ode", from Gedichte und
Übersetzungen (Offenbach, no date), in a section titled "In antiker Form"
Music by Johannes Brahms, Op. 94 no. 4 (1884)
Rosen brach ich nachts mir am dunklen Hage;
Süßer hauchten Duft sie als je am Tage;
Doch verstreuten reich die bewegten Äste
Tau, der mich näßte.
Auch der Küsse Duft mich wie nie berückte,
Die ich nachts vom Strauch deiner Lippen pflückte:
Doch auch dir, bewegt im Gemüt gleich jenen,
Tauten die Tränen.
Op.94 n.5
"Kein Haus, keine Heimat"
Text by Friedrich Halm (1806-1871), "In der Südsee", from Gesammelte Werke,
vol. 7 (Vienna, 1856-72)
Music by Johannes Brahms, Op. 94 no. 5 (1884)
[Meine Jacke ist ganz noch
Und mein Glas noch voll Gin!
Welt, geh' deiner Wege,
Ich frag' nicht, wohin?]
Kein Haus, keine Heimat,
Kein Weib und kein Kind,
So wirbl' ich, ein Strohhalm,
In Wetter und Wind!
Well' auf und Well' nieder,
Bald dort und bald hier;
Welt, fragst du nach mir nicht,
Was frag' ich nach dir?
Op.95 n.1
"Das Mädchen"
Text by Siegfried Kapper (1821-1879), "Wüßt ich, Antlitz, wer dich einst wird
küssen", from "Die Gesänge der Serben" (Leipzig, 1852)
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 1 (1883) and Op. 93a no. 2,
both published 1884
Stand das Mädchen, stand am Bergesabhang,
Widerschien der Berg von ihrem Antlitz,
Und das Mädchen sprach zu ihrem Antlitz:
"Wahrlich, Antlitz, o du meine Sorge,
Wenn ich wüßte, du mein weißes Antlitz,
Daß dereinst ein Alter dich wird küssen,
Ging hinaus ich [zu] den grünen Bergen,
Pflückte allen Wermut in den Bergen,
Preßte bitt'res Wasser aus dem Wermut,
Wüsche dich, o Antlitz, mit dem Wasser,
Daß du bitter, wenn dich küßt der Alte!
Wüßt' ich aber, du mein weißes Antlitz,
Daß dereinst ein Junger dich wird küssen,
Ging hinaus ich in den grünen Garten,
Pflückte alle Rosen in dem Garten,
Preßte duftend Wasser aus den Rosen,
Wüsche dich, o Antlitz, mit dem Wasser,
Daß du duftest, wenn dich küßt der Junge!"
Op.95 n.2 "Bei
dir sind meine Gedanken"
Text by Friedrich Halm (1806-1871), from Gesammelte Werke, vol. 7 (Vienna, 1856-72), in a
section titled "Lieder und Liebe"
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 2
Bei dir sind meine Gedanken
Und flattern, flattern um dich her;
sie sagen, sie hätten Heimweh,
Hier litt' es die nicht mehr.
Bei dir sind meine Gedanken
Und wollen von dir, von dir nicht fort;
sie sagen, das wär' auf Erden
Der allerschönste Ort.
Sie sagen, unlösbar hielte
Dein Zauber sie festgebannt;
sie hätten an deinen Blicken
Die Flügel sich verbrannt.
Op.95 n.3
"Beim Abschied"
Text by Friedrich Halm (1806-1871), from Gesammelte Werke, vol. 1 (Vienna, 1856-72), in a
section titled "Lieder und Liebe"
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 3 (1883?)
Ich müh' mich ab und kann's nicht verschmerzen
Und kann's nicht verwinden in meinem Herzen,
Daß ich den und jenen soll sehen,
Im Kreis um mich herum sich drehen,
Der mich nicht machte froh noch trübe,
Ob er nun ging' oder bliebe,
Und nur die Eine soll von mir wandern,
Für die ich ertragen all die andern.
Op.95 n.4
"Der Jäger"
Text by Friedrich Halm (1806-1871), "Margot's Lieder no. 2", from Gesammelte
Werke, vol. 9 (Vienna, 1856-72), in a section titled "Vermischte Gedichte"
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 4 (1884?)
Mein Lieb ist ein Jäger, und grün ist sein Kleid,
Und blau ist sein Auge, nur sein Herz ist zu weit.
Mein Lieb ist ein Jäger, trifft immer ins Ziel,
Und Mädchen berückt er, so viel er nur will.
Mein Lieb ist ein Jäger, kennt Wege und Spur,
Zu mir aber kommt er durch die Kirchtüre nur!
Op.95 n.5
"Vorschneller Schwur"
Text by Siegfried Kapper (1821-1879), "Wie das Mädchen vorschnell schwört",
from Gesänge der Serben (Leipzig, 1852) in a section titled "Frauenlieder"
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 5 (1883?)
Schwor ein junges Mädchen:
Blumen nie zu tragen,
Niemals Wein zu trinken,
Knaben nie zu küssen.
Gestern schwor das Mädchen
Heute schon bereut es:
"Wenn ich Blume trüge,
Wär' ich doch noch schöner!
Wenn ich Rotwein tränke,
Wär' ich doch noch froher!
Wenn den Liebsten küßte,
Wär' mich doch noch wohler!"
Op.95 n.6 "Mädchenlied"
Text by Paul Heyse (1830-1914), "In der Bucht", from Gedichte, in a section
titled "Landschaften und Staffage"
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 6 (1884?)
[Das Ufer ist so morgenstill,
Noch kaum ein Fischlein springen will.
Am Bänkchen schon, in Rohr und Ried,
Ein Wäschermägdlein emsig kniet.
O Jugendblut, kaum fünfzehn Jahr,
Verschlafen noch ihr Augenpaar,
Das Röckchen dürftig, hochgeschürzt,
Mit Singen sie die Zeit sich kürzt.]
"Am jüngsten Tag ich aufersteh'
Und gleich nach meinem Liebsten seh',
und wenn ich ihn nicht finden kann,
leg' wieder mich zum Schlafen dann.
"Herzeleid, du Ewigkeit!
Selbander nur ist Seligkeit!
Und kommt mein Liebster nicht hinein,
mag nicht im Paradiese sein!"
Op.95 n.7
"Schön war, das ich dir weihte"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from the Turkish: from "Polydora",
ein weltpoetisches Liederbuch (Frankfurt am Main, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 95 no. 7 (1884)
Schön war, das ich dir weihte,
das goldene Geschmeide,
süß war der Laute Ton,
die ich dir auserlesen;
das Herze, das sie beide
darbrachte, wert gewesen
wär's, zu empfangen einen bessern Lohn.
Op.96 n.1
"Der Tod, das ist die kühle Nacht"
Text by Heinrich Heine (1797-1856), from part 3 of Buch der Lieder (1826/7), no. 87, in a
section titled, "Die Heimkehr"
Music by Johannes Brahms, "Der Tod, das ist die kühle
Nacht", Op. 96 no. 1 (1884), published 1886
See also:
(Mary) Frances Allitsen, née Bumpus (1848-1912),
"Der Tod, das ist die kühle Nacht", published 1900
(Friedrich) August Bungert (1845-1915), "Schwanengesang", Op.
32 no. 6, from Verlorne Liebe, verlornes Leben, published 1889-91
Peter Cornelius (1824-1874), "Der Tod, das ist die kühle
Nacht", Op. 11 no. 1 (1871)
Max Reger (1873-1916), "Der Tod, das ist die kühle
Nacht" (1899)
Der Tod, das ist die kühle Nacht,
Das Leben ist der schwüle Tag.
Es dunkelt schon, mich schläfert,
Der Tag hat mich müd gemacht.
Über mein Bett erhebt sich ein Baum,
Drin singt die junge Nachtigall;
Sie singt von lauter Liebe -
Ich hör es sogar im Traum.
Op.96 n.2
"Wir wandelten"
Text by Georg Friedrich Daumer (1800-1875), from the Hungarian, from "Polydora",
ein weltpoetisches Liederbuch (Frankfurt am Main, 1855)
Music by Johannes Brahms, Op. 96 no. 2 (1884), published 1886
Wir wandelten, wir zwei zusammen,
ich war so still und du so stille,
ich gäbe viel, um zu erfahren,
was du gedacht in jenem Fall.
Was ich gedacht, unausgesprochen verbleibe das!
Nur Eines sag' ich:
So schön war alles, was ich dachte,
so himmlisch heiter war es all'.
In meinem Haupte die Gedanken,
sie läuteten wie gold'ne Glöckchen:
so wundersüß, so wunderlieblich
ist in der Welt kein and'rer Hall.
Op.96 n.3
"Es schauen die Blumen alle"
Text by Heinrich Heine (1797-1856), first published in Gesellschafter oder Blätter für
Geist und Herz (Berlin periodical, 1822), as an appendix to "Buch der Lieder"
with the heading, "Zu Lyrisches Intermezzo"
Music by Johannes Brahms, Op. 96 no. 3 (1884), published 1886
See also:
Ignaz Brüll (1846-1907), "Es schauen die
Blumen alle", Op. 5, i, 1 (186-?)
Es schauen die Blumen alle
Zur leuchtenden Sonne hinauf;
Es nehmen die Ströme alle
Zum leuchtenden Meere den Lauf.
Es flattern die Lieder alle
Zu meinem leuchtenden Lieb
Nehmt mit meine Tränen und Seufzer,
Ihr Lieder, wehmütig und trüb!
Op.96 n.4
"Mein Liebchen, wir sassen beisammen"
Text by Heinrich Heine (1797-1856), first published in Tragödien nebst einem lyrischen
Intermezzo (1823), also in "Buch der Lieder" (1827), no. 42 in a section titled
"Lyrisches Intermezzo"
Music by Johannes Brahms, "Meerfahrt", Op. 96 no. 4 (1884)
See also:
Robert Franz (1815-1892), "Meerfahrt",
Op. 18 no. 4.
Edward MacDowell (1860-1908), "Mein Liebchen", Op. 11 no. 1
(1881)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
"Meerfahrt" (1846).
Erik Meyer-Helmund (1861-1932), "Mein Liebchen, wir sassen
beisammen" (1886-8)
Hugo Wolf (1860-1903), "Mein Liebchen, wir sassen
beisammen" (1878)
Mein Liebchen, wir saßen zusammen,
Traulich im leichten Kahn;
Die Nacht war still, und wir schwammen
Auf weiter Wasserbahn.
Die Geisterinsel, die schöne,
Lag dämm'rig im Mondenglanz;
Dort klangen liebe Töne,
Dort wogte der Nebeltanz.
Dort klange es lieb und lieber,
Und wogt' es hin und her;
Wir aber schwammen vorüber
Trostlos auf weitem Meer.
Op.97 n.1
"Nachtigall"
Text by Christian Reinhold (Christian Reinhold Köstlin) (1813-1856), from Gedichte
(Stuttgart, 1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 1 (before 1885), published 1886
O Nachtigall,
dein süßer Schall,
er dringet mir durch Mark und Bein.
Nein, trauter Vogel, nein!
was in mir schafft so süße Pein,
das ist nicht dein,
das ist von andern, himmelschönen,
nun längst für mich verklungenen Tönen
in deinem Lied ein leiser Widerhall!
Op.97 n.2 "Auf dem
Schiffe"
Text by Christian Reinhold (Christian Reinhold Köstlin)
(1813-1856), from Gedichte (Stuttgart, 1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 2 (1885), published 1886
Ein Vögelein
Fliegt über den Rhein
Und wiegt die Flügel
Im Sonnenschein,
Sieht Rebenhügel
Und grüne Flut
In goldner Glut.
Wie wohl das tut,
So hoch erhoben
Im Morgenhauch!
Beim Vöglein droben,
O, wär' ich auch!
Op.97 n.3
"Entführung"
Text by Willibald Alexis (Wilhelm Häring) (1798-1871), from
"Balladen" (Berlin, 1836)
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 3 (1885), published 1886
O Lady Judith, spröder Schatz,
Drückt dich zu fest mein Arm?
Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
Und Winternacht weht nicht warm.
Hart ist der Sitz und knapp und schmal,
Und kalt mein Kleid von Erz,
Doch kälter und härter als Sattel und Stahl
War gegen mich dein Herz.
Sechs Nächte lag ich in Sumpf und Moor
Und hab' um dich gewacht,
Doch weicher, bei Sankt Görg ich's schwor,
Schlaf' ich die siebente Nacht!
Op.97 n.4
"Dort in den Weiden steht ein Haus"
Text by Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869), "Niederrheinisches
Volkslied", from "Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen" (Berlin,
1838-40), neither text nor melody is authentically from the lower Rhine
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 4, "Dort in den
Weiden" (before 1885), published 1886, and as WoO. 32 no. 13
"Schifferlied", and as WoO. 33 no. 31 "Dort in den Weiden steht ein
Haus"
Dort in den Weiden steht ein Haus,
da schaut die Magd zum Fenster 'naus!
Sie schaut stromauf, sie schaut stromab:
ist noch nicht da mein Herzensknab'?
Der schönste Bursch am ganzen Rhein,
den nenn' ich mein, den nenn' ich mein!
Des Morgens fährt er auf dem Fluß,
und singt herüber seinen Gruß,
des Abends, wenn's Glühwürmchen fliegt,
sein Nachen an das Ufer wiegt,
da kann ich mit dem Burschen mein
beisammen sein, beisammen sein!
Die Nachtigall im Fliederstrauch,
was sie da singt, versteh' ich auch;
sie saget: übers Jahr ist Fest,
hab' ich, mein Lieber, auch ein Nest,
wo ich dann mit dem Burschen mein
die Froh'st' am Rhein, die Froh'st' am Rhein!
Op.97 n.5
"Komm bald"
Text by Klaus Groth (1819-1899)
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 5 (1885), published 1886
Warum denn warten von Tag zu Tag?
Es blüht im Garten, was blühen mag.
Wer kommt und zählt es, was blüht so schön?
An Augen fehlt es, es anzuseh'n.
Die meinen wandern vom Strauch zum Baum;
mir scheint, auch andern wär's wie ein Traum.
Und von den Lieben, die mir getreu
und mir geblieben, wär'st du dabei!
Op.97 n.6
"Trennung"
Swabian Folksong , from Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen (Berlin, 1838-40)
Music by Johannes Brahms, Op. 97 no. 6 (1885), published 1886
Da unten im Tale
Läuft's Wasser so trüb,
Und i kann dir's net sagen,
I hab' di so lieb.
Sprichst allweil von Liebe,
Sprichst allewil von Treu',
Und a bissele Falschheit
Is auch wohl dabei.
Und wenn i dir's zehnmal sag,
Daß i di lieb und mag,
Und du willst nit verstehn,
Muß i halt weitergehn.
Für die Zeit, wo du gliebt mi hast,
Da dank i dir schön,
Und i wünsch, daß dir's anderswo
Besser mag gehn.
Op.103 Acht "Zigeunerlieder"
Texts by Hugo Conrat , from the Hungarian
Music by Johannes Brahms, Op. 103
Op. 103 n. 1
He, Zigeuner, greife in die Saiten ein!
Spiel das Lied vom ungetreuen Mägdelein!
Laß die Saiten weinen, klagen, traurig bange,
Bis die heiße Träne netzet diese Wange!
Op. 103 n. 2
Hochgetürmte Rimaflut,
Wie bist du so trüb;
An dem Ufer klag ich
Laut nach dir, mein Lieb!
Wellen fliehen, Wellen strömen,
Rauschen an dem Strand heran zu mir.
An dem Rimaufer laß mich
Ewig weinen nach ihr!
Op. 103 n. 3
Wißt ihr, wenn mein Kindchen am
allerschönsten ist?
Wenn ihr süßes Mündchen scherzt und lacht und küßt.
Mägdelein, du bist mein, inniglich küß ich dich,
Dich erschuf der liebe Himmel einzig nur für mich!
Wißt ihr, wenn mein Liebster am besten mir gefällt?
Wenn in seinen Armen er mich umschlungen hält.
Schätzelein, du bist mein, inniglich küß ich dich,
Dich erschuf der liebe Himmel einzig nur für mich!
Op. 103 n.
4
Lieber Gott, du weißt, wie oft bereut ich hab,
Daß ich meinem Liebsten einst ein Küßchen gab.
Herz gebot, daß ich ihn küssen muß,
Denk, solang ich leb, an diesen ersten Kuß.
Lieber Gott, du weißt, wie oft in stiller Nacht
Ich in Lust und Leid an meinen Schatz gedacht.
Lieb ist süß, wenn bitter auch die Reu,
Armes Herze bleibt ihm ewig, ewig treu.
Op. 103 n.
5
Brauner Bursche führt zum Tanze
Sein blauäugig schönes Kind;
Schlägt die Sporen keck zusammen,
Csardasmelodie beginnt.
Küßt und herzt sein süßes Täubchen,
Dreht sie, führt sie, jauchzt und springt;
Wirft drei blanke Silbergulden
Auf das Zimbal, daß es klingt.
Op. 103 n.
6
Röslein dreie in der Reihe blühn so rot,
Daß der Bursch zum Mädel gehe, ist kein Verbot!
Lieber Gott, wenn das verboten wär,
Ständ die schöne weite Welt schon längst nicht mehr;
Ledig bleiben Sünde wär!
Schönstes Städtchen in Alföld ist Ketschkemet,
Dort gibt es gar viele Mädchen schmuck und nett!
Freunde, sucht euch dort ein Bräutchen aus,
Freit um ihre Hand und gründet euer Haus,
Freudenbecher leeret aus.
Op. 103 n. 7
Kommt dir manchmal in den Sinn, mein süßes Lieb,
Was du einst mit heil'gem Eide mir gelobt?
Täusch mich nicht, verlaß mich nicht,
Du weißt nicht, wie lieb ich dich hab,
Lieb du mich, wie ich dich,
Dann strömt Gottes Huld auf dich herab!
Op. 103 n.
8
Rote Abendwolken ziehn am Firmament,
Sehnsuchtsvoll nach dir,
Mein Lieb, das Herze brennt,
Himmel strahlt in glühnder Pracht,
Und ich träum bei Tag und Nacht
Nur allein von dem süßen Liebchen mein.
Op.105 n.1
"Wie Melodien zieht es mir"
Text by Klaus Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, Op. 105 no. 1 (1886), published 1888
See also:
Charles Edward Ives (1874-1954), 1898?
Wie Melodien zieht es
Mir leise durch den Sinn,
Wie Frühlingsblumen blüht es,
Und schwebt wie Duft dahin.
Doch kommt das Wort und faßt es
Und führt es vor das Aug',
Wie Nebelgrau erblaßt es
Und schwindet wie ein Hauch.
Und dennoch ruht im Reime
Verborgen wohl ein Duft,
Den mild aus stillem Keime
Ein feuchtes Auge ruft.
Op.105 n.2
"Immer leiser wird mein Schlummer"
Text by Hermann Lingg (1820-1905), "Lied", from Gedichte (Stuttgart and
Augsburg, 1857)
Music by Johannes Brahms, "Immer leiser wird mein
Schlummer", Op. 105 no. 2 (1886), published 1888
See also:
Carl Orff (1895-1982), "Immer leiser wird mein
Schlummer", Op. 8 no. 2 (1911)
Hans Pfitzner (1869-1949), "Immer leiser wird mein
Schlummer", Op. 2 no. 6 (1888-9)
Ludwig Wilhelm Andreas M. Thuille (1861-1907), "Die
Verlassene", Op. 4 no. 2, published 189 ?
Immer leiser wird mein Schlummer,
Nur wie Schleier liegt mein Kummer
Zitternd über mir.
Oft im Traume hör ich dich
Rufen drauß vor [meiner] Tür,
Niemand wacht und öffnet dir,
Ich erwach und weine bitterlich.
Ja, ich werde sterben müssen,
Eine Andre wirst du küssen,
Wenn ich bleich und kalt.
Eh die Maienlüfte wehn,
Eh die Drossel singt im Wald:
Willst du mich noch einmal sehn,
Komm, o komme bald!
Op.105 n.3
"Klage"
Text: Volkslied, from Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen collected by
Kretzschmer and Zuccalmaglio (Berlin, 1838-40), text may not be authentic
Music by Johannes Brahms, Op. 105 no. 3 (1887/8), published 1888
Feins Liebchen, trau du nicht,
Daß er dein Herz nicht bricht!
Schön Worte will er geben,
Es kostet dein jung Leben,
Glaubs sicherlich, glaubs sicherlich!
Ich werde nimmer froh,
Denn mir ging es also:
Die Blätter vom Baum gefallen
Mit den schönen Worten allen,
Ist Winterzeit, ist Winterzeit!
Es ist jetzt Winterzeit,
Die Vögelein sind weit,
Die mir im [Lenz] gesungen,
Mein Herz ist mir [gesprungen]
Vor Liebesleid, vor Liebesleid.
Op.105 n.4
"Auf dem Kirchhofe"
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Johannes Brahms, Op. 105 no. 4 (1887/8), published 1888
Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt,
Ich war an manch vergeßnem Grab gewesen,
Verwittert Stein und Kreuz, die Kränze alt,
Die Namen überwachsen, kaum zu lesen.
Der Tag ging sturmbewegt und regenschwer,
Auf allen Gräbern fror das Wort: Gewesen.
Wie sturmestot die Särge schlummerten,
Auf allen Gräbern taute still: Genesen.
Op.105 n.5
"Verrat"
Text by Karl von Lemcke (1831-1913), from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861)
Music by Johannes Brahms, Op. 105 no. 5 (1887/8), published 1888
Ich stand in einer lauen Nacht
An einer grünen Linde,
Der Mond schien hell, der Wind ging sacht,
Der Gießbach floß geschwinde.
Die Linde stand vor Liebchens Haus,
Die Türe hört' ich knarren.
Mein Schatz ließ sacht ein Mannsbild raus:
"Laß morgen mich nicht harren;
Laß mich nicht harren, süßer Mann,
Wie hab' ich dich so gerne!
Ans Fenster klopfe leise an,
Mein Schatz ist in der Ferne!"
Laß ab vom Druck und Kuß, Feinslieb,
Du Schöner im Sammetkleide,
Nun spute dich, du feiner Dieb,
Ein Mann harrt auf der Heide.
Der Mond scheint hell, der Rasen grün
Ist gut zu unserm Begegnen,
Du trägst ein Schwert und nickst so kühn,
Dein' Liebschaft will ich segnen!
Und als erschien der lichte Tag,
Was fand er auf der Heide?
Ein Toter in dem Blumen lag
Zu einer Falschen Leide.
Op.106 n.1 "Ständchen"
Text by Franz Theodor Kugler (1808-1858), from Gedichte (Stuttgart and Tübingen, 1840)
Music by Johannes Brahms, Op. 106 no. 1 (1887/8), published 1888
Der Mond steht über dem Berge,
So recht für verliebte Leut';
Im Garten rieselt ein Brunnen,
Sonst Stille weit und breit.
Neben der Mauer im Schatten,
Da stehn der Studenten drei,
Mit Flöt' und Geig' und Zither,
Und singen und spielen dabei.
Die Klänge schleichen der Schönsten
Sacht in den Traum hinein,
sie schaut den blonden Geliebten
und lispelt: "Vergiß nicht mein!"
Op.106 n.2
"An dem See"
Text by Christian Reinhold (Christian Reinhold Köstlin) (1813-1856), from Gedichte
(Stuttgart, 1853), among the "Seelieder"
Music by Johannes Brahms, Op. 106 no. 2 (1885), published 1888
See also:
Josephine Lang (1815-1880), "An den See",
Op. 14 no. 4 (1840)
[An] dies Schifflein schmiege,
Holder See, dich sacht!
Frommer Liebe Wiege,
Nimm sie wohl in Acht!
Deine Wellen rauschen;
Rede nicht so laut!
Laß mich ihr nur lauschen,
Die mir viel vertraut!
[Deine Wellen leuchten,
Spiegeln uns zurück
Tausendfach die feuchten
Augen voller Glück! ]
Deine Wellen zittern
Von der Sonne Glut;
Ob sie's heimlich wittern,
Wie die Liebe tut?
Weit und weiter immer
Rück den Strand hinaus!
Aus dem Himmel nimmer
Laß mich steigen aus!
Fern von Menschenreden
Und von Menschensinn,
Als ein schwimmend Eden
Trag dies Schifflein hin!
Op.106 n.3
"Es hing der Reif"
Text by Karl Groth (1819-1899), from Hundert Blätter, Paralipomena zum Quickborn
(Hamburg, 1854)
Music by Johannes Brahms, Op. 106 no. 3 (1888), published 1888
Es hing der Reif im Lindenbaum,
Wodurch das Licht wie Silber floß.
Ich sah dein Haus, wie hell im Traum
Ein blitzend Feenschloß.
Und offen stand das Fenster dein,
Ich konnte dir ins Zimmer sehn
Da tratst du in den Sonnenschein,
Du dunkelste der Feen!
Ich bebt' in seligem Genuß,
So frühlingswarm und wunderbar:
Da merkt' ich gleich an deinem Gruß,
Daß Frost und Winter war.
Op.106 n.4
"Meine Lieder"
Text by Adolf Frey (1855-1920), from Gedichte (Leipzig, 1886)
Music by Johannes Brahms, Op. 106 no. 4 (1888), published 1888
Wenn mein Herz beginnt zu klingen
Und den Tönen löst die Schwingen,
Schweben vor mir her und wieder
Bleiche Wonnen, unvergessen
Und die Schatten von Zypressen -
Dunkel klingen meine Lieder!
Op.106 n.5
"Ein Wanderer"
Text by Christian Reinhold (Christian Reinhold Köstlin) (1813-1856), from Gedichte
(Stuttgart, 1853)
Music by Johannes Brahms, Op. 106 no. 5 (1888), published 1888
Hier, wo sich die Straßen scheiden,
Wo nun gehn die Wege hin?
Meiner ist der Weg der Leiden,
Des ich immer sicher bin.
Wandrer, die des Weges gehen,
Fragen freundlich: Wo hinaus?
Keiner wird mich doch verstehen,
Sag' ich ihm, wo ich zu Haus.
Reiche Erde, arme Erde,
Hast du keinen Raum für mich?
Wo ich einst begraben werde,
An der Stelle lieb' ich dich.
Op.107 n.1
"An die Stolze"
Text by Paul Fleming (1609-1640), from Geistliche und weltliche Poemata (Jena, 1651)
Music by Johannes Brahms, Op. 107 no. 1 (1886), published 1888
Und gleichwohl kann ich anders nicht,
Ich muß ihr günstig sein,
Obgleich der Augen stolzes Licht
Mir mißgönnt seinen Schein.
Ich will, ich soll, ich soll, ich muß dich lieben,
Dadurch wir beid' uns nur betrüben,
Weil mein Wunsch doch nicht gilt
Und du nicht hören wilt.
Wie manchen Tag, wie manche Nacht,
Wie manche liebe Zeit
Hab' ich mit Klagen durchgebracht,
Und du verlachst mein Leid!
Du weißt, du hörst, du hörst, du siehst die Schmerzen,
Und nimmst der' keinen doch zu Herzen,
So daß ich zweifle fast,
Ob du ein Herze hast.
[Bist du denn harter Stein und Stahl
Die man doch zwingen kann?
Feld, Wiesen, Wälder, Berg und Tal
Seh'n meine Wehmut an.
Die Vögel seufzen, was ich klage.
Der hohle Busch ruft, was ich sage.
Du nur, du Stolze du,
Hältst Ohr und Augen zu.
Ach denke, denke, was du tust.
Ich kann nicht anders sein.
Ich hab' an meinem Leiden Lust,
Du hassest meine Pein.
Kann ich denn keine Huld erlangen,
So laß' mich die Gunst nur empfangen
Und wolle doch mit mir,
Daß ich stracks sterbe hier.]
Op.107 n.2
"Salamander"
Text by Karl von Lemcke (1831-1913), from Lieder und Gedichte (Hamburg, 1861)
Music by Johannes Brahms, Op. 107 no. 2 (1886), published 1888
Es saß ein Salamander
Auf einem kühlen Stein,
da warf ein böses Mädchen
Ins Feuer ihn hinein.
Sie meint', er soll verbrennen,
Ihm ward erst wohl zu Mut,
wohl wie mir kühlem Teufel
Die heiße Liebe tut.
Op.107 n.3
"Das Mädchen spricht"
Text by Otto Friedrich Gruppe (1804-1876), from Gedichte (Berlin, 1835)
Music by Johannes Brahms, Op. 107 no. 3 (1886), published 1888
Schwalbe, sag' mir an,
Ist's dein alter Mann,
Mit dem du's Nest gebaut?
Oder hast du jüngst erst
dich ihm vertraut?
Sag', was zwitschert ihr,
sag', was flüstert ihr
des Morgens so vertraut?
Gelt, du bist wohl
auch noch nicht lange Braut?
Op.107 n.4
"Maienkätzchen, erster Gruß"
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Johannes Brahms, "Maienkätzchen", Op. 107 no. 4
(1886), published 1888
See also:
Alban Berg (1885-1935), "Tiefe Sehnsucht", 1905
Alexander Zemlinsky (1871-1942), "Tiefe
Sehnsucht", Op. 5, ii, 2 (1897?)
Maienkätzchen, erster Gruß,
Ich breche euch und stecke euch
An meinen alten Hut.
Maienkätzchen, erster Gruß,
Einst brach ich euch und steckte euch
Der Liebsten an den Hut.
Op.107 n.5
"Auf die Nacht in der Spinnstub'n"
Text by Paul Heyse (1830-1914), from Gedichte (Berlin, 1885), among other
"Mädchenlieder" in a section titled "Jugendlieder"
Music by Johannes Brahms, "Mädchenlied" (Maiden's song),
Op. 107 no. 5 (1886/7), published 1888
See also:
Adolf Jensen (1837-1879), "Die Einsame",
Op. 22 no. 6 (1864)
Auf die Nacht in der Spinnstub'n
da singen die Mädchen,
da lachen die Dorfbub'n,
wie flink geh'n die Rädchen!
Spinnt Jedes am Brautschatz,
daß der Liebste sich freut.
Nicht lange, so gibt es
ein Hochzeitgeläut.
Kein Mensch, der mir gut ist,
will nach mir fragen;
wie bang mir zu Mut ist,
wem soll ich's klagen?
Die Tränen rinnen
mir übers Gesicht
wofür soll ich spinnen?
Ich weiß es nicht!
Op.121 "Vier
ernste Gesänge"
Text from the Bible
Music by Johannes Brahms, Op. 121 (1896), published 1896
Op. 121 n.1.
from Ecclesiastes 3:19-22.
Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh;
wie dies stirbt, so stirbt er auch;
und haben alle einerlei Odem;
und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh:
denn es ist alles eitel.
Es fährt alles an einem Ort;
es ist alles von Staub gemacht,
und wird wieder zu Staub.
Wer weiß, ob der Geist des Menschen
aufwärts fahre,
und der Odem des Viehes unterwärts unter
die Erde fahre?
Darum sahe ich, daß nichts bessers ist,
denn daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit,
denn das ist sein Teil.
Denn wer will ihn dahin bringen,
daß er sehe, was nach ihm geschehen wird?
Op. 121 n.2.
from Ecclesiastes 4:1-3
Ich wandte mich und sahe an
Alle, die Unrecht leiden unter der Sonne;
Und siehe, da waren Tränen derer,
Die Unrecht litten und hatten keinen Tröster;
Und die ihnen Unrecht täten, waren zu mächtig,
Daß sie keinen Tröster haben konnten.
Da lobte ich die Toten,
Die schon gestorben waren
Mehr als die Lebendigen,
Die noch das Leben hatten;
Und der noch nicht ist, ist besser, als alle beide,
Und des Bösen nicht inne wird,
Das unter der Sonne geschieht.
Op. 121 n.3.
from Ecclesiastes 41:1-2
O Tod, wie bitter bist du,
Wenn an dich gedenket ein Mensch,
Der gute Tage und genug hat
Und ohne Sorge lebet;
Und dem es wohl geht in allen Dingen
Und noch wohl essen mag!
O Tod, wie bitter bist du.
O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen,
Der da schwach und alt ist,
Der in allen Sorgen steckt,
Und nichts Bessers zu hoffen,
Noch zu erwarten hat!
O Tod, wie wohl tust du!
Op. 121 n.4.
from Corinthians 13:1-3, 12-13
Wenn ich mit Menschen und mit Engelszungen redete,
Und hätte der Liebe nicht,
So wär' ich ein tönend Erz,
Oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich weissagen könnte,
Und wüßte alle Geheimnisse
Und alle Erkenntnis,
Und hätte allen Glauben, also
Daß ich Berge versetzte,
Und hätte der Liebe nicht,
So wäre ich nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe,
Und ließe meinen Leib brennen,
Und hätte der Liebe nicht,
So wäre mir's nichts nütze.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel
In einem dunkeln Worte;
Dann aber von Angesicht zu Angesichte.
Jetzt erkenne ich's stückweise,
Dann aber werd ich's erkennen,
Gleich wie ich erkennet bin.
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, Diese drei;
Aber die Liebe ist die größeste unter ihnen.
|