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Max Bruch

(1838 - 1920)
 

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The Lieder of Max Bruch


Lieder – index:



1. "Ingeborgs Klage (aus Frithjof)"
2."Von den Rosen komm' ich"
3. "Carmosenella"
4. "Verlassen"
5. "Parte la nave"
6. "Tannhäuser"
7. "Der junge Invalide"
8. "Klosterlied"
9. "Kampfmüd' und sonn'verbrannt"
10. ("Altdeutscher Herbstreigen")
11. "Sonne taucht in Meeresfluten"
12. "Lind duftig hält die Maiennacht"
13. "Liebliches Kind, kannst du mir sagen"
14. "Um Mitternacht"
15. "Laßet Gelehrte sich zanken und streiten"
16. "Geh! Gehorche meinen Winken"

1. "Ingeborgs Klage (aus Frithjof)"
 
Text by Esaias Tegnér (1782-1846)
Music by Max Bruch (1838-1920), published 1870
 


Herbst ist es nun!
Nimmer die Stürme des Meeres ruh'n;
Ach, doch wie gerne da draussen
Hört' ich es brausen!
Lange geseh'n
Hab' ich gen Westen sein Segel hin weh'n,
Darf es doch Frithjof auf weiten
Meeren begleiten!
Dich ließ er hier!
Falke, geliebter, o bleib bei mir!
Fliegender Jäger, statt seiner,
Wart' ich nun deiner.
Ihm auf der Hand,
Wirk' ich dich hier in des Teppiches Rand,
Silbern die Schwingen zu schauen,
Golden die Klauen.
Falke so schön,
Mir von der Schulter auf's Meer sollst du seh'n!
Bin ich erst todt,
Kehrt er dann wieder,
Vernimm mein Gebot:
Grüsse mir Frithjof!
Nicht wehren
Wird er den Zähren!

2."Von den Rosen komm' ich"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after the Spanish song "Dal rosal vengo, mi madre"
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft II no. 1

 
An den Ufern jenes Wassers
Sah ich Rosen stehn in Knospen,
Von den Rosen komm' ich.
An den Ufern jenes Flusses
Sah ich Rosen stehn in Blüte,
Von den Rosen komm' ich.
Sah die Rosen stehn in Blüte,
Brach mit Seufzen mir die Rosen:
Von den Rosenbusch, o Mutter,
Von den Rosen komm' ich.

3. "Carmosenella"
 
Text by Paul Heyse (1830-1914), from the Italian
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft II no. 2
 


Ach, wie schön ist Carmosenella,
Wenn sie tanzt die Tarantella.
Seht, wie kann sie die Füßchen schwingen,
Wie wenn Heimchen im Grase springen;
Ach, wie schön ist Carmosenella,
Wenn sie tanzt die Tarantella.
Mag's auch andre Schönen geben,
Carmos'nella stelle daneben.
Und besiehst du bei Licht die Engel,
Find'st du Mängel über Mängel;
Ach, wie schön ist Carmosenella,
Wenn sie tanzt die Tarantella.

4. "Verlassen"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), from the Spanish (Sola me dejaste)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft II no. 3

 
Hast einsam mich verlassen in dieser Öde!
Ich folge, ich folge dir immer,
Weiß kaum wohin ich geh',
Wohl Antwort gibt mir die Höhe,
Doch du antwortest mir nimmer;
Jung, einsam, und voll Wehe,
Wein' ich mich blind von Schmerzen!
Jung, einsam, und voll Wehe,
Du kannst indessen nur scherzen!
Umsonst mein Weinen und Sehnen,
Ihr Augen voll von Tränen,
Du Busen voll von Flammen,
Wann ruhet ihr mitsammen?
Jung, einsam, und voll Wehe,
Wein' ich mich blind von Schmerzen!
Jung, einsam, und voll Wehe,
Du kannst indessen nur scherzen!

5. "Parte la nave"
 
Text by Paul Heyse (1830-1914), from the Italian
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft II no. 4
 


Bald stößt vom Lande das Schiff geschwinde,
Grausame Winde reissen mich fort;
Fahrwohl, Amanda, wir müssen scheiden,
Gott wird uns Beiden
Gnädig sein, weine nicht o Holde,
Kehr' ich nach Hause.
Werd' ich dich frei'n.
Schon ruft der Schiffsherr an Bord zu gehen,
Dich noch zu sehen stell' ich mich taub,
Fahrwohl, Amanda, wir müssen scheiden,
Gott wird uns Beiden
Gnädig sein, weine nicht o Holde,
Kehr' ich nach Hause.
Werd' ich dich frei'n.

6. "Tannhäuser"
 
Text by Hermann von Lingg (1820-1905)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft III no. 1
 


Frau Venus, Frau Venus,
O laß mich gehn geschwinde,
Du bist so schön, so fein und schön,
Ich muß zum Jagen auf die Höh'n,
O laß mich zieh'n geschwinde,
Frau Venus, Frau Venus,
Du allerschönste Sünde!
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer wird so früh schon jagen?
Komm, setze dich zu mir in's Grün,
Wo Veilchen, Reseden blühen,
Ich will dir etwas sagen,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer wird so früh schon jagen!
Frau Venus, Frau Venus,
Ich darf nicht mit dir kosen,
Ich muß nach meinen schlanken Reh'n,
Nach meinen schnellen Hunde seh'n,
Ich darf nicht mit dir kosen,
Frau Venus, Frau Venus,
Wer bricht dir denn die Rosen?
Tannhäuser, Tannhäuser,
Es hat so sehr nicht Eile,
Laß doch dem Vogel seinen Flug,
Noch eine kleine Weile,
Wer macht denn dir die Pfeile,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer macht denn dir die Pfeile?
Frau Venus, Frau Venus,
O laß dein süßes Locken,
Du bist so schön, so zart und weiß,
Es pocht mein Herz so laut und heiß,
Ich bin so sehr erschrocken,
Frau Venus, Frau Venus,
Wer flicht denn deine Locken?
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wie glühn dir doch die Wangen:
Die Locken flecht' ich selbst mir ein,
Und löse sie und fange drein,
Die von mir heimverlangen,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Und du bist auch gefangen!

7. "Der junge Invalide"
 
Volkslied
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft III no. 2
 


Leb' wohl, du guter Reiterdienst,
Zu Fuß muß ich nun wandern,
Leb' wohl, mein Rösslein,
Du gewinnst zum Reiter einen Andern.
Nimmer führ' ich dich zum Trank,
Nimmer mit dem Säbel blank,
Mit dem klirrenden, klirrenden Sporn
Durch Hecken und Dorn,
Jag' ich ein, jag' ich aus mit dir die Welt,
Man hat die Lust mir abgestellt.
Einst glaubt' ich wohl, mein Rösslein gut,
Wir sprengten oft noch Beide
Zum Kampf mit einander, Durch Tod und Blut,
auf sonniger Schlachtenhaide.
Nun ist alles, alles aus,
Und ich sterbe still zu Haus,
Statt in Schlachten, in Schlachten froh,
Auf dem Siechenstroh,
Und du schnaubest wenn ich todt bin, nicht
In mein kaltes, bleiches Angesicht.
Lebt wohl, ihr Kameraden all:
Ergeh's euch eines Bessern;
Gott schütz' euch vor Blessur und Fall,
Und vor Spital und Messern.
Und du mit dem Goldelock,
Droben im dritten Stock,
Schau' mir nicht nach,
Kaum trag' ich die Schmach,
Trompete, du lustiges Reitersignal,
Schmettre, schmettre zum letzen Mal!

8. "Klosterlied"
 
Text by Hermann von Lingg (1820-1905)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 17 Heft III no. 3
 


Blumen an den Wegen,
Blumen um den Rain,
Haben Tau und Regen,
Duft und Sonnenschein.
Aber die der Bahre
Netzt kein Tau, kein Quell,
Blumen meiner Jahre,
Welktet ihr so schnell?
Wandle du ein Freier,
Dem die Liebe lacht.
Gönne mir den Schleier,
Gönne mir die Nacht.
Blumen auf der Wiese,
Blumen in dem Wald,
Die im Paradiese
Welken nicht so bald.

9. "Kampfmüd' und sonn'verbrannt"
 
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)
Music by Max Bruch (1838-1920), "Biterolf im Lager vor Akkon (1190)", op. 33 no. 1, published 1870

See also:

Hugo Wolf
(1860-1903), "Biterolf", from Sechs Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner, no. 3.
 


Kampfmüd' und sonn'verbrannt,
Fern an der Heiden Strand,
Waldgrünes Thüringland,
Denk' ich an dich.
Mildklarer Sternenschein,
Du sollst mir Bote sein,
Geh, grüß' die Heimat mein,
Weit überm Meer!
Feinden von allerwärts,
Trotzt meiner Waffen Erz;
Wider der Sehnsucht Schmerz
Schirmt mich kein Schild.
Doch wie das Herz auch klagt,
Ausharr' ich unverzagt:
Wer Gottes Fahrt gewagt,
Trägt still sein Kreuz.

11. "Sonne taucht in Meeresfluten"
 
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)
Music by Max Bruch (1838-1920), "Dein gedenk' ich, Margaretha", op. 33 no. 3, published 1870

See also:

(Isador) George Henschel (1850-1934), "Sonne taucht in Meeresfluten"
Erik Meyer-Helmund (1861-1932), "Dein gedenk' ich, Margaretha" (1886-8)
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Jung Werners Lied", op. 32 no. 1
Gustav Trautmann, "Margaretha", op. 2 no. 5, published 1890?
 

 
Sonne taucht in Meeresfluten,
Himmel strahlt in letzten Gluten,
Langsam will der Tag verscheiden,
Ferne Abendglocken läuten.
Dein gedenk' ich, Margaretha!
Haupt gelehnt an Felsens Kante,
Fremder Mann in fremden Lande.
Um den Fels die Wellen schäumen,
Durch die Seele zieht ein Träumen.
Dein gedenk' ich, Margaretha!

12. "Lind duftig hält die Maiennacht"
 
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 33 no. 4
 

 
Lind duftig hält die Maiennacht
Jetzt Berg und Tal umfangen,
Da komm' ich durch die Büsche sacht
Zum Herrenschloß gegangen.
Im Garten rauscht der Lindenbaum,
Ich steig' in seine Äste,
Und singe aus dem grünen Raum
Hinauf zur hohen Veste.
Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch wer das Glück ihm angetan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei, Juchhei,
Wie wunderschön ist doch der Mai!
Feinslieb, ich tu' dich grüssen.
Im Wipfel hoch die Nachtigall
Stimmt ein mit hellem Schlagen,
Durch Berg und Tal wird weit der Schall,
Der Schall des Lied's getragen.
Drob schauen rings die Vögel auf,
Der Sang tät sie erwecken,
Bald schmettert laut der Helle Hauf
Aus Busch und Zweig und Hecken.
Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch wer das Glück ihm angetan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei, Juchhei,
Wie wunderschön ist doch der Mai!
Feinslieb, ich tu' dich grüssen.
Die Welle hört's, die Welle bringt's
Strom abwärts an die Häuser,
Aus nebelgrauer Ferne klingt's
Zurück mir leis und leiser!
Und oben hoch im Morgenduft
Seh ich zwei Engel fliegen,
Wie Harfenton kommt durch die Luft
Ihr Sang herabgestiegen.
Jung Werner ist der glückseligste Mann
Im römischen Reich geworden!
Doch wer das Glück ihm angetan,
Das sagt er nicht mit Worten;
Das sagt er nur mit Hei, Juchhei,
Wie wunderschön ist doch der Mai!
Feinslieb, ich tu' dich grüssen.

13. "Liebliches Kind, kannst du mir sagen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Lied des Rugantino aus Claudine von Villabella
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 49, i, 1, "Frage" (1882)

See also:

Johannes Brahms (1833-1897), op. 70 no. 3, "Serenade"
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 5 (1904-5), Pesnja iz "Klaudiny" ("Aus Claudine von Villa-Bella", in Russian and German)
Christian Gottlob Neefe (1748-1798), "Serenate, aus Claudine von Villa Bella" (1777)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Aus Claudine von Villa Bella", published 1781


 
Liebliches Kind,
Kannst du mir sagen,
[Warum einsam und stumm
Zärtliche Seelen ]
Immer sich quälen,
Selbst sich [betrüben],
Und ihr Vergnügen
Immer nur ahnen,
Da, wo sie nicht sind;
Kannst du mir's sagen,
Liebliches Kind?

14. "Um Mitternacht"
 
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 59 no. 1 (1892)

See also:

Hugo Distler (1908-1942), op. 19, i, 10 (1939), from Mörike-Chorliederbuch
Heimo Erbse (b. 1924), op. 17 no. 2, published 1959
Robert Franz (1815-1892), op. 28 no. 6
Peter Jona Korn (b. 1922), op. 24 no. 2, published 1964

Hugo Wolf
(1860-1903), 1888, from Mörike-Lieder, no. 19

 
Gelassen stieg die Nacht an's Land,
lehnt träumend an der Berge Wand,
ihr Auge sieht die goldne Wage nun
der Zeit in gleichen Schalenstille ruhn;
und kecker rauschen die Quellen hervor,
sie singen der Mutter, der Nacht, in's Ohr
vom Tage, vom heute gewesenen Tage.
Das uralt alte Schlummerlied,
sie achtet's nicht, sie ist es müd';
ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
der flüchtgen Stunden gleich geschwung'nes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
es singen die Wasser im Schlafe noch fort
vom Tage, vom heute gewesenen Tage.

15. "Laßet Gelehrte sich zanken und streiten"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Max Bruch (1838-1920), op. 59 no. 2, "Kophtisches Lied" (1892)

See also:

Harald Genzmer (b. 1909), "Kophtisches Lied", 1940-87, from Acht Lieder nach verschiedenen Dichtern
Hugo Wolf (1860-1903), "Cophtisches Lied I", from Goethe-Lieder, no. 14
 


Laßet Gelehrte sich zanken und streiten,
streng und bedächtig die Lehrer auch sein!
Alle die Weisesten aller der Zeiten
lächeln und winken und stimmen mit ein:
Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!
Merlin der Alte, im leuchtenden Grabe,
wo ich als Jüngling gesprochen ihn habe,
hat mich mit ähnlicher Antwort belehrt:
Töricht, auf Beßrung der Tonen zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!
Und auf den Höhen der indischen Lüfte
und in den Tiefen ägyptischer Grüfte
hab ich das heilige Wort nur gehört:
Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!

16. "Geh! Gehorche meinen Winken"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Max Bruch (1838-1920), "Zweites Kophtisches Lied", op. 59 no. 3 (1892)

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Kophtisches Lied", published 1796
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), "Koptisches Lied", op. 10 no. 4 (1933)
Hugo Wolf
(1860-1903), "Cophtisches Lied II", from Goethe-Lieder, no. 15

 
Geh! Gehorche meinen Winken,
nutze deine jungen Tage,
lerne zeitig klüger sein;
auf des Glückes großer Wage
steht die Zunge selten ein;
Du mußt steigen oder sinken,
du mußt herrschen und gewinnen,
oder dienen und verlieren,
leiden oder triumphieren,
Ambos oder Hammer sein.

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -