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Franz Liszt

(1811 - 1886)

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The Lieder of Franz Liszt

 

Lieder – complete index

 

Lieder index b:


291. Drei Lieder aus Schillers "Wilhelm Tell"
       no. 1. Der Fischerknabe
       no. 2. Der Hirt
       no. 3. Der Alpenjäger
294. Es rauschen die Winde
296. Ich möchte hingehn
297. Wer nie sein Brot mit Tränen aß 
298. O lieb, so lang du lieben kannst
301. Kling leise, mein Lied
304. Le vieux vagabond
305. Schwebe, schwebe, blaues Auge
306. Über allen Gipfeln ist Ruh
307. Hohe Liebe
308. Gestorben war ich
309. Ein Fichtenbaum steht einsam
311. Anfangs wollt ich fast verzagen
312. Wie singt die Lerche schön
314. Es muß ein Wunderbares sein
317. Laßt mich ruhen
318. In Liebeslust
320. Die drei Zigeuner
321. Die stille Wasserrose
322. Wieder möcht' ich dir begegnen
324. Blume und Duft
327. J'ai perdu ma force et ma vie
328. Ihr Glocken von Marling
337. Des Tages laute Stimmen schweigen
348. Der traurige Mönch

S 292 no.1 "Es lächelt der See, er ladet zum Bade"
 
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), from Wilhelm Tell
Music by Franz Liszt, "Der Fischerknabe", S. 292 no. 1
 
See also: 

Leopold Damrosch (1832-1885), "Lied des Fischerknaben", from Three songs without opus number, by various authors, no. 2
(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), "Es lächelt der See", op. 2 no. 4 (183-?)

Es lächelt der See, er ladet zum Bade,
Der Knabe schlief ein am grünen Gestade,
Da hört er ein Klingen,
Wie Flöten so süß,
Wie Stimmen der Engel
Im Paradies.
 
Und wie er erwachet in seliger Lust,
Da spülen die Wasser ihm um die Brust.
Und es ruft aus den Tiefen:
Lieb' Knabe, bist mein!
Ich locke den Schläfer,
Ich zieh ihn herein

S 292 no.2 "Ihr Matten lebt wohl! Ihr sonnigen Weiden!"
 
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), from Wilhelm Tell
Music by Franz Liszt, "Der Fischerknabe", S. 292 no. 2, "Der Hirt" (1845)
 
See also: 

Robert Schumann (1810-1856), op. 79 no. 22, "Des Sennen Abschied" (1849), from Lieder-Album für die Jugend

Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Sonne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.
 
Wir fahren zu Berg, wir kommen wieder,
Wenn der Kuckuck ruft, wenn erwachen die Lieder,
Wenn mit Blumen die Erde sich kleidet neu,
Wenn die Brünnlein fließen im lieblichen Mai.
 
Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Sonne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.

S 292 no.3 "Es donnern die Höh'n, es zittert der Steg"
 
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), from Wilhelm Tell
Music by Franz Liszt, "Der Alpenjäger", S. 292 no. 3

Es donnern die Höh'n, es zittert der Steg,
Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichem Weg.
Er schreitet verwegen auf Feldern von Eis,
Da pranget kein Frühling, da grünet kein Reis;
Tief unter den Fußßen ein nebliches Meer,
Erkennt er die Städte der Menschen nicht mehr;
Durch den Riß nur der Wolken erblickt er die Welt,
Tief unter den Wassern das grünende Feld.

S 294 "Es rauschen die Winde"
 
 
Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
Music by Franz Liszt, "Der Alpenjäger", S. 294 "Es rauschen die Winde"
 
See also:

Franz Schubert (1797-1828), D. 945 "Herbst" (1828)

Es rauschen die Winde
So herbstlich und kalt;
Verödet die Fluren,
Entblättert der Wald.
 
Ihr blumigen Auen!
Du sonniges Grün!
So welken die Blüten
Des Lebens dahin.
 
Es ziehen die Wolken
So finster und grau;
Verschwunden die Sterne
Am himmlischen Blau!
 
Ach wie die Gestirne
Am Himmel entflieh'n,
So sinket die Hoffnung
Des Lebens dahin!
 
Ihr Tage des Lenzes
Mit Rosen geschmückt,
Wo ich die Geliebte
Ans Herze gedrückt!
 
Kalt über den Hügel
Rauscht, Winde, dahin!
So sterben die Rosen
Der Liebe dahin!

S 296 "Ich möchte hingehn"
 
 
Text by Georg Herwegh (1817-1875)
Music by Franz Liszt, "Der Alpenjäger", S. 296

Ich möchte hingehn wie das Abendrot
Und wie der Tag mit seinen letzten Gluten -
O leichter, sanfter, ungefühlter Tod -
Mich in den Schoß des Ewigen verbluten!
 
Ich möchte hingehn wie der heitre Stern
Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken,
So still und schmerzlos möchte gern
Ich in des Himmels blaue Tiefe sinken!
 
Ich möchte hingehn wie der Blume Duft,
Die freudig sich dem schönen Kelch entringet,
Und auf dem Fittig blütenschwangrer Luft
Als Weihrauch auf des Herrn Altar sich schwinget.
 
Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal,
Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken -
O, wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl,
Auch meine lebensmüde Seele trinken!
 
Ich möchte hingehn wie der bange Ton,
Der aus den Saiten einer Harfe dringet,
Und, kaum dem irdischen Metall entflohn,
Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust verklinget.
 
Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot,
Du wirst nicht hingehn wie der Stern versinken,
Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod,
Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken!
 
Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur,
Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen,
Sanft stirbt es einzig sich in der Natur,
Das arme Menschenherz muß stückweis brechen!

S 297 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Franz Liszt, "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 297
 
See also: 

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Harfenspieler II" (Harper's song), op. 6 no. 1 (1827-36?)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klage" (Lament), published 1795-6.
Franz Schubert (1797-1828), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2 and 2b (1816), published 1895, and "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2, third setting (1822), published 1822 as op. 12 no. 2, and "Gesänge des Harfners III", D. 480 no. 3
Robert Schumann (1810-1856), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", op 98a no. 4
Wilhelm Stade, "Aus Wilhelm Meister", published 1842
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler III", from Goethe-Lieder, no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Klage" (1795); (1816)

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
 
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.

S 298 "O lieb, so lang du lieben kannst"
 
 
Text by Ferdinand Freiligrath (1810-1876)
Music by Franz Liszt, "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 298, published in 1847

O lieb, so lang du lieben kannst!
O lieb, so lang du lieben magst!
Die Stunde kommt, die Stunde kommt,
Wo du an Gräbern stehst und klagst.
 
Und sorge, daß dein Herz glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,
So lang ihm noch ein ander Herz
In Liebe warm entgegenschlägt.
 
Und wer dir seine Brust erschließt,
O tu ihm, was du kannst, zu lieb!
Und mach ihm jede Stunde froh,
Und mach ihm keine Stunde trüb.
 
Und hüte deine Zunge wohl!
Bald ist ein böses Wort gemeint;
Der Andre aber geht und klagt.

S 301 "Kling leise, mein Lied"
 
 
Text by Johannes Nordmann (Johann Rumpelmeyer) (1820-1887)
Music by Franz Liszt, S. 301

Kling leise, mein Lied, durch die schweigende Nacht,
Kling leise, daß nicht die Geliebte erwacht!
Behutsam zu ihren Fenstern hinauf,
Kling leise, mein Lied, und wecke sie nicht auf!
 
Umschlinge sie sanft, wie die Ranke den Baum
In Liebe umschlingt mit dem Blütentraum,
Und singe verzückt, wie die Nachtigall singt,
Die der Rose ein klingendes Ständchen bringt.
 
Erwecke sie nicht mit zu stürmischem Gruß,
Tritt behutsam nur auf, wie des Pilgers Fuß,
Der hin durch den heiligen Tempel geht,
Still klinge dein Gruß, wie ein leises Gebet!

S 304 "Le vieux vagabond"
 
 
Text by Pierre Jean de Béranger (1780-1857)
Music by Franz Liszt, S. 304

Dans ce fossé cessons de vivre,
Je finis vieux, infirme et las.
Les passants vont dire: il est ivre!
Tant mieux: Ils ne me plaindront pas.
J'en vois qui détournent la tête;
D'autres me jettent quelques sous.
Courez vite; allez à la fête,
Vieux vagabond, je puis mourir sans vous.
 
Oui, je meurs ici de vieillesse,
Parce qu'on ne meurt pas de faim.
J'espérais voir de ma détresse
L'hôpital adoucir la fin.
Mais tout est plein dans chaque hospice,
Tant le peuple est infortuné.
La rue, hélas! fut ma nourrice:
Vieux vagabond, mourons où je suis né.
 
La pauvre a-t-il une patrie?
Que me font vos vins et vos blés,
Votre gloire et votre industrie,
Et vos orateurs assemblés?
Dans vos murs ouverts à ses armes,
Lorsque l'étranger s'engraissait,
Comme un sot j'ai versé des larmes:
Vieux vagabond, sa main me nourrissait.
 
Comme un insecte, fait pour nuire,
Hommes, que ne m'écrasiez vous?
Ah! plutôt deviez m'instruire
A travailler au bien de tous.
Mis à l'abri du vent contraire
Le ver fût devenu fourmi;
Je vous aurais chéris en frère:
Vieux vagabond, je meurs votre ennemi.

S 305 "Schwebe, schwebe, blaues Auge"
 
 
Text by Franz Ferdinand Freiherr von Dingelstedt (1814-1881)
Music by Franz Liszt, S. 305

Schwebe, blaues Auge, schwebe
Unabwendbar ob dem meinen,
Einen Frühling wirk und webe
Rings um mich in lichtem Scheinen.
 
Klinge, süße Stimme, klinge
An mein Herz im Tongewimmel,
Trag auf deiner Engelschwinge
Mich Verwandelten gen Himmel.
 
Jüngst noch Nacht und Winter war es;
Nun ists plötzlich Tag geworden,
Tag und Mai, ein wunderbares
Sein in Strahlen und Akkorden!
 
Überall ein Hoffnungsschiller,
Ein verheißend Frühlingswetter,
Blütenwellen, Lerchentriller,
Nachtigallenlustgeschmetter.
 
Laß, o laß ihn nicht vergehn,
Diesen letzten Lenz der Erde,
Bis ich seine Blumen sehn,
Seine Früchte brechen werde.

S 306 "Über allen Gipfeln ist Ruh"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Liszt, "Über allen Gipfeln ist Ruh", S. 306
 
See also:

Ernst Bacon (1898-1990), "Wandrers Nachtlied", published 1928
Hermann Behn (1859?-1927), "Wandrers Nachtlied", op. 2 no. 4 (189-?)
Harald Genzmer (b. 1909), "Über allen Gipfeln ist Ruh" (1940-87), from Acht Lieder nach
verschiedenen Dichtern
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Über allen Gipfeln ist Ruh", from 7 Goethe Lieder (no. 5) published 194-?
Ferdinand Hiller (1811-1885), "Wandrers Nachtlied" (1827)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Wandrers Nachtlied", op. 9, i, 3a (1817?)
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), "Nochnaja pesn' stranznika" (Wandrers Nachtlied), singable in Russian and German, op. 6 no. 1
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Über allen Gipfeln ist Ruh" (1835)
Ernst Pepping (1901-1981), "Ein Gleiches" (1946), from Haus- und Trostbuch (no. 34), published 1949
Max Reger (1873-1916), "Abendlied", op. 14 no. 2 (1894)
Franz Schubert (1797-1828), "Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches)", D. 768, op. 96 no. 3 (c. 1823)
Robert Schumann (1810-1856), "Nachtlied" (Night song), op. 96 no. 1 (1850)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Ruhe" (1814).
Charles Edward Ives (1874-1954), "Ilmenau", in German and English

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde,
Warte nur, balde
Ruhest du auch!

S 307 "Hohe Liebe"
 
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Franz Liszt, S. 307, published in 1850

In Liebesarmen ruht ihr trunken,
Des Lebens Früchte winken euch;
Ein Blick nur ist auf mich gesunken,
Doch bin ich vor euch allen reich.
 
Das Glück der Erde miss ich gerne
Und blick, ein Märtyrer, hinan,
Denn über mir in goldner Ferne
Hat sich der Himmel aufgetan.

S 308 "Gestorben war ich"
 
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Franz Liszt, S. 308, published in 1850

Gestorben war ich
Vor Liebeswonne;
Begraben lag ich
In ihren Armen;
Erwecket ward ich
Von ihren Küßen;
Den Himmel sah ich
In ihren Augen.

S 309 "Ein Fichtenbaum steht einsam"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Franz Liszt, "Ein Fichtenbaum steht einsam", S. 309
 
See also:

(Mary) Frances Allitsen, née Bumpus (1848-1912), "Der Fichtenbaum", published 1900
Hermann Behn (1857?-1927), "Ein Fichtenbaum steht einsam", op. 1 vol. ii no. 4 (189-?)
Adolph Martin Foerster (1854-1927), "Ein Fichtenbaum", op. 57 no. 2 (1909)
Robert Franz (1815-1892), "Der Fichtenbaum", op. 16 no. 3, published in 1856
Wilhelm Kempff (1895-1991), "Der Fichtenbaum", op. 16 no. 1, pub 1923
Samuel de Lange (1840-1911), "Ein Fichtenbaum"
Eduard Lassen (1830-1904), "Der Fichtenbaum"
Joseph Marx (1882-1964), "Ein Fichtenbaum steht einsam" (1908)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Fichtenbaum und Palme" (1838)
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), "Ein Fichtenbaum steht einsam" (1884-6?)
(Karl) Wilhelm (Eugen) Stenhammar (1871-1927), "Ein Fichtenbaum steht einsam", op. 17 no. 2 (1890?)
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), "Fichtenbaum und Palme", op. 56 no. ? (1869?)

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh';
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.
 
Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

S 311 "Anfangs wollt ich fast verzagen"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Franz Liszt, S. 311
 
See also:

Robert Schumann (1810-1856), op. 24 (1840), from Liederkreis, no. 8

Angfangs wollt' ich fast verzagen,
und ich glaubt', ich trüg' es nie;
und ich hab' es doch getragen -
aber fragt mich nur nicht, wie?

S 312 "Wie singt die Lerche schön"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Franz Liszt, S. 312

Wie singt die Lerche schön
Im Tal und auf den Höh'n,
Wenn der Morgen graut,
Und die Blümlein, frisch betaut,
Harren auf den Sonnenschein.
 
So sing, mein Herz, nun auch
Beim frischen Morgenhauch.
Hast du auch gewacht
Unter Gram und Pein diese Nacht,
Dein auch harrt ein Sonnenschein.

S 314 "Es muß ein Wunderbares sein"
 
 
Text by Oscar von Redwitz-Schmölz (1823-1891)
Music by Franz Liszt, S. 314 (1852), published in 1859
 
See also: 

Carl Bohm (1844-1920), op. 326 no. 10
Adolph Martin Foerster (1854-1927), op. 57 no. 3 (1909)

Es muß ein Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen,
Sich schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen,
Und Freund und Leid und Glück und Not
So mit einander tragen;
Vom ersten Kuß bis in den Tod
Sich nur von Liebe sagen.

S 317 "Laßt mich ruhen"
 
 
Text by August Heinrich Hoffman von Fallersleben (1798-1874)
Music by Franz Liszt, S. 317
 
See also:

Ferdinand Ries (1784-1838), before 1891

Laßt mich ruhen, laßt mich träumen,
Wo die Abendwinde linde
Säuseln in den Blütenbäumen,
Wo der Nachtigallen Lieder
Wieder in der Zweige Dämmrung schallen!
 
Wie des Mondes Silberhelle
Auf des Baches dunkler Welle
Spielt in dieser lichten Stunde
Auf des Lebens dunklem Grunde
Der vergangnen Tage Freud' und Klage.
Der Erinnrung Lust und Schmerzen
Flimmern auf in meinem Herzen -
Laßt mich ruhen, laßt mich träumen
Bei der Nachtigallen Sange
Unter vollen Blütenbäumen! Lange!

S 318 "In Liebeslust"
 
 
Text by August Heinrich Hoffman von Fallersleben (1798-1874)
Music by Franz Liszt, S. 318

In Liebeslust, in Sehnsuchtsqual,
O höre mich!
Eins sing' ich nur viel tausendmal
Und nur für dich!
 
Ich sing es laut durch Wald und Feld,
O höre mich!
Ich sing es durch die ganze Welt:
Ich liebe dich!
 
Und träumend noch in stiller Nacht
Muß singen ich,
Ich singe, wenn mein Aug' erwacht:
Ich liebe dich!
 
Und wenn mein Herz im Tode bricht,
O sähst du mich!
Du sähst, daß noch mein Auge spricht:
Ich liebe dich!

S 320 "Die drei Zigeuner"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Franz Liszt, S. 320
 
See also:

Othmar Schoeck (1886-1957), op. 24a no. 4 (1909-14)

Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide,
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.
 
Hielt der eine für sich allein
In den Händen die Fiedel,
Spielt', umglüht vom Abendschein,
Sich ein lustiges Liedel.
 
Hielt der zweite die Pfeif' im Mund,
Blickte nach seinem Rauche,
Froh, als ob er vom Erdenrund
Nichts zum Glücke mehr brauche.
 
Und der dritte behaglich schlief,
Und sein Zymbal am Baum hing;
Über die Saiten der Windhauch lief,
Über sein Herz ein Traum ging.
 
An die Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken;
Aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.
 
Dreifach haben sie mir gezeigt,
Wenn das Leben uns nachtet,
Wie man's verschläft, verraucht, vergeigt,
Und es dreifach verachtet.
 
[Nach den Zigeunern lange noch
Mußt ich schaun im Weiterfahren,
Nach den Gesichtern dunkelbraun,
nach den schwarzlockigen Haaren.]

S 321 "Die stille Wasserrose"
 
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Franz Liszt, S. 321 (1860)

Die stille Wasserrose
Steigt aus dem blauen See,
Die Blätter flimmern und blitzen,
Der Kelch ist weiß wie Schnee.
 
Da gießt der Mond vom Himmel
All' seinen goldnen Schein,
Gießt alle seine Strahlen
In ihren Schoß hinein.
 
Im Wasser um die Blume
Kreiset ein weißer Schwan:
Er singt so süß, so leise
Und schaut die Blume an.
 
Er singt so süß, so leise
Und will im Singen vergehn.
O Blume, weiße Blume,
Kannst du das Lied verstehn?

S 322 "Wieder möcht' ich dir begegnen"
 
 
Text by (Carl August) Peter Cornelius (1824-1874)
Music by Franz Liszt, S. 322
 
See also:

Leopold Damrosch (1832-1885), op. 8 no. 9
Eduard Lassen (1830-1904), op. 58 no. 1

Wieder möcht' ich dir begegnen,
Wieder schauen deinen Blick;
Aber was auch mein Geschick,
Deine liebe Seele will ich segnen!
 
Leben möcht' ich dir zu Füßen,
Blumen streuen vor dich hin,
Aber, ob ich ferne bin,
Deine liebe Seele will ich grüßen!
 
Blieb' ich ewig auch vertrieben,
Meinem reinsten Glücke fern,
Deine Seele ist mein Stern,
Deine liebe Seele will ich lieben!

S 324 "Blume und Duft"
 
 
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Franz Liszt, S. 324 (1862)
 
See also:

Johannes Weyrauch (b. 1897), 1926

In Frühlings Heiligtume,
Wenn dir ein Duft an's Tiefste rührt,
Da suche nicht die Blume,
Der ihn ein Hauch entführt.
 
Der Duft läßt Ew'ges ahnen,
Von unbegrenztem Leben voll;
Die Blume kann nur mahnen,
Wie schnell sie welken soll.

S 327 "J'ai perdu ma force et ma vie"
 
 
Text by Louis Charles Alfred de Musset (1810-1857)
Music by Franz Liszt, S. 327

J'ai perdu ma force et ma vie,
Mes amis et ma gaieté,
J'ai perdu jusqu'à la fierté,
Qui faisait croire à mon génie.
 
Quand j'ai connu la vérité
J'ai cru que c'était une amie;
Quand je l'ai comprise,
Quand je l'ai sentie,
J'en étais déjà dégouté.
 
Et pourtant elle est éternelle
Et ceux, qui se sont passés d'elle
Icibas ont tout ignoré.
 
Dieu parle, il faut qu'on lui réponde:
Le seul bien, qui me reste au monde
Est d'avoir quelque fois pleuré.

S 328 "Ihr Glocken von Marling"
 
 
Text by Emil Kuh (1828-1876)
Music by Franz Liszt, S. 328

Ihr Glocken von Marling, wie braust ihr so hell!
Ein wohliges Lauten, als sänge der Quell.
Ihr Glocken von Marling, ein heil'ger Gesang
Umwallet wie schützend den weltlichen Klang,
Nehmt mich in die Mitte der tönenden Flut -
Ihr Glocken von Marling, behütet mich gut!

S 337 "Des Tages laute Stimmen schweigen"
 
 
Text by Ferdinand von Saar (1833-1906)
Music by Franz Liszt, S. 337

Des Tages laute Stimmen schweigen,
Und dunkeln will es allgemach,
Ein letztes Schimmern in den Zweigen,
Dann zieht auch dies der Sonne nach.
 
Noch leuchten ihre Purpurgluten
Um jene Höhen, kahl und fern,
Doch in des Äthers klaren Fluten
Erzittert schon ein blasser Stern.
 
Ihr müden Seelen rings im Kreise,
So ist euch wieder Ruh gebracht;
Aufatmen hör ich euch noch leise,
Dann küßt euch still und mild die Nacht.

S 348 "Der traurige Mönch"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Franz Liszt, S. 348, composed in 1860, first published in 1872

In Schweden steht ein grauer Turm,
Herbergend Eulen, Aare;
Gespielt mit Regen, Blitz und Sturm
Hat er neunhundert Jahre;
Was je von Menschen hauste drin,
Mit Lust und Leid, ist längst dahin.
 
Der Regen strömt, ein Ritter naht,
Er spornt dem Roß die Flanken.
Verloren hat er seinen Pfad
In Dämmrung und Gedanken.
Es windet heulend sich im Wind
Der Wald, wie ein gepeitschtes Kind.
 
Verrufen ist der Turm im Land,
Daß Nachts, bei hellem Lichte,
Ein Geist dort spukt im Mönchsgewand,
Mit traurigem Gesichte;
Und wer dem Mönch ins Aug' gesehn,
Wird traurig und will sterben gehn.
 
Doch ohne Schreck und Grauen tritt
Ins Turmgewölb der Reiter.
Er führt herein den Rappen mit
Und scherzt zum Rößlein heiter:
"Gelt du, wir nehmens lieber auf
Mit Geistern als mit Wind und Trauf?"
 
Den Sattel und den nassen Zaum
Entschnallt er seinem Pferde.
Er breitet sich im öden Raum
Den Mantel auf die Erde
Und segnet noch den Aschenrest
Der Hände, die gebaut so fest.
 
Und wie er schläft, und wie er träumt,
Zur mitternächt'gen Stunde
Weckt ihn sein Pferd, - es schnaubt und bäumt,
Hell ist die Turmesrunde.
Die Wand wie angezündet glimmt;
Der Mann sein Herz zusammennimmt.
 
Weit auf das Roß die Nüstern reißt,
Es bleckt vor Angst die Zähne,
Der Rappe zitternd sieht den Geist
Und sträubt empor die Mähne;
Nun schaut den Geist der Reiter auch
Und kreuzet sich nach altem Brauch.
 
Der Mönch hat sich vor ihn gestellt,
So klagend still, so schaurig,
Als weine stumm aus ihm die Welt,
So traurig, o wie traurig!
Der Wandrer schaut ihn unverwandt
Und wird von Mitleid übermannt.
 
Der große und geheime Schmerz,
Der die Natur durchzittert,
Den ahnen mag ein blutend Herz,
Den die Verzweiflung wittert,
Doch nicht erreicht - der Schmerz erscheint
Im Aug' des Mönchs, der Reiter weint.
 
Er ruft: "O sage, was dich kränkt?
Was dich so tief beweget?"
Doch wie der Mönch das Antlitz senkt,
Die bleichen Lippen reget,
Das Ungeheure sagen will:
Ruft er entsetzt: "Sei still! sei still!"
 
Der Mönch verschwand, der Morgen graut,
Der Wandrer zieht von hinnen;
Und fürder spricht er keinen Laut,
Den Tod nur muß er sinnen.
Der Rappe rührt kein Futter an,
Um Roß und Reiter ists getan.
 
Und als die Sonn' am Abend sinkt,
Die Herzen bänger schlagen,
Der Mönch aus jedem Strauche winkt,
Und alle Blätter klagen,
Die ganze Luft ist wund und weh -
Der Rappe schlendert in den See!