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Felix Mendelssohn-Bartholdy

(1809 - 1847)

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The Lieder of Felix Mendelssohn-Bartholdy

 

Lieder – complete index

Lieder - index B:

op. 47.
         no. 1. Minnelied
         no. 2. Morgengruß
         no. 3. Frühlingslied
         no. 4. Volkslied
         no. 5. Der Blumenstrauß
         no. 6. Bei der Wiege
op. 57.
         no. 1. Altdeutsches Lied
         no. 2. Hirtenlied
         no. 3. Suleika
         no. 4. O Jugend, o schöne Rosenzeit
         no. 5. Venetianisches Gondellied
         no. 6. Wanderlied
op. 59
         no. 4. Die Nachtigall
op. 63
         no. 1. Ich wollt meine Lieb ergösse sich
         no. 2. Abschiedslied der Zugvögel
         no. 3. Gruß
         no. 4. Herbstlied
         no. 5. Volkslied
         no. 6. Maiglöckchen und die Blümelein
op. 71.
         no. 1. Tröstung
         no. 2. Frühlingslied
         no. 4. Schilflied
         no. 5. Auf der Wanderschaft
         no. 6. Nachtlied
         no. 8. An die Entfernte
op. 84.
         no. 1. Da lieg' ich unter den Bäumen
         no. 2. Herbstlied
         no. 8. Jagdlied
op. 86.
         no. 1. Es lauschte das Laub so dunkelgrün
         no. 2. Morgenlied
         no. 3. Die Liebende schreibt
         no. 4. Allnächtlich im Traume seh' ich dich
         no. 5. Der Mond
         no. 6. Altdeutsches Frühlingslied
op. 99.
         no. 1. Erster Verlust
         no. 2. Die Sterne schau'n in stiller Nacht
         no. 3. Lieblingsplätzchen
         no. 4. Das Schifflein
         no. 5. Wenn sich zwei Herzen scheiden
         no. 6. Es weiß und rät es doch keiner

op.47 no.1 "Minnelied"
 
 
Text by Johann Ludwig Tieck (1773-1853)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 47 no. 1 (1840)

Wie der Quell so lieblich klinget
Und die zarten Blumen küßt,
Wie der Fink im Schatten singet
Und das nahe Lienbchen grüßt!
 
Wie die Lichter zitternd schweifen
Und das Gras sich grün erfreut,
Wie die Tannen weithin greifen
Und die Linde Blüten streut!
 
In der Linde süß Gedüfte,
In der Tannen Riesellaut,
In dem Spiel der Sommerlüfte
Glänzet sie als Frühlingsbraut.
 
Aber Waldton, Vogelsingen,
Duft der Blüten, haltet ein,
Licht, verdunkle, nie gelingen
Kann es euch, ihr gleich zu sein!

op.47 no.2 "Morgengruß"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 47 no. 2

Über die Berge steigt schon die Sonne,
Die Lämmerheerde läutet von fern:
Mein Liebchen, mein Lamm, meine Sonne und Wonne,
Noch einmal säh' ich dich gar zu gern!
 
Ich schaue hinauf mit spähender Miene,
"Leb' wohl, mein Kind, ich wandre von hier!"
Vergebens! es regt sich keine Gardine;
Sie liegt noch und schläft und träumt von mir.

op.47 no.3 "Durch den Wald, den dunkeln"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Frühlingslied", op. 47 no. 3
 
See also:

Robert Franz (1815-1892), "Frühlingsblick", op. 52 no. 6 (1884)
Othmar Schoeck (1886-1957), "Frühlingsblick", op. 5 no. 3 (1907)

Durch den Wald, den dunkeln, geht
Holde Frühlingsmorgenstunde,
Durch den Wald vom Himmel weht
Eine leise Liebeskunde.
 
Selig lauscht der grüne Baum,
Und er taucht mit allen Zweigen
In den schönen Frühlingstraum,
In den vollen Lebensreigen.
 
Blüht ein Blümchen irgendwo,
Wird's vom hellen Thau getränket,
Das versteckte zittert froh,
Daß der Himmel sein gedenket.
 
In geheimer Laubesnacht
Wird des Vogels Herz getroffen
Von der Liebe Zaubermacht,
Und er singt ein süßes Hoffen.
 
All' das frohe Lenzgeschick
Nicht ein Wort des Himmels kündet,
Nur sein stummer, warmer Blick
Hat die Seligkeit entzündet.
 
Also in den Winterharm,
Der die Seele hielt bezwungen,
Ist dein Blick mir, still und warm,
Frühlingsmächtig eingedrungen.

op.47 no.4 "Es ist bestimmt in Gottes Rat"
 
 
Text by Ernst Freiherr von Feuchtersleben (1806-1849)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Volkslied", op. 47 no. 4 (1839)
 
See also:

Ferruccio Busoni (1886-1924), "Es ist bestimmt in Gottes Rat", op. 24 no. 2 (1879)
Othmar Schoeck (1886-1957), "Es ist bestimmt in Gottes Rat", ohne opus 24 (1906)
Richard Wagner (1813-1883), "Es ist bestimmt in Gottes Rat" (1858), WWV 92

Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Daß man vom Liebsten, was man hat,
Muß scheiden;
Wie wohl doch nichts im Lauf der Welt
Dem Herzen ach! so sauer fällt,
Als Scheiden! ja Scheiden!
 
So dir geschenkt ein Knösplein was,
So tu' es in ein Wasserglas,
Doch wisse:
Blüht morgen dir ein Röslein auf,
Es welkt wohl schon die Nacht darauf,
Das wisse! ja wisse!
 
Und hat dir Gott ein Lieb bescheert,
Und hältst du sie recht innigwert,
Die Deine,
Es wird nur wenig Zeit wohlsein,
Da läßt sie dich so gar allein,
Dann weine! ja weine!
 
Nun mußt du mich auch recht versteh'n,
Ja recht versteh'n!
Wenn Menschen aus einander geh'n,
So sagen sie: auf Wiederseh'n! auf Wiederseh'n!

op.47 no.5 "Der Blumenstrauß"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 47 no. 5

Sie wandelt im Blumengarten
Und mustert den bunten Flor,
Und alle die Kleinen warten
Und schauen zu ihr empor.
 
"Und seid ihr denn Frühlingsboten,
Verkündend was stets so neu,
So werde auch meine Boten
An ihn, der mich liebt so treu."
 
So überschaut sie die Habe
Und ordnet den lieblichen Strauß,
Und reicht dem Freunde die Gabe,
Und weicht seinem Blicke aus.
 
Was Blumen und Farben meinen,
O deutet, o fragt das nicht,
Wenn aus den Augen der Einen
Der süßeste Frühling spricht.

op.47 no.6 "Bei der Wiege"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 47 no. 6

Schlummre! Schlummre und träume von kommender Zeit,
Die sich dir bald muß entfalten,
Träume, mein Kind, von Freud' und Leid,
Träume von lieben Gestalten!
Mögen auch viele noch kommen und gehen,
Müssen dir neue doch wieder erstehen,
Bleibe nur fein geduldig!
 
Schlummre! Schlummre und träume von Frühlingsgewalt,
Schau' all' das Blühen und Werden,
Horch, wie im Hain der Vogelsang schallt,
Liebe im Himmel, auf Erden!
Heut' zieht's vorüber und kann dich nicht kümmern,
Doch wird dein Frühling auch blühn und schimmern,
Bleibe nur fein geduldig!

op.57 no.1 "Altdeutsches Lied"
 
 
Text by Heinrich der tugendhafte Schreiber (writing ca. 1208-1228)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 57 no. 1

Es ist in den Wald gesungen,
Wenn ich der mein Leiden sage,
Die mein Herz mir hat bezwungen;
Sie hört nicht auf meine Klage.
 
Mir ist wie der Nachtigall,
Die so viel vergeblich singet,
Und ihr doch am Ende bringet
Laute Schmerz ihr süßer Schall.
 
Was nützt in dem wilden Walde
Kleiner Vögelein Gesang,
Und ihr Tönen mannichfalte,
Wer sagt ihrem Singen Dank?
 
Stille bleibt der wilde Wald,
Und die Hirsche weiter ziehen,
Hören nicht den Ton im Fliehen,
Der so ganz umsonst verhallt.

op.57 no.2 "Hirtenlied"
 
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 57 no. 2

O Winter, schlimmer Winter, wie ist die Welt so klein!
Du drängst uns all' in die Thäler, in die engen Hütten hinein.
 
Und geh' ich auch vorüber an meiner Liebsten Haus,
Kaum sieht sie mit dem Köpfchen zum kleinen Fenster heraus.
 
O Sommer, schöner Sommer, wie wird die Welt so weit!
Je höher man steigt auf die Berge, je weiter sie sich verbreit't.
 
Und stehest du auf dem Felsen, traut' Liebchen, ich rufe dir zu.
Die Halle sagen es weiter, doch Niemand hört es, als du.
 
Und halt' ich dich in den Armen auf freien Bergeshöh'n:
Wir seh'n in die weiten Lande, und werden doch nicht geseh'n.

op.57 no.3 "Suleika"
 
 
Text by Marianne von Willemer (1784-1860), perhaps incorrectly attributed to Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 57 no. 3
 
See also:

Franz Schubert (1797-1828), D. 720 (Suleika I) (March 1821), first published in December 1822 as Op. 14 No. 1

Was bedeutet die Bewegung?
Bringt der Ost mir frohe Kunde?
Seiner Schwingen frische Regung
Kühlt des Herzens tiefe Wunde.
 
Kosend spielt er mit dem Staube,
Jagt ihn auf in leichten Wölkchen,
Treibt zur sichern Rebenlaube
Der Insekten frohes Völkchen.
 
Lindert sanft der Sonne Glühen,
Kühlt auch mir die hießen Wangen,
Küßt die Reben noch im Fliehen,
Die auf Feld und Hügel prangen.
 
Und mir bringt sein leises Flüstern
Von dem Freunde tausend Grüße;
Eh' noch diese Hügel düstern,
Grüßen mich wohl tausend Küsse.
 
Und so kannst du weiter ziehen!
Diene Freunden und Betrübten.
Dort wo hohe Mauern glühen,
Dort find' ich bald den Vielgeliebten.
 
Ach, die wahre Herzenskunde,
Liebeshauch, erfrischtes Leben
Wird mir nur aus seinem Munde,
Kann mir nur sein Atem geben.

op.57 no.4 "O Jugend, o schöne Rosenzeit"
 
 
Text : Volkslied collected by Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio (1803-1869?)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 57 no. 4

Von allen schönen Kindern auf der Welt
Mir eines doch am meisten wohlgefällt;
Es hat ein roth Mündlein und dunkelbraunes Haar;
Wohl will ich es lieben auch ganz und gar.
 
Die Grübchen in den Wangen,
Das Grübchen in dem Kinn,
Drin war mich gleich gefangen
Mein ganzer leichter Sinn,
 
Und in die blauen Augen,
Seh' ich da recht hinein,
Da möcht' ich mein Lebtag
Gefangen drin sein!
 
O Jugend, o schöne Rosenzeit!
Die Wege, die Stege sind mit Blumen bestreut;
Der Himmel steht offen, man schaut die Engelein.
O könnt' ich, Herzliebsten, stets bei dir sein!

op.57 no.5 "Venetianisches Gondellied"
 
 
Text by Ferdinand Freiligrath (1810-1876) after Thomas Moore (1779-1852)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 57 no. 5
 
See also:

Robert Schumann (1810-1856), op. 25 no. 18 "Venetianische Lied II" (with another form of the poem)

Wenn durch die Piazetta
die Abendluft weht,
dann weißt du, Ninetta,
Wer wartend hier steht.
Du weißt, wer trotz Schleier
und Maske dich kennt,
Wie die Sehnsucht
im Herzen mir brennt.
 
Ein Schifferkleid trag' ich
zur selbigen Zeit,
und zitternd dir sag' ich:
das Boot ist bereit!
O komm jetzt, wo Lunen
noch Wolken umzieh'n,
laß durch die Lagunen,
Geliebte, uns flieh'n!

op.57 no.6 "Laue Luft kommt blau geflossen"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Wanderlied", op. 57 no. 6
 
See also:  

Ernst (Friedrich Karl) Rudorff (1840-1916), "Frische Fahrt", op. 16 no. 2

Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Muth'ger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.
 
Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von Euch treibt mich der Wind;
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen;
Hoch Aurora flammend weht;
Fahre zu! ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht.

op.59 no.4 "Die Nachtigall"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Wanderlied", op. 59 no. 4 (1843)

Die Nachtigall, sie war entfernt,
Der Frühling lockt sie wieder;
Was neues hat sie nicht gelernt,
Singt alte liebe Lieder.

op.63 no.1 "Ich wollt meine Lieb ergösse sich"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Wanderlied", op. 63 no. 1 (duet)
 
See also:

Modest Musorgsky (1839-1891), April 1866, "Zhelanije" (in Russian translation by Aleksandrovich Mej, 1822-1862)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Khotel by v jedinoje slovo", op. 26 no. 1 (1875) (in
Russian translation by Aleksandrovich Mej, 1822-1862)

Ich wollt, meine Lieb ergösse sich
All in ein einzig Wort,
Das gäb ich den luft'gen Winden,
Die trügen es lustig fort.
 
Sie tragen zu dir, Geliebte,
Das lieb-erfüllte Wort;
Du hörst es zu jeder Stunde,
Du hörst es an jedem Ort.
 
Und hast du zum nächtlichen Schlummer
Geschlossen die Augen kaum,
So wird mein Bild dich verfolgen
Bis in den tiefsten Traum.

op.63 no.2 "Abschiedslied der Zugvögel"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Wanderlied", op. 63 no. 2 (duet)

Wie war so schön doch Wald und Feld!
Wie ist so traurig jetzt die Welt!
Hin ist die schöne Sommerzeit,
Und nach der Freude kam das Leid.
 
Wir wußten nichts von Ungemach,
Wir saßen unterm Laubesdach
Vergnügt und froh beim Sonnenschein,
Und sangen in die Welt hinein.
 
Wir armen Vöglein trauern sehr:
Wir haben keine Heimat mehr,
Wir müssen jetzt von hinnen fliehn
Und in die weite Fremde ziehn.

op.63 no.3 "Wohin ich geh' und schaue"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Gruß", a duet, op. 63 no. 3, published 1845
 
 
See also:

Robert Franz (1815-1892), "Der vielschönen Fraue", op. 10 no. 4, published 1860
Armin Knab (1881-1951), "Der Gärtner" (The gardener), 1918-22
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), "Der Gärtner", op. 9 no. 1 (1888/89)
Othmar Schoeck (1886-1957), "Der Gärtner", op. 20 no. 11 (1905-14)

Wohin ich geh' und schaue,
In Feld und Wald und Tal,
[Vom Berg hinab in] die Aue;
[Viel schöne, hohe Fraue],
Grüß ich dich tausendmal.
 
In meinem Garten find' ich
Viel' [Blumen] schön und fein,
Viel' Kränze wohl draus wind' ich
Und tausend Gedanken bind' ich
Und Grüße mit darein.
 
[Ihr] darf ich keinen reichen,
[Sie ist] zu hoch und schön,
Die müssen [alle] verbleichen,
Die Liebe nur ohnegleichen
Bleibt ewig im Herzen stehn.
 
[Ich schein' wohl froher Dinge
Und schaffe auf und ab,
Und, ob das Herz zerspringe,
Ich grabe fort und singe,
Und grab mir bald mein Grab.]

op.63 no.4 "Herbstlied"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 63 no. 4, pub. 1845, duet

Ach, wie so bald verhallet der Reigen,
Wandelt sich Frühling in Winterzeit!
Ach, wie so bald in trauerndes Schweigen
Wandelt sich alle der Fröhlichkeit!
 
Bald sind die letzten Klänge verflogen!
Bald sind die letzten Sänger gezogen!
Bald ist das letzte Grün dahin!
Alle sie wollen heimwärts ziehn!
 
Ach, wie so bald verhallet der Reigen,
Wandelt sich Lust in sehnendes Leid.
 
Wart ihr ein Traum, ihr Liebesgedanken?
Süß wie der Lenz und schnell verweht?
Eines, nur eines will nimmer wanken:
Es ist das Sehnen, das nimmer vergeht.
 
Ach, wie so bald verhallet der Reigen!
Ach, wie so bald in trauerndes Schweigen
Wandelt sich alle die Fröhlichkeit!

op.63 no.5 "Volkslied"
 
 
Text by Ferdinand Freiligrath (1810-1876), after Robert Burns (1759-1796)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 63 no. 5

O Säh ich auf der Heide dort
Im Sturme dich, im Sturme dich!
Mit meinem Mantel vor dem Sturm
Beschütz ich dich, beschütz ich dich!
Und kommt mit seinem Sturme je
Dir Unglück nah, dir Unglück nah,
Dann wär dies Herz dein Zufluchtsort,
Gern teilt ich's ja, gern teilt ich's ja.
O wär ich in der Wüste, die
So braun und dürr, so braun und dürr,
Zum Paradiese würde sie,
Wärst du bei mir, wärst du bei mir.
Und wär ein König ich, und wär
Die Erde mein, die Erde mein,
Du wärst in meiner Krone doch
Der schönste Stein, der schönste Stein!

op.63 no.6 "Maiglöckchen und die Blümelei"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 63 no. 6 (duet)

Maiglöckchen läutet in dem Tal,
Das klingt so hell und fein;
So kommt zum Reigen allzumal,
Ihr lieben Blümelein!
Die Blümchen, blau und gelb und weiß
Sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
Und Veilchen sind dabei.
Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
Und alle tanzen dann;
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
Hat seine Freude dran.
Den Junker Reif verdroß das sehr,
Er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr,
Fort sind die Blümelein.
Doch kaum der Rief das Tal verläßt,
Da rufet wieder schnell
Maiglöckchen zu den Frühlingsfest
Und läutet doppelt hell.
Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus,
Maiglöckchen ruft auch mich;
Die Blümchen gehn zum Tanz hinaus,
Zum Tanze geh auch ich!

op.71 no.1 "Tröstung"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 71 no. 1

Werde heiter, mein Gemüthe,
Und vergiß der Angst und Pein!
Groß ist Gottes Gnad' und Güte,
Groß muß auch dein Hoffen sein.
 
Kommt der helle, gold'ne Morgen
Nicht hervor aus dunkler Nacht?
Lag nicht einst im Schnee verborgen
Tief des Frühlings Blüthenpracht?
 
Durch die Finsterniß der Klagen
Bricht der Freude Morgenstern;
Bald wird auch dein Morgentagen,
Gottes Güt' ist nimmer fern!

op.71 no.2 "Frühlingslied"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 71 no. 2 (1845)

Der Frühling naht mit Brausen,
Er rüstet sich zur Tat,
Und unter Sturm und Sausen
Keimt still die grüne Saat;
Drum wach, erwach, du Menschenkind,
Daß dich der Lenz nicht schlafend find'!
 
Tu ab die Wintersorgen,
Empfange frisch den Gast;
Er fliegt wie junger Morgen,
Er hält nicht lange Rast.
Die Knospe schwillt,
Die Blume blüht,
Die Stunde eilt,
Der Frühling flieht.
Drum wach, erwach, du Menschenkind,
Daß dich der Lenz nicht schlafend find'!
 
Dir armen Menschenkinde
Ist wund und weh ums Herz,
Auf, spreng getrost die Rinde,
Schau mutig frühlingswärts!
Es schmilzt das Eis, die Quelle rinnt,
Dir taut der Schmerz und löst sich lind.
 
Und wie die Vöglein leise
Anstimmen ihren Chor,
So schall auch deine Weise
Aus tiefster Brust hervor:
Bist nicht verarmt, bist nicht allein,
Umringt von Sang und Sonnenschein!

op.71 no.4 "Auf dem Teich, dem Regungslosen"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 71 no. 4, "Schilflied" (1842)
 
See also:

Ernst Bacon (1898-1990), "Schilflied", published 1928
Robert Franz (1815-1892), op. 2 no. 5, "Auf dem Teich, dem Regungslosen", from "Schilflieder" von Nicolaus Lenau, published 1844
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Auf dem Teich, dem Regungslosen" (1903-09?), A3
Henri Marteau (1874-1934), op. 31 no. 5 "Auf dem Teich, dem Regungslosen", from Fünf
Schilflieder, published 1925

Auf dem Teich, dem Regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schlilfes grünen Kranz.
 
Hirsche wandeln dort am Hügel,
Blicken durch die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.
 
Weinend muß mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Dein gedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet.

op.71 no.5 "Ich wandre fort in fernes Land"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Auf der Wanderschaft", op. 71 no. 5
 
See also:

Robert Franz (1815-1892), "An den Wind", op. 26 no. 6
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "An den Wind", A17 (1903-11)
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "An den Wind", op. 8 no. 4
Othmar Schoeck (1886-1957), "An den Wind", op. 36 (1923), from Elegie, no. 9

Ich wandre fort in fernes Land,
Noch einmal blick' ich um, bewegt
Und sah, wie sie den Mund geregt,
Und wie gewinket ihre Hand.
 
Wohl rief sie noch ein freundlich Wort
Mir nach auf meinem trüben Gang,
Doch hört' ich nicht den liebsten Klang,
Weil ihn der Wind getragen fort.
 
Daß ich mein Glück verlassen muß,
Du rauher, kalter Windeshauch,
Ist's nicht genug, daß du mir auch
Entreißest ihren letzten Gruß?

op.71 no.6 "Nachtlied"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 71 no. 6
 
See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 23 no. 4 (1840)
Wilhelm Petersen (1890-1957), op. 44 no. 9 pub 1956.
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 20 no. 13 (1914)

Vergangen ist der lichte Tag,
Von ferne kommt der Glocken Schlag;
So reist die Zeit die ganze Nacht,
Nimmt manchen mit, der's nicht gedacht.
 
Wo ist nun hin die bunte Lust,
Des Freundes Trost und treue Brust,
Der Liebsten süßer Angeschein?
Will keiner, keiner mit mir munter sein?
 
Frisch auf denn, liebe Nachtigall,
Du Wasserfall mit hellem Schall,
Gott loben wollen wir vereint,
Bis daß der lichte Morgen scheint.

op.71 no.8 "An die Entfernte"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 71 no. 8
 
See also:

Josephine Lang (1815-1880), op. 13 no. 5
Emil Mattiesen (1875-1939), op. 11 no. 3, pub. 190-?, from Stille Lieder
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 24a no. 3 (1914)
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), 1838/9
Felix Weingartner (1863-1942), op. 16 no. 1, published 1891

Diese Rose pflück' ich hier
In der [weiten] Ferne,
Liebes [Mädchen], dir, ach dir,
Brächt' ich sie so gerne!
 
Doch bis ich zu dir mag ziehen
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin;
Denn die Rosen eilen.
 
Nie soll weiter sich in's Land
Lieb' von Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Läßt die Rose tragen;
 
Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste,
Oder als ihr süßer Schall
Wandert mit dem Weste.

op.84 no.1 "Da lieg' ich unter den Bäumen"
 
 
Text by Anonymous
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 84 no. 1

Da lieg' ich unter den Bäumen, trüb' ist mein Herz mir und schwer,
O sage, sag' mir getreulich, mein Herz, was drückt dich so sehr?
Der Himmel ist düster umzogen, die Winde so schaurig weh'n,
Das bringt mir düstre Gedanken, drum muß in Trauer ich geh'n.
 
Du hast die Freude verlassen, es schweift in die Ferne dein Blick,
O komm zurück zu den Frohen, o kehr' den Deinen zurück!
Es hat mich die Freude verlassen, wo alles erstirbt in dem Hain,
Schon sinkt die herbstliche Sonne, bald bricht das Dunkel herein.
 
Laß schwinden die Tage der Wonne, laß fallen die Blätter herab!
Sie kehren ja alle dir wieder, verjüngt aus dunkelem Grab,
Wohl klärt sich der Himmel, die Sonne ersteht, es verjüngt sich der Hain,
Mein Hoffen schwand und ersteht nicht, das mag meine Trauer wohl sein.

op.84 no.2 "Herbstlied"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 84 no. 2 (1839)

Im Walde rauschen dürre Blätter,
Es schweigt der Sang, das Grün verdorrt,
im Fluge zieh'n, wie Wind und Wetter,
Der Sommer und die Sänger fort.
Was zagst du, Herz? Was zagst du trübe?
Die Liebe bleibt, dir bleibt die Liebe!
 
Die reifen Garben sind geschnitten,
Der Wind fährt übers Stoppelfeld,
Ein Schnitter kommt dahergeschritten,
Der andere dunkle Ernten hält.
Was bangst du Herz? Banst so betroffen?
Das Hoffen bleibt, dir bleibt das Hoffen!
 
Will denn die Welt ganz einsam stehen,
Wenn alles zieht und mich verläßt?
Wenn Lenz und Lieb und Jugend gehen,
Was bleibt mir denn? Was hält noch fest?
Was sorgst du Herz? Was sorgst aufs neue?
Die Treue bleibt, dir bleibt die Treue!

op.84 no.8 "Mit Lust thät ich ausreiten"
 
 
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Jagdlied", op. 84 no. 8
 
See also: 

Theodor Streicher (1874-1940), "Nächtliche Jagd", published 1903, from Dreissig Lieder aus Des Knaben Wunderhorn, no. 8

Mit Lust thät ich ausreiten
Durch einen grünen Wald,
Darin da hört' ich singen
Drei Vög'lein wohlgestalt,
Und sind es nicht drei Vögelein,
So sind's drei Fräulein fein,
Soll mir die Ein' nicht werden,
So gilt's das Leben mein.
 
Die Abendstrahlen breiten
Das Goldnetz über'n Wald,
Und ihm entgegen streiten
Die Vög'lein, daß es schallt.
Ich stehe auf der Lauer,
Ich harr' auf dunkle Nacht,
Es hat der Abendschauer
Ihr Herz wohl weich gemacht.
 
In's Jubelhorn ich stoße,
Das Firmament wird klar,
Ich steige von dem Roße,
Und zählt' die Vögelschaar.
Die Ein' ist schwarzbraun' Anne,
Die Andre Bärbelein,
Die Dritt' hat keinen Namen,
Die soll mein eigen sein.

op.86 no.1 "Es lauschte das Laub so dunkelgrün"
 
 
Text by Karl Klingemann (1798-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Jagdlied", op. 86 no. 1

Es lauschte das Laub so dunkelgrün
Dort in das Fenster hinein,
Die Sonne darin am liebsten schien,
Dort sangen die Vögelein.
Sie wähnen, es werde so ewig währen,
Sie spielen und mögen's nicht anders begehren.
 
Es lauscht aus dem Laub so dunkelgrün,
Es strahlen dort Augen hinaus,
Es ranken die Reben im stillen Bemüh'n,
Umgarnen das einsame Haus.
Es wähnen die Armen, das Leuchten zu fangen,
Sie streben und weben mit Sehnsucht und Bangen.
 
Nun rauschet das Laub so gelblich roth,
Sieht nicht mehr in's Fenster hinein,
Das Vögelgezwitscher ist still und todt,
Vorüber der Sonnenschein!
Wohl mußte das freudige Grün verblassen,
Das Fenster im Laube ist leer und verlassen.

op.86 no.2 "Morgenlied"
 
 
Text by Johann Heinrich Voss (1751-1826)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Jagdlied", op. 86 no. 2
 
See also:

Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1799?

Erwacht in neuer Stärke,
Begrüß' ich, Gott, dein Licht,
Und wend' auf deine Werke
Mein frohes Angesicht.
Wie herrlicht strahlt die Sonn' empor
Und weckt des Lebens lauten Chor!
 
Von Jubelliedern schallen
Schon Feld, Gebüsch und Luft,
Und aus des Waldes Hallen
Strömt frisch der Morgenduft.
Das Vöglein schüttelt ab den Thau,
Fliegt auf und singt im hellen Blau.
 
Schon höher schwebt die Sonne
In ihrem Siegeslauf,
Was lebt, das athmet Wonne,
Und was da schlief, wacht auf.
O Gott, in deinem Sonnenschein,
Wie herrlich ist's lebendig sein!

op.86 no.3 "Die Liebende schreibt"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), 8th sonnet of Sämtliche Gedichte
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 86 no. 3
 
See also:

Johannes Brahms (1833-1897), op. 47 no. 5, composed 1858, first performed 1893
Franz Schubert (1797-1828), D. 673, composed 1819

Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
Wer davon hat, wie ich, gewiße Kunde,
Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?
 
Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
Führ' ich stets die Gedanken in die Runde
Und immer treffen sie auf jene Stunde,
Die einzige: da fang' ich an zu weinen.
 
Die Träne trocknet wieder unversehens:
Er liebt ja, denk' ich, hier in diese Stille,
O solltest du nicht in die Ferne reichen?
 
Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens;
Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!

op.86 no.4 "Allnächtlich im Traume seh' ich dich"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Allnächtlich im Traume seh' ich dich", op. 86 no. 4, published 1851
 
See also:

Robert Franz (1815-1892), "Allnächtlich im Traume", op. 9 no. 4 (1860?)
Robert Schumann (1810-1856), "Allnächtlich im Traume seh' ich dich", op. 48, from Dichterliebe, no. 14

Allnächtlich im Traume seh' ich dich
Und sehe dich freundlich grüßen,
Und laut aufweinend stürz' ich mich
Zu deinen süßen Füßen.
 
Du siehest mich an wehmütiglich
Und schüttelst das blonde Köpfchen;
Aus deinen Augen schleichen sich
Die Perlentränentröpfchen.
 
Du sagst mir heimlich ein leises Wort
Und gibst mir den Strauß von Cypressen.
Ich wache auf, und der Strauß ist fort,
Und 's Wort hab' ich vergessen.

op.86 no.5 "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht"
 
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Der Mond", op. 86 no. 5
 
See also: 

Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht", 1903-11?
Eduard Lassen (1830-1904), "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht"
Hans Pfitzner (1869-1949), "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht", op. 3 no. 3

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht,
Und sieh, der Wald verstummt in tiefem Lauschen.
 
Der Mond, der [helle] Mond bist du:
[Aus] deiner Liebesfülle
Wirf einen Blick mir zu
Voll Himmelsruh',
Und sieh, dies ungestüme Herz - wird stille.

op.86 no.6 "Altdeutsches Frühlingslied"
 
 
Text by Friedrich von Spee (1591-1635)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Der Mond", op. 86 no. 6 (1847)

Der trübe Winter ist vorbei,
Die Schwalben wiederkehren;
Nun regt sich alles wieder neu;
Die Quellen sich vermehren.
 
Laub allgemach nun schleicht an Tag,
Die Blümlein nun sich melden;
Wie Schlänglein krumm gehn lächelnd um
Die Bächlein kühl in Wälden.
 
Wo man nur schaut, fast alle Welt
Zur Freuden sich tut rüsten;
Zum Scherzen alles ist gestellt,
Schwebt alles fast in Lüsten.
 
Nur ich allein, ich leide Pein,
Ohn' Ende werd ich leiden:
Seit du von mir und ich von dir,
O Liebste, mußte scheiden.

op.99 no.1 "Erster Verlust"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 99 no. 1 (1841-5)
 
See also:

Alban Berg (1885-1936). Jugendlieder, Op. 15 Nr. 2, 1904
Pierre-Octave Ferroud (1900-1936), from Drei traute Gesänge, published 1932
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), from 7 Goethe-Lieder (4), published 194-?
Armin Knab (1881-1951), 1924-6
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 8, "Pervaja utrata" (singable in Russian and German)
Hans Georg Nägeli (1778-1836), 1797
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 15 no. 5 (1908)
Franz Schubert (1797-1828), D. 226 (July 5, 1815), first published in 1821 as op 5 no 4
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 3 (1815?), from Gedichte von Goethe IV, 3
Hugo Wolf (1860-1903), op. 9 no. 3 (1876)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück?
Einsam nähr' ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich [ums verlorne] Glück,
Ach, wer bringt die schönen Tage,
[Jene holde Zeit zurück!]

op.99 no.2 "Die Sterne schau'n in stiller Nacht"
 
 
Text by Albert (Ernst Ludwig Karl) Graf von Schlippenbach (1800-1886)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 99 no. 2

Die Sterne schau'n in stiller Nacht
Herab zur Lagerstätte,
Wo's blonde Mädchen sitzt und wacht,
An kranker Mutter Bette.
Was blickst du einsam zu uns auf?
Willst späh'n der rollenden Welten Lauf?
 
Ihr Sternlein, ach! versteht ihr nicht
Der Tochter bangen Kummer?
Daß nicht das treu'ste Auge bricht,
O schenkt ihm süßen Schlummer,
Ihr Sternlein all', hab' euch so gern!
Doch Mutterlieb' ist der schönste Stern.
 
Nur still, du weinend Mädchen, du!
Der Schlummer senkt sich nieder,
Ein holder Engel schließt ihr zu
Die müden Augenlider;
Schau' nur, wie sanft sie ruht im Bett!
Ja, wenn nicht der Mensch seine Engel hätt'!

op.99 no.3 "Lieblingsplätzchen"
 
 
Text by Friedricke Robert (1795-1832)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 99 no. 3 (1841)

Wißt ihr, wo ich gerne weil'
In der Abendkühle?
In dem stillen Tale geht
Eine kleine Mühle,
Und ein kleiner Bach dabei,
Ringsumher stehn Bäume.
Oft sitz ich da stunderlang,
Schau umher und träume.
 
Auch die Blümlein in dem Grün
An zu sprechen fangen,
Und das blaue Blümlein sagt:
Sieh mein Köpfchen hangen!
Röslein mit dem Dornenkuß
Hat mich so gestochen:
Ach! das macht mich gar betrübt,
Hat mein Herz gebrochen.
 
Da naht sich ein Spinnlein weiß,
Spricht: Sei doch zufrieden;
Einmal mußt du doch vergehn,
So ist es hienieden;
Beßer, daß das Herz dir bricht
Von dem Kuß der Rose,
Als du kennst die Liebe nicht
Und stirbst liebelose.

op.99 no.4 "Das Schifflein"
 
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 99 no. 4 (1841)
 
See also:

Robert Gund (1865-1927), op. 39 no. 3 (1914)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), 1835
Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 146 no. 5 (1849)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860)

Ein Schifflein ziehet leise
Den Strom hin seine Gleise.
Es schwiegen, die drin wandern,
Denn keiner kennt den andern.
 
Was zieht hier aus dem Felle
Der braune Waldgeselle?
Ein Horn, das sanft erschallet:
Das Ufer widerhallet.
 
Von seinem Wanderstabe
Schraubt jener Stift und Habe,
Und mischt mit Flötentönen
Sich in des Hornes Dröhnen.
 
Das Mädchen saß so blöde,
Als fehlt' ihr gar die Rede,
Jetzt stimmt sie mit Gesange
Zu Horn- und Flötenklange.
 
Die Ruder auch sich regen
Mit taktgemäßen Schlägen.
Das Schiff hinunter flieget,
von Molodie gewieget.
 
Hart stößt es auf am Strande,
Man trennt sich in die Lande:
"Wann treffen wir uns, Brüder?
Auf einem Schifflein wieder?"

op.99 no.5 "Wenn sich zwei Herzen scheiden"
 
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, op. 99 no. 5
 
See also:

Robert Franz (1815-1892), op. 35 no. 5 (1862?)
Friedrich Wilhelm Kücken (1810-1882)

Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt,
Das ist ein großes Leiden,
Wie's größer keines giebt.
Es klingt das Wort so traurig gar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar,
Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt.
 
Da ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag:
Mir war's, als sei verschwunden
Die Sonn' am hellen Tag.
In Ohre klang mir's wunderbar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar,
Da ich zuerst empfunden,
Daß Liebe brechen mag.

op.99 no.6 "Es weiß und rät es doch keiner"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
 
Music by Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Es weiß und rät es doch keiner", op. 99 no. 6 (1841)
 
See also:

Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Die Stille", op. 39, from Liederkreis, no. 4

Es weiß und rät es doch keiner,
Wie mir so wohl ist, so wohl!
Ach, wüßt es nur einer, nur einer,
Kein Mensch es sonst wissen soll!
 
So still ist's nicht draußen im Schnee,
So stumm und verschwiegen sind
Die Sterne nicht in der Höh,
Als meine Gedanken sind.
 
Ich wünscht', es wäre schon Morgen,
Da fliegen zwei Lerchen auf,
Die überfliegen einander,
Mein Herz folgt ihrem Lauf.
 
Ich wünscht', ich wäre ein Vöglein
Und zöge über das Meer,
Wohl über das Meer und weiter,
Bis daß ich im himmel wär!

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -