Lieder
complete index
Lieder index a:
a) Auf geheimem Waldespfade
b) Die schlanke Wasserlilie
c) Ein Fichtenbaum steht einsam
d) Lied Werners aus dem Trompeter von Säckingen
e) Naturfreiheit
f) Nun, da so warm der Sonnenschein
g) Ständchen
h) Waldesgespräch
op. 2
no. 2. Ist der Himmel darum im Lenz
so blau?
no. 5. Ich hör' ein Vöglein
no. 6. Immer leiser wird mein
Schlummer
op. 3
no. 1. Warum sind deine Augen denn
so naß?
no. 2. Herbstlied
no. 3. Mein Herz ist wie die dunkle
Nacht
op. 4
no. 1. Es glänzt so schön die
sinkende Sonne
no. 2. Sie haben heut' abend
Gesellschaft
no. 3. Es fällt ein Stern herunter
op. 5 no. 2. Wiegenlied
op. 6 no. 6. Wasserfahrt
op. 7
no. 1. Hast du von den
Fischerkindern das alte Märchen vernommen?
no. 4. Lockung
op. 9
no. 1. Der Gärtner
no. 2. Die Einsame
no. 3. Im Herbst
no. 4. Der Kühne
no. 5. Abschied
op. 10
no. 1. Sehnsucht
no. 2. Müde
no. 3. Zum Abschied meiner Tochter
op. 11
no. 1. Ich und Du
no. 2. Ich aber weiß
no. 4. Venus mater
op. 15
no. 2. Zorn
no. 3. An die Mark
no. 4. Sonst
op. 18. An den Mond
a) "Auf
geheimem Waldespfade"
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hans Erich Pfitzner, 188-? "Auf geheimem Waldespfade" (fragment)
See also:
Alban Berg (1885-1935),
"Schilflied", from Sieben frühe Lieder (1907)
Robert Franz (1815-1892), op. 2 no. 1, "Auf geheimem
Waldespfade", from "Schilflieder" von Nicolaus Lenau, published 1844
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), A4 (1903-9?), "Auf geheimem
Waldespfade"
Henri Marteau (1874-1934), op. 31 no. 3, "Auf geheimem
Waldespfade" from Fünf Schilflieder, published 1925
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 2 no. 3 (1905), "Auf geheimem
Waldespfade", from Drei
Schilflieder
Auf geheimem Waldespfade
Schleich' ich gern im Abendschein
An das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!
Wenn sich dann der Busch verdüstert,
Rauscht das Rohr geheimnisvoll,
Und es klaget und es flüstert,
Daß ich weinen, weinen soll.
Und ich mein', ich höre wehen
Leise deiner Stimme Klang,
Und im Weiher untergehen
Deinen lieblichen Gesang.
b) "Die
schlanke Wasserlilie"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Die schlanke Wasserlilie", 1884-6?
See also:
Robert Franz (1815-1892), "Die schlanke
Wasserlilie", op. 51 no. 7 (1879)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
"Die schlanke Wasserlilie" (1847)
Sergei Rachmaninov (1873-1943),
op. 8 no. 1 "Rechnaja lileja", In Russian, translated by Aleksey
Nikolayevich Pleshcheyev (1825-1893)
Frank Valentine van der Stucken (1858-1929), "Blumen III", op.
4 no. 3 (1879)
Die schlanke Wasserlilie
Schaut träumend empor aus dem See;
Da grüßt der Mond herunter
Mit lichtem Liebesweh.
Verschämt senkt sie das Köpfchen
Wieder hinab zu den Welln --
Da sieht sie zu ihren Füßen
Den armen blassen Geselln.
c) "Ein
Fichtenbaum steht einsam"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Ein Fichtenbaum steht einsam" (1884-6?)
See also:
(Mary) Frances Allitsen, née Bumpus (1848-1912),
"Der Fichtenbaum", published 1900
Hermann Behn (1857?-1927), "Ein Fichtenbaum steht einsam", op.
1 vol. ii no. 4 (189-?)
Adolph Martin Foerster (1854-1927), "Ein Fichtenbaum", op. 57
no. 2 (1909)
Robert Franz (1815-1892), "Der Fichtenbaum", op. 16 no. 3,
published in 1856
Wilhelm Kempff (1895-1991), "Der Fichtenbaum", op. 16 no. 1,
pub 1923
Samuel de Lange (1840-1911), "Ein Fichtenbaum"
Eduard Lassen (1830-1904), "Der Fichtenbaum"
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
"Ein Fichtenbaum steht einsam", S. 309
Joseph Marx (1882-1964), "Ein Fichtenbaum steht einsam" (1908)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Fichtenbaum und Palme"
(1838)
(Karl) Wilhelm Stenhammar (1871-1927), "Ein Fichtenbaum steht
einsam", op. 17 no. 2 (1890?)
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), "Fichtenbaum und
Palme", op. 56 no. ? (1869?)
Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh';
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme,
Die fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.
d) "Das
ist im Leben häßlich eingerichtet"
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Lied Werners aus dem Trompeter von Säckingen"
(1884-6?)
See also:
Franz Wilhelm Abt (1819-1885), op. 213 no. 2 "Es hat
nicht sollen sein"
Erik Meyer-Helmund (1861-1932) "Es hat nicht sollen sein"
(1886-88)
Das ist im Leben häßlich eingerichtet,
Daß beiden Rosen gleich die Dornen stehn,
Und was das arme Herz auch sehnt und dichtet,
Zum Schluße kommt das Von-ein-ander-gehn.
In deinen Augen hab' ich einst gelesen,
Es blitzte drin von Lieb' und Glück ein Schein:
Behüt' dich Gott, es wär so schön gewesen,
Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein!
Wolken entfliehn, der Wind saust durch die Blätter,
Ein Regenschauer zieht durch Wald und Feld,
Zum Abschiednehmen just das rechte Wetter;
Grau, wie der Himmel, steht vor mir die Welt.
Doch wend' es sich zum Guten oder Bösen,
Mein Leben lang in Treuen denk ich dein:
Behüt' dich Gott, es wär so schön gewesen,
Behüt' dich Gott, es hat nicht sollen sein!
e)
"Naturfreiheit"
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Hans Erich Pfitzner
Leben das nur Leben scheinet,
Wo nicht Herz, nicht Auge spricht,
Wo der Mensch zur Form versteinet,
Machst du ganz mein Herz zunicht?
Die mich oft mit Trost erfüllet,
O Natur, auch du so leer?
Tief in Schnee und Eis gehüllet,
Blickst du frostig zu mir her.
Hör' ich nur ein Waldhorn klingen,
Hör' ich einen Feldgesang,
Rühret gleich mein Geist die Schwingen,
Fühlt der Hoffnung frischen Drang.
O Natur, voll Muttergüte,
Gib doch deine Kinder frei,
Sonnenstrahl und Quell und Blüte,
Daß auch ich gerettet sei.
Mit den Lüften will ich schweifen,
Rauschend durch den grünen Hain,
Mit den Strömen will ich schweifen,
Schwimmend in des Himmels Schein.
In der Vögel Morgenlieder
Stimm' ich frei und fröhlich ein:
Alle Menschen sollen Brüder,
Du, Natur, uns Mutter sein!
f) "Nun,
da so warm der Sonnenschein"
Text by Oscar von Redwitz-Schmölz (1823-1891)
Music by Hans Erich Pfitzner (without opus number)
Nun, da so warm der Sonnenschein,
Und da so mild die Lüfte wehn,
Nun mußt du aus dem Kämmerlein
Auch fein zum grünen Walde gehn.
Und hörst in wunderhellem Schlag
Frohlocken du ein Vögelein,
So lauscht' ihm recht, daß er dir sag',
Warum es mag so fröhlich sein.
Und siehst du wo im Dornenreis
Ein einsam Blümlein aufgetaut,
Und dessen Glanz der Herr nur weiß,
So mach dir recht mit ihm vertraut!
Was dir sagt das Vögelein,
Und was das Blümlein mit dir spricht:
Geh hin und leg's in deinen Schrein!
Und, liebes Kind, verlier' es nicht!
g)
"Ständchen"
Text by Adolf Friedrich, Graf von Schack (1815-1894)
Music by Hans Erich Pfitzner, 1884-6?
See also:
Robert Kahn (1865-1951), op. 12 no. 2 (1891)
Richard Strauss (1864-1949),
op. 17 no. 2 (1887)
Mach auf, mach auf, doch leise mein Kind,
Um keinen vom Schlummer zu wecken.
Kaum murmelt der Bach, kaum zittert im Wind
Ein Blatt an den Büschen und Hecken.
Drum leise, mein Mädchen, daß nichts sich regt,
Nur leise die Hand auf die Klinke gelegt.
Mit Tritten, wie Tritte der Elfen so sacht,
Um über die Blumen zu hüpfen,
Flieg leicht hinaus in die Mondscheinnacht,
Zu mir in den Garten zu schlüpfen.
Rings schlummern die Blüten am rieselnden Bach
Und duften im Schlaf, nur die Liebe ist wach.
Sitz nieder, hier dämmert's geheimnisvoll
Unter den Lindenbäumen,
Die Nachtigall uns zu Häupten soll
Von unseren Küssen träumen,
Und die Rose, wenn sie am Morgen erwacht,
Hoch glühn von den Wonnenschauern der Nacht.
h)
"Waldesgespräch"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, 188-? (fragment)
See also:
Adolf Jensen (1837-1879), op. 5 no. 4 (1860)
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
op. 39, from Liederkreis, no. 3
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Was reitest du einsam durch den Wald.
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ dich heim!
"Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin."
So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn ich dich - Gott steht mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.
"Du kennst mich wohl - vom hohen Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald."
Op.2 n.2
"Ist der Himmel darum im Lenz so blau?"
Text by Richard Leander (Richard Volkmann) (1830-1889)
Music by Hans Erich Pfitzner, op.2 n.2
Ist der Himmel darum im Lenz so blau,
Weil er über die blumige Erde schaut,
Oder ist die Erde so blumig im Lenz,
Weil darüber der rosige Himmel blaut?
Hab' ich dich darum, mein Kind, so lieb,
Weil du gar so lieblich und reizend bist,
Oder bist du darum so reizend, mein Kind,
Weil die Lieb' dir ins Herz kommen ist?
Op.2 no.5
"Ich hör' ein Vöglein"
Text by Adolf Böttger (1815-1870)
Music by Hans Erich Pfitzner, op.2 no.5, 1888/9
See also:
Felix
Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), 1841
Ich hör' ein Vöglein locken,
Das wirbt so süß, das wirbt so laut,
Beim Duft der Blumenglocken
Um die geliebte Braut.
Und aus dem blauen Flieder singt, ohne Rast und Ruh'
Millionen Liebeslieder die holde Braut ihm zu.
Ich hör' ein leises Klagen,
So liebesbang, so seelenvoll,
Was mag die Stimme fragen,
Die in dem Wind verscholl?
Op.2 n.6
"Immer leiser wird mein Schlummer"
Text by Hermann Lingg (1820-1905), "Lied", from Gedichte (Stuttgart and
Augsburg, 1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Immer leiser wird mein Schlummer", op. 2 no. 6
(1888-9)
See also:
Johannes Brahms (1833-1897),
"Immer leiser wird mein Schlummer", op. 105 no. 2 (1886), published 1888
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Immer leiser wird mein Schlummer",
op. 24 no. 2
Carl Orff (1895-1982),
"Immer leiser wird mein Schlummer", op. 8 no. 2 (1911)
Ludwig W. Andreas Maria Thuille (1861-1907), "Die
Verlassene",op. 4 no. 2, published 189?
Immer leiser wird mein Schlummer,
Nur wie Schleier liegt mein Kummer
Zitternd über mir.
Oft im Traume hör ich dich
Rufen drauß vor [meiner] Tür,
Niemand wacht und öffnet dir,
Ich erwach und weine bitterlich.
Ja, ich werde sterben müssen,
Eine Andre wirst du küssen,
Wenn ich bleich und kalt.
Eh die Maienlüfte wehn,
Eh die Drossel singt im Wald:
Willst du mich noch einmal sehn,
Komm, o komme bald!
Op.3 n.1
"Warum sind deine Augen denn so naß?"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Hans Erich Pfitzner, op.3 n.1
Warum sind deine Augen denn so naß, so naß?
Ich habe der Liebsten ins Auge geschaut,
So lange bis mir die meinen sind übergegangen,
Warum sind deine Wangen denn so blaß, so blaß?
Es sind die Rosen, die ich gebaut,
Vor Sehnsucht hinüber gewandelt auf ihre Wangen.
Op.3 n.2
"Herbstlied"
Text by Friedrich von Sallet (1812-1843)
Music by Hans Erich Pfitzner, op.3 n.2
Durch die Wälder streif' ich munter,
Wenn der Wind die Stämme rüttelt
Und mit Rascheln bunt und munter
Blatt auf Blatt herunter schüttelt.
Denn es träumt bei solchem Gange
Sich's gar schön von Frühlingshauche,
Von der Nachtigall Gesange
Und vom jungen Grün am Strauche.
Lustig schreit' ich durchs Gefilde,
Wo verdorrte Diesteln nicken;
Denk' an Maienröslein milde,
Mit den morgenfrischen Blicken.
Nach dem Himmel schau' ich gerne,
Wenn ihn Wolken schwarz bedecken;
Denk' an tausend liebe Sterne,
Die dahinter sich verstecken.
Op.3 n.3
"Mein Herz ist wie die dunkle Nacht"
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht", op. 3 no. 3
See also:
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Mein Herz
ist wie die dunkle Nacht", 1903-11?
Eduard Lassen (1830-1904), "Mein Herz ist wie die dunkle Nacht"
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
"Der Mond", op. 86 no. 5
Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht,
Und sieh, - der Wald verstummt in tiefem Lauschen.
Der Mond, der [helle] Mond bist du:
[Aus] deiner Liebesfülle
Wirf einen Blick mir zu
Voll Himmelsruh',
Und sieh, dies ungestüme Herz - wird stille.
Op.4 n.1
"Es glänzt so schön die sinkende Sonne"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 4 no. 1
Es glänzt so schön die sinkende Sonne,
Doch schöner ist deiner Augen Schein.
Das Abendrot und deine Augen,
Sie strahlen mir traurig ins Herz hinein.
Das Abendrot bedeutet Scheiden,
Und Herzensnacht und Herzensweh.
Bald fließet zwischen meinem Herzen
Und deinen Augenn die weite See.
Op.4 n.2
"Sie haben heut' abend Gesellschaft"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 4 no. 2 (1888-9)
See also:
Hugo Wolf (1860-1903),
1878
Sie haben heut' abend Gesellschaft
Und das Haus ist lichterfüllt.
Dort oben am hohen Fenster
Bewegt sich ein Schattenbild.
Du siehst mich nicht, im Dunkeln
Steh' ich hier unten allein,
Noch weniger kannst du schauen
In mein dunkles Herz hinein.
Mein dunkles Herze liebt dich,
Es liebt dich und es bricht,
Es brich und zuckt und verblutet,
Du aber siehst es nicht.
Op.4 n.3
"Es fällt ein Stern herunter"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Es fällt ein Stern herunter", op. 4 no. 3
See also:
Robert Franz (1815-1892), "Es fällt ein Stern
herunter", op. 44 no. 4 (1870?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Schwanenlied", op. 1 no.
1
Es fällt ein Stern herunter
aus seiner funkelnden Höh,
das ist der Stern der Liebe,
den ich dort fallen seh.
Es fallen vom Apfelbaume,
der weißen Blätter so viel,
es kommen die neckenden Lüfte,
und treiben damit ihr Spiel.
Es singt der Schwan im Weiher,
und rudert auf und ab,
und immer leiser singend,
taucht er ins Flutengrab.
Es ist so still und dunkel,
verweht ist Blatt und Blüt',
der Stern ist knisternd zerstoben,
verklungen das Schwanenlied.
Op. 5 n.2
"Wiegenlied"
Text by James Grun
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 5 no. 2
Schlaf ein, gewieget an meiner Brust, Kind -
Heißer Tränen der Qual und Lust,
Schlafe, Kindchen, schlafe!
Ich liebe dich und lieb' dich so sehr,
Als ob ich Mutter und Vater dir wär',
Schlafe, Kindchen, schlafe!
Im Mutterherzen, da ruht sich's warm,
Ich will dich schützen vor Haß und Harm,
Schlafe, Kindchen, schlafe!
Frost noch Winter gibt es hier,
Der ewige Frühling lebt in mir.
Schlafe, Kindchen, schlafe!
Vor meiner Liebe zerging der Streit,
Darfst ruhen und träumen in Ewigkeit,
Schlafe, Kindchen, schlafe!
Op. 6 n.6
"Wasserfahrt"
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 6 no. 6
Ich stand gelehnet an den Mast,
Und zählte jede Welle.
Ade! mein schönes Vaterland!
Mein Schiff, das segelt schnelle!
Ich kam schön Liebchens Haus vorbei,
Die Fensterscheiben blinken;
Ich guck mir fast die Augen aus,
Doch will mir niemand winken.
Ihr Tränen, bleibt mir aus dem Aug,
Daß ich nicht dunkel sehe.
Mein krankes Herze brich mir nicht
Vor allzu großem Wehe.
Op. 7 n.1
"Hast du von den Fischerkindern das alte Märchen vernommen?"
Text by (Karl) Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 7 no. 1
Hast du von den Fischerkindern
Das alte Märchen vernommen,
Die auf dem schwanken Kahne
Ins Meer geschwommen?
Sie pflückten sich Wasserrosen
Und sangen Lieder viele,
Sie herzten und küßten einander
Im süßen Wechselspiele.
Sie haben den Strand verloren,
Als sich der Tag entschwungen,
Sie kehrten nimmer wieder,
Ihr Name ist verklungen.
Und weißt du: wir sind die Kinder,
Die Maid ich, du der Knabe;
Der Meer ist unsre Liebe,
Die wird uns wohl zum Grabe!
Op. 7 n.4
"Hörst du nicht die Bäume rauschen"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Lockung", op. 7 no. 4
See also:
Joseph Dessauer (1798-1876), "Lockung"
(Temptation)
Bernhard Hopffer (1840-1877), "Lockung", op. 22 no. 1 (1872)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Hörst du nicht die Bäume
rauschen", op. 3 no. 1 (1846), from Gartenlieder
Hörst du nicht die Bäume rauschen
Draußen durch die stille Rund?
Lockts dich nicht, hinabzulauschen
Von dem Söller in den Grund,
Wo die vielen Bäche gehen
Wunderbar im Mondenschein
Wo die stillen Schlösser sehen
In den Fluß vom hohen Stein?
Kennst du noch die irren Lieder
Aus der alten, schönen Zeit?
Sie erwachen alle wieder
Nachts in Waldeseinsamkeit,
Wenn die Bäume träumend lauschen
Und der Flieder duftet schwül
Und im Fluß die Nixen rauschen -
Komm herab, hier ist's so kühl.
Op. 9 n.1
"Wohin ich geh' und schaue"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Der Gärtner", op. 9 no. 1 (1888/89)
See also:
Robert Franz (1815-1892), "Der vielschönen
Fraue", op. 10 no. 4, published 1860
Armin Knab (1881-1951), "Der Gärtner" (The gardener), 1918-22
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
"Gruß" (Greetings), a duet, op. 63 no. 3, published 1845
Othmar Schoeck (1886-1957), "Der Gärtner", op. 20 no. 11
(1905-14)
Wohin ich geh' und schaue,
In Feld und Wald und Tal,
[Vom Berg hinab in] die Aue;
[Viel schöne, hohe Fraue],
Grüß ich dich tausendmal.
In meinem Garten find' ich
Viel' [Blumen] schön und fein,
Viel' Kränze wohl draus wind' ich
Und tausend Gedanken bind' ich
Und Grüße mit darein.
[Ihr] darf ich keinen reichen,
[Sie ist] zu hoch und schön,
Die müssen [alle] verbleichen,
Die Liebe nur ohnegleichen
Bleibt ewig im Herzen stehn.
[Ich schein' wohl froher Dinge
Und schaffe auf und ab,
Und, ob das Herz zerspringe,
Ich grabe fort und singe,
Und grab mir bald mein Grab.]
Op. 9 n.2
"Die Einsame"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 9. no. 2
See also:
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 10 no. 2 (1907)
Wär's dunkel, ich läg' im Walde,
Im Walde rauscht's so sacht,
Mit ihrem Sternenmantel
Bedeckt mich da die Nacht.
Da kommen die Bächlein gegangen,
ob ich schon schlafen tu?
Ich schlaf nicht, ich hör noch lang
Den Nachtigallen zu.
Wenn die Wipfel über mir schwanken,
Das klingt die ganze Nacht.
Das sind im Herzen die Gedanken,
Die singen, wenn niemand mehr wacht.
Op. 9 n.3
"Im Herbst"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 9. no. 3
See also:
Eduard Lassen (1830-1904), op. 45 no. 3
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1844
Der Wald wird falb, die Blätter fallen,
Wie öd und still der Raum!
Die Bächlein nur gehn durch die Buchenhallen
Lind rauschend wie im Traum,
Und Abendglocken schallen
Fern von des Waldes Saum.
Was wollt ihr mich so wild verlocken
hier in der Einsamkeit?
Wie in der Heimat klingen diese Glocken
Aus stiller Kinderzeit-
Ich wende mich erschrocken,
Ach, was mich liebt, ist weit!
So brecht hervor nur, alte Lieder,
Und brecht das Herz mir ab!
Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder,
Was ich nur Liebes hab,
Mich aber zieht es nieder
Vor Wehmut wie ins Grab.
Op. 9 n.4
"Wo noch kein Wandrer gegangen"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 9. no. 4 "Der Kühne"
See also:
Robert Franz (1815-1892), "Romanze", op. 35 no.
4 (1862?).
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
op. posth.; "Das Waldschloß"
[Wo] noch kein Wandrer gegangen,
Hoch über Jäger und Roß
Die Felsen im Abendrot hangen
Als wie ein Wolkenschloß.
Dort zwischen Zinnen und Spitzen
Von wilden Nelken umblüht
Die schönen Waldfrauen sitzen
Und singen im Winde ihr Lied.
Der Jäger schaut nach dem Schlosse;
"Die droben, das ist mein Lieb".
Er sprengt von dem scheuenden Rosse-
Weiß keiner, wo er blieb.
Op. 9 n.5
"Abendlich schon rauscht der Wald"
Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Abschied", op. 9 no. 5 (1894-5)
See also:
Christian Fink (1831-1911), "Abschied" (Farewell), op. 7 no.
5, published 1865
Robert Franz (1815-1892), "Abends" (Evening), op. 16 no. 4,
published 1856
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Abendlich schon rauscht der
Wald", op. 3 no. 5 (1846), from Gartenlieder Othmar Schoeck (1886-1957),
"Abschied", op. 20 no. 7 (1909)
Abendlich schon rauscht der Wald
Aus den tiefsten Gründen,
Droben wird der Herr nun bald
An die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.
Alles geht zu seiner Ruh.
Wald und Welt versausen,
Schauernd hört der Wandrer zu,
Sehnt sich recht nach Hause.
Hier in Waldes stiller Klause,
Herz, geh endlich auch zur Ruh.
Op. 10 n.1
"Sehnsucht"
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 10 no. 1, 1901
See also:
Richard Strauss (1864-1949)
op. 32 no. 2, 1896
Ich ging den Weg entlang, der einsam lag,
Den stets allein ich gehe jeden Tag.
Die Heide schweigt, das Feld ist menschenleer;
Der Wind nur weht im Knickbusch um mich her.
Weit liegt vor mir die Straße ausgedehnt;
Es hat mein Herz nur dich, nur dich ersehnt.
Und kämest Du, ein Wunder wär's für mich,
Ich neigte mich vor dir: ich liebe dich.
Und im Begegnen, nur ein einzger Blick,
Des ganzen Lebens wär er mein Geschick.
Und richtest du dein Auge kalt auf mich,
Ich trotze Mädchen dir: ich liebe dich.
Doch wenn dein schönes Auge grüßt und lacht,
Wie eine Sonne mir in schwerer Nacht,
Ich zöge rasch dein süßes Herz an mich
Und flüstre leise dir: ich liebe dich.
Op. 10 n.2
"Müde"
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 10 no. 2
Auf dem Wege vom Tanzsaal nach Haus
Ruht sich auf dem Steine aus
Die hübsche Margret',
Sie öffnet ein wenig das stramme Mieder,
Daß kühl über die weißen Glieder
Der Nachtwind weht.
Desselben Weges kommt auch der Junker,
Mit Troddeln am Hut und vielen Geflunker,
Und sieht den Stein,
Und auf dem Stein das hübsche Kind;
Und wie der Blitz geschwind
Fällt ihm was ein.
Das liebe Mädchen hatte geschlafen,
Doch als sie die Junkers Augen trafen,
Ist sie erwacht.
Erst schreit sie und will Feld ein;
Ich denke, wir lassen die beiden allein
In der Sommernacht.
Op. 10 n.3 "Zum
Abschied meiner Tochter"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 10 no. 3 (1901)
Der Herbstwind schüttelt die Linde,
Wie geht die Welt so geschwinde!
Halte dein Kindelein warm.
Der Sommer ist hingefahren,
Da wir zusammen waren-
Ach, die sich lieben, wie arm!
Wie arm, die sich lieben und scheiden!
Das haben erfahren wir beiden,
Mir graut vor dem stillen Haus.
Dein Tüchlein läßt du noch wehen,
Ich kann's vor Tränen kaum sehen,
Schau still in die Gasse hinaus.
Die Gassen schauen nochnächtlich,
Es rasselt der Wagen bedächtig-
Nun plötzlich rascher der Trott
Durchs Tor in die Stille der Felder,
Da grüßen so mutig die Wälder,
Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!
Op. 11 n.1 "Ich
und Du"
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 11 n.1
See also:
Peter Cornelius (1824-1874), 1861
Vit`ezslav Augustín Rudolf Novák (1870-1949), op. 46 no. 3, from
Erotikon, published 1912
Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor.
Wir sterben, wenn sich eines
Im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.
Op. 11 n.2 "Ich
aber weiß"
Text by Ludwig Jacobowski (1868-1900)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 11 n.2
Ich aber weiß, ich seh dich manche Nacht,
In meinen Träumen klingt dein holdes Lachen,
Und meine Lippen murmeln oft im Wachen
Verlor'ne Wünsche, die an dich gedacht.
Und unaufhörlich legt sich Zeit zu Zeit,
Verweht wie deine sind dann meine Spuren,
Bis zu den Mauern jener stillen Fluren,
Wo schweigsam Hügel sich an Hügel reiht.
Dann wird der Sturmwind um die Gräber gehn,
Der wird mit seinen regenfeuchten Schwingen
Von Menschenglück und junger Liebe singen;
Wir aber ruhn und werden's nicht versteh'n.
Op. 11 n.4
"Träume, träume, du mein süßes Leben"
Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 11 no. 4, "Venus mater" (1901)
See also:
Max Reger (1873-1916), op.
51 no. 3, "Träume, träume, du mein süßes Leben! Wiegenlied" (1900)
Franz Salmhofer (1900-1975), op. 5 no. 1, "Lied einer jungen
Mutter", from Vier Lieder, published 1923
Richard Strauss (1864-1949),
op. 41a no. 1, "Wiegenlied" (1899)
Träume, träume, du mein süßes Leben,
Von dem Himmel, der die Blumen bringt.
Blüten schimmern da, die beben
Von dem Lied, das deine Mutter singt.
Träume, träume, Knospe meiner Sorgen,
Von dem Tage, da die Blume sproß;
Von dem hellen Blütenmorgen,
Da dein Seelchen sich der Welt erschloß.
Träume, träume, Blüte meiner Liebe,
Von der stillen, von der heilgen Nacht,
Da die Blume seiner Liebe
Diese Welt zum Himmel mir gemacht.
Op. 15 n.2
"Zorn"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 15 no. 2 (1904)
Seh' ich im verfallnen, dunkeln
Haus die alten Waffen hangen,
Zornig aus dem Roste funkeln,
Wenn der Morgen aufgegangen,
Und den letzten Klang verflogen,
Wo im wilden Zug der Wetter,
Aufs gekreuzte Schwert gebogen,
Einst gehaust des Landes Retter;
Und ein neu Geschlecht von Zwergen
Schwindelnd um die Felsen klettern,
Frech, wenn's sonnig auf den Bergen,
Feige krümmend sich in Wettern,
Ihres Heilands Blut und Tränen
Spottend noch einmal verkaufen,
Ohne Klage, Wunsch und Sehnen
In der Zeiten Strom ersaufen;
Denk' ich dann, wie du gestanden
Treu, da niemand treu geblieben:
Möcht' ich, über unsre Schande
Tiefentbrannt in zorn'gem Lieben,
Wurzeln in der Felsen Marke,
Und empor zu Himmels Lichten
Stumm anstrebend, wie die starke
Riesentanne, mich aufrichten.
Op. 15 n.3 "An
die Mark"
Text by Ilse von Stach-Lerner (1879-1941)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 15 no. 3 (1904)
Bereifte Kiefern, atemlose Seen,
Die träumen einem dunklen Auge gleich
In ew'ger Sehnsucht von des Frühlings Reich;
Und drüber hin ein schwarzer Zug von Kräh'n.
Viel junges Leben will die Sonne sehn.
Da sitzt die Schwermut schon am Waldesrand
Und schreibt geheime Zeichen in den Sand,
Kein Frühlingssturm wird ihre Schrift verweh'n.
Und eines Tages kommt der junge Mai;
Und dennoch - unter glückverlor'nen Küßen
Lebt ein Bewußtsein, daß wir sterben müssen,
Daß alles nur ein Traum und schmerzlich sei.
Dies Land, da Wunsch und Hoffnung selig sind,
Und doch in ihrem rätselvollen Wesen
Von stiller Trauer niemals zu erlösen,
Dies Land ist meine Heimat und ich bin sein Kind.
Op. 15 n.4
"Sonst"
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 15 no. 4 (1904)
Es glänzt der Tulpenflor, durchschnitten von Alleen,
Wo zwischen Taxus still die weißen Statuen stehen,
Mit goldnen Kugeln spielt die Wasserkunst im Becken,
Im Laube lauert Sphinx, anmutig zu erschrecken.
Die schöne Chloe heut spazieret in dem Garten,
Zur Seit' ein Kavalier, ihr höflich aufzuwarten,
Und hinter ihnen leis Cupido kommt gezogen,
Bald duckend sich im Grün, bald zielend mit dem Bogen.
Es neigt der Kavalier sich in galantem Kosen,
Mit ihrem Fächer schlägt sie manchmal nach dem Losen,
Es rauscht der taftne Rock, es blitzen seine Schnallen,
Dazwischen hört man oft ein art'ges Lachen schallen.
Jetzt aber hebt vom Schloß, da sich's im West will röten,
Die Spieluhr schmachtend an, ein Menuett zu flöten,
Die Laube ist so still, er wirft sein Tuch zur Erde
Und stürzet auf ein Knie mit zärtlicher Gebärde.
"Wie wird mir, ach, ach, ach, es fängt schon an zu dunkeln-"
"So angenehmer nur seh' ich zwei Sterne funkeln-"
"Verwegner Kavalier!" - "Ha, Chloe, darf ich hoffen?" -
Da schießt Cupido los und hat sie gut getroffen.
Op. 18 "An den
Mond"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 18 (1906)
See also:
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17 no. 4
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 22 no. 5, published 1834
Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), op. 26 no. 1 (1806)
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), op. 7 no. 5
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Andreas Jakob Romberg (1767-1821), 1793
Franz Schubert (1797-1828),
D. 259 (1815), published 1850, and D. 296 (1819?), published 1868
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 4 (1815?), from
Gedichte von Goethe, IV:4
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1812
Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz.
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinem Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß,
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt.
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,
Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.
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