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Hans Pfitzner

(1869-1949)

[ PfitznerComposers | Mp3 | Home Page ]

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The Lieder of Hans Pfitzner

 

Lieder – complete index:

Lieder index b:

op. 19
       no. 1. Stimme der Sehnsucht
       no. 2. Michaelskirchplatz  
op. 21 no. 2. Die Nachtigallen
op. 22
       no. 1. In Danzig
       no. 2. Tragische Geschichte
op. 24
       no. 1. Unter der Linden
       no. 2. Gewalt der Minne
       no. 4. Abendrot
op. 26
       no. 1. Gebet
       no. 2. Nachts
       no. 3. Neue Liebe
       no. 5. Mailied
op. 29
       no. 1. Abbitte
       no. 2. Herbsthauch
       no. 3. Willkommen und Abschied
       no. 4. Die stille Stadt
op. 30
       no. 1. Sehnsucht nach Vergessen
       no. 2. Das verlassene Mägdlein
       no. 3. Denk' es, o Seele!
       no. 4. Der Arbeitsmann
op. 32
       no. 1. Hussens Kerker
       no. 2. Säerspruch
       no. 3. Eingelegte Ruder
       no. 4. Laß scharren deiner Rosse Huf
op. 33. Alte Weisen
       a) Mir glänzen die Augen
       b) Ich fürcht' nit Gespenster
       c) Du milchjunger Knabe
       d) Wandl ich in dem Morgentau
       e) Singt mein Schatz wie ein Fink
       f) Röschen biß den Apfel an
       g) Tretet ein, hoher Krieger
       h) Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern
op. 40
       no. 1. Leuchtende Tage
       no. 2. Wenn sich Liebes von dir lösen will
       no. 3. Sehnsucht
       no. 4. Herbstgefühl
       no. 5. Wanderers Nachtlied II
       no. 6. Der Weckruf
op. 41
       no. 2. Der verspätete Wanderer
       no. 3. Das Alter

Op. 19 n.1 "Stimme der Sehnsucht"
 
 

Text by Karl Busse (1872-1918)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 19 no.1

Ich raun' dir am Bette in schlafloser Nacht,
Ich hab' deine Tage so müde gemacht.
Und was ich gewesen, und was ich dir bin,
Das flutet in ewigem Wechsel dahin.
 
Ich bin ein dunkler, verworr'ner Klang,
Der weit aus Thule herüberdrang.
Ich bin deiner Jugend verblühender Traum,
Dein erster Kuß unterm Apfelbaum.
 
Ich bin deine heil'ge Herzensnot,
Ich ruf' dich in Morgen- und Abendrot.
 
Deine Felder verkommen, dein Pflug bleibt stehn.
Es treibt dich in purpurne Fernen zu gehn,
Und ich flieg' dir voraus,
Und dein Fuß wird wund,
Und immer verdürstender brennt dein Mund.
 
Und du schreist nach mir,
Nach Erfüllung und Licht,
Wie du hungerst und frierst
Und du findest mich nicht.
 
Ich bin nur ein Klingen,
Ich bin nur ein Hauch,
Dein Herz wird schweigen;
Dann schweig' ich auch.

Op. 19 n.2 "Michaelskirchplatz"
 
 

Text by Karl Busse (1872-1918)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 19 no.2

Abendschwärmer zogen um die Linden,
Von den Krähen sangen Schiffersknechte,
Hob sich manchmal in bewegten Winden
Deines Haares eine lose Flechte.
 
O, wie selig dir die Wangen glühten,
Wenn mein Arm den deinen zärtlich drückte,
Und ich lächelnd von versagten Blüten
Im Vorbeigehn dir die schönste pflückte.
 
War die Welt so still und heilig, Lucie.
Und die Burschen über'm Wasser sangen,
Von Sankt Michael die Glocken klangen,
Und wir lächelten und schwiegen, Lucie.

Op. 21 n.2 "Möcht wissen, was sie schlagen"
 
 

Text by Joseph Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Die Nachtigallen", op. 21 no. 2
 
See also: 

Robert Franz (1815-1892), "Möcht wissen, was sie schlagen", op. 18 no. 5, published 1860?

Möcht wissen, was sie schlagen
So schön bei der Nacht,
's ist in der Welt ja doch niemand,
Der mit ihnen wacht.
 
Und die Wolken, die reisen,
Und das Land ist so blaß,
Und die Nacht wandelt leise
Durch den Wald übers Gras.
 
Nacht, Wolken, wohin sie gehen,
Ich weiß es recht gut,
Liegt ein Grund hinter den Höhen,
Wo meine Liebste jetzt ruht.
 
Zieht der Einsiedel sein Glöcklein,
Sie höret es nicht,
Es fallen ihre Löcklein
Übers ganze Gesicht.
 
Und daß sie niemand erschrecket,
Der liebe Gott hat sie hier
Ganz mit Mondschein bedecket,
Da träumt sie von mir.

Op. 22 n.1 "In Danzig"
 
 

Text by Joseph Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Die Nachtigallen", op. 22 no. 1 (1907)
 
See also:

Louis Ferdinand, Prinz von Preußen (b. 1907), published 1955

Dunkle Giebel, hohe Fenster,
Türme wie aus Nebel sehn.
Bleiche Statuen wie Gespenster
Lautlos an den Türen stehn.
 
Träumerisch der Mond drauf scheinet,
Dem die Stadt gar wohl gefällt,
Als läg' zauberhaft versteinet
Drunten eine Märchenwelt.
 
Ringsher durch das tiefe Lauschen,
Über alle Häuser weit,
Nur des Meeres fernes Rauschen.
Wunderbare Einsamkeit.
 
Und der Türmer wie vor Jahren
singet ein uraltes Lied.
Wolle Gott den Schiffer wahren,
Der bei Nacht vorüberzieht.

Op. 22 n.2 " 's war einer, dem's zu Herzen ging"
 
 

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Tragische Geschichte", op. 22 no. 2 (1907)
 
See also:

Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), "Der Zopf", 1844-51? op. 47 no. 6

's war einer, dem's zu Herzen ging,
Daß ihm der Zopf nach hinten hing,
Er wollt es anders haben.
 
Da denkt er denn, wie fang ich's an?
Ich dreh' mich 'rum, so ist's getan,
Der Zopf, der hängt ihm hinten.
 
Da hat er flink sich umgedreht,
Und wie es stund, es annoch steht:
Der Zopf, der hängt ihm hinten.
 
Da dreht er schnell sich anders 'rum,
's wird aber noch nicht besser drum,
Der Zopf, der hängt ihm hinten.
 
Er dreht sich links, er dreht sich rechts,
Er tut nichts Guts, er tut nichts Schlechts,
Der Zopf, der hängt ihm hinten.
 
Er dreht sich wie ein Kreisel fort,
Es hilft zu nichts, mit einem Wort -
Der Zopf, der hängt ihm hinten.
 
Und seht, er dreht sich immer noch
Und denkt, es hilft am Ende doch,
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Op. 24 n.1 "Unter den Linden"
 
 

Text by Walther von der Vogelweide (1170?-1228?)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Unter der Linden", op. 24 no. 1 (1909)
 
See also: 

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Nach Walther von der Vogelweide", op. 10 no. 1 (1827-36?)
Ferruccio Busoni (1886-1924), "Unter den Linden", op. 18 no. 2 (1885)
Edvard Grieg (1843-1907), "Die verschwiegene Nachtigall", op. 48 no. 4 (1889)
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Die verschwiegene Nachtigall", op. 6 no. 1 (187-?)
Ludwig Spohr (1784-1859), "Die verschwiegene Nachtigall", WoO. 126 (1857)

Unter den Linden,
an der Haide,
wo ich mit meinem Trauten saß,
da mögt ihr finden,
wie wir beide
die Blumen brachen und das Gras.
Vor dem Wald mit süßem Schall,
Tandaradei!
sang im Tal die Nachtigall.
 
Ich kam gegangen
zu der Aue,
mein Liebster kam vor mir dahin.
Ich ward empfangen
als hehre Fraue,
daß ich noch immer selig bin.
Ob er mir auch Küsse bot?
Tandaradei!
Seht, wie ist mein Mund so rot!
 
Wie ich da ruhte,
wüßt' es einer,
behüte Gott, ich schämte mich.
Wie mich der Gute
herzte, keiner
erfahre das als er und ich -
und ein kleines Vögelein,
Tandaradei!
das wird wohl verschwiegen sein.

Op. 24 n.2 "Gewalt der Minne"
 
 

Text by Walther von der Vogelweide (1170?-1228?)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 24 no. 2 (1909)

Wer gab dir, Minne, die Gewalt,
Daß du so allgewaltig bist?
Du zwingest beide, jung und alt,
Dagegen gibt es keine List.
 
Ich lobe Gott, seit deine Band
Mich sollen fesseln, seit so recht ich hab erkannt
Wo treuer Dienst sei an der Zeit,
Da weich ich niemals ab:
O Gnade, Königinne,
Laß sein mein Leben dir geweiht!

Op. 24 n.4 "Abendrot"
 
 

Text by Fritz Lienhard (1865-1929)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 24 no. 4

Mir ist nach einer Heimat weh,
Die keine Erdengrenzen hat!
Ich sehne mich aus Menschennot
Nach einer ew'gen Himmelsstadt.
 
Groß glänzt klar das Abendrot.
Sanft rauscht der Quell im Wasgenwald.
Wie bald verrinnt mein Erdentag
Und all mein Tagewerk, wie bald!
 
O komm', du weltallweite Nacht,
Die keine Erdenmaßen Kennt,
Aus deren Tiefen Stern an Stern
Auf unser winzig Sternlein brennt.
 
Nicht müd' bin ich vom Tagewerk
Und doch bin ich des Tages satt.
Nach deinen Weiten sehn' ich mich,
Du unbegrenzte Himmelsstadt.

Op. 26 n.1 "Die du über die Sterne weg"
 
 

Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Gebet", op. 26 no. 1
 
See also:
 
Hermann Behn (1857?-1927), "Gebet", op. 2 no. 5 (189-?)
Hugo Brückler (1845-1871), "Gebet", published 187-?
(Friedrich) August Bungert (1845-1915), "Gebet an die Glücksgöttin", op. 8 no. 3, published 1889 91
Max Reger
(1873-1916), "Gebet", op. 4 no. 1 (1890-1)

Die du über die Sterne weg
Mit der geleerten Schale
Aufschwebst, um sie am ew'gen Born
Eilig wieder zu füllen:
Einmal schenke sie noch, o Glück,
Einmal, lächelnde Göttin!
Sieh, ein einziger Tropfen hängt
Noch verloren am Rande,
Und der einzige Tropfen genügt,
Eine himmlische Seele,
Die hier unten in Schmerzen erstarrt,
Wieder in Wonne zu lösen.
Ach! sie weint dir süßrern Dank,
Als die andren alle,
Die du glücklich und reich gemacht;
Laß ihn fallen, den Tropfen!

Op. 26 n.2 "Nachts"
 
 

Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 26 no. 2

Ich stehe in Waldesschatten
Wie an des Lebens Rand,
Die Länder wie dämmernde Matten,
Der Strom wie ein silbern Band.
 
Von fern nur schlagen die Glocken
Über die Wälder herein.
Ein Reh hebt den Kopf erschrocken
Und schlummert gleich wieder ein.
 
Der Wald aber rühret die Wipfel
Im Traum von der Felsenwand.
Denn der Herr geht über die Gipfel
Und segnet das stille Land.

Op. 26 n.3 "Neue Liebe"
 
 

Text by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 26 no. 3
 
See also: 

Wilhelm Kienzl (1857-1941) op. 8 Nr. 6

Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
So voll Unruh und zerstreut,
Als käme über Berge selig
Schon die schöne Frühlingszeit?
 
Weil ein liebes Mädchen wieder
Herzlich an mein Herz sich drückt,
Schaust du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.
 
Und ich hab die Fenster offen,
Neu zieht in die Welt hinein
Altes Bangen, altes Hoffen!
Frühling, Frühling soll es sein!
 
Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
Durch die Brust ein Singen irrt,
Doch zu licht ist's mir zum Schreiben,
Und ich bin so froh verwirrt.
 
Also schlend'r ich durch die Gassen,
Menschen gehen her und hin,
Weiß nicht, was ich tu und lasse,
Nur, daß ich so glücklich bin.

Op. 26 n.5 "Mailied"
 
 

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 26 no. 5, 1916
 
See also:

Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 52 no. 4, composed before 1792
Christian August Gabler (1770-1839), published 1798
Bernhard (Joseph) Klein (1793-1832), op. 15 no. 6 (1827)
Armin Knab (1881-1951), Goethelieder, 1924-46
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 79 no. 4 (1836)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1781
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 19a no. 3 (1904/14)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 3, from Gedichte von Goethe, I:3

Wie herrlich leuchtet mir die Natur,
Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch,
Und Freud und Wonne aus jeder Brust;
O Erd', o Sonne, o Glück, o Lust!
 
O Lieb', o Liebe! So golden schön
Wie Morgenwolken auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich das frische Feld,
Im Blütendampfe die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen, wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge, wie liebst du mich!
 
So liebt die Lerche Gesang und Luft,
Und Morgenblumen den Himmelsduft
Wie ich dich liebe mit warmen Blut,
Die du mir Jugend und Freud und Mut
[Zu] neuen Liedern und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, wie du mich liebst!

Op. 29 n.1 "Abbitte"
 
 

Text by Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 29 no. 1 (1921)
 
See also: 

Josef Bohuslav Foerster (1859-1951), 1939.
Wolfgang Fortner (1907-1987), 1934.
Josef Matthias Hauer (1883-1959), op. 12 no. 2 (1914)
Hermann Heiss (1897-1966)

Heilig Wesen! gestört hab ich die goldene
Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
Tieferen Schmerzen des Lebens
Hast du manche gelernt von mir.
 
O vergiß es, vergib! gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzt in deiner
Schöne wieder, du süßes Licht!

Op. 29 n.2 "Herbsthauch"
 
 

Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 29 no. 2

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der prangende Frühling nicht trug
Werde der Herbst dir noch tragen?
Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch
Immer zu schmeicheln, zu kosen,
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends zerstreut er die Rosen.
Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.

Op. 29 n.3 "Willkommen und Abschied"
 
 

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 29 no. 3
 
See also: 

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Franz Schubert (1797-1828), D. 767 (December 1822) and D Major version; first Published 1895 (C Major version 1826)

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es was getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkeid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gestraüche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
 
Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut;
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!
 
Dich seh ich, und sie milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz auf deiner Seite
Und jeder Aternzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das leibliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht!
 
Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz;
In deinen Küßen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit naßem Blick;
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Op. 29 n.4 "Die stille Stadt"
 
 

Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 29 no. 4 (1921)
 
See also:

Alma Mahler (Alma Schindler-Mahler-Gropius-Werfel) (1879-1964), 1900-1?
Jean Sibelius (1865-1957), op. 50 no. 5 (1906)
Felix Wolfes (1892-1971), 1951

Liegt eine Stadt im Tale,
Ein blasser Tag vergeht.
Es wird nicht lange dauern mehr,
Bis weder Mond noch Sterne
Nur Nacht am Himmel steht.
 
Von allen Bergen drücken
Nebel auf die Stadt,
Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,
Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,
Kaum Türme noch und Brücken.
 
[Und] als dem Wandrer graute,
Da ging ein Lichtlein auf im Grund
Und durch den Rauch und Nebel
Begann ein leiser Lobgesang
Aus Kindermund.

Op. 30 n.1 "Sehnsucht nach Vergessen"
 
 

Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 30 no. 1 (1922)
 
See also: 

Moritz Bauer (1875-1932)
Wilhelm Kienzl (1857-1941), op. 39 no. 1

Lethe! Brich die Fesseln des Ufers,
Gieße aus der Schattenwelt
Mir herüber deine Welle,
Daß den Wunden der bangen Seel'
Ich trinke Genesung.
 
Frühling kommt mit Duft und Gesand und Liebe,
Will wie sonst mir sinken ans Herz;
Doch schlägt ihm nicht das Herz entgegen wie sonst.
O Lethe, o Lethe, o Lethe!
Sende die Welle!

Op. 30 n.2 "Früh, wann die Hähne krähn"
 
 

Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Das verlassene Mägdlein", op. 30 no. 2
 
See also: 

Ignaz Brüll (1846-1907), "Das verlassene Mägdlein", op. 5, ii, 1 (186-?)
Hugo Distler (1908-1942), "Das verlassene Mägdlein", op. 19, ii, 10, (1939), from Mörike
Chorliederbuch
Gustav Eggers (1835-1861), "Das verlassene Mägdlein", op. 2 no. 3, published 1857
Robert Franz (1815-1892), "In Leid versunken", op. 27 no. 4, published 1870?
Hermann (Gustav) Goetz (1840-1876), "Das verlassene Mägdlein", op. 12 no. 5 (1868-76)
Erik Meyer-Helmund (1861-1932), "Das verlassene Mädchen", 1886-88 
Robert Schumann
(1810-1856), "Das verlassene Mägdlein", op. 64 no. 2
Hugo Wolf (1860-1903), "Das verlassene Mägdlein", from Mörike-Lieder, no. 7

Früh, wann die Hähne krähn,
Eh die Sternlein schwinden,
Muß ich am Herde stehn,
Muß Feuer zünden.
 
Schön ist der Flamme Schein,
Es springen die Funken.
Ich schaue so darein,
in Leid versunken.
 
Plötzlich, da kommt es mir,
Treuloser Knabe,
Daß ich die Nacht von dir
Geträumet habe.
 
Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran -
O ging er wieder!

Op. 30 n.3 "Ein Tännlein grünet wo"
 
 

Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Hans Erich Pfitzner, "Denk' es, o Seele!", op. 30 no. 3
 
See also: 

Hugo Distler (1908-1942), "Denk es, o Seele!", op. 19, i, 21 (1939), from Mörike-Chorliederbuch
Felix (August Bernhard) Draeseke (1835-1913), "Denk es, o Seele!", op. 81 no. 4, published 1906
Robert Franz (1815-1892), "Ein Tännlein grünet wo", op. 27 no. 6, published 1870?
(Olav) Fartein Valen (1887-1952), "Denk' es, o Seele!", op. 39 no. 1 (1941), from Zwei Lieder
Hugo Wolf (1860-1903), "Denk' es, o Seele!", from Mörike-Lieder, no. 39

Ein Tännlein grünet wo,
Wer weiß! im Walde,
Ein Rosenstrauch, wer sagt,
In welchem Garten?
Sie sind erlesen schon,
Denk' es, o Seele,
Auf deinem Grab zu wurzeln
Und zu wachsen.
 
Zwei schwarze Rößlein weiden
Auf der Wiese,
Sie kehren heim zur Stadt
In muntern Sprüngen.
Sie werden schrittweis gehn
Mit deiner Leiche;
Vielleicht, vielleicht noch eh'
An ihren Hufen
Das Eisen los wird,
Das ich blitzen sehe!

Op. 30 n.4 "Der Arbeitsmann"
 
 

Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 30 no. 4 (1922)
 
See also:

Richard Strauss (1864-1949), op. 39 no. 3 (1897-98)

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
Mein Weib!
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
Und haben die Sonne und Regen und Wind,
Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,
Um so frei zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
 
Wenn wir sonntags durch die Felder gehn,
Mein Kind,
Und über den Ähren weit und breit
Das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,
Oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,
Um so schön zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
 
Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,
Wir Volk.
Nur eine kleine Ewigkeit;
Uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,
Als all das, was durch uns gedeiht,
Um so kühn zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Op. 32 n.1 "Hussens Kerker"
 
 

Text by Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 32 no. 1 (1923)
 
See also: 

Emil Mattiesen (1875-1939), op. 15 no. 5, published 190-?, from Überwindungen

Es geht mit mir zu Ende,
Mein' Sach und Spruch ist schon
Hoch über Menschenhände
Gerückt vor Gottes Thron,
Schon schwebt auf einer Wolke,
Umringt von seinem Volke
Entgegen mir des Menschen Sohn.
 
Den Kerker will ich preisen,
Der Kerker, der ist gut!
Das Fensterkreuz von Eisen
Blickt auf die frische Flut,
Und zwischen seinen Stäben
Seh' ich ein Segel schweben,
Darob die Firne ruht.
 
Wie nah die Flut ich fühle,
Als läg' ich drein versenkt,
Mit wundersamer Kühle
Wird mir der Leib getränkt-
Auch seh' ich eine Traube
Mit einem roten Laube,
Die tief herab ins Fenster hängt.
 
Es ist die Zeit zu feiern!
Es kommt die große Ruh!
Dort lenkt ein Zug von Reihern
Dem ew'gen Lenze zu.
Sie wissen Pfad und Stege,
Sie kennen ihre Wege-
Was, meine Seele, fürchtest du?

Op. 32 n.2 "Säerspruch"
 
 

Text by Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 32 no. 2 (1923)
 
See also: 

Anna Teichmüller (1861-1940), op. 15 no. 3, published 1907

Bemeßt den Schritt! Bemeßt den Schwung!
Die Erde bleibt noch lange jung!
Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht.
Die Ruh ist süß. Es hat es gut.
Hier eins, das durch die Scholle bricht,
Es hat es gut. Süß ist das Licht.
Und keines fällt aus dieser Welt
Und jedes fällt, wie's Gott gefällt.

Op. 32 n.3 "Eingelegte Ruder"
 
 

Text by Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 32 no. 3 (1923)
 
See also: 

Hermann Behn (1857?-1927), op. 5 no. 3 (189-?)
Felix Wolfes (1892-1971), 1963

Meine eingelegten Ruder triefen,
Tropfen fallen langsam in die Tiefen.
 
Nichts, daß mich verdroß!
Nichts, daß mich freute!
Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!
 
Unter mir - ach, aus dem Licht verschwunden -
Träumen schon die schönren meiner Stunden.
 
Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern:
Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?

Op. 32 n.4 "Laß scharren deiner Rosse Huf"
 
 

Text by Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 32 no. 4 (1923)
 
See also: 

Hermann Behn (1857?-1927), op. 7 no. 3 (189-?)

Geh' nicht, die Gott für mich erschuf!
Laß scharren deiner Rosse Huf den Reiseruf!
Du willst von meinem Herde fliehn?
Und weißt ja nicht, wohin dich deine Rosse ziehn!
Die Stunde rinnt, das Leben jagt!
Wir haben uns noch nichts gesagt -
Bleib bis es tagt!
Du darfst aus meinen Armen fliehn?
Und weißt ja nicht, wohin dich deine Rosse ziehn!

Op.33 "Alte Weise"
 
 

Texts by Gottfried Keller (1819-1890); texts also set by other composers
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 33 (1923)

       a) Mir glänzen die Augen
       b) Ich fürcht' nit Gespenster
       c) Du milchjunger Knabe
       d) Wandl ich in dem Morgentau
       e) Singt mein Schatz wie ein Fink
       f) Röschen biß den Apfel an
       g) Tretet ein, hoher Krieger
       h) Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern

a) Mir glänzen die Augen
 
 
Mir glänzen die Augen
Wie der Himmel so klar;
Heran und vorüber,
Du schlanker Husar!
 
Heran und vorüber
Und wieder zurück!
Vielleicht kann's geschehen,
Du findest dein Glück!
 
Was weidet dein Rapp mir
Den Reseda dort ab?
Soll das nun der Dank sein
Für die Lieb, so ich gab?
 
Was richten dein Sporen
Mein Spinngarn zugrund?
Was hängt mir am Hage
Deine Jacke so bunt?
 
Troll nur dich von hinnen
Auf deinem groben Tier
Und laß meine freudigen
Sternaugen mir!

b) Ich fürcht' nit Gespenster
 
 
Ich fürcht nit Gespenster,
Keine Hexen und Feen,
Und lieb's, in ihre tiefen
Glühaugen zu sehn.
 
Am Wald in dem grünen
Unheimlichen See,
Da wohnet ein Nachtweib,
Das ist weiß wie der Schnee.
 
Es haßt meiner Schönheit
Unschuldige Zier;
Wenn ich spät noch vorbeigeh,
So zankt es mit mir.
 
Jüngst, als ich im Mondschein
Am Waldwasser stand,
Fuhr sie auf ohne Schleier,
Ohne alles Gewand.
 
Es schwammen ihre Glieder
In der taghellen Nacht;
Der Himmel war trunken
Von der höllischen Pracht
 
Aber ich hab entblößet
Meine lebendige Brust;
Da hat sie mit Schande
Versinken gemußt!

c) Du milchjunger Knabe
 
 
Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?
Was haben deine Augen für eine Frage getan!
Alle Ratsherrn in der Stadt und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage, die deine Augen gestellt!
Eine Meermuschel liegt auf dem Schrank meiner Bas':
Da halte dein Ohr d'ran, dann hörst du etwas!

d) Wandl ich in dem Morgentau
 
 
Wandl ich in dem Morgentau
Durch die dufterfüllte Au,
Muß ich schämen mich so sehr
Vor den Blümlein ringsumher!
 
Täublein auf dem Kirchendach,
Fischlein in dem Mühlenbach
Und das Schlänglein still im Kraut,
Alles fühlt und nennt sich Braut.
 
Apfelblüt im lichten Schein
Dünkt sich stolz ein Mütterlein;
Freudig stirbt so früh im Jahr
Schon das Papillonenpaar.
 
Gott, was hab ich denn getan,
Daß ich ohne Lenzgespan,
Ohne einen süßen Kuß
Ungeliebet sterben muß?

e) Singt mein Schatz wie ein Fink
 
 
Singt mein Schatz wie ein Fink,
Sing ich Nachtigallensang;
Ist mein Liebster ein Luchs,
O so bin ich eine Schlang!
 
O ihr Jungfraun im Land,
[Vom Gebirg] und über See,
Überlaßt mir den Schönsten,
Sonst tut ihr mir weh!
 
Er soll sich unterwerfen
Zum Ruhm uns und Preis!
Und er soll sich nicht rühren,
Nicht laut und nicht leis!
 
O ihr teuren Gespielen,
Überlaßt mir den stolzen Mann!
Er soll sehn, wie die Liebe
Ein feurig Schwert werden kann!

f) Röschen biß den Apfel an
 
 
Röschen biß den Apfel an,
Und zu ihrem Schrecken
Brach und blieb ein Perlenzahn
In dem Butzen stecken.
 
Und das gute Kind vergaß
Seine Morgenlieder;
Tränen ohne Unterlaß
Perlten nun hernieder.

g) Tretet ein, hoher Krieger
 
 
 
Tretet ein, hoher Krieger,
Der sein Herz mir ergab!
Legt den purpurnen Mantel
Und die Goldsporen ab!
 
Spannt das Roß in den Pflug,
Meinem Vater zum Gruß!
Die Schabrack mit dem Wappen
Gibt nen Teppich meinem Fuß!
 
Euer Schwertgriff muß lassen
Für mich Gold und Stein,
Und die blitzende Klinge
Wird ein Schüreisen sein.
 
Und die schneeweiße Feder
Auf dem blutroten Hut
Ist zu 'nem kühlenden Wedel
In der Sommerzeit gut.
 
Und der Marschalk muß lernen,
Wie man Weizenbrot backt,
Wie man Wurst und Gefüllsel
Um die Weihnachtszeit hackt!
 
Nun befehlt eure Seele
Dem heiligen Christ!
Euer Leib ist verkauft,
Wo kein Erlösen mehr ist!

h) Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern
 
 
 
Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern,
Doch ferner schimmert meiner Schönheit Stern!
 
Wohl rauschet weit von mir des Meeres Strand,
Doch weiterhin liegt meiner Jugend Land!
 
Ohn Rad und Deichsel gibt's ein Wägelein,
Drin fahr ich bald zum Paradies hinein.
 
Dort sitzt die Mutter Gottes auf dem Thron,
Auf ihren Knien schläft ihr selger Sohn.
 
Dort sitzt Gott Vater, der den Heilgen Geist
Aus seiner Hand mit Himmelskörnern speist.
 
In einem Silberschleier sitz ich dann
Und schaue meine weißen Finger an.
 
Sankt Petrus aber gönnt sich keine Ruh,
Hockt vor der Tür und flickt die alten Schuh.

Op. 40 n.1 "Leuchtende Tage"
 
 

Text by Ludwig Jacobowski (1868-1900)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 1 (1931)
 
See also: 

Joseph Marx (1882-1964), 1902
Hermann Karl Josef Zilcher (1881-1948), op. 12 no. 3

Ach, unsre leuchtenden Tage
Glänzen wie ewige Sterne.
Als Trost für künftige Klage
Glühn sie aus goldener Ferne.
Nicht weinen, weil sie vorüber!
Lächeln, weil sie gewesen!
Und werden die Tage auch trüber,
Unsre Sterne erlösen!

Op. 40 n.2 "Wenn sich Liebes von dir lösen will"
 
 

Text by Adolf Bartels (1862-1945)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 2 (1931)

Wenn sich Liebes von dir lösen will,
Halte still, halte still, still, als wärst du Erz!
Ob du's noch so lang und gern besessen,
Suchs im wilden Rausch nicht zu vergessen,
Auch nicht krampfhaft noch an dich zu pressen -
Es zerdrückt dir nur das Herz.
Wenn sich Liebes von dir lösen will,
Halte still, halte still!
Echtes wird bestehn.
Sieh, wie schön die liebe Sonne scheidet,
Langsam alles sich in Schatten kleidet -
Dämm'rung für das Menschenherz, das leidet!
Später darf's auch schlafen gehn.

Op. 40 n.3 "Sehnsucht"
 
 

Text by Ricarda Octavia Huch (1864-1947)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 3 (1931)

See also:

Erich Riede (1903-), op. 9 no. 2

Um bei dir zu sein, trüg ich Not und Fährde,
Ließ ich Freund und Haus
Und die Fülle der Erde.
Mich verlangt nach dir,
Wie die Flut nach dem Strande,
Wie die Schwalbe im Herbst
Nach dem südlichen Lande;
Wie den Alpsohn heim,
Wenn er denkt, Nachts alleine
An die Berge voll Schnee im Mondenscheine.

Op. 40 n.4 "Herbstgefühl"
 
 

Text by Martin Greif (1839-1911), psuedonym of Friedrich Hermann Frey
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 4 (1931)

Wie ferne Tritte hörst du's schallen,
Doch weit umher ist nichts zu sehn,
Als wie die Blätter träumend fallen
Und rauschend mit dem Wind verwehn.
Es dringt hervor wie leise Klagen,
Die immer neuem Schmerz entstehn,
Wie Wehruf aus entschwundnen Tagen,
Wie stetes Kommen und Vergehn.
Du hörst, wie durch der Blätter Gipfel
Die Stunden unaufhaltsam gehn,
Der Nebel regnet in die Wipfel,
Du weinst und kannst es nicht verstehn.

Op. 40 n.5 "Der du von dem Himmel bist"
 
 

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 5 "Wanderers Nachtlied II" (1931)
 
See also: 

Bettina von Arnim, née Brentano (1785-1859), "Wandrers Nachtlied", 1842?
Ernst Bacon (1898-1990), "Der du von dem Himmel bist", published 1928
Hermann Behn (1857?-1927), op. 1, ii, no. 6, "Wandrers Nachtlied" (189-?)
Harald Genzmer (b. 1909), "Der du von den Himmel bist", from Acht Lieder nach verschiedenen Dichtern
Hermann (Gustav) Goetz (1840-1876), op. 19 no. 6, "Wandrers Nachtlied" (1862-3)
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Wandrers Nachtlied", from 7 Goethe Lieder (1),published 194-?
Philipp Christoph Kayser (1755-1823), "Um Friede" (1777)
Franz Liszt (1811-1886), S. 279, "Der du von den Himmel bist", published in 1843, 1856, 1860 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Wandrers Nachtlied", op. 9, i, 3b (1828)
Joseph Marx (1882-1964), 1906, "Wanderers Nachtlied"
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Wanders Nachtlied"
Ernst Pepping (1901-1981), "Wandrers Nachtlied", from Haus- und Trostbuch, published 1949
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Wandrers Nachtlied", published 1794 and 1809
Friedrich Wilhelm Rust (1739-1796), "Lied" (before 1781)
Franz Schubert (1797-1828), D. 224 "Wanderers Nachtlied I" (1815)
Eduard Steuermann (1892-1964), "Wandrers Nachtlied" (1931), from Drei Lieder
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Wandrers Nachtlied", op. 58 no. 4 (1815), from Gedichte von Goethe, VI:4
Hugo Wolf (1860-1903), "Wandrers Nachtlied", from Sechs Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner, no. 5
Philip Wolfrum (1854-1919), "Wandrers Nachtlied", op. 16 no. 5 (1885?)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Wandrers Nachtlied", 1807
Alexander Zemlinsky (1871-1942), "Wandrers Nachtlied", op. 27 no. 12 (1937/8)
Winfried (Petrus Ignatius) Zillig (1905-1963), 1941, "Wandrers Nachtlied", from Zehn Lieder nach Gedichten von Goethe

Der du von dem Himmel bist,
[Alles Leid] und Schmerzen stillst,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit [Erquickung] füllest,
Ach! ich bin des Treibens müde!
[Was soll all der Schmerz und Lust?]
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!

Op. 40 n.6 "Der Weckruf"
 
 

Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 40 no. 6

Nächtlich macht der Herr die Rund,
Sucht die Seinen unverdrossen,
Aber überall verschlossen
Trifft er Tür und Herzengrund,
 
Und er wendet sich voll Trauer:
Niemand ist, der mit mir wacht.
Nur der Wald vernimmt's mit Schauer,
Rauschet fromm die ganze Nacht.
 
Waldwärts durch die Einsamkeit
Hört ich über Tal und Klüften
Glocken in den stillen Lüften,
Wie aus fernem Morgen weit.
 
An die Tore will ich schlagen,
An Palast und Hütten: Auf!
Flammend schon die Gipfel ragen,
Wacht auf, wacht auf, wacht auf!

Op. 41 n.2 "Der verspätete Wanderer"
 
 

Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 41 no. 2, 1917
 
See also: 

Othmar Schoeck (1886-1957), op. 30 no. 8 (1917)

Wo aber werd' ich sein im künft'gen Lenze?
So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen
Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen,
Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze.
 
Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze,
Daß nach dem Meer die Ströme leuchtend gingen,
Von fernem Wunderland die Vögel singen,
Da hatt' das Morgenrot noch keine Grenze.
 
Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben
Sind wandermüde längst zurückgeblieben,
Die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze,
Und heimwärts rufen mich die Abendglocken,
Und in der Einsamkeit frag ich erschrocken:
Wo werde ich wohl sein im künft'gen Lenze?

Op. 41 n.3 "Das Alter"
 
 

Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hans Erich Pfitzner, op. 41 no. 3, 1931

Hoch mit den Wolken geht der Vögel Reise,
Die Erde schläfert, kaum noch Astern prangen,
Verstummt die Lieder, die so fröhlich klangen,
Und trüber Winter deckt die weiten Kreise.
 
Die Wanduhr pickt, im Zimmer singen leise
Waldvöglein noch, so du im Herbst gefangen.
Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen,
Du blätterst drin, geschützt vor Sturm und Eise.
 
So mild ist oft das Alter mir erschienen:
Wart nur, bald taut es von den Dächern wieder
Und über Nacht hat sich die Luft gewendet.
Ans Fenster klopft ein Bote mit froher Mienen,
Du trittst erstaunt heraus und kommst nicht wieder,
Denn endlich kommt der Lenz, der nienner endet.

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -