Lieder complete index
Lieder - index 1:
D 5 "Hagars Klage"
D 6 "Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
D 7 "Leichenfantasie"
D 10 "Der Vatermöder"
D 15 "Der Geistertanz"
D 15 a "Der Geistertanz"
D 17 no. 1 "Quell'innocente figlio"
D 23 "Klaglied"
D 30 "Der Jüngling am Bache"
D 37 "Die Advokaten"
D 38 "Grabe, Spaten, grabe!"
D 42 "Misero Pargoletto"
D 43 "Sprüche des Konfuzius"
D 44 "Grabe, Spaten, grabe!"
D 50 "Die Schatten"
D 51 "Unendliche Freude"
D 52 "Sehnsucht"
D 54 "Unendliche Freude"
D 55 "Selig durch die Liebe"
D 57 "Hier strecket der wallende Pilger"
D 58 "Dessen Fahne Donnerstürme wallte"
D 59 "Der sterbende Christ an seine Seele"
D 60 "Hier umarmen sich getreue Donnergang"
D 61 "Ein Jugendlicher Maienschwung"
D 62 "Thronend auf erhabnem Sitz"
D 63 "Wer die steile Sternenbahn"
D 64 "Majestät'sche Sonnenroße"
D 67 "Der Flüchtling"
D 69 "Sprüche des Konfuzius"
D 73 "Thekla: Eine Geisterstimme"
D 75 "Trinklied"
D 76 "Pensa, che questo istante"
D 77 "Der Taucher"
D 78 "Son fra l'onde"
D 81 "Auf den Sieg der Deutschen"
D 88 "Verschwunden sind die Schmerzen auf den sieg der Deutschen"
D 93 no.1 "Don Gayseros I"
D 93 no. 2 "Don Gayseros II"
D 93 no.3 "Don Gayseros III"
D 95 "Adelaide"
D 97 "Trost, an Elisa"
D 98 "Erinnerungen"
D 99 "Ich denke dein"
D 100 "Geisternähe"
D 101 "Erinnerung"
D 102 "Die Betende"
D 104 "Die Befreier Europa's in Paris"
D 107 "Lied aus der Ferne"
D 108 "Der Abend"
D 109 "Lied der Liebe"
D 111 "Der Taucher"
D 113 c "An Emma"
D 114 "Romanze"
D 115 "An Laura, als sie Klopstocks Auferstehungslied sang"
D 116 "Der Geistertanz"
D 117 "Das Mädchen aus der Fremde"
D 118 "Meine Ruh' ist hin"
D 119 "Nachtgesang"
D 120 "Trost in Tränen"
D 121 "Da droben auf jenem Berge"
D 121 b "Da droben auf jenem Berge"
D 122 "Ammenlied"
D 123 "Sehnsucht"
D 124 "Am See"
D 126 "Szene aus Faust"
D 5
"Hagars Klage"
Text by Clemens August Schücking
Music by Franz Schubert, D. 5. March 30, 1811, first
published in the Alte Gesamtausgabe XX,1 Nr. 1
Hier am Hügel heißen Sandes
Sitz' ich, und mir gegenüber
Liegt mein sterbend Kind,
Lechzt nach einem Tropfen Wasser
Lechzt und ringt schon mit dem Tode,
Weint und blickt mit stieren Augen
Mich bedrängte Mutter an.
Du mußt sterben, du mußt sterben
Armes Würmchen!
Ach nicht eine Träne
Hab' ich in den trocknen Augen,
Wo ich dich mit stillen kann.
Ha! säh' ich eine Löwenmutter,
Ich wollte mit ihr kämpfen,
Um die Eiter kämpfen.
Könnt' ich aus dem dürren Sande
Nur ein Tröpfchen Wasser saugen!
Aber ach! ich muß dich sterben sehn!
Kaum ein schwacher Strahl des Lebens
Dämmert auf der bleichen Wange,
Dämmert in den matten Augen,
Deine Brust erhebt sich kaum.
Hier am Busen, komm und welke!
Kömmt ein Mensch dann durch die Wüste,
So wird er in den Sand uns scharren,
Sagen: das ist Weib und Kind.
Ich will mich von dir wenden,
Daß ich dich nicht sterben seh'
Und im Taumel der Verzweiflung
Murre wider Gott!
Ferne von dir will ich gehen
Und ein rührend Klaglied singen,
Daß du noch im Todeskampfe
Tröstung einer Stimme hörst.
Nur zu letzten Klaggebete
Öffn' ich meine dürren Lippen,
Und dann schließ' ich sie auf immer,
Und dann komme bald, o Tod.
Jehova! blick' auf uns herab!
Erbarme dich des Knaben!
Send aus dem Taugewölke
Labung uns herab!
Ist er nicht von Abrams Samen?
Er weinte Freudetränen,
Als ich ihm dies Kind geboren,
Und nun wird er ihm zum Fluch!
Rette deines Lieblings Samen,
Selbst sein Vater bat um Segen,
Und du sprachst: Es komme Segen
Über dieses Kindes Haupt!
Hab' ich wider dich gesündigt:
So treffe mich die Rache, ha!
Aber ach! was tat der Knabe,
Daß er mit mir leiden muß?
Wär ich doch in Sir gestorben,
Als ich in der Wüste irrte,
Und das Kind noch ungeboren
Unter meinem Herzen lag;
Nein da kam ein holder Fremdling,
Hieß mich rück zu Abram gehen
Und des Mannes Haus betreten,
Der uns grausam itzt verstieß.
War der Fremdling nicht ein Engel?
Denn er sprach mit holder Miene:
Ismael wird groß auf Erden,
Sein Samen zahlreich sein.
Nur liegen wir und welken;
Unsre Leichen werden modern
Wie die Leichen der Verfluchten,
Die der Erde Schoß nicht birgt.
Schrei zum Himmel, armer Knabe!
Öffne deine welken Lippen!
Gott, der Herr, verschmäh' das Flehen
Des unschudgen Knaben nicht!
D 6
"Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, "Des Mädchens Klage", D. 6 (1811?), first published in
1894; D. 191 (15 May 1815), first published in 1826 as op. 56 no 3, later changed to op.
58 no 3; D. 389 (March 1816), first published in 1873
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847),
"Der Eichwald brauset"
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
from Nachlass (with a different form of the text)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Thekla", from Kleine
Balladen und Lieder, Heft III no. 12 (with a different form of the text)
Der Eichwald [braust], die Wolken ziehn,
Das Mägdlein sitzt an Ufers Grün,
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie seufzt hinaus in die finstre Nacht,
Das Auge von Weinen getrübet.
"Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,
Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr,
Du Heilige, rufe dein Kind zurück,
Ich habe gelebt und geliebet!"
Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf,
Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf;
Doch nenne, was tröstet und heilet die rust
Nach der süßen Liebe verschwund'ner Lust,
Ich, die Himmlische, will's nicht versagen.
"Laß rinnen der Tränen vergeblichen Lauf,
Es wecke die Klage den Toten nicht auf!
Das süßeste Glück für die trauernde Brust,
Nach der schönen Liebe verschwund'ner Lust,
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen."
D 7
"Leichenfantasie"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) Music by
Franz Schubert, D. 7 (1811), first published in 1894
Mit erstorb'nem Scheinen
Steht der Mond auf totenstillen Hainen,
Seufzend streicht der Nachtgeist durch die Luft -
Nebelwolken trauern,
Sterne trauern
Bleich herab, wie Lampen in der Gruft.
Gleich Gespenstern, stumm und hohl und hager,
Zieht in schwarzem Totenpompe dort
Ein Gewimmel nach dem Leichenlager
Unterm Schauerflor der Grabnacht fort.
Zitternd an der Krücke,
Wer mit düsterm, rückgesunknem Blicke
Ausgegossen in ein heulend Ach,
Schwer geneckt vom eisernen Geschicke,
Schwankt dem stummgetragnen Sarge nach?
Floß es "Vater" von des Jünglings Lippe?
Naße Schauer schauern fürchterlich
Durch sein gramgeschmolzenes Gerippe,
Seine Silberhaare bäumen sich.
Aufgerissen seine Feuerwunde!
Durch die Seele Höllenschmerz!
"Vater" floß es von des Jünglings Munde.
"Sohn" gelispelt hat das Vaterherz.
Eiskalt, eiskalt liegt er hier im Tuche,
Und dein Traum, so golden einst, so süß,
Süß und golden, Vater, dir zum Fluche!
Eiskalt, eiskalt liegt er hier im Tuche,
Die Wonne und dein Paradies!
Mild, wie umweht von Elysiumslüften,
Wie aus Auroras Umarmung geschlüpft,
Himmlisch umgürtet mit rosigten Düften,
Florens Sohn über das Blumenfeld hüpft,
Flog er einher auf den lachenden Wiesen,
Nachgespiegelt von silberner Flut,
Wollustflammen entsprühten den Küßen,
Jagten die Mädchen in liebende Glut.
Mutig sprang er im Gewühle der Menschen,
Wie ein jugendlich Reh;
Himmelum flog er in schweifenden Wünschen,
Hoch wie der Adler in wolkigter Höh';
Stolz wie die Roße sich sträuben und schäumen,
Werfen im Sturme die Mähne umher,
Königlich wider den Zügel sich bäumen,
Trat er vor Sklaven und Fürsten daher.
Heiter wie Frühlingstag schwand ihm das Leben,
Floh ihm vorüber in Hesperus' Glanz,
Klagen ertränkt' er im Golde der Reben,
Schmerzen verhüpft' er im wirbelnden Tanz.
Welten Schiefen herrlichen Jungen,
Ha! wenn er einsten zum Manne gereift -
Freue dich, Vater, im herrlichen Jungen
Wenn einst die schlafenden Keime gereift!
Nein doch, Vater - Horch! die Kirchhoftüre brauset,
Und die ehrnen Angel klirren auf -
Wie's hinein ins Grabgewölbe grauset!
Nein doch, laß den Tränen ihren Lauf!
Geh, du Holder, geh im Pfade der Sonne
Freudig weiter der Vollendung zu,
Lösche nun den edlen Durst nach Wonne,
Gramentbundner, in Walhallas Ruh!
Wiedersehn - himmlischer Gedanke!
Wiedersehn dort an Edens Tor!
Horch! der Sarg versinkt mit dumpfigem Geschwanke,
Wimmernd schnurrt das Totenseil empor!
Da wir trunken um einander rollten,
Lippen schwiegen, und das Auge sprach
"Haltet! Haltet!" da wir boshaft grollten -
Aber Tränen stürzten wärmer nach.
Mit erstorb'nem Scheinen
Steht der Mond auf totenstillen Hainen;
Seufzend streicht der Nachtgeist durch die Luft -
Nebelwolken trauern,
Sterne trauern
Bleich herab, wie Lampen in der Gruft.
Dumpfig schollert's überm Sarg zum Hügel,
O um Erdballs Schätze nur noch einen Blick!
Starr und ewig schließt des Grabes Riegel,
Dumpfer - dumpfer schollert's überm Sarg zum Hügel,
Nimmer gibt das Grab zurück.
D 10
"Der Vatermöder"
Text by Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809)
Music by Franz Schubert, D. 10 (December 26, 1811), first published in 1894
Ein Vater starb von des Sohnes Hand.
Kein Wolf, kein Tiger, nein,
Der Mensch allein, der Tiere Fürst,
Erfand den Vatermord allein.
Der Täter floh, um dem Gericht
Sein Opfer zu entziehn,
In einen Wald, doch konnt er nicht
Den innern Richter fliehn.
Verzehrt und hager, stumm und bleich,
Mit Lumpen angetan,
Dem Dämon der Verzweiflung gleich,
Traf ihn ein Häscher an.
Voll Grimm zerstörte der Barbar
Ein Nest mit einem Stein
Und mordete die kleine Schar
Der armen Vögelein.
Halt ein! rief ihm der Scherge zu,
Verruchter Bösewicht,
Mit welchem Rechte marterst du
Die frommen Tierchen so?
Was fromm, sprach jener, den die Wut
Kaum hörbar stammeln ließ,
Ich tat es, weil die Höllenbrut
Mich Vatermörder hieß.
Der Mann beschaut ihn, seine Tat
Verrät sein irrer Blick.
Er faßt den Mörder, und das Rad
Bestraft das Bubenstück.
Du, heiliges Gewissen, bist
Der Tugend letzter Freund;
Ein schreckliches Triumphlied ist
Dein Donner ihrem Feind.
D 15
"Der Geistertanz"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 15 (c1812); D. 15a (c1812); D. 116 (October 14, 1814), first
published in 1840; D. 494
Die bretterne Kammer
Der Toten erbebt,
Wenn zwölfmal den Hammer
Die Mitternacht hebt.
Rasch tanzen um Gräber
Und morsches Gebein
Wir luftigen Schweber
Den sausenden Reih'n.
Was winseln die Hunde
Beim schlafenden Herrn?
Sie wittern die Runde
Der Geister von fern.
Die Raben entflattern
Der wüsten Abtei,
Und flieh'n an den Gattern
Des Kirchhofs vorbei.
Wir gaukeln und scherzen
Hinab und empor
Gleich irrenden Kerzen
Im dunstigen Moor.
O Herz, dessen Zauber
Zur Marter uns ward,
Du ruhst nun in tauber
Verdumpfung erstarrt;
Tief bargst du im düstern
Gemach unser Weh;
Wir Glücklichen flüstern
Dir fröhlich: Ade!
D 15 a "Der
Geistertanz"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 15 (c1812); D. 15a (c1812);
D. 116 (October 14, 1814), first published in 1840; D. 494
Die bretterne Kammer
Der Toten erbebt,
Wenn zwölfmal den Hammer
Die Mitternacht hebt.
Rasch tanzen um Gräber
Und morsches Gebein
Wir luftigen Schweber
Den sausenden Reih'n.
Was winseln die Hunde
Beim schlafenden Herrn?
Sie wittern die Runde
Der Geister von fern.
Die Raben entflattern
Der wüsten Abtei,
Und flieh'n an den Gattern
Des Kirchhofs vorbei.
Wir gaukeln und scherzen
Hinab und empor
Gleich irrenden Kerzen
Im dunstigen Moor.
O Herz, dessen Zauber
Zur Marter uns ward,
Du ruhst nun in tauber
Verdumpfung erstarrt;
Tief bargst du im düstern
Gemach unser Weh;
Wir Glücklichen flüstern
Dir fröhlich: Ade!
D 17
no. 1 "Quell'innocente figlio"
Text by Pietro Metastasio (1698-1782), pen name of P. Antonio Domenico Bonaventura
Trapassi
Music by Franz Schubert, D. 17 no. 1
Quell'innocente figlio,
Dono del Ciel si raro,
Quel figlio a te si caro
Quello vuol Dio da te.
Vuol che rimanga esangue
Sotto al paterno ciglio,
Vuol che ne sparga il sangue
Chi vita già gli diè.
D 23
"Klaglied"
Text by Johann Friedrich Rochlitz (1796-1842)
Music by Franz Schubert, D. 23 (1812), published in 1830 as op. posth. 131 no. 3
Meine Ruh' ist dahin,
Meine Freud' ist entflohn,
In dem Säuseln der Lüfte,
In dem Murmeln des Bachs
Hör' ich bebend nur Klageton.
Seinem schmeichelnden Wort,
Und dem Druck seiner Hand,
Seinem heißen Verlangen,
Seinem glühenden Kuß,
Weh' mir, daß ich nicht widerstand!
Wenn ich seh' ihn von fern,
Will ich ihn zu mir ziehn,
Kaum entdeckt mich sein Auge,
Kaum tritt näher er mir,
Möcht' ich gerne ins Grab entfliehn.
D 30
"Der Jüngling am Bache"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 30 (September 24, 1812),
first published in 1895; D. 192 (May 15, 1815), first published in 1887; D. 638 (April
1819), first Published in 1827 as op. 87 no 3
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
An der Quelle saß der Knabe,
Blumen wand er sich zum Kranz,
Und er sah sie fortgerissen,
Treiben in der Wellen Tanz.
"Und so fliehen meine Tage
Wie die Quelle rastlos hin!
Und so bleichet meine Jugend,
Wie die Kränze schnell verblühn!
Fraget nicht, warum ich traure
In des Lebens Blütenzeit!
Alles freuet sich und hoffet,
Wenn der Frühling sich erneut.
Aber tausend Stimmen
Der erwachenden Natur
Wecken in dem tiefen Busen
Mir den schweren Kummer nur.
Was soll mir die Freude frommen,
Die der schöne Lenz mir beut?
Eine nur ists, die ich suche,
Sie ist nah und ewig weit.
Sehnend breit' ich meine Arme
Nach dem teuren Schattenbild,
Ach, ich kann es nicht erreichen,
Und das Herz ist ungestillt!
Komm herab, du schöne Holde,
Und verlaß dein stolzes Schloß!
Blumen, die der Lenz geboren,
Streu ich dir in deinen Schoß.
Horch, der Hain erschallt von Liedern,
Und die Quelle rieselt klar!
Raum ist in der kleinstein Hütte
Für ein glücklich liebend Paar."
D 37
"Die Advokaten"
Text by Eduard von Rustenfeld (Baron Engelhart)
Music by Franz Schubert, D. 37 (December 25-27, 1812),
first published in 1827 as op. 74
1. Advocat:
Mein Herr, ich komm' mich anzufragen,
Ob denn der Herr Sempronius
Schon die Expensen abgetragen,
Die er an mich bezahlen muß.
2. Advocat:
Noch hab' ich nichts von ihm bekommen,
Doch kommt er heute selbst zu mir,
Da soll er uns nicht mehr entkommen,
Ich bitt', erwarten sie ihn hier.
1. Advocat:
Die Expenses zu saldiren
Ist der Partheien erste Pflicht.
2. Advocat:
Sonst geht es neu an's Prozessiren
Und das behagt den meisten nicht.
Beide Advocaten:
O Justitia praestantissima,
Die, wenn sie manchem bitter ist,
Doch der Doktoren nie vergißt.
2. Advocat:
Jetzt trinken wir ein Gläschen Wein,
Doch still, man klopft,
Wer ist's? herein!
Sempronius:
Ich bin der Herr Sempronius,
Komm gred' vom Land herein,
Die Reise machte ich zu Fuß,
Ich muß wohl sparsam sein,
Denn ich hab's leider auch probirt,
Und hab' ein Weilchen prozessirt.
Beide Advocaten:
Mein Herr, wir suppliciren,
Die Nota zu saldiren.
Sempronius:
Ei, ei, Geduld, ich weiß es wohl,
Daß ich die Zech' bezahlen soll,
Nur eine Auskunft möcht' ich gern
Von ihnen, meine Herrn.
Beide Advocaten:
Sehr wohl, sehr wohl, doch dies Colloquium
Heißt bei uns ein Consilium
Und kommt ins Expensarium.
Sempronius:
Der Zucker und Kaffee,
Die Lämmer und das Reh,
Schmalz, Butter, Mehl und Eier,
Rosoglio und Tokayer,
Und Was ich sonst darneben
In's Haus hab' hergegeben,
Das rechnet man doch auch mit ein.
Beide Advocaten:
Nein, nein, nein
Das ist ein Honorarium,
G'hört nicht in's Expensarium,
Davon spricht uns der Richter frei,
Motiva, Motiva sind bei der Kanzlei.
Sempronius:
Ei, ei, ei!
Beide Advocaten:
Wir lassen keinen Groschen fahren,
Der Himmel wolle uns bewahren,
Denn uns're Müh' ist nicht gering,
Fiat Justita.
Sempronius:
Kling, kling, kling.
Alle:
O Justitia praestantissima,
Kling, kling, kling.
Welche schöne Harmonie,
Kling, kling, kling.
Welche schöne Harmonie,
Allgemein bezaubert sie,
Von ihrem Reiz bleibt Niemand frei,
Motiva sind bei der Kanzlei,
Kling, kling, kling.
D 38
"Grabe, Spaten, grabe!"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, "Totengräberlied", D. 38, D. 44 (1813)
See also:
J. J. Grünwald (fl. 1780), "Das
Totengräberlied", published 1785
Grabe, Spaten, grabe!
Alles, was ich habe,
Dank' ich Spaten, dir!
Reich' und arme Leute
Werden meine Beute,
Kommen einst zu mir.
Weiland groß und edel,
Nickte dieser Schädel
Keinem Gruße Dank.
Dieses Beingerippe
Ohne Wang' und Lippe
Hatte Gold und Rang.
Jener Kopf mit Haaren
War vor wenig Jahren
Schön, wie Engel sind.
Tausend junge Fäntchen
Leckten ihm das Händchen,
Gafften sich halb blind.
Grabe, Spaten, grabe!
Alles, was ich habe,
Dank' ich Spaten, dir!
Reich' und arme Leute
Werden meine Beute,
Kommen einst zu mir.
D 42
"Misero Pargoletto"
Text by Pietro Metastasio (1698-1895)
Music by Franz Schubert, D. 42 (1813?), first published in 1895
Misero pargoletto,
Il tuo destino non sai.
Ah! non gli dite mai
Qual era il genitor.
Come in un punto, oh Dio,
Tutto cangiò d'aspetto!
Voi foste il mio diletto,
Voi foste il mio terror.
Voi foste il mio terror.
D 43
"Sprüche des Konfuzius"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 43 and D. 69
Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.
Keine Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt,
Keine Furcht, kein Zweifel zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt,
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die stehende bewegen.
Möchtest du beglückt und weise
Endigen des Lebens Reise,
Nimm die zögernde zum Rat,
Nicht zum Werkzeug deiner Tat.
Wähle nicht die fliehende zum Freund,
Nicht die bleibende zum Feind.
D 44
"Grabe, Spaten, grabe!"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, "Totengräberlied", D. 38, D. 44 (1813)
See also:
J. J. Grünwald (fl. 1780), "Das
Totengräberlied", published 1785
Grabe, Spaten, grabe!
Alles, was ich habe,
Dank' ich Spaten, dir!
Reich' und arme Leute
Werden meine Beute,
Kommen einst zu mir.
Weiland groß und edel,
Nickte dieser Schädel
Keinem Gruße Dank.
Dieses Beingerippe
Ohne Wang' und Lippe
Hatte Gold und Rang.
Jener Kopf mit Haaren
War vor wenig Jahren
Schön, wie Engel sind.
Tausend junge Fäntchen
Leckten ihm das Händchen,
Gafften sich halb blind.
Grabe, Spaten, grabe!
Alles, was ich habe,
Dank' ich Spaten, dir!
Reich' und arme Leute
Werden meine Beute,
Kommen einst zu mir.
D 50
"Die Schatten"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 50 (12 April 1813), first published in 1894
Freunde, deren Grüfte sich schon bemoosten!
Wann der Vollmond über dem Walde dämmert,
Schweben eure Schatten empor
Vom stillen Ufer des Lethe.
Seid mir, Unvergessliche, froh gesegnet!
Du vor allen, welcher im Buch der Menschheit
Mir der Hieroglyphen so viel gedeutet,
Redlicher Bonnet!
Längst verschlürft im Strudel der Brandung
Wäre wohl mein Fahrzug
Oder am Riff zerschmettert ,hättet ihr nicht,
Genien gleich, im Sturme schirmend gewaltet!
Wiederseh'n, Wiederseh'n der Liebenden!
Wo der Heimat goldne Sterne leuchten,
O du der armen Psyche, die gebunden
Im Grabtal schmachtet, himmlische Sehnsucht!
D 51
"Unendliche Freude"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus Elysium
Music by Franz Schubert, D. 51 and D. 54
Unendliche Freude
Durchwallet das Herz.
Hier mangelt der Name dem trauernden Leide,
Sanfter Entzücken nur heißet hier Schmerz.
D 52
"Sehnsucht"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 52 (15-17 April 1813), first published in 1868; D. 636 (?
1821), first published in 1826 as op 39
See also:
Ferdinand Ries (1784-1838), op. 35 no.
4 (publ. 1811)
Ach, aus dieses Thales Gründen,
Die der Kalte Nebel drückt,
Könnt' ich doch den Ausgang finden,
Ach, wie fühlt' ich mich beglückt!
Dort erblick' ich schön Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt' ich Schwingen hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög' ich hin.
Harmonien hör' ich klingen,
Töne süssliger Himmelsruh',
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Gold'ne Früchte seh' ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.
Ach wie schöne muß sich's ergehen
Dort im ew'gen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muß sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Daß die Seele mir ergraust.
Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du mußt glauben, du mußt wagen,
Denn die Götter leih'n kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.
D 54
"Unendliche Freude"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus Elysium
Music by Franz Schubert, D. 51 and D. 54
Unendliche Freude
Durchwallet das Herz.
Hier mangelt der Name dem trauernden Leide,
Sanfter Entzücken nur heißet hier Schmerz.
D 55
"Selig durch die Liebe"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) ("Der Triumph der Liebe")
Music by Franz Schubert, D. 55
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
Einstens hinter Pyrrhas Rücken,
Stimmen Dichter ein,
Sprang die Welt aus Felsenstücken,
Menschen aus dem Stein.
Stein und Felsen ihre Herzen,
Ihre Seelen Nacht,
Von des Himmels Flammenkerzen
Nie in Glut gefacht.
Noch mit sanften Rosenketten
Banden junge Amoretten
Ihre Seelen nie -
Noch mit Liedern ihren Busen
Huben nicht die weichen Musen,
Nie mit Saitenharmonie.
Ach! noch wanden keine Kränze
Liebende sich um!
Traurig flüchteten die Lenze
Nach Elysium.
Ungegrüßet stieg Aurora
Aus dem Schoß des Meers,
Ungegrüßet sank die Sonne
In den Schoß des Meers.
Wild umirrten sie die Haine
Unter Lunas Nebelscheine,
Trugen eisern Joch.
Sehnend an der Sternenbühne
Suchte die geheime Träne
Keine Götter noch.
Und sieh! der blauen Flut entquillt
Die Himmelstochter sanft und mild,
Getragen von Najaden
Zu trunkenen Gestaden.
Ein jugendlicher Maienschwung
Durchschwebt, wie Morgendämmerung,
Auf das allmächtige Werde
Luft, Himmel, Meer und Erde.
Des holden Tages Auge lacht
In düstrer Wälder Mitternacht;
Balsamische Narzißen
Blühn unter ihren Füßen.
Schon flötete die Nachtigall
Den ersten Sang der Liebe,
Schon murmelte der Quellen Fall
In weiche Busen Liebe.
Glückseliger Pygmalion!
Es schmilzt, es glüht dein Marmor schon!
Gott Amor Ueberwinder!
Umarme deine Kinder!
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
Unter goldnem Nektarschaum,
Ein wollüstger Morgentraum,
Ewig Lustgelage,
Fliehn der Götter Tage.
Thronend auf erhabnem Sitz
Schwingt Kronion seinen Blitz;
Der Olympus schwankt erschrocken,
Wallen zürnend seine Locken -
Göttern läß er seine Throne,
Niedert sich zum Erdensohne,
Seufzt arkadisch durch den Hain;
Zahme Donner untern Füßen,
Schläft, gewiegt von Ledas Küßen,
Schläft der Riesentöter ein.
Majestät'sche Sonnenroße
Durch des Lichtes weiten Raum
Leitet Phöbus' goldner Zaum,
Völker stürzt sein rasselndes Geschoße;
Seine weißen Sonnenroße,
Seine rasselnden Geschoße,
Unter Lieb und Harmonie,
Ha! wie gern vergaß er sie!
Vor der Gattin des Kroniden
Beugen sich die Uraniden;
Stolz vor ihrem Wagenthrone
Brüstet sich das Pfauenpaar,
Mit der goldnen Herrscherkrone
Schmückt sie ihr ambrosisch Haar.
Schöne Fürstin! Ach, die Liebe
Zittert, mit dem süßen Triebe
Deiner Majestät zu nahn.
Und von ihren stolzen Höhen
Muß die Götterkönigin
Um des Reizes Gürtel flehen
Bei der Herzenfresslerin.
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
Liebe sonnt das Reich der Nacht,
Amors süßer Zaubermacht
Ist der Orkus untertänig:
Freundlich blickt der schwarze König,
Wenn ihm Ceres' Tochter lacht;
Liebe sonnt das Reich der Nacht.
Himmlisch in die Hölle klangen
Und den wilden Hüter zwangen
Deine Lieder, Thracier -
Minos, Tränen im Gesichte,
Mildete die Qualgerichte,
Zärtlich um Megärens Wangen
Küßten sich die wilden Schlangen,
Keine Geißel klatschte mehr;
Aufgejagt von Orpheus' Leier
Flog von Tityos der Geier;
Leiser hin am Ufer rauschten
Lethe und Cocytus, lauschten
Deinen Liedern, Thracier!
Liebe sangst du, Thracier!
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
Durch die ewige Natur
Düftet ihre Blumenspur,
Weht ihr goldner Flügel.
Winkte mir vom Mondenlicht
Aphroditens Auge nicht,
Nicht vom Sonnenhügel,
Lächelte vom Sternenmeer
Nicht die Göttin zu mir her -
Stern und Sonn und Mondenlicht
Regten mir die Seele nicht.
Liebe, Liebe lächelt nur
Aus dem Auge der Natur
Wie aus einem Spiegel!
Liebe rauscht der Silberbach,
Liebe lehrt ihn sanfter wallen;
Seele haucht sie in das Ach
Klagenreicher Nachtigallen -
Liebe, Liebe lispelt nur
Auf der Laute der Natur.
Weisheit mit dem Sonnenblick,
Große Göttin, tritt zurück,
Weiche vor der Liebe!
Nie Erobrern, Fürsten nie
Beugtest du ein Sklavenknie,
Beug es jetzt der Liebe!
Wer die steile Sternenbahn
Ging dir heldenkühn voran
Zu der Gottheit Sitze?
Wer zerriß das Heiligtum,
Zeigte dir Elysium
Durch des Grabes Ritze?
Lockte sie uns nicht hinein,
Möchten wir unsterblich sein?
Suchten auch die Geister
Ohne sie den Meister?
Liebe, Liebe leitet nur
Zu dem Vater der Natur,
Liebe nur die Geister.
Selig durch die Liebe
Götter - durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer - die Erde
Zu dem Himmelreich.
D 57 "Hier
strecket der wallende Pilger"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) aus "Elysium"
Music by Franz Schubert, D. 57
Hier strecket der wallende Pilger die matten
Brennenden Glieder in säuselnden Schatten,
Leget die Bürde auf ewig dahin -
Seine Sichel entfällt hier dem Sehnitter,
Eingesungen von Harfengezitter
Träumt er, geschnittene Halme zu sehn.
D 58
"Dessen Fahne Donnerstürme wallte"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) aus "Elysium"
Music by Franz Schubert, D. 58
Dessen Fahne Donnerstürme wallte,
Dessen Ohren Mordgebrüll umhallte,
Berge bebten unter dessen Donnergang,
Schläft hier linde bei des Baches Rieseln,
Der wie Silber spielet über Kiseln;
Ihm verhallet wilder Speere Klang.
D 59
"Der sterbende Christ an seine Seele"
Text by Johann Gottfried von Herder (1744-1803) after Alexander Pope (1688-1744)
Music by Franz Schubert, D. 59 (4 May 1813), first published in 1832
Lebensfunke, vom Himmel entglüht,
Der sich loszuwinden müht!
Zitternd, kühn, vor Sehnen leidend,
Gern und doch mit Schmerzen scheidend!
End', o end' den Kampf, Natur!
Sanft ins Leben
Aufwärts schweben,
Sanft hinschwinden laß mich nur.
Horch!, mir lispeln Geister zu:
"Schwester-Seele, komm zur Ruh!"
Ziehet was mich sanft von hinnen?
Was ist's, was mir meine Sinnen,
Mir den Hauch zu rauben droht?
Seele, sprich, ist das der Tod?
Die Welt entweicht!
Sie ist nicht mehr!
Engel-Einklang um mich her!
Ich schweb' im Morgenrot!
Leiht, o leiht mir eure Schwingen;
Ihr Brüder-Geister, helft mir singen:
"O Grab, wo ist dein Sieg?
Wo ist dein Pfeil, o Tod?"
D 60
"Hier umarmen sich getreue Donnergang"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus "Elysium"
Music by Franz Schubert, D. 60
Hier umarmen sich getreue Gatten,
Küssen sich auf grünen samtnen Matten,
Liebgekost vom Balsamwest;
Ihre Krone findet hier die Liebe,
Sicher vor des Todes strengem Hiebe
Feiert sie ein ewig Hochzeitsfest.
D 61
"Ein Jugendlicher Maienschwung"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 61 (1813), published 1897
Ein Jugendlicher Maienschwung
durchwebt wie Morgendämmerung
auf das allmächt'ge Werde
Luft, Himmel, Meer und Erde.
D 62
"Thronend auf erhabnem Sitz"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus "Der Triumph der Liebe"
Music by Franz Schubert, D. 62
Thronend auf erhabnem Sitz
Schwingt Kronion seinen Blitz;
Der Olympus schwankt erschrocken,
Wallen zürnend seine Locken -
D 63
"Wer die steile Sternenbahn"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus "Der Triumph der Liebe"
Music by Franz Schubert, D. 63
Wer die steile Sternenbahn
Ging dir heldenkühn voran
Zu der Gottheit Sitze?
Wer zerriß das Heiligtum,
Zeigte dir Elysium
Durch des Grabes Ritze?
D 64
"Majestät'sche Sonnenroße"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), aus "Der Triumph der Liebe"
Music by Franz Schubert, D. 64
Majestät'sche Sonnenroße
Durch des Lichtes weiten Raum
Leitet Phöbus' goldner Zaum,
Völker stürzt sein rasselndes Geschoße;
Seine weißen Sonnenroße,
Seine rasselnden Geschoße,
Unter Lieb und Harmonie,
Ha! wie gern vergaß er sie!
D 67
"Der Flüchtling"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 67 (1813) (two tenors and a bass); D. 402 (18 March 1816),
first published in 1895
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft V no. 41 "Morgenfantasie" (with a different form
of text)
Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch;
Purpurisch zuckt durch düst'rer Tannen Ritzen
Das junge Licht und äugelt aus dem Strauch;
In gold'nen Flammenblitzen
Der Berge Wolkenspitzen.
Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied
Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.
Sei, Licht, mir gesegnet!
Dein Strahlengruß regnet
Erwärmend hernieder auf Anger und Au.
Wie flittern die Wiesen,
Wie silberfarb zittern
Tausend Sonnen im perlenden Tau!
In säuselnder Kühle
Beginnen die Spiele
Der jungen Natur.
Die Zephyre kosen
Und schmeicheln um Rosen,
Und Düfte beströmen die lachende Flur.
Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen!
Laut wiehern und schnauben und knirschen und stampfen
Die Rosse, die Farren;
Die Wagen erknarren
Ins ächzende Tal.
Die Waldungen leben,
Und Adler und Falken und Habichte schweben
Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl.
Den Frieden zu Finden,
Wohin soll ich wenden
Am elenden Stab?
Die lachende Erde
Mit Jünglingsgebärde,
Für mich nur ein Grab!
Steig empor, o Morgenrot, und röte
Mit purpurnem Kusse Hain und Feld!
Säusle nieder, o Abendrot, und flöte
In sanften Schlummer die tote Welt!
Morgen, ach, du rötest
Eine Totenflur;
Ach! und du, o Abendrot! umflötest
Meinen langen Schlummer nur.
D 69
"Sprüche des Konfuzius"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 43 and D. 69
Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.
Keine Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt,
Keine Furcht, kein Zweifel zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt,
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die stehende bewegen.
Möchtest du beglückt und weise
Endigen des Lebens Reise,
Nimm die zögernde zum Rat,
Nicht zum Werkzeug deiner Tat.
Wähle nicht die fliehende zum Freund,
Nicht die bleibende zum Feind.
D 73
"Thekla: Eine Geisterstimme"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 73 (22-23 August 1813),
first published in 1868; D. 595 (November 1817), first published in 1827 as op 88 no. 2
Wo ich sei, und wo mich hingewendet,
Als mein flüchtiger Schatten dir entschwebt?
Hab' ich nicht beschlossen und geendet,
Hab' ich nicht geliebet und gelebt?
Willst du nch den Nachtigallen fragen,
Die mit seelenvoller Melodie
Dich entzückten in des Lenzes Tagen?
Nur so lang' sie liebten, waren sie.
Ob ich den Verlorenen gefunden?
Glaube mir, ich bin mit ihm vereint,
Wo sich nicht mehr trennt, was sich verbunden,
Dort, wo keine Träne wird geweint.
Dorten wirst auch du uns wieder finden,
Wenn dein Lieben unserm Lieben gleicht;
Dort is auch der Vater, frei von Sünden,
Den der blut'ge Mord nicht mehr erreicht.
Und er fühlt, dass ihn kein Wahn betrogen,
Als er aufwärts zu den Sternen sah;
Den wie jeder wägt, wird ihm gewogen,
Wer es glaubt, dem ist das Heil'ge nah.
Wort gehalten wird in jenen Räumen
Jedem schönen gläubigen Gefühl;
Wage du, zu irren und zu träumen:
Hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel.
D 75
"Trinklied"
Text by Friedrich Schäffer (?)
Music by Franz Schubert, D. 75
Freunde, sammelt euch im Kreise,
Freut euch nach der Väter Weise,
Stimmt in lautem Jubel ein.
Freundschaft reicht den Wonnebecher
Zum Genuß dem frohen Zecher,
Perlend blinkt der gold'ne Wein.
Schließt in dieser Feierstunde
Hand in Hand zum trauten Bunde,
Freunde, stimmet fröhlich ein,
Laßt uns alle Brüder sein!
Freunde, seht die Gläser blinken,
Knaben mögen Waßer trinken,
Männer trinken edlen Wein.
Wie der gold'ne Saft der Reben
Sei auch immer unser Leben,
Stark und kräftig, mild und rein.
Unsern Freundesbund/Freundschaftsbund zu ehren
Laßet uns die Gläser leeren!
Stark und kräftig, mild und rein
Sei das Leben, sei der Wein!
D 76
"Pensa, che questo istante"
Text by Pietro Metastasio (1698-1782)
Music by Franz Schubert, D. 76 (1813)
Pensa, che questo istante
Del tuo destin decide,
Ch'oggi rinasce Alcide
Per la futura età.
Pensa che a dulto sei,
Che sei di Giove un figlio,
Che merto e non consiglio
La scelta tua sarà.
D 77
"Der Taucher"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 77; D. 111 (September
1813-end 1814), first published 1831
"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf' ich hinab.
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund,
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."
Der König spricht es und wirft von der Höh'
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul,
"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"
Und die Ritter, die Knappen um ihr her
Vernehmen's und schweigen still.
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will,
Und der König zum drittenmal wieder fraget;
"Ist keiner, der sich hinunter waget?"
Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.
Und wie er tritt an des Felsen Hang
Und blickt in den Schlund hinab
Die Wasser, die sie hinunterschlang,
Die Charybde jetzt brüllend wiedergab
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzen sie schäumend dem finstern Schoße.
Und es wallet un siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt
Und Flut auf Flut sich ohn'Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.
Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,
Und schwarz aus dem weißen Schaum
Klaff hinunter ein gähnender Spalt,
Grundlos, als ging's in den Höllenraum,
Und reißend sieht man die brandenden Wogen
Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.
Jetzt schnell, eh'die Brandung wiederkehrt,
Der Jüngling sich Gott befiehlt,
Und - ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,
Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,
Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer
Schließt sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.
Und stille wird's über dem Wasserschlund,
In der Tiefe nur brausset es hohl,
Und bebend hört man von Mund zu Mund;
"Hochherziger Jüngling, fahre wohl!"
Und hohler und hohler hört man's heulen,
Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.
Und wärfst du die Krone selber hinein
Und sprächst; wer mir bringet die Kron',
Er soll sie tragen und König sein -
Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.
Was die heulende Tiefe da unten verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.
Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefaßt,
Schoß gäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen, sich Kiel und Mast
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab -
Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,
Hört man's näher und immer näher brausen.
Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well' auf Well' sich ohn'Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstren Schoße.
Und sieh! aus dem finster flutenden Schoß
Da hebet sich's schwanenweiß,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß,
Uns er ist's, und hoch in seiner Linken
Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.
Und atmete lang' und atmete tief
Und begrüßte das himmlische Licht.
Mit Frohlocken es einer dem andern rief;
"Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!
Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
Hat der Brave gerettet die lebende Seele."
Und der kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,
Zu des Königs Füßen er sinkt,
Den Becher reicht er ihm knieend dar,
Und der König der lieblichen Tochter winkt,
Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,
Und der Jüngling sich als zum König wandte:
"Lange lebe der König! Es freue sich,
Wer da atmetim rosigen Licht!
Da unten aber ist's fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götte nicht
und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.
Es riß mich hinunter blitzesschnell -
Da stürzt' mir aus felsigem Schacht
Entegen ein reißender Quell:
Mich packte des Dopplestroms wütende Macht,
Und wie einen Kreisel mit schwindelndem Drehen
Trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehen.
Da ziegt mir Gott, zu dem ich rief
In der höchsten schrecklichen Not,
Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,
Das erfaßt' ich behend und entrann dem Tod -
Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,
Sonst wär'er ins Bodenlose gefallen.
Denn unter mir lag's noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und ob's hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie's von Salamandern und Molchen, Drachen
Sich regte in dem furchtbaren Höllenrachen.
Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheußlichen Klumpen geballt,
Der stachlichte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.
Und da hing ich und war's mir mit Grausen bewußt
Von der menschlichen Hilfe so weit,
Unter Larven die einzige fühlende Brust,
Allein in der gräßlichen Einsamkeit,
Tief unter dem Schall der menschlichen Rede
Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.
Und schaudernd dacht'ich's, da kroch's heran,
Regte hundert Gelenke zugleich,
Will schnappen nach mir - in des Schreckens Wahn
Laß' ich los der Koralle umklammerten Zweig:
Gleich faßt mich der Strudel mit rasendem Toben,
Doch es war mir zum Heil, er riß mich nach oben."
Der König darob sich verwundert schier
Und spricht: 'Der Becher ist dein,
Und diesen Ring noch bestimm'ich dir,
Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,
Versuchst du's noch einmal und bringst mir Kunde,
Was du sahst auf des Meers tiefunterstem Grunde."
Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht;
"Laßt, Vater, genug sein das grausame Spiel!
Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt ihr des Herzens Gelüsten nicht zähme!
So mögen die Ritter den Knappen beschämen."
Drauf der König greift nach dem Becher schnell,
In den Strudel ihn schleudert hinein;
"Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell',
So sollst du der trefflichste Ritter mir sein
Und sollst sie als Ehgemahl heut'noch umarmen,
Die jetzt für dich bittet mit zarten Erbarmen."
Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,
Und es siehet erröten die schöne Gestalt
Und sieht sie erbleichen und sinken hin -
Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürtz hinunter auf Leben und Sterben.
Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,
Sie verkündigt der donnernde Schall -
Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick;
Es kommen, es kommen die Wasser all,
Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,
Doch den Jüngling bringt keines wieder.
D 78
"Son fra l'onde"
Text by Pietro Metastasio (1698-1782), pen name of P. Antonio Domenico Bonaventura
Trapassi
Music by Franz Schubert, D. 78 (1813)
Son fra l'onde in mezzo al mare,
E al furor di doppio vento;
Or resisto, or mi sgomento
Fra la speme, e fra l'orror.
Per la fè, per la tua vita
Or pavento, or sono ardita,
E ritrovo egual martire
Nell' ardire e nell' timor.
D 81
"Auf den Sieg der Deutschen"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 81 (1813)
Verschwunden sind die Schmerzen,
Weil aus beklemmten Herzen
Kein Seufzer widerhallt.
Drum jubelt hoch, ihr Deutsche,
Denn die verruchte Peitsche
Hat endlich ausgeknallt.
Seht Frankreichs Creaturen,
Sie machten Deutschlands Fluren
Zum blutigen Altar!
Die gierige Hyäne
Fraß Hermanns edle Söhne
Durch mehr als zwanzig Jahr.
Es wurden Millionen
Vom Donner der Kanonen
Zum Jammer aufgeweckt,
Es lag auf Städt' und Flecken
Verwüstung, Todesschrecken,
Vom Satan ausgeheckt.
Der Kampf ist nun entschieden.
Bald, bald erscheint der Frieden
In himmlischer Gestalt.
Drum jubelt hoch, ihr Deutsche,
Denn die verruchte Peitsche
Hat endlich ausgeknallt.
D 88 "Verschwunden
sind die Schmerzen auf den sieg der Deutschen"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 88 (15 November 1813), first published 1892
Verschwunden sind die Schmerzen,
Weil aus beklemmten Herzen
Kein Seufzer wiederhallt.
Drum jubelt hoch, ihr Deutsche,
Denn die verruchte Peitsche
Hat endlich ausgeknallt.
D 93
no.1 "Don Gayseros I"
Text by Friedrich Heinrich, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 93 no.1, first published 1894
"Don Gayseros, Don Gayseros,
Wunderlicher, schöner Ritter,
Hast mich aus der Burg beschworen,
Lieblicher, mit Deinen Bitten.
Don Gayseros, Dir im Bündnis,
Lockten Wald und Abendlichter,
Sieh mich hier nun, sag' nun weiter,
Wohin wandeln wir, du Lieber?"
"Donna Clara, Donna Clara,
Du bist Herrin, ich der Diener,
Du bist Lenk'rin, ich Planet nur,
Süße Macht, o wollst gebieten!"
"Gut, sowandeln wir den Berghang
Dort zum Kruzifixe nieder
Wenden drauf an der Kapelle
Heimwärts uns, entlängst den Wiesen."
"Ach, warum an der Kapelle,
Ach, warum bei'm Kruzifixe;"
"Spricht, was hast Du nun zu streiten?
Meint ich ja, Du wärst mein Diener."
"ja, ich wandle, ja ich schreite,
Herrin ganz nach Deinem Willen."
Und sie wandelten zusammen
Sprachen viel von Süßer Minne.
"Don Gayseros, Don Gayseros,
Sieh, wir sind am Kruzifixe,
Hast Du nicht Dein Haupt gebogen
Vor dem Herrn, wie andre Christen?"
"Donna Clara, Donna Clara,
Konnt' ich auf was anders schauen,
Als auf Deine zarten Hände,
Wie sie mit den Blumen spielten?"
"Don Gayseros, Don Gayseros,
Konntest Du denn nichts erwidern,
Als der fromme Mönch Dich grüßte,
Sprechend: Christus geb' Dir Frieden?"
"Donna Clara, Donna Clara,
Durft' ins Ohr ein Laut mir dringen
Irgend noch ein Laut auf Erden,
Als Du flüsternd spracht: Ich liebe?"
"Don Gayseros, Don Gayseros,
Sieh' vor der Kapelle blinket
Des geweihten Wassers Schale!
Komm und tu' wie ich, Geliebter."
"Donna Clara, Donna Clara,
Gänzlich mußt' ich jetzt erblinden
Denn ich schaut' in Deine Augen,
Konnt' mich selbst nicht wiederfinden."
"Don Gayseros, Don Gayseros,
Tu mir's nach, bist Du mein Diener,
Tauch' ins Wasser Deine Rechte,
Zeichn' ein Kreuz auf deine Stime."
Don Gayseros schwieg erschrocken,
Don Gayseros floh von hinnen;
Donna Clara lenkte bebend
Zu der Burg die scheuen Tritte.
D 93
no. 2 "Don Gayseros II"
Text by Friedrich Heinrich, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 93 no.2, first published 1894
Nächtens klang die Süße Laute
Wo sie oft zu Nacht geklungen,
Nächtens sang der schöne Ritter,
Wo er oft zu Nacht gesungen.
Und das Fenster klirrte wieder,
Donna Clara schaut' herunter,
Aber furchtsam ihre Blicke
Schweiften durch das tau'ge Dunkel.
Uns statt Süßer Minnelieder,
Statt der Schmeichelworte Kunde
Hub sie an ein streng Beschwören:
"sag, wer bist Du, finstrer Buhle?
Sag, bei Dein' und meiner Liebe,
Sag, bei Deiner Seelenruhe,
Bist ein Christ Du, bist ein Spanier?
Stehst Du in der Kirche bunde?"
"Herrin, hoch hast Du beschworen,
Herrin, ja, Du sollst's erkunden,
Herrin, ach, ich bin kein Spanier,
Nicht in Deiner Kirche Bunde.
Herrin, bin ein Mohrenkönig,
Glüh'nd in Deiner Liebe Gluten,
Groß an Macht und reich an Schätzen,
Sonder gleich an tapferm Mut.
Rötlich blühn Granadas Gärten,
Golden stehn Alhambras Burgen,
Mohren harren ihrer Königin -
Fleuch mit mir durch's tau'ge Dunkel."
"Fort, Du falscher Seelenräuber,
Fort, Du Feind!" - Sie wollt' es rufen,
Doch bevor sie Feind gesprochen,
Losch das Wort ihr aus im Munde.
Ohnmacht hielt in dunkeln Netzen,
Ihren schönen Leib umschlungen.
Er alsbald trug sie zu Roße,
Rasch dann fort im mächt'gen Flug.
D 93
no.3 "Don Gayseros III"
Text by Friedrich Heinrich, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 93 no.3, first published 1894
An dem jungen Morgenhimmel
Steht die reine Sonne klar,
Aber Blut quillt auf der Wiese,
Und ein Roß, des Reiters baar,
Trabt verschüchtert in der Runde,
Starr steht eine reis'ge Schaar.
Mohrenkönig, bist erschlagen
Von dem tapfern Brüderpaar,
Das Dein kühnes Räuberwagnis
Nahm im grühnen Forste wahr!
Donna Clara kniet bei'm Leichnam
Aufgelöst ihr goldnes Haar,
Sonder Scheue nun bekennend,
Wie ihr lieb der Tote war,
Brüder bitten, Priester lehren,
Eins nur bleibt ihr offenbar.
Sonne geht, und Sterne kommen,
Auf und nieder schwebt der Aar,
Alles auf der Welt ist Wandel
Sie allein unwandelbar.
Endlich bau'n die und treuen Brüder
Dort Kapell' ihr und Altar,
Betend nun verrinnt ihr Leben,
Tag für Tag und Jahr für Jahr,
Bringt verhauchend sich als Opfer
Für des Liebsten Seele dar.
D 95
"Adelaide"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 95 (1814), published 1848
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 46 (1795/96)
Einsam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten,
Mild vom lieblichen Zauberlicht umflossen,
Das durch wankende Blütenzweige zittert,
Adelaide!
In der spiegelnden Flut, im Schnee der Alpen,
In des sinkenden Tages Goldgewölken,
Im Gefilde der Sterne strahlt dein Bildnis,
Adelaide!
Abendlüfte im zarten Laube flüstern,
Silberglöckchen des Mais im Grase säuseln,
Wellen rauschen und Nachtigallen flöten:
Adelaide!
Einst, o Wunder! entblüht auf meinem Grabe
Ein Blume der Asche meines Herzens;
Deutlich schimmert auf jedem Purpurblättchen:
Adelaide!
D 97
"Trost, an Elisa"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 97 (1814), published 1894
Lehnst du deine bleichgehärmte Wange
Immer noch an diesen Aschenkrug?
Weinend um den Toten, den schon lange
Zu der Seraphim Triumphgesange
Der Vollendung Flügel trug?
Siehst du Gottes Sternenschrift dort flimmern,
Die der bangen Schwermut Trost verheißt?
Heller wird der Glaube dir nun schimmern,
Daß hoch über seiner Hülle Trümmern
Walle des Geliebten Geist!
Wohl, o wohl dem liebenden Gefährten
Deiner Sehnsucht, er ist ewig dein!
Wiederseh'n, im Lande der Verklärten,
Wirst du, Dulderin, den Langentbehrten,
Und wie er unsterblich sein!
D 98
"Erinnerungen"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 98 (1814)
Am Seegestad, in lauen Vollmondsnächten,
Denk' ich nur dich!
Zu deines Namens goldnem Zug verflechten
Die Sterne sich.
Am Hüttchen dort bekränzt' ich dir, umflossen
Von Abendglut,
Mit Immergrün und jungen Blütensprossen,
Den Halmenhut.
Bei jedem Lichtwurm in den Felsenstücken,
Als ob die Feen
Da Tänze webten, riefst du voll Entzücken:
Wie schön, wie schön!
Wohin ich blick' und geh, erblick' ich immer
Den Wiesenplan,
Wo wir der Berge Schnee mit Purpurschimmer
Beleuchtet sah'n.
D 99
"Ich denke dein"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 99 (1814), published 1894
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827),
"Andenken" (Remembrance), WoO. 136
Ferdinand Ries (1784-1838), "Ich denke dein" (I think of you),
op. 7 no. 2, published 1810
Carl Maria von Weber (1786-1826),
"Ich denke dein!", op. 66 no. 3 (1806)
Hugo Wolf (1860-1903), "Andenken", 1876
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Andenken", from Kleine
Balladen und Lieder Heft III no. 18
Ich denke dein,
Wenn durch den Hain
Der Nachtigallen
Akkorde schallen!
Wann denkst du mein?
Ich denke dein
Im Dämmerschein
Der Abendhelle
Am Schattenquelle!
Wo denkst du mein?
Ich denke dein
Mit süßer Pein
Mit bangem Sehnen
Und heißen Tränen!
Wie denkst du mein?
O denke mein,
Bis zum Verein
Auf besserm Sterne!
In jeder Ferne
Denk ich nur dein!
D 100
"Geisternähe"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 100 (1814)
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft III no. 4
Der Dämm'rung Schein
Durchblinkt den Hain;
Hier, beim Geräusch des Wasserfalles,
Denk' ich nur dich, o du mein Alles!
Dein Zauberbild
Erscheint, so mild
Wie Hesperus im Abendgolde,
Dem fernen Freund, geliebte Holde!
Er sehnt wie hier
Sich stets nach dir;
Fest, wie den Stamm die Efeuranke
Umschlingt dich liebend sein Gedanke.
Durchbebt dich auch
Im Abendhauch
Des Brudergeistes leises Weh'n
Mit Vorgefühl von Wiederseh'n?
Er ist's, der lind
Dir, süßes Kind,
Des Scleiers Silbernebel kräuselt,
Und in der Locken Fülle säuselt.
Oft hörst du ihn,
Wie Melodien
Der Wehmut aus gedämpften Saiten
In stiller Nacht vorübergleiten.
Auch fesselfrei
Wird er getreu,
Dir ganz und einzig hingegeben,
In allen Welten dich umschweben.
D 101
"Erinnerung"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 101 (April 1814), first published in 1894
Kein Rosenschimmer leuchtet dem Tag zur Ruh!
Der Abendnebel schwillt am Gestad empor,
Wo durch verdorrte Felsengräber
Sterbender Lüfte Gesäusel wandelt.
Nicht schwermutsvoller bebte des Herbstes Weh'n
Durch's tote Gras am sinkenden Rasenmahl,
Wo meines Jugendlieblings Asche
Unter den trauernden Weiden schlummert.
Ihm Tränen opfern werd' ich beim Blätterfall,
Ihm, wenn das Mailaub wieder den Hain umrauscht,
Bis mir, vom schönern Stern, die Erde
Freundlich im Reigen der Welten schimmert.
D 102
"Die Betende"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 102 (September? 1814), first published in 1840
See also:
Ferdinand Ries (1784-1838), op. 36 no.
4, published 1811
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
Laura betet! Engelharfen hallen
Frieden Gottes in ihr krankes Herz,
Und, wie Abels Opferdüfte, wallen
Ihre Seufzer himmelwärts.
Wie sie kniet, in Andacht hingegossen,
Schön, wie Raphael die Unschuld malt;
Vom Verklärungsglanze schon umflossen,
Der um Himmelswohner strahlt.
O sie fühlt, im leisen, linden Wehen,
Froh des Hocherhabnen Gegenwart,
Sieht im Geiste schon die Palmenhöhen,
Wo der Lichtkrank ihrer harrt!
So von Andacht, so von Gottvertrauen
Ihre engelreine Brust geschwellt,
Betend diese Heilige zu schauen,
Ist ein Blick in jene Welt.
D 104
"Die Befreier Europa's in Paris"
Text by Johann Christian Mikan (1769-1844)
Music by Franz Schubert, D. 104 (1814)
Sie sind in Paris!
Die Helden! Europa's Befreier!
Der Vater von Östreich, der Herrscher der Reußen,
Der Wiedererwecker der tapferen Preußen.
Das Glück Ihrer Völker - es war ihnen teuer.
Sie sind in Paris!
Nun ist uns der Friede gewiß!
D 107
"Lied aus der Ferne"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 107 (July 1814), first published 1894
See also:
Mauro Giuseppe Sergio Pantaleo Giuliani
(1781-1829), op. 89 no. 2, published 1817
Ferdinand Ries (1784-1838), op. 35 no. 6, published 1811
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
[Wenn] in des Abends letztem Scheine
Dir eine [lächelnde] Gestalt
Am Rasensitz im Eichenhaine
Mit Wink und Gruß vorüberwallt:
Das ist des Freundes teurer Geist,
Der Freund' und Frieden dir verheißt.
Wenn in des Mondes Dämmerlichte
Sich deiner Liebe Traum verschönt,
Durch Cytisus und Weymuthsfichte
Melodisches Gesäusel tönt,
Und Ahndung dir den Busen hebt:
Das ist mein Geist, der dich umschwebt.
Fühlst du, beim seligen Verlieren
in des Vergangnen Zauberland,
Ein lindes, geistiges Berühren,
Wie Zephyrs Kuß an Lipp' und Hand,
Und wankt der Kerze flatternd Licht;
Das ist mein Geist, o zweifle nicht!
Hörst du, beim Silberglanz der Sterne,
Leis' im verschwiegnen Kämmerlein,
Gleich Aeolsharfen aus der Ferne,
Das Bundeswort: Auf ewig dein!
Dann schlummre sanft; es ist mein Geist,
Der Freund' und Frieden dir verheißt.
D 108
"Der Abend"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 108 (1814)
Purpur malt die Tannenhügel
Nach der Sonne Scheideblick,
Lieblich strahlt des Baches Spiegel
Hespers Fackelglanz zurück.
Tönst du einst im Abendhauche,
Grillchen, auf mein frühes Grab
Aus der Freundschaft Rosenstrauche
Deinen Klaggesang herab:
Wird noch stets mein Geist dir lauschen,
Horchend, wie er jetzt dir lauscht,
Durch des Hügels Blumenrauschen,
Wie dies Sommerlüftchen rauscht.
D 109
"Lied der Liebe"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 109 (July 1814), first published in 1894
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft IV no. 23 (with another form of the poetm)
Durch Fichten am Hügel, durch Erlen am Bach,
Folgt immer dein Bildnis, du Traute! mir nach.
Es lächelt bald Liebe, es lächelt bald Ruh',
Im freundlichen Schimmer des Mondes mir zu.
Mir hallt aus den Tiefen, mir hallt von den Höh'n
Dein himmlischer Name wie Sphärengetön.
Ich wähne den Hauch, der die Blüten umwebt,
Von deiner melodischen Stimme durchbebt.
Oft hab' ih, im Traume, die schönste der Feen,
Auf goldenem Throne dich strahlen gesehn;
Oft hab' ich, zum hohen Olympus entzückt,
Als Hebe dich unter den Göttern erblickt.
Mit hallt aus den Tiefen, mir hallt von den Höhn,
Dein himmlischer Name wie Sphärengetön.
Ich wähne den Hauch, der die Blüten umwebt,
Von deiner melodischen Stimme durchbebt.
In heiliger Mitternachtsstunde durchkreist
Des Äthers Gefilde mein ahnender Geist.
Geliebte! dort winkt uns ein Land, wo der Freund
Auf ewig der Freundin sich wiedervereint.
Die Freude sie schwindet, es dauert kein Leid;
Die Jahre verrauschen im Strome der Zeit;
Die Sonne wird sterben, die Erde vergeh'n:
Doch Liebe muß ewig und ewig besteh'n.
D 111
"Der Taucher"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 77; D. 111 (September
1813-end 1814), first published 1831
"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen goldnen Becher werf' ich hinab.
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund,
Wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er ist sein eigen."
Der König spricht es und wirft von der Höh'
Der Klippe, die schroff und steil
Hinaushängt in die unendliche See,
Den Becher in der Charybde Geheul,
"Wer ist der Beherzte, ich frage wieder,
Zu tauchen in diese Tiefe nieder?"
Und die Ritter, die Knappen um ihr her
Vernehmen's und schweigen still.
Sehen hinab in das wilde Meer,
Und keiner den Becher gewinnen will,
Und der König zum drittenmal wieder fraget;
"Ist keiner, der sich hinunter waget?"
Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor,
Und ein Edelknecht, sanft und keck,
Tritt aus der Knappen zagendem Chor,
Und den Gürtel wirft er, den Mantel weg,
Und alle die Männer umher und Frauen
Auf den herrlichen Jüngling verwundert schauen.
Und wie er tritt an des Felsen Hang
Und blickt in den Schlund hinab
Die Wasser, die sie hinunterschlang,
Die Charybde jetzt brüllend wiedergab
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzen sie schäumend dem finstern Schoße.
Und es wallet un siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt
Und Flut auf Flut sich ohn'Ende drängt,
Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,
Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.
Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt,
Und schwarz aus dem weißen Schaum
Klaff hinunter ein gähnender Spalt,
Grundlos, als ging's in den Höllenraum,
Und reißend sieht man die brandenden Wogen
Hinab in den strudelnden Trichter gezogen.
Jetzt schnell, eh'die Brandung wiederkehrt,
Der Jüngling sich Gott befiehlt,
Und - ein Schrei des Entsetzens wird rings gehört,
Und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült,
Und geheimnisvoll über dem kühnen Schwimmer
Schließt sich der Rachen, er zeigt sich nimmer.
Und stille wird's über dem Wasserschlund,
In der Tiefe nur brausset es hohl,
Und bebend hört man von Mund zu Mund;
"Hochherziger Jüngling, fahre wohl!"
Und hohler und hohler hört man's heulen,
Und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem Weilen.
Und wärfst du die Krone selber hinein
Und sprächst; wer mir bringet die Kron',
Er soll sie tragen und König sein -
Mich gelüstete nicht nach dem teuren Lohn.
Was die heulende Tiefe da unten verhehle,
Das erzählt keine lebende glückliche Seele.
Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefaßt,
Schoß gäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen, sich Kiel und Mast
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab -
Und heller und heller, wie Sturmes Sausen,
Hört man's näher und immer näher brausen.
Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well' auf Well' sich ohn'Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstren Schoße.
Und sieh! aus dem finster flutenden Schoß
Da hebet sich's schwanenweiß,
Und ein Arm und ein glänzender Nacken wird bloß,
Und es rudert mit Kraft und mit emsigem Fleiß,
Uns er ist's, und hoch in seiner Linken
Schwingt er den Becher mit freudigem Winken.
Und atmete lang' und atmete tief
Und begrüßte das himmlische Licht.
Mit Frohlocken es einer dem andern rief;
"Er lebt! Er ist da! Es behielt ihn nicht!
Aus dem Grab, aus der strudelnden Wasserhöhle
Hat der Brave gerettet die lebende Seele."
Und der kommt, es umringt ihn die jubelnde Schar,
Zu des Königs Füßen er sinkt,
Den Becher reicht er ihm knieend dar,
Und der König der lieblichen Tochter winkt,
Die füllt ihn mit funkelndem Wein bis zum Rande,
Und der Jüngling sich als zum König wandte:
"Lange lebe der König! Es freue sich,
Wer da atmetim rosigen Licht!
Da unten aber ist's fürchterlich,
Und der Mensch versuche die Götte nicht
und begehre nimmer und nimmer zu schauen,
Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.
Es riß mich hinunter blitzesschnell -
Da stürzt' mir aus felsigem Schacht
Entegen ein reißender Quell:
Mich packte des Dopplestroms wütende Macht,
Und wie einen Kreisel mit schwindelndem Drehen
Trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehen.
Da ziegt mir Gott, zu dem ich rief
In der höchsten schrecklichen Not,
Aus der Tiefe ragend ein Felsenriff,
Das erfaßt' ich behend und entrann dem Tod -
Und da hing auch der Becher an spitzen Korallen,
Sonst wär'er ins Bodenlose gefallen.
Denn unter mir lag's noch, bergetief,
In purpurner Finsternis da,
Und ob's hier dem Ohre gleich ewig schlief,
Das Auge mit Schaudern hinuntersah,
Wie's von Salamandern und Molchen, Drachen
Sich regte in dem furchtbaren Höllenrachen.
Schwarz wimmelten da, in grausem Gemisch,
Zu scheußlichen Klumpen geballt,
Der stachlichte Roche, der Klippenfisch,
Des Hammers greuliche Ungestalt,
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne
Der entsetzliche Hai, des Meeres Hyäne.
Und da hing ich und war's mir mit Grausen bewußt
Von der menschlichen Hilfe so weit,
Unter Larven die einzige fühlende Brust,
Allein in der gräßlichen Einsamkeit,
Tief unter dem Schall der menschlichen Rede
Bei den Ungeheuern der traurigen Öde.
Und schaudernd dacht'ich's, da kroch's heran,
Regte hundert Gelenke zugleich,
Will schnappen nach mir - in des Schreckens Wahn
Laß' ich los der Koralle umklammerten Zweig:
Gleich faßt mich der Strudel mit rasendem Toben,
Doch es war mir zum Heil, er riß mich nach oben."
Der König darob sich verwundert schier
Und spricht: 'Der Becher ist dein,
Und diesen Ring noch bestimm'ich dir,
Geschmückt mit dem köstlichsten Edelgestein,
Versuchst du's noch einmal und bringst mir Kunde,
Was du sahst auf des Meers tiefunterstem Grunde."
Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht;
"Laßt, Vater, genug sein das grausame Spiel!
Er hat Euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt ihr des Herzens Gelüsten nicht zähme!
So mögen die Ritter den Knappen beschämen."
Drauf der König greift nach dem Becher schnell,
In den Strudel ihn schleudert hinein;
"Und schaffst du den Becher mir wieder zur Stell',
So sollst du der trefflichste Ritter mir sein
Und sollst sie als Ehgemahl heut'noch umarmen,
Die jetzt für dich bittet mit zarten Erbarmen."
Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn,
Und es siehet erröten die schöne Gestalt
Und sieht sie erbleichen und sinken hin -
Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben,
Und stürtz hinunter auf Leben und Sterben.
Wohl hört man die Brandung, wohl kehrt sie zurück,
Sie verkündigt der donnernde Schall -
Da bückt sich's hinunter mit liebendem Blick;
Es kommen, es kommen die Wasser all,
Sie rauschen herauf, sie rauschen nieder,
Doch den Jüngling bringt keines wieder.
D 113 c "An
Emma"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 113c (1814), published 1821 as op. 58 no. 2
See also:
Niklas von Krufft (1779-1818)
Weit in nebelgrauer Ferne
Liegt mir das vergangne Glück,
Nur an einem schönen Sterne
Weilt mit Liebe noch der Blick.
Aber, wie des Sternes Pracht,
Ist es nur ein Schein der Nacht.
Deckte dir der lange Schlummer,
Dir der Tod die Augen zu,
Dich besäße doch mein Kummer,
Meinem Herzen lebtest du.
Aber ach! du lebst im Licht,
Meiner Liebe lebst du nicht.
Kann der Liebe süß Verlangen,
Emma, kann's vergänglich sein?
Was dahin ist und vergangen,
Emma, kann's die Liebe sein?
Ihrer Flamme Himmelsglut,
Stirbt sie wie ein irdisch Gut?
D 114
"Romanze"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 114 (1814)
Ein Fräulein klagt' im finstern Turm,
Am Seegestad erbaut.
Es rauscht' und heulte Wog und Sturm
In ihres Jammers Laut.
Rosalie von Montanvert
Hieß manchem Troubadour
Und einem ganzen Ritterheer
Die Krone der Natur.
Doch ehe noch ihr Herz die Macht
Der süßen Minn' empfand,
Erlag der Vater in der Schlacht
Am Sarazenenstrand.
Der Ohm, ein Ritter Manfry, ward
Zum Schirmvogt ihr bestellt;
Dem lacht' ins Herz, wie Felsen hart,
Des Fräuleins Gut und Geld.
Bald überall im Lande ging
Die Trauerkund' umher:
"Des Todes kalte Nacht umfing
Die Rose Montanvert."
Ein schwarzes Totenfähnlein wallt'
Hoch auf des Fräuleins Burg;
Die dumpfe Leichenglocke schallt
Drei Tag' und Nächt' hindurch.
Auf ewig hin, auf ewig tot,
O Rose Montanvert!
Nun milderst du der Witwe Not,
Der Waise Schmerz nicht mehr!
So klagt einmütig alt und jung,
Den Blick von Träumen schwer,
Vom Frührot bis zur Dämmerung,
Die Rose Montanvert.
Der Ohm in einem Turm sie barg,
Erfüllt mit Moderduft!
Drauf senkte man den leeren Sarg
Wohl in der Väter Gruft.
Das Fräulein horchte still und bang
Der Priester Litanei'n,
Trüb in des Kerkers Gitter drang
Der Fackeln roter Schein.
Sie ahnte schaudernd ihr Geschick;
Ihr ward so dumpf, ihr ward so schwer,
In Todesnacht erstarb ihr Blick;
Sie sank und war nicht mehr.
Des Turms Ruinen an der See
Sind heute noch zu schaun;
Den Wandrer faßt in ihrer Näh'
Ein wundersames Graun.
Auch mancher Hirt verkündet euch,
Daß er bei Nacht allda
Oft, einer Silberwolke gleich,
Das Fräulein schweben sah.
D 115
"An Laura, als sie Klopstocks Auferstehungslied sang"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 115 (October 2-7, 1814), first published in 1840
Herzen, die den Himmel sich erheben,
Tränen, die dem Auge still entbeben,
Seufzer, die den Lippen leis' entfliehn,
Wangen, die mit Andachtsglut sich malen,
Trunk'ne Blicke, die Entzückung strahlen,
Danken dir, o Heilverkünderin!
Laura! Laura! Horchend diesen Tönen,
Müssen Engelseelen sich verschönen,
Heilige den Himmel offen sehn,
Schwermutsvolle Zweifler sanfter klagen,
Kalte Frevler an die Brust sich schlagen,
Und wie Seraph Abbadona flehn!
Mit den Tönen des Triumphsgesanges
Trank ich Vorgefühl des Überganges
Von der Grabnacht zum Verklärungsglanz!
Als vernähm' ich Engelmelodien,
Wähnt' ich dir, o Erde, zu entfliehen,
Sah schon unter mir der Sterne Tanz!
Schon umatmete mich des Himmels Milde,
Schon begrüßt ich jauchzend die Gefilde,
Wo des Lebens Strom durch Palmen fleußt;
Glänzend von der nähern Gottheit Strahle,
Wandelte durch Paradiesestale
Wonneschauernd mein entschwebter Geist!
D 116
"Der Geistertanz"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 15 (c1812); D. 15a (c1812);
D. 116 (October 14, 1814), first published in 1840; D. 494
Die bretterne Kammer
Der Toten erbebt,
Wenn zwölfmal den Hammer
Die Mitternacht hebt.
Rasch tanzen um Gräber
Und morsches Gebein
Wir luftigen Schweber
Den sausenden Reih'n.
Was winseln die Hunde
Beim schlafenden Herrn?
Sie wittern die Runde
Der Geister von fern.
Die Raben entflattern
Der wüsten Abtei,
Und flieh'n an den Gattern
Des Kirchhofs vorbei.
Wir gaukeln und scherzen
Hinab und empor
Gleich irrenden Kerzen
Im dunstigen Moor.
O Herz, dessen Zauber
Zur Marter uns ward,
Du ruhst nun in tauber
Verdumpfung erstarrt;
Tief bargst du im düstern
Gemach unser Weh;
Wir Glücklichen flüstern
Dir fröhlich: Ade!
D 117
"Das Mädchen aus der Fremde"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 117 (1814), published 1895;
D. 252 (1815), published 1887
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814),
1778
In einem Tal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Doch schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.
Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur;
Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus,
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste,
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.
D 118
"Meine Ruh' ist hin"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Faust
Music by Franz Schubert, "Gretchen am
Spinnrad(e)", D. 118 (1814), published 1821 as op. 2
See also:
(Karl) Friedrich Curschmann
(1805-1841), "Meine Ruh ist hin", op. 11 no. 5 (1836)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
"Meine Ruh ist hin", op. 9, iii, 2 (1822)
Ludwig Spohr (1784-1859),
"Gretchen", op. 25 no. 3 (1809)
Richard Wagner (1813-1883),
"Meine Ruh ist hin", op. 5 (1831-1832), from Sieben Kompositionen zu Goethes
Faust, no. 5
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Margarethe"
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
Wo ich ihn nicht hab
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.
Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.
Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.
Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seine Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,
Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach, sein Kuß!
Mein Busen drängt sich
Nach ihm hin.
[Ach] dürft ich fassen
Und halten ihn,
Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!
D 119
"Nachtgesang"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 119 (1814), published in 1850 as op. 47
See also:
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17
no. 3 Walter von Goethe (1817-1885), first three stanzas
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
op. 79 no. 2 (1836)
Wilhelm Petersen (1890-1957), op. 40 no. 4, published 1941
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1804
O gib, vom weichen Pfühle,
Träumend, ein halb Gehör!
Bei meinem Saitenspiele
Schlafe! was willst du mehr?
Bei meinem Saitenspiele
Segnet der Sterne Heer
Die ewigen Gefühle;
Schlafe! was willst du mehr?
Die ewigen Gefühle
Heben mich, hoch und hehr,
Aus irdischem Gewühle;
Schlafe! was willst du mehr?
Vom irdischen Gewühle
Trennst du mich nur zu sehr,
Bannst mich in deine Kühle;
Schlafe! was willst du mehr?
Bannst mich in diese Kühle,
Gibst nur im Traum Gehör.
Ach, auf dem weichen Pfühle
Schlafe! was willst du mehr?
D 120
"Trost in Tränen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 120 (November 30. 1814), first published in 1835
See also:
Ludwig Berger (1777-1839), op. 33 no.
2
Johannes Brahms (1833-1897),
op. 48 no. 5 (1858)
Peter Cornelius (1824-1874), op. 14 (1872)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
op. 80, ii, 2 (1836)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1805-6
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 5 (1815?), from
Gedichte von Goethe, I, 5
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1803
Wie kommst, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dirs an den Augen an,
Gewiß, du hast geweint.
"Und hab ich einsam auch geweint,
So ists mein eigner Schmerz,
Und Tränen fliessen gar so süß,
Erleichtern mir das Herz."
Die frohen Freunde laden dich,
O komm an unsre Brust!
Und was du auch verloren hast,
Vertraue den Verlust.
"Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht,
Was mich, den Armen, quält.
Ach nein, verloren hab ichs nicht,
So sehr es mir auch fehlt."
So raffe dich denn eilig auf,
Du bist ein junges Blut.
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Mut.
"Ach nein, erwerben kann ichs nicht,
Es steht mir gar zu fern.
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,
Wie droben jener Stern."
Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.
"Und mit Entzücken blick ich auf,
So manchen lieben Tag;
Verweinen laßt die Nächte mich,
Solang ich weinen mag.
D 121
"Da droben auf jenem Berge"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Schäfers
Klagelied", D. 121 (November 30, 1814), first published in 1821 as op 3 no 1; D. 121b
in E (November 30, 1814), first published in 1894
See also:
Moriz von Dietrichstein (1775-1864),
"Schäfers Klagelied"
Wilhelm Ehlers (1774-1845), "Schäfers-Klage" (1801)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Schäfers Klagelied",
published 1809
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Schäfers
Klagelied" (1815?), from Gedichte von Goethe, IV:1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Schäfers Klagelied", 1802
Da droben auf jenem Berge,
Da steh ich tausendmal,
An meinem Stabe [hingebogen]
Und schaue hinab in das Tal.
Dann folg ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin herunter gekommen
Und weiss doch selber nicht wie.
Da stehet von schönen Blumen
Die ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen,
Wem ich sie geben soll.
Und Regen, Sturm und Gewitter
[Verpass] ich unter dem Baum,
Die Türe dort bleibet verschlossen;
Doch alles ist leider ein Traum.
Es stehet ein Regenbogen
Wohl über jenem Haus!
Sie aber ist [fortgezogen],
Und weit in das Land hinaus.
Hinaus in das Land und weiter,
Vielleicht gar über die See,
Vorüber, ihr Schafe, nur vorüber!
Dem Schäfer ist gar so weh.
D 121 b
"Da droben auf jenem Berge"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Schäfers
Klagelied", D. 121 (November 30, 1814), first published in 1821 as op 3 no 1; D. 121b
in E (November 30, 1814), first published in 1894
See also:
Moriz von Dietrichstein (1775-1864),
"Schäfers Klagelied"
Wilhelm Ehlers (1774-1845), "Schäfers-Klage" (1801)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Schäfers Klagelied",
published 1809
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Schäfers
Klagelied" (1815?), from Gedichte von Goethe, IV:1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Schäfers Klagelied", 1802
Da droben auf jenem Berge,
Da steh ich tausendmal,
An meinem Stabe [hingebogen]
Und schaue hinab in das Tal.
Dann folg ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin herunter gekommen
Und weiss doch selber nicht wie.
Da stehet von schönen Blumen
Die ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen,
Wem ich sie geben soll.
Und Regen, Sturm und Gewitter
[Verpass] ich unter dem Baum,
Die Türe dort bleibet verschlossen;
Doch alles ist leider ein Traum.
Es stehet ein Regenbogen
Wohl über jenem Haus!
Sie aber ist [fortgezogen],
Und weit in das Land hinaus.
Hinaus in das Land und weiter,
Vielleicht gar über die See,
Vorüber, ihr Schafe, nur vorüber!
Dem Schäfer ist gar so weh.
D 122
"Ammenlied"
Text by Michael Lubi (1757-1807)
Music by Franz Schubert, D. 122 (1814)
Am hohen, hohen Turm,
Da weht ein kalter Sturm:
Geduld! die Glöcklein läuten,
Die Sonne blinkt von weiten.
Am hohen, hohen Turm,
Da weht ein kalter Sturm.
Im tiefen, tiefen Tal,
Da rauscht ein Wasserfall:
Geduld! ein bißchen weiter,
Dann rinnt das Bächlein heiter.
Im tiefen, tiefen Tal,
Da rauscht ein Wasserfall.
Am kahlen, kahlen Baum,
Deckt sich ein Täubchen kaum,
Geduld! bald blühn die Auen,
Dann wird's sein Nestchen bauen.
Am kahlen, kahlen Baum,
Deckt sich ein Täubchen kaum.
Dich friert, mein Töchterlein!
Kein Freud sagt: komm herein!
Laß unser Stündchen schlagen,
Dann werden's Englein sagen.
Das beste Stübchen gibt
Gott jenem, den er liebt.
D 123
"Sehnsucht"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 123 (1814), published 1842
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 83 no. 2
(1810)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1839
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1805
Hugo Wolf (1860-1903), op. 3
no. 2 (1875) |