Lieder complete index
Lieder - index 2:
D 129 "Mailied"
D 134 "Ballade"
D 138 "Rastlose Liebe"
D 140 "Klage um Ali Bey"
D 141 "Der Mondabend"
D 142 d "Geistesgruß"
D 143 "Genügsamkeit"
D 144 "Romanze"
D 148 "Trinklied"
D 149 a "Was hör' ich draußen vor dem Tor"
D 150 "Loda's Gespenst"
D 151 "Auf einen Kirchhof"
D 152 "Minona oder die Kunde der Dogge"
D 153 "Als ich sie erröten sah"
D 155 "Das Bild"
D 159 "Die Erwartung"
D 160 "Am Fluße"
D 161 b "An Mignon"
D 162 "Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer"
D 163 "Sängers Morgenlied"
D 165 "Sängers Morgenlied"
D 166 "Amphiaraos"
D 170 "Schwertlied"
D 172 "Der Morgenstern"
D 171 "Gebet während der Schlacht"
D 174 "Das war ich"
D 176 "Die Sterne"
D 177 "Vergebliche Liebe"
D 179 "Liebesrausch"
D 180 "Sehnsucht der Liebe"
D 182 "Die erste Liebe"
D 183 "Trinklied"
D 186 "Die Sterbende"
D 187 "Stimme der Liebe"
D 188 "Naturgenuß"
D 189 "An die Freude"
D 190 "Gott, höre meine Stimme"
D 191 "Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
D 192 "Der Jüngling am Bache"
D 193 "An den Mond"
D 194 "Die Mainacht"
D 195 "Amalia"
D 196 "An die Nachtigall"
D 197 "An die Apfelbäume, wo ich Julien erblickte"
D 198 "Seufzer"
D 199 "Mailied"
D 201 "Auf den Tod einer Nachtigall"
D 202 "Mailied"
D 206 "Liebeständelei"
D 207 "Der Liebende"
D 208 "Die Nonne"
D 209 "Der Liedler"
D 210 "Freudvoll und leidvoll"
D 211 "Adelwold und Emma"
D 212 "Die Nonne"
D 213 "Der Traum"
D 214 "Nimmer werd' ich, nimmer dein vergessen"
D 215 "Im Felde/Walde schleich ich, still und wild"
D 215 a "Tiefe Stille herrscht im Wasser"
D 216 "Tiefe Stille herrscht im Wasser"
D 217 "Kolmas Klage"
D 218 "Grablied"
D 219 "Das Finden"
D 221 "Der Abend"
D 222 "Lieb Minna"
D 129 "Mailied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 129, D. 199, D. 202, D. 503
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Grüner wird die Au,
Und der Himmel blau;
Schwalben kehren wieder
Und die Erstlingslieder
Kleiner Vögelein
Zwitschern durch den Hain.
Aus dem Blütenstrauch
Weht der Liebe Hauch:
Seit der Lenz erschienen,
Waltet sie im Grünen
Malt die Blumen bun,
Rot des Mädchens Mund.
Brüder, küsset ihn!
Den die Jahre fliehn!
Einen Kuß in Ehren
Kann euch Niemand wehren!
Kußt ihn, Brüder, küßt,
Weil er küßch ist!
Seht, der Tauber girrt,
Seht, der Tauber schwirrt
Um sein liebes TTaubchen!
Nehmt euch auch ein Weibchen,
Wie der Tauber tut,
Und seid wohlgemut!
D 134
"Ballade"
Text by Joseph Kenner (1794-1868)
Music by Franz Schubert, D. 134 (late 1814 or early
1815), first published in 1830 as opus posth. 126
Ein Fräulein schaut vom hohen Turm
Das weite Meer so bang;
Zum trauerschweren Zitherschlag
Hallt düster ihr Gesang;
"Mich halten Schloß und Riegel fest,
Mein Retter weilt so lang."
Sei wohl getrost, du edle Maid!
Schau, hinterm Kreidenstein treibt
In der Buchtung Dunkelheit
Ein Kriegsboot herein:
Der Aarenbusch, der Rosenschild,
Das ist der Retter dein!
Schon ruft des Hunen Horn
Zum Streit hinab zum Muschelrain.
"Willkommen, schmucker Knabe, mir,
Bist du zu Stelle kommen?
Gar bald vom schwarzen Schilde dir
Hau' ich die goldnen Blumen.
Die achtzehn Blumen blutbetaut,
Les' deine königliche Braut
Auf aus dem Sand der Wogen,
Nur flink die Wehr gezogen!"
Zum Turm auf schallt das Schwertgeklirr!
Wie harrt die Braut so bang!
Der Kampf dröhnt laut durchs Waldrevier,
So heftig und so lang.
Und endlich, endlich deucht es ihr,
Erstirbt der Hiebe Klang.
Es kracht das Schloß, die Tür klafft auf,
Die ihren sieht sie wieder;
Sie eilt im atemlosen Lauf
Zum Muschelplane nieder.
Da liegt der Peiniger zerschellt,
Doch weh, dicht neben nieder,
Ach! decken's blutbespritzte Feld
Des Retters blasse Glieder.
Still sammelt sie die Rosen auf
In ihren keuschen Schoß
Und bettet ihren Lieben drauf;
Ein Tränchen stiehlt sich los
Und taut die breiten Wunden an
Und sagt: ich habe das getan!
Da fraß es einen Schandgesell
Des Raubes im Gemüt,
Daß die, die seinen Herrn verdarb,
Frei nach der Heimat zieht.
Vom Busch, wo er verkrochen lag
In wilder Todeslust,
Pfeift schnell sein Bolzen durch die Luft,
In ihre keusche Brust.
Da ward ihr wohl im Brautgemach,
Im Kiesgrund, still und klein;
Sie senkte sie dem Lieben nach,
Dort unter einem Stein,
Den ihr von Disteln überweht,
Noch nächst des Turmes Trümmern steht.
D 138
"Rastlose Liebe"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 138 (May 19, 1815), published in 1821 as op. 5 no. 1
See also:
Robert Franz (1815-1892), op. 33 no.
6, published 1864
(Joseph) Joachim Raff (1822-1882),
op. 98 no. 23 (1855-63), from Sanges-Frühling
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794 and in 1808
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 19a no. 5 (1912)
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
op. 33 no. 5 (1840)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 58 no. 1 (1815?), from
Gedichte von Goethe, VI:1
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 10 no. 5 (1933)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1812
Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
Im Dampf der Klüfte
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer zu!
Ohne Rast und Ruh!
Lieber durch Leiden
[Wollt] ich mich schlagen,
Als so viel Freuden
Des Lebens ertragen.
Alle das Neigen
Von Herzen zu Herzen,
Ach, wie so eigen
Schaffet das Schmerzen!
Wie soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
Krone des Lebens,
Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!
D 140
"Klage um Ali Bey"
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 140 (1815); D. 496a
(November 1816), first published in 1968
Laßt mich! laßt mich! ich will klagen,
Fröhlich sein nicht mehr!
Aboudahab hat geschlagen
Ali und sein Heer.
So ein muntrer kühner Krieger
Wird nicht wieder sein;
Uber alles ward er Sieger,
Haut' es kurz und klein.
Er verschmähte Wein und Weiber,
Ging nur Kriegesbahn,
Und war für die Zeitungsschreiber
Gar ein lieber Mann.
Jedermann in Syrus saget:
"Schade, daß er fiel!"
Und in ganz Agypten klaget
Mensch und Krokodil.
D 141 "Der
Mondabend"
Text by Ermin (Pen name of Johann Gottfried Kumpf , 1781-1862)
Music by Franz Schubert, D. 141 (1815), first published
in 1830 as op. posth. 131 no. 1
Rein und freundlich lacht der Himmel
Nieder auf die dunkle Erde,
Tausend goldne Augen blinken
Lieblich in die Brust der Menschen,
Und des Mondes lichte Scheibe
Segelt heiter durch die Bläue.
Auf den goldnen Strahlen zittern
Süßer Wehmut Silbertropfen,
Dringen sanft mit leisem Hauche
In das stille Herz voll Liebe,
Und befeuchten mir das Auge
Mit der Sehnsucht zartem Taue.
Funkelnd prangt der Stern des Abends
In den lichtbesä'ten Räumen,
Spielt mit seinem Dernantblitzen
Durch der Lichte Duftgewebe,
Und viel holde Engelsknaben
Streuen Lilien urn die Sterne.
Schön und hehr ist wohl der Himmel
In des Abends Wunderglanze,
Aber meines Lebens Sterne
Wohnen in dem kleinsten Kreise:
In das Auge meiner Silli
Sind sie alle hingezaubert.
D 142
d "Geistesgruß"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 142d, Third/Sixth versions
composed 1815/16, Third Version first published in 1985, Sixth Version first published in
1828 as op. 87 (later as op. 92 no. 3)
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 57 no. 2 (1815?), from
Gedichte von Goethe, V:2
Hugo Wolf (1860-1903), op. 13
no. 2 (1876)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
Hoch auf dem alten Turme steht
Des Helden edler Geist,
Der, wie das Schiff vorübergeht,
Es wohl zu [fahren] heißt.
"Sieh, diese Sehne war so stark,
Dies Herz so fest und wild,
Die Knochen voll von Rittermark,
Der Becher angefüllt;
Mein halbes Leben stürmt' ich fort,
Verdehnt' die Hälft' in Ruh,
Und du, du Menschenschifflein dort,
Fahr' immer, immer zu!"
D 143
"Genügsamkeit"
Text by Franz von Schober (1796-1882)
Music by Franz Schubert, D. 143 (1815), first published
in 1829 as op. posth. 109 no. 2
Dort raget ein Berg aus den Wolken her,
Ihn erreicht wohl mein eilender Schritt.
Doch ragen neue und immer mehr,
Fort, da mich der Drang noch durchglüht.
Es treibt ihn vom schwebenden Rosenlicht
Aus dem ruhigen, heitern Azur.
Und endlich waren's die Berge nicht,
Es war seine Sehnsucht nur.
Doch nun wird es ringsum öd' und flach,
Und doch kann er nimmer zurück.
O Götter, gebt mir ein Hüttendach
Im Tal und ein friedliches Glück.
D 144 "Romanze"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 144, fragment composed in
April 1816 (first three lines only), first published in 1897, completed by Reinhard van
Hoorickx
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft VI no. 15 (with a different form of text)
In der Väter Hallen ruhte
Ritter Rudolf's Heldenarm,
Rudolf's, den die Schlacht erfreute,
Rudolf's, welchen Frankreich scheute
Und der Sarazenen Schwarm.
Er, der Letzte seines Stammes,
Weinte seiner Söhne Fall;
Zwischen Moosbewach'snen Mauern
Tönte seiner Klage Trauern
In der Zellen Wiederhall.
D 148
"Trinklied"
Text by Ignaz Franz Castelli (1781-1862)
Music by Franz Schubert, D. 148 (February 1815), first
published in 1830 as opus 130 (later published as opus 131)
Brüder! unser Erdenwallen
Ist ein ew'ges Steigen, Fallen,
Bald hinauf, und bald hinab;
In dem drängenden Gewühle
Giebt's der Gruben gar so viele,
Und die letzte ist das Grab.
Darum, Brüder! schenket ein,
Muß es schon gesunken sein,
Sinken wir berauscht vom Wein.
D 149
a "Was hör' ich draußen vor dem Tor"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) from Wilhelm Meister
Music by Franz Schubert, "Der Sänger", D.
149a (1815), published 1829 as op. posth. 117
See also:
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Der
Sänger", op. 59 no. 2 (1836)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Der Sänger",
published 1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Ballade des Harfners", op. 98a no. 2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Der Sänger"
Hugo Wolf (1860-1903),
"Der Sänger", from Goethe-Lieder no. 10. (1888-9)
"Was hör' ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Laß den Gesang vor unserm Ohr
Im Saale widerhallen!
Der König sprach's, der Page lief,
Der Page kam, der König rief:
Laßt mir herein den Alten!"
"Gegrüßet seid mir, edle Herrn,
Gegrüßt ihr schönen Damen!
Welch' reicher Himmel! Stern bei Stern!
Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
Schließt, Augen, euch, hier ist nicht Zeit,
Sich staunend zu ergötzen."
Der Sänger drückt' die Augen ein
Und schlug in vollen Tönen:
Die Ritter schauten mutig drein,
Und in den Schoß die Schönen.
Der König, dem [das Lied] gefiel,
Ließ, ihn zu [lohnen] für sein Spiel,
Eine goldne Kette holen.
"Die goldne Kette gib mir nicht,
Die Kette gib den Rittern,
Vor deren kühnem Angesicht
Der Feinde Lanzen splittern.
Gib sie dem Kanzler, den du hast,
Und laß ihn noch die goldne Last
Zu andern Lasten tragen.
Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet;
Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:
Laß mir den besten Becher Weins
In purem Golde reichen."
Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:
"O Trank voll süßer Labe!
O, wohl dem hochbeglückten Haus,
Wo das ist kleine Gabe!
Ergeht's euch wohl, so denkt an mich
Und danket Gott so warm, als ich
Für diesen Trunk euch danke."
D 150
"Loda's Gespenst"
Text by Baron Edmund von Harold after James MacPherson ("Ossian") (1736-1796)
aus "Carric Thura"
Music by Franz Schubert, D. 150 (17 January 1816),
first published in 1830
Der bleiche, kalte Mond erhob sich im Osten.
Der Schlaf stieg auf die Jünglinge nieder,
Ihre blauen Helme schimmern zum Strahl,
Das sterbende Feuer vergeht.
Der Schlaf aber ruhte nicht auf dem König:
Er hob sich mitten in seinen Waffen,
Und stieg langsam den Hügel hinauf,
Die Flamme des Turms von Sarno zu sehn.
Die Flamme war düster unf fern;
Der Mond verbarg im Osten sein rotes Gesicht;
Es stieg ein Windstoß vom Hügel herab,
Auf seinen Schwingen war Loda's Gespenst,
Es kam zu seiner Heimat, umringt von seinen Schrecken,
Und schüttelt seinen düstern Speer.
In seinem dunkeln Gesicht glühn seine Augen wie Flammen,
Seine Stimme gleicht entferntem Donner.
Fingal stieß seinen Speer in die Nacht
Und hob seine mächtige Stimme:
Zieh dich zurück, du Nachtsohn,
Ruf deine Winde und fleuch!
Warum erscheinst du vor mir
Mit deinen schattigen Waffen?
Fürcht' ich deine düstre Bildung,
Du Geist des leidigen Loda?
Schwach ist dein Schild,
Kraftlos dein Luftbild und dein Schwert;
Der Windstoß rollt sie zusammen,
Und du selber bist verloren:
Fleuch von meinen Augen, du Nachtsohn!
Ruf deine Winde und fleuch!
Mit hohler Stimme versetzte der Geist:
Willst du aus meiner Heimat mich treiben?
Vor mir beugt sich das Volk;
Ich dreh' die Schlacht im Felde der Tapfern.
Auf Völker werf ich den Blick,
Und sie verschwinden.
Mein Odem verbreitet den Tod.
Auf dem Rücken der Winde schreit' ich voran,
Vor meinem Gesicht brausen Orkane.
Aber mein Sitz ist über den Wolken,
Angenehm die Gefilde meiner Ruh!
Bewohn' deine angenehmen Gefilde, sagte der König,
Denk nicht an Comhals Erzeugten!
Steigen meine Schritte aus meinen Hügeln
In deine friedliche Ebene hinauf?
Begegn' ich dir mit einem Speer
Auf deiner Wolke, du Geist des leidigen Loda?
Warum runzelst du denn deine Stirn auf mich?
Warum schuttelst du deinen luftigen Speer?
Du runzelst deine Stirn vergebens:
Nie floh ich vor den Mächtigen im Krieg.
Und soll'n die Söhne des Winds
Den König von Morven erschrecken?
Nein, nein, er kennt die Schwäche ihrer Waffen!
Fleuch zu deinem Land, versetzte die Bildung,
Laß die Winde und fleuch!
Ich halt' die Winde in der Höhle meiner Hand,
Ich bestimme den Lauf des Sturms.
Der König von Sora ist mein Sohn,
Er neigt sich vor dem Steine meiner Kraft.
Sein Heer umringt Carric-Thura,
Und er wird siegen!
Fleuch zu deinem Land, Erzeugter von Comhal,
Oder spüre meine Wut, meine flammende Wut!
Er hob seinen schattigen Speer in die Höhe,
Er neigte vorwärts seine schreckbare Länge.
Fingal ging ihm entgegen und zückte sein Schwert.
Der blitzende Pfad des Stahls durchdrang den düstern Geist.
Die Bildung zerfloß gestaltlos in Luft,
Wie eine Säule von Rauch,
Welche der Stab des Jünglings berührt,
Wie er aus der sterbenden Schmiede aufsteigt.
Laut schrie Loda's Gespenst, als es,
In sich selber gerollt, auf dem Winde sich hob.
Inistore bebt bei dem Klang,
Auf dem Abgrund hörten's die Wellen,
Sie standen vor Schrecken in der Mitte ihres Laufs.
Die Freunde von Fingal sprangen plötzlich empor,
Sie griffen ihre gewichtigen Speere,
Sie mißte den König:
Zornig fuhren sie auf,
All ihre Waffen erschollen!
Der Mond rückt im osten voran.
Fingal kehrt im Klang seiner Waffen zurück.
Groß war der Jünglinge Freude,
Ihre Seelen ruhig, wie das Meer nach dem Sturm.
Ullin hob den Freudengesang;
Die Hügel Inistores frohlockten.
Hoch stieg die Flamme der Eiche,
Heldengeschichten wurden erzählt.
D 151
"Auf einen Kirchhof"
Text by Franz Xaver Freiherr von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 151 (February 2, 1815), first published ca. 1850
Sei gegrüßt, geweihte Stille,
Die mir sanfte Trauer weckt,
Wo Natur die bunte Hülle
Freundlich über Gräber deckt.
Leicht von Wolkenduft getragen,
Senkt die Sonne ihren Lauf,
Aus der finstern Erde schlagen
Glühend rote Flammen auf!
Ach, auch ihr, erstarrte Brüder,
Habet sinkend ihn vollbracht;
Sankt ihr auch so herrlich nieder
In des Grabes Schauernacht?
Schlummert sanft, ihr kalten Herzen,
In der düstern langen Ruh',
Eure Wunden, eure Schmerzen
Decket mild die Erde zu!
Neu zerstören, neu erschaffen
Treibt das Rad der Weltenuhr,
Kräfte, die im Fels erschlaffen,
Blühen wieder auf der Flur!
Und auch du, geliebte Hülle,
Sinkest zuckend einst hinab,
Und erblühst in schönster Fülle
Neu, ein Blümchen auf dem Grab.
Wankst, ein Flämmchen durch die Grüfte,
Irrest flimmernd durch den Moor,
Schwingst, ein Strahl, dich in die Lüfte,
Klingest hell, ein Ton, empor!
Aber du, das in mir lebet,
Wirst auch du des Wurmes Raub?
Was entzückend mich erhebet,
Bist auch du nur eitel Staub?
Nein, was ich im Innern fühle,
Was entzückend mich erhebt,
Ist der Gottheit reine Hülle,
Ist ihr Hauch, der in mir lebt.
D 152
"Minona oder die Kunde der Dogge"
Text by Friedrich Anton Franz Bertrand (1787-1830)
Music by Franz Schubert, D. 152 (8 February 1815), first published in 1894
Wie treiben die Wolken so finster und schwer
Über die liebliche Leuchte daher!
Wie rasseln dir Tropfen auf fenster und Dach!
Wie treibet's da draußen so wütig und jach,
Als trieben sich Geister in Schlachten!
Und wunder! Wie plötzlich die Kämpfenden ruhn,
Als bannten jetzt Gräber ihr Treiben und Tun!
Und über die Haide, und über den Wald -
Wie weht es so öde, wie weht es so kalt!
So schaurig vom schimmernden Felsen!
O Edgar! wo schwirret dein Bogengeschoß?
Wo flattert dein Haarbusch? wo tummelt dein Roß?
Wo schnauben die schwärzlichen Doggen um dich?
Wo spähst du am Felsen Beute für mich?
Dein harret das liebende Mädchen!
Dein harret, O Jüngling! im jeglichen Laut,
Dein harret so schmachtend zie zagende Braut;
Es dünkt ihr zerrissen das lieblich Band,
Es dünkt ihr so blutig das Jägergewand -
Wohl minnen die Toten uns nimmer!
Noch hallet den moosigen Hügel entlang
Wie Harfengelispel ihr Minnegesang.
Was frommt es? Schon blicken die Sterne der Nacht
Hinunter zum Bette von Erde gemacht,
Wo eisern die Minnenden schlafen!
So klagt sie; und liese tappt's draußen umher,
Es winselt so innig, so schaudernd und schwer;
Es faßt sie Ensetzen, sie wanket zur Tür,
Bald schmiegt sich die schönste der Doggen vor ihr,
Der Liebling des harrenden Mädchens;
Nicht, wie sie noch gestern mit kosendem Drang,
Ein Bote des Lieben, zum Busen ihr sprang -
Kaum hebt sie vom Boden den trauernden Blick,
Schleicht nieder zum Pförtchen, und kehret zurück,
Die schreckliche Kunde zu deuten.
Minona folgt schweigend mit bleichem Gesicht,
Als ruft es die Arme vor's hohe Gericht -
Es leuchtet so düster der nächtliche Strahl -
Sie folgt ihr durch Moore, durch Haiden und Tal
Zum Fuße des schimmernden Felsen.
"Wo weilet, o schimmernder Felsen, der Tod?
Wo schlummert der Schläfer, vom Blute noch rot?"
Wohl war es zerrissen das liebliche Band,
Wohl hatt'ihm, geschleudert von tückischer Hand,
Ein Mordpfeil den Busen durchschnitten.
Und als sie nun nahet mit ängstlichem Schrei,
Gewahrt sie den Bogen des Vaters dabei.
"O Vater, o Vater, verzeih es dir Gott!
Wohl hast du mir heute mit frevelndem Spott
So schrecklich den Dräuschwur erfüllet!
Doch soll ich zermalmet von hinnen nun gehn?
Er schläft ja so lockend, so wonnig, so schön!
Geknüpft ist auf ewig das eherne Band;
Und Geister der Väter im Nebelgewand
Ergreifen die silbernen Harfen."
Und plötzlich entreißt sie mit sehnender Eil
Der Wunde des Lieben den tötenden Pfeil;
Und stößt ihn, ergriffen von innigem Weh,
Mit Hast in den Busen so blendend als Schnee,
Und sinkt am schimmernden Felsen.
D 153 "Als
ich sie erröten sah"
Text by Bernhard Ambros Ehrlich (1765? - 1827)
Music by Franz Schubert, D. 153 (1815)
All mein Wirken, all mein Leben
Strebt nach dir, Verehrte, hin!
Alle meine Sinne weben
Mir dein Bild, o Zauberin!
Du entflammest meinen Busen
Zu der Leier Harmonie,
Du begeisterst mehr als Musen
Und entzückest mehr als sie!
Ach, dein blaues Auge strahlet
Durch den Sturm der Seele mild,
Und dein süßes Lächeln malet
Rosig mir der Zukunft Bild.
Herrlich schmückt des Himmels Grenzen
Zwar Auroras Purpurlicht,
Aber lieblicheres Glänzen
Überdeckt dein Angesicht.
Wenn mit wonnetrunknen Blicken,
Ach, und unaussprechlich schön
Meine Augen voll Entzücken
Purpurn dich erröten sehn.
D 155
"Das Bild"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 155, composed February 11,
1815, published in 1852 as opus posth. 165 no. 3
Ein Mädchen ist's, das früh und spät
Mir vor der Seele schwebet,
Ein Mädchen, wie es steht und geht,
Aus Himmelsreiz gewebet.
Ich seh's, wenn in mein Fenster mild
Der junge Morgen blinket,
Ich seh's, wenn lieblich, wie das Bild,
Der Abendstern mir winket.
Mir folgt's, ein treuer Weggenoß',
Zur Ruh' und ins Getümmel,
Ich fänd' es in der Erde Schoß,
Ich fänd' es selbst im Himmel.
Es schwebt vor mir in Feld und Wald,
Prangt überm Blumenbeete,
Und glänzt in Seraphims Gestalt
Am Altar, wo ich bete.
Allein das Bild, das spät und früh
Mir vor der Seele schwebet,
Ist's nur Geschöpf der Phantasie,
Aus Luft und Traum gewebet?
O nein, so warm auch Liebe mir
Das Engelbildnis malet,
Ist's doch nur Schatten von der Zier,
Die an dem Mädchen strahlet.
D 159
"Die Erwartung"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 159 (May 1816), first published 1829
See also:
Niklas von Krufft (1779-1818),
published 1812
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft II
no. 4
Hör' ich das Pförtchen nicht gehen?
Hat nich der Riegel geklirrt?
Nein, es war des Windes Wehen,
Der durch die Pappeln schwirrt.
O schmücke dich, du grünbelaubtes Dach,
Du sollst die Anmutstrahlende empfangen!
Ihr Zweige, baut ein schattendes Gemach,
Mit holder Nacht sie heimlich zu umfangen,
Und all'ihr Schmeichellüfte, werdet wach
Und schertz und spielt um ihre Rosenwangen,
Wenn seine schöne Bürde, leich bewegt,
Der zarte Fuß zum Sitz der Liebe trägt.
Stille, was schlüpft durch die Hecken
Raschelnd mit eilendem Lauf?
Nein, es scheuchte nur der Schrecken
Aus dem Busch den Vogel auf.
O lösche deine Fackel, Tag!
Hervor, du geist'ge Nacht, mit deinem holden Schweigen!
[Breit' um uns her den purpurroten Flor,
Umspinne uns mit geheimnisvollen Zweigen!]
Der liebe Wonne flieht des Lauschers Ohr,
Sie flieht des Strahles unbescheid'nen Zeugen!
Nur Hesper, der Verschwiegene, allein
Darf still herblickend ihr Vertrauter sein.
Rief es von ferne nicht leise,
Flüsternden Stimmen gleich?
Nein, der Schwan ist's, der die Kreise
Zieht durch den Silberteich.
Mein Ohr umtönt ein Harmonienfluß,
Der Springquell fällt mit angenehmem Raüschen,
Die Blume neigt sich bei des Westes Kuß,
Und alle Wesen seh'ich Wonne tauschen,
Die Traube winkt, die Pfirische zum Genuß,
Die üppig schwellend hinter Blättern lauschen,
Die Luft, getaucht in der Gewürze Flut,
Trinkt von der heißen Wange mir die Glut.
Hör'ich nicht Tritte erschallen?
Rauscht's nicht den Laubgang daher?
Die Frucht ist dort gefallen,
Von der eig'nen Fülle schwer.
Des Tages Flammenauge selber bricht
In süßem Tod, und seine Farben blassen;
Kühn öffnen sich im holden Dämmerlicht
Die Kelche schon, die seine Gluten hassen,
Still hebt der Mond sein strahlend Angesicht,
Die Welt zerschmilzt in ruhig große Massen,
Der Gürtel ist von jedem Reiz gelöst,
Und alles Schöne zeigt sich mir entblößt.
Seh'ich nichts Weisses dort schimmern?
Glänzt's nicht wie seid'nes Gewand?
Nein, es ist der Säule Flimmern
An der dunkel Taxuswand.
O! Sehend Herz, ergötze dich nicht mehr,
Mit süßen Bildern wesenlos zu spielen,
Der Arm, die sie umfassen will, ist leer;
Kein Schattenglück kann diesen Busen kühlen,
O! führe mir die Liebende daher,
Laß ihre Hand, die zärtliche, mich fühlen,
Den Schatten nur von ihres Mantels Saum!
Und in das Leben tritt der hohle Traum.
Und leis', wie aus himmlischen Höhen
Die Stunde des Glückes erscheint,
So war sie genaht, ungesehen,
Und weckte mit Küßen den Freund.
D 160 "Am
Fluße"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D.160 (27 February 1815),
first published 1894; D.766 (December 1822), first published in 1872
See also:
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 22
no. 6, published 1834
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 55 no. 3 (1815?), from
Gedichte von Goethe III:3
Verfließet, vielgeliebte Lieder,
Zum Meere der Vergessenheit!
Kein Knabe sing' entzückt euch wieder,
Kein Mädchen in der Blütenzeit.
Ihr sanget nur von meiner Lieben;
Nun spricht sie meiner Treue Hohn.
Ihr wart ins Wasser eingeschrieben;
So fließt denn auch mit ihm davon.
D 161 b
"An Mignon"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D.161b (1815), second version
first published in 1825 as op. 19 no. 2
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1798
Louis Spohr (1784-1859), op.
41 no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1797
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft II
no. 10
Über Tal und Fluß getragen,
Zieht rein der Sonne Wagen.
Ach, sie regt in ihrem Lauf,
So wie deine, meine Schmerzen,
Tief im Herzen,
Immer morgens wieder auf.
Kaum will mir die Nacht noch frommen,
Denn die Träume selber kommen
Nun in trauriger Gestalt,
Und ich fühle dieser Schmerzen,
Still im Herzen
Heimlich bildende Gewalt.
Schon seit manchen schönen Jahren
Seh ich unten Schiffe fahren,
Jedes kommt an seinen Ort;
Aber ach, die steten Schmerzen,
Fest im Herzen,
Schwimmen nicht im Strome fort.
Schön in Kleidern muß ich kommen,
Aus dem Schrank sind sie genommen,
Weil es heute Festtag ist;
Niemand ahnet, daß von Schmerzen
Herz im Herzen
Grimmig mir zerrissen ist.
Heimlich muß ich immer weinen,
Aber freundlich kann ich scheinen
Und sogar gesund und rot;
Wären tödlich diese Schmerzen
Meinem Herzen,
Ach, schon lange wär ich tot.
D 162
"Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Nähe des
Geliebten", D. 162 (1815), published 1821 as op. 5 no 2
See also:
Amy Marcy Cheney Beach (1867-1944),
"Nähe des Geliebten", op. 35 no. 3
Leopold Damrosch (1832-1885), "Nähe des Geliebten", op. 17 no.
1
Stephen (István) Heller (1813-1888),
"Nähe des Geliebten" (1830-8?)
Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), "Nähe des Geliebten"
(1807?)
Paul Hindemith (1895-1963),
"Nähe des Geliebten" (1914)
Josephine Lang (1815-1880), "Nähe des Geliebten", op. 5 no. 1
Eduard Lassen (1830-1904), "Nähe des Geliebten", op. 62 no. 1
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
"Ich denke dein", op. 9 vol. III no. 1 (1817?)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Nähe des Geliebten"
(1795?)
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Ich denke dein", op. 78 no. 3 (1849)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Nähe des
Geliebten", op. 53 no. 2, from Gedichte von Goethe
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Nähe des Geliebten" (1808)
Winfried (Petrus Ignatius) Zillig (1905-1963), "Nähe des
Geliebten" (1941), from Zehn Lieder nach Gedichten von Goethe
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Hain da geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne.
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!
D 163
"Sängers Morgenlied"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 163 (27 February 1815),
first published in 1894; D. 165 (1 March 1815), first published in 1872
Süßes Licht! Aus goldnen Pforten
Brichst du siegend durch die Nacht.
Schöner Tag! Du bist erwacht.
Mit geheimnisvollen Worten,
In melodischen Akkorden
Grüß' ich deine Rosenpracht!
Ach! der Liebe sanftes Wehen
Schwellt mir das bewegte Herz,
Sanft, wie ein geliebter Schmerz.
Dürft' ich nur auf goldnen Höhen
Mich im Morgenduft ergehen!
Sehnsucht zieht mich himmelwärts.
Und der Seele kühnes Streben
Trägt im stolzen Riesenlauf
Durch die Wolken mich hinauf.
Doch mit sanftem Geisterbeben
Dringt das Lied ins inn're Leben,
Löst den Sturm melodisch auf.
Vor der Augen wird es helle;
Freundlich auf der zarten Spur
Weht der Einklang der Natur,
Und begeistert rauscht die Quelle,
Munter tanzt die flöcht'ge Welle
Durch des Morgens stille Flur.
Und von süßer Lust durchdrungen
Webt sich zarte Harmonie
Durch des Lebens Poesie.
Was die Seele tief durchklungen,
Was berauscht der Mund gesungen,
Glüht in hoher Melodie.
Des Gesanges muntern Söhnen
Weicht im Leben jeder Schmerz,
Und nur Liebe schwellt ihr Herz,
In des Liedes Heil'gen Tönen
Und im Morgenglanz des Schönen
Fliegt die Seele himmelwärts.
D 165
"Sängers Morgenlied"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 163 (27 February 1815),
first published in 1894; D. 165 (1 March 1815), first published in 1872
Süßes Licht! Aus goldnen Pforten
Brichst du siegend durch die Nacht.
Schöner Tag! Du bist erwacht.
Mit geheimnisvollen Worten,
In melodischen Akkorden
Grüß' ich deine Rosenpracht!
Ach! der Liebe sanftes Wehen
Schwellt mir das bewegte Herz,
Sanft, wie ein geliebter Schmerz.
Dürft' ich nur auf goldnen Höhen
Mich im Morgenduft ergehen!
Sehnsucht zieht mich himmelwärts.
Und der Seele kühnes Streben
Trägt im stolzen Riesenlauf
Durch die Wolken mich hinauf.
Doch mit sanftem Geisterbeben
Dringt das Lied ins inn're Leben,
Löst den Sturm melodisch auf.
Vor der Augen wird es helle;
Freundlich auf der zarten Spur
Weht der Einklang der Natur,
Und begeistert rauscht die Quelle,
Munter tanzt die flöcht'ge Welle
Durch des Morgens stille Flur.
Und von süßer Lust durchdrungen
Webt sich zarte Harmonie
Durch des Lebens Poesie.
Was die Seele tief durchklungen,
Was berauscht der Mund gesungen,
Glüht in hoher Melodie.
Des Gesanges muntern Söhnen
Weicht im Leben jeder Schmerz,
Und nur Liebe schwellt ihr Herz,
In des Liedes Heil'gen Tönen
Und im Morgenglanz des Schönen
Fliegt die Seele himmelwärts.
D 166
"Amphiaraos"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 166 (March 1, 1815), first published in 1894
Vor Thebens siebenfach gähnenden Toren
Lag im furchtbaren Brüderstreit
Das Heer der Fürsten zum Schlagen bereit,
Im heiligen Eide zum Morde verschworen.
Und mit des Panzers blendendem Licht
Gerüstet, als gält' es, die Welt zu bekriegen,
Träumen sie jauchzend von Kämpfen und Siegen,
Nur Amphiaraos, der Herrliche, nicht.
Denn er liest in dem ewigen Kreise der Sterne,
Wen die kommenden Stunden feindlich bedrohn.
Des Sonnenlenkers gewaltiger Sohn
Sieht klar in der Zukunft nebelnde Ferne.
Er kennt des Schicksals verderblichen Bund,
Er weiß, wie die Würfel, die eisernen, fallen,
Er sieht die Moira mit blutigen Krallen;
Doch die Helden verschmähen den heiligen Mund.
Er sah des Mordes gewaltsame Taten,
Er wußte, was ihm die Parze spann.
So ging er zum Kampf, ein verlor'ner Mann,
Von dem eig'nen Weibe schmählich verraten.
Er war sich der himmlischen Flamme bewußt,
Die heiß die kräftige Seele durchglühte;
Der Stolze nannte sich Apolloide,
Es schlug ihm ein göttliches Herz in der Brust.
"Wie? - ich, zu dem die Götter geredet,
Den der Wahrheit heilige Düfte umwehn,
Ich soll in gemeiner Schlacht vergehn,
Von Periklymenos' Hand getötet?
Verderben will ich durch eig'ne Macht,
Und staunend vernehm' es die kommende Stunde
Aus künftiger Sänger geheiligtem Munde,
Wie ich kühn mich gestürzt in die ewige Nacht."
Und als der blutige Kampf begonnen,
Und die Eb'ne vom Mordgeschrei widerhallt,
So ruft er verzweifelnd: "Es naht mit Gewalt,
Was mir die untrüglich die untrügliche Parze gesponnen.
Doch wogt in der Brust mir ein göttliches Blut,
Drum will ich auch wert das Erzeugers verderben."
Und wandte die Rosse auf Leben und Sterben,
Und jagt zu des Stromes hochbrausender Flut.
Wild schnauben die Hengste, laut rasselt der Wagen,
Das Stampfen der Hufe zermalmet die Bahn.
Und schneller und schneller noch rast es heran,
Als gält' es, die flüchtige Zeit zu erjagen.
Wie wenn er die Leuchte des Himmels geraubt,
Kommt er in Wirbeln der Windsbraut geflogen;
Erschrocken heben die Götter der Wogen
Aus schäumenden Fluten das schilfichte Haupt.
Doch plötzlich, als wenn der Himmel erglühte,
Stürzt ein Blitz aus der heitern Luft,
Und die Erde zerreißt sich zur furchtbaren Kluft;
Da rief laut jauchzend der Apolloide:
"Dank dir, Gewaltiger! fest steht mir der Bund.
Dein Blitz ist mir der Unsterblichkeit Siegel;
Ich folge dir, Zeus!" - und er faßte die Zügel
Und jagte die Rosse hinab in den Schlund.
D 170
"Schwertlied"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 170
See also:
Carl Maria von Weber (1786-1826), op. 42 no. 6 (1814),
from Leyer und Schwert, Heft II
Du Schwert an meiner Linken,
Was soll dein heitres Blinken?
Schaust mich so freundlich an.
Hab meine Freude dran.
Hurra!
"Mich trägt ein wackrer Reiter,
Drum blink ich auch so heiter,
Bin freien Mannes Wehr;
Das freut dem Schwerte sehr."
Hurra!
Ja, gutes Schwert, frei bin ich
Und liebe dich herzinnig,
Als wärst du mir getraut
Als eine liebe Braut.
Hurra!
"Dir hab ich's ja ergeben,
Mein lichtes Eisenleben.
Ach, wären wir getraut!
Wann holst du deine Braut?"
Hurra!
Zur Brautnachts-Morgenröte
Ruft festlich die Trompete;
Wenn die Kanonen schrein,
Hol ich das Liebchen ein.
Hurra!
"O seliges Umfangen!
Ich harre mit Verlangen.
Du Bräutgam, hole mich,
Mein Kränzchen bleibt für dich!"
Hurra!
Was klirrst du in der Scheide,
Du helle Eisenfreude,
So wild, so schlachtenfroh?
Mein Schwert, was klirrst du so?
Hurra!
"Wohl klirr ich in der Scheide,
Ich sehne mich zum Streite,
Recht wild und schlachtenfroh.
Drum, Reiter, klirr ich so."
Hurra!
Bleib doch im engen Stübchen!
Was willst du hier, mein Liebchen?
Bleib still im Kämmerlein,
Bleib, bald hol ich dich ein.
Hurra!
"Laß mich nicht lange warten!
O schöner Liebesgarten,
Voll Röslein blutigrot
Und aufgeblühtem Tod!"
Hurra!
So komm denn aus der Scheide,
Du Reiters Augenweide!
Heraus, mein Schwert, heraus!
Führ dich ins Vaterhaus.
Hurra!
"Ach, herrlich ist's im Freien,
Im rüstgen Hochzeitreihen!
Wie glänzt im Sonnenstrahl
So bräutlich hell der Stahl!"
Hurra!
Wohlauf, ihr kecken Streiter,
Wohlauf, ihr deutschen Reiter!
Wird euch das Herz nicht warm?
Nehmt's Liebchen in den Arm!
Hurra!
Erst tat es an der Linken
Nur ganz verstohlen blinken;
Doch an die Rechte traut
Gott sichtbarlich die Braut.
Hurra!
Drum drückt den liebeheissen,
Bräutlichen Mund von Eisen
An eure Lippen fest!
Fluch! wer die Braut verläßt!
Hurra!
Nun laßt das Liebchen singen,
Dass helle Funken springen!
Der Hochzeitmorgen graut. -
Hurra! du Eisenbraut!
Hurra!
D 171 "Gebet
während der Schlacht"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 171 (1815), published 1831
See also:
Carl Maria von Weber (1786-1826), op. 41 no. 1 (1814),
from Leyer und Schwert, Heft I
Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich raßelnde Blitze.
Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
Vater du, führe mich!
Vater du, führe mich!
Führ' mich zum Siege, führ' mich zum Tode:
O Herr, ich erkenne deine Gebote;
Herr, wie du willst, so führe mich.
Gott, ich erkenne dich!
Gott, ich erkenne dich!
So im herbstlichen Rauschen der Blätter,
Als im Schlachtendonnerwetter,
Urquell der Gnade, erkenn' ich dich!
Vater du, segne mich!
Vater du, segne mich!
In deine Hand befehl' ich mein Leben,
Du kannst es nehmen, du hast es gegeben;
Zum Leben, zum Sterben segne mich!
Vater, ich preise dich!
Vater, ich preise dich!
S'ist ja kein Kampf für die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte:
Drum, fallend und siegend, preis' ich dich!
Gott, dir ergeb' ich mich!
Gott, dir ergeb' ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen:
Dir, mein Gott, dir ergeb' ich mich!
Vater, ich rufe dich!
D 172 "Der
Morgenstern"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 172
Stern der Liebe, Glanzgebilde,
Glühend wie die Himmelsbraut,
Wanderst durch die Lichtgefilde,
Kündend daß der Morgen graut.
Freundlich kommst du angezogen,
Freundlich schwebst du himmelwärts,
Glitzernd durch des Aethers Wogen
Strahlst du Hoffnung in das Herz.
Wie in schäumenden Pokalen
Traubenpurpur mutig schwellt,
So durchleuchten deine Strahlen
Die erwachte Frühlingswelt.
Wie im herrlichen Geschiebe
Sich des Goldes Pracht verschließt,
So erglänzt du, Stern der Liebe,
Der den Morgen still begrüßt.
Un es treibt dich nach den Sternen,
Hell im Dunkel zu erglühn.
Über Berge, über Fernen
Möcht ich einmal mit dir ziehn.
Faßt mich, faßt mich, heilge Strahlen,
Schlingt um mich das goldne Band,
Daß ich aus den Erdenqualen
Fliehe in ein glücklich Land!
Doch ich kann dich nicht erfassen,
Nicht erreichen; stehst so fern!
Kann ich von der Sehnsucht lassen?
Darf ich's, heilger Himmelsstern?
D 174
"Das war ich"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 174 (March 26, 1815), first published in 1845
Jüngst träumte mir, ich sah auf lichten Höhen
Ein Mädchen sich im jungen Tag ergehen,
So hold, so süß, daß es dir völlig glich.
Und vor ihr lag ein Jüngling auf den Knien,
Er schien sie sanft an seine Brust zu ziehen,
Und das war ich.
Doch bald verändert hatte sich die Szene,
In tiefen Fluten sah ich jetzt die Schöne,
Wie ihr die letzte, schwache Kraft entwich.
Da kam ein Jüngling hülfreich ihr geflogen,
Er sprange ihr nach und trug sie aus den Wogen,
Und das war ich!
So malte sich der Traum in bunten Zügen,
Und überall sah ich die Liebe siegen,
Und alles, alles drehte sich um dich!
Du flogst voran in ungebund'ner Freie,
Der Jüngling zog dir nach mit stiller Treue,
Und das war ich!
Und als ich endlich aus dem Traum erwachte,
Der neue Tag die neue Sehnsucht brachte,
Da blieb dein liebes, süßes Bild um mich.
Ich sah dich von der Küsse Glut erwarmen,
Ich sah dich selig in des Jünglings Armen,
Und das war ich!
D 176
"Die Sterne"
Text by Johann Georg Fellinger (1781-1816)
Music by Franz Schubert, D. 176 (6 April 1815), first published 1872
Was funkelt ihr so mild mich an,
Ihr Sterne, hold und hehr.
Was treibet euch auf dunkler Bahn
Im äther-blauen Meer,
Wie Gottes Augen schaut ihr dort,
Aus Ost und West, aus Süd und Nord
So freundlich auf mich her.
Und überall umblinkt ihr mich,
Mit sanftem Dämmerlicht.
Die Sonne hebt in' Morgen sich,
Doch ihr verlaßt mich nicht.
Wenn kaum der Abend wieder graut,
So blickt ihr mir so fromm und traut,
Sehen wieder ins Gesicht.
O lächelt nur, o winket nur,
Mich still zu euch hinan.
Mich führet Mutter Allnatur
Nach ihrem großen Plan.
Mich kümmert nicht der Welten Fall,
Wenn ich nur dort die Lieben all'
Vereinet finden kann.
D 177
"Vergebliche Liebe"
Text by Joseph Karl Bernard (1781-1850)
Music by Franz Schubert, D. 177 (6 April 1815), first
published in 1867 as Op 173 no. 3
Ja, ich weiß es, diese treue Liebe
Hegt umsonst mein wundes Herz!
Wenn mir nur die kleinste Hoffnung bliebe,
Reich belohnet wär' mein Schmerz!
Aber auch die Hoffnung ist vergebens,
Kenn' ich doch ihr grausam Spiel!
Trotz der Treue meines Strebens
Fliehet ewig mich das Ziel!
Dennoch lieb' ich, dennoch hoff' ich, immer
Ohne Liebe, ohne Hoffnung treu;
Lassen kann ich diese Liebe nimmer!
Mit ihr bricht das Herz entzwei!
D 179 "Liebesrausch"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 179 (April 8, 1815), first published in 1872
Dir, Mädchen, schlägt mit leisem Beben
Mein Herz voll Treu und Liebe zu.
In dir, in dir versinkt mein Streben,
Mein schönstes Ziel bist du!
Dein Name nur in heil'gen Tönen
Hat meine kühne Brust gefüllt;
Im Glanz des Guten und des Schönen
Strahlt mir dein hohes Bild.
Die Liebe sproßt aus zarten Keimen,
Und ihre Blüten welken nie!
Du, Mädchen, lebst in meinen Träumen,
Mit süßer Harmonie.
Begeist'rung rauscht auf mich hernieder
Kühn greif ich in die Saiten ein,
Und alle meine schönsten Lieder,
Sie nennen dich allein.
Mein Himmel glüht in deinen Blicken,
An deiner Brust mein Paradies
Ach! alle Reize, die dich schmücken,
Sie sind so hold, so süß.
Es wogt die Brust in Freud'und Schmerzen,
Nur eine Sehnsucht lebt im Herzen;
Der ew'ge Drang nach dir.
D 180
"Sehnsucht der Liebe"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 180 (April 8, 1815), first published in 1894
Wie die Nacht mit heil'gem Beben
Auf der stillen Erde liegt!
Wie sie sanft der Seele Streben,
Üpp'ge Kraft und volles Leben
In den süßen Schlummer wiegt!
Aber mit ewig neuen Schmerzen
Regt sich die Sehnsucht in meiner Brust.
Schlummern auch alle Gefühle im Herzen,
Schweigt in der Seele Qual und Lust:
Sehnsucht der Liebe schlummert nie,
Sehnsucht der Liebe wacht spät und früh.
Tief, im süßen, heil'gen Schweigen,
Ruht die Welt und atmet kaum,
Und die schönsten Bilder steigen
Aus des Lebens wüstrem Reigen,
Und lebendig wird der Traum.
Aber auch in des Traumes Gestalten
Winkt mir die Sehnsucht, die schmerzliche, zu,
Und ohn' Erbarmen, mit tiefen Gewalten,
Stört sie das Herz aus der wonnigen Ruh'.
Sehnsucht der Liebe schlummert nie,
Sehnsucht der Liebe wacht spät und früh.
Son entschwebt der Kreis der Horen
Bis der Tag im Osten graut.
Da erhebt sich, neuguboren,
Aus des Morgens Rosenthoren,
Glühend hell die Himmelsbraut.
Aber die Sehnsucht nach dir im Herzen
Ist mit dem Morgen nur stärker erwacht;
Ewig verjüngen sich meine Schmerzen,
Quälen den Tag und quälen die Nacht;
Sehnsucht der Liebe schlummert nie,
Sehnsucht der Liebe wacht spät und früh.
D 182
"Die erste Liebe"
Text by Johann Georg Fellinger (1781-1816)
Music by Franz Schubert, D. 182 (1815)
Die erste Liebe füllt das Herz mit Sehnen
Nach einem unbekannten Geisterlande,
Die Seele gaukelt an dem Lebensrande,
Und süße Wehmut letzet sich in Tränen.
Da wacht es auf, das Vorgefühl des Schönen,
Du schaust die Göttin in dem Lichtgewande,
Geschlungen sind des Glaubens leise Bande,
Und Tage rieseln hin auf Liebestönen.
Du siehst nur sie allein im Widerscheine,
Die Holde, der du ganz dich hingegeben,
Nur sie durchwebt deines Daseins Räume.
Sie lächelt dir herab vom Goldgesäume,
Wenn stille Lichter an den Himmel schweben,
Der Erde jubelst du: Sie ist die Meine!
D 183
"Trinklied"
Text by Alois Zettler
Music by Franz Schubert, D. 183 (1815)
Ihr Freunde und du, gold'ner Wein,
Versüßet mir das Leben;
Ohn' euch, Beglücker, wäre fein
Ich stets in Angst und Beben.
Ohne Freunde, ohne Wein,
Möcht' ich nicht im Leben sein.
Ohn' allen Freund, was ist der Held?
Was sind des Reichs Magnaten?
Was ist ein Herr der ganzen Welt?
Sind alle schlecht beraten!
Ohne Freunde, ohne Wein,
Mag ich selbst nicht Kaiser sein.
Und muß einst an der Zukunft Port
Dem Leib die Seel' entschweben,
So winkt' mir aus der Sel'gen Hort
Ein Freund und Saft der Reben.
Sonst mag ohne Freund und Wein
Ich auch nicht im Himmel sein.
D 186 "Die
Sterbende"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 186 (May 1815), first published in 1894
Heil! dies ist die letze Zähre,
Die der Müden Aug' entfällt!
Schon entschattet sich die Sphäre
Ihrer heimatlichen Welt.
Leicht, wie Frühlingsnebel schwinden,
Ist des Lebens Traum entflohn,
Paradiesesblumen winden
Seraphim zum Kranze schon!
Wo der Strom des Lebens fließt,
Tönt es in der Engel Psalmen:
Schwester-seele, sei gegrüßt!
Die empor mit Adlerschnelle
Zu des Lichtes Urquell stieg;
Tod! wo ist dein Stachel? Hölle!
Stolze Hölle! wo dein Sieg?
D 187
"Stimme der Liebe"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 18 D. 187 (May 1815), first
published in 1894; D. 418 (April 29, 1816), first published 1895
Abendgewölke schweben hell
Am bepurpurten Himmel.
Hesperus schaut mit Liebesblick
Durch den blühenden Lindenhain,
Und sein prophetisches Trauerlied
Zirpt im Kraute das Heimchen!
Freuden der Liebe harren dein!
Flüstern leise die Winde;
Freuden der Liebe harren dein!
Tönt die Kehle der Nachtigall;
Hoch von dem Sternengewölb' herab
Hallt mir die Stimme der Liebe!
Aus der Platanen Labyrinth
Wandelt Laura, die Holde!
Blumen entspriessen dem Zephyrtritt,
Und wie Sphärengesangeston
Bebt von den Rosen der Lippe mir
Süße Stimme der Liebe!
D 188
"Naturgenuß"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 188 (May 1815), first published 1887; D. 422
Im Abendschimmer wallt der Quell
Durch Wiesenblumen purpurhell,
Der Pappelweide wechselnd Grün
Weht ruhelispelnd drüber hin.
Im Lenzhauch webt der Geist des Herrn!
Sieh! Auferstehung nah und fern,
Sieh! Jugendfülle, Schönheitsmeer,
Und Wonnetaumel rings umher.
Ich blicke her, ich blicke hin,
Und immer höher schwebt mein Sinn.
Nur Tand sind Pracht und Gold und Ruhm,
Natur, in Deinem Heiligtum!
Des Himmels Ahnung den umweht,
Der deinen Liebeston versteht;
Doch, an dein Mutterherz gedrückt,
Wird er zum Himmel selbst entzückt!
D 189
"An die Freude"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 189 (1815), published 1829 as op. posth. 111 no. 1
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
from Kleine Balladen und Lieder, Heft VI no. 11 (with a different form of text)
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.
Freude trinken alle Wesen
An der Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternezelt!
Über Sternen muß er wohnen.
D 190
"Gott, höre meine Stimme"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 190 no 5. (May 8-19, 1815), first published in 1888
Gott! höre meine Stimme,
Höre gnädig auf mein Flehn!
Sieh, ich liege hier im Staube,
Soll die Hoffnung, soll der Glaube
An dein Vaterherz vergehn?
Er soll es büssen mit seinem Blute,
War er gewagt mit frohem Mute,
War er für mich und die Liebe getan?
Sind all die Wünsche nur eitle Träume,
Zerknickt die Hoffnung die zarten Keime,
Ist Lied und Seligkeit nur ein Wahn?
Nein, nein, das kannst du nicht gebieten,
Das wird dein Vaterherz verhüten,
Gott, du bist meine Zuversicht.
Du wirst zwei Herzen so nicht trennen,
Die nur vereinigt schlagen können,
Nein, nein, nein, das kannst du nicht!
D 191
"Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, "Des Mädchens Klage", D. 6 (1811?), first published in
1894; D. 191 (15 May 1815), first published in 1826 as op. 56 no 3, later changed to op.
58 no 3; D. 389 (March 1816), first published in 1873
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Der Eichwald brauset"
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
from Nachlass (with a different form of the text)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Thekla", from Kleine
Balladen und Lieder, Heft III no. 12 (with a different form of the text)
Der Eichwald [braust], die Wolken ziehn,
Das Mägdlein sitzt an Ufers Grün,
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie seufzt hinaus in die finstre Nacht,
Das Auge von Weinen getrübet.
"Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,
Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr,
Du Heilige, rufe dein Kind zurück,
Ich habe gelebt und geliebet!"
Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf,
Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf;
Doch nenne, was tröstet und heilet die rust
Nach der süßen Liebe verschwund'ner Lust,
Ich, die Himmlische, will's nicht versagen.
"Laß rinnen der Tränen vergeblichen Lauf,
Es wecke die Klage den Toten nicht auf!
Das süßeste Glück für die trauernde Brust,
Nach der schönen Liebe verschwund'ner Lust,
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen."
D 192
"Der Jüngling am Bache"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 30 (September 24, 1812),
first published in 1895; D. 192 (May 15, 1815), first published in 1887; D. 638 (April
1819), first Published in 1827 as op. 87 no 3
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
An der Quelle saß der Knabe,
Blumen wand er sich zum Kranz,
Und er sah sie fortgerissen,
Treiben in der Wellen Tanz.
"Und so fliehen meine Tage
Wie die Quelle rastlos hin!
Und so bleichet meine Jugend,
Wie die Kränze schnell verblühn!
Fraget nicht, warum ich traure
In des Lebens Blütenzeit!
Alles freuet sich und hoffet,
Wenn der Frühling sich erneut.
Aber tausend Stimmen
Der erwachenden Natur
Wecken in dem tiefen Busen
Mir den schweren Kummer nur.
Was soll mir die Freude frommen,
Die der schöne Lenz mir beut?
Eine nur ists, die ich suche,
Sie ist nah und ewig weit.
Sehnend breit' ich meine Arme
Nach dem teuren Schattenbild,
Ach, ich kann es nicht erreichen,
Und das Herz ist ungestillt!
Komm herab, du schöne Holde,
Und verlaß dein stolzes Schloß!
Blumen, die der Lenz geboren,
Streu ich dir in deinen Schoß.
Horch, der Hain erschallt von Liedern,
Und die Quelle rieselt klar!
Raum ist in der kleinstein Hütte
Für ein glücklich liebend Paar."
D 193 "An
den Mond"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 193 (17 May 1815), first
published in 1826 as op. 57 no. 3
Geuß, lieber Mond, geuß deine Silberflimmer
Durch dieses Buchengrün,
Wo Phantasien und Traumgestalten
Immer vor mir vorüberfliehn!
Enthülle dich, daß ich die Stätte finde,
Wo oft mein Mädchen saß,
Und oft, im Wehn des Buchbaums und der Linde,
Der goldnen Stadt vergaß.
Enthülle dich, daß ich des Strauchs mich freue,
Der Kühlung ihr gerauscht,
Und einen Kranz auf jeden Anger streue,
Wo sie den Bach belauscht.
Dann, lieber Mond, dann nimm den Schleier wieder,
Und traur um deinen Freund,
Und weine durch den Wolkenflor hernieder,
Wie ein Verlaßner weint!
D 194
"Die Mainacht"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 194 (May 1815), first published in 1894
See also:
Johannes Brahms (1833-1897), op. 43 no. 2
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), op. 9 no. 6
Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,
Und die Nachtigall flötet,
Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.
Selig preis ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,
Ihrem singenden Gatten
Tausend trauliche Küße gibt.
Überhüllet von Laub girret ein Taubenpaar
Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
Suche dunklere Schatten,
Und die einsame Träne rinnt.
Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenrot
Durch die Seele mir strahlt, find ich auf Erden dich?
Und die einsame Träne
Bebt mir heißer die Wang herab!
D 195 "Amalia"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 195 (1815), published 1867
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1809?
Schön wie Engel voll Walhallas Wonne,
Schön vor allen Jünglingen war er,
Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne,
Rückgestrahlt vorn blauen Spiegelmeer.
Seine Küsse - Paradiesisch Fühlen!
Wie zwei Flammen sich ergreifen, wie
Harfentöne in einander spielen
Zu der himmelvollen Harmonie -
Stürzen, flogen, schmolzen Geist in Geist zusammen,
Lippen, Wangen brannten, zitterten
Seele rann in Seele - Erd' und Himmel schwammen
Wie zerronnen um die Liebenden!
Er ist hin - vergebens, ach vergebens
Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
Er ist hin, und alle Lust des Lebens
Rinnet hin ein verlor' nes Ach!
D 196 "An
die Nachtigall"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776) and Johann Heinrich Voss (1751-1826)
Music by Franz Schubert, D. 196 (May 22, 1815), first
published in 1865 as op. posth. 172 no. 3
See also:
Johannes Brahms (1833-1897), op. 46 no. 4 (1868),
first performed 1874
Geuß nicht so laut der liebentflammten Lieder
Tonreichen Schall
Vom Blütenast des Apfelbaums hernieder,
O Nachtigall!
Du tönest mir mit deiner süßen Kehle
Die Liebe wach;
Denn schon durchbebt die Tiefen meiner Seele
Dein schmelzend "Ach".
Dann flieht der Schlaf von neuem dieses Lager,
Ich starre dann
Mit naßem Blick und totenbleich und hager
Den Himmel an.
Fleuch, Nachtigall, in grüne Finsternisse,
Ins Haingesträuch,
Und spend im Nest der treuen Gattin Küsse,
Entfleuch, Entfleuch!
D 197
"An die Apfelbäume, wo ich Julien erblickte"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 197 (1815), published 1850
Ein heilig Säuseln,
Und ein Gesangeston
Durchzittre deine Wipfel,
O Schattengang, wo bang und wild
Der ersten Liebe selige Taumel
Mein Herz berauschten.
Die Abendsonne
Bebte wie lichtes Gold
Durch Purpurblüten,
Bebte wie lichtes Gold
Um ihres Busens Silberschleier;
Und ich zerfloß in Entzückungsschauer.
Nach langer Trennung
Küsse mit Engelkuß
Ein treuer Jüngling hier
Das geliebte Weib,
Und schwör in diesem Blütendunkel
Ew'ge Treue der Auserkornen.
Ein Blümchen sproße,
Wann wir gestorben sind,
Aus jedem Rasen,
Welchen ihr Fuß berührt,
Und trag' auf jedem seiner Blätter
Meines verherrlichten Mädchens Namen.
D 198
"Seufzer"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 198 (1815)
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel
(1805-1847), 1827
Die Nachtigall
Singt überall
Auf grünen Reisen
Die besten Weisen,
Daß ringsum Wald
Und Ufer schallt.
Manch junges Paar
Geht dort, wo klar
Das Bächlein rauschet,
Und steht, und lauschet
Mit frohem Sinn
Der Sängerin.
Ich höre bang'
Im düstern Gang
Der Nachtigallen
Gesänge schallen;
Denn ach! allein
Irr' ich im Hain.
D 199
"Mailied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 129, D. 199, D. 202, D. 503
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Grüner wird die Au,
Und der Himmel blau;
Schwalben kehren wieder
Und die Erstlingslieder
Kleiner Vögelein
Zwitschern durch den Hain.
Aus dem Blütenstrauch
Weht der Liebe Hauch:
Seit der Lenz erschienen,
Waltet sie im Grünen
Malt die Blumen bun,
Rot des Mädchens Mund.
Brüder, küsset ihn!
Den die Jahre fliehn!
Einen Kuß in Ehren
Kann euch Niemand wehren!
Kußt ihn, Brüder, küßt,
Weil er küßch ist!
Seht, der Tauber girrt,
Seht, der Tauber schwirrt
Um sein liebes Taubchen!
Nehmt euch auch ein Weibchen,
Wie der Tauber tut,
Und seid wohlgemut!
D 201
"Auf den Tod einer Nachtigall"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 201 (1815), published 1970;
D. 399 (1816), published 1895
Sie ist dahin, die Maienlieder tönte,
Die Sängerin,
Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte.
Sie ist dahin!
Sie, deren Ton mir in die Seele hallte,
Wenn ich am Bach,
Der durchs Gebüsch im Abendgolde wallte,
Auf Blumen lag!
Sie gurgelte, tief aus der vollen Kehle,
Den Silberschlag:
Der Widerhall in seiner Felsenhöhle
Schlug leis' ihn nach.
Die ländlichen Gesäng' und Feldschlameien
Erklangen drein;
Es tanzeten die Jungfrau'n ihre Reihen
Im Abendschein.
Sie horchten dir, bis dumpf die Abendglocke
Des Dorfes klang.
Und Hesperus, gleich einer goldnen Flocke,
Aus Wolken drang;
Und gingen dann im Wehn der Maienkühle
Der Hütte zu,
Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle,
Voll süßer Ruh.
D 202
"Mailied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 129, D. 199, D. 202, D. 503
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Grüner wird die Au,
Und der Himmel blau;
Schwalben kehren wieder
Und die Erstlingslieder
Kleiner Vögelein
Zwitschern durch den Hain.
Aus dem Blütenstrauch
Weht der Liebe Hauch:
Seit der Lenz erschienen,
Waltet sie im Grünen
Malt die Blumen bun,
Rot des Mädchens Mund.
Brüder, küsset ihn!
Den die Jahre fliehn!
Einen Kuß in Ehren
Kann euch Niemand wehren!
Kußt ihn, Brüder, küßt,
Weil er küßch ist!
Seht, der Tauber girrt,
Seht, der Tauber schwirrt
Um sein liebes TTaubchen!
Nehmt euch auch ein Weibchen,
Wie der Tauber tut,
Und seid wohlgemut!
D 206
"Liebeständelei"
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 206 (1815)
Süßes Liebchen! Komm zu mir!
Tausend Küße geb' ich dir,
Sieh' mich hier zu deinen Füßen.
Mädchen, deiner Lippen Glut
Gibt mir Kraft und Lebensmut.
Laß dich küssen!
Mädchen, werde doch nicht rot!
Wenn's die Mutter auch verbot,
Sollst du alle Freuden missen?
Nur an des Geliebten Brust
Blüht des Lebens schönste Lust.
Laß dich küssen!
Liebchen, warum zierst du dich?
Höre doch und küsse mich.
Willst du nichts von Liebe wissen?
Wogt dir nicht dein kleines Herz
Bald in Freuden, bald in Schmerz?
Laß dich küssen!
Sieh', dein Sträuben hilft dir nicht;
Schon hab'ich nach Sängers Pflicht
Dir den ersten Kuss entrissen!-
Und nun sinkst du, liebewarm,
Willig selbst in meinen Am.
Läßt dich küssen!
D 207 "Der
Liebende"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 207 (1815), published 1894
Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wenn dein Gesicht
Voll Engellicht
Den Gruß des Friedens winket.
Ein süßer Blick,
Ein Wink, ein Nick,
Glänzt mir wie Frühlingssonnen;
Den ganzen Tag
Sinn' ich ihm nach,
Und schweb' in Himmelswonnen.
Dein holdes Bild
Führt mich so mild
An sanfter Blumenkette;
In meinem Arm
Erwacht es warm,
Und geht mit mir zu Bette.
Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wem süßer Blick
Und Wink und Nick
Zum süßern Kuße winket.
D 208
"Die Nonne"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 208 (May 29 - June 16,
1815), first published 1895; D. 212
Es liebt' in Welschland irgendwo
Ein schöner junger Ritter
Ein Mädchen, das der Welt entfloh,
Trotz Klosterthor und Gitter;
Sprach viel von seiner Liebespein,
Und schwur, auf seinen Knieen,
Sie aus dem Kerker zu befreien,
Und stets für sie zu glühen.
"Bei diesem Muttergottesbild,
Bei diesem Jesuskinde,
Das ihre Mutterarme füllt,
Schwör'ich's dir, o Belinde!
Dir ist mein ganzes Herz geweiht,
So lang ich Odem habe;
Bei meiner Seelen Seligkeit!
Dich lieb' ich bis zum Grabe."
Was glaubt ein armes Mädchen nicht,
Zumal in einer Zelle?
Ach! sie ver gaß der Nonnenpflicht,
Des Himmels und der Hölle,
Die, von den Engeln angeschaut,
Sich ihrem Jesu weihte,
Die reine schöne Gottesbraut,
Ward eines Frevlers Beute.
Drauf wurde, wie die Männer sind,
Sein Herz von Stund' an lauer,
Er überließ das arme Kind
Auf ewig ihrer Trauer.
Vergaß der alten Zärtlichkeit,
Und aller seiner Eide,
Und floh, im bunten Galakleid,
Nach neuer Augenweide.
Begann mit andern Weibern Reihn,
Im kerzenhellen Saale,
Gab andern Weibern Schmeichelein,
Beim lautern Traubenmahle,
Und rühnte sich des Minneglücks
Bei seiner schönen Nonne,
Und jedes Kußes, jedes Blicks,
Und jeder andern Wonne.
Die Nonne, voll von welscher Wut,
Entglöht' in ihrem Mute,
Und sann auf nichts als Doclh und Blut.
Und träumte nur von Blute.
Sie dingte plötzlich eine Schaar
Von wilden Meuchelmördern,
Denn Mann, der treulos worden war,
Ins Totenreich zu fördern.
Die bohren manches Mörderschwert
In seine schwarze Seele.
Sein schwarzer, falscher Geist entfährt,
Wie Schwefeldampf der Höhle.
Er wimmert durch die Luft, wo sein
Ein Krallenteufel harret.
Drauf ward sein blutendes Gebein
In eine Gruft verscharret.
Die Nonne flog, wie Nacht begann,
Zur kleinen Dorfkapelle,
Und riß den wunden Rittersmann
Aus seiner Ruhestelle.
Riß ihm das Bubenherz heraus,
Und warf's, den Zorn zu büßen,
Daß dumpf erscholl das Gotteshaus,
Und trat es mit dem Füßen.
Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn,
In dieser Kirche weilen,
Und, bis im Dorf die Hähne krähn,
Bald wimmern, und bald heulen.
Sobald der Hammer zwölfe schlägt,
Rauscht sie, an Grabsteinwänden,
Aus einer Gruft empor, und trägt
Ein blutend Herz in Händen.
Die tiefen, hohlen Augen sprühn
Ein düsterrotes Feuer,
Und glühn, wie Schwefelflammen glühn,
Durch ihren weißen Schleier.
Sie gafft auf das zerrißne Herz,
Mit wilder Rachgebärde,
Und hebt es dreimal himmelwärts,
Und wirft es auf die Erde;
Und rollt die Augen voller Wut,
Die eine Hölle blicken,
Und schüttelt aus dem Schleier Blut,
Und stampft das Herz in Stücken.
Ein bleicher Totenflimmer macht
Indess die Fenster helle.
Der Wächter, der das Dorf bewacht,
Sah's oft in der Kapelle.
D 209
"Der Liedler"
Text by Joseph Kenner (1794-1868)
Music by Franz Schubert, D. 209 (12 Dec 1815), first published in 1825 as op. 38
Gib, Schwester, mir die Harf' herab,
Gib mir Biret und Wanderstab,
Kann hier nicht fürder weilen!
Bin ahnenlos, bin nur ein Knecht
Bin für die edle Maid zu schlecht,
Muß stracks von hinnen eilen.
"Still, Schwester, bist gottlob nun Bruat,
Wirst morgen Wilhelm angetraut,
Soll mich nichts weiter halten.
Nun küße mich, leb, Trude, wohl!
Dies Herze, schmerz- und liebevoll,
Laß Gott den Herrn bewalten."
Der Liedler zog durch manches Land
Am alten Rhein- und Donaustrand,
Wohl über Berg und Flüße.
Wie weit er flieht, wohin er zieht,
Er trägt den Wurm im Herzen mit
Und singt nur sie, die Süße.
Und er's nicht länger tragen kann,
Tät sich mit Schwert und Panzer an,
Den Tod sich zu erstreiten.
Im Tod ist Ruh, im Grab ist Ruh,
Das Grab deckt Herz und Wünsche zu;
Ein Grab will er erreiten.
Der Tod ihn floh, und Ruh ihn floh!
Des Herzogs Banner flattert froh
Der Heimat Gruß entgegen,
Entgegen wallt, entgegen schallt
Der Freunde Gruß durch Saat und Wald
Auf allen Weg' und Stegen.
Da ward ihm unterm Panzer weh!
Im Frührot glüht der ferne Schnee
Der heimischen Gebirge;
Ihm war, als zög's mit Hünenkraft
Dahin sein Herz, der Brust entrafft,
Als ob's ihn hier erwürge.
Da konnt er's fürder nicht bestehn:
"Muß meine Heimat wiedersehen,
Muß sie noch einmal schauen!"
Die mit der Minne Rosenhand
Sein Herz an jene Berge band,
Die herrlichen, die blauen!
Da warf er Wehr und Waffe weg,
Sein Rüstzeug weg ins Dorngeheg;
Die liederreichen Saiten,
Die Harfe nur, der Süßen Ruhm,
Sein Klagespsalm, sein Heiligtum,
Soll ihn zurückbegleiten.
Und als der Winter trat ins Land,
Der Frost im Lauf die Ströme band,
Betrat er seine Berge.
Da lag's, ein Leichentuch von Eis,
Lag's vorn und neben totenweiß,
Wie tausend Hünensärge!
Lag's unter ihm, sein Muttertal,
Das gräflich Schloß im Abendstrahl,
Wo Milla drin geborgen.
Glück auf, der Alpe Pilgerruh
Winkt heute Ruh dir Ärmster zu:
Zur Feste, Liedler, morgen!
Ich hab nicht Rast, ich hab nicht Ruh,
Muß heute noch der Feste zu,
Wo Milla drin geborgen.
"Bist starr, bist blaß!" Bin totenkrank,
Heut ist noch mein! Tot, Gott sei Dank,
Tot find't mich wohl der Morgen.
Horch Maulgetrab, horch Schellenklang!
Vom Schloß herab der Alp' entlang
Zog's unter Fackelhelle.
Ein Ritter führt ihm angetraut,
Führt Milla heim als seine Braut.
Bist Liedler schon zur Stelle!
Der Liedler schaut und sank in sich.
Da bricht und schnaubet wütiglich
Ein Werwolf durchs Gehege,
Die Maule fliehn, kein Saum sie zwingt.
Der Schecke stürzt. Weh! Milla sinkt
Ohnmächtig hin am Wege.
Da riß er sich, ein Blitz, empor,
Zum Hort der Heißgeminnten vor,
Hoch auf des Untiers Nacken
Schwang er sein teures Harfenspiel,
Daß es zersplittert niederfiel,
Und Nick und Rachen knacken.
Und wenn er stark wie Simson wär',
Erschöpft mag er und sonder Wehr
Den Grimmen nicht bestehen.
Vom Busen, vom zerfleischten Arm
Quillt's Herzblut nieder, liebewarm,
Schier denkt er zu vergehen.
Ein Blick auf sie, und alle Kraft
Mit einmal er zusammenrafft,
Die noch verborgen schliefe!
Ringt um den Werwolf Arm und Hand,
Und stürzt sich von der Felsenwand
Mit ihm in schwindle Tiefe.
Fahr, Liedler, fahr auf ewig wohl!
Dein Herze schmerz- und liebevoll
Hat Ruh im Grab gefunden!
Das Grab ist aller Pilger Ruh,
Das Grab deckt Herz und Wünsche zu,
Macht alles Leids gesunden.
D 210
"Freudvoll und leidvoll"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from "Egmont"
Music by Franz Schubert, "Die Liebe", D. 210 (1815), published 1838
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827), "Freudvoll
und leidvoll", op. 84 no. 2 (1810)
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Wonne der Liebe",
from 7 Goethe Lieder (2), published 194-?
Johann Christoph Kienlen (1783-1829), "Freudvoll und leidvoll"
(1810)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
"Freudvoll und leidvoll" (1844, 1860)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klärchens Lied aus
Egmont", published 1804
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), "Aus Egmont", op. 10 no. 1
(1933)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Clärchen" (1804)
Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein;
[Langen]
Und bangen
In schwebender Pein;
Himmelhoch jauchzend
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
D 211
"Adelwold und Emma"
Text by Friedrich Anton Franz Bertrand (1787-1830)
Music by Franz Schubert, D. 211 (June 5-14, 1815), first published in 1894
Hoch und ehern schier von Dauer,
Ragt' ein Ritterschloß empor;
Bären lagen an dem Tor
Beute schnaubend auf der Lauer,
Türme zingelten die Mauer
Gleich den Riesen - bange Schauer
Wehten brausend, wie ein Meer,
Von den Tannenwipfeln her.
Aber finstrer Kummer nagte
Mutverzehrend um und an
Hier am wackern deutschen Mann,
Dem kein Feind zu trotzen tagte,
Fuhr er auf vorn Traum, und fragte -
Jetzt mit Seufzer - jetzt mit Schrei,
Wo sein teurer Letzer sei?
"Vater! Ruhe nicht dem Lieben."
Flüstert einstens Emma drein -
"Sieh, er schläft im Kämmerlein
Sanft und stolz - was kann ihn trüben?"
"Ich nicht rufen? - sind nicht die Sieben
Meiner Söhn' im Kampf geblieben?
Weint' ich nicht schon fünfzehn Jahr
Um das Weib, das euch gebar?"
Emma hört's und schmiegt mit Beben
Weinend sich an seine Brust.
"Vater! sieh dein Kind - ach früh
War dein Beifall mein Bestreben!"
Wie, wenn, Trosteswort zu geben,
Boten Gottes niederschweben,
Führt der Holden Red' und Blick
Neue Kraft in ihn zurück.
Heiter preßt er sie ans Herze:
"O vergib, daß ich vergaß,
Welchen Schatz ich noch besaß,
Übermannt von meinem Schmerze!
Aber sprachst du nicht im Scherze -
Wohl dann! bei dem Schein der Kerze
Wandle mit mir einen Gang
Stracks den düstern Weg entlang"
Zitternd folgte sie, bald gelangen
Sie zur Halle, graus und tief,
Wo die Schar der Väter schlief;
Rings im Kreis' an Silberspangen
Um ein achtes hergehangen,
Leuchteten mit bleichem bangen
Grabesschimmer fort und fort
Sieben Lämplein diesem Ort.
Unter'n Lämplein war's von Steinen...
Traun! erzählen kann ich's nicht
War's so traurig zugericht,
War's so ladend ach zum Weinen.
"Bei den heiligen Gebeinen,
Welchen diese Lampen scheinen"
Ruft er laut "beschwör" ich dich
Traute Tochter, höre mich.
Mein Geschlecht seit grauen Zeiten
War - wie Rittersmännern ziemt -
Keck, gestreng' und fast berühmt;
In des Grabes Dunkelheit
Sank die Reih' von Biederleuten -
Sanken die, so mich erfreuten,
Bis einst der Posaune Hall
Sie wird wecken allzumal.
Nie vergaßen deine Brüder
Dieser großen Ahnen Wert;
Reich und Kaiser schüzt' ihr Schwert
Wie ein deckendes Gefieder;
(Ach, die Tapfern sanken nieder!)
Gib sie, Tochter, gib sie wieder
Mir im wackern Bräutigam,
Dir erkiest aus Heldenstamm.
"Aber Fluch! ..." Und mit dem Worte
Gleich als jägt ihn Nacht und Graus -
Zog er plötzlich sie hinaus
Aus dem schauervollen Orte ...
Emma wankte durch die Pforte:
"Ende nicht die Schreckensworte!
Denk' an Himmel und Gericht!
O verwirf, verwirf mich nicht!"
Bleich, wie sie, mit bangem Zagen
Lehnt des Ritters Knappe hier;
Wie dem Sünder wird's ihm schier,
Den die Schrecken Gottes schlagen;
Kaum zu atmen tät er wagen -
Kaum die Kerze vorzutragen
Hatte, matt und fieberhaft,
Seine Rechte noch die Kraft.
Adelwolden bracht als Weise
Mitleidsvoll auf seinem Roß
Einst der Ritter nach dem Schloß
Heim von einer fernen Reise -
Pflegte sein mit Trank und Speise
Tät' ihn hegel in dem Kreise
Seiner Kinder - oft und viel
War er tummelnd ihr Gespiel.
Aber Emma ... seine ganze
Zarte Seele webt' um sie,
War es frühe Sympathie?
Froh umwand sie seine Lanze
Im Turnier mit einem Kranze -
Schwebte leichter dann im Tanze
Mit dem Ritter, keck und treu,
Als das Lüftchen schwebt im Mai.
Rosig auf zum Jüngling blühte
Bald der Niedre von Geschlecht;
Edler lohnte nie ein Knecht
Seines Pflegers Vatergüte;
Aber heiß und heißer glühte -
Was zu dämpfen er sich mühte;
Fester knüpft' ihn, fester' ach!
An das Fräulein jeder Tag.
Fest und fester sie an ihren
Süßen trauten Adelwold,
"Was sind Wappen, Land, und Gold -
Sollt' ich Arme dich verlieren?
Was die Flitter, so mich zieren?
Was Bankete bei Turnieren?
Wappen, Land, Geschmuck, und Gold
Löhnt ein Traum von Adelwold!"
So das Fräulein, wenn der Schleier
Grauer Nächte sie umfing;
Doch mit eins, als Emma heute
Spät noch betet, weint, und wacht,
Steht, gehüllt in Pilgertracht,
Adelwold an ihrer Seite:
"Leiten soll mich dieser Stecken
Hin in Zions heilges Land -
Wo vielleicht ein Häuflein Sand
Bald den Armen wird bedecken...
Meine Seele muß erschrecken,
Durch Verrat sich zu beflecken
An dem Mann, der, mild und Groß
Er mich trug in seinen Schoß.
Selig träumt' ich einst als Knabe
Engel - ach vergib es mir!
Denn ein Bettler bin ich schier;
Nur dies Herz ist meine Habe."
"Jüngling - ach an diesem Stabe
Führst du treulos mich zum Grabe.
Du würgest - Gott verzeih es dir!
Die dich liebte für und für!"
Und schon wankte der Entzückte
Als des Fräuleins keuscher Arm -
Ach so weiß, so weich und warm!
Sanft ihn hin zum Busen drückte...
Aber fürchterlicher Blicke -
Was ihm schier ihr Kuß entrückte;
Und vom Herzen, das ihm schlug,
Riß ihn schnell des Vaters Fluch.
"Lindre, Vater, meine Wunde -
Keinen Laut aus deinem Munde!
Keine Zähr' in dieser Stunde!
Keine Sonne die mir blickt!
Keine Nacht die mich erquickt!"
Gold, Gestein, und Seide nimmer
Schwört sie, fort zu legen an;
Keine Zofe darf ihr nahn
Und kein Knappe jetzt und nimmer,
Oft bei trautem Mondesschimmer
Wallt sie barfuß über Trümmer,
Wild verwachsen, steil und rauh,
Noch zur hochgelobten Frau.
Ritter! ach schon weht vom Grabe
Deiner Emma Todtenluft!
Schon umschwärmt der Väter Gruft
Ahnend Käuzlein, Eul' und Rabe; -
Weh dir weh! an seinem Stabe
Folgt sie willig ihm zum Grabe
Hin, wo mehr denn Helm und Schild
Liebe, Treu' und Tugend gilt...
Selbst dem Ritter tät sich senken
Tief und tiefer jetzt das Haupt;
Kaum daß er der Mähr noch glaubt;
Seufzen tät er itzt - itzt denken,
Was den Jüngling konnte kränken? -
Ob ein Spiel von Neid und Ränken? -
Ob?... Wie ein Gespenst der Nacht
Schreckt' ihn - was er jetzt gedacht.
Hergeführt auf schwülen Winden,
Muß ein Strahl die Burg entzünden,
Tosend gleich den Wogen wallen
Rings die Gluten - krachend dräun
Säul und Wölbung, Balk' und Stein,
Stracks in Trümmer zu zerfallen;
Angstruf und Verzweiflung schallen
Grausend durch die weiten Hallen;
Stürmend drängt und atemlos
Knecht und Junker aus dem Schloß.
"Richter! ach verschone!"
Ruft der Greis mit starrem Blick -
"Gott! mein Kind! - es bleibt zurück! -
Rettet - daß euch Gott einst lohne! -
Gold und Silber, Land und Frohne,
Jede Burg, die ich bewohne,
Ihrem Retter zum Gewinn -
Selbst dies Leben geb' ich hin für sie."
Gleiten ab von tauben Ohren
Tät des Hochbedrängten Schrei; -
Aber plötzlich stürzt herbei,
Der ihr Treue zugeschworen -
Stürzt nach den entflammten Toren -
Gib mit Freuden sich verloren;
Jeder staunend fern und nah
Wähnt' ein Blendwerk, was er sah.
Glut an Glut! und jedes Streben
Schien vergebens! - endlich faßt
Er die teure, süße Last,
Kalt und sonder Spur von Leben;
Doch beginnt ein leises Beben
Herz und Busen jetzt zu heben
Und durch Flamme, Dampf und Graus
Trägt er glücklich sie hinaus.
Purpur kehrt auf ihre Wangen,
Wo der Traute sie geküßt...
"Jüngling! sage, wer du bist -
Ich beschwöre dich - der Bangen;
Hält ein Engel mich umfangen,
Der auf seinem Erdenflug
Meines Lieben Bildnis trug?
Starr zusammenschrickt der Blöde -
Denn der Ritter noch am Tor
Lauscht mit hingewandtem Ohr
Jedem Laut der süßen Rede;
Doch den Zweifler tät ermannen
Bald des Ritters Gruß und Kuß
Dem im süßesten Genuß
Hell der Wonne Zähren rannen;
"Du es, du, sag' an, von wannen?
Was dich konnt' von mir verbannen?
Was dich - nimmer lohn' ich's dir -
Emma wiedergab und mir?"
"Deines Fluchs mich zu entlasten
War es Pflicht, daß ich entwich
Eilig, wild und fürchterlich
Trieb's mich sonder Ruh und Rasten;
Dort im Kloster, wo sie praßten,
Labten Tränen mich und Fasten,
Bis der frommen Pilger Schar
Voll zum Zug versammelt war.
Doch mit unsichtbaren Ketten
Zog mich plötzlich Gottes Hand
Jetzt zurück von Land zu Land
Her zu Burg, mein Teuerstes zu retten,
(Stürme mich beflügelt hätten,)
Nimm sie, Ritter, nimm und sprich
Das Urteil über mich."
Emma harrt, in düstres Schweigen,
Wie in Mitternacht gehüllt;
Starrer denn ein Marmorbild,
Harren furchterfüllte Zeugen;
Denn es zweifelten die Feigen,
Ob den Ritterstolz zu beugen
Je vermöcht' ein hoher Mut
Sonder Ahnenglanz und Gut.
"Dein ist Emma! ewig dein! - längst entscheiden
Tät der Himmel; rein wie Gold
Bist du funden, Adelwold -
Groß in Edelmut und Leiden;
Nimm! - ich gebe sie mit Freuden;
Nimm! - der Himmel tät entscheiden -
Nannte selbst im Donnerlaut
Sie vor Engeln deine Braut.
Nimm sie hin mit Vatersegen;
Ihn wird neben meine Schuld -
Ach mit Langmut und Geduld!
Der einst kommt, Gericht zu hegen,
Auf die Prüfungswage legen -
Mir verzeihn um euretwegen
Der von eitlem Stolz befleckt,
Beid' euch schier ins Grab gestreckt."
Fest umschlungen itzt von ihnen,
Blickt der Greis zum Himmel auf;
"Fröhlich endet sich mein Lauf!"
Spuren der Verklärung schienen
Aus des Hochentzückten Mienen -
Und auf dampfenden Ruinen
Fügt' er schweigend' ihre Hand
In das langersehnte Band.
D 212
"Die Nonne"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 208 (May 29 - June 16,
1815), first published 1895; D. 212
Es liebt' in Welschland irgendwo
Ein schöner junger Ritter
Ein Mädchen, das der Welt entfloh,
Trotz Klosterthor und Gitter;
Sprach viel von seiner Liebespein,
Und schwur, auf seinen Knieen,
Sie aus dem Kerker zu befreien,
Und stets für sie zu glühen.
"Bei diesem Muttergottesbild,
Bei diesem Jesuskinde,
Das ihre Mutterarme füllt,
Schwör'ich's dir, o Belinde!
Dir ist mein ganzes Herz geweiht,
So lang ich Odem habe;
Bei meiner Seelen Seligkeit!
Dich lieb' ich bis zum Grabe."
Was glaubt ein armes Mädchen nicht,
Zumal in einer Zelle?
Ach! sie ver gaß der Nonnenpflicht,
Des Himmels und der Hölle,
Die, von den Engeln angeschaut,
Sich ihrem Jesu weihte,
Die reine schöne Gottesbraut,
Ward eines Frevlers Beute.
Drauf wurde, wie die Männer sind,
Sein Herz von Stund' an lauer,
Er überließ das arme Kind
Auf ewig ihrer Trauer.
Vergaß der alten Zärtlichkeit,
Und aller seiner Eide,
Und floh, im bunten Galakleid,
Nach neuer Augenweide.
Begann mit |