Lieder complete index
Lieder - index 3:
D 224 "Der
du von dem Himmel bist"
D 225 "Der Fischer"
D 226 "Erster Verlust"
D 227 "Idens Nachtgesang"
D 228 "Von Ida"
D 229 "Ich lag auf grünen Matten"
D 230 "Die Täuschung"
D 231 "Das Sehnen"
D 232 "Hymne an den Unendlichen"
D 233 "Geist der Liebe"
D 234 "Mich ergreift, ich weiß nicht wie"
D 235 "Abends unter der Linde"
D 236 "Das Abendrot"
D 237 "Abends unter der Linde"
D 238 "Die Mondnacht"
D 239 no. 3 "Hin und wieder fliegen die Pfeile"
D 239 no.6 "Liebe schwärmt auf allen Wegen"
D 240 "Huldigung"
D 241 "Alles um Liebe"
D 243 "Frühlingslied"
D 245 "Wilkommen, schöner Jüngling!"
D 246 "Die Bürgschaft"
D 247 "Die Spinnerin"
D 248 "Lob des Tokayers"
D 250 "Das Geheimnis"
D 251 "Hoffnung"
D 252 "Das Mädchen aus der Fremde"
D 253 "Punschlied, Im Norden zu singen"
D 254 "Der Gott und die Bajadere", Indische Legende
D 255 "Der Rattenfänger"
D 256 "Der Schatzgräber"
D 257 "Heidenröslein"
D 258 "Bundeslied"
D 259 "An den Mond"
D 260 "Wonne der Wehmut"
D 261 "Wer kauft Liebesgötter?"
D 262 "Die Fröhlichkeit"
D 263 "Cora an die Sonne"
D 264 "Der Morgenkuß nach einem Ball"
D 265 "Abendständchen. An Lina"
D 266 "Morgenlied"
D 269 "Das Leben ist ein Traum"
D 270 "An die Sonne"
D 271 "Der Weiberfreund"
D 272 "An die Sonne"
D 273 "Lilla an die Morgenröte"
D 274 "Tischlerlied"
D 275 "Totenkranz für ein Kind"
D 276 "Abendlied"
D 277 "Punschlied"
D 278 "Lied nach dem Falle Nathos"
D 280 "Im Frühlingsgarten fand ich sie"
D 281 "Das Mädchen von Inistore"
D 282 "Cronnan"
D 283 "Wilkommen, schöner Jüngling!"
D 284 "Lied"
D 285 b "Cidli, du weinest, und ich schlummre sicher"
D 286 b "Selma und Selmar"
D 287 "Vaterlandslied"
D 288 "Zeit, Verkündigerin der besten Freuden"
D 289 b "Die Sommernacht"
D 290 "Die frühen Gräber"
D 291 b "Dem Unendlichen"
D 293 "Shilrik Und Vinvela"
D 295 "Hoffnung"
D 224 "Der du von dem Himmel bist"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 224 "Wanderers Nachtlied I" (1815)
See also:
Bettina von Arnim, née Brentano (1785-1859), "Wandrers
Nachtlied", 1842?
Ernst Bacon (1898-1990), "Der du von dem Himmel bist",
published 1928
Hermann Behn (1857?-1927), op. 1, ii, no. 6, "Wandrers
Nachtlied" (189-?)
Harald Genzmer (b. 1909), "Der du von den Himmel bist", from
Acht Lieder nach verschiedenen Dichtern
Hermann (Gustav) Goetz (1840-1876), op. 19 no. 6, "Wandrers
Nachtlied" (1862-3)
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Wandrers
Nachtlied", from 7 Goethe Lieder (1), published 194-?
Philipp Christoph Kayser (1755-1823), "Um Friede" (1777)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), S. 279, "Der du
von den Himmel bist", published in 1843, 1856, 1860
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Wandrers
Nachtlied", op. 9, i, 3b (1828)
Joseph Marx (1882-1964), 1906, "Wanderers Nachtlied"
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Wanders Nachtlied"
Ernst Pepping (1901-1981), "Wandrers Nachtlied", from Haus- und
Trostbuch, published 1949
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), op. 40 no. 5
"Wanderers Nachtlied II" (1931)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Wandrers Nachtlied",
published 1794 and 1809
Friedrich Wilhelm Rust (1739-1796), "Lied" (before 1781)
Eduard Steuermann (1892-1964), "Wandrers Nachtlied" (1931),
from Drei Lieder
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Wandrers
Nachtlied", op. 58 no. 4 (1815), from Gedichte von Goethe, VI:4
Hugo Wolf (1860-1903), "Wandrers Nachtlied", from
Sechs Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner, no. 5
Philip Wolfrum (1854-1919), "Wandrers Nachtlied", op. 16 no. 5
(1885?)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Wandrers Nachtlied", 1807
Alexander Zemlinsky (1871-1942), "Wandrers
Nachtlied", op. 27 no. 12 (1937/8)
Winfried (Petrus Ignatius) Zillig (1905-1963), 1941, "Wandrers
Nachtlied", from Zehn Lieder nach Gedichten von Goethe
Der du von dem Himmel bist,
[Alles Leid] und Schmerzen stillst,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit [Erquickung] füllest,
Ach! ich bin des Treibens müde!
[Was soll all der Schmerz und Lust?]
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!
D 225
"Der Fischer"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 225 (1815), published 1821 as op. 5 no 3
See also:
(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 4 no. 3 (1832)
Anton Franz Joseph Eberl (1765-1807)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
op. 43 no. 1 (1835)
C. Moltke (1783-1831), before 1815
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), 1779
Richard Strauss (1864-1949),
1877, from Jugendlieder
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 59 no. 3 (1815?), from
Gedichte von Goethe VII:3
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), 1865
Hugo Wolf (1860-1903), op. 3
no. 3 (1875)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1809
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
"Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?"
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.
D 226
"Erster Verlust"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 226 (July 5, 1815), first
published in 1821 as op 5 no 4
See also:
Alban Berg (1885-1936).
Jugendlieder, Op. 15 Nr. 2, 1904
Pierre-Octave Ferroud (1900-1936), from Drei traute Gesänge, published
1932
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), from 7 Goethe-Lieder (4),
published 194-?
Armin Knab (1881-1951), 1924-6
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 8, "Pervaja
utrata" (singable in Russian and German)
Jakob Ludwig Felix
Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), op. 99 no. 1 (1841-5)
Hans Georg Nägeli (1778-1836), 1797
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 15 no. 5 (1908)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 3 (1815?), from
Gedichte von Goethe IV, 3
Hugo Wolf (1860-1903), op. 9
no. 3 (1876)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807
Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück?
Einsam nähr' ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich [ums verlorne] Glück,
Ach, wer bringt die schönen Tage,
[Jene holde Zeit zurück!]
D 227
"Idens Nachtgesang"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 227 (7 July 1815), first published in 1885
Vernimm es Nacht, was Ida dir vertrauet,
Die satt des Tags in deine Arme flieht,
Ihr Sterne, die ihr hold und liebend auf mich schauet,
Vernehmt süßlauschend Idens Lied.
Den ich geahnt in liebvollen Stunden,
Dem sehnsuchtsvoll mein Herz entgegenschlug,
O Nacht, o Sterne, hört's ich habe ihn gefunden,
Das Bild ich längst im Busen trug.
Freund, ich bin dein, nicht für den Sand der Zeiten,
Der schnellversiegend Chronos Uhr entfleußt,
Dein für den Riesenstrom heilvoller Ewigkeiten,
Der aus des Ew'gen Urne scheußt.
D 228
"Von Ida"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 228 (7 July 1815), first published in 1894
Der Morgen blüht,
Der Osten glüht;
Es lächelt aus dem dünnen Flor
Die Sonne matt und krank hervor.
Denn, ach, mein Liebling flieht!
Auf welcher Flur,
Auf wesser Spur,
So fern von Iden wallst du itzt,
O du, der ganz mein Herz besitzt,
Du Liebling der Natur!
O, kehre um!
Kehr' um, kehr' um!
Zu deiner Einsamtraurenden!
Zu deiner Ahnungschaurenden!
Mein Einziger, kehr' um!
D 229
"Ich lag auf grünen Matten"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 229 "Erinnerung" (July 7, 1815), first published in
1824, published in 1829 as op. 108 no. 3
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft III
no. 6 (with a different form of the poem)
Ich lag auf grünen Matten,
An klarer Quellen Rand;
Mir kühlten Erlenschatten
Der Wangen heißen Brand.
Ich dachte dies und jenes,
Und träumte sanft betrübt
Viel Gutes und viel Schönes,
Das diese Welt nicht gibt.
Und sieh! dem Hain entschwebte
Ein Mägdlein sonnenklar.
Ein weißer Schleier webte
Um ihr nußbraunes Haar.
Ihr Auge feucht und schimmernd,
Umfloß ätherisch Blau,
Die Wimpern näßte flimmernd
Der Wehmut Perlentau.
[Um ihre Lippen schwebte
Ein Lächeln hold und gut;
An ihren Wimpern bebte
Der Thau der Wehe muth;
Ihr Auge mild und thränend,
So wähnt' ich, meinte mich
Wer war, wie ich, so wähnend!
So seelig, wer, wie ich!]
Ich auf sie zu umfaßen!
Und ach, sie trat zurück.
Ich sah sie schnell erblaßen,
Und trüber ward ihr Blick.
Sie sah mich an so innig,
Sie wies mit ihrer Hand,
Erhaben und tiefsinnig,
Gen Himmel und verschwand.
Fahr wohl, fahr wohl, Erscheinung!
Fahr wohl, ich kenn' dich wohl!
Und deines Winkes Meinung
Versteh' ich, wie ich soll!
"Wohl für die Zeit geschieden,
Eint uns ein schönres Band;
Hoch droben, nicht hienieden,
Hat Lieb' ihr Vaterland!"
D 230
"Die Täuschung"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 230 (op. posth. 165 no. 4) (1815)
Im Erlenbusch, im Tannenhain,
Im Sonn- und Mond- und Sternenschein
Umlächelt mich ein Bildnis.
Vor seinem Lächeln klärt sich schnell
Die Dämmerung im Himmelhell,
In Paradies die Wildnis.
Es säuselt in der Abendluft,
Es dämmert in dem Morgenduft,
Es tanzet auf der Aue,
Es flötet in der Wachtel Schlag,
Und spregelt sich im klaren Bach,
Und badet sich im Taue.
Wer bist du, holdes Luftgebild,
Das engelhold und engelmild
Mit Schmerz und Lust mich tränket?
Bist du ein Bote bess'rer öden Feld
In seine Heimat winket?
D 231
"Das Sehnen"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 231 (8 July 1815), first published in 1866
Wehmut, die mich hüllt,
Welche Gottheit stillt
Mein unendlich Sehnen!
Die ihr meine Wimper näßt,
Namenlosen Gram entpreßt,
Fließet, fließet Tränen!
Mond, der lieb und traut
In mein Fenster schaut,
Sage, was mir fehle!
Sterne, die ihr droben blinkt,
Holden Gruß mir freundlich winkt,
nennt mir, was mich quäle!
In die Ferne strebt,
Wie auf Flügeln schwebt
Mein erhöhtes Wesen.
Fremder Zug, geheime Kraft,
Namenlose Leidenschaft,
Laß, ach laß genesen!
D 232
"Hymne an den Unendlichen"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 232 (July 11, 1815), first published in 1829 as opus posth.
112 no. 3
Zwischen Himmel und Erd' hoch in der Lüfte Meer,
In der Wiege des Sturms trägt mich ein Zackenfels;
Wolken thürmen unter mir sich zu Stürmen,
Schwindelnd gaukelt der Blitz umher,
Und ich denke dich, Ewiger!
Deinen schauernden Pomp borge den Endlichen,
Ungeheure Natur! du der Unendlichkeit Riesentochter!
Sei mir Spiegel Jehovahs!
Seinen Gott dem vernünft'gen Wurm
Orgle prächtig, Gewittersturm!
Horch! er orgel; den Fels wie er herunter dröhnt!
Brüllend spricht der Orkan Zebaoth's Namen aus,
Hin geschrieben mit dem Griffel des Blitzes:
Creaturen, erkennt ihr mich?
Schone, Herr! wir erkennen dich!
D 233
"Geist der Liebe"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 233 (op. posth. 118 no. 1) (1815)
Wer bist du, Geist der Liebe,
Der durch das Weltall webt,
Den Schoß der Erde schwängert
Und den Atom belebt?
Der Elemente bindet,
Der Weltenkugeln ballt,
Aus Engelharfen jubelt
Und aus dem Säugling lallt?
Nur der ist gut und edel,
Dem du den Bogen spannst.
Nur der ist groß und göttlich,
Den du zum Mann ermannst.
Sein Werk ist Pyramide,
Sein Wort ist Machtgebot,
Ein Spott ist ihm die Hölle.
Ein Hohn ist ihm der Tod.
D 234
"Mich ergreift, ich weiß nicht wie"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Tischlied", D. 234, composed on July 15, 1815,
published in 1829 as op. posth. 118 no. 3, stanzas 1-2, 5, 8
See also:
Max (Traugott Maximillian) Eberwein (1775-1831), "Tischlied"
(1810)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Tischlied", published
1809
Ferdinand Ries (1784-1838), "Mich ergreift, ich weiß nicht
wie", op. 32 no. 6, published 1811
Mich ergreift, ich weiß nicht wie,
Himmlisches Behagen.
Will mich's etwa gar hinauf
Zu den Sternen tragen?
Doch ich bleibe lieber hier,
Kann ich redlich sagen,
Beim Gesang und Glase Wein
Auf den Tisch zu schlagen.
Wundert euch, ihr Freunde, nicht,
Wie ich mich gebärde,
Wirklich es ist allerliebst
Auf der lieben Erde.
Darum schwör' ich feierlich
Und ohn' alle Fährde
Daß ich mich nicht freventlich
Wegbegeben werde.
Da wir aber allzumal
So beisammen weilen,
Dächt' ich, klänge der Pokal
Zu des Dichters Zeilen.
Gute Freunde ziehen fort,
Wohl ein hundert Meilen,
Darum soll man hier am Ort
Anzustossen eilen.
Lebe hoch, wer Leben schafft!
Das ist meine Lehre.
Unser König denn voran,
Ihm gebührt die Ehre.
Gegen ihn und äussern Feind
Setzt er sich zur Wehre:
An's Erhalten denkt er zwar,
Mehr noch, wie er mehre.
Nun begrüß' ich sie sogleich
Sie die einzig Eine.
Jeder denke ritterlich
Sich dabei die Seine.
Merket auch ein schönes Kind,
Wen ich eben meine,
Nun so nicke sie mir zu:
Leb' auch so der Meine!
Freunden gilt das dritte Glas,
Zweien oder dreien,
Die mit uns am guten Tag
Sich im Stillen freuen,
Und der Nebel trübe Nacht
Leis und leicht zerstreuen;
Diesen sei ein Hoch gebracht,
Alten oder Neuen.
Breiter wallet nun der Strom
Mit vermehrten Wellen.
Leben jetzt im hohen Ton
Redliche Gesellen!
Die sich mit gedrängter Kraft
Brav zusammen stellen
In des Glückes Sonnenschein
Und in schlimmen Fällen.
Wie wir nun zusammen sind,
Sind zusammen viele.
Wohl gelingen dann, wie uns,
Andern ihre Spiele!
Von der Quelle bis ans Meer
Mahlet manche Mühle,
Und das Wohl der ganzen Welt
Ist's, worauf ich ziele.
D 235
"Abends unter der Linde"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 235 (July 24, 1815), first published 1894; D. 237 (July 25,
1815), first published 1872
Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Tränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendrot, o Mondenblitz,
Flimmt blaßer um den Lindensitz!
Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flüstert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich wie Geistergruß;
Es geht mich an wie Engelkuß.
Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde grauer Scheitel bebt -
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle, eures Atems Kuß,
O Julie, o Emilius!
Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül
Durch stumme leichenvolle Oden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll -
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!
D 236 "Das
Abendrot"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 236, composed July 20, 1815, first published in 1892
Der Abend blüht,
Der Westen glüht!
Wo bist du, holdes Licht entglommen,
Aus welchem Stern herab gekommen?
Wie seht so hehr
Das düstre Meer,
Die Welle tanzt des Glanzes trunken,
Und sprüht lust taumelnd Feuerfunken.
Viel schöner blüht,
Viel wärmer glüht
Die blasse Rose ihrer Wangen,
Und weckt in brünstiges Verlangen.
Bewunderung
Und Huldigung
Heischt nur das Schön, das ewig lebet,
Weil Huld und Heiligkeit es hebet.
D 237
"Abends unter der Linde"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 235 (July 24, 1815), first published 1894; D. 237 (July 25,
1815), first published 1872
Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Tränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendrot, o Mondenblitz,
Flimmt blaßer um den Lindensitz!
Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flüstert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich wie Geistergruß;
Es geht mich an wie Engelkuß.
Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde grauer Scheitel bebt -
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle, eures Atems Kuß,
O Julie, o Emilius!
Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül
Durch stumme leichenvolle Oden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll -
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!
D 238
"Die Mondnacht"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 238 (July 25, 1815), first published 1894
Siehe, wie die Mondesstrahlen
Busch und Flur in Silber malen!
Wie das Bächlein rollt und flimmt!
Strahlen regnen, Funkken schmettern
Von den sanft geregten Blättern,
Und die Tauflur glänzt und glimmt.
Glänzend erdämmern der Berge Gipfel,
Glänzend der Pappeln wogende Wipfel.
Durch die glanzumrauschten Räume
Flüstern Stimmen, gaukeln Träume,
Sprechen mir vertraulich zu.
Seligkeit, die mich gemahnet,
Höchste Lust, die suß mich schwanet,
Spricht, wo Brust nicht, mächtiges Sehen!
Löschet die Wehmut, labende Tränen!
Wie, ach, wie der Qual genesen?
Wo, ach, wo ein liebend Wesen,
Das die süßen Qualen stillt?
Eins ins andre gar versunken,
Gar verloren, gar verunken,
Bis sich jede Ode füllt...
Solches, ach, wähnt'ich, kühlte das Sehen,
Löschte die Wehmut mit köstlichen Tränen.
Eine weiß ich, ach, nur Eine,
Dich nur weiß ich, dich o Reine,
Die des Herzen Wehmut meint.
Dich umringend, von dir umrungen,
Dich umschlingend, von dir umschlungen,
Gar in Eins mit dir geeint...
Schon', ach schone den Wonneversunk'nen!
Himmel und Erde verschwinden dem Trunk'nen.
D 239
no. 3 "Hin und wieder fliegen die Pfeile"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 239 no 3 (begun 26 July 1815), first published in 1893
Hin und wieder fliegen die Pfeile;
Amors leichte Pfeile fliegen
Von dem schlanken golden Bogen,
Mädchen, seid ihr nicht getroffen?
Es ist Glück! Es ist nur Glück.
Warum fliegt er so in Eile?
Jene dort will er besiegen;
Schon ist er vorbei geflogen;
Sorglos bleibt der Busen offen;
Gebet acht! Er kommt zurück!
D 239
no.6 "Liebe schwärmt auf allen Wegen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 239 no 6 (begun 26 July 1815), first published in 1893
Liebe schwärmt auf allen Wegen;
Treue wohnt für sich allein.
Liebe kommt euch rasch entgegen;
Aufgesucht will Treue sein.
D 240
"Huldigung"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 240 (1815)
Ganz verloren, ganz versunken
In dein Anschaun, Lieblingin,
Wonnebebend, liebetrunken,
Schwingt zu dir der Geist sich hin.
Nichts vermag ich zu beginnen,
Nichts zu denken, dichten, sinnen.
Nichts ist, was das Herz mir füllt.
Huldin, als dein holdes Bild.
D 241
"Alles um Liebe"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 241 (1815)
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft I no.
4
Was ist es, das die Seele füllt?
Ach, Liebe füllt sie, Liebe!
Sie füllt nicht Gold, noch Goldeswert,
Nicht was die öde Welt begehrt,
Sie füllt nur Liebe!
Was ist es, das die Sehnsucht stillt?
Ach, Liebe stillt sie, Liebe!
Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang,
Und nicht des Ruhmes Schellenklang;
Sie stillt nur Liebe, Liebe!
Was ist's, wonach das Herz zerlechzt?
Es lechzet, ach, nach Liebe!
Es schmachtet nicht nach Druck und Kuß,
Nicht nach der Wollust Vollgenuß;
Es schmachtet nicht nach Liebe!
Gern geb' ich, was ich hab' und bin,
Gern geb' ich's hin um Liebe.
Des Reichthums bunter Seifenschaum,
Der Wollust Rausch, des Ruhmes Traum,
Was frommt mir's ohne Liebe?
Viel süßer ist's, gering und arm
An treuer Brust verschmachten,
Als ungeliebt und liebelos
Den Tag verprassen, und im Schoß
Der Wollust übernachten!
O liebe Traute, liebe mich,
So wahr, wie ich dich liebe!
Dann schwinde Ruhe, Ruhm und Glück!
Nimm alles, alles hin, Geschick;
Mir gnügt Ellwinens Liebe.
Und wär mein Los, getrennt von dir,
Mein Leben zu vertrauen;
Und wüßt' ich nur, daß du mich liebst -
Und wüßte nur, daß du mir bliebst -
Wer dürfte mich bedauern?
Und wär' ich in der Sklaverey,
In freundeloser Wildnis,
Und wäre dein, nur dein gewiß,
So wäre Sklaverey mir süß,
Und Paradies die Wildnis.
Und hüllte Todesfinsternis
Dich, meines Lebens Sonne,
Und stürb' ich nur von ihr gemeint,
Von ihr beklagt, von ihr beweint,
So stürb' ich wohl mit Wonne.
Viel besser ist's, jung, kräftig, kühn
Im Arm der Liebe sterben,
Als ungeliebt und liebelos
In dumpfer Freuden mattem Schoos
Veralten und verderben!
D 243 "Frühlingslied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 243; D. 398 (13 May 1816), first published in 1887
Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
Die kleinen Maienglocken blühn,
Und Schlüßelblumen drunter;
Der Wiesengrund
Ist schon so bunt
Und malt sich täglich bunter.
Drum komme, wem der Mai gefällt,
Und schaue froh die schöne Welt
Und Gottes Vatergüte,
Die solche Pracht
Hervorgebracht,
Den Baum und seine Blüte.
D 245
"Wilkommen, schöner Jüngling!"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, "An den Frühling"
D. 245; D. 283 (1815), published 1865 as op. 172 no 5; D. 338 (1816?) (two tenors, two
basses); D. 587 (1817), published 1885
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814),
"An den Frühling"
Ferdinand Ries (1784-1838), "Wilkommen, schöner Jüngling",
op. 7 no. 6, published 1810
Wilkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei, ei! Da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und's Mädchen liebt mich noch!
Für Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? Du gibst es mir.
Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
D 246
"Die Bürgschaft"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 246 (August 1815), first published in 1830
Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."
"Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen."
Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
"Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh' du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen."
Und er kommt zum Freunde: "Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande."
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.
Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.
Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.
Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
"O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen."
Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinet,
Und Stunde an Stunde ertrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.
Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.
"Was wollt ihr?" ruft er vor Schrecken bleich,
"Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
"Um des Freundes willen erbarmet euch!"
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.
Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Knie.
"O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"
Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.
Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
"Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."
Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:
"Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."
"Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!"
Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichter Chor:
"Mich, Henker", ruft er, "erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"
Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Augen tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,
Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!"
D 247 "Die
Spinnerin"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 247 (August 1815), first published in 1829
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published in 1809
Ferdinand Ries (1784-1838), op. 36 no. 5, published 1811
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 55 no. 2 (1815?), from
Gedichte von Goethe III, 2
Als ich still und ruhig spann,
Ohne nur zu stocken,
Trat ein schöner junger Mann
Nahe mir zum Rocken.
Lobte, was zu loben war;
Sollte das was schaden?
Mein dem Flachse gleiches Haar,
Und den gleichen Faden.
Ruhig war er nicht dabei,
Ließ es nicht beim Alten;
Und der Faden riß entzwei,
Den ich lang' erhalten.
Und des Flachses Steingewicht
Gab noch viele Zahlen;
Aber, ach! ich konnte nicht
Mehr mit ihnen prahlen.
Als ich sie zum Weber trug,
Fühlt' ich was sich regen,
Und mein armes Herze schlug
Mit geschwindem Schlägen.
Nun, beim heißen Sonnenstich,
Bring' ich's auf die Bleiche,
Und mit Mühe bück' ich mich
Nach dem nächsten Teiche.
Was ich in dem Kämmerlein
Still und fein gesponnen,
Kommt - wie kann es anders sein? -
Endlich an die Sonnen.
D 248
"Lob des Tokayers"
Text by Gabriele von Baumberg (1768-1839)
Music by Franz Schubert, D. 248, composed August 1815,
first published in 1829 as opus posth. 118 no. 4
O köstlicher Tokayer, o königlicher Wein,
Du stimmest meine Leier zu seltnen Reimerei'n.
Mit langentbehrter Wonne
Und neu erwachtem Scherz
Erwärmst du, gleich der Sonne,
Mein halberstorbnes Herz.
Du stimmest meine Leier zu seltnen Reimerei'n,
O köstlicher Tokayer, o königlicher Wein!
O köstlicher Tokayer, o königlicher Wein,
Dir soll, als Gramzerstreuer, dies Lied geweihet sein!
In schwermutsvollen Launen
Beflügelst du das Blut,
Bei Blonden und bei Braunen
Giebst du dem Blödsinn Mut.
Dir soll, als Gramzerstreuer, dies Lied geweihet sein,
O köstlicher Tokayer, o königlicher Wein!
D 250 "Das
Geheimnis"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 250 (August 7, 1815), first
published in 1872; D. 793 (May 1823), first published in 1867
Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft' ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis' komm' ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug' der Welt!
Von Ferne mit verworr'nem Sausen
Arbeitet der geschäft'ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn' ich schwerer Hammer Schlag.
So sauer ringt die kargen Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schoße
Der Götter fällt das Glück herab.
D 251
"Hoffnung"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 251, op. 87 no. 2 (1815); D. 637 (1817? 1819?)
See also:
Armin Knab (1881-1951)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1809
Es reden und träumen die Menschen viel
Von beßern und künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbeßerung.
Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling begeistert ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er die Hoffnung auf.
Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren.
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Beßern sind wir geboren;
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.
D 252
"Das Mädchen aus der Fremde"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 117 (1814), published 1895;
D. 252 (1815), published 1887
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), 1778
In einem Tal bei armen Hirten
Erschien mit jedem jungen Jahr,
Sobald die ersten Lerchen schwirrten,
Ein Mädchen schön und wunderbar.
Sie war nicht in dem Tal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Doch schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm.
Beseligend war ihre Nähe
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit.
Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur;
Und teilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus,
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus.
Willkommen waren alle Gäste,
Doch nahte sich ein liebend Paar,
Dem reichte sie der Gaben beste,
Der Blumen allerschönste dar.
D 253
"Punschlied, Im Norden zu singen"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 253
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1809?
Auf der Berge freien Höhen, in der Mittagssonne Schein,
An des warmen Strahles Kräften zeugt Natur den goldnen Wein.
Funkelnd wie ein Sohn der Sonne,
Wie des Lichtes Feuerquell,
Springt er perlend aus der Tonne,
Purpurn und krystallenhell.
Und erfreuet alle Sinnen, und in jede bange Brust
Gießt er ein balsamisch Hoffen und des Lebens neue Lust.
D 254
"Der Gott und die Bajadere", Indische Legende
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 254 (Aug 18, 1815), published in 1887
See also:
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 45 no. 2
(1835)
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 34 (1921)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
Mahadöh, der Herr der Erde,
Kommt herab zum sechsten Mal,
Daß er unsers Gleichen werde,
Mit zu fühlen Freud und Qual.
Er bequemt sich, hier zu wohnen,
Läßt sich alles selbst geschehn;
Soll er strafen oder schonen,
Muß er Menschen menschlich sehn.
Und hat er die Stadt sich als Wunder betrachtet,
Die Großen belauert, auf Kleine geachtet,
Verläßt er sie Abends, um weiter zu gehn.
Als er nun hinaus gegangen,
Wo die letzten Häuser sind,
Sieht er, mit gemalten Wangen,
Ein verlornes schönes Kind:
Grüß dich, Jungfrau! - Dank der Ehre! -
Wart, ich komme gleich hinaus -
Und wer bist du? - Bajadere,
Und dies ist der Liebe Haus.
Sie rührt sich, die Zimbeln zum Tanze zu schlagen;
Sie weiß sich so lieblich im Kreise zu tragen,
Sie neigt sich und biegt sich und reicht ihm den Strauß.
Schmeichelnd zieht sie ihn zur Schwelle,
Lebhaft ihn ins Haus hinein.
Schöner Jüngling, lampenhelle
Soll sogleich die Hütte sein.
Bist du müd', ich will dich laben,
Lindern deiner Füße Schmerz.
Was du willst, das sollst du haben,
Ruhe, Freuden oder Scherz.
Sie lindert geschäftig geheuchelte Leiden.
Der Göttliche lächelt; er siehet mit Freuden
Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz.
Und er fordert Sklavendienste;
Immer heitrer wird sie nur,
Und des Mädchens frühe Künste
Werden nach und nach Natur.
Und so stellet auf die Blüte
Bald und bald die Frucht sich ein;
Ist Gehorsam im Gemüte,
Wird nicht fern die Liebe sein.
Aber, sie schärfer und schärfer zu prüfen,
Wählet der Kenner der Höhen und Tiefen
Lust und Entsetzen und grimmige Pein.
Und er küßt die bunten Wangen,
Und sie fühlt der Liebe Qual,
Und das Mädchen steht gefangen,
Und sie weint zum erstenmal;
Sinkt zu seinen Füßen nieder,
Nicht um Wollust noch Gewinst,
Ach! die gelenken Glieder,
Sie versagen allen Dienst.
Und so zu des Lagers vergnüglicher Feier
Bereiten den dunklen behaglichen Schleier
Die nächtlichen Stunden, das schöne Gespinst.
Spät entschlummert unter Scherzen,
Früh erwacht nach kurzer Rast,
Findet sie an ihrem Herzen
Tot den vielgeliebten Gast.
Schreiend stürzt sie auf ihn nieder,
Aber nicht erweckt sie ihn,
Und man trägt die starren Glieder
Bald zur Flammengrube hin.
Sie höret die Priester, die Totengesänge,
Sie raset und rennet und teilet die Menge.
Wer bist du? was drängt zu der Grube dich hin?
Bei der Bahre stürzt sie nieder,
Ihr Geschrei durchdringt die Luft:
Meinen Gatten will ich wieder!
Und ich such ihn in der Gruft.
Soll zu Asche mir zerfallen
Dieser Glieder Götterpracht?
Mein! er war es, mein vor allen!
Ach, nur eine süße Nacht!
Es singen die Priester: Wir tragen die Alten,
Nach langem Ermatten und spätem Erkalten,
Wir tragen die Jugend, noch eh sie's gedacht.
Höre deiner Priester Lehre:
Dieser war dein Gatte nicht.
Lebst du doch als Bajadere,
Und so hast du keine Pflicht.
Nur dem Körper folgt der Schatten
In das stille Totenreich;
Nur die Gattin folgt dem Gatten:
Das ist Pflicht und Ruhm zugleich.
Ertöne, Trommete, zu heiliger Klage!
O nehmet, ihr Götter, die Zierde der Tage,
O nehmet den Jüngling in Flammen zu euch!
So das Chor, das ohn' Erbarmen
Mehret ihres Herzens Not;
Und mit ausgestreckten Armen
Springt sie in den heißen Tod.
Doch der Götter-Jüngling hebet
Aus der Flamme sich empor,
Und in seinen Armen schwebet
Die Geliebte mit hervor.
Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;
Unsterbliche heben verlorene Kinder
Mit feurigen Armen zum Himmel empor.
D 255
"Der Rattenfänger"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 255 (1815), published 1850
See also:
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek
(1774-1850), op. 54 no. 5 (1815?), from Gedichte von Goethe, II:5
Hugo Wolf (1860-1903), from
Goethe-Lieder no. 11
Ich bin der wohlbekannte Sänger,
Der vielgereiste Rattenfänger,
Den diese altberühmte Stadt
Gewiß besonders nötig hat.
Und wärens Ratten noch so viele,
Und wären Wiesel mit im Spiele,
Von allen säubr ich diesen Ort,
Sie müssen miteinander fort.
Dann ist der gut gelaunte Sänger
Mitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,
Wenn er die goldnen Märchen singt.
Und wären Knaben noch so trutzig,
Und wären Mädchen noch so stutzig,
In meine Saiten greif ich ein,
Sie müssen alle hinterdrein.
Dann ist der vielgewandte Sänger
Gelegentlich ein Mädchenfänger;
In keinem Städtchen langt er an,
Wo ers nicht mancher angetan.
Und wären Mädchen noch so blöde,
Und wären Weiber noch so spröde,
Doch allen wird so liebebang
Bei Zaubersaiten und Gesang.
D 256
"Der Schatzgräber"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 256 (August 19, 1815), first published in 1887
See also:
Hanns Eisler (1898-1962), 1942
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
op. 59 no. 3
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1811
Arm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut!
Und, zu enden meine Schmerzen,
Ging ich, einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst du haben!
Schrieb ich hin mit eignem Blut.
Und so zog ich Kreis um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen,
Kraut und Knochenwerk zusammen:
Die Beschwörung war vollbracht.
Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze;
Schwarz und stürmisch war die Nacht.
Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem Sterne
Hinten aus der fernsten Ferne,
Eben als es Zwölfe schlug.
Und da galt kein Vorbereiten:
Heller wards mit einem Male
Von dem Glanz der vollen Schale,
Die ein schöner Knabe trug.
Holde Augen sah ich blinken
Unter dichtem Blumenkranze;
In des Trankes Himmelsglanze
Trat er in den Kreis herein.
Und er hieß mich freundlich trinken;
Und ich dacht: es kann der Knabe
Mit der schönen lichten Gabe
Wahrlich nicht der Böse sein.
Trinke Mut des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung.
Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens:
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!
Sei dein künftig Zauberwort.
D 257
"Heidenröslein"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 257
See also:
Johannes Brahms (1833-1897), WoO. 31 no. 6 (1857)
Peter Grønland (1761-1825)
Johann Christoph Kienlen (1783-1829), 1820
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 1 (1815?), from
Gedichte von Goethe, I:1
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
op. 67 no. 3 (1849)
Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
D 258
"Bundeslied"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 258, composed on August 4
or 19, 1815, first published in 1887
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1809
In allen guten Stunden,
Erhöht von Lieb' und Wein,
Soll dieses Lied verbunden
Von uns gesungen sein!
Uns hält der Gott zusammen,
Der uns hierher gebracht.
Erneuert unsre Flammen,
Er hat sie angefacht.
So glühet fröhlich heute,
Seid recht von Herzen eins!
Auf, trinkt erneuter Freude
Dies Glas des echten Weins!
Auf, in der holden Stunde
Stoßt an, und küßet treu,
Bei jedem neuen Bunde,
Die alten wieder neu!
Wer lebt in unserm Kreise,
Und lebt nicht selig drin?
Genießt die freie Weise
Und treuen Brüdersinn!
So bleibt durch alle Zeiten
Herz Herzen zugekehrt;
Von keinen Kleinigkeiten
Wird unser Bund gestört.
Uns hat ein Gott gesegnet
Mit freiem Lebensblick,
Und alles, was begegnet,
Erneuert unser Glück.
Durch Grillen nicht gedränget,
Verknickt sich keine Lust;
Durch Zieren nicht geenget,
Schlägt freier unsre Brust.
Mit jedem Schritt wird weiter
Die rasche Lebensbahn,
Und heiter, immer heiter
Steigt unser Blick hinan.
Uns wird es nimmer bange,
Wenn alles steigt und fällt,
Und bleiben lange, lange!
Auf ewig so gesellt.
D 259
"An den Mond"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 259 (1815), published 1850;
D. 296 (1819?), published 1868
See also:
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17
no. 4
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 22 no. 5, published 1834
Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), op. 26 no. 1 (1806)
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), op. 7 no. 5
Hans Erich Pfitzner (1869-1949),
op. 18 (1906)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Andreas Jakob Romberg (1767-1821), 1793
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 4 (1815?), from
Gedichte von Goethe, IV:4
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1812
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), 1778 (with a different
form of text)
Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz.
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinem Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß,
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt.
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,
Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.
D 260 "Wonne
der Wehmut"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 260 (1815), published 1829
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 83 no. 1
(1810)
Moriz von Dietrichstein (1775-1864), 1775, published before 1811
Robert Franz (1815-1892), op. 33 no. 1, published 1864
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1788
Franz Salmhofer (1900-1975), op. 5 no. 3, from Vier Lieder, published
1923
Frank Valentine van der Stucken (1858-1929), op. 5 no. 5 (1879)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 61 no. 1 (1815?), from
Gedichte von Goethe IX, 1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807
Winfried (Petrus Ignatius) Zillig (1905-1963), 1941, from Zehn Lieder
nach Gedichten von Goethe
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen der ewigen Liebe!
Ach, nur dem halbgetrockneten Auge
Wie öde, wie tot die Welt ihm erscheint!
Trocknet nicht, trocknet nicht,
Tränen unglücklicher Liebe!
D 261
"Wer kauft Liebesgötter?"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 261 (August 21, 1815), first published 1850
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published in 1809
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), op. 53 no. 6 (1815?) from Gedichte von
Goethe I, 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1802
Von allen schönen Waren,
Zum Markte hergefahren,
Wird keine mehr behagen
Als die wir euch getragen
Aus fernen Ländern bringen.
O höret was wir singen!
Und seht die schönen Vögel,
Sie stehen zum Verkauf.
Zuerst beseht den großen,
Den lustigen, den losen!
Er hüpfet leicht und munter
Von Baum und Busch herunter;
Gleich ist er wieder droben.
Wir wollen ihn nicht loben.
O seht den muntern Vogel!
Er steht hier zum Verkauf.
Betrachtet nun der kleinen,
Er will bedächtig scheinen,
Und doch ist er der Lose,
So gut als wie der große;
Er zeiget meist im Stillen
Den allerbesten Willen.
Der lose kleine Vogel,
Er steht hier zum Verkauf.
O seht das kleine Täubchen,
Das liebe Turtelweibchen!
Die Mädchen sind so zierlich,
Verständig und manierlich;
Sie mag sich gerne putzen
Und eure Liebe nutzen.
Der kleine, zarte Vogel,
Er steht hier zum Verkauf.
Wir wollen sie nicht loben,
Sie stehn zu allen Proben.
Sie lieben sich das Neue;
Doch über ihre Treue
Verlangt nicht Brief und Siegel;
Sie haben alle Flügel.
Wie artig sind die Vögel.
Wie reizend ist der Kauf!
D 262
"Die Fröhlichkeit"
Text by Martin Joseph Prandstetter (1760-1798)
Music by Franz Schubert, D. 262, composed in 1815
Wess' Adern leichtes Blut durchspringt,
Der ist ein reicher Mann;
Auch keine goldnen Ketten zwingt
Ihm Furcht und Hoffnung an.
Denn Fröhlichkeit geleitet ihn
Bis an ein sanftes Grab
Wohl durch ein langes Leben hin
An ihrem Zauberstab.
D 263
"Cora an die Sonne"
Text by Gabriele von Baumberg (1768-1839)
Music by Franz Schubert, D. 263, composed August 22,
1815, first published in 1848
Nach so vielen trüben Tagen
Send' uns wiederum einmal,
Mitleidsvoll für uns're Klagen,
Einen sanften milden Strahl.
Liebe Sonne! trink' den Regen,
Der herab zu stürzen dräut;
Deine Strahlen sind uns Segen,
Deine Blicke - Seligkeit.
Schein', ach, scheine, liebe Sonne!
Jede Freude dank' ich dir;
Alle [Geists] und Herzenswonne,
Licht and Wärme kommt von dir.
D 264
"Der Morgenkuß nach einem Ball"
Text by Gabriele von Baumberg (1768-1839)
Music by Franz Schubert, D. 264 (August 1815), first published in 1850
Durch eine ganze Nacht sich nah zu sein,
So Hand in Hand, so Arm im Arme weilen,
So viel empfinden, ohne mitzuteilen,
Ist eine wonnevolle Pein.
So immer Seelenblick im Seelenblick
Auch den geheimsten Wunsch des Herzens sehen,
So wenig sprechen und sich doch verstehen,
Ist hohes, martervolles Glück.
Zurn Lohn für die im Zwang verschwundne Zeit
Dann bei dem Morgenstrahl, warm, mit Entzücken
Sich Mund an Mund, und Herz an Herz sich drücken -
O dies ist - Engelseligkeit!
D 265
"Abendständchen. An Lina"
Text by Gabriele von Baumberg (1768-1839)
Music by Franz Schubert, D. 265 (1815)
Sei sanft wie ihre Seele,
Und heiter wie ihr Blick,
O Abend und vermähle
Mit selt'ner Treu das Glück.
Wenn alles schläft, und trübe
Die stille Lampe scheint,
Und hoffnungslose Liebe
Oft helle Tränen weint:
Will ich, laß mir's gelingen,
Zu ihrem Fenster gehn,
Ein Lied von Liebe singen,
Und schmachtend nach ihr sehn.
D 266 "Morgenlied"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 266 (August 24, 1815), first published in 1895
Willkommen, rotes Morgenlicht!
Es grüßet dich mein Geist,
Der durch des Schlafes Hülle bricht,
Und seinen Schöpfer preist.
Willkommen, goldner Morgenstrahl,
Der schon den Berg begrüßt,
Und bald im stillen Quellental
Die kleine Blume küßt.
D 269
"Das Leben ist ein Traum"
Text by Johann Christoph Wannovius (1753-??)
Music by Franz Schubert, D. 269 (1815)
Das Leben ist ein Traum,
Man merkt, man fühlt ihn kaum;
Denn schnell wie Wolken ziehn,
Ist dieser Traum dahin.
Wohl dem, der gut geträumt,
Wohl dem, dess Saat hier keimt
Zur Ernte für die Zeit
Der Unvergänglichkeit.
Das Leben ist der Blick
Auf einer Zukunft Glück,
Das jeder haben kann,
Der hier es wohlgethan.
Wohl dem, der nach der Nacht
Des Grabes froh erwacht,
Den nicht die Stimme schreckt,
Die aus dem Schlummer weckt.
Wer bei der Arbeit Schluß
Die Rechnung fürchten muß,
Hat wahrlich keinen Blick
Auf einer Zukunft Glück.
D 270 "An
die Sonne"
Text by Gabriele von Baumberg (1775-1839)
Music by Franz Schubert, D. 270 (August 1815?), first
published in 1829 as op. posth. 118 No 5
Sinke, liebe Sonne, sinke!
Ende deinen trüben Lauf,
Uns an deine Stelle winke
Bald den Mond herauf.
Herrlich und schöner dringe
Aber Morgen dann herfür,
Liebe Sonn'! und mit dir bringe
Meinen Lieben mir.
D 271
"Der Weiberfreund"
Text by Josef Franz von Ratschky (1757-1810), after Abraham Cowley (1618-1667)
Music by Franz Schubert, D. 271 (25 August 1815), first
published 1895
Noch fand von Evens Töchterscharen
Ich keine, die mir nicht gefiel;
Von fünfzehn bis zu fünfzig Jahren
Ist jede meiner Wünsche Ziel.
Durch Farb' und Form, durch Witz und Güte,
Durch alles fühl' ich mich entzückt;
Ein Ebenbild der Aphrodite
Ist Jede, die mein Aug' erblickt.
Selbst die vermag mein Herz zu angeln,
Bei der man jeden Reiz vermißt;
Mag immerhin ihr alles mangeln,
Wenn's nur ein weiblich Wesen ist!
D 272
"An die Sonne"
Text by Christoph August Tiedge (1752-1841)
Music by Franz Schubert, D. 272, composed August 25,
1815, first published in 1872
Königliche Morgensonne,
Sei gegrüßt in deiner Wonne,
Hoch gegrüßt in deiner Pracht!
Golden fließt schon um die Hügel
Dein Gewand, und das Geflügel
Eines jeden Waldes wacht.
Alles fühlet deinen Segen;
Fluren singen dir entgegen,
Alles wird Zusammenklang:
Und du hörest gern die Chöre
Froher Wälder, o so höre,
Hör' auch meinen Lobgesang.
D 273
"Lilla an die Morgenröte"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 273 (25 August 1815), first published 1895
Wie schön bist du, du güldne Morgenröte,
Wie feirerlich bist du!
Dir jauchzt in festlichen Gesang der Flöte
Der Schäfer dankbar zu.
Dich grüßt des Waldes Chor, melodisch singet
Die Lerch' und Nachtingall,
Und rings umher von Berg und Tal erklinget
Der Freude Widerhall.
D 274
"Tischlerlied"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 274 (1815)
Mein Handwerk geht durch alle Welt
Und bringt mir manchen Thaler Geld,
Dess bin ich hoch vergnügt.
Den Tischler braucht ein jeder Stand,
Schon wird das Kind durch meine Hand
In sanften Schlaf gewiegt.
Das Bette zu der Hochzeitnacht
Wird auch durch meinen Fleiß gemacht
und künstlich angemalt.
Ein Geizhals sei auch noch so karg,
Er braucht am Ende einen Sarg,
Und der wird gut bezahlt.
Drum hab' ich immer frohen Mut
Und manche meine Arbeit gut,
Es sei Tisch oder Schrank.
Und wer bei mir brav viel bestellt
Und zahlt mir immer bares Geld,
Dem sag' ich großen Dank.
D 275
"Totenkranz für ein Kind"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 275 (1815)
Sanft wehn, im Hauch der Abendluft,
Die Frühlingshalm' auf deiner Gruft,
Wo Sehnsuchtstränen fallen.
Nie soll, bis uns der Tod befreit,
Die Wolke der Vergessenheit
Dein holdes Bild umwallen.
Wohl dir, obgleich entknospet kaum,
Von Erdenlust und Sinnentraum,
Von Schmerz und Wahn geschieden!
Du schläfst in Ruh'; wir wanken irr
Und unstet bang im Weltgewirr,
Und haben selten Frieden.
D 276
"Abendlied"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 276 (28 August 1815), first published in 1895
Groß und rotentflammet schwebet
Noch die Sonn am Himmelsrand,
Und auf blauen Wogen bebet
Noch ihr Abglanz bis zum Strand;
Aus dem Buchenwalde hebet
Sich der Mond, und winket Ruh'
Seiner Schwester Erde zu.
In geschwollnen Wolken ballet
Dunkler sich die rote Glut,
Zarter Farbenwechsel wallet
Auf der Roggenblüte Flut;
Zwischen schwanken Halmen schallet
Reger Wachteln heller Schlag,
Und der Hirte pfeift ihm nach.
Ihre Ringeltauben girren
Noch die Täuber sanft in Ruh',
Düstre Fledermäuse schwirren
Nun dem glatten Teiche zu,
Und der Käfer Scharen irren,
Und der Uhu, nun erwacht,
Ziehet heulend auf die Wacht.
Wenn die Nachtigallen flöten,
Hebe dich, mein Geist, empor!
Bei des jungen Tags Erröten
Neig' o Vater, mir dein Ohr!
Von der Erd' und ihren Nöten
Steig, o Geist! Wie Duft der Au,
Send' uns, Vater, deinen Tau!
D 277
"Punschlied"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 277 (August 29, 1815), first published in 1892
Vier Elemente, innig gesellt,
Bilden das Leben, bauen die Welt.
Preßt der Citrone saftigen Stern!
Herb ist das Lebens innerster Kern.
Jetzt mit des Zuckers lifterndem Saft
Zähmet die herbe, brennende Kraft!
Gießet des Wassers sprudelndem Schwall!
Wasser umfänget ruhig das All.
Tropfen des Geistes gießet hinein!
Leben dem Leben giebt er allein.
Eh' es verdüftet, schöpfet es schnell!
Nur wenn er glühet labet der Quell.
D 278
"Lied nach dem Falle Nathos"
Text by Baron Edmund von Harold after James Macpherson ("Ossian") (1736-1796)
aus "Darthula"
Music by Franz Schubert, D. 278 (1815)
Beugt euch aus euren Wolken nieder,
Ihr Geister meiner Väter, beuget euch!
Legt ab das rote Schrecken eures Laufs!
Empfangt den fallenden Führer,
Er komme aus einem entfernten Land,
Oder er steig' aus dem tobenden Meer!
Sein Kleid von Nebel sei nah',
Sein Speer aus einer Wolke gestaltet,
Sein Schwert ein erlosch'nes Luftbild,
Und ach, sein Gesicht sei lieblich,
Daß seine Freunde frohlocken in seiner Gegenwart.
O beugt euch aus euren Wolken nieder,
Ihr Geister meiner Väter, beuget euch!
D 280
"Im Frühlingsgarten fand ich sie"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, "Das Rosenband", D. 280 (1815), published 1837
See also:
Edward MacDowell (1860-1908),
"Das Rosenband", op. 12 no. 2 (1880-1)
Josef Antonín `St`epán (1726-1797), "Die Cidly", published
1778-9
Richard Strauss (1864-1949),
"Das Rosenband", op. 36 no. 1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Das Rosenband"
Im Frühlings[garten] fand ich sie,
Da band ich sie mit Rosenbändern:
Sie fühlt' es nicht und schlummerte.
Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick an ihrem Leben:
Ich fühlt' es wohl und wußt' es nicht.
Doch lispelt' ich ihr sprachlos zu
Und rauschte mit den Rosenbändern.
Da wachte sie vom Schlummer auf.
Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward Elysium.
D 281
"Das Mädchen von Inistore"
Text by Baron Edmund von Harold after James MacPherson ("Ossian") (1736-1796)
Music by Franz Schubert, D. 281 (1815)
Mädchen Inistores,
Wein' auf dem Felsen der stürmischen Winde,
Neig' über Wellen dein zierliches Haupt,
Du, dem an Liebreiz der Geist der Hügel weicht,
Wenn er in einem Sonnenstrahl des Mittags
Über Morvens Schweigen hingleitet.
Er ist gefallen!
Der Jüngling erliegt, bleich unter der Klinge Cuthullins!
Nicht mehr wird der Mut deinen Lieben erheben,
Dem Blut der Gebieter zu gleichen.
O Mädchen Inistores,
Trenar, der zierliche Trenar ist tot.
In seiner Heimat heulen seine Doggen,
Sie seh'n seinen gleitenden Geist.
In seiner Halle liegt sein Bogen ungespannt,
Man hört auf dem Hügel seiner Hirsche keinen Schall,
Man hört auf dem Hügel nun keinen Schall!
D 282
"Cronnan"
Text by Baron Edmund von Harold after James MacPherson ("Ossian") (1736-1796)
Music by Franz Schubert, D. 282 (September 5, 1815),
first published in 1830
Shilrik:
Ich sitz' bei der moosigten Quelle; am Gipfel
des stürmischen Hügels. Über mir braust ein Baum.
Dunkle Wellen rollen über die Heide.
Die See ist stürmisch darunter.
Die Hirsche steigen vom Hügel herab.
Kein Jäger wird in der Ferne geseh'n.
Es ist Mittag, aber Alles ist still.
Traurig sind meine einsamen Gedanken.
Erschienst du aber, o meine Geliebte,
wie ein Wand'rer auf der Heide,
dein Haar fliegend im Winde,
dein Busen hoch aufwallend,
deine Augen voll Tränen, für deine Freunde,
die der Nebel des Hügels verbarg: dich wollt' ich trösten,
o mein Geliebte, dich wollt' ich führen
zum Hause meines Vaters!
Aber ist sie es, die dort wie ein Strahl des Lichts
auf der Heide erscheint? Kommst du, o Mädchen,
über Felsen, über Berge zu mir, schimmernd,
wie im Herbste der Mond, wie die Sonn' in der Glut
des Sommers? Sie spricht: aber wie schwach
ist ihre Stimme! Wie das Lüftchen im Schilfe der See.
Vinvela:
Kehrst du vom Kriege schadlos zurück?
Wo sind deine Freunde, mein Geliebter?
Ich vernahm deinen Tod auf dem Hügel;
ich vernahm ihn und beweinte dich!
Shilrik:
Ja, meine Schönste, ich kehre zurück,
aber allein von meinem Geschlecht.
Jene sollst du nicht mehr erblicken, ich hab' ihre Gräber
auf der Fläche errichtet.
Aber warum bist du am Hügel der Wüste?
Warum allein auf der Heide?
Vinvela:
O Shilrik, ich bin allein, allein in der Winterbehausung.
Ich starb vor Schmerz wegen dir.
Shilrik, ich lieg' erblaßt in dem Grab.
Shilrik:
Sie gleitet, sie durchsegelt die Luft wie Nebel
vorm Wind. Und willst du nicht bleiben?
bleib' und schau' meine Tränen! zierlich erscheinst du,
im Leben warst du schön.
Ich will sitzen bei der moosigten Quelle,
am Gipfel des stürmischen Hügels.
Wenn Alles im Mittag herum schweigt,
dann sprich mit mir, o Vinvela!
komm auf dem leichtbeflügelten Hauche!
auf dem Lüftchen der Einöde komm!
laß mich, wenn du vorbeigehst,
deine Stimme vernehmen,
wenn Alles im Mittag herum schweigt!
D 283
"Wilkommen, schöner Jüngling!"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, "An den Frühling"
D. 245; D. 283 (1815), published 1865 as op. 172 no 5; D. 338 (1816?) (two tenors, two
basses); D. 587 (1817), published 1885
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), "An den Frühling"
Ferdinand Ries (1784-1838), "Wilkommen, schöner Jüngling",
op. 7 no. 6, published 1810
Wilkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei, ei! Da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und's Mädchen liebt mich noch!
Für Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? Du gibst es mir.
Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
D 284
"Lied"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 284 (6 September 1815), first published in 1895
Es ist so angenehm so süß,
Um einem lieben Mann zu spielen,
Entzückend, wie ein Paradies,
Des Mannes Feuerkuß zu fühlen.
Jetzt weiß ich, was mein Taubenpaar
Mit seinem sanften Girren sagte,
Und was der Nachtigallen Schar
So zärtlich sich in Liedern klagte;
D 285 b
"Cidli, du weinest, und ich schlummre sicher"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, "Furcht der Geliebten -
An Cidli", D. 285b (1815), published 1885
See also:
Gottfried Emil Fischer (1791-1841),
"An Cidli", 1820
Cidli, du weinest, und ich schlummre sicher,
Wo im Sande der Weg verzogen fortschleicht;
Auch wenn stille Nacht ihn umschattend decket,
Schlummr' ich ihn sicher.
Wo er sich endet, wo ein Strom das Meer wird,
Gleit ich über den Strom, der sanfter aufschwillt;
Denn der mich begleitet, der Gott gebot's ihm.
Weine nicht, Cidli!
D 286 b
"Selma und Selmar"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 286b (September 14, 1815), first published in 1837
Selmar:
Weine du nicht, o die ich innig liebe,
Daß ein trauriger Tag von dir mich scheidet!
Wenn nun wieder Hesperus dir dort lächelt,
Komm' ich Glücklicher wieder!
Selma:
Aber in dunkler Nacht ersteigst du Felsen,
Schwebst in täuschender dunkler Nacht auf Wassern!
Theilt' ich nur mit dir die Gefahr zu sterben;
Würd', ich Glückliche, weinen?
D 287
"Vaterlandslied"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 287 (1815), published 1895
See also:
Christoph Willibald Gluck (1714-1787), 1786
Ich bin ein deutsches Mädchen!
Mein Aug' ist blau und sanft mein Blick,
Ich hab' ein Herz
Das edel ist und stolz und gut.
Ich bin ein deutsches Mädchen!
Mein gutes, edles, stolzes Herz
Schlägt laut empor.
Beim süßen Namen: Vaterland!
D 288
"Zeit, Verkündigerin der besten Freuden"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 288 "An sie" (1815), published 1895
See also:
Richard Strauss (1864-1949), "An Sie", op.
43 no. 1 (1899)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "An Cidli", Kleine Balladen
und Lieder Heft I no. 10
Zeit, Verkündigerin der besten Freuden,
Nahe selige Zeit, dich in der Ferne
Auszuforschen, vergoß ich
Trübender Tränen zuviel'.
Und doch kommst du! O, dich, ja, Engel senden,
Engel senden dich mir, die Menschen waren,
Gleich mir liebten, nun lieben,
Wie ein Unsterblicher liebt.
[Auf den Flügeln der Ruh, in Morgenlüften,
Hell vom Thaue des Tags, der höher lächelt,
Mit dem ewigen Frühling
Kommst du den Himmel herab.]
Denn sie fühlet sich ganz und gießt Entzückung
In dem Herzen empor die volle Seele,
Wenn sie, daß sie geliebt wird,
Trunken von Liebe sich's denkt!
D 289 b
"Die Sommernacht"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 289b (1815), published 1895
See also:
Christoph Willibald Gluck (1714-1787), 1786
Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab
In die Wälder sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düften von der Linde
In den Kühlungen wehn:
So umschatten mich Gedanken an das Grab
Meiner Geliebten, und ich seh' im Walde
Nur es dämmern, und es weht mir
Von der Blüte nicht her.
Ich genoß einst, o ihr Toten, es mit euch!
Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung,
Wie verschönt warst du von dem Monde,
Du, o schöne Natur!
D 290
"Die frühen Gräber"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 290 (14 September 1815), first published in 1837
See also:
Christoph Willibald Gluck (1714-1787), 1786
Ernst Krenek (1900-1991), op. 19 no. 5 (1923)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), op. 9 no. 4 (1828)
Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt' der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib', Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.
Des Maies Erwachen ist nur
Schöner noch, wie die Sommernacht,
Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft,
Und zu dem Hügel herauf rötlich er kömmt.
Ihr Edleren, ach, es bewächst
Eure Male schon ernstes Moos!
O, wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
Sahe sich röten den Tag, schimmern die Nacht!
D 291 b
"Dem Unendlichen"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 291b (15 September 1815), first published in 1895
Wie erhebt sich das Herz, wenn es dich,
Unendlicher, denkt! wie sinkt es,
Wenn's auf sich herunterschaut!
Elend schaut's wehklagend dann und Nacht und Tod!
Allein du rufst mich aus meiner Nacht, der im Elend, der im Tode hilft!
Dann denk' ich es ganz, daß du ewig mich schufst,
Herrlicher, den kein Preis, unten am Grab, oben am Thron,
Herr Gott, den, dankend entflammt, kein Jubel genug besingt!
Weht, Bäume des Lebens, ins Harfengetön!
Rausche mit ihnen ins Harfengetön, kristallner Strom!
Ihr lispelt und rauscht, und, Harfen, ihr tönt
Nie es ganz! Gott ist es, den ihr preist!
Welten, donnert,
In feierlichem Gang, in der Posaunen Chor!
Tönt, all' ihr Sonnen auf der Straße voll Glanz,
In der Posaunen Chor!
Ihr Welten, donnert,
Du, der Posaunen Chor, hallest
Nie es ganz: Gott - nie es ganz: Gott,
Gott, Gott ist es, den ihr preist!
D 293
"Shilrik Und Vinvela"
Text by James Macpherson ("Ossian") (1736-1796)
Music by Franz Schubert, D. 293 (20 September 1815), first published in 1830
Vinvela:
Mein Geliebter ist ein Sohn, des Hügels;
er verfolgt die fliehenden Hirsche;
die Doggen schnauben um ihn;
die Sehne seines Bogens schwirrt in dem Wind.
Ruhst du bei der Quelle des Felsen
oder beim Rauschen des Bergstroms?
Der Schiff neigtsich im Wind,
der Nebel fliegt über die Heide;
ich will ihm ungesehn nahn;
ich will ihn betrachten vom Felsen herab.
Ich sah dich zuerst liebreich
bei der veralteten Eiche von Branno;
schlank kehrtestdu vom Jagen zurück,
unter allen deinen Freunden der schönste.
Shilrik:
Was ist's für eine Stimme, die ich höre?
Sie gleicht dem Hauche des Sommers!
Ich Sitz nicht beim neigenden Schilfe;
ich hör nicht die Quelle des Felsen.
Ferne, ferne o Vinvela,
geh ich zu den Kriegen von Fingal;
meine Doggen begleiten mich nicht;
ich trete nicht mehr auf den Hügel.
Ich seh dich nicht mehr von der Höhe,
zierlich schreitend am Strome der Fläche;
schimmernd, wie der Bogen des Himmels;
wie der Mond auf der westlichen Welle.
Vinvela:
So bist du gegangen, o Shilrik!
Ich bin allein auf dem Hügel!
man sieht die Hirsche am Rande des Gipfels,
sie grasen furchtlos hinweg;
sie für achten die Winde nicht mehr;
nicht mehr den brausenden Baum.
Der Jäger ist weit in der Ferne;
er ist im Felde der Gräber.
Ihr Fremden!
Ihr Söhne der Wellen!
O schont meines liebreichen Shilrik!
Shilrik:
Wenn ich im Felde muß fallen,
heb hoch, o Vinvela, mein Grab.
Graue Steine und ein Hügel von Erde;
sollen mich, bei der Nachwelt bezeichnen.
Wenn der Jäger beim Haufen wird sitzen,
wenn er zu Mittag seine Speise geneußt,
wird er sagen: "Ein Krieger ruht hier,"
und mein Ruhm soll leben in seinem Lob.
Erinn're dich meiner, o Vinvela,
wenn ich auf Erden erlieg!
Vinvela:
Ja! ich werd' mich deiner erinnern;
ach! mein Shilrik wird fallen!
Mein Geliebter! Was soll ich tun,
wenn du auf ewig vergingest?
Ich werd' diese Hügel am Mittag durchstreichen;
die schweigende Heide durchziehn.
Dort werd' ich den Platz deiner Ruh,
wenn du von Jagd zurückkehrtest beschaun.
Ach! mein Shilrik wird fallen;
aber ich werd' meines Shilriks gedenken.
D 295
"Hoffnung"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 295, second version
composed in 1815 or 1816, first published in 1895
Schaff', das Tagwerk meiner Hände,
Hohes Glück, daß ich's vollende!
Laß, o laß mich nicht ermatten!
Nein, es sind nicht leere Träume:
Jetzt nur Stangen, diese Bäume
Geben einst noch Frucht und Schatten.
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