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Franz Schubert

(1797 - 1828)
 

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The Lieder of Franz Schubert

 


Lieder – complete index


Lieder - index 4:

D 296 "An den Mond"
D 297 "Augenlied"
D 298 "Liane"
D 300 "Der Jüngling an der Quelle"
D 301 "Lambertine"
D 302 "Labetrank der Liebe"
D 303 "An die Geliebte"
D 304 "Wiegenlied"
D 305 "Mein Gruß anden Mai"
D 306 "Skolie"
D 307 "Die Sternenweten"
D 308 "Die Macht der Liebe"
D 309 "Das Gestörte Glück"
D 310 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
D 312 "Hektors Abschied"
D 313 "Die Sterne"
D 314 "Nachtgesang"
D 315 "An Rosa I"
D 316 b "An Rosa II"
D 317 "Idens Schwanenlied"
D 318 "Schwangesang"
D 319 "Luisens Antwort"
D 320 "Der Zufriedene"
D 321 "Kennst du das Land?"
D 322 "Hermann und Thusnelda"
D 323 "Klage der Ceres"
D 325 "Wer sich der Einsamkeit ergibt"
D 327 "Lorma"
D 328 "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?"
D 329 "Die drei Sänger"
D 330 "Das Grab"
D 331 "Der Entfernten"
D 337 "Die Einsiedelei"
D 338 "Wilkommen, schöner Jüngling!"
D 342 "An mein Klavier"
D 343 "Litanei auf das Fest Aller Seelen"
D 344 "Heute will ich fröhlich, fröhlich sein"
D 350 "Der Entfernten"
D 351 "Das Fischergewerbe"
D 352 "Licht und Liebe"
D 358 "Die Nacht"
D 359 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
D 360 "Lied eines Schiffers an die Dioskuren"
D 361 "Am Bach im Frühling"
D 362 "Lied (Zufriedenheit)"
D 363 "An Chloen"
D 364 "Das Fischergewerbe"
D 367 "Es war ein König in Thule"
D 368 "Im Felde/Walde schleich ich, still und wild"
D 369 "An Schwager Kronos"
D 371 "Klage"
D 372 "An die Natur"
D 373 "Lied"
D 375 "Der Tod Oscars"
D 376 "Lorma"
D 377 "Das Grab"
D 381 "Morgenlied"
D 382 "Abendlied"
D 388 b "Laura am Klavier"
D 389 "Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
D 390 "Die Entzückung an Laura"
D 391 "Die vier Weltalter"
D 392 "Pflügerlied"
D 393 "Die Einsiedelei"
D 394 "Gesang an die Harmonie"

D 296 "An den Mond"
 
Texthann Wolfgang von Goethe (1749-1832)  by Jo

Music by Franz Schubert, D. 259 (1815), published 1850; D. 296 (1819?), published 1868

See also:

Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17 no. 4
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 22 no. 5, published 1834
Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), op. 26 no. 1 (1806)
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), op. 7 no. 5
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), op. 18 (1906)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Andreas Jakob Romberg (1767-1821), 1793
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 4 (1815?), from Gedichte von Goethe, IV:4
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1812
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), 1778 (with a different form of text)

 
Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz.
Breitest über mein Gefild
Lindernd deinem Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud und Schmerz
In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß,
Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt.
Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu,
Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst,
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.

D 297 "Augenlied"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 297 (Early 1817?), first published in 1895

Süße Augen, klare Bronnen!
Meine Qual und Seligkeit
Ist fürwahr aus euch gewonnen,
Und mein Dichten euch geweiht.
Wo ich weile,
Wie ich eile,
Liebend strahlet ihr mich an;
Ihr erleuchtet,
Ihr befeuchtet,
Mir mit Tränen meine Bahn.
Treue Sterne, schwindet nimmer,
Leitet mich zum Acheron!
Und mit eurem letzten Schimmer
Sei mein Leben auch entfloh'n.

D 298 "Liane"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 298 (October 1815), first published in 1895
 


"Hast du Lianen nicht gesehen?"
"Ich sah sie zu dem Teiche gehn."
Durch Busch und Hecken rennt er fort,
Und kommt an ihren Lieblingsort.
 
Die Linde spannt ihr grünes Netz,
Aus Rosen tönt des Bachs Geschwätz;
Die Blätter rötet Sonnengold,
Und alles ist der Freude hold.
Liane fährt auf einem Kahn,
Vertraute Schwäne nebenan.
Sie spielt die Laute, singt ein Lied,
Wie Liebe in ihr selig blüht.
Das Schifflein schwanket, wie es will,
Sie senkt das Haupt und denket still
An ihn, der an dem Ufer ist,
Sie bald in seine Arme schließt.

D 300 "Der Jüngling an der Quelle"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 300 (1816?), first published in 1842
 


Leise rieselnder Quell!
Ihr wallenden flispernden Pappeln!
Euer Schlummergeräusch
Wecket die Liebe nur auf.
Linderung sucht' ich bei euch
Und sie zu vergessen, die Spröde.
Ach, und Blätter und Bach
Seufzen, Geliebter [Luise], Dir nach!

D 301 "Lambertine"
 
Text by Josef Ludwig Stoll (1778-1815)
Music by Franz Schubert, D. 301 (12 October 1815), first published in 1842
 


O Liebe, die mein Herz erfüllet,
Wie wonnevoll ist deine Seligkeit!
Doch ach! wie grausam peinigend durchwühlet
Mich Hoffnungslosigkeit.
Er liebt mich nicht, er liebt mich nicht, verloren
Ist ohne ihn des Lebens süße Lust.
Ich bin zu bittern Leiden nur geboren,
Nur Schmertz drückt meine Brust.
Doch nein, ich will nicht länger trostlos klagen!
Zu sehen ihn gönnt mir das Schicksal noch;
Darf ich ihm auch nicht meine Liebe sagen,
G'nügt mir sein Anblick doch.
Sein Bild ist Trost in meinem stillen Kummer,
Hier hab' ich's mir zu Wonne aufgestellt;
Dies soll mich laben, bis daß ew'ger Schlummer
Mein mattes Herz befällt.

D 302 "Labetrank der Liebe"
 
Text by Josef Ludwig Stoll (1778-1815)
Music by Franz Schubert, D. 302 (October 15, 1815), first published in 1895
 


Wenn im Spiele leiser Töne
Meine kranke Seele schwebt,
Und der Wehmut süße Träne
Deinem warmen Blick entschwebt:
Sink' ich dir bei sanftem Wallen
Deines Busens sprachlos hin;
Engelmelodien schallen,
Und der Erde Schatten fliehn.
So in Eden hingesunken,
Lieb' mit Liebe umgetauscht,
Küße lispelnd wonnetrunken,
Wie von Seraphim umrauscht:
Reichst du mir im Engelbilde
Liebewarmen Labetrank,
Wenn im schnöden Staubgefilde
Schmachtend meine Seele sank.

D 303 "An die Geliebte"
 
Text by Josef Ludwig Stoll (1778-1815)
Music by Franz Schubert, D. 303 (1815), published 1887

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), 1811, 1814, woO 140
 


O daß ich dir vom stillen Auge
In seinem liebevollen Schein
Die Tränen von der Wange sauge,
Eh sie die Erde trinket ein!
Wohl hält sie zögernd auf der Wange
Und will sie heiß der Treue weihn.
Nun ich sie so im Kuß empfange,
Nun sind auch deine Schmerzen mein, ja mein!

D 304 "Wiegenlied"
 
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 304 (1815)

 
Schlummre sanft! - Noch an dem Mutterherzen!
Fühlst du nicht des Lebens Qual und Lust;
Deine Träume kennen keinen Schmerzen,
Deine Welt ist deiner Mutter Brust.
Ach! wie süß träumt man die frühen Stunden,
Wo man von der Mutterliebe lebt;
Die Erinnerung ist mir verschwunden,
Ahndung bleibt es nur, die mich durchbebt.
Dreimal darf der Mensch so süß erwarmen,
Dreimal ist's dem Glücklichen erlaubt,
Daß er in der Liebe Götterarmen
An des Lebens höh're Deutung glaubt.
Liebe gibt ihm ihren ersten Segen,
Und der Säugling blüht in Freud' und Lust,
Alles lacht dem frischen Blick entgegen;
Liebe hält ihn an der Mutterbrust.
Wenn sich dann der schöne Himmel trübte,
Und es wölkt sich nun des Jünglings Lauf:
Da, zum zweiten Mal, nimmt als Geliebte
Ihn die Lieb' in ihre Arme auf.
Doch im Sturme bricht der Blütenstengel,
Und im Sturme bricht des Menschen Herz:
Da erscheint die Lieb' als Todesengel,
Und sie trägt ihn jubelnd himmelwärts. 

D 305 "Mein Gruß an den Mai"
 
Text by "Ermin" (Pen name of Johann Gottfried Kumpf, 1781-1862)
Music by Franz Schubert, D. 305 (15 October 1815), First published in 1895
 


Sei mir gegrüßt, o Mai, mit deinem Blütenhimmel,
Mit deinem Lenz, mit deinem Freudenmeer.
Sei mir gegrüßt mit deinem fröhlichen Gewimmel
Der neu belebten Wesen um mich her. 

D 306 "Skolie"
 
Text by Johann Ludwig von Deinhardstein (1796-1859)
Music by Franz Schubert, D. 306, October 15, 1815, First published in 1895
 


Laßt im Morgenstrahl des Mai'n
Uns der Blume Leben freun,
Eh' ihr Duft entweichet!
Hauch er in den Busen Qual,
Glüht ein Dämon im Pokal,
Der sie leicht verscheuchet.
Schnell wie uns die Freude küßt,
Winkt der Tod, und sie zerfließt;
Dürfen wir ihn scheuen?
Von den Mädchenlippen winkt
Lebensatem, wer ihn trinkt,
Lächelt seinem Dräuen.

D 307 "Die Sternenwelten"
 
Text by Johann Georg Fellinger (1781-1816), after Urban Jarnik
Music by Franz Schubert, D. 307 (15 October 1815), first published in 1895
 

 
Oben drehen sich die großen
Unbekannten Welten dort,
Von dem Sonnenlicht umfloßen
Kreisen sie die Bahnen fort!
Traulich reihet sich der Sterne
Zahlenloses Heer ringsum,
Sieht sich lächelnd durch die Ferne
Und verbreitet Gottes Ruhm.
Eine lichte Straße gleitet
Durch das weite Blau herauf,
Und die Macht der Gottheit leitet
Schwebend hier den Sternenlauf;
Alles hat sich zugeründet,
Alles wogt in Glanz un Brand,
Und dies große All verkündet
Eine hohe Bildnerhand.

D 308 "Die Macht der Liebe"
 
Text by Johann Nepomuk Ritter von Kalchberg (1765-1827)
Music by Franz Schubert, D. 308 (1815)
 
 


Überall wohin mein Auge blicket,
Herrschet Liebe, find' ich ihre Spur;
Jedem Strauch und Blümchen auf der Flur
Hat sie tief ihr Siegel eingedrücket.
Sie erfüllt, durchglüht, verjüngt und schmücket
Alles Lebende in der Natur;
Erd' und Himmel, jede Kreatur,
Leben nur durch sie, von ihr beglücket.

D 309 "Das Gestörte Glück"
 
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Franz Schubert, D. 309 (October 15, 1815), first published in 1872

Ich hab' ein heißes junges Blut,
Wie ihr wohl alle wißt,
Ich bin dem Küssen gar zu gut,
Und hab' noch nie geküßt;
Denn ist mir auch mein Liebchen hold,
's war doch, als wenn's nicht werden sollt:
Trotz aller Muh' und aller List,
Hab ich doch niemals noch geküßt.
Des Nachbars Röschen ist mir gut;
Sie ging zur Wiese früh.
Ich lief ihr nach und faßte Mut,
Und schlang den Arm um sie:
Da stach ich an dem Miederband
Mir eine Nadel in die Hand;
Das Blut lief stark, ich sprang nach Haus,
Und mit dem Küßen war es aus.
Jüngst ging ich so zum Zeitvertreib,
Und traf sie dort am Fluß,
Ich schlang den Arm um ihren Leib,
Und bat um einen Kuß;
Sie spitzte schon den Rosenmund,
Da kam der alte Kettenhund,
Un biß mich wütend in das Bein!
Da ließ ich wohl das Küßen sein.
Und allemal geht mir's nun so;
O! daß ich's leiden muß!
Mein Lebtag werd' ich immer froh,
Krieg' ich nicht bald 'nen Kuß.
Das Glück sieht mich so finster an,
Was hab' ich armer Wicht getan?
Drum, wer es hört, erbarme sich,
Und sei so gut und küße mich.

D 310 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895; D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872; D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895; D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867; D. 877 no 1 and 4 (1826)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Robert Schumann (1810-1856), "Nur wer die Sehnsucht kennt", op. 98a no. 3 (May/June 1849)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", op. 6 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821
 


Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

D 312 "Hektors Abschied"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, D. 312 (19 October 1815), first published in April 1826 as op. 58 no 1

Andromache:
Will sich Hektor ewig von mir wenden,
Wo Achill mit den unnahbaren Händen
Dem Patroklus schrecklich opfer bringt?
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
Speere werfen und die Götter ehren,
Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?
Hektor:
Teures Welb, gebiete deinen Tränen!
Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,
Diese Arme schützen Pergamus.
Kämpfend für den heil'gen Herd der Götter
Fall ich, und des Vaterlandes Retter
Steig' ich nieder zu dem styg'schen Fluß.
Andromache:
Nimmer lausch' ich deiner Waffen Schalle
Müßig liegt das Eisen in der Halle,
Priams großer Heldenstamm verdirbt.
Du wirst hingeh'n, wo kein Tag mehr scheinet,
Der Cocytus durch die Wüsten weinet,
Deine Lieb' im Lethe stirbt.
Hektor:
All mein Sehnen will ich, all mein Denken,
In des Lethe stillen Strom versenken,
Aber meine Liebe nicht.
Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern
Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern!
Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.

D 313 "Die Sterne"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)

Music by Franz Schubert, D. 313, composed October 19, 1815, first published in 1895

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft III no. 9

 
Wie wohl ist mir im Dunkeln!
Wie weht die laue Nacht!
Die Sterne Gottes funkeln
In feierlicher Pracht!
Komm, Mädchen [Ida], komm ins Freie,
Und laß in jene Bläue
Und laß zu jenen Höhn
Uns staunend aufwärts sehn.
O Sterne Gottes, Zeugen
Und Boten beß'rer Welt,
Ihr heißt den Aufruhr schweigen,
Der unsern Busen schwellt.
Ich seh' hinauf, ihr Hehren,
Zu euren lichten Sphären,
Und Ahndung beß'rer Lust
Stillt die empörte Brust.
O Ida, wenn die Schwermuth
Dein sanftes Auge hüllt,
Wenn dir die Welt mit Wermuth
Den Lebensbecher füllt;
So geh hinaus im Dunkeln,
Und sieh die Sterne funkeln,
Und leiser wird dein Schmerz,
Und freier schlägt dein Herz.
Und wenn im öden Staube
Der irre Geist erkrankt;
Wenn tief in dir der Glaube
An Gott und Zukunft schwankt;
Schau auf zu jenen Fernen
Zu jenen ew'gen Sternen!
Schau auf und glaub' an Gott,
Und segne Grab und Tod.
O Ida, wenn die Strenge
Des Schicksals einst uns trennt,
Und wenn das Weltgedränge
Nicht Blick noch Kuß uns gönnt;
So schau hinauf ins Freie,
In jene weite Bläue!
In jene lichren Höh'n,
Dort, dort ist Wiedersehn!
 
Und wenn ich einst, o Theure,
Von allem Kampf und Krieg,
Im stillen Grabe feire,
So schau empor und sprich;
"In jenen hohen Fernen,
Auf jenen goldnen Sternen,
Dort, wo's am hellsten blizt,
Wallt mein Verlorner izt."
O Sterne Gottes, Boten
Und Bürger beß'rer Welt,
Die ihr die Nacht der Toten
Zu milder Dämm'rung hellt;
Umschimmert sanft die Stätte,
Wo ich aus stillem Bette
Und süßem Schlaf' erwach'
Zu Edens schöner'm Tag!

D 314 "Nachtgesang"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 314

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft I no. 7

 
Tiefe Feier schauert um die Welt,
Braune Schleier hüllen Wald und Feld.
Trüb und matt und müde
Nickt jedes Leben ein,
Und namenloser Friede
Umsäuselt alles Sein.
Wacher Kummer, laß ein Weilchen mich,
Goldner Schlummer, komm umflügle mich!
Trockne meine Tränen
Mit deines Schleiers Saum,
Und täusche, Freund, mein Sehnen
Mit deinem schönsten Traum.
Blaue Ferne, hoch über mich erhöht!
Heilge Sterne, in hehrer Majestät!
Sagt mir, ist es stiller, ihr Funkelnden,
Bei euch, als in der Eitelkeiten aufruhvollem Reich?

D 315 "An Rosa I"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 315 (October 19, 1815), first published in 1895

 
Warum bist du nicht hier, meine Geliebteste,
Daß mich gürte dein Arm,
Daß mich dein Händedruck labe,
Daß du mich preßest
An dein schlagendes Schwesterherz.
Warum bist du nicht hier, meine Vertrauteste,
Daß dich gürte mein Arm,
Daß ich dir süßen Gruß
Lispl' und feurig dich drücke
An mein schlagendes Bruderherz.
Matte labet der Quell, Müde der Abendstern,
Irre Wandrer der Mond, Kranke das Morgenrot;
Mich erlabet, Geliebte,
Dein Umfangen am kräftigsten.

D 316 b "An Rosa II"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)

Music by Franz Schubert, D. 316b, composed October 19, 1815, first published in 1895

 
Rosa, denkst du an mich? Innig gedenk' ich dein!
Durch den grünlichen Wald schimmert das Abendrot,
Und die Wipfel der Tannen
Regt das Säuseln des Ewigen.
Rosa, wärest du hier, säh' ich ins Abendrot
Deine Wangen getaucht, säh' ich vom Abendhauch
Deine Locken geringelt
Edle Seele, mir wäre wohl!

D 317 "Idens Schwanenlied"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 317 (19 October 1815), first published in 1895

 
Wie schau'st du aus dem Nebelflor
O Sonne, bleich und müde!
Es schwirrt der Heimchen heis'rer Chor
Zu meinem Schwanenliede.
Ach, klagt um eure Schwester, klagt
Ihr Rosen und ihr Nelken!
Wie bald, und hin ist meine Pracht,
Und meine Blüthen welken.
Der Wand'rer, der in meiner Zier,
In meiner Schönheit Schimmer
Mich schau'te, kommt und forscht nach mir,
Und sieht mich nimmer, nimmer.
Es kommt der Traute, den ich mir
Erkoren einzig habe...
Ach fleuch, Geliebter, fleuch von hier!
Dein Mädchen schläft im Grabe.
Triumph! Auf Herbstesdämmerung
Folgt milder Frühlingsschimmer,
Auf Trennung folgt Vereinigung,
Vereinigung auf immer!

D 318 "Schwangesang"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 318 (1815)
 


Endlich steh'n die Pforten offen,
Endlich winkt das ühle Grab,
Und nach langem Fürchten, Hoffen,
Neigt sich mir die Nacht hinab.
Durchgewacht sind nun die Tage
Meines Lebens, süßes Ruh'
Drückt nach ausgeweinter Klage
Mir die müden Wimpern zu.
Ewig wird die Nacht nicht dauern,
Ewig dieser Schlummer nicht.
Hinter jenen Gräberschauern
Dämmert unauslöschlich Licht.
Aber bis das Licht mir funkle,
Bis ein schön'rer Tag mir lacht,
Sink' ich ruhig in die dunkkle,
Stille, kühle Schlummernacht.

D 319 "Luisens Antwort"
 
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 319 (19 October 1815), first published in 1895
 


Wohl weinen Gottes Engel,
Wenn Liebende sich trennen,
Geliebter, ohne dich!
Gestorben allen Freuden,
Leb'ich fortan den Leiden,
Und nimmer, Wilhelm, nimmer
Vergißt Luisa dich.
Wie könnt' ich dein vergessen!
Vergessen jener Stunden,
Wo ich, von dir umwunden,
Umflechtend innig dich,
An deine Brust mich lehnte,
Ganz dein zu sein mich sehnte!
Geliebter, nimmer, nimmer
Vergißt Luisa dich.
Verachtet und vergessen,
Verloren und verlassen,
Könnt' ich dich doch nicht hassen;
Still grämen würd' ich mich,
Bis Tod sich mein erbarmte.
Das Grab mich kühl umarmte...
Doch auch im Grab', im Himmel,
O Wilhelm, liebt' ich dich!
In mildern Engelglanze
Würd' ich dein Bett' umschimmern
Und zärtlich dich um wimmern;
"Ich bin Luisa, ich;
Luisa kann nicht hassen,
Luisa dich nicht lassen,
Luisa kommt zu segnen,
Und liebt auch droben dich."

D 320 "Der Zufriedene"
 
Text by Christian Ludwig Reissig (1783-1822)
Music by Franz Schubert, D. 320 (1815)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), op. 75 no. 6 (1809)
 


Zwar schuf das Glück hienieden
Mich weder reich noch groß,
Allen ich bin zufrieden,
Wie mit dem schönsten Los.
So ganz nach meinem Herzen
Ward mir ein Freund vergönnt,
Denn Küßen, Trinken, Scherzen
Ist auch sein Element.
Wenn mir bei diesem Lose
Nun auch ein trüb'res fällt,
So denk' ich: keine Rose
Blüht dornlos in der Welt.

D 321 "Kennst du das Land?"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 321, 1815, composed Oct. 23, 1815, first published 1832

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)
Alban Berg (1885-1936) Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17 no. 2, "Mignon"
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in French translation by Wilder)
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 37 no. 1, "Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811, op. 4
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien", 1822
Stanislaw Moniuszko (1819-1872), "Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by Mickiewicz)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ. 1795-96
Robert Alexander Schumann (1810-1856), Lieder-Album für die Jugend, 1849, op. 79 no. 29; op. 98a no. 1
Ludwig Spohr (1784-1859), "Mignons Lied", 1816, op. 37 no. 1
Gasparo Spontini "Mignon", 1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony", op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian  translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht", op. 54 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795

 
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

D 322 "Hermann und Thusnelda"
 
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 322 (October 27, 1815), first published in 1837

See also:

Christian Gottlob Neefe (1748-1798), 1799

 
Thusnelda:
Ha, dort kömmt er, mit Schweiß, mit Römerblut,
Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schön war
Hermann niemals! So hat's ihm
Nie von dem Auge geflammt.
Komm, o komm, ich bebe vor Lust, reich' mir den Adler
Und das triefende Schwert! Komm, athm' und ruh'
Hier aus in meiner Umarmung
Von der zu schrecklichen Schlacht.
Ruh' hier, daß ich den Schweiß von der Stirn' abtrockne
Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange!
Hermann, Hermann, so hat dich
Niemals Thusnelda geliebt!
Selbst nicht, als du zuerst im Eichenschatten
Mit dem bräunlichen Arm mich wilder umfaßtest!
Fliehend blieb ich und sah dir
Schon die Unsterblichkeit an.
Die nun dein ist Erzählt's in allen Hainen,
Daß Augustus nun bang' mit seinen Göttern
Nektar trinket! Erzählt es in allen Hainen,
Daß Hermann unsterblicher ist!
Hermann:
Warum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme
Tote Vater vor uns? O, hätt' Augustus
Seine Heere geführt, er
Läge noch blutiger da!
Thusnelda:
Laß dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben,
Daß es über dem Kranz in Locken drohe!
Siegmar ist bei den Göttern!
Folge du, und wein' ihm nicht nach!

D 323 "Klage der Ceres"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, D. 323 (November 1815/June 1816), first published in 1895

 
Ist der holde Lenz erschienen?
Hat die Erde sich verjüngt?
Die besonnten Hügel grünen,
Und des Eises Rinde springt.
Aus der Ströme blauem Spiegel
Lacht der unbewölkte Zeus,
Milder wehen Zephyrs Flögel,
Augen treibt das junge Reis.
In dem Haim erwachen Lieder.
Und die Oreade spricht:
Deine Blumen kehren wieder,
Deine Tochter kehret nicht.
Ach, wie lang'ist's, daß ich walle
Suchend durch der Erde Flur!
Titan, deiner Strahlen alle
Sandt' ich nach der teuren Spur;
Keiner hat mir noch verkündet
Von dem lieben Angesicht,
Und der Tag, der alles findet,
Die Verlorne fand er nicht,
Hast du, Zeus, sie mir entrissen?
Hat, von ihrem Reiz gerührt,
Zu des Orkus schwarzen Flüßen
Pluto sie hinabgeführt?
Wer wird nach dem düstern Strande
Meines Grames Bote sein?
Ewig stößt der Kahn vom Lande,
Doch nur Schatten nimmt er ein.
Jedem sel'gen Aug' verschlossen
Bleibt das nächtliche Gefild,
Und so lang der Styx geflossen,
Trug er kein lebendig Bild.
Nieder führen tausend Steige,
Keiner führt zum Tag zurück,
Ihre Tränen bringt kein Zeuge
Vor der bangen Mutter Blick.
Mütter, die aus Pyrrhas Stamme
Sterbliche geboren sind,
Dürfen durch des Grabes Flamme
Folgen dem geliebten Kind;
Nur was Jovis Haus bewohnet,
Nahet nicht dem dunkeln Strand,
Nur die Seligen verschonet,
Parzen, eure strenge Hand.
Stürzt mich in die Nacht der Nächte
Aus des Himmels goldnem Saal!
Ehret nicht der Göttin Rechte,
Ach! sie sind der Mutter Qual!
Wo sie mit dem finstern Gatten
Freudlos thronet, sttieg'ich hin,
Und träte mir den leisen Schatten
Leise vor die Herrscherin.
Ach, ihr Auge, feucht von Zähren,
Sucht umsonst das goldne Licht,
Irret nach entfernten Sphären,
Auf die Mutter fällt es nicht -
Bis die Freude sie entdecket,
Bis sich Brust mit Brust vereint,
Und, zum Mitgefühl erwecket,
Selbst der rauhe Orkus weint.
Eitler Wunsch! Verlome Klagen!
Ruhig in dem gleichen Gleis
Rollt des Tages sichrer Wagen,
Ewig steht der Schluß des Zeus.
Weg von jenen Finternissen
Wandt'er sein beglücktes Haupt;
Einmal in die Nacht gerissen,
Bleibt sie ewig mir geraubt,
Bis des dunkeln Stromes Welle
Von Aurorens Farben glüht,
Iris mitten durch die Hölle
Ihren schönen Bogen zieht.
Ist mir nichts von ihr geblieben?
Nicht ein süß erinnernd Pfand,
Daß die Fernen sich noch lieben,
Keine Spur der teuren Hand?
Knüpfet sich kein Liebesknoten
Zwischen Kind und Mutter an?
Zwischen Lebenden und Totan
Ist kein Bündnis aufgetan?
Nein, nicht ganz ist sie entflohen!
Wir sind nicht ganz getrennt!
Habens uns die ewig Hohen
Eine Sprache doch vergönnt!
Wenn des Frühlings Kinder sterben,
Wenn von Nordes kaltem Hauch
Blatt und Blumen sich entfärben,
Traurig steht der nackte Strauch,
Nehm ich mir das höchste Leben
Aus Vertumnus' reichem Horn,
Opfernd es dem Styx zu geben,
Mir des Samens goldnes Korn,
Trauernd senk'ich's in die Erde'
Leg'es an des Kindes Herz,
Daß es eine Sprache werde
Meine Liebe, meinem Schmerz.
Führt der gleiche Tanz der Horen
Freudig nun den Lenz zurück,
Wird das Tote neu geboren
Von der Sonne Lebensblick;
Keime, die dem Auge starben
In der Erde kaltem Schoß,
In das heitre Reich der Farben
Ringen sie sich freudig los.
Wenn der Stamm zum Himmel eilet,
Sucht die Wurzel scheu die Nacht,
Gleich in ihre Pflege teilet
Sich des Styx, des Athers Macht.
Halb berühren sie der Toten,
Halb der Lebenden Gebiet -
Ach, sie sind mir teure Boten,
Süße Stimmen vom Cocyt!
Hält er gleich sie selbst verschlossen
In dem schauervollen Schlund,
Aus des Frühlings jungen Sproßen
Redet mir der holde Mund;
Daß auch fern vom goldnen Tage,
Wo die Schatten traurig ziehn,
Liebend noch der Busen schlage,
Zärtlich noch die Herzen glühn.
O, so laßt euch froh begrüssen,
Kinder der verjüngten Au,
Euer Keich soll überfließen
Von des Nektars reinstem Tau.
Tauchen will ich euch in Strahlen,
Mit der Iris schönstem Licht
Will ich eure Blätter malen
Gleich Aurorens Angesicht.
In des Lenzes hieterm Glanze
Lese jede zarte Brust,
In des Herbstes welkem Kranze
Meinen Schmerz und meine Lust.

D 325 "Wer sich der Einsamkeit ergibt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister

Music by Franz Schubert, "Gesänge des Harfners I", D. 325, D. 478b. (September 1816), first published in 1822 as op. 12 no. 1

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Harfners Lied", 1825
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Einsamkeit", published 1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Wer sich der Einsamkeit ergibt", op. 98a no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler I", from Goethe-Lieder no. 1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Einsamkeit" (1795)

 
Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.
Ja! Laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.
Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach, werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!

D 327 "Lorma"
 
Text by Baron Eduard de Harold after James MacPherson ("Ossian") (1736-1796)

Music by Franz Schubert, Fragment: D. 327 (November 28, 1815), first published in 1928, completed by Reinhard Van Hoorickx; D. 376 (February 10, 1816), first published in 1895

Lorma saß in der Halle von Aldo.
Sie saß beim Licht einer
flammenden Eiche. Die Nacht stieg
herab, aber er kehrte nicht wieder
zurück. Lormas Seele war trüb!
"Was hält dich, du Jäger
von Cona, zurück? Du hast ja
versprochen wieder zu kehren.
Waren die Hirsche weit in der
Ferne? Brausen an der Heide die
düstern Winde um dich? Ich bin im
Lande der Fremden. Wer ist mein
Freund, als Aldo? Komm' von deinen
erschallenden Hügeln, o mein bester Geliebter!"
Sie wandt' ihre Augen gegen das Tor.
Sie lauscht zum brausenden Wind.
Sie denkt, es selen die Tritte von
Aldo. Freud' steigt in ihrem
Antlitz! aber Wehmut kehrt wieder,
wie am Mond eine dünne Wolke, zurück.

D 328 "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Erlkönig", D. 328 (October, 1815), first published in 1821 as op 1

See also:

Gottlob Bachmann (1763-1840), "Erlkönig", op. 43. Published 1798/99?
Anselm Hüttenbrenner (1794-1868), "Erlkönig", 1829
Bernhard Joseph Klein (1793-1832), "Der Erlkönig", published 1815?
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Erlkönig", op. 1 no. 3 (1818)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Erlkönig", published 1794
Andreas Jakob Romberg (1767-1821), "Erlkönig", published 1793
Louis Schlottmann (1826-1905), "Erlkönig", op. 44 no. 8. Published 1878?
Julius Schneider (1805-1885), "Erlkönig", 1828
Corona Elisabeth Wilhelmine Schröter (1751-1802), "Der Erlkönig" (1782)
Ludwig Spohr (1784-1859), "Erlkönig", op. 154 no. 4 (slightly different version)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Erlkönig", op. 59 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe, VII:1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Der Erlkönig", 1797
 

 
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
"Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?"
"Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?"
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."
"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."
"Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?"
"Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:
In dürren Blättern säuselt der Wind."
"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."
"Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?"
"Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau."
"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
"Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!"
Dem Vater grausets, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh' und Not:
In seinen Armen das Kind war tot.

D 329 "Die drei Sänger"
 
Text by Johann Friedrich Ludwig Bobrik (1781-1848)

Music by Franz Schubert, D. 329, fragment composed December 23, 1815, first published in 1895, completed by Reinhard Van Hoorickx

 
Der König saß beim frohen Mahle,
Die Frau'n und Ritter um ihn her,
Es kreisten fröhlich die Pokale,
Und manches Becken trank man leer.
Da tönte Klang von goldnen Saiten,
Der süßer labt als goldner Wein,
Und sieh! Drei fremde Sänger schreiten,
Sich neigend, in den Saal hinein.
"Seid mir gegrüßt, ihr Liedersöhne!"
Beginnt der König wohlgemut,
"In deren Brust das Reich der Töne
Und des Gesangs Geheimniß ruht!
Wollt ihr den edlen Wettstreit wagen,
So soll es höchlich uns erfreu'n,
Und wer den Sieg davon getragen."
Er sprichts - der erste rührt die Saiten,
Die Vorwerlt' öffnet er dem Blick,
Zum grauen Anfang aller Zeiten
Lenkt er der Hörer Blick zurück.
Er meldet, wie sich neugeboren
Die Welt dem Chaos einst entwand.
Sein Lied behagt den meisten Ohren
Drauf mehr die Hörer zu ergetzen,
Erklingt des Zweiten lust'ge Mähr:
Von Gnomen fein und ihren Schätzen,
Und von der grünen Zwerge Heer:
Er singt von manchen Wunderdingen,
Von manchem Schwanke schlau erdacht;
Da regt der Scherz die losen Schwingen,
Und jeder Mund im Saale lacht.
Und an den Dritten kommt die Reih'.
Und sanft aus tief bewegter Brust
Haucht er dein Lied von Lieb' und Treu'
Und von der Sehnscht Schmerz und Lust.
Und kaum daß seine Saiten klingen,
Schaut jedes Antlitz in den Schooß,
Und Tränen des Gefühles ringen
Sich aus verklärten Augen los.
Und tiefes Schweigen herrscht im Saale,
Als seines Liedes Ton entschwand -
Da steht der König auf vom Mahle,
Und reicht dem dritten seine Hand:
"Bleib bei uns, Freund! dir ist's gelungen,
Du bist es, dem der Preis gebührt;
Das schönste Lied hat der gesungen,
Der unser Herz zur Wehmut rührt."

D 330 "Das Grab"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, D. 330 (December 28, 1815), first published in 1895; D. 377 Third version. (February 11, 1816), first published in 1872; D. 569 (1817)

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft IV no. 24 (with a different form of text)

 
Das Grab ist tief und stille,
Und schauderhaft sein Rand,
Es deckt mit schwarzer Hülle
Ein unbekanntes Land.
Das Lied der Nachtigallen
Tönt nicht in seinem Schoß.
Der Freudschaft Rosen fallen
Nur auf des Hügels Moos.
Das arme Herz, hienieden
Von manchem Sturm bewegt,
Erlangt den wahren Frieden
Nur, wo es nicht mehr schlägt.

D 331 "Der Entfernten"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 331, D. 350
 

 
Wohl denk' ich allenthalben,
O du Entfernte, dein!
Früh, wenn die Wolken falben,
Und spät im Sternenschein.
Im Grund des Morgengoldes,
Im roten Abendlicht,
Umschwebst du mich, o holdest,
Geliebtes Traumgesicht!
Wo rauschender und trüber
Der Strom Gebirge trennt,
Weht oft sein Laut herüber,
Den meine Seele kennt;
Wenn ich den Fels erklimme,
Den noch kein Fuß erreicht,
Lausch' ich nach jener Stimme,
Doch Kluft und Echo schweigt.
Es folgt in alle Weite
Dein trautes Bild mir nach,
Es wallt mir stets zur Seite,
Im Träumen oder wach;
Wenn Lüfte sanft bestreichen
Der See beschilften Strand,
Umflüstern mich die Schleifen
Von seinem Busenband.
Wo durch die Nacht der Fichten
Ein Dämmrungsflimmer wallt,
Seh' ich dich zögernd flüchten,
Geliebte Luftgestalt!
Wenn sanft dir nachzulangen,
Der Sehnsucht Arm sich hebt,
Ist dein Fantom zergangen,
Wie Taugedüft verschwebt.

D 337 "Die Einsiedelei"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, D. 337 (chorus of 2 tenors, 2 basses) (1816?); D. 393 (March 1816), first published in 1845; D. 563 (1817)
 


Es rieselt, klar und wehend,
Ein Quell im Eichenwald;
Da wähl' ich, einsam gehend,
Mir meinen Aufenthalt.
Mir dienet zur Kapelle
Ein Gröttchen, duftig, frisch;
Zu meiner Klausnerzelle
Verschlungenes Gebüsch.
Zwar düster ist und trüber
Die wahre Wüstenei;
Allein nur desto lieber
Der stillen Fantasei.
Da ruh' ich oft im dichten,
Beblümten Heidekraut;
Hoch wehn die schwanken Fichten,
Und stöhnen Seufzerlaut.
Nichts unterbricht das Schweigen
Der Wildnis weit und breit,
Als wenn auf dürren Zweigen
Ein Grünspecht hackt und schreit,
Ein Rab' auf hoher Spitze
Bemooster Tannen krächzt,
Und in der Felsenritze
Ein Ringeltäubchen ächzt.
Wie sich das herz erweitert
Im engen, dichten Wald!
Dem öden Trübsinn heitert
Der traute Schatten bald.
Kein überleg'ner Späher
Erforscht hier meine Spur;
Ich bin hier frei und näher
Der Einfalt und Natur.

D 338 "Wilkommen, schöner Jüngling!"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, "An den Frühling" D. 245; D. 283 (1815), published 1865 as op. 172 no 5; D. 338 (1816?) (two tenors, two basses); D. 587 (1817), published 1885

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "An den Frühling"
Ferdinand Ries (1784-1838), "Wilkommen, schöner Jüngling", op. 7 no. 6, published 1810

 
Wilkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei, ei! Da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.
Denkst auch noch an mein Mädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das Mädchen,
Und's Mädchen liebt mich noch!
Für Mädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? Du gibst es mir.
Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!

D 342 "An mein Klavier"
 
Text by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Music by Franz Schubert, D. 342 (c. 1816), first published in 1885

 
Sanftes Klavier,
Welche Entzückungen schaffest du mir,
Sanftes Klavier!
Wenn sich die Schönen
Tändelnd verwöhnen,
Weih' ich mich dir,
Liebes Klavier!
Bin ich allein,
Hauch' ich dir meine Empfindungen ein,
Himmlisch und rein.
Unschuld im Spiele,
Tugendgefühle,
Sprechen aus dir,
Trautes Klavier!
Sing' ich dazu,
Goldener Flügel, welch' himmlische Ruh'
Lispelst mir du!
Tränen der Freude
Netzen die Saite!
Silberner Klang
Trägt den Gesang.
Sanftes Klavier,
Welche Entzückungen schaffest du mir,
Goldnes Klavier!
Wenn mich im Leben
Sorgen umschweben,
Töne du mir,
Trautes Klavier!

D 343 "Litanei auf das Fest Aller Seelen"
 
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 343 (August 1816), first published in 1831
 

 
Ruhn in Frieden alle Seelen,
Die vollbracht ein banges Quälen,
Die vollendet süßen Traum,
Lebenssatt, geboren kaum,
Aus der Welt hinüberschieden:
Alle Seelen ruhn in Frieden!
Liebvoller Mädchen Seelen
Deren Tränen nicht zu zählen,
Die ein falscher Freund verließ,
Und die blinde Welt verstieß;
Alle, die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!
Und die nie der Sonne lachten,
Unterm Mond auf Dornen wachten,
Gott, im reinen Himmelslicht,
Einst zu sehn von Angesicht:
Alle, die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

D 344 "Heute will ich fröhlich, fröhlich sein"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 344, "Am ersten Maimorgen" (1816?)

See also:

Hermann Reutter (1900-1985), op. 60 no. 3, "Der Frühling", published 1947
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 52 no. 6, "Der Frühling" (1937), from Wandsbecker Liederbuch

 
Heute will ich fröhlich, fröhlich sein,
Keine Weis' und keine Sitte hören
Will mich wälzen, und für Freude schrein,
Und der König soll mir das nicht wehren.
Denn er kommt mit seiner Freuden Schaar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar
Und auf seiner Schulter Nachtigallen.

D 350 "Der Entfernten"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 331, D. 350
 

 
Wohl denk' ich allenthalben,
O du Entfernte, dein!
Früh, wenn die Wolken falben,
Und spät im Sternenschein.
Im Grund des Morgengoldes,
Im roten Abendlicht,
Umschwebst du mich, o holdest,
Geliebtes Traumgesicht!
Wo rauschender und trüber
Der Strom Gebirge trennt,
Weht oft sein Laut herüber,
Den meine Seele kennt;
Wenn ich den Fels erklimme,
Den noch kein Fuß erreicht,
Lausch' ich nach jener Stimme,
Doch Kluft und Echo schweigt.
Es folgt in alle Weite
Dein trautes Bild mir nach,
Es wallt mir stets zur Seite,
Im Träumen oder wach;
Wenn Lüfte sanft bestreichen
Der See beschilften Strand,
Umflüstern mich die Schleifen
Von seinem Busenband.
Wo durch die Nacht der Fichten
Ein Dämmrungsflimmer wallt,
Seh' ich dich zögernd flüchten,
Geliebte Luftgestalt!
Wenn sanft dir nachzulangen,
Der Sehnsucht Arm sich hebt,
Ist dein Fantom zergangen,
Wie Taugedüft verschwebt.

D 351 "Das Fischergewerbe"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, "Fischerlied", D. 351 (1816?), published 1895; D. 364 (1816?) (two tenors, two basses); D. 562 (1817), published 1895

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Das Fischergewerbe", before 1826

 
Das Fischergewerbe
Gibt rüstigen Mut!
Wir haben zum Erbe
Die Güter der Flut.
Wir graben nicht Schätze,
Wir pflügen kein Feld;
Wir ernten im Netze,
Wir angeln uns Geld.
Wir haben die Reusen
Den Schilfbach entlang.
Und ruhn bei den Schleusen,
Zu sondern den Fang.
Goldweiden beschatten
Das moosige Dach;
Wir schlummern auf Matten
Im kühlen Gemach.
Mit roten Korallen
Prangt Spiegel und Wand.
Den Estrich der Hallen
Deckt silberner Sand.
Das Gärtchen daneben
Grünt ländlich umzäunt
Von kreuzenden Stäben
Mit Baste vereint.
Im Antlitz der Buben
Lacht mutiger Sinn.
Sie meiden die Stuben
Bei Tagesbeginn;
Sie tauchen und schwimmen
Im eisigen See,
Und barfuß erklimmen
Die Klippen von Schnee.
Oft rudern wir ferne
Im wiegenden Kahn;
Dann blinken die Sterne
So freundlich uns an;
Der Mond aus den Höhen,
Der Mond aus dem Bach,
So schnell wir entflöhen,
Sie gleiten uns nach.
Wir trotzen dem Wetter,
Das Finster uns droht,
Wann schöpfende Bretter
Kaum hemmen den Tod.
Wir trotzen auch Wogen
Auf krachendem Schiff,
In Tiefen gezogen,
Geschleudert ans Riff!
Der Herr, der in Stürmen
Der Mitternacht blitzt,
Vermag uns zu schirmen,
Und kennt, was uns nützt.
Gleich unter dem Flügel
Des Ewigen ruht
Der Rasengruft Hügel
Das Grab in der Flut.

D 352 "Licht und Liebe"
 
Text by Matthäus von Collin (1779-1824)
Music by Franz Schubert, D. 352 (1816?)

 
Liebe ist ein süßes Licht.
Wie die Erde strebt zur Sonne
Und zu jenen hellen Sternen
In den weiten blauen Fernen,
Strebt das Herz nach Liebeswonne;
Denn sie ist ein süßes Licht.
Sieh, wie hoch in stiller Feier
Droben helle Sterne funkeln:
Von der Erde fliehn die dunkeln,
Schwermutsvollen trüben Schleier.
Wehe mir, wie so trübe
Fühl' ich tief mich im Gemüte,
Das in Freuden sonst erblüte,
Nun vereinsamt, ohne Liebe.
Liebe ist ein süßes Licht.
Wie die Erde strebt zur Sonne
Und zu jenen hellen Sternen
In den weiten blauen Fernen,
Strebt das Herz nach Liebeswonne:
Liebe ist ein süßes Licht.

D 358 "Die Nacht"
 
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 358 (1816), first published in 1849
 


 
Du verstörst uns nicht, o Nacht!
Sieh, wir trinken im Gebüsche,
Und ein kühler Wind erwacht,
Daß er unsern Wein erfrische.
Mutter holder Dunelheit,
Nacht, Vertraute süßer Sorgen,
Die betrog'ner Wachsamkeit
Viele Küße schon verborgen!
Dir allein sei mitbewußt,
Welch Vergnügen mich berausche,
Wenn ich an geliebter Brust
Unter Tau und Blumen lausche!

D 359 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895; D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872; D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895; D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867; D. 877 no 1 and 4 (1826)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Robert Schumann (1810-1856), "Nur wer die Sehnsucht kennt", op. 98a no. 3 (May/June 1849)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", op. 6 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821

 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

D 360 "Lied eines Schiffers an die Dioskuren"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 360 (1822?), published 1826 as op. 65 no. 1

 
Dioskuren, Zwillingssterne,
Die ihr leuchtet meinem Nachen,
Mich beruhigt auf dem Meere
Eure Milde, euer Wachen.
Wer auch fest in sich begründet,
Unverzagt dem Sturm begegnet
Fühlt sich doch in euren Strahlen
Doppelt mutig und gesegnet.
Dieses Ruder, das ich schwinge,
Meeresfluten zu zerteilen,
Hänge ich, so ich geborgen,
Auf an eures Tempels Säulen,
Dioskuren, Zwillingssterne.

D 361 "Am Bach im Frühling"
 
Text by Franz von Schober (1796-1882)
Music by Franz Schubert, D. 361 (1816), first published in 1829
 


Du brachst sie nun, die kalte Rinde.
Und rieselst froh und frei dahin,
Die Lüfte wehen wieder linde,
Und Moos und Gras wird neu und grün.
Allein, mit traurigem Gemüte
Tret ich wie sonst zu deiner Flut.
Der Erde allgemeine Blüte
Kommt meinem Herzen nicht zu gut.
Hier treiben immer gleiche Winde,
Kein Hoffen kommt in meinem Sinn.
Als daß ich hier ein Blümchen finde.
Blau, wie sie der Erinn'rung blühn.

D 362 "Lied (Zufriedenheit)"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 362 "Lied"; D. 501 "Lied (Zufriedenheit)"
 


Ich bin vergnügt, im Siegeston
Verkünd' es mein Gedicht,
Und mancher Mann mit seiner Kron'
Und Zepter ist es nicht.
Und wär er's auch: nun, immerhin!
Mag er's doch! so ist er was ich bin.
Des Sultans Pracht, des Mogols Geld,
Dess' Glück, wie hieß er doch,
Der, als er Herr war von der Welt,
Zum Mond hinaufsah noch?
Ich wünsche nichts von alledem,
Zu lächeln drob fällt mir bequem.

D 363 "An Chloen"
 
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)

Music by Franz Schubert, D. 363, fragment composed in 1816, first published in 1954, completed by Reinhard van Hoorickx

 
Die Munterkeit ist meinen Wangen,
Den Augen Glut und Sprach entgangen;
Der Mund will kaum ein Lächeln wagen;
Kaum will der welke Leib sich tragen,
Der Blumen am Mittage gleicht,
Wann Flora lechzt und Zephyr weicht.
Ich seh auf sie mit bangem Sehnen,
Und kann den Blick nicht weggewöhnen:
Die Anmuth, die im Auge wachet
Und um die jungen Wangen lachet,
Zieht meinen weggewichnen Blick
Mit güldnen Banden stets zurück.
Mein Blut strömt mit geschwindern Güssen;
Ich brenn, ich zittre, sie zu küssen;
Ich suche sie mit wilden Blicken,
Und Ungeduld will mich ersticken,
Indem ich immer sehnsuchtsvoll
Sie sehn und nicht umarmen soll.

D 364 "Das Fischergewerbe"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, "Fischerlied", D. 351 (1816?), published 1895; D. 364 (1816?) (two tenors, two basses); D. 562 (1817), published 1895

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Das Fischergewerbe", before 1826
 


Das Fischergewerbe
Gibt rüstigen Mut!
Wir haben zum Erbe
Die Güter der Flut.
Wir graben nicht Schätze,
Wir pflügen kein Feld;
Wir ernten im Netze,
Wir angeln uns Geld.
Wir haben die Reusen
Den Schilfbach entlang.
Und ruhn bei den Schleusen,
Zu sondern den Fang.
Goldweiden beschatten
Das moosige Dach;
Wir schlummern auf Matten
Im kühlen Gemach.
Mit roten Korallen
Prangt Spiegel und Wand.
Den Estrich der Hallen
Deckt silberner Sand.
Das Gärtchen daneben
Grünt ländlich umzäunt
Von kreuzenden Stäben
Mit Baste vereint.
Im Antlitz der Buben
Lacht mutiger Sinn.
Sie meiden die Stuben
Bei Tagesbeginn;
Sie tauchen und schwimmen
Im eisigen See,
Und barfuß erklimmen
Die Klippen von Schnee.
Oft rudern wir ferne
Im wiegenden Kahn;
Dann blinken die Sterne
So freundlich uns an;
Der Mond aus den Höhen,
Der Mond aus dem Bach,
So schnell wir entflöhen,
Sie gleiten uns nach.
Wir trotzen dem Wetter,
Das Finster uns droht,
Wann schöpfende Bretter
Kaum hemmen den Tod.
Wir trotzen auch Wogen
Auf krachendem Schiff,
In Tiefen gezogen,
Geschleudert ans Riff!
Der Herr, der in Stürmen
Der Mitternacht blitzt,
Vermag uns zu schirmen,
Und kennt, was uns nützt.
Gleich unter dem Flügel
Des Ewigen ruht
Der Rasengruft Hügel
Das Grab in der Flut.

D 367 "Es war ein König in Thule"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 367 (early 1816), "Der König in Thule", first published in 1821 as op. 5 no 5

See also:

Hermann Behn (1857?-1927), op. 2 no. 1, "Der König in Thule" (189-?)
Karl Anton Florian Eckert (1820-1879), "Der König in Thule" (1828)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Es war ein König in Thule", published 1843 and 1856
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Der König von Thule", published 1805-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 67 no. 1, "Der König von Thule" (1849)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Der König von Thule"
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 59 no. 2, "Der König in Thule" (1815?), from Gedichte von Goethe, VII:2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Der König von Thule", 1811, published 1812
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), "Der König von Thule", 1782 (with a different form of text)
Hector Berlioz (1803-1869), 1829, "Le Roi de Thule" (in French)

 
Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
[Gönnt'] alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
[Auf hohem] Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken
Trank nie einen Tropfen mehr.

D 368 "Im Felde/Walde schleich ich, still und wild"
 

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Jägers Abendlied" D. 215 composed June 20, 1815 (first two stanzas), published 1907; D. 368 composed in 1816 (stanzas 1, 2, 4), published as op. 3 no. 4 in 1821

See also:

Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), "Jägers Abendlied", 1807?
Philipp Christoph Kayser (1755-1823), "Jägers Nachtlied", first two stanzas, 1777
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Jägers Nachtlied", pub. 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 57 no. 5, "Jägers Abendlied", (1815?), from Gedichte von Goethe, V:5.
Bernhard Anselm Weber (1764-1821), "Jägers Abendlied" (1814?)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Jägers Abendlied" (1807)


Im [Felde] schleich ich, still und wild,
[Gespannt mein] Feuerrohr.
Da schwebt so licht dein liebes Bild,
Dein süßes Bild mir vor.
Du wandelst jetzt wohl still und mild
Durch Feld und liebes Tal,
Und ach, mein schnell verrauschend Bild,
Stellt sich dir's nicht einmal?
Des Menschen, der die Welt durchstreift
Voll Unmut und Verdruß,
Nach Osten und nach Westen schweift,
Weil er dich lassen muß.

Mir ist es, denk' ich nur an dich,
Als in den Mond zu sehn;
Ein stiller Friede kommt auf mich,
Weiß nicht wie mir geschehn.

D 369 "An Schwager Kronos"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 369 (1816), published 1825 as op. 19 no. 1

 
Spute dich, Kronos!
Fort den rasselnden Trott!
Bergab gleitet der Weg;
Ekles Schwindeln zögert
Mir vor die Stirne dein Zaudern.
Frisch, holpert es gleich,
Über Stock und Steine den Trott
Rasch ins Leben hinein!
Nun schon wieder
Den eratmenden Schritt
Mühsam berghinauf.
Auf denn, nicht träge denn,
Strebend und hoffend hinan!
Weit, hoch, herrlich
Rings den Blick ins Leben hinein,
Vom Gebirg zum Gebirg
Schwebet der ewige Geist,
Ewigen Lebens ahndevoll.
Seitwärts des Überdachs Schatten
Zieht dich an
Und ein Frischung verheißender Blick
Auf der Schwelle des Mädchens da.
Labe dich! - Mir auch, Mädchen,
Diesen schäumenden Trank,
Diesen frischen Gesundheitsblick!
Ab denn, rascher hinab!
Sieh, die Sonne sinkt!
Eh sie sinkt, eh mich Greisen
Ergreift im Moore Nebelduft,
Entzahnte Kiefer schnattern
Und das schlotternde Gebein,
Trunken vom letzten Strahl
Reiß mich, ein Feuermeer
Mir im schäumenden Aug,
Mich geblendeten Taumelnden
In der Hölle nächtliches Tor.
Töne, Schwager, ins Horn,
Rassle den schallenden Trab,
Daß der Orkus vernehme: wir kommen,
Daß gleich an der Tür
Der Wirt uns freundlich empfange.

D 371 "Klage"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 371 (January 1816), first published in 1872
 


Trauer umfließt mein Leben,
Hoffnungslos mein Streben,
Stets in Glut und Beben
Schleicht mir hin das Leben;
O nimmer trag ich's länger!
Leiden, Schmerzen wühlen
Mir in den Gefühlen,
Keine Lüfte kühlen
Banger Ahnung Schwülen;
O nimmer trag ich's länger!
Nun ferner Tod kann heilen
Solcher Schmerzen Weilen;
Wo sich die Pforten teilen,
Werd' ich wieder heilen;
O nimmer trag ich's länger!

D 372 "An die Natur"
 
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 372 (1816?), published 1895

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), before 1826
Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800), published 1782-90
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 14 no. 1 (1936)
 


 
Süße, heilige Natur,
Laß mich gehn auf deiner Spur,
Leite mich an deiner Hand,
Wie ein Kind am Gängelband!
Wenn ich dann ermüdet bin,
Sink' ich dir am Busen hin,
Atme süße Himmelslust
Hangend an der Mutterbrust.
Ach! wie wohl ist mir bei dir!
Will dich lieben für und für;
Laß mich gehn auf deiner Spur,
Süße, heilige Natur!

D 373 "Lied"
 
Text by Friedrich Heinrich, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 373 (15 January 1816), first published in 1895

 
Mutter geht durch ihre Kammern,
Räumt die Schränke ein und aus,
Sucht, und weiß nicht was, mit Jammern,
Findet nichts als leeres Haus.
Leeres Haus! O wort der Klage,
Dem, der einst ein holdes Kind
Drin gegängelt hat am Tage,
Drin gewiegt in Nächten lind.
Wieder grünen wohl die Buchen,
Wieder kommt der Sonne Licht,
Aber, Mutter, laß' dein Suchen,
Wieder kommt dein Liebes nicht.
Und wenn Abendlüfte fächeln,
Vater heim zum Herde kehrt,
Regt sich's fast in ihm, wie Lächeln,
Dran doch gleich die Träne zehrt.
Vater weiß, in seinen Zimmern
Findet er die Todesruh,
Hört nur bleicher Mutter Wimmern,
Und kein Kindlein lacht ihm zu. 

D 375 "Der Tod Oscars"
 
Text by Baron Edmund von Harold after James Macpherson ("Ossian") (1736-1796)

Music by Franz Schubert, D. 375 (Feb. 1816), first published in 1830
 


Warum öffnest du wieder,
Erzeugter von Alpin, die Quelle
meiner Wehmut, da du mich fragst,
wie Oscar erlag? Meine Augen sind
von Tränen erblindet. Aber
Erinnerung strahlt aus meinem
Herzen. Wie kann ich den traurigen
Tod des Führers der Krieger
erzählen!
Führer der Helden, o Oscar,
mein Sohn, soll ich dich nicht
mehr erblicken! er fiel wie der
Mond in einem Sturm, wie die
Sonne in der Mitte ihres Laufs,
wenn Wolken vom Schoose der
Wogen sich heben; wenn das Dunkel
des Sturms Ardanniders Felsen
einhüllt. Wie eine alte Eiche
von Morven, vermodre ich
einsam auf meiner Stelle. Der
Windstoß hat mir die Äste
entrissen; mich schrecken die
Flügel des Nordes. Führer der
Helden o Oscar, mein Sohn, soll
ich dich nicht mehr erblicken!
Der Held, o Alpins Erzeugter,
fiel nicht friedlich, wie Gras
auf dem Feld, der Mächtigen Blut
befärbte sein Schwert, er riß
sich, mit Tod, durch die Reihen
ihres Stolzes, aber Oscar,
Erzeugter von Caruth, du bist
unrühmlich gefallen! deine Rechte
erschlug keinen Feind. Deine Speer
befleckte das Blut deines Freunds.
Eins war Dermid und Oscar: sie
mähten die Schlachten zusammen.
Ihre Freundschaft war stark, wie
ihr Eisen, und im Felde wandelte
der Tod zwischen ihnen Sie fuhren
gegen den Feind, wie zwei Felsen
die von Ardvens Stirne sich
stürzen. Ihr Schwert war vom Blute
der Tapfern befärbt: Krieger
erbebten bei ihrem Namen. Wer
glich Oscarn, als Dermid? und wer
Dermid als Oscar?
Sie erlegten den mächtigen Dargo
im Feld, Dargo, der nie aus dem
Kampfe entfloh. Seine Tochtter war
schön, wie der Morgen, sanft wie
der Strahl des Abends.
Ihre Augen glichen zwei Sternen im
Regen: ihr Atem dem Hauche des
Frühlings. Ihr Busen, wie
neugefall'ner Schnee, der auf der
wiegenden Heide sich wälzt. Sie
ward von den Helden gesehn, und
geliebt, ihre Seelen wurden ans
Mädchen geheftet. Jeder liebte
sie, gleich seinem Ruhm, sie
wollte jeder besitzen, oder
sterben. Aber ihr Herz wählte
Oscarn; Caruths Erzeugter war der
Jüngling ihrer Liebe. Sie vergaß
das Blut ihres Vaters. Und liebte
die Rechte, die ihn erschlug.
"Caruths Sohn," sprach Dermid,
"ich liebe, o Oscar! ich liebe
dies Mädchen. Aber ihre Seele
hängt an dir; und nichs kann
Dermiden heilen. Hier durchdring
diesen Busen, o Oscar; hilf deinem
Freund mit deinem Schwert."
"Nie soll mein Schwer, Diarans
Sohn! nie soll es mit Dermids
Blute befleckt sein."
"Wer ist dann würdig mich zu
erlegen, O Oscar, Caruths Sohn!
laß nicht mein Leben unrühmlich
vergehen, laß niemand, als Oscar,
mich töten. Schick mich mit Ehre
zum Grab, und Ruhm begleite meinen
Tod."
"Dermid brauch deine Klinge;
Diarans Erzeugter schwing deinen
Stahl. O fiel ich mit dir! Daß
mein Tod von Dermids Rechte
herrühre!"
Sie fochten beim Bache des Bergs,
bei Brannos Strom. Blut färbte
die fließenden Fluten,
und ronn um die bemoosten Steine.
Dermid der Stattliche fiel,
er fiel, und lächelte im Tod!
"Und fällst du, Erzeugter Diarans,
fällst du durch die Rechte von
Oscar! Dermid, der nie im Kriege
gewichen, seh ich dich also
erliegen?" - Er ging, und kehrte
zum Mädchen seiner Liebe. Er
kehrte, aber sie vernahm seinen
Jammer.
"Warum dies Dunkel, Sohn von
Caruth! was überschattet deine
mächtige Seele?"
"Einst war ich, o Mädchen, im
Bogen berühmt, aber meinen Ruhm
hab ich jetzo verloren. Am Baum,
beim Bache des Hügels, hängt der
Schild des mutigen Gormurs,
den ich im Kampfe erschlug.
Ich habe den Tag vergebens
verzehrt, und konnte ihn nicht mit
meinem Pfeil durchdringen."
"Laß mich, Erzeugter von Caruth,
die Kunst der Tochter von Dargo
versuchen. Meine Rechte lernte den
Bogen zu spannen, in meiner Kunst
frohlockte mein Vater."
Sie ging, er stand hinter dem
Schild. Es zischte ihr Pfeil, er
durchdrang seine Brust.
"Heil der schneeweißen Rechten;
auch Heil diesem eibenen Bogen;
wer, als Dargos Tochter war wert,
Caruths Erzeugten zu töten?
Leg mich ins Grab, meine Schönste;
leg mich an Dermits Seite."
"Oscar," versetzte das Mädchen,
"meine Seel' ist die Seele des
mächtigen Dargo. Ich kann dem Tode
mit Freude begegnen. Ich kann
meine Traurigkeit enden." Sie
durchstieß ihren weißen Busen mit
Stahl. Sie fiel bebte, und starb!
Ihre Gräber liegen beim Bache des
Hügels; ihr Grabmal bedeckt der
ungleiche Schatten einer Birke.
Oft grasen die astigen Söhne des
Bergs an ihren grünenden Gräbern.
Wenn der Mittag seine glühenden
Flammen ausstreut, und Schweigen
alle die Hügel beherrscht.

D 376 "Lorma"
 
Text by Baron Eduard de Harold after James MacPherson ("Ossian") (1736-1796)

Music by Franz Schubert, Fragment: D. 327 (November 28, 1815), first published in 1928, completed by Reinhard Van Hoorickx; D. 376 (February 10, 1816), first published in 1895

Lorma saß in der Halle von Aldo.
Sie saß beim Licht einer
flammenden Eiche. Die Nacht stieg
herab, aber er kehrte nicht wieder
zurück. Lormas Seele war trüb!
"Was hält dich, du Jäger
von Cona, zurück? Du hast ja
versprochen wieder zu kehren.
Waren die Hirsche weit in der
Ferne? Brausen an der Heide die
düstern Winde um dich? Ich bin im
Lande der Fremden. Wer ist mein
Freund, als Aldo? Komm' von deinen
erschallenden Hügeln, o mein bester Geliebter!"
Sie wandt' ihre Augen gegen das Tor.
Sie lauscht zum brausenden Wind.
Sie denkt, es selen die Tritte von
Aldo. Freud' steigt in ihrem
Antlitz! aber Wehmut kehrt wieder,
wie am Mond eine dünne Wolke, zurück.

D 377 "Das Grab"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, D. 330 (December 28, 1815), first published in 1895; D. 377 Third version. (February 11, 1816), first published in 1872; D. 569 (1817)

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft IV no. 24 (with a different form of text)

 
Das Grab ist tief und stille,
Und schauderhaft sein Rand,
Es deckt mit schwarzer Hülle
Ein unbekanntes Land.
Das Lied der Nachtigallen
Tönt nicht in seinem Schoß.
Der Freudschaft Rosen fallen
Nur auf des Hügels Moos.
Das arme Herz, hienieden
Von manchem Sturm bewegt,
Erlangt den wahren Frieden
Nur, wo es nicht mehr schlägt.

D 381 "Morgenlied"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 381 (24 February 1816), first published in 1895

 
Die frohe neubelebte Flur
Singt ihrem Schöpfer Dank.
O Herr und Vater der Natur,
Die tön' auch mein Gesang!
Der Lebensfreuden schenkst du viel
Dem, der sich weislich freut.
Dies sei, o Vater, stets das Ziel
Bei meiner Fröhlichkeit.
Ich kann mich noch des Lebens freun
In deiser schönen Welt;
Mein Herz soll dem geheiligt sein
Der weislich sie erhält.
Wenn dann mir Müden winkt der Tod,
Zur beßern Welt zu gehn,
So bricht ein schön'res Morgenrot
Mir an beim Auferstehen.

D 382 "Abendlied"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 382. February 24, 1816, first published in 1895
 


Sanft glänzt die Abendsonne
Auf diese stille Flur
Und strahlet Ruh und Wonne
Auf jede Kreatur.
Sie zeichnet Licht und Schatten
Auf die beblümte Au,
Und auf den grünen Matten
Blitzt der kristallne Tau.
Hier in der Zephyrn Spiele
Beim frohen Vogelchor,
Hier steigen Hochgefühle
In meiner Brust empor.
Ich atme süße Freuden
Auf diesem Tempel ein,
Mich fliehen Gram und Leiden
Im milden Abendschein.
Dir, der die Abendröte
Am Himmel ausgespannt
Und süßes Nachtgeflöte
Auf diese Flur gesandt,
Dir sei dies Herz geweihet,
Das reiner Dank durchglüht,
Es schlage noch erfreuet,
Wenn einst das Leben flieht.

D 388 b "Laura am Klavier"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 388b (March 1816), first published in 1895

 
Wenn dein Finger durch die Saiten meistert,
Laura, jetzt zur Statue entgeistert,
Jetzt entkörpert steh' ich da.
Du gebietest über Tod und Leben,
Mächtig, wie von tausend Nervgeweben
Seelen fordert Philadelphia!
Ehrerbietig leiser rauschen
Dann die Lüfte, dir zu lauschen;
Hingeschmiedet zum Gesang
Stehn im ew'gen Wirbelgang,
inzuzieh'n die Wonnefülle,
Lauschende Naturenstille.
Zauberin! mit Tönen, wie
Mich mit Blicken, zwingst du sie.
 
Seelenvolle Harmonien wimmeln,
Ein wollüstig Ungestüm,
Aus ihren Saiten, wie aus ihren Himmeln
Neugebor'ne Seraphim;
Wie, des Chaos Riesenarm entronnen,
Aufgejagt vom Schöpfungssturm, die Sonnen
Funkelnd fuhren aus der Nacht,
Strömt der Töne Zaubermacht.
Lieblich jetzt, wie über glatten Kieseln
Silberhelle Fluten rieseln,
Majestätisch prächtig nun,
Wie des Donners Orgelton,
Stürmend von hinnen jetzt, wie sich von Felsen
Rauschende, schäumende Gießbäche wälzen,
Holdes Gesäusel bald,
Schmeichlerisch linde, wie durch den Espenwald
Buhlende Winde -
Schwerer nun und melancholisch düster,
Wie durch toter Wüsten Schauernachtgeflüster,
Wo verlornes Heulen schweift,
Tränenwellen der Cocytus schleift.
Mädchen, sprich! Ich frage, gib mir Kunde:
Stehst mit höhern Geistern du im Bunde?
Ist's die Sprache, lüg' mir nicht,
Die man in Elysen spricht?

D 389 "Der Eichwald braust, die Wolken ziehn"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, "Des Mädchens Klage", D. 6 (1811?), first published in 1894; D. 191 (15 May 1815), first published in 1826 as op. 56 no 3, later changed to op. 58 no 3; D. 389 (March 1816), first published in 1873

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Der Eichwald brauset"
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), from Nachlass (with a different form of the text)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Thekla", from Kleine Balladen und Lieder, Heft III no. 12 (with a different form of the text)

Der Eichwald [braust], die Wolken ziehn,
Das Mägdlein sitzt an Ufers Grün,
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie seufzt hinaus in die finstre Nacht,
Das Auge von Weinen getrübet.

"Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer,
Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr,
Du Heilige, rufe dein Kind zurück,
Ich habe gelebt und geliebet!"
Es rinnet der Tränen vergeblicher Lauf,
Die Klage, sie wecket die Toten nicht auf;
Doch nenne, was tröstet und heilet die rust
Nach der süßen Liebe verschwund'ner Lust,
Ich, die Himmlische, will's nicht versagen.

"Laß rinnen der Tränen vergeblichen Lauf,
Es wecke die Klage den Toten nicht auf!
Das süßeste Glück für die trauernde Brust,
Nach der schönen Liebe verschwund'ner Lust,
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen."

D 390 "Die Entzückung an Laura"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, D. 390 (March 1816), first published in 1895; D. 577 (August 1817), fragments published in 1895

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809?
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), from Kleine Balladen und Lieder, Heft VI no. 25 (with a different form of text)

 
Laura, über diese Welt zu flüchten
Wähn' ich, mich in Himmelsmaienglanz zu lichten,
Wenn dein Blick in meinem Blicke flimmt;
Ätherlüfte träum' ich, einzusaugen,
Wenn mein Bild in deiner sanften Augen
Himmelblauem Spiegel schwimmt.
Leierklang aus Paradieses Fernen,
Harfenschwung aus angenehmern Sternen
Ras' ich, in mein trunknes Ohr zu ziehn;
Meine Muse fühlt die Schäferstunde,
Wenn von deinem wollustheißen Munde
Silbertöne ungern fliehn.
Amoretten seh' ich Flügel schwingen,
Hinter dir die trunknen Fichten springen,
Wie von Orpheus' Saitenruf belebt;
Rascher rollen um mich her die Polen,
Wenn im Wirbeltanz deine Sohle
Flüchtig, wie die Welle, schwebt.
Deine Blicke, wenn sie Liebe lächeln,
Könnten Leben durch den Marmor fächeln,
Felsenadern Pulse leihn;
Träume werden um mich her zu Wesen,
Kann ich nur in deinen Augen lesen,
Laura, Laura mein!

D 391 "Die vier Weltalter"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)

Music by Franz Schubert, D. 391 (March 1816?), first published in 1829 as op. posth. 111 no. 3
 

 
Wohl perlet im Glase der purpurne Wein,
Wohl glänzen die Augen der Gäste,
Es zeigt sich der Sänger, er tritt herein,
Zu dem Guten bringt er das Beste;
Denn ohne die Leier im himmlischen Saal
Ist die Freude gemein auch beim Nektarmahl.
Erst regierte Saturnus schlicht und gerecht,
Da war es heute wie morgen,
Da lebten die Hirten, ein harmlos Geschlecht,
Und brauchten für gar nichts sorgen;
Sie liebten, und taten weiter nichts mehr,
Die Erde gab alles freiwillig her.
Drauf kam die Arbeit, der Kampf begann
Mit Ungeheuern und Drachen,
Die Helden fingen, die Herrscher an,
Und den Mächtigen suchten die Schwachen;
Und der Streit zog in des Skamanders Feld,
Doch die Schönheit war immer der Gott der Welt.
Aus dem Kampf ging endlich der Sieg hervor,
Und der Kraft entblühte die Milde,
Da sangen die Musen im himmlischen Chor,
Da erhuben sich Göttergebilde;
Das Alter der göttlichen Phantasie,
Es ist verschwunden, es kehret nie.

D 392 "Pflügerlied"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 392 (March 1816), first published in 1895

Arbeitssam und wacker,
Pflügen wir den Acker,
Singend auf und ab.
Sorgsam trennen wollen
Wir die lockern Schollen,
Unsrer Saaten Grab.
Auf- und abwärts ziehend
Furchen wir, stets fliehend,
Das erreichte Ziel.
Wühl', o Pflugschar, wühle!
Außen drückt die Schwüle,
Tief im Grund ist's kühl.
Neigt den Blick zur Erde,
Lieb und heimlich werde
Uns ihr dunkler Schoß;
Hier ist doch kein Bleiben,
Ausgesät zerstäuben
Ist auch unser Los.
Säet, froh im Hoffen;
Gräber harren offen;
Fluren sind bebaut;
Deckt mit Egg' und Spaten
Die versenkten Saaten,
Und dankt Gott vertraut!
Gottes Sonne leuchtet,
Lauer Regen feuchtet
Das entkeimte Grün.
Flock', o Schnee und strecke
Deine Silberdecke
Schirmend drüber hin!

D 393 "Die Einsiedelei"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)

Music by Franz Schubert, D. 337 (chorus of 2 tenors, 2 basses) (1816?); D. 393 (March 1816), first published in 1845; D. 563 (1817)

 
Es rieselt, klar und wehend,
Ein Quell im Eichenwald;
Da wähl' ich, einsam gehend,
Mir meinen Aufenthalt.
Mir dienet zur Kapelle
Ein Gröttchen, duftig, frisch;
Zu meiner Klausnerzelle
Verschlungenes Gebüsch.
Zwar düster ist und trüber
Die wahre Wüstenei;
Allein nur desto lieber
Der stillen Fantasei.
Da ruh' ich oft im dichten,
Beblümten Heidekraut;
Hoch wehn die schwanken Fichten,
Und stöhnen Seufzerlaut.
Nichts unterbricht das Schweigen
Der Wildnis weit und breit,
Als wenn auf dürren Zweigen
Ein Grünspecht hackt und schreit,
Ein Rab' auf hoher Spitze
Bemooster Tannen krächzt,
Und in der Felsenritze
Ein Ringeltäubchen ächzt.
Wie sich das herz erweitert
Im engen, dichten Wald!
Dem öden Trübsinn heitert
Der traute Schatten bald.
Kein überleg'ner Späher
Erforscht hier meine Spur;
Ich bin hier frei und näher
Der Einfalt und Natur.

D 394 "Gesang an die Harmonie"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 394 (March 1816), first published in 1895
 

 
Schöpferin beseelter Töne!
Nachklang dem Olymp enthallt!
Holde, körperlose Schöne,
Sanfte geistige Gewalt,
Die das Herz der Erdensöhne
Kühn erhebt und mild umwallt!
Die in inn'rer St`ürme Drange
Labt mit stillend