Lieder complete index
Lieder - index 5:
D 395 "Lebensmelodien"
D 396 "Gruppe aus dem Tartarus"
D 397 "Ritter Toggenburg"
D 398 "Frühlingslied"
D 399 "Auf den Tod einer Nachtigall"
D 400 "Die Knabenzeit"
D 401 "Winterlied"
D 402 "Der Flüchtling"
D 403 "Ins stille Land"
D 404 "Wehmut"
D 405 "Der Herbstabend"
D 406 "Abschied von der Harfe"
D 407 "Gütigster, Bester, Weisester"
D 409 "Die verfehlte Stunde"
D 410 "Sprache der Liebe"
D 411 "Ich hab' ein Bächlein funden"
D 412 "Stimme der Liebe"
D 413 "Entzückung"
D 414 "Geist der Liebe"
D 415 "Klage"
D 416 "Lied in der Abwesenheit"
D 418 "Stimme der Liebe"
D 419 "Julius an Theone"
D 422 "Naturgenuß"
D 429 "Holder klingt der Vogelsang"
D 430 "Die frühe Liebe"
D 431 "Blumenlied"
D 432 "Der Leidende"
D 432 b "Der Leidende"
D 433 "Seligkeit"
D 434 "Erntelied"
D 436 "Dein Silber schien durch Eichengrün"
D 439 "An die Sonne"
D 441 "Gütigster, Bester, Weisester"
D 442 "Das große Halleluja"
D 443 "Schlachtgesang"
D 444 "Die Gestirne"
D 445 "Dein süßes Bild"
D 446 "Die Liebesgötter"
D 447 "An den Schlaf"
D 448 "Gott im Frühlinge"
D 449 "Der gute Hirt"
D 450 b "Fragment aus dem Aischylos"
D 454 "Grablied auf einen Soldaten"
D 455 "Freude der Kinderjahre"
D 456 "Das Heimweh"
D 457 "An die untergehende Sonne"
D 458 "Ilmerine", aus "Diego Manzares"
D 462 "An Chloen"
D 463 "Hochzeitlied"
D 464 "In der Mitternacht"
D 465 "Trauer der Liebe"
D 466 "Die Perle"
D 467 "Pflicht und Liebe"
D 468 "An den Mond"
D 469 "So laßt mich scheinen"
D 469 b "So laßt mich scheinen"
D 473 b "Liedesend"
D 474 "Orpheus", Lied des Orpheus, als er in die Hölle ging
D 475 "Abschied"
D 476 "Rückweg"
D 477 "Alte Liebe rostet nie"
D 478 no.2 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
D 478 no. 2b "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
D 478 b "Wer sich der Einsamkeit ergibt"
D395 "Lebensmelodien"
Text by August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
Music by Franz Schubert, D. 395
Der Schwan:
Auf den Wassern wohnt mein stilles Leben,
Zieht nur gleiche Kreise, die verschweben,
Und mir schwindet nie im feuchten Spiegel
Der gebogne Hals und die Gestalt.
Ich haus' in den felsigen Klüften,
Ich braus' in den stürmenden Lüften,
Vertrauend dem schlagenden Flügel
Bei Jagd, bei Kampf und Gewalt.
Die Tauben:
In der Myrthen Schatten,
Gatte treu dem Gatten,
Flattern wir und tauschen
Manchen langen Kuß.
Suchen und irren,
Finden und girren,
Schmachten und lauschen,
Wunsch und Genuß!
Der Schwan:
Ahndevoll betracht' ich oft die Sterne,
In der Fluth die tiefgewölbte Ferne,
Und mich zieht ein innig rührend Sehnen
Aus der Heimath in ein himmlisch Land.
Ich wandte die Flügel mit Wonne
Schon früh zur unsterblichen Sonne,
Kann nie an den Staub mich gewöhnen,
Ich bin mit den Göttern verwandt.
Die Tauben:
Venus Wagen ziehen
Schnäbelnd wir im Fliehen;
Unsre blauen Schwingen
Sämt der Sonne Gold.
O wie es fächelt
Wenn sie uns lächelt!
Leichtes Gelingen,
Lieblicher Sold!
Wende denn die Stürme,
Schöne Göttin! schirme
Bei bescheidner Freude
Deiner Tauben Paar!
Laß uns beisammen!
Oder in Flammen
Opfre uns beide
Deinem Altar!
D396 "Gruppe
aus dem Tartarus"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 396 (1816), published 1975;
D. 583 (1817), published 1823 as op. 24 no. 1
See also:
(Olav) Fartein Valen (1887-1952), op.
31 no. 1 (1939)
Horch - wie Murmeln des empörten Meeres,
Wie durch hohler Felsen Becken weint ein Bach,
Stöhnt dort dumpfigtief ein schweres, leeres
Qualerpresstes Ach!
Schmerz verzerret
Ihr Gesicht, Verzweiflung sperret
Ihren Rachen fluchend auf.
Hohl sind ihre Augen, ihre Blicke
Spähen bang nach des Cocytus Brücke,
Folgen tränend seinem Trauerlauf.
Fragen sich einander ängstlich leise,
Ob noch nicht Vollendung sei!
Ewigkeit schwingt über ihnen Kreise,
Bricht die Sense des Saturns entzwei.
D397 "Ritter
Toggenburg"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 397
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1809?
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), from Kleine Balladen und Lieder Heft
I no. 1
"Ritter, treue Schwesterliebe
Widmet Euch dies Herz,
Fordert keine andre Liebe,
Denn es macht mir Schmerz.
Ruhig mag ich Euch erscheinen,
Ruhig gehen sehn;
Eurer Augen stilles Weinen
Kann ich nicht verstehn."
Und er hört's mit stummem Harme,
Reißt sich blutend los,
Preßt sie heftig in die Arme,
Schwingt sich auf sein Roß,
Schickt zu seinen Mannen allen
In dem Lande Schweiz;
Nach dem heilgen Grab sie wallen,
Auf der Brust das Kreuz.
Große Taten dort geschehen
Durch der Helden Arm,
Ihres Helmes Büsche wehen
In der Feinde Schwarm,
Und des Toggenburgers Name
Schreckt den Muselmann;
Doch das Herz von seinem Grame
Nicht genesen kann.
Und ein Jahr hat er's getragen,
Trägt's nicht länger mehr,
Ruhe kann er nicht erjagen
Und verläßt das Heer,
Sieht ein Schiff an Joppe's Strande,
Das die Segel bläht,
Schiffet heim zum teuren Lande,
Wo ihr Atem weht.
Und an ihres Schloßes Pforte
Klopft der Pilger an,
Ach! und mit dem Donnerworte
Wird sie aufgetan:
"Die Ihr suchet, trägt den Schleier,
Ist des Himmels Braut,
Gestern war des Tages Feier,
Der sie Gott getraut."
Da verläßet er auf immer
Seiner Väter Schloß,
Seine Waffen sieht er nimmer
Noch sein treues Roß,
Von der Toggenburg hernieder
Steigt er unbekannt,
Denn es deckt die edeln Gliedern
Härenes Gewand.
Und erbaut sich eine Hütte
Jener Gegend nah,
Wo das Kloster aus der Mitte
Düstrer Linden sah;
Harrend von des Morgens Lichte
Bis zu Abendschein,
Stille Hoffnung im Gesichte,
Saß er da allein.
Blickte nach dem Kloster drüben,
Blickte stundenlang
Nach dem Fenster seiner Lieben,
Bis das Fenster klang,
Bis die Liebliche sich zeigte,
Bis das teure Bild
Sich ins Tal herunterneigte,
Ruhig, engelmild.
Und dann legt er froh sich nieder,
Schlief getröstet ein,
Still sich freuend, wenn es wieder
Morgen würde sein.
Und so saß er viele Tage,
Saß viel Jahre lang,
Harrend ohne Schmerz und Klage,
Bis das Fenster klang.
Bis die Liebliche [Liebende] sich zeigte,
Bis das teure Bild
Sich ins Tal herunterneigte,
Ruhig engelmild.
Und so saß er, eine Leiche,
Eines Morgens da,
Nach dem Fenster noch das bleiche
Stille Antlitz sah.
D398
"Frühlingslied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 243; D. 398 (13 May 1816), first published in 1887
Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
Die kleinen Maienglocken blühn,
Und Schlüßelblumen drunter;
Der Wiesengrund
Ist schon so bunt
Und malt sich täglich bunter.
Drum komme, wem der Mai gefällt,
Und schaue froh die schöne Welt
Und Gottes Vatergüte,
Die solche Pracht
Hervorgebracht,
Den Baum und seine Blüte.
D399
"Auf den Tod einer Nachtigall"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 201 (1815), published 1970;
D. 399 (1816), published 1895
Sie ist dahin, die Maienlieder tönte,
Die Sängerin,
Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte.
Sie ist dahin!
Sie, deren Ton mir in die Seele hallte,
Wenn ich am Bach,
Der durchs Gebüsch im Abendgolde wallte,
Auf Blumen lag!
Sie gurgelte, tief aus der vollen Kehle,
Den Silberschlag:
Der Widerhall in seiner Felsenhöhle
Schlug leis' ihn nach.
Die ländlichen Gesäng' und Feldschlameien
Erklangen drein;
Es tanzeten die Jungfrau'n ihre Reihen
Im Abendschein.
Sie horchten dir, bis dumpf die Abendglocke
Des Dorfes klang.
Und Hesperus, gleich einer goldnen Flocke,
Aus Wolken drang;
Und gingen dann im Wehn der Maienkühle
Der Hütte zu,
Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle,
Voll süßer Ruh.
D400
"Die Knabenzeit"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 400 (May 13, 1816), first published in 1895
Wie glücklich, wenn das Knabenkleid
Noch um die Schultern fliegt!
Nie lästert er der bösen Zeit,
Stets munter und vergnügt.
Das hölzerne Husarenschwert
Belustiget ihn jetzt,
Der Kreisel und das Steckenpferd,
Auf dem er herrisch sitzt.
O Knabe, spiel und laufe nur,
Den lieben langen Tag,
Durch Garten und durch grüne Flur
Den Schmetterlingen nach.
Bald schwitzest du, nicht immer froh,
Im engen Kämmerlein,
Und lernst vom dicken Cicero
Verschimmeltes Latein!
D401
"Winterlied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 401 (May 13, 1816), first published in 1895
Keine Blumen blühn;
Nur das Wintergrün
Blickt durch Silberhüllen;
Nur das Fenster füllen
Blumen rot und weiß,
Aufgeblüht aus Eis.
Ach, kein Vogelsang
Tönt mit frohem Klang,
Nur die Winterweise
Jener kleinen Meise,
Die am Fenster schwirrt,
Und um Futter girrt.
Minne flieht den Hain,
Wo die Vögelein
Sonst im grünen Schatten
Ihre Nester hatten;
Minne flieht den Hain,
Kehrt ins Zimmer ein.
Kalter Januar,
Hier werd' ich fürwahr
Unter Minnespielen
Deinen Frost nicht fühlen!
Walte immerdar,
Kalter Januar!
D402
"Der Flüchtling"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 67 (1813) (two tenors and a bass); D. 402 (18 March 1816),
first published in 1895
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft V no. 41 "Morgenfantasie" (with a different form
of text)
Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch;
Purpurisch zuckt durch düst'rer Tannen Ritzen
Das junge Licht und äugelt aus dem Strauch;
In gold'nen Flammenblitzen
Der Berge Wolkenspitzen.
Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied
Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.
Sei, Licht, mir gesegnet!
Dein Strahlengruß regnet
Erwärmend hernieder auf Anger und Au.
Wie flittern die Wiesen,
Wie silberfarb zittern
Tausend Sonnen im perlenden Tau!
In säuselnder Kühle
Beginnen die Spiele
Der jungen Natur.
Die Zephyre kosen
Und schmeicheln um Rosen,
Und Düfte beströmen die lachende Flur.
Wie hoch aus den Städten die Rauchwolken dampfen!
Laut wiehern und schnauben und knirschen und stampfen
Die Rosse, die Farren;
Die Wagen erknarren
Ins ächzende Tal.
Die Waldungen leben,
Und Adler und Falken und Habichte schweben
Und wiegen die Flügel im blendenden Strahl.
Den Frieden zu Finden,
Wohin soll ich wenden
Am elenden Stab?
Die lachende Erde
Mit Jünglingsgebärde,
Für mich nur ein Grab!
Steig empor, o Morgenrot, und röte
Mit purpurnem Kusse Hain und Feld!
Säusle nieder, o Abendrot, und flöte
In sanften Schlummer die tote Welt!
Morgen, ach, du rötest
Eine Totenflur;
Ach! und du, o Abendrot! umflötest
Meinen langen Schlummer nur.
D403
"Ins stille Land"
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 403 (1816), published 1845
See also:
Jan Bed`rich (Johann Friedrich) Kittl
(1806-1868), op. 4 no. 6 (183-?)
Ins stille Land!
Wer leitet uns hinüber?
Schon wölkt sich uns der Abendhimmel trüber,
Und immer trümmervoller wird den Strand.
Wer leitet uns mit sanfter Hand
Hinüber! Ach! hinüber
Ins stille Land?
Ins stille Land!
Zu euch, ihr freien Räume
Für die Veredlung! zarte Morgenträume
Der schönen Seelen! künft'gen Daseins Pfand
Wer treu des Lebens Kampf bestand,
Trägt seiner Hoffnung Keime
Ins stille Land.
Ach Land! ach Land! O land
Für alle Sturmbedrohten.
Der mildeste von unsers Schicksals Boten
Winkt uns, die Fackel umgewandt,
Und leitet uns mit sanfter Hand
Ins Land der großen Toten
Ins stille Land.
D404
"Wehmut"
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 404 (1816), first published in 1885
Mit leisen Harfentönen
Sei, Wehmut, mir gegrüßt!
O Nymphe, die der Tränen
Geweihten Quell verschließt!
Mich weht an deiner Schwelle
Ein linder Schauer an,
Und deines Zwielichts Helle
Glimmt auf des Schicksals Bahn.
Rühr' unter Thränenweiden
Noch oft mein Saitenspiel
Verschmilz auch Gram und Leiden
In süßes Nachgefühl
Gieb Stärkung dem Erweichten!
Heb' aus dem Trauerflor
Wenn Gottes Sterne leuchten
Den Andachtsblick empor!
Der Leidenschaften Horden,
Der Sorgen Rabenzug,
Entfliehn vor den Akkorden
Die deine Harfe schlug;
Du zauberst Alpensöhnen,
Verbannt auf Flanderns Moor,
Mit Sennenreigentönen
Der Heimat Bilder vor.
In deinen Schattenhallen
Weihst du die Sänger ein;
Lehrst junge Nachtigallen
Die Trauermelodei'n;
Du neigst, wo Gräber grünen,
Dein Ohr zu Hölty's Ton;
Pfückst Moos von Burgruinen
Mit meinem Matthisson.
Du, so die Freude weinen,
Die Schwermut lächeln heißt,
Kannst Wonn' und Schmerz vereinen,
Daß Harm in Lust verfleußt;
Du hellst bewölkte Lüfte
Mit Abendsonnenschein,
Hängst Lampen in die Grüfte
Und krönst den Leichenstein.
D405
"Der Herbstabend"
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 405 (1816), published 1895
See also:
Johann Vesque von Püttlingen
(1803-1883), op. 8 no. 2 (1831?)
Abendglockenhalle zittern
Dumpf durch Moorgedüfte hin;
Hinter jenes Kirchhofs Gittern
Blaßt des Dämmerlichts Karmin.
Aus umstürmten Lindenzweigen
Rieselt welkes Laub herab,
Und gebleichte Gräser beugen
Sich auf ihr bestimmtes Grab.
Wenn schon meine Rasentelle
Nur dein welker Kranz noch ziert,
Und auf Lethe's leiser Welle
Sich mein Nebelbild verliert:
Lausche dann! Im Blütenschauer
Wird es dir vernehmlich wehn:
Jenseits schwindet jede Trauer;
Treue wird sich wiedersehn!
D406
"Abschied von der Harfe"
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 406, composed March 1816, first published in 1887
Noch einmal tön', o Harfe,
Die nur Gefühle tönt!
Verhalle zart und leise
Noch jene Schwanenweise,
Die auf der Flut des Lebens
Uns mit der Not versöhnt.
Im Morgenschein des Lebens
Erklangst du rein und hell!
Wer kann den Klang verwahren?
Durch Forschen und Erfahren
Verhallet und versieget
Des Liedes reiner Quell.
O schlag' im dunklen Busen
Der ernsten Abendzeit!
Will um das öde Leben
Des Schicksals Nacht sich weben,
Dann schlag' und wecke Sehnsucht
Nach der Unsterblichkeit!
D407
"Gütigster, Bester, Weisester"
Text by Franz Schubert (1797-1828)
Music by Franz Schubert, D. 407; D. 441 (1816; first
reworking of no. 1 from "Beitrag zum fünfzigjährigen Jubelfeier des Herrn von
Salieri", D. 407)
Gütigster, Bester,
Weisester, Größter!
Solang ich Tränen habe
Und an der Kunst mich labe,
Sei beides dir geweiht,
Der beides mir verleiht.
Gütigster, Bester,
Weisester, Größter!
D409
"Die verfehlte Stunde"
Text by August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
Music by Franz Schubert, D. 409 (1816)
Quälend ungestilltes Sehnen
Pocht mir in empörter Brust.
Liebe, die mir Seel' und Sinnen
Schmeichelnd wußte zu gewinnen,
Wiegt dein zauberisches Wähnen
Nur im Träume kurzer Lust,
Und erweckt zu Tränen?
Süß berauscht in Tränen
An des Lieben Brust mich lehnen,
Arm um Arm gestrickt,
Mund auf Mund gedrückt,
Das nur stillt mein Sehnen!
Ach, ich gab ihm keine Kunde,
Wußt' es selber nicht zuvor;
Und nun beb' ich so beklommen:
Wird der Traute, wird er kommen?
Still und günstig ist die Stunde,
Nirgends droht ein horchend Ohr
Dem geheimen Bunde.
Treu im sel'gen Bunde
An des Lieben Brust mich lehnen,
Arm um Arm gestrickt,
Mund auf Mund gedrückt,
Das nur stillt mein Sehnen!
Hör' ich leise Tritte rauschen,
Denk' ich: ah, da ist er schon!
Ahndung hat ihm wohl verkündet,
Daß die schöne Zeit sich findet,
Wonn' um Wonne frei zu tauschen -
Doch sie ist schon halb entflohn
Bei vergebnem Lauschen.
Mit entzücktem Lauschen
An des Lieben Brust mich lehnen,
Arm um Arm gestrickt,
Mund auf Mund gedrückt,
Das nur stillt mein Sehnen!
Täuschen wird vielleicht mein Sehnen,
Hofft' ich, des Gesanges Lust.
Ungestümer Wünsche Glühen
Lindern sanfte Melodien -
Doch das Lied enthob mit Stöhnen
Tief eratmend sich der Brust,
Und erstarb in Tränen.
Süß berauscht in Tränen
An des Lieben Brust mich lehnen,
Arm um Arm gestrickt,
Mund auf Mund gedrückt,
Das nur stillt mein Sehnen!
D410 "Sprache
der Liebe"
Text by August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
Music by Franz Schubert, D. 410, op. posth. 115 no. 3 (1816)
Laß mich mit gelinden Schlägen
Rühren, meine zarte Laute!
Da die Nacht herniedertaute,
Müssen wir Gelispel pflegen.
Wie sich deine Töne regen
Wie sie atmen, klagen, stöhnen,
Wallt das Herz zu meiner Schönen,
Bringt ihr, aus der Seele Tiefen,
Alle Schmerzen, welche schliefen;
Liebe denkt in süßen Tönen.
D411
"Ich hab' ein Bächlein funden"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, "Daphne am Bach", D.
411 (April, 1816), first published 1887
See also:
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft V no.
5 "Daphne am Bach"
Ich hab' ein Bächlein funden
Vom Städtchen ziemlich weit,
Da [bin] ich manche Stunden
In stiller Einsamkeit.
Ich tät mir gleich erkießen
Ein Plätzchen kühles Moos;
Da sitz ich, und da fließen
Mir Tränen in den Schoß.
Für dich, für dich nur wallet
Mein jugendliches Blut;
Doch leise nur erschallet
Dein Nam' an dieser Flut.
Ich fürchte, daß mich täusche
Ein Lauscher aus der Stadt;
Es schreckt mich das Geräusche
Von jedem Pappelblatt.
Ich wünsche mir zurücke
Den flüchtigsten Genuß;
In jedem Augenblicke
Fühl' ich den Abschiedskuß.
Es ward mir wohl und bange,
[Als] mich dein Arm umschloß,
[Als] noch auf meine Wange
Dein letztes Tränchen floß!
Von meinem Blumehügel
Sah' ich dir lange nach;
Ich wünschte mir die Flügel
Der Täubchen auf dem Dach;
Nun glaub' ich zu vergehen
Mit jedem Augenblick.
Willst du dein Liebchen sehen,
So komme bald zurück!
D412
"Stimme der Liebe"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 412 (April 1816), first published in 1838
Meine Selinde!
Denn mit Engelsstimme singt die Liebe mir zu:
Sie wird die Deine!
Sie wird die Meine!
Himmel und Erde schwinden!
Meine Selinde!
Tränen der Sehnsucht,
Die auf blaßen Wangen bebten,
Fallen herab als Freudentränen!
Denn mir tönt die himmlische Stimme:
Deine wird sie, die Deine!
D413
"Entzückung"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 413 (1816)
Tag voll Himmel! da aus Lauras Blicken
Mir der Liebe heiligstes Entzücken
In die wonnetrunk'ne Seele drang!
Und, von ihrem Zauber hingerissen,
Ich der Holden, unter Feuerküssen,
An den süßbeklomnen Busen sank!
Goldner sah ich Wolken sich besäumen,
Jedes Blättchen auf den Frühlingsbäumen
Schien zu flüstern: Ewig, ewig dein!
Glücklicher, in solcher Taumelfülle,
Werd' ich, nach verstäubter Erdenhülle,
Kaum in Edens Myrthenlauben sein.
Tag voll Himmel! da aus Lauras Blicken
Mir der Liebe heiligstes Entzücken
In die wonnetrunk'ne Seele drang!
D414
"Geist der Liebe"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 414; D. 747 (April 1816), first published in 1895
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802),
Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 28 "Abendlied" (with a different form of
text)
Der Abend schleiert Flur und Hain
In traulich holde Dämm'rung ein;
Hell flimmt, wo goldne Wölkchen ziehn,
Der Stern der Liebeskönigin.
Die Wogenflut hallt Schlummerklang,
Die Bäume lispeln Abendsang;
Der Wiese Gras umgaukelt lind
Mit Sylphenkuß der Frühlingswind.
Der Geis der Liebe wirkt und strebt,
Wo nur ein Puls der Schöpfung bebt;
Im Strom, wo Wog' in Woge fließt,
Im Hain, wo Blatt an Blatt sich schließt.
O Geist der Liebe! führe du
Dem Jüngling die Erkor'ne zu!
Ein Minneblick der Trauten hellt
Mit Himmelsglanz die Erdenwelt!
D415
"Klage"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 415 (April 1816), first published in 1895
Die Sonne steigt, die Sonne sinkt,
Des Mondes Wechselscheibe blinkt,
Des Äthers Blau durchwebt mit Glanz
Der Sterne goldner Reihetanz:
Doch es durchströmt der Sonne Licht
Des Mondes lächelndes Gesicht,
Der Sterne Reigen, still und hehr,
Mit Hochgefühl dies Herz nicht mehr!
Die Wiese blüht, der Büsche Grün
Ertönt von Frühlingsmelodien,
Es wallt der Bach im Abendstrahl
Hinab ins hainumkränzte Tal:
Doch es erhebt der Haine Lied,
Die Au, die tausendfarbig blüht,
Der Erlenbach im Abendlicht
Wie vormals meine Seele nicht!
D416
"Lied in der Abwesenheit"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, D. 416 (April 1816), fragment first published 1925
Ach, mir ist das Herz so schwer!
Traurig irr'ich hin und her.
Suche Ruhe, finde keine,
Geh' an's Fenster hin, und weine!
Säßest du auf meinem Schoß,
Würd' ich aller Sorgen los,
Und aus deinen blauen Augen
Würd' ich Lieb' und Wonne saugen!
Könnt' ich doch, du Süßes Kind,
Fliegen hin zu dir geschwind!
Könnt' ich ewig dich umfangen,
Und an deinen Lippen hangen!
D418
"Stimme der Liebe"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 18 D. 187 (May 1815), first
published in 1894; D. 418 (April 29, 1816), first published 1895
Abendgewölke schweben hell
Am bepurpurten Himmel.
Hesperus schaut mit Liebesblick
Durch den blühenden Lindenhain,
Und sein prophetisches Trauerlied
Zirpt im Kraute das Heimchen!
Freuden der Liebe harren dein!
Flüstern leise die Winde;
Freuden der Liebe harren dein!
Tönt die Kehle der Nachtigall;
Hoch von dem Sternengewölb' herab
Hallt mir die Stimme der Liebe!
Aus der Platanen Labyrinth
Wandelt Laura, die Holde!
Blumen entspriessen dem Zephyrtritt,
Und wie Sphärengesangeston
Bebt von den Rosen der Lippe mir
Süße Stimme der Liebe!
D419
"Julius an Theone"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 419 (April 30, 1816), first published in 1895
Nimmer, nimmer darf ich dir gestehen,
Was beim ersten Drucke deiner Hand,
Süße Zauberin, mein Herz empfand!
Meiner Einsamkeit verborg'nes Flehen,
Mein Seufzer wird der Sturm verwehen,
Meine Tränen werden ungesehen
Deinem Bilde rinnen, bis die Gruft
Mich in ihr verschwieg'nes Dunkel ruft.
Ach! du schautest mir so unbefangen,
So voll Engelunschuld ins Gesicht,
Wähntest den Triumph der Schönheit night!
O Theone! sahst du nicht den bangen
Blick der Liebe an deinen Blicken hangen?
Schimmerte die Röte meiner Wangen
Dir nicht Ahnung der verlornen Ruh'
Meines hoffnungslosen Herzens zu?
Daß uns Meere doch geschieden hätten
Nach dem ersten leisen Druck der Hand!
Schaudernd wank' ich nun am Rand
Eines Abgrunds, wo auf Dornenbetten,
Tränenlos, mit diamantnen Ketten,
Die Verzweiflung lauscht, mich zu retten!
Holde Feindin meines Friedens,
Beut mir die Schale der Vergessenheit!
D422
"Naturgenuß"
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 188 (May 1815), first published 1887; D. 422
Im Abendschimmer wallt der Quell
Durch Wiesenblumen purpurhell,
Der Pappelweide wechselnd Grün
Weht ruhelispelnd drüber hin.
Im Lenzhauch webt der Geist des Herrn!
Sieh! Auferstehung nah und fern,
Sieh! Jugendfülle, Schönheitsmeer,
Und Wonnetaumel rings umher.
Ich blicke her, ich blicke hin,
Und immer höher schwebt mein Sinn.
Nur Tand sind Pracht und Gold und Ruhm,
Natur, in Deinem Heiligtum!
Des Himmels Ahnung den umweht,
Der deinen Liebeston versteht;
Doch, an dein Mutterherz gedrückt,
Wird er zum Himmel selbst entzückt!
D429
"Holder klingt der Vogelsang"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, "Minnelied", D. 429 (May 1816), published 1885
See also:
Johannes Brahms (1833-1897), "Minnelied",
op. 71 no. 5 (1877)
Charles Edward Ives (1874-1954),
"Minnelied", set in German (1892?)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847),
"Minnelied im Mai", op. 8 no. 1 (1828)
Holder klingt der Vogelsang,
Wenn die Engelreine,
Die mein [Jünglingsherz] bezwang
Wandelt durch die Haine.
Röter blühen Tal und Au,
Grüner wird der Wasen,
[Wo die Finger meiner Frau
Maienblumen lasen.]
Ohne sie ist alles tot,
Welk sind Blüt' und Kräuter;
Und kein Frühlingsabendrot
Dünkt mir schön und heiter.
Traute, minnigliche Frau,
Wollest nimmer fliehen;
Daß mein Herz, gleich dieser Au,
Mög' in Wonne blühen!
D430
"Die frühe Liebe"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 430 (May 1816), first published in 1895
Schon im bunten Knabenkleide
Pflegten hübsche Mägdelein
Meine liebste Augenweide,
Mehr als Pupp' und Ball zu sein.
Ich vergaß der Vogelnester,
Warf mein Steckenpferd ins Gras,
Wenn am baum bei meiner Schweser
Eine schöne Dirne saß.
Freute mich der muntern Dirne,
Ihres roten Wangenpaars,
Ihres Mundes, ihrer Stirne,
Ihres blonden Lockenhaars.
Blickt auf Busentuch und Mieder,
Hinterwärts gelehnt am baum;
Streckte dann ins Gras mich nieder,
Dicht an ihres Kleides Saum.
Was ich weiland tat als Knabe,
Werd' ich wahrlich immer tun,
Bis ich werd' im kühlen Grabe
Neben meinen Vätern ruhn.
D431
"Blumenlied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 431 (1816), published 1887
Es ist ein halbes Himmelreich,
Wenn, Paradiesesblumen gleich,
Aus Klee die Blumen dringen;
Und wenn die Vögel silberhell
Im Garten hier, und dort am Quell,
Auf Blütenbäumen singen.
Doch holder blüht ein edles Weib,
Von Seele gut und schön von Leib,
In frischer Jugendblüte.
Wir lassen alle Blumen stehn,
Das liebe Weibchen anzusehn
Und freun uns ihrer Güte.
D432
"Der Leidende"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 432 (May 1816) first
published in 1850; D. 432b (May 1816) first published in 1895
Nimmer trag' ich länger
Dieser Leiden Last:
Nimm den müden Pilger
Bald hinauf zu dir.
Immer, immer enger
Wird's in meinem Busen,
Immer, immer trüber
Wird der Augen Blick.
Nimmer trag' ich länger
Dieser Leiden Last.
Öffne mir den Himmel,
Milder, güt'ger Gott!
Laß mich meine Schmerzen
Senken in das Grab!
Allzu viele Qualen
Wüten mir im Innern,
Hin ist jede Hoffnung,
Hin des Herzens Glut.
Öffne mir den Himmel,
Milder, güt'ger Gott!
D432 b
"Der Leidende"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 432 (May 1816) first
published in 1850; D. 432b (May 1816) first published in 1895
Nimmer trag' ich länger
Dieser Leiden Last:
Nimm den müden Pilger
Bald hinauf zu dir.
Immer, immer enger
Wird's in meinem Busen,
Immer, immer trüber
Wird der Augen Blick.
Nimmer trag' ich länger
Dieser Leiden Last.
Öffne mir den Himmel,
Milder, güt'ger Gott!
Laß mich meine Schmerzen
Senken in das Grab!
Allzu viele Qualen
Wüten mir im Innern,
Hin ist jede Hoffnung,
Hin des Herzens Glut.
Öffne mir den Himmel,
Milder, güt'ger Gott!
D433
"Seligkeit"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 433 (May 1816), first published 1895
Freuden sonder Zahl
Blühn im Himmelssaal
Engeln und Verklärten,
Wie die Väter lehrten.
O da möcht ich sein
Und mich ewig freun!
Jedem lächelt traut
Eine Himmelsbraut;
Harf und Psalter klinget,
Und man tanzt und singet.
O da möcht ich sein
Und mich ewig freun!
Lieber bleib ich hier,
Lächelt Laura mir
Einen Blick, der saget,
Daß ich ausgeklaget.
Selig dann mit ihr,
Bleib ich ewig hier!
D434
"Erntelied"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 434 (1816), published 1850
Sicheln schallen,
Ähren fallen
Unter Sichelschall;
Auf den Mädchenhüten
Zittern blaue Blüten,
Freud' ist überall.
Sicheln klingen,
Mädchen singen
Unter Sichelklang;
Bis, vom Mond beschimmert,
Rings die Stoppel flimmert,
Tönt der Erntesang.
Alles springet,
Alles singet,
Was nur lallen kann.
Bei dem Erntemahle
Ißt aus einer Schale
Knecht und Bauersmann.
Jeder scherzet,
Jeder herzet
Dann sein Liebelein.
Nach geleerten Kannen
Gehen sie vondannen,
Singen und juchei'n!
D436
"Dein Silber schien durch Eichengrün"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 436 "Klage an den
Mond" (1816), first published in 1850
See also:
Ludwig van Beethoven (1770-1827),
"Klage", WoO. 113 (1790?)
Jan Bed`rich (Johann Friedrich) Kittl (1806-1868), "Klage", op.
16 no. 2, published 1844
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Klage" Kleine Balladen und
Lieder Heft V no. 29
Dein Silber schien
Durch Eichengrün,
Das Kühlung gab,
Auf mich herab,
O Mond, und lachte Ruh'
Mir frohem Knaben zu.
Wenn jetzt dein Licht
Durch's Fenster bricht,
Lacht's keine Ruh'
Mir Jüngling zu,
Sieht's meine Wange blaß,
Mein Auge tränennaß.
Bald, lieber Freund,
Ach bald bescheint
Dein Silberschein
Den Leichenstein,
Der meine Asche birgt,
Des Jünglings Asche birgt!
D439
"An die Sonne"
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 439 (1816)
See also:
Johann Abraham Peter Schulz
(1747-1800), published 1784
O Sonne, Königin der Welt,
Die unser dunkles Rund/Leben erhellt
In lichter Majestät;
Erhab'nes Wunder einer Hand,
Die jene Himmel ausgespannt
Und Sterne hingesät!
Noch heute seh' ich deinen Glanz,
Mir lacht in ihrem Blumenkranz
Noch heute die Natur.
Der Vögel buntgefiedert Heer
Singt morgen mir vielleicht nicht mehr
Im Wald und auf der Flur.
Ich fühle, daß ich sterblich bin,
Mein Leben welkt wie Gras dahin,
Wie ein verschmachtend Laub.
Wer weiß, wie unerwartet bald
Des Höchsten Wort an mich erschallt:
Komm wieder in den Staub!
D441
"Gütigster, Bester, Weisester"
Text by Franz Schubert (1797-1828)
Music by Franz Schubert, D. 407; D. 441 (1816; first
reworking of no. 1 from "Beitrag zum fünfzigjährigen Jubelfeier des Herrn von
Salieri", D. 407)
Gütigster, Bester,
Weisester, Größter!
Solang ich Tränen habe
Und an der Kunst mich labe,
Sei beides dir geweiht,
Der beides mir verleiht.
Gütigster, Bester,
Weisester, Größter!
D442
"Das große Halleluja"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 422 (1816)
Ehre sei dem Hocherhabnen, dem Ersten, dem Vater der Schöpfung,
Dem unsre Psalmen stammeln,
Obgleich der wunderbare Er
Unaussprechlich, und undenkbar ist!
Eine Flamme von dem Alter an dem Thron
Ist in unsere Seele geströmt!
Wir freuen uns Himmelsfreuden,
Daß wir sind und über Ihn erstaunen können!
Ehre sei Ihm auch von uns an den Gräbern hier,
Obwohl an Seines Thrones letzten Stufen
Des Erzengels niedergeworfene Krone
Und seines Preisgesanges Wonne tönt!
Ehre sei, und Dank, und Preis dem Hocherhabnen, dem Ersten,
Der nicht begann, und nicht aufhören wird!
Der sogar des Stabs Bewohnern gab,
Nicht aufzuhören!
Ehre Dir! Ehre Dir! Ehre Dir!
Hocherhabner! Erster,
Vater der Schöpfung!
Unaussprechlicher, o Undenkbarer!
D443
"Schlachtgesang"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), verses 1-3, 6, 7, 13, 14 of the original
poem
Music by Franz Schubert, D. 443
See also:
Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 62 no. 3
(1847)
Mit unserm Arm ist nichts getan;
Steht uns der Mächtige nicht bei,
Der Alles ausführt!
Umsonst entflamt uns kühner Mut,
Wenn uns der Sieg von Dem nicht wird,
Der Alles ausführt!
Vergebens fließet unser Blut
Fürs Vaterland, wenn Der nicht hilft,
Der Alles ausführt!
Auf, in den Flammendampf hinein!
Wir lächelten dem Tode zu
Und lächeln, Feind', euch zu!
Der Tanz, den unsre Trommel schlägt,
Der laute schöne Kriegestanz,
Er tanzet hin nach euch!
Durch ihn und uns ist nichts getan,
Steht uns der Mächtige nicht bei,
Der Alles ausführt!
Dort dampft es noch. Hinein, hinein!
Wir lächelten dem Tode zu
Und lächeln, Feind' euch zu!
D444
"Die Gestirne"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, D. 444 (1816)
Es tönet sein Lob Feld und Wald, Tal und Gebirg,
Das Gestad hallet, es donnert das Meer dumpfbrausend
Des Unendlichen Lob, siehe des Herrlichen,
Unerreichten von dem Danklied der Natur!
D445
"Dein süßes Bild"
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Franz Schubert, "Edone", D. 445
See also:
Josef Antonín `St`epán (1726-1797),
"Dein süßes Bild", published 1778-9
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Lida", Kleine Balladen und
Lieder Heft V no. 2
Dein süßes Bild, [o Lida!]
Schwebt stets vor meinem Blick;
[Doch ach] in trüben Zähren
Daß du es selbst nicht bist.
Ich seh' es, wenn der Abend mir dämmert,
Wenn der Mond mir glänzt,
Seh' ich's, und weine -
Daß du es selbst nicht bist.
Bei jenes Tales Blumen,
Die ich ihr lesen will,
Bei jenen Myrtenzweigen,
Die ich ihr flechten will,
Beschwör ich dich Erscheinung,
Auf! und verwandle dich!
Verwandle dich Erscheinung
Und [werde Lida, Lida] selbst!
D446
"Die Liebesgötter"
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 446 (June 1816), first published in 1887
Cypris, meiner Phyllis gleich,
Saß von Grazien umgeben,
Denn ich sah ihr frohes Reich;
Mich berauschten Cyperns Reben.
Ein geweihter Myrthenwald,
Den geheime Schatten schwärzten,
War der Göttin Aufenthalt,
Wo die Liebesgötter scherzten.
Viele gingen, Paar bei Paar:
Andre sangen, die ich kannte,
Deren Auge schalkhaft war,
Und voll schlauer Wollust brannte.
Viele flogen rüstig aus,
Mit dem Bogen in der Rechten.
Viele waren nicht zu Haus,
Weil sie bei Lyäen zechten.
Unter grüner Büsche Nacht,
Unter abgelegnen Sträuchen,
Wo so manche Nymphe lacht,
Sah ich sie am liebsten schleichen.
Viele flohn mit leichtem Fuß
Allen Zwang betränter Ketten,
Flatterten von Kuß zu Kuß
Und von Blonden zu Brünetten.
D447
"An den Schlaf"
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 447 (June 1816), first published in 1895
Komm, und senke die umflorten Schwingen,
Süßer Schlummer, auf den müden Blick!
Segner! Freund! in deinen Armen dringen
Trost und Balsam auf's verlorne Glück.
D448
"Gott im Frühlinge"
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 448 (1816), published 1887
See also:
Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800),
published 1784
In seinem schimmernden Gewand
Hast du den Frühling uns gesandt,
nd Rosen um sein Haupt gewunden.
Holdlächelnd kömmt er schon!
Es führen ihn die Stunden,
O Gott, auf seinem Blumenthron.
Er geht in Büschen, und sie blühn;
Den Fluren kommt ihr frisches Grün,
Und Wäldern wächst ihr Schatten wieder,
Der West liebkosend schwingt
Sein tauendes Gefieder,
Und jeder frohe Vogel singt.
Mit eurer Lieder süßem Klang,
Ihr Vögel, soll auch mein Gesang
Zum Vater der Natur sich schwingen.
Entzückung reißt mich hin!
Ich will dem Herrn lobsingen,
Durch den ich wurde, was ich bin!
D449
"Der gute Hirt"
Text by Johann Peter Uz (1720-1796)
Music by Franz Schubert, D. 449 (June 1816), first published 1872
Was sorgest du? Sei stille, meine Seele!
Denn Gott ist ein guter Hirt,
Der mir, auch wenn ich mich nicht quäle,
Nichs mangeln lassen wird.
Er weidet mich auf blumenreicher Aue,
Er führt mich frischen Wassern zu,
Und bringet mich im kühlen Taue
Zur sichern Abendruh'.
Er hört nicht auf, mich liebreich zu beschirmen,
Im Schatten vor des Tages Glut,
In seinem Schoße vor den Stürmen
Und schwarzer Bosheit Wut.
Auch wenn er mich durch finstre Täler leiten,
Mich durch die Wüste führen wird,
Will ich nichts fürchten; mir zu Seiten
Geht dieser treue Hirt.
Ich aber will ihn preisen und ihm danken!
Ich halt an meinem Hirten fest;
Und mein Vertrauen soll nicht wanken.
D450 b
"Fragment aus dem Aischylos"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836) after Aeschylus (525?-456 BCE), Chorus of the
Eumenides
Music by Franz Schubert, D. 450b (June 1816), first
published in 1832
So wird der Mann, der sonder Zwang gerecht ist,
Nicht unglücklich sein, versinken ganz in Elend kann er nimmer;
Indes der frevelnde Verbrecher im Strome der Zeit
Gewaltsam untergeht, wenn am zerschmetterten Maste
Das Wetter die Segel ergreift.
Er ruft, von keinem Ohr vernommen,
Kämpft in des Strudels Mitte, hoffnungslos.
Des Frevlers lacht die Gottheit nun,
Sieht ihn, nun nicht mehr stolz,
In Banden der Not verstrickt.
Umsonst die Felsbank fliehn:
An der Vergeltung Fels scheitert sein Glück,
Und unbeweint versinkt er.
D454
"Grablied auf einen Soldaten"
Text by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Music by Franz Schubert, D. 454 (1816)
Zieh hin, du braver Krieger, du!
Wir gleiten dich zur Grabesruh,
Und schreiten mit gesunkner Wehr,
Von Wehmut schwer
Und stumm vor deinem Sarge her.
Du warst ein biedrer, deutscher Mann.
Hast immerhin so brav getan.
Dein Herz, voll edler Tapferkeit,
Hat nie im Streit
Geschoß und Säbelhieb gescheut.
Warst auch ein christlicher Soldat,
Der wenig sprach und vieles tat,
Dem Fürsten und dem Lande treu,
Und fromm dabei
Von Herzen, ohne Heuchelei.
Du standst in grauser Mitternacht,
In Frost und Hitze auf der Wacht,
Ertrugst so standhaft manche Not
Und danktest Gott
Für Wasser und für's liebe Brot.
Wie du gelebt, so starbst auch du,
Schlossest deine Augen freudig zu.
Und dachtest: Aus ist nun der Streit
Und Kamptf der Zeit.
Jetzt kommt die ew'ge Seligkeit.
D455
"Freude der Kinderjahre"
Text by Friedrich von Köpken (1737-1811)
Music by Franz Schubert, D. 455, composed in July, 1816, first published in 1887
Freude, die im frühen Lenze
Meinem Haupte Blumen wand,
Sieh, noch duften deine Kränze,
Noch geh' ich an deiner Hand.
Selbst der Kindheit Knospen blühen
Auf in meiner Phantasie;
Und mit frischerm Reize glühen
Noch in meinem Herbste sie.
Früh schon kannt' ich dich! du wehtest
Froh bei jedem Spiel um mich,
Sprangst in meinem balle, drehtest
Leicht in meinem Kreisel dich;
Liefst mit mir durch Gras und Hecken
Flüchtig Schmetterlingen nach,
Rittest mit auf bunten Stecken,
Wirbeltest im Trommelschlag.
Kamen auch zuweilen Sorgen:
Kindersorgen sind nicht groß!
Früh hüpft' ich am andern Morgen,
Schaukelte die Sorgen los;
Kletterte dir nach auf Bäume,
Wälzte müd' im Grase mich;
Und entschlief ich: süße Träume
Zeigten mir im Bilde dich!
D456
"Das Heimweh"
Text by Theodor Hell (Karl Gottfried Winkler) (1775-1856) (first verse) and by Max Kalbeck
(1850-1921) (second and third verses)
Music by Franz Schubert, D. 456 (1816), published 1887
Oft in einsam stillen Stunden
Hab ich ein Gefühl empfunden,
Unerklärbar, wunderbar!
Das wie Sehnsucht nach der Ferne
Hoch hinauf in bessre Sterne
Wie ein leises Ahnen war.
Wohl die alten Bäume wieder
Neigen ihre Wipfel nieder
Auf das Haus am Waldesrand.
Stille, stille! Laß mich lauschen!
Fernher tönt ein leises Rauschen:
Komm zurück in's Heimatland!
Wer soll meiner Liebe lohnen?
Dort wo fremde Menschen wohnen
Geh' ich nicht mehr ein und aus.
Droben in den Sternenräumen
Unter goldnen Himmelsbäumen
Wartet mein das Vaterhaus.
Alternate ending (verses by Hell):
Jetzt, wo von der Heimat Frieden
Ich so lang' schon abgeschieden,
Und in weiter Fremde bin,
Fühlt ein ängstlich heißes Sehen
Unter sanften Wehmutstränen
Tief bewegt mein innrer Sinn.
Wenn in Stunden sel'ger Weihe
Sich der frühern Wonnen Reihe,
Dunkel wär' mein Geist bewußt;
Wenn sich neue Sinne fänden,
Die das Höhere verständen
In der tiefbewegten Brust!
D457
"An die untergehende Sonne"
Text by Ludwig Gotthard Theobul Kosegarten (1758-1818)
Music by Franz Schubert, D. 457 (July 1816-May 1817),
first published as op. 44 in January 1827
Sonne, du sinkst,
Sink in Frieden, O Sonne!
Still und ruhig ist deines Scheidens Gang,
Rührend und feierlich deines Scheidens Schweigen.
Wehmut lächelt dein freundliches Auge,
Tränen entträufeln den goldenen Wimpern;
Segnungen strömst du der duftenden Erde.
Immer tiefer,
Immer leiser,
Immer ernster, feierlicher
Sinkest du den Äther hinab.
Sonne, du sinkst,
Sink in Frieden, O Sonne!
Es segnen die Völker, es säuseln die Lüfte,
Es räuchern die dampfenden Wiesen dir nach;
Winde durchrieseln dein lockiges Haar;
Wogen kühlen die brennende Wange;
Weit auf tut sich dein Wasserbett.
Ruh' in Frieden,
Ruh' in Wonne!
Die Nachtigall flötet dir Schlummergesang.
Sonne, du sinkst,
Sink in Frieden, O Sonne!
D458
"Ilmerine", aus "Diego Manzares"
Text by Franz Xaver von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 458 (30 July 1816)
Wo irrst du durch einsame Schluchten der Nacht,
Wo bist du, mein Leben, mein Glück?
Schon sind die Gestime der Nacht
Aus tauendem Dunkel erwacht,
Und ach, der Geliebte kehrt noch nicht zurück.
D462
"An Chloen"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 462 (August 1816), first published in 1895
Bei der Liebe reinsten Flammen
Glänzt das arme Hüttendach:
Liebchen! ewig nun beisammen!
Liebchen! träumend oder wach!
Süßes, zärtliches Umfangen,
Wenn der Tag am Himmel graut;
Heimlich klopfendes Verlangen,
Wenn der Abend niederthaut!
Und wir teilen alle Freuden,
Sonn' und Mond und Sternenglanz;
Allen Segen, alles Leiden,
Arbeit und Gebet und Tanz.
So, bei reiner Liebe Flammen,
Endet sich der schöne Lauf;
Ruhig schweben wir zusammen,
Liebchen, Liebchen! himmelauf.
D463
"Hochzeitlied"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 463 (August 1816), first published in 1895
Will singen euch im alten Ton
Ein Lied von Lieb' und Treu';
Es sangen's unsre Väter schon,
Doch bleibt's der Liebe neu.
Im Glücke macht es freudenvoll,
Kann trösten in der Not:
"Daß nichts die Herzen schreiden soll,
Nichts scheiden als der Tod:
Daß immerdar mit frischem Mut
Der Mann die Traute schützt,
Und alles opfert, Gut and Blut,
Wenn's seinem Weibchen nützt;
Daß, wenn die Lerch'im Felde schlägt,
Sein Weib ihm Wonne lacht,
Ihm, wenn der Acker Dornen trägt,
Zum Spiel die Arbeit macht,
Und doppelt süß der Ruhe Lust,
Erquickend jedes Brot,
Den Kummer leicht an ihrer Brust,
Gelinder seinen Tod.
Dann fühlt er noch die kalte Hand
Von ihrer Hand gedrückt,
Und sich in's neue Vaterland
Aus ihrem Arm entrückt."
D464
"In der Mitternacht"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 464 (August 1816), first published in 1895
Todesstille deckt das Tal
Bei des Mondes falbem Strahl;
Winde flüstern dumpf und bang
In des Wächters Nachtgesang.
Leiser, dumpfer tönt es hier
In der bangen Seele mir,
Nimmt das Strahl der Hoffnung fort,
Wie den Mond die Wolke dort.
Hüllt, ihr Wolken, hüllt den Schein
Immer tiefer, tiefer ein!
Vor ihm bergen will mein Herz
Seinen tiefen, tiefen Schmerz.
Nennen soll ihr nicht mein Mund;
Keine Träne mach' ihn kund;
Senken soll man ihn hinab
Einst mit mir in's kühle Grab.
An des Todes milder Hand
Geht der Weg in's Vaterland;
Dort ist Liebe sonder Pein;
Selig, selig werd' ich sein.
D465
"Trauer der Liebe"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 465 (August 1816), first published in 1895
Wo die Taub' in stillen Buchen
Ihren Tauber sich erwählt,
Wo sich Nachtigallen suchen,
Und die Rebe sich vermählt;
Wo die Bäche sich vereinen,
Ging ich oft mit leichtem Scherz,
Ging ich oft mit bangem Weinen,
Suchte mir ein liebend Herz.
O, da gab die finstre Laube
Leisen Trost im Abendschein;
O, da kam ein süßer Glaube
Mit dem Morgenglanz im Hain;
Da vernahm ich's in dem Winden,
Ihr Geflüster lehrte mich:
Daß ich suchen sollt und finden,
Finden, holde Liebe, dich!
Aber ach! wo blieb auf Erden,
Holde Liebe, deine Spur?
Lieben, um geliebt zu werden,
Ist das Los der Engel nur.
Statt der Wonne fand ich Schmerzen,
Hing an dem, was mich verließ;
Frieden gibt den treuen Herzen
Nur ein künftig Paradies.
D466
"Die Perle"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 466 (August 1816), first published in 1872
Es ging ein Mann zur Frühlingszeit
Durch Busch und Felder weit und breit
Um Birke, Buch' und Erle;
Der Bäume, Grün im Maienlicht,
Die Blumen drunter sah er nicht.
Er suchte seine Perle.
Die Perle war seine höchstes Gut,
Er hatt' um sie des Meeres Flut
Durchschifft, und viel gelitten;
Von ihr des Lebens Trost gehofft,
Im Busen sie bewahrt, und oft
Dem Räuber abgestritten.
Der arme Pilger! So wie er,
Geh' ich zur Frühlingszeit umher
Um Birke, Buch' und Erle;
Des Maies Wunder seh' ich nicht;
Was aber, ach! was mir gebricht,
Ist mehr als eine Perle.
Was mir gebricht, was ich verlor,
was ich zum höchsten Gut erkor,
Ist Lieb' in treuem Herzen.
Vergebens wall'ich auf und ab;
Doch find'ich einst ein kühles Grab,
Das endet alle Schmerzen.
D467
"Pflicht und Liebe"
Text by Friedrich Wilhelm Gotter (1746-1797)
Music by Franz Schubert, D. 467 (August 1816), fragment
first published in 1885, completed by Friedländer
Du, der ewig um mich trauert,
Nicht allein, nicht unbedauert,
Jüngling, seufzest du;
Wann vor Schmerz die Seele schauert,
Lüget meine Stirne Ruh.
Deines nassen Blickes Flehen
Will ich, darf ich nicht verstehn;
Aber zürne nicht!
Was ich fühle, zu gestehen,
Untersagt mir meine Pflicht.
Freund, schweif' aus mit deinen Blicken!
Laß dich nie Natur entzücken,
Die dir sonst gelacht!
Ach, sie wird auch mich beglücken,
Wenn sie dich erst glücklich macht.
Trauter Jüngling, lächle wieder!
Sieh, beim Gruße frohen Sangs
Steigt die onn' empor!
Trübe sank sie gestern nieder,
Herrlich geht sie heut' hervor.
D468
"An den Mond"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 468 (August 7, 1816), first published in 1895
Was schauest du so hell und klar
Durch diese Apfelbäume,
Wo einst dein Freund so selig war
Und träumte süße Träume?
Verhülle deinen Silberglanz,
Und schimmre, wie du schimmerst,
Wenn du den frühen Totenkranz
Der jungen Braut beflimmerst!
Du blickst umsonst so hell und klar
In diese Laube nieder;
Nie findest du das frohe Paar
In ihrem Schatten wieder!
Ein schwarzes, feindliches Geschick
Entriß mir meine Schöne!
Kein Seufzer zaubert sie zurück
Und keine Sehnsuchsträne!
O wandelt sie hinfort einmal
An meine Ruhestelle,
Dann mache flugs mit trübem Strahl
Des Grabes Blumen helle!
Sie setze weinend sich aufs Grab,
Wo Rosen niederhangen,
Und pflücke sich ein Blümchen ab,
Und drück' es an die Wangen.
D469
"So laßt mich scheinen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Mignons Gesang II",
D. 469 I and II (fragments) (1816), published 1897; D. 469b (fragment); D. 727 (1821),
published 1850; D. 877 no. 3 (1826), published 1827 as op. 62 no. 3
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), "Mignons letzter Gesang", published 1796
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"So laßt mich scheinen", op. 98a no. 9 (1849)
Hugo Wolf (1860-1903),
"Mignon III", from Goethe-Lieder, no. 7
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!
D469 b
"So laßt mich scheinen"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Mignons Gesang II",
D. 469 I and II (fragments) (1816), published 1897; D. 469b (fragment); D. 727 (1821),
published 1850; D. 877 no. 3 (1826), published 1827 as op. 62 no. 3
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), "Mignons letzter Gesang", published 1796
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"So laßt mich scheinen", op. 98a no. 9 (1849)
Hugo Wolf (1860-1903),
"Mignon III", from Goethe-Lieder, no. 7
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!
D473 b
"Liedesend"
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 473b (September 1816), first published in 1833
Auf seinem gold'nen Throne
Der graue König sitzt -
Er starret in die Sonne,
Die rot im Westen blitz.
Der Sänger rührt die Harfe,
Sie rauschet Siegessang;
Der Ernst jedoch, der scharfe,
Er trotzt dem vollen klang.
Nun stimmt er süße Weisen,
An's Herz sich klammernd an;
Ob er ihn nicht mit leisen
Versuchen mildern kann.
Vergeblich ist sein Mühen,
Erschöpft des Liedes Reich,
Und auf der Stirne ziehen
Die Sorgen wettergleich.
Der Barde, tief erbittert,
Schlägt die Harf' entzwei,
Und durch die Lüfte zittert
Der Silbersaiten Schrei.
Doch wie auch alle beben,
Der Herrscher zürnet nicht;
Der Gnade Strahlen schweben
Auf seinem Angesicht.
"Du wolle mich nicht zeihen
Der Unempfindlichkeit;
In lang verblühten Maien
Wie hast du mich erfreut!
Wie jede Lust gesteigert,
Die aus der Urne fiel!
Was mir ein Gott geweigert,
Erstattete dein Spiel.
Vom kalten Herzen gleitet
Nun Liedeszauber ab,
Und immer näher schreitet
Nun Vergänglichkeit und Grab."
D474
"Orpheus", Lied des Orpheus, als er in die Hölle ging
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Franz Schubert, D. 474 (September 1816), first published in 1832
Wälze dich hinweg, du wildes Feuer!
Diese Saiten hat ein Gott gekrönt;
Er, mit welchem jedes Ungeheuer,
Und vielleicht die Hölle sich versöhnt.
Diese Saiten stimmte seine Rechte:
Fürchterliche Schatten, flieht!
Und ihr winselnden Bewohner dieser Nächte,
Horchet auf mein Lied!
Von der Erde, wo die Sonne leuchtet
Und der stille Mond,
Wo der Tau das junge Moos befeuchtet,
Wo Gesang im grünen Felde wohnt;
Aus der Menschen süßem Vaterlande,
Wo der Himmel euch so frohe Blice gab,
Ziehen mich die schönsten Bande,
Ziehet mich die Liebe selbst herab.
Meine Klage tönt in eure Klage;
Weit von ihr geflohen ist das Glück;
Aber denkt an jene Tage,
Schaut in jene Welt zurück!
Wenn ihr da nur einen Leidenden umarmt,
O, so fühlt die Wollust noch einmal,
Und der Augenblick, in dem ihr euch erbarmt,
Lindre diese lange Qual.
O, ich sehe Tränen fließen!
Durch die Finsternisse bricht
Ein Strahl von Hoffnung; ewig büssen
Lassen euch die guten Götter nicht.
Götter, die für euch die Erde schufen,
Werden aus der tiefen Nacht
Euch in selige Gefilde rufen,
Wo die Tugend unter Rosen lacht.
D475
"Abschied"
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 475 (1816), first published in 1885
Über die Berge zieht ihr fort,
Kommt an manchen grünen Ort;
Muß zurücke ganz allein,
Lebet wohl! es muß so sein.
Scheiden, meiden, was man liebt,
Ach wie wird das Herz betrübt!
O Seenspiegel, Wald und Hügel schwinden all;
Hör' verschwimmen eurer Stimmen Widerhall.
Lebt wohl! klingt klagevoll,
Ach wie wird das Herz betrübt,
Scheiden, meiden was man liebt;
Lebt wohl! klingt klagevoll.
D476
"Rückweg"
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 476 (September 1816), first published 1872
Zum Donaustrom, zur Kaiserstadt
Geh'ich in Bangigkeit;
Denn was das Leben Schönes hat,
Entweichet weit und weit.
Die Berge schwinden allgemach,
Mit ihren Wald und Fluß;
Der köhe Glocken läuten nach,
Und Hötten nicken Gruß.
Was starrt dein Auge tränenfeucht
Hinaus in blaue Fern'?
Ach, dorten weilt ich, unerreicht,
Frei unter freien gern!
Wo Liebe noch und Treue gilt,
Da öffnet sich das Herz;
Die Frucht an ihren Strahlen schwillt,
Und strebet himmelwärts.
D477
"Alte Liebe rostet nie"
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 477 (1816), first published 1895
Alte Liebe rostet nie,
Hört ich oft die Mutter sagen;
Alte Liebe rostet nie,
Muß ich nun erfahrend klagen.
Wie die Luft umgibt sie mich,
Die ich einst die Meine nannt,
Die ich liebte ritterlich,
Die mich in die Ferne sandte.
Seit die Holde ich verlor,
Hab' ich Meer und Land gesehen, -
Vor der schönsten Frauen Flor
Durft ich unerschöttert stehen:
Denn aus mir ihr Bildnis trat,
Zörnend, wie zum Kampf mit ihnen;
Mit dem Zauber, den sie hat,
Mußte sie das Spiel gewinnen.
Da der Garten, dort das Haus,
Wo wir oft so traulich kosten!
Seh' ich recht? sie schwebt heraus -
Wird die alte Liebe rosten?
D478
no.2 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Franz Schubert, "Wer nie sein Brot mit
Tränen aß", D. 478 no. 2 and 2b (1816), published 1895; "Wer nie sein Brot mit
Tränen aß", D. 478 no. 2, third setting (1822), published 1822 as op. 12 no. 2;
"Gesänge des Harfners III", D. 480 no. 3
See also:
(August Joseph) Norbert Burgmüller
(1810-1836), "Harfenspieler II" (Harper's song), op. 6 no. 1 (1827-36?)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
"Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 297
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klage" (Lament),
published 1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Wer nie sein Brot mit Tränen aß", op 98a no. 4.
Wilhelm Stade, "Aus Wilhelm Meister", published 1842
Hugo Wolf (1860-1903),
"Harfenspieler III", from Goethe-Lieder, no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Klage" (1795); (1816)
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.
D478
no. 2b "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Franz Schubert, "Wer nie sein Brot mit
Tränen aß", D. 478 no. 2 and 2b (1816), published 1895; "Wer nie sein Brot mit
Tränen aß", D. 478 no. 2, third setting (1822), published 1822 as op. 12 no. 2;
"Gesänge des Harfners III", D. 480 no. 3
See also:
(August Joseph) Norbert Burgmüller
(1810-1836), "Harfenspieler II" (Harper's song), op. 6 no. 1 (1827-36?)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
"Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 297
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klage" (Lament),
published 1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Wer nie sein Brot mit Tränen aß", op 98a no. 4.
Wilhelm Stade, "Aus Wilhelm Meister", published 1842
Hugo Wolf (1860-1903),
"Harfenspieler III", from Goethe-Lieder, no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Klage" (1795); (1816)
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.
D478 b
"Wer sich der Einsamkeit ergibt"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Franz Schubert, "Gesänge des Harfners
I", D. 325, D. 478b. (September 1816), first published in 1822 as op. 12 no. 1
See also:
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847),
"Harfners Lied", 1825
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Einsamkeit", published
1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Wer sich der Einsamkeit ergibt", op. 98a no. 6
Hugo Wolf (1860-1903),
"Harfenspieler I", from Goethe-Lieder no. 1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Einsamkeit" (1795)
Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.
Ja! Laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.
Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach, werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!
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