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Franz Schubert

(1797 - 1828)
 

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The Lieder of Franz Schubert

 


Lieder – complete index

 

Lieder - index 6:
 
D 479 b "An die Türen will ich schleichen"
D 480 no.3 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
D 481 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
D 482 "Der Sänger am Felsen"
D 483 "Lied"
D 484 "Gesang der Geister über den Wassern"
D 490 "Der Hirt"
D 491 "Geheimnis. An Franz Schubert"
D 492 "Zum Punsche"
D 493 "Der Wanderer"
D 494 "Der Geistertanz"
D 495 "Abendlied der Fürstin"
D 496 "Bei dem Grabe meines Vaters"
D 496 a "Klage um Ali Bey"
D 497 "Er liegt und schläft an meinem Herzen"
D 498 "Wiegenlied"
D 499 "Abendlied"
D 500 "Phidile"
D 501 "Lied (Zufriedenheit)"
D 502 "Herbstlied"
D 503 "Mailied"
D 504 "Am Grabe Anselmos"
D 507 "Skolie"
D 508 "Lebenslied"
D 509 "Leiden der Trennung"
D 510 "Didone Abbandonata"
D 513 "La pastorella al prato"
D 514 "Die abgeblühte Linde"
D 515 "Der Flug der Zeit"
D 516 "Sehnsucht"
D 517 "Der Schäfer und der Reiter"
D 518 "An den Tod"
D 519 "Die Blumensprache"
D 520 "Frohsinn"
D 521 "Jagdlied"
D 522 "Die Liebe"
D 523 "Trost"
D 524 b "Der Alpenjäger"
D 525 "Wie Ulfru fischt"
D 526 "Fahrt zum Hades"
D 527 "Schlaflied"
D 528 "La pastorella al prato"
D 530 "An eine Quelle"
D 531 "Der Tod und das Mädchen"
D 532 "Das Lied vom Reifen"
D 533 "Täglich zu singen"
D 534 "Die Nacht"
D 536 "Der Schiffer"
D 538 "Gesang der Geister über den Wassern"
D 539 "Am Strome"
D 540 "Philoktet"
D 541 "Memnon"
D 542 "Antigone und Oedip"
D 543 b "Auf dem See"
D 544 "Ganymed"
D 545 "Der Jüngling und der Tod"
D 546 "Trost im Liede"
D 547 "An die Musik"
D 548 "Orest auf Tauris"
D 549 "Mahomets Gesang"
D 550 "Die Forelle"
D 551 "Pax Vobiscum"
D 552 "Hänflings Liebeswerbung"
D 553 "Auf der Donau"
D 554 "Uraniens Flucht"

D479 b "An die Türen will ich schleichen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister

Music by Franz Schubert, "Gesänge des Harfners II", D. 479b (1816), publ. 1822 as op. 12 no. 3

See also:

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Harfenspieler I", op. 3 no. 6 (1827-36?)
Victor August Loser , "Gesang des Harfners aus Wilhelm Meister", op. 15 no. 2, published 1899?
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Letztes Lied des Harfenspielers", published 1809
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "An die Türen will ich schleichen", op. 98a no. 8
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler II", from Goethe-Lieder, no. 2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Harfenspieler II" (1818)

 
An die Türen will ich schleichen,
Still und sittsam will ich stehn,
Fromme Hand wird Nahrung reichen,
Und ich werde weitergehn.
Jeder wird sich glücklich scheinen,
Wenn mein Bild vor ihm erscheint,
Eine Träne wird er weinen,
Und ich weiß nicht, was er weint.

D480 no.3 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister

Music by Franz Schubert, "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2 and 2b (1816), published 1895; "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2, third setting (1822), published 1822 as op. 12 no. 2; "Gesänge des Harfners III", D. 480 no. 3

See also:

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Harfenspieler II" (Harper's song), op. 6 no. 1 (1827-36?)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 297
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klage" (Lament), published 1795-6
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", op 98a no. 4
Wilhelm Stade, "Aus Wilhelm Meister", published 1842
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler III", from Goethe-Lieder, no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Klage" (1795); (1816)

 
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.

D481 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895; D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872; D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895; D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867; D. 877 no 1 and 4 (1826)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Robert Schumann (1810-1856), "Nur wer die Sehnsucht kennt", op. 98a no. 3 (May/June 1849)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", op. 6 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821

 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

D482 "Der Sänger am Felsen"
 
Text by Karoline Pichler (1769-1843)
Music by Franz Schubert, D. 482 (September 1816), first published in 1895

 
Klage, meine Flöte, klage
Die entschwundnen schönen Tage
Und des Frühlings schnelle Flucht,
Hier auf den verwelkten Fluren,
Wo mein Geist umsonst die Spuren
Süß gewohnter Freuden sucht.
Klage, meine Flöte, klage!
Einsam rufest du dem Tage,
Der dem Schmerz zu spät erwacht.
Einsam schallen meine Lieder;
Nur das Echo hallt sie wieder
Durch die Schatten stiller Nacht.
Wenn alles mich verläßt.
Klage, meine Flöte, klage!
Kürzt den Faden meiner Tage
Bald der strengen Parze Stahl;
O dann sing' auf Lethe's Matten
Irgend einem guten Schatten
Meine Lieb' und meine Qual!

D483 "Lied"
 
Text by Karoline Pichler (1769-1843)
Music by Franz Schubert, D. 483 (September 1816), first published in 1895

 
Ferne von der Großen Stadt,
Nimm mich auf in deine Stille,
Tal, das mit des Frühlings Fülle
Die Natur geschmücket hat!
Wo kein Lärmen, kein Getümmel
Meinen Schlummer kürzer macht,
Und ein ewig heitrer Himmel
Uber sel'gen Fluren lacht!
Freuden, die die Ruhe beut,
Will ich ungestört hier schmecken,
Hier, wo Bläume mich bedecken,
Und die Linde Duft verstreut,
Diese Quelle sei mein Spiegel,
Mein Parkett der junge Klee,
Und der frischberas'te Hügel
Sei mein grüunes Kanapee.
Deiner mütterlichen Spur,
Dem Gesetz, das ungerochen
Noch kein Sterblicher gebrochen'
Will ich folgen, o Natur!
Aus dem dunkeln Schoß der Erden,
Will ich Freuden mir erzieh'n,
Und aus Baurn und Blume werden
Seligkeiten mir erblüh'n.

D484 "Gesang der Geister über den Wassern"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 484 (Sep 1816) (fragment), first published in 1895; D. 538; D. 705 (Dec 1820) (fragment), first published in 1897; D. 714

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 88 (1840)
Eduard Steuermann (1892-1964), 1931
 


Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

D490 "Der Hirt"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 490 (October 8, 1816), first published in 1895

 
Du Turm! zu meinem Leide
Ragst du so hoch empor,
Und mahnest grausam immer
An das, was ich verlor.
Sie hängt an einem Andern,
Und wohnt im Weiler dort.
Mein armes Herz verblutet,
Vom schärfsten Pfeil durchbohrt.
In ihren schönen Augen
War keiner Untreu Spur,
Ich sah der Liebe Himmel,
Der Anmut Spiegel nur.
Wohin ich mich nun wende
Der Turm er folget mir;
O sagt' er, statt der Stunden,
Was mich vernichtet, ihr!

D491 "Geheimnis. An Franz Schubert"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 491 (1816), published 1887
 


Sag an, wer lehrt dich Lieder,
So schmeichelnd und so zart?
Sie rufen einen Himmel
Aus trüber Geganwart.
Erst lag das Land verschleiert
Im Nebel vor uns da -
Du singst, und Sonnen leuchten,
Und Frühling ist uns nah.
Den schilfbekraänzten Alten,
Der seine Urne gießt,
Erblickst du nicht,
Nur Wasser, wie's durch die Wiesen fließt.
So geht es auch dem Sänger,
Er singt, er staunt in sich;
Was still ein Gott bereitet,
Befremdet ihn wie dich.

D492 "Zum Punsche"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 492 (1816)
 


Woget brausend, Harmonien,
Kehre wieder, alte Zeit;
Punschgefüllte Becher, wandert
In des Kreises Heiterkeit!
Mich ergreifen schon die Wellen,
Bin der Erde weit entrückt;
Sterne winken, Lüfte säuseln,
Und die Seele ist beglückt!
Was das Leben aufgebürdet,
Liegt am Ufer nebelschwer;
Steure fort, ein rascher Schwimmer,
In das hohe Friedensmeer.
Was des Schwimmers Lust vermehret,
Ist das Plätschern hinterdrein;
Denn es folgen die Genoßen,
Keiner will der Letzte sein.

D493 "Der Wanderer"
 
Text by Georg Philipp Schmidt von Lübeck (1766-1849)
Music by Franz Schubert, D. 493
 


Ich komme vom Gebirge her,
Es dampft das Tal, es braust das Meer.
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt,
Und was sie reden, leerer Schall;
Ich bin ein Fremdling überall.
Wo bist du, mein geliebtes Land?
Gesucht, geahnt, und nie gekannt!
Das Land, das Land so hoffnungsgrün,
Das Land, wo meine Rosen blühn.
Wo meine Freunde wandelnd gehn,
Wo meine Toten auferstehn,
Das Land, das meine Sprache spricht,
O Land, wo bist du? . . .
Ich wandle still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
Im Geisterhauch tönt's mir zurück:
"Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück."

D494 "Der Geistertanz"

Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)

Music by Franz Schubert, D. 15 (c1812); D. 15a (c1812); D. 116 (October 14, 1814), first published in 1840; D. 494


Die bretterne Kammer
Der Toten erbebt,
Wenn zwölfmal den Hammer
Die Mitternacht hebt.
Rasch tanzen um Gräber
Und morsches Gebein
Wir luftigen Schweber
Den sausenden Reih'n.
Was winseln die Hunde
Beim schlafenden Herrn?
Sie wittern die Runde
Der Geister von fern.
Die Raben entflattern
Der wüsten Abtei,
Und flieh'n an den Gattern
Des Kirchhofs vorbei.
Wir gaukeln und scherzen
Hinab und empor
Gleich irrenden Kerzen
Im dunstigen Moor.
O Herz, dessen Zauber
Zur Marter uns ward,
Du ruhst nun in tauber
Verdumpfung erstarrt;
Tief bargst du im düstern
Gemach unser Weh;
Wir Glücklichen flüstern
Dir fröhlich: Ade!

D495 "Abendlied der Fürstin"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 495 (November 1816), first published in 1868

 
Der Abend rötet nun das Tal,
Mild schimmert Hesperus.
Die Buchen stehen still zumal,
Und leiser rauscht der Fluß.
Die Wolken segeln goldbesäumt
Am klaren Firmament;
Das Herz, es schwelgt, das Herz, es träumt,
Von Erdenqual getrennt.
Am grünem Hügel hingestreckt,
Schlaft wohl der Jäger ein -
Doch plötzlich ihn der Donner weckt,
Und Blitze zischen drein.
Wo bist du, heilig Abendrot,
Wo, sanfter Hesperus?
So wandelt denn in Schmerz und Not
Sich jeglicher Genuß.

D496 "Bei dem Grabe meines Vaters"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 496 (November 1816)

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Am Grabe meines Vaters", Kleine Balladen und Lieder Heft V no. 38 (with a different form of text)
 


Friede sei um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes!
Ach, sie haben einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr;
Träufte mir von Segen, dieser Mann,
Wie ein Stern aus beßern Welten!
Und ich kann's ihm nicht vergelten,
Was er mir getan.
Er entschlief, sie gruben ihn hier ein.
Leiser, süßer Trost von Gott,
Und ein Ahnden von dem ew'gen Leben
Düft' um sein Gebein!
Bis ihn Jesus Christus, groß und hehr,
Freundlich wird erwecken,
Ach, sie haben ihn begraben!
Einen guten Mann begraben,
Und mir war er mehr.

D496 a "Klage um Ali Bey"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)

Music by Franz Schubert, D. 140 (1815); D. 496a (November 1816), first published in 1968

 
 
Laßt mich! laßt mich! ich will klagen,
Fröhlich sein nicht mehr!
Aboudahab hat geschlagen
Ali und sein Heer.
So ein muntrer kühner Krieger
Wird nicht wieder sein;
Uber alles ward er Sieger,
Haut' es kurz und klein.
Er verschmähte Wein und Weiber,
Ging nur Kriegesbahn,
Und war für die Zeitungsschreiber
Gar ein lieber Mann.
Jedermann in Syrus saget:
"Schade, daß er fiel!"
Und in ganz Agypten klaget
Mensch und Krokodil.

D497 "Er liegt und schläft an meinem Herzen"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)

Music by Franz Schubert, "An die Nachtigall", D. 497 (1816), published 1829 as op. 98 no 1

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Glück"
 


Er liegt und schläft an meinem Herzen,
Mein guter Schutzgeist sang ihn ein;
Und ich kann fröhlich sein und scherzen,
Kann jeder Blum' und jedes Blatts mich freun.
Nachtigall, ach! Nachtigall, ach!
Sing mir den Amor nicht wach!

D498 "Wiegenlied"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 498 (November 1816), first published in 1829

 
Schlafe, holder, süßer Knabe,
Leise wiegt dich deiner Mutter Hand;
Sanfte Ruhe, milde Labe
Bringt dir schwebend dieses Wiegenband.
Schlafe in dem süßen Grabe,
Noch beschützt dich deiner Mutter Arm,
Alle Wünsche, alle Habe
Faßt sie lieben, alle liebwarm.
Schlafe in der Flaumen Schoße,
Noch umtönt dich lauter Liebeston,
Eine Lilie, eine Rose,
Nach dem Schlafe werd' sie dir zum Lohn. 

D499 "Abendlied"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 499 (1816), published 1885

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1779-81
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 52 no. 2f (1937)
Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800), published 1782-90

 
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldenen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget,
Der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, laß dein Heil uns schauen
Auf nichts Vergänglichs trauen
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod,
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du, unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder!
Kalt ist der Abendhauch,
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbar auch!

D500 "Phidile"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 500 (November 1816), first published in 1895

See also:

Othmar Schoeck (1886-1957), op. 52 no. 2 (1937), from Wandsbecker Liederbuch
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 2, published 1805

 
Ich war erst sechzehn Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter,
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras und Kräuter.
Da kam ein fremder Jüngling her;
Ich hatt' ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht wohin noch her;
Der kam und sprach von Lieben.
Er hatte schönes langes Haar
Um seinen Nacken wehen;
So einen Nacken, als der war,
Hab' ich noch nie gesehen.
Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen,
So blau und freundlich, als das war,
Hab ich noch kein's gesehen.
Und sein Gesicht, wie Milch und Blut
Ich hab's nie so gesehen;
Auch was er sagte, war sehr gut.
Nur konnt' ichs nicht verstehen.
Er ging mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände,
Und sagte immer O und Ach,
Und küßte sie behende.
Ich sah ihn einmal freundlich an,
Und fragte, was er meinte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals und weinte.
Das hatte niemand noch getan;
Doch war's mir nicht zuwider
Und meine beiden Augen sahn
In meinen Busen nieder.
Ich sagt' ihm nicht ein einzig Wort,
Als ob ich's übel nähme,
Kein einzig's, und - er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!

D501 "Lied (Zufriedenheit)"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 362 "Lied"; D. 501 "Lied (Zufriedenheit)"

 
 
Ich bin vergnügt, im Siegeston
Verkünd' es mein Gedicht,
Und mancher Mann mit seiner Kron'
Und Zepter ist es nicht.
Und wär er's auch: nun, immerhin!
Mag er's doch! so ist er was ich bin.
Des Sultans Pracht, des Mogols Geld,
Dess' Glück, wie hieß er doch,
Der, als er Herr war von der Welt,
Zum Mond hinaufsah noch?
Ich wünsche nichts von alledem,
Zu lächeln drob fällt mir bequem.

D502 "Herbstlied"
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Franz Schubert, D. 502 (November 1816), first published in 1872
 


Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt;
Am Geländer reifen
Pfirsiche mit Streifen
Rot und weiß bemalt.
Sieh, wie hier die Dirne
Emsig Pflaum' und Birne
In ihr Körbchen legt;
Dort, mit leichten Schritten
Jene goldne Quitten
In den Landhof trägt!
Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.
Geige tönt und Flöte
Bei der Abendrote
Und im Morgenglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz.

D503 "Mailied"
 
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Franz Schubert, D. 129, D. 199, D. 202, D. 503

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
 


Grüner wird die Au,
Und der Himmel blau;
Schwalben kehren wieder
Und die Erstlingslieder
Kleiner Vögelein
Zwitschern durch den Hain.
Aus dem Blütenstrauch
Weht der Liebe Hauch:
Seit der Lenz erschienen,
Waltet sie im Grünen
Malt die Blumen bun,
Rot des Mädchens Mund.
Brüder, küsset ihn!
Den die Jahre fliehn!
Einen Kuß in Ehren
Kann euch Niemand wehren!
Kußt ihn, Brüder, küßt,
Weil er küßch ist!
Seht, der Tauber girrt,
Seht, der Tauber schwirrt
Um sein liebes TTaubchen!
Nehmt euch auch ein Weibchen,
Wie der Tauber tut,
Und seid wohlgemut!

D504 "Am Grabe Anselmos"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 504 (November 1816), first published in 1821

 
Daß ich dich verloren habe,
Daß du nicht mehr bist,
Ach! daß hier in diesem Grabe
Mein Anselmo ist,
Das ist mein Schmerz!
Seht, wie liebten wir uns beide,
Und, solang ich bin, kommt Freude
Niemals wieder in mein Her

D507 "Skolie"
 
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 507 (December 1816), first published in 1895

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft V no. 18

 
Mädchen entsiegelten,
Brüder, die Flaschen;
Auf die geflügelten
Freuden zu haschen,
Locken und Becher von Rosen umglüht.
Auf! eh' die moosigen
Hügel uns winken,
Wonne von rosigen
Lippen zu trinken;
Huldigung allem, was jugendlich blüht!

D508 "Lebenslied"
 
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 508 (December 1816), first published in 1845

Kommen und Scheiden,
Suchen und Meiden,
Fürchten und Sehnen,
Zweifeln und Wähnen,
Armut und Fülle, Verödung und Pracht
Wechseln auf Erden wie Dämmrung und Nacht!
Fruchtlos hienieden
Ringst du nach Frieden!
Täuschende Schimmer
Winken dir immer;
Doch, wie dir Furchen des gleitenden Kahns,
Schwinden die Zaubergebilde des Wahns!
Auf zu der Sterne
Leuchtender Ferne
Blicke vom Staube
Mutig der Glaube:
Dort nur verknüpft ein unsterbliches Band
Wahrheit und Frieden, Verein und Bestand!
Günstige Fluten
Tragen die Guten,
Fördern die Braven
Sicher zum Hafen,
Und, ein hatmonisch verklingendes Lied,
Schließt sich das Leben dem edlen Gemüt!

D509 "Leiden der Trennung"
 
Text by Heinrich Joseph von Collin (1772-1811), after Pietro Metastasio (1698-1782), "Artaserse"

Music by Franz Schubert, D. 509 (December 1816), first published in 1872

 
Vom Meere trennt sich die Welle,
Und seufzet durch Blumen im Tal,
Und fühlet, gewiegt in der Quelle,
Gebannt in dem Brunnen, nur Qual!
Es sehnt sich die Welle
In lispelnder Quelle,
Im murmelnden Bache,
Im Brunnengemache,
Zum Meer, zum Meer,
Von dem sie kam,
Von dem sie Leben nahm,
Von dem, des Irrens matt und müde,
Sie süße Ruh' verhofft und Friede.

D510 "Didone Abbandonata"
 
Text by Pietro Metastasio (1698-1792)
Music by Franz Schubert, D. 510 (December 1816), first published in 1895

Vedi quanto adoro ancora ingrato.
Con un tuo squardo solo
Mi togli ogni difesa, e mi disarmi.
Ed hai cor di tradirmi? E puoi lasciarmi?
Ah! non lasciarmi, no, bell' idol mio
Di chi mi fiderò se tu m'inganni?
Di vita mancherei nel dirti addio;
Che viver non potrei fra tanti affanni.

D513 "La pastorella al prato"
 
Text by Carlo Goldoni (1707-1793)

Music by Franz Schubert, D. 513 (1817?); D. 528 (January 1817), first published in 1872 

 
La pastorella al prato
Contenta se ne va,
Coll' agnellino a lato
Cantando in libertà.
Se l'innocente amore
Grandisce il suo pastore
La bella pastorella
Contenta ognor sarà.

D514 "Die abgeblühte Linde"
 
Text by Ludwig Graf von Sávár-Felso-Vidék Széchényi (1781-1855)
Music by Franz Schubert, D. 514, op. 7 no. 1 (1817?)

Wirst du halten, was du schwurst,
Wenn mir die Zeit die Locken bleicht?
Wie du über Berge fuhrst,
Eilt das Wiedersehn nicht leicht.
Ändrung ist das Kind der Zeit,
Wo mit Trennung uns bedroht,
Und was die Zukunft beut,
Ist ein blässer's Lebensrot.
Sieh, die Linde blühet noch,
Als du heute von ihr gehst;
Wirst sie wieder finden, doch
Ihre Blüten stiehlt der West.
Einsam steht sie dann, vorbei
Geht man kalt, bemerkt sie kaum.
Nur der Gärtner bleibt ihr treu,
Denn er liebt in ihr den Baum.

D515 "Der Flug der Zeit"
 
Text by Ludwig Graf von Sávár-Felso-Vidék Széchényi (1781-1855)
Music by Franz Schubert, D. 515, op. 7 no. 2 (1817?)

Es floh die Zeit im Wirbelfluge
Und trug des Lebens Plan mit sich.
Wohl stürmisch war es auf dem Zuge,
Beschwerlich oft und widerlich.
So ging es fort durch alle Zonen,
Durch Kinderjahre, durch Jugendglück,
Durch Täler, wo die Freuden wohnen,
Die sinnend sucht der Sehnsucht Blick.
Bis an der Freundschaft lichten Hügel
Die Zeit nun sanfter, stiller flog,
Und endlich da die raschen Flügel
In süßer Ruh' zusammenbog.

D516 "Sehnsucht"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 516 (op. 8, no. 2) (1817?)

 
Der Lerche wolkennahe Lieder
Erschmettern zu des Winters Flucht,
Die Erde hüllt in Samt die Glieder
Und Blüten bilden rote Frucht.
Nur du, o sturmbewegte Seele,
Nur du bist blütenlos, in dich gekehrt,
Und wirst in goldner Frühlingshelle
Von tiefer Sehnsucht aufgezehrt.
Nie wird, was du verlangst, entkeimen
Dem Boden, Idealen fremd,
Der trotzig deinen schönsten Träumen
Die rohe Kraft entgegenstemmt.
Du ringst dich matt mit seiner Härte,
Vom Wunsche heftiger entbrannt,
Mit Kranichen ein sterbender Gefährte,
Zu wandern in ein milder Land.

D517 "Der Schäfer und der Reiter"
 
Text by Friedrich Heinrich, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 517 (1817)
 
 


Ein Schäfer saß im Grünen,
Sein Liebchen süß im Arm,
Durch Buchenwipfel schienen
Der Sonne Strahlen warm.
Sie kosten froh und heiter
Von Liebeständelei.
Da ritt, bewehrt, ein Reiter
Den Glücklichen vorbei.
"Sitz ab und suche Kühle",
Rief ihm der Schäfer zu,
"Des Mittags nahe Schwüle
Gebietet stille Ruh'.
Noch lacht im Morgenglanze
So Strauch als Blume hier,
Und Liebchen pflückt zum Kranze
Die schönsten Blüten dir."
Da sprach der finstre Reiter:
"Nie hält mich Wald und Flur;
Mich treibt mein Schicksal weiter,
Und ach, mein ernster Schwur.
Ich gab mein junges Leben
Dahin um schnöden Sold,
Glück kann ich nicht erstreben
Nur höchstens Ruhm und Gold.
Drum schnell, mein Roß, und trabe
Vorbei wo Blumen blühn,
Einst lohnt wohl Ruh im Grabe
Des Kämpfenden Bemühn."

D518 "An den Tod"
 
Text by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Music by Franz Schubert, D. 518 (1816 or 1817), first published in 1824
 


Tod, du Schrecken der Natur,
Immer rieselt deine Uhr;
Die geschwung'ne Sense blinkt,
Gras und Halm und Blume sinkt.
Mähe nicht ohn' Unterschied,
Dieses Blümchen, das erst blüht,
Dieses Röschen, erst halbrot;
Sei barmherzig, lieber Tod!
Tod, wann kommst du, meine Lust?
Ziehst den Dolch aus meiner Brust?
Streifst die Fesseln von der Hand?
Ach, wann deckst du mich mit Sand?
Komm, o Tod, wenn's dir gefällt,
Hol' Gefang'ne aus der Welt:
Komm, vollende meine Not;
Sei barmherzig, lieber Tod!

D519 "Die Blumensprache"
 
Text by Anton Plattner (1787-1855) ??

Music by Franz Schubert, D. 519 (October 1817? Summer 1818?), first published in 1868 as op. posth. 173 no. 5
 


Es deuten die Blumen des Herzens Gefühle,
Sie sprechen manch' heimliches Wort,
Sie neigen sich traulich am schwankenden Stiele,
Als zöge die Liebe sie fort.
Sie bergen verschämt sich im deckenden Laube,
Als hätte verraten der Wunsch sie dem Raube.
Sie deuten im leise bezaubernden Bilde
Der Frauen, der Mädchen Sinn;
Sie deuten das Schöne, die Anmut, die Milde,
Sie deuten des Lebens Gewinn:
Es hat mit der Knospe, so heimlich verschlungen,
Der Jüngling die Perle der Hoffnung gefunden.
Sie weben der Sehnsucht, des Harmes Gedanken
Aus Farben ins duftige Kleid,
Nichts frommen der Trennung gehässige Schranken,
Die Blumen verkünden das Leid.
Was laut nicht der Mund, der bewachte, darf sagen,
Das waget die Huld scih in Blumen zu klagen.

D520 "Frohsinn"
 
Text by Ignaz Franz Castelli (1781-1862)
Music by Franz Schubert, D. 520 (1817)

Ich bin von lockrem Schlage,
Genieß ohne Trübsinn die Welt,
Mich drückt kein Schmerz, keine Plage,
Mein Frohsinn würzt mir die Tage,
Ihn hab ich zum Schild mir gewählt.

D521 "Jagdlied"
 
Text by Zacharias Werner (1768-1823)

Music by Franz Schubert, D. 521 (January 1817), first published (different words) in 1830; this version: 1895

 
Trarah, trarah! Wir kehren daheim -
Wir bringen die Beute der Jagd! -
Es sinket die Nacht, drum halten wir Wacht;
Das Licht hat über das Dunkel Macht!
Trarah, trarah! Auf, auf, auf!
Das Feuer angefacht!
Trarah, trarah! Wir zechen im Kreis!
Wir spotten des Dunkels der Nacht!
Des Menschen Macht.
In freudiger Pracht,
Die Qual verhöhnt, des Todes lacht! -
Trarah, trarah! Auf, auf!
Die Glut ist angefacht!

D522 "Die Liebe"
 
Text by Gottlieb von Leon (1757-1830)
Music by Franz Schubert, D. 522 (1817)

Wo weht der Liebe hoher Geist?
Er weht im Blum' und Baum,
Im weiten Erdenraum,
Er weht, wo sich die Knospen spalten
Und wo die Blümlein sich entfalten.
Wo weht der Liebe hoher Geist?
Er weht im Abendglanz,
Er weht im Sternenkranz,
Wo Bien' und Maienkäfer schwirren
Und zart die Turteltauben girren.

D523 "Trost"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 523 (1817)
 


Nimmer lange weil' ich hier,
Komme bald hinauf zu dir;
Tief und still fühl' ich's in mir:
Nimmer lange weil' ich hier.
Komme bald hinauf zu dir,
Schmerzen, Qualen, für und für
Wüten in den Busen mir;
Komme bald hinauf zu dir.
Tief und still fühl' ich's in mir:
Eines heißen Dranges Gier
Zehrt die Flamm' im Innern hier,
Tief und still fühl' ich's in mir.

D524 b "Der Alpenjäger"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D 524b, op. 13 no. 3 (1817)
 


Auf hohem Bergesrücken,
Wo frischer alles grünt,
Ins Land hinabzublicken,
Das nebelleicht zerrinnt,
Erfreut den Alpenjäger.
Je steiler und je schräger
Die Pfade sich verwinden,
Je eher Gefahr aus Schlünden,
So freier schlägt die Brust.
Er ist der fernen Lieben,
Die ihm daheimgeblieben,
Sich seliger bewußt.
Und ist er nun am Ziele,
So drangt sich in der Stille
Ein süßes Bild ihm vor;
Der Sonne goldne Strahlen,
Sie weben und sie malen,
Die er im Tal erkor.

D525 "Wie Ulfru fischt"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

Music by Franz Schubert, D. 525 (January 1817), first published in 1823 as op. 21 no 3

 
Die Angel zuckt, die Rute bebt,
Doch leicht fährt sie heraus.
Ihr eigensinn'gen Nixen gebt
Dem Fischer keinen Schmaus.
Was frommet ihm sein kluger Sinn,
Die Fische baumeln spottend hin;
Er steht am Ufer fest gebannt,
Kann nicht ins Wasser, ihn hält das Land.
Die glatte Fläche kräuselt sich,
Vom Schuppenvolk bewegt,
Das seine Glieder wonniglich
In sichern Fluten regt.
Forellen zappeln hin und her,
Doch bleibet des Fischers Angel leer,
Sie fühlen, was die Freiheit ist,
Fruchtlos ist Fischers alte List.
Die Erde ist gewaltig schön,
Doch sicher ist sie nicht.
Es senden Stürme Eiseshöh'n,
Der Hagel und der Frost zerbricht
Mit einem Schlage, einem Druck,
Das gold'ne Korn, der Rosen Schmuck;
Den Fischlein unter'm weichen Dach,
Kein Sturm folgt ihnen vom Lande nach.

D526 "Fahrt zum Hades"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 526 (January 1817), first published in 1832
 


Der Nachen dröhnt, Cypressen flüstern,
Horch, Geister reden schaurig drein;
Bald werd'ich am Gestad', dem düstern,
Weit von der schöne Erde sein.
Da leuchten Sonne nicht, noch Sterne,
Da tönt kein, das ist kein Freund.
Empfang die letzte Träne, o Ferne,
Die dieses müde Auge weint.
Schon schau'ich die blassen Danaiden,
Den fluchbeladnen Tantalus;
Es murmelt todesschwangern Frieden,
Vergessenheit, dein alter Fluß.
Vergessen nenn'ich zwiefach Sterben,
Was ich mit höchster Kraft gewann,
Verlieren, wieder es erwerben -
Wann enden diese Qualen? Wann?

D527 "Schlaflied"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 527, op. 24 no. 2 (1817)
 
 


Es mahnt der Wald, es ruft der Strom:
"Du liebes Bübchen, zu uns komm!"
Der Knabe kommt, und staunt, und weilt,
Und ist von jedem Schmerz geheilt.
Aus Büschen flötet Wachtelschlag,
Mit irren Farben spielt der Tag;
Auf Blümchen rot, auf Blümchen blau
Erglänzt des Himmels feuchter Tau.
Ins frische Gras legt er sich hin,
Läßt über sich die Wolken ziehn,
An seine Mutter angeschmiegt,
Hat ihn der Traumgott eingewiegt.

D528 "La pastorella al prato"
 
Text by Carlo Goldoni (1707-1793)

Music by Franz Schubert, D. 513 (1817?); D. 528 (January 1817), first published in 1872
 
 


La pastorella al prato
Contenta se ne va,
Coll' agnellino a lato
Cantando in libertà.
Se l'innocente amore
Grandisce il suo pastore
La bella pastorella
Contenta ognor sarà.

D530 "An eine Quelle"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 530, op. posth. 109 no. 3 (1817)

 
Du kleine grünumwachsne Quelle,
An der ich Daphne jüngst gesehn!
Dein Wasser war so still! und helle!
Und Daphnes Bild darin so schön!
O wenn sie nicht noch mal am Ufer sehen läßt,
So halte du ihr schönes Bild doch fest;
Ich schleiche heimlich dann mit nassen Augen hin,
Dem Bild meine Not zu klagen;
Denn, wenn ich bei ihr selber bin,
Dann, ach dann kann ich ihr nichts sagen.

D531 "Der Tod und das Mädchen"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)

Music by Franz Schubert, D. 531 (February 1817), first published in 1821 as op. 7 no 3

 
Das Mädchen:
"Vorüber! ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh, Lieber!
Und rühre mich nicht an."
Der Tod:
"Gib deine Hand, du schön und zart Gebild,
Bin Freund und komme nicht zu strafen.
Sei gutes Muts! Ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen."

D532 "Das Lied vom Reifen"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 532 (1817)
 


Seht meine lieben Bäume an,
Wie sie so herrlich stehn,
Auf allen Zweigen angetan
Mit Reifen wunderschön!
Von unten an bis oben 'naus
Auf allen Zweigelein
Hängt's weiß und zierlich, zart und kraus,
Und kann nicht schöner sein.
Ein Engel Gottes geht bei Nacht,
Streut heimlich hier und dort,
Und wenn der Bauersmann erwacht,
Ist er schon wieder fort.
Du Engel, der so gütig ist,
Wir sagen Dank und Preis,
O mach uns doch zum heil'gen Christ
Die Bäume wieder weiß!

D533 "Täglich zu singen"
 
Text by Matthias Claudius (1740-1815)
Music by Franz Schubert, D. 533 (February 1817), first published 1895

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)
Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800), published 1782-90
 


Ich danke Gott und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Daß ich hier bin! Und daß ich dich
Schön menschlich Antlitz habe.
Daß ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.
Gott gebe mir nur jeden Tag.
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt's dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt' er's mir nicht geben!

D534 "Die Nacht"
 
Text by Baron Edmund von Harold after James Macpherson ("Ossian") (1736-1796)

Music by Franz Schubert, D. 534 (1817), first published 1830

 
Erster Bard:
Die Nacht ist dumpfig und finster.
An den Hügeln ruhn die Wolken.
Kein Stern mit grünzitterndem Strahl;
kein Mond schaut durch die Luft.
Im Walde hör'ich den Hauch;
aber hör'ihn weit in der Ferne.
Der Strom des Thais erbraust;
aber sein Brausen ist stürmisch und trüb.
Vom Baum beim Grabe der Todten,
hört man lang die krächzende Eul.
An der eb'ne erblick ich eine dämmernde Bildung!
Es ist ein Geist!
Er schwindet, er flieht.
Durch diesen Weg wird eine Leiche getragen;
Ihren Pfad bezeichnet das Luftbild.
Die fernere Dogge heult von der Hütte des Hügels.
Der Hirsch liegt im Moose des Bergs;
neben ihm ruht die Hündin.
In seinem astigten Geweihe hört sie den Wind;
Fährt auf, und legt sich zur Ruhe wieder nieder.
Düster und keuchend, zitternd und traurig,
verlor der Wanderer den Weg.
Er irrt durch Gebüsche, durch Dornen längs
Der sprudelnden Quelle.
Er fürchtet die Klippe und den Sumpf.
Er fürchtet den Geist der Nacht.
Der alte Baum ächzt zu dem Windstoß;
der fallende Ast erschallt.
Die verwelkte zusammen verworrene Klette,
treibt der Wind über das Gras.
Es ist der leichte Tritt eines Geists!
Er bebt in der Mitte der Nacht.
Die Nacht ist düster, dunkel, und heulend; wolkigt,
stürmisch und schwanger mit Geistern!
Die Todten streifen umher!
Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.
Der Gebieter:
Laß Wolken an Hügeln ruhn;
Geister fliegen und Wandrer beben.
Laß die Winde der Wälder sich heben,
brausende Stürme das Thal durchweh'n.
Ströme brüllen, Fenster klirren,
grünberflügelte Dämpfe fliegen;
den bleichen Mond sich hinter seinen Hügeln erheben,
oder sein Haupt in Wolken einhüllen;
die Nacht gilt mir gleich;
die Luft sie blau, stürmisch, oder dunkel.
Die Nacht flieht vorm Strahl,
wenn er am Hügel sich giest.
Der junge Tag kehrt von seinen Wolken,
aber wir kehren nimmer zurück.
Wo sind uns're Führer der vorwelt; o sind uns're weit berühmten Gebieter?
Schweigend sind dei Felder ihrer Schlaten.
Kaum sind ihre moosigten
Gräber noch übrig.
Man wird auch unser vergessen.
Dies erhabene Gebäu wird zerfallen.
Unsere Söhne werden die Trümmer im Grase nicht erblicken.
Sie werden die Greisen befragen,
"Wo standen die Mauern unsrer Väter?"
Ertönet das Lied und schlaget die Harfen;
sendet die fröhlichen Muscheln herum.
Stellt hundert Kerzen in die Höne.
Jünglinge, Mädchen beginnet den Tanz.
Nah sei ein graulockigter Barde,
mir Taten der Vorwelt zu künden;
von Königen berühnt in unserm Land,
von Genietern, die wir nicht mehr sehn.
Laß die Nacht also vergehen, bis
Der Morgen in unsern Hallen erscheine.
Dann seien nicht ferne, der Bogen,
die Doggen, die Jünglinge der Jagd.
Wir werden die Hügelmit dem Morgen besteigen,
und die Hirsche erwecken.

D536 "Der Schiffer"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 536

 
Im Winde, im Sturme befahr ich den Fluß,
Die Kleider durchweichet der Regen im Guß;
Ich peitsche die Wellen mit mächtigem Schlag,
Erhoffend, erhoffend mir heiteren Tag.
Die Wellen, sie jagen das ächzende Schiff,
Es drohet der Strudel, es drohet das Riff.
Gesteine entkollern den felsigen Höh'n,
Und Tannen erseufzen wie Geistergestöhn.
So mußte es kommen, ich hab es gewollt,
Ich hasse ein Leben behaglich entrollt;
Und schlängen die Wellen den ächzenden Kahn,
Ich priese doch immer die eigene Bahn.
Drum tose des Wassers ohnmächtiger Zorn,
Dem Herzen entquillet ein seliger Born,
Die Nerven erfrischend - o himmliche Lust,
Dem Sturme zu trotzen mit männlicher Brust.

D538 "Gesang der Geister über den Wassern"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 484 (Sep 1816) (fragment), first published in 1895; D. 538; D. 705 (Dec 1820) (fragment), first published in 1897; D. 714

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 88 (1840)
Eduard Steuermann (1892-1964), 1931
 


Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

D539 "Am Strome"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

Music by Franz Schubert, D. 539 (March 1817), first published in May 1822 as op. 8 no 2

 
 
Ist mir's doch, als sei mein Leben
An den schönen Strom gebunden;
Hab' ich Frohes nicht an seinem Ufer,
Und Betrübtes hier empfunden?
Ja, du gleichest meiner Seele;
Manchmal grün und glatt gestaltet,
Und zu Zeiten herrschen Stürme
Schäumend, unruhvoll, gefaltet.
Fliessest zu dem fernen Meere,
Darfst allda nicht heimisch werden;
Mich drängt's auch in mildre Lande,
Finde nicht das Glück auf Erden.

D540 "Philoktet"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 540 (1817), published 1831

Da sitz ich ohne Bogen und starre in den Sand.
Was tat ich dir Ulysses, daß du sie mir entwandt?
Die Waffe, die den Trojern des Todes Bote war,
Die auf der wüsten Insel mir Unterhalt gebar.
Es rauschen Vogelschwärme mir über'm greisen Haupt;
Ich greife nach dem Bogen, umsonst, er ist geraubt!
Aus dichtem Busche raschelt der braune Hirsch hervor:
Ich strecke leere Arme zur Nemesis empor.
Du schlauer König, scheue der Göttin Rächerblick!
Erbarme dich und stelle den Bogen mir zurück.

D541 "Memnon"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 541 (1817), published 1821 as op. 6 No 1
 


Den Tag hindurch nur einmal mag ich sprechen,
Gewohnt zu schweigen immer und zu trauern:
Wenn durch die nachtgebor'nen Nebelmauern
Aurorens Purpurstrahlen liebend brechen.
Für Menschenohren sind es Harmonien.
Weil ich die Klage selbst melodisch künde
Und durch der Dichtung Glut das Raube ründe,
Vermuten sie in mir ein selig Blühen.
In mir, nach dem des Todes Arme langen,
In dessen tiefstem Herzen Schlangen wühlen;
Genährt von meinen schmerzlichen Gefühlen
Fast wütend durch ein ungestillt Verlangen:
Mit dir, des Morgens Göttin, mich zu einen,
Und weit von diesem nichtigen Getriebe,
Aus Sphären edler Freiheit, aus Sphären reiner Liebe,
Ein stiller, bleicher Stern herab zu scheinen.

D542 "Antigone und Oedip"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

Music by Franz Schubert, D. 542 (March 1817), first published in August 1821 as op. 6 no 2

Antigone:
Ihr hohen Himmlischen erhöret
Der Tochter herzentströmtes Flehen;
Laßt einen kühlen Hauch des Trostes
In des Vaters große Seele wehn.
Genüget, euren Zorn zu sühnen,
Dies' junge Leben - nehmt es hin;
Und euer Rachestrahl vernichte
Die tiefbetrübte Dulderin.
Demütig falte ich die Hände -
Das Firmament bleibt glatt und rein,
Und stille ist's, nur laue Lüfte
Durchschauern noch den alten Hain.
Was seufzt und stöhnt der bleiche Vater?
Ich ahn's - ein furchtbares Gesicht
Verscheucht von ihm den leichten Schlummer;
Er springt vom Rasen auf - er spricht:
Oedip:
Ich träume einen schweren Traum.
Schwang nicht den Zepter diese Rechte?
Doch Hoheit lös'ten starke Mächte
Dir auf, o Greis, in nicht'gen Schaum.
Trank ich in schönen Tagen nicht
In meiner großen Väter Halle,
Beim Heldensang und Hörnerschalle,
O Helios, dein golden Licht,
Das ich nun nimmer schauen kann?
Zerstörung ruft von allen Seiten:
"Zum Tode sollst du dich bereiten;
Dein irdisch Werk ist abgetan."

D543 b "Auf dem See"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 543b (1817?), published 1828 as op. 92 no. 2

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op.80, i, 2 (1836), for 4 voices
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1841
Hans Georg Nägeli (1773-1836), 1799
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), 1815
Hugo Wolf (1860-1903), op. 3 no. 5 (1875)

 
Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt:
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig himmelan,
Begegnen unserm Lauf.
Aug, mein Aug, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist:
Hier auch Lieb und Leben ist.
Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne,
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reifende Frucht.

D544 "Ganymed"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 544 (1817), published 1825 as op. 19 no. 3

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 81 no. 5 (1836-7)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Hugo Wolf (1860-1903), from Goethe-Lieder, no. 50

 
Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herze drängt
Deiner ewigen Wärme
Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!
Daß ich dich fassen möcht'
In diesen Arm!
Ach, an deinem Busen
Lieg ich und schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Drängen sich an mein Herz.
Du kühlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend mach mir aus dem Nebeltal.
Ich komm', ich komme!
Ach wohin, wohin?
Hinauf strabt's hinauf!
Es schweben die Wolken
Abwärts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In eurem Schosse
Aufwärts!
Umfangend umfangen!
Aufwärts an deinen Busen,
Alliebender Vater!

D545 "Der Jüngling und der Tod"
 
Text by Joseph von Spaun (1788-1865)
Music by Franz Schubert, D. 545 (March 1817), first published in 1872
 

 
(Der Jüngling)
Die Sonne sinkt, o könnt ich mit ihr scheiden,
Mit ihrem letzten Strahl entfliehn,
Ach diese namenlosen Qualen meiden,
Und weit in schönre Welten ziehn!
O komme Tod, und löse diese Bande!
Ich lächle dir, o Knochenmann,
Entführe mich leicht in geträumte Lande,
O komm und rühre mich doch an.
(Der Tod:)
Es ruht sich kühl und sanft in meinem Armen,
Du rufst! Ich will mich deiner Qual erbarmen.

D546 "Trost im Liede"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 546 (March 1817), first published in 1827
 


Braust des Unglücks Sturm empor,
Halt'ich meine Harfe vor,
Schützen können Saiten nicht,
Die er leicht und schnell durchbricht;
Aber durch des Sanges Tor
Schlägt er milder an mein Ohr.
Sanfte Laute hör ich klingen,
Die mir in die Seele dringen,
Die mir auf des Wohllauts Schwingen
Wunderbare Tröstung bringen.
Und ob Klagen mir entschweben,
Ob ich still und schmerzlich weine,
Fühl'ich mich doch so ergeben,
Daß ich fest und gläubig meine;
Es gehört zu meinem Leben,
Daß sich Schmerz und Freude eine.

D547 "An die Musik"
 
Text by Franz von Schober (1796-1882)
Music by Franz Schubert, D. 547, op. 88 no. 4 (1817) (2nd version published in 1827)
 


Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,
Hast mich in eine beßre Welt entrückt!
Oft hat ein Seufzer, deiner Harf' entflossen,
Ein süßer, heiliger Akkord von dir
Den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen,
Du holde Kunst, ich danke dir dafür!

D548 "Orest auf Tauris"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 548 (March 1817), first published in 1831

 
Ist dies Tauris, wo der Eumeniden
Wut zu stillen Pythia versprach?
Weh! die Schwestern mit den Schlangenhaaren
Folgen mir vom Land der Griechen nach.
Rauhes Eiland, kündest keinen Segen;
Nirgends sproßt der Ceres milde Frucht;
Keine Reben blüh'n, der Lüfte Sänger,
Wie die Schiffe, meiden diese Bucht.
Steine fügt die Kunst nicht zu Gebäuden,
Zelte spannt des Skythen Armut sich;
Unter starren Felsen, rauhen Wäldern
Ist das Leben einsam, schauerlich!
"Und hier soll," so ist ja doch ergangen
An den Flehenden der heilige Spruch,
"Eine hohe Priesterin Dianens
Lösen meinen und der Väter Fluch."

D549 "Mahomets Gesang"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 549 (March 1817), first published in 1895; D. 721

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 85 (1840)
 


Seht den Felsenquell,
Freudehell,
Wie ein Sternenblick;
Über Wolken
Nährten seine Jugend
Gute Geister
Zwischen Klippen im Gebüsch.
Jünglingfrisch
Tanzt er aus der Wolke
Auf die Marmorfelsen nieder,
Jauchzet wieder
Nach dem Himmel.
Durch die Gipfelgänge
Jagt er bunten Kieseln nach,
Und mit frühem Führertritt
Reißt er seine Bruderquellen
Mit sich fort.
Drunten werden in dem Tal
Unter seinem Fußtritt Blumen,
Und die Wiese
Lebt von seinem Hauch.
Doch ihn hält kein Schattental,
Keine Blumen,
Die ihm seine Knie umschlingen,
Ihm mit Liebesaugen schmeicheln:
Nach der Ebne dringt sein Lauf,
Schlangenwandelnd.
Bäche schmiegen
Sich gesellig an. Nun tritt er
In die Ebne silberprangend,
Und die Ebne prangt mit ihm,
Und die Flüße von der Ebne
Und die Bäche von den Bergen
Jauchzen ihm und rufen: Bruder!
Bruder, nimm die Brüder mit,
Mit zu deinem alten [Vater,
Zu dem ewgen Ozean,
Der mit ausgespannten Armen
Unser wartet,
Die sich, ach! vergebens öffnen,
Seine Sehnenden zu fassen;
Denn uns frißt in öder Wüste
Gierger Sand; die Sonne droben
Saugt an unserm Blut; ein Hügel
Hemmet uns zum Teiche! Bruder,
Nimm die Brüder von der Ebne,
Nimm die Brüder von den Bergen
Mit, zu deinem Vater mit!
Kommt ihr alle! -
Und nun schwillt er
Herrlicher: ein ganz Geschlechte
Trägt den Fürsten hoch empor!
Und im rollenden Triumphe
Gibt er Ländern Namen, Städte
Werden unter seinem Fuß.
Unaufhaltsam rauscht er weiter,
Läßt der Türme Flammengipfel,
Marmorhäuser, eine Schöpfung
Seiner Fülle, hiner sich.
Zedernhäuser trägt der Atlas
Auf den Riesenschultern; sausend
Wehen über seinem Haupte
Tausend Flaggen durch die Lüfte,
Zeugen seiner Herrlichkeit.
Und so trägt er seine Brüder,
Seine Schätze, seine Kinder
Dem erwartenden Erzeuger
Freudebrausend an das Herz.]

D550 "Die Forelle"
 
Text by Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Music by Franz Schubert, D. 550

 
In einem Bächlein helle,
Da schoß in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh
Des muntern Fischleins Bade
Im klaren Bächlein zu.
Ein Fischer mit der Rute
Wohl an dem Ufer stand,
Und sah's mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.
Doch endlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang. Er macht
Das Bächlein tückisch trübe,
Und eh ich es gedacht,
So zuckte seine Rute,
Das Fischlein zappelt dran,
Und ich mit regem Blute
Sah die Betrogene an.
[Die ihr am goldenen Quelle
Der sicheren Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle,
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
der Klugheit, Mädchen, seht
Verführer mit der Angel!
Sonst blutet ihr zu spät!]

D551 "Pax Vobiscum"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 551 (April 1817), first published in 1831
 


"Der Friede sei mit euch!"
Das war dein Abschiedssegen.
Und so vom Kreis der Gläubigen umkniet,
Vom Siegesstrahl der Gottheit angeglüht,
Flogst du dem ew'gen Heimatland entgegen.
Und Friede kam in ihre treuen Herzen,
Und lohnte sie in ihren größten Schmerzen,
Und stärkte sie in ihrem Martertod.
Ich glaube dich, du großer Gott!
"Der Friede sei mit euch!"
So lacht die erste Blume
Des jungen Frühlings uns vertraulich an,
Wenn sie, mit allen Reizen angetan,
Sich bildet in der Schöpfung Heiligtume.
Wen sollte auch nicht Friede da umschweben,
Wo Erd' und Himmel rings um sich beleben,
Und alles aufsteht aus des Winters Tod?
Ich hoff' auf dich, du starker Gott!
"Der Friede sei mit euch!"
Rufst du im Rosenglühen
Des Himmels uns an jedem Abend zu,
Wenn alle Wesen zur ersehnten Ruh'
Vom harten Gang des schwülen Tages ziehen;
Und Berg und Tal und Strom und Meereswogen,
Vom weichen Hauch des Nebels überflogen,
Noch schöner dich, du guter Gott!

D552 "Hänflings Liebeswerbung"
 
Text by Johann Friedrich Kind (1768-1843)
Music by Franz Schubert, D. 552, op. 20 no. 3 (1817)

 
Ahidi, ich liebe!
Mild lächelt die Sonne,
Mild wehen die Weste,
Sanft rieselt die Quelle,
Süß duften die Blumen!
Ich liebe, Ahidi!
Ahidi, ich liebe!
Dich lieb' ich, du Sanfte,
Mit seidnem Gefieder,
Mit strahlenden Äuglein,
Dich Schönste der Schwestern!
Ich liebe, Ahidi!

D553 "Auf der Donau"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

Music by Franz Schubert, D. 553 (April 1817), first published in 1823 as op 21 no. 1


Auf der Wellen Spiegel schwimmt der Kahn,
Alte Burgen ragen himmelan,
Tannenwälder rauschen geistergleich,
Und das Herz im Busen wird uns weich.
Denn der Menschen Werk sinken all',
Wo ist Turm, wo Pforte, wo der Wall,
Wo sie selbst, die Starken, erzgeschirmt,
Die in Krieg und Jagden hingestürmt?
Trauriges Gestrüppe wuchert fort,
Während frommer Sage Kraft verdorrt:
Und im kleinen Kahne wird uns bang,
Wellen drohn wie Zeiten Untergang.

D554 "Uraniens Flucht"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 554 (April 1817), first published in 1895

 
"Laßt uns, ihr Himmlischen, ein Fest begehen!"
Gebietet Zeus -
Und von der Unterwelt, den Höh'n und Seen,
Steigt Alles zum Olympus unverweilt.
Der Rebengott verläßt, den er bezwungen,
Des Indus blumenreichen Fabelstrand -
Des Helikons erhabne Dämmerungen
Apoll, und Cypria ihr Inselland.
Die Strömerinnen moosbesäumter Quellen,
Dryadengruppen aus dem stillen Hain,
Und der beherrscht des Ozeanes Wellen,
Sie finden willig sich zum Feste ein.
Und wie sie nun in glänzenden Gewanden
Den ew'gen Kreis, an dem kein Wechsel zehrt,
Den blühenden, um unsern Donn'rer wanden,
Da strahlt sein Auge jugendlich verklärt.
Er winkt; und Hebe füllt die godnen Schalen,
Er winkt; und Ceres reicht Ambrosia,
Er winkt; und süße Freudenhymnen schallen;
Und was er immer ordnet, das geschah.
Schon rötet Lust der Gäste Stirn' und Wange,
Der schlaue Eros lächelt still für sich;
Die Flügel öffnen sich - im sachten Gange
Ein edles Weib in die Versammlung schlich.
Unstreitig ist sie aus der Uraniden
Geschlecht', ihr Haupt umhellt ein Sternenkranz;
Es leuchtet herrlich auf dem lebensmüden
Und bleichgefärbten Antlitz Himmelsglanz.
Doch ihre gelben Haare sind verschnitten,
Ein dürftig Kleid deckt ihren reinen Leib.
Die wunden Hände deuten, daß gelitten
Der Knechtschaft schwere Schmach das Götterweib.
Es spähet Jupiter in ihren Zügen;
"Du bist - du bist es nicht, Urania!"
"Ich bin's." - Die Götter taumeln von den Krügen
Erstaunt, und rufen; wie? Urania!
"Ich kenne dich nicht mehr. In holder Schöne"
Spricht Zeus – "zogst du von mir der Erde zu.
Den Göttlichen befreunden ihre Söhne
In meine Wohnung leiten sollest du.
Womit Pandora einstens sich gebrüstet,
Ist unbedeutend wahrlich und gering,
Erwäge ich, womit ich dich gerüstet,
Den Schmuck, den meine Liebe um dich hing."
"Was du, o Herr, mir damals aufgetragen
Wozu des Herzens eigner Drang mich trieb,
Vollzog ich willig, ja ich darf es sagen;
Doch daß mein Wirken ohne Früchte blieb.
Magst du, o Herrscher, mit dem Schicksal rechtn,
Dem alles, was entstand, ist untertan;
Der Mensch verwirrt das Gute mit dem Schlechten,
Ihn hält gefangen Sinnlichkeit und Wahn.
Dem Einen mußt' ich seine Äcker pflügen
Dem Andern Schaffnerin im Hause sein,
Dem seine Kindlein in die Ruhe wiegen,
Dem Andern sollt' ich Lobgedichte streu'n.
Der Eine sperrte mich in tiefe Schachten,
Ihm auszubeuten klingendes Metall;
Der Andre jagte mich durch blut'ge Shlachten
Um Ruhm - so wechselte der Armen Qual.
Ja dieses Diadem - die goldnen Sterne -
Das du der Scheidenden hast zugewandt,
Sie hätten es zur Feuerung ganz gerne
Bei winterlichem Froste weggebrannt."
"Verwünschte Brut," herrscht Zeus mit wilder Stimme,
"Dem schnellsten Untergang sei sie geweiht!"
Die Wolkenburg erbebt von seinem Grimme
Und Luft und Meer und Land erzittern weit.
Er reißt den Blitz gewaltsam aus den Fängen
Des Adlers; über'm hohen Haupte schwenkt
Die Lohe er, die Erde zu versengen,
Die seinen Liebling unerhört gekränkt.
Er schreitet vorwärts, um sie zu verderben,
Es dräut der rote Blitz, noch mehr sein Blick.
Die bange Welt bereitet sich zu sterben -
Es sinkt der Rächerarm, er tritt zurück,
Und heißt Uranien hinunter schauen.
Sie sieht in weiter Fern' ein liebend Paar
Auf einer grünen stromumflossnen Aue,
Ihr Bildnis ziert den ländlichen Altar,
Vor dem die Beiden opfernd niederknieen,
Die Himmlische ersehnend, die entflohn;
Und wie ein mächtig Meer von Harmonien
Umwogt die Göttin ihres Flehens Ton.
 
Ihr dunkles Auge füllet eine Träne,
Der Schmerz der Liebenden hat sie erreicht;
Ihr Unmut wird, wie eines Bogens Sehne
Vom feuchten Morgentaue, nun erweicht.
"Verzeihe," heischt die göttliche Versöhnte;
"Ich war zu rasch im Zorn, mein Dienst, er gilt
Noch auf der Erde; wie man mich auch höhnte,
Manch frommes Herz ist noch von mir erfüllt.
O laß mich zu den armen Menschen steigen,
Sie lehren, was dein hoher Wille ist,
Und ihnen mütterlich in Träumen zeigen
Das Land, wo der Vollendung Blume sprießt."
"Es sei," ruft Zeus, "reich will ich dich bestatten;
Zeuch, Tochter, hin, mit frischem starken Sinn!
Und komme, fühlst du deine Kraft ermatten,
Zu uns herauf, des Himmels Bürgerin.
Oft sehen wir dich kommen, wieder scheiden,
In immer längern Räumen bleibst du aus,
Und endlich gar - es enden deine Leiden
Die weite Erde nennst du einst dein Haus."
"Da, Dulderin! wirst du geachtet wohnen,
Noch mehr, als wir. Vergänglich ist die Macht
Die uns erfreut; der Sturm fällt unsre Thronen,
Doch deine Sterne leuchten durch die Nacht."

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -