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Franz Schubert

(1797 - 1828)
 

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The Lieder of Franz Schubert

 


Lieder – complete index

 

Lieder - index 8:
 
D 671 "Trost"
D 672 "Nachtstück"
D 673 "Die Liebende schreibt"
D 677 "Die Götter Griechenlands"
D 684 "Die Sterne"
D 685 "Morgenlied"
D 686 "Frühlingsglaube"
D 687 "Hinüber wall' ich"
D 690 "Die Abendröte"
D 691 "Die Vögel"
D 692 "Der Knabe"
D 693 "Der Fluß"
D 694 "Der Schiffer"
D 695 "Namenstagslied"
D 698 "Liebeslauschen"
D 699 "Der entsühnte Orest"
D 700 "Freiwilliges Versinken"
D 702 "Der Jüngling auf dem Hügel"
D 705 "Gesang der Geister über den Wassern"
D 706 "Der 23. Psalm"
D 707 "Der zürnenden Diana"
D 708 "Waldesnacht"
D 709 "Frühlingsgesang"
D 710 "Im gegenwärtigen Vergangenes"
D 711 "Lob der Tränen"
D 712 "Die gefangenen Sänger"
D 713 b "Der Unglückliche"
D 714 "Gesang der Geister über den Wassern"
D 715 "Versunken"
D 716 "Grenzen der Menschheit"
D 717 "Suleika"
D 719 "Geheimes"
D 720 "Suleika"
D 721 "Mahomets Gesang"
D 724 "Die Nachtigall"
D 726 "Heiß mich nicht reden"
D 727 "So laßt mich scheinen"
D 728 "Johanna Sebus"
D 731 "Der Blumen Schmerz"
D 736 "Ihr Grab"
D 737 "An die Leier"
D 738 "Im Haine"
D 740 "Frühlingsgesang"
D 741 "Sei mir gegrüßt"
D 742 "Der Wachtelschlag"
D 743 "Selige Welt"
D 744 "Schwanengesang"
D 745 "Die Rose"
D 746 "Am See"
D 747 "Geist der Liebe"
D 749 "Epistel, An Herrn Josef von Spaun, Assessor in Linz"
D 751 "Die Liebe hat gelogen"
D 752 "Nachtviolen"
D 753 "Aus 'Heliopolis' I"
D 754 "Aus 'Heliopolis' II"
D 756 b "Du liebst mich nicht"
D 757 "Groß ist der Herr! Die Himmel ohne Zahl"
D 758 "Todesmusik"
D 761 "Schatzgräbers Begehr"
D 762 "Schwestergruß"
D 763 "Des Tages Weihe"
D 764 "Prometheus"
D 765 "An die Entfernte"
D 766 "Am Fluße"
D 767 "Willkommen und Abschied"

D671 "Trost"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 671 (1819)

 
Hörnerklänge rufen klagend
Aus des Forstes grüner Nacht,
In das Land der Liebe tragend,
Waltet ihre Zaubermacht.
Selig, wer ein Herz gefunden,
Das sich liebend ihm ergab,
Mir ist jedes Glück entschwunden,
Denn die Teure deckt das Grab.
Tönen aus des Waldes Gründen
Hörnerklänge an mein Ohr,
Glaub' ich wieder sie zu finden,
Zieht es mich zu ihr empor.
Jenseits wird sie mir erscheinen,
Die sich liebend mir ergab,
O welch seliges Vereinen!
Keine Schrecken hat das Grab.

D672 "Nachtstück"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)

Music by Franz Schubert, D. 672 (October 1819), first published in 1825 as op 36 no 2
 


Wenn über Berge sich der Nebel breitet,
Und Luna mit Gewölken kämpft,
So nimmt der Alte seine Harfe, und schreitet,
Und singt waldeinwärts und gedämpft:
"Du heilge Nacht:
Bald ist's vollbracht,
Bald schlaf ich ihn, den langen Schlummer,
Der mich erlöst von allem Kummer."
Die grünen Bäume rauschen dann:
"Schlaf süß, du guter, alter Mann;"
Die Gräser lispeln wankend fort:
"Wir decken seinen Ruheort;"
Und mancher liebe Vogel ruft:
"O laßt ihn ruhn in Rasengruft!"
Der Alte horcht, der Alte schweigt,
Der Tod hat sich zu ihm geneigt.

D673 "Die Liebende schreibt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), 8th sonnet of Sämtliche Gedichte

Music by Franz Schubert, D. 673, composed 1819

See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), op. 47 no. 5, composed 1858, first performed 1893
Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), op. 86 no. 3

 
Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde,
Wer davon hat, wie ich, gewiße Kunde,
Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen
Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
Führ' ich stets die Gedanken in die Runde
Und immer treffen sie auf jene Stunde,
Die einzige: da fang' ich an zu weinen.
Die Träne trocknet wieder unversehens:
Er liebt ja, denk' ich, hier in diese Stille,
O solltest du nicht in die Ferne reichen?
Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens;
Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
Dein freundlicher zu mir; gib mir ein Zeichen!

D677 "Die Götter Griechenlands"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 677 (November 1819), first published in 1848

 
Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder,
Holdes Blüthenalter der Natur!
Ach, nur in dem Feenland der Lieder
Lebt noch deine fabelhafte Spur.
Ausgestorben trauert das Gefilde,
Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick.
Ach, von jenem lebenwarmen Bilde
Blieb der Schatten nur zurück.

D684 "Die Sterne"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 684 (1820)

Du staunest, o Mensch, was heilig wir strahlen?
O folgest du nur den himmlischen Winken,
Vernähmest du beßer, was freundlich wir blinken,
Wie wären verschwunden die irdischen Qualen!
Dann flöße die Liebe aus ewigen Schalen,
Es atmeten alle die reinen Azuren,
Das lichtblaue Meer umachwebte die Fluren,
Und funkelten Sterne auf den heimischen Talen.
Aus göttlicher Quelle sind alle genommen,
Ist jegliches Wesen nicht eines im Chore?
Nun sind ja geöffnet die himmlischen Tore,
Was soll denn das bange Verzagen noch frommen?
O wäret ihr schon zur Tiefe geklommen,
So sähet das Haput ihr von Sternen umflogen
Und spielend um's Herz die kindlichen Wogen,
Zu denen die Stürme des Lebens nicht kommen.

D685 "Morgenlied"
 
Text by Zacharias Werner (1768-1823)
Music by Franz Schubert, D. 685, op. 4 no. 2 (1820)
 


Eh' die Sonne früh aufsteht,
Wenn aus dem dampfenden Meer,
Herauf und herunter das Morgenrot weht,
Voranfährt mit dem leuchtenden Speer:
Flattern Vöglein dahin und daher,
Singen fröhlich die Kreuz und die Quer
Ein Lied, ein jubelndes Lied.
"Was freut ihr Vöglein euch allzumal
So herzig im wärmenden Sonnenstrahl?"
"Wir freu'n uns, daß wir leben und sind,
Und daß wir luft'ge Gesellen sind,
Nach löblichem Brauch
Durchflattern wir fröhlich den Strauch,
Umweht vom lieblichen Morgenwind
Ergötzet die Sonne sich auch."
"Was sitzt ihr Vöglein so stumm und geduckt
Am Dach im moosigen Nest?"
"Wir sitzen, weil uns die Sonn' nicht beguckt,
Schon hat sie die nacht in die Wellen geduckt,
Der Mond allein, der liebliche Schein,
Der Sonne lieblicher Widerschein
Uns in der Dunkelheit nie verläßt,
Darob wir im Stillen uns freu'n."
O Jugend, kühlige Morgenzeit,
Wo wir die Herzen geöffnet und weit,
Mit raschem und erwachenden Sinn,
Der Lebensfrische uns erfreut,
Wohl flohst du dahin!
Wir Alten sitzen geduckt im Nest,
Allein der liebliche Widerschein der Jugendzeit,
Wo wir im Frührot uns erfreut,
Uns auch im Alter nie verläßt,
Die stille, sinnige Fröhlichkeit.

D686 "Frühlingsglaube"
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Franz Schubert, D. 686 (1820)

See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 5 no. 3 (1833)
Conradin Kreutzer (1780-1849), op. 33 no. 2 (1812), from Fünf Frühlingslieder von Uhland
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Op. 9 no. 8
Ferdinand Ries (1784-1838), before 1891
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860)
Ludwig Spohr (1784-1859), op. 72 no. 1 (1826)
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 12 no. 3 (1934-5), from Frühlingslieder

 
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und wehen Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden;
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

D687 "Hinüber wall' ich"
 
Text by Novalis (pseudonym of Friedrich von Hardenberg) (1772-1801)
Music by Franz Schubert, "Nachthymne", D. 687 (1820)

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Hinüber wall' ich"
Luise Reichardt (1779-1826), "Aus Hymnen an die Nacht"

 
Hinüber wall' ich,
Und jede Pein
Wird einst ein Stachel
Der Wollust sein.
Noch wenig Zeiten,
So bin ich los,
Und liege trunken
Der Lieb' im Schoß.
Unendliches Leben
Wogt mächtig in mir;
Ich schaue von oben
Herunter nach dir,
An jenem Hügel
Verlischt dein Glanz,
Ein Schatten bringet
Den kühlenden Kranz.
O sauge, Geliebter,
Gewaltig mich an,
Daß ich entschlummern
Und lieben kann!
Ich fühle des Todes
Verjüngende Flut,
Zu Balsam und Äther
Verwandelt mein Blut -
Ich lebe bei Tage
Voll Glauben und Mut,
Und sterbe die Nächte
In heiliger Glut.

D690 "Die Abendröte"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 690 (1820)

 
Tiefer sinket schon die Sonne,
Und es atmet alles Ruhe,
Tages Arbeit ist vollendet,
Und die Kinder scherzen munter.
Grüner glänzt die grüne Erde,
Eh' die Sonne ganz versunken.
Milden Balsam hauchen leise
In die Lüfte nun die Blumen,
Der die Seele zart berühret,
Wenn die Sinne selig trunken.
Kleine Vögel, ferne Menschen,
Berge, himmelan geschwungen,
Und der große Silberstrom,
Der im Tale schlank gewunden,
Alles scheint dem Dichter redend,
Denn er hat den Sinn gefunden:
Und das All ein einzig Chor,
Manches Lied aus einem Munde.

D691 "Die Vögel"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 691 (1820)
 


Wie lieblich und fröhlich,
Zu schweben, zu singen,
Von glanzender Höhe
Zur Erde zu blicken!
Die Menschen sind töricht,
Sie können nicht fliegen.
Sie jammern in Nöten,
Wir flattern gen Himmel.
Der Jäger will töten,
Dem Früchte wir pickten;
Wir müssen ihn höhnen,
Und Beute gewinnen.

D692 "Der Knabe"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 692 (1820)
 


Wenn ich nur ein Vöglein wäre,
Ach, wie wollt' ich lustig fliegen,
Alle Vögel weit besiegen.
Wenn ich so ein Vogel bin,
Darf ich alles, alles haschen
Und die höchsten Kirschen nashchen;
Fliege dann zur Mutter hin.
Ist sie bös in ihrem Sinn,
Kann ich lieb mich an sie schmiegen
Ihren Ernst gar bald besiegen.
Bunte Federn, leichte Flügel,
Dürft' ich in der Sonne schwingen,
Daß die Lüfte laut erklingen,
Weiß ich nichts mehr von Band und Zügel.
Wär' ich über jene Hügel,
Ach, dann wollt' ich lustig fliegen,
Alle Vögel weit besiegen.

D693 "Der Fluß"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 693 (1820)
 


Wie rein Gesang sich windet
Durch wunderbarer Saitenspiele Rauschen,
Er selbst sich wiederfindet,
Wie auch die Weisen tauschen,
Daß neu entzückt die Hörer ewig lauschen.
So fließet mir gediegen
Die Silbermasse, schlangengleich gewunden,
Durch Büsche, die sich wiegen
Vom Zauber süß gebunden,
Weil sie im Spiegel neu sich selbst gefunden;
Wo Hügel sich so gerne
Und helle Wolken leise schwankend seigen,
Wenn fern schon matte Sterne
Aus blauer Tiefe steigen,
Der Sonne trunkne Augen abwärts neigen.
So schimmern alle Wesen
Den Umriß nach im kindlichen Gemüte,
Durch das zur Schönheit erlesen
Durch milder Götter Güte
In dem Kristall bewahrt die flücht'ge Blüte.

D694 "Der Schiffer"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 694 (1820)

Friedlich lieg' ich hingegossen,
Lenke hin und her das Ruder,
Atme kühl im Licht des Mondes,
Träume süß im stillen Mute;
Gleiten laß ich auch den Kahn,
Schaue in die blanken Fluten,
Wo die Sterne lieblich schimmern,
Spiele wieder mit dem Ruder.
Säße doch das blonde Mägdlein
Vor mir auf dem Bänkchen ruhend,
Sänge schmachtend zarte Lieder.
Himmlisch wär' mir dann zu Mute,
Ließ mich necken von dem Kinde,
Wieder tändelnd mit der Guten.
Friedlich lieg' ich hingegossen,
Träume süß im stillen Mute,
Atme kühl im Licht des Mondes,
Führe hin und her das Ruder.

D695 "Namenstagslied"
 
Text by Albert Stadler (1794-1888)
Music by Franz Schubert, D. 695 (Summer 1819?), first published in 1895
 


Vater, schenk' mir diese Stunde,
Hör' ein Lied aus meinem Munde!
Dir verdank' ich das Gelingen
Meine Wünsche heut' zu singen,
Denn du hast mit güt'ger Hand
Mir den Weg dazu gebahnt.
O, laß diese Hand mich küssen!
Sieh' des Dankes Tränen fließen!
Denn sie hat mir mehr gegeben
Als Gesang; ein schönes Leben;
Und mit kindlich frohem Blick
Dank' ich ihr des Lebens Glück.
Himmel, sende deinen Segen
Dem verehrten Mann entgegen!
Strahle ihm, des Glückes Sonne!
Schäum' ihm über, Kelch der Wonne!
Und von Blumen voll der Pracht
Sei ein Kranz ihm dargebracht.
Diesen Kranz in deinen Haaren
Möge Gott uns stets bewahren,
Und ich fleh's mit naßen Blicken;
Noch ein zweiter soll dich schmücken,
Blau und golden, denn dir spricht
Jeder Mund; Vergiß mein nicht!

D698 "Liebeslauschen"
 
Text by Franz Xaver Freiherr von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 698 (September 1820), first published in 1832

Hier unten steht ein Ritter
Im hellen Mondenstrahl,
Und singt zu seiner Zither
Ein Lied von süßer Qual;
"Lüfte, spannt die blauen Schwingen
Sanft für meine Botschaft aus,
Rufet sie mit leisem Klingen
An dies Fensterlein heraus.
Sagt ihr, daß im Blätterdache
Seufz'ein wohlbekannter Laut,
Sgt ihr, daß noch einer wache,
Und die Nacht sei kühl und traut.
Sagt ihr, wie des Mondes Welle
Sich an ihrem Fenster bricht,
Sagt ihr, wie der Wald, die Quelle
Heimlich und von Liebe spricht!
Laß ihn leuchten durch die Bäume,
Deines Bildes süßen Schein,
Das sich hold in meine Träume
Und mein Wachen webet ein."
Doch drang die zarte Weise
Wohl nich zu Liebchens Ohr,
Der Sänger schwang sich leise
Zum Fensterlein empor.
Und oben zog der Ritter
Ein Kränzchen aus der Brust;
Das band er fest am Gitter
Und seufzte: "Blüht in Lust!"
"Und fragt sie, wer euch brachte,
Dann, Blumen, tut ihr kund."
Ein Stimmchen unten lachte:
"Dein Ritter Liebemund."

D699 "Der entsühnte Orest"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 699 (September 1820), first published in 1831

 
Zu meinen Füßen brichst du dich,
O heimatliches Meer,
Und murmelst sanft, Triumph, Triumph!
Ich schwinge Schwert und Speer.
Myrkene ehrt als König mich,
Beut meinem Wirken Raum,
Und über meinem Scheitel saust
Des Lebens goldner Baum.
Mit morgendlichen Rosen schmückt
Der Frühling meine Bahn,
Und auf der Liebe Wellen schwebt
Dahin mein leichter Kahn.
Diana naht: o Retterin,
Erhöre du mein Fleh'n!
Laß mich, das Höchste wurde mir,
Zu meinen Vätern geh'n!

D700 "Freiwilliges Versinken"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 700 (September 1820), first published in 1831
 


Wohin, o Helios? Wohin? In kühlen Fluten
Will ich den Flammenleib versenken,
Gewiß im Innern, neue Gluten
Der Erde Feuerreich zu schenken.
Ich nehme nicht, ich pflege nur zu geben;
Und wie verschwenderisch mein Leben,
Umhüllt mein Scheiden gold'ne Pracht,
Ich scheide herrlich, naht die Nacht.
Wie blaß der Mond, wie matt die Sterne!
Solang ich kräftig mich bewege;
Erst wenn ich auf die Berge meine Krone lege,
Gewinnen sie an Mut und Kraft in weiter Ferne.

D702 "Der Jüngling auf dem Hügel"
 
Text by Heinrich Hüttenbrenner (1799-1830)
Music by Franz Schubert, D. 702 (1820), op. 8, no. 1

Ein Jüngling auf dem Hügel
Mit seinem Kummer saß,
Wohl ward der Augen Spiegel
Ihm trüb' und tränennaß.
Sah frohe Lämmer spielen
Am grünen Felsenhang,
Sah frohe Bächlein quillen
Das bunte Tal entlang;
Die Schmetterlinge sogen
Am roten Blütenmund,
Wie Morgenträume flogen
Die Wolken in dem Rund;
Und Alles war so munter,
Und Alles schwamm in Glück,
Nur in sein Herz hinunter
Sah nicht der Freude Blick.
Ach, dumpfes Grabgeläute
Im Dorfe nun erklang,
Schon tönte aus der Weite
Ein klagender Gesang;
Sah nun die Lichter scheinen,
Den schwarzen Leichenzug,
Fing bitter an zu weinen,
Weil man sein Röschen trug.
Jetzt ließ den Sarg man nieder,
Der Totengräber kam,
Und gab der Erde wieder,
Was Gott aus selber nahm.
Da schwieg des Jünglings Klage,
Und betend ward sein Blick,
Sah schon am schönern Tage
Des Wiedersehens Glück.
Und wie die Sterne kamen,
Der Mond heraufgeschifft,
Da las er in den Sternen
Der Hoffnung hohe Schrift.

D705 "Gesang der Geister über den Wassern"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 484 (Sep 1816) (fragment), first published in 1895; D. 538; D. 705 (Dec 1820) (fragment), first published in 1897; D. 714

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 88 (1840)
Eduard Steuermann (1892-1964), 1931

 
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

D706 "Der 23. Psalm"
 
Text: Holy Writ, German translation by Moses Mendelssohn (1729-1786)

Music by Franz Schubert, D. 706, composed in December, 1820, published 1832 as op. posth. 132, Quartet for women's voices with piano accompaniment

 
Gott ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln.
Er lagert mich auf grüne Weide,
Er leitet mich an stillen Bächen,
Er labt mein schmachtendes Gemüt,
Er führt mich auf gerechtem Stege
Zu seines Namens Ruhm.
Und wall' ich auch im Todesschattens Tale,
So wall' ich ohne Furcht,
Denn Du beschützest mich,
Dein Stab und Deine Stütze
Sind mir immerdar mein Trost.
Du richtest mir ein Freudenmahl
Im Angesicht der Feinde zu,
Du salbst mein Haupt mit Öle
Und schenkst mir volle Becher ein;
Mir folget Heil und Seligkeit
In diesem Leben nach,
Einst ruh' ich ew'ge Zeit
Dort in des Ew'gen Haus [Reich].

D707 "Der zürnenden Diana"
 
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 707 (1820), published 1825 as op. 36 no. 1
 


Ja, spanne nur den Bogen, mich zu töten,
Du himmlisch Weib! im zürnenden Erröten
Noch reizender. Ich werd' es nie bereuen,
Dass ich dich sah am buschigen Gestade
Die Nymphen überragen in dem Bade,
Der Schönheit Funken in die Wildnis streuen.
Den Sterbenden wird doch dein Bild erfreuen.
Er atmet reiner, er atmet freier,
Wem du gestrahlet ohne Schleier.
Dein Pfeil, er traf, doch linde rinnen
Die warmen Wellen aus der Wunde;
Noch zittert vor den matten Sinnen
Des Schauens süsse letzte Stunde.

D708 "Waldesnacht"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 708
 


Windes Rauschen, Gottes Flügel,
Tief in kühler Waldesnacht,
Wie der Held in Rosses Bügel,
Schwingt sich des Gedankens Macht,
Wie die alten Tannen sausen,
Hört man Geisterwogen brausen.
Herrlich ist der Flamme Leuchten
In des Morgenglanzes Tau,
Oder, die das Feld beleuchten,
Blitze, schwanger oft von Tod.
Rasch die Flamme zuckt und lodert,
Wie zu Gott hinauf gefordert.
Ewig's Rauschen sanfter Quellen
Zaubert Blumen aus dem Schmerz,
Trauer doch in linden Wellen
Schlägt uns lockend an das Herz.
Fernab hin der Geist gezogen,
Die uns locken, durch die Wogen.
Drang des Lebens aus der Hülle,
Kampf der starken Triebe wild
Wird zur schönsten Liebesfülle,
Durch des Geistes Hauch gestillt.
Schöpferischer Lüfte Wehen
Fühlt man durch die Seele gehen.
Windes Rauschen, Gottes Flügel,
Tief in kühler Waldesnacht,
Freigegeben alle Zügel
Schwingt sich des Gedanken Macht,
Hört in Lüften ohne Grausen
Den Gesang der Geister brausen.

D709 "Frühlingsgesang"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 709; D. 740

 
Schmücket die Locken mit duftigen Kränzen
Und folget der Freude beglückendem Drang!
Begrüßet den Frühling mit heiteren Tänzen,
Den Sieger, der Alles in Liebe bezwang!
Der Winter bedrohnt ihn mit schauriger Kälter,
Der Sommer verfolgt ihn mit flammendem Spper;
Aber er schwebt unter blauem Gezelte
Sorglos und lächelnd auf Düften daher.
Und die treue Erde mit Liebesgeberde
Eilt ihm entgegen, es heben und regen
Sich tausend Kräfte in ihrer Brust,
Und künden der Liebe selige Lust.
Drum schmücke die Locken mit bräutlichem Kränzen,
Wem schaffende Kraft noch den Busen durchdringt,
Und huld'ge dem Sieger in heiteren Tänzen,
Der Alles mit schaffender Lieber bezwingt.

D710 "Im gegenwärtigen Vergangenes"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 710, composed March, 1821?, published 1849 (Nachlaß Nr 43), Quartet for men's voices with piano accompaniment
 
 


Ros' und Lilie, morgentaulich,
Blüht im Garten meiner Nähe,
Hintenan, bebuscht und traulich
Steigt der Felsen in die Höhe,
Und mit hohem Wald umzogen,
Und mit Ritterschloß gekrönet,
Lenkt sich hin des Gipfels Bogen,
Bis er sich dem Tal versöhnet.
Und da duftet' s wie vor alters,
Da wir noch von Liebe litten,
Und die Saiten meines Psalters
Mit dem Morgenstrahl sich stritten;
Wo das Jagdlied aus den Büschen
Fülle runden Tons enthauchte,
Anzufeuern, zu erfrischen,
Wie's der Busen wollt' und brauchte.
Nun die Wälder ewig sprossen,
So ermutigt euch mit diesen,
Was ihr sonst für euch genossen,
Läßt ihn andern sich genießen.
Niemand wird uns dann beschreien,
Daß wir uns alleine gönnen,
Nun, in allen Lebensreihen
Müsset ihr genießen können.
Und mit diesem Lied und Wendung
Sind wir wieder bei Hafisen,
Denn es ziemt, des Tags Vollendung
Mit Genießern zu genießen.

D711 "Lob der Tränen"
 
Text by August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
Music by Franz Schubert, D. 711, op. 13 no. 2 (1821?)

Laute Lüfte,
Blumendüfte,
Alle Lenz- und Jugendlust,
Frischer Lippen
Küße nippen,
Sanft gewiegt an zarter Brust;
Dann der Trauben
Nektar raubem,
Reihentanz und Spiel und Scherz:
Was die Sinnen
Nur gewinnen:
Ach, erfüllt es je das Herz?
Wenn die feuchten
Augen leuchten
Von der Wehmut lindem Tau,
Dann entsiegelt,
Drin gespiegelt,
Sich dem Blick die Himmelsau.
Wie erquicklich
Augenblicklich
Löscht es jede wilde Glut;
Wie vom Regen
Blumen pflegen,
Hebet sich der matte Mut.

D712 "Die gefangenen Sänger"
 
Text by August Wilhelm Schlegel (1767-1845)
Music by Franz Schubert, D. 712 (1821)

Hörst du von dem Nachtigallen
Die Gebüsche widerhallen?
Sieh, es kam der holde Mai.
Jedes buhlt um seine Traute,
Schmelzend sagen alle Laute,
Welche Wenn' im Lieben sei.
Andre, die im Käfig leben,
Hinter ihren Gitterstäben,
Hören draußen den Gesang;
Möchten in die Freiheit eilen,
Frühlingslust und Liebe teilen:
Ach, da hemmt sie enger Zwang! 

D713 b "Der Unglückliche"
 
Text by Karoline Pichler (1769-1843)

Music by Franz Schubert, D. 713b (January 1821), first published in August 1827 as op. 84 (later op. 87 no. 1)
 


Die Nacht bricht an, mit leisen Lüften sinket
Sie auf die müden Sterblichen herab;
Der sanfte Schlaf, des Todes Bruder, winket,
Und legt sie freundlich in ihr täglich Grab.
Jetzt wachet auf der lichtberaubten Erde
Vielleicht nur noch die Arglist und der Schmerz,
Und jetzt, da ich durch nichts gestöret werde,
Laß deine Wunden bluten, armes Herz.
Versenke dich in deines Kummers Tiefen,
Und wenn vielleicht in der zerrißnen Brust
Halb verjährte Leiden schliefen,
So wecke sie mit grausam süßer Lust.
Berechne die verlornen Seligkeiten,
Zähl' alle, alle Blumen in dem Paradies,
Woraus in deiner Jugend goldnen Zeiten
Die harte Hand des Schicksals dich verstieß.
Du hast geliebt, du hast das Glück empfunden,
Dem jede Seligkeit der Erde weicht.
Du hast ein Herz, das dich verstand, gefunden,
Der kühnsten Hoffnung schönes Ziel erreicht.
Da stürzte dich ein grausam Machtwort nieder,
Aud deinen Himmeln nieder, und dein stilles Glück,
Dein allzuschönes Traumbild kehrte wieder
Zur beßer'n Welt, aus der es kam, zurück.
Zerrissen sind nun alle süßen Bande,
Mir schlägt kein Herz mehr auf der weiten Welt.

D714 "Gesang der Geister über den Wassern"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 484 (Sep 1816) (fragment), first published in 1895; D. 538; D. 705 (Dec 1820) (fragment), first published in 1897; D. 714

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 88 (1840)
Eduard Steuermann (1892-1964), 1931

 
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

D715 "Versunken"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from "West-östlicher Divan. Buch der Liebe"

Music by Franz Schubert, D. 715 (1821)
 

 
Voll Locken kraus ein Haupt so rund!
Und darf ich dann in solchen reichen Haaren
Mit vollen Händen hin und wider fahren,
Da fühl ich mich von Herzensgrund gesund.
Und küß ich Stirne, Bogen, Augen, Mund,
Dann bin ich frisch und immer wieder wund.
Der fünfgesackte Kamm, wo soll er stocken?
Er kehrt schon wieder zu den Locken.
Das Ohr versagt sich nicht dem Spiel,
So zart zum Scherz, so liebeviel,
Doch wie man auf dem Köpfchen kraut,
Man wird in solchen reichen Haaren
Für ewig auf und nieder fahren
Voll Locken kraus ein Haupt so rund.

D716 "Grenzen der Menschheit"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 716 (1821)

See also:
 
Alban Berg
(1885-1935), 1902
Hugo Wolf (1860-1903), from Goethe-Lieder no. 51

Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät,
Küß' ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Tief in der Brust.
Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.
Steht er mit festen
Markigen Knochen
Dauerndem Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rabe
Sich zu vergleichen.
Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Daß viele Wellen
Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.
Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sich dauernd
An ihres Daseins
Unendliche Kette.

D717 "Suleika"
 
Text by Marianne von Willemer (1784-1860), perhaps incorrectly attributed to Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Suleika II", D. 717 (1824?), published 1825 as op 31

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), op. 34 no. 4

Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1820
Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide:
Denn du kannst ihm Kunde bringen
Was ich in der Trennung leide!
Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, [Auen], Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.
Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt' ich vergehen,
Hofft' ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen;
Doch vermeid' ihn zu betrüben
Und verbirg ihm meine Schmerzen.
Sag ihm, aber sag's bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben,
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

D719 "Geheimes"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 719, composed 1821

 
Über meines Liebchens Äugeln
Stehn verwundert alle Leute
Ich, der Wissende, dagegen,
Weiß recht gut, was das bedeute.
Denn es heißt: ich liebe diesen
Und nicht etwa den und jenen.
Laßet nur, ihr guten Leute,
Euer Wundern, euer Sehnen!
Ja, mit ungeheuren Machten
Blicket sie wohl in die Runde;
Doch sie sucht nur zu verkünden
Ihm die nächste süße Stunde.

D720 "Suleika"
 
Text by Marianne von Willemer (1784-1860), perhaps incorrectly attributed to Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 720 (Suleika I) (March 1821), first published in December 1822 as Op. 14 No. 1

See also:
 
Felix Mendelssohn-Bartholdy
(1809-1847), op. 57 no. 3
 


Was bedeutet die Bewegung?
Bringt der Ost mir frohe Kunde?
Seiner Schwingen frische Regung
Kühlt des Herzens tiefe Wunde.
Kosend spielt er mit dem Staube,
Jagt ihn auf in leichten Wölkchen,
Treibt zur sichern Rebenlaube
Der Insekten frohes Völkchen.
Lindert sanft der Sonne Glühen,
Kühlt auch mir die hießen Wangen,
Küßt die Reben noch im Fliehen,
Die auf Feld und Hügel prangen.
Und mir bringt sein leises Flüstern
Von dem Freunde tausend Grüße;
Eh' noch dies

e Hügel düstern,
Grüßen mich wohl tausend Küsse.
Und so kannst du weiter ziehen!
Diene Freunden und Betrübten.
Dort wo hohe Mauern glühen,
Dort find' ich bald den Vielgeliebten.
Ach, die wahre Herzenskunde,
Liebeshauch, erfrischtes Leben
Wird mir nur aus seinem Munde,
Kann mir nur sein Atem geben.

D721 "Mahomets Gesang"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 549 (March 1817), first published in 1895; D. 721

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op. 85 (1840)

 
Seht den Felsenquell,
Freudehell,
Wie ein Sternenblick;
Über Wolken
Nährten seine Jugend
Gute Geister
Zwischen Klippen im Gebüsch.
Jünglingfrisch
Tanzt er aus der Wolke
Auf die Marmorfelsen nieder,
Jauchzet wieder
Nach dem Himmel.
Durch die Gipfelgänge
Jagt er bunten Kieseln nach,
Und mit frühem Führertritt
Reißt er seine Bruderquellen
Mit sich fort.
Drunten werden in dem Tal
Unter seinem Fußtritt Blumen,
Und die Wiese
Lebt von seinem Hauch.
Doch ihn hält kein Schattental,
Keine Blumen,
Die ihm seine Knie umschlingen,
Ihm mit Liebesaugen schmeicheln:
Nach der Ebne dringt sein Lauf,
Schlangenwandelnd.
Bäche schmiegen
Sich gesellig an. Nun tritt er
In die Ebne silberprangend,
Und die Ebne prangt mit ihm,
Und die Flüße von der Ebne
Und die Bäche von den Bergen
Jauchzen ihm und rufen: Bruder!
Bruder, nimm die Brüder mit,
Mit zu deinem alten [Vater,
Zu dem ewgen Ozean,
Der mit ausgespannten Armen
Unser wartet,
Die sich, ach! vergebens öffnen,
Seine Sehnenden zu fassen;
Denn uns frißt in öder Wüste
Gierger Sand; die Sonne droben
Saugt an unserm Blut; ein Hügel
Hemmet uns zum Teiche! Bruder,
Nimm die Brüder von der Ebne,
Nimm die Brüder von den Bergen
Mit, zu deinem Vater mit!
Kommt ihr alle! -
Und nun schwillt er
Herrlicher: ein ganz Geschlechte
Trägt den Fürsten hoch empor!
Und im rollenden Triumphe
Gibt er Ländern Namen, Städte
Werden unter seinem Fuß.
Unaufhaltsam rauscht er weiter,
Läßt der Türme Flammengipfel,
Marmorhäuser, eine Schöpfung
Seiner Fülle, hiner sich.
Zedernhäuser trägt der Atlas
Auf den Riesenschultern; sausend
Wehen über seinem Haupte
Tausend Flaggen durch die Lüfte,
Zeugen seiner Herrlichkeit.
Und so trägt er seine Brüder,
Seine Schätze, seine Kinder
Dem erwartenden Erzeuger
Freudebrausend an das Herz.]

D724 "Die Nachtigall"
 
Text by Johann Karl Unger

Music by Franz Schubert, D.724 (male quartet, piano accompaniment), composed April 1821(or earlier), published 1822 as op.11, No. 2

 
Bescheiden, verborgen im buschichten Gang
Erhob Philomele den Zaubergesang;
Er schildert der Treue beglückenden Lohn
In hallenden Schägen, im wirbelnden Ton!
Sanft gleitet die Stimme aus schwellender Brust
Als Hauch der Gefühle, als Zeuge der Lust;
Ach horcht, wie der Seufzer der Sehnsucht verhallt,
Wenn lieblicher Einklang der Seelen erschallt.
So, Freunde, verhallte manch himmlischer Lied,
Wenn Cynthias Feuer [Silber] die Finsternis schied,
Es wehte mit Frieden uns wonnigen Schmerz
Aus Schwingen der Töne ins fühlende Herz!

D726 "Heiß mich nicht reden"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Mignon I", D. 726 (1821), published 1870, also called "Heiss mich nicht reden"; D. 877 no. 2

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Das Geheimnis", published 1795-6
Robert Alexander Schumann ((1810-1856), op. 98a no. 5 (1849)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Das Geheimniß", op 58 no. 3, (1815?), from Gedichte von Goethe, VI:3
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon I", from Goethe-Lieder, no. 5
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 10 "Aus Meister Wilhelms Lehrjahren"
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Geheimnis" (1811)

 
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht,
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen,
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

D727 "So laßt mich scheinen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Mignons Gesang II", D. 469 I and II (fragments) (1816), published 1897; D. 469b (fragment); D. 727 (1821), published 1850; D. 877 no. 3 (1826), published 1827 as op. 62 no. 3

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Mignons letzter Gesang", published 1796
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "So laßt mich scheinen", op. 98a no. 9 (1849)
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon III", from Goethe-Lieder, no. 7

 
 
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung! 

D728 "Johanna Sebus"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 728

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1811

 
Der Damm zerreißt, das Feld erbraust,
Die Fluten spülen, die Fläche saust.
Ich trage dich, Mutter, durch die Flut,
Noch reicht sie nicht hoch, ich wate gut. -
Auch uns bedenke, bedrängt wie wir sind,
Die Hausgenoßin, drei arme Kind!
Die schwache Frau!... Du gehst davon! -
Sie trägt die Mutter durchs Wasser schon.
Zum Bühle da rettet euch! harret derweil;
Gleich kehr ich zurück, uns allen ist Heil.
Zum Bühl ist's noch trocken und wenige Schritt;
Doch nehmt auch mir meine Ziege mit!
Der Damm zerschmilzt, das Feld erbraust,
Die Fluten wühlen, die Fläche saust.
Sie setzt die Mutter auf sichres Land,
Schön Suschen, gleich wieder zur Flut gewandt.
Wohin? wohin? Die Breite schwoll;
Des Wassers ist hüben und drüben voll.
Verwegen ins Tiefe willst du hinein! -
Sie sollen und müssen gerettet sein!
Der Damm verschwindet, die Welle braust,
Eine Meereswoge, sie schwankt und saust.
Schön Suschen, sie schreitet gewohnten Steg,
Umströmt auch gleitet sie nicht vom Weg,
Erreicht den Bühl und die Nachbarin;
Doch der und den Kindern kein Gewinn!
Der Damm verschwand, ein Meer erbraust's,
Den kleinen Hügel im Kreis umsaust's.
Da gähnet und wirbelt der schäumende Schlund
Und ziehet die Frau mit den Kindern zu Grund;
Das Horn der Ziege faßt das ein',
So sollten sie alle verloren sein!
Schön Suschen steht noch strack und gut;
Wer rettet das junge, das edelste Blut!
Schön Suschen steht noch wie ein Stern;
Doch alle Werber sind alle fern.
Rings um sie her ist Wasserbahn,
Kein Schifflein schwimmet zu ihr heran.
Noch einmal blickt sie zum Himmel hinauf,
Da nehmen die schmeichelnden Fluten sie auf.
Kein Damm, kein Feld! Nur hier und dort
Bezeichnet ein Baum, ein Turm den Ort.
Bedeckt ist alles mit Wasserschwall;
Doch Suschens Bild schwebt überall. -
Das Wasser sinkt, das Land erscheint,
Und überall wird schön Suschen beweint. -
Und dem sei, wer's nicht singt und sagt,
Im Leben und Tod nicht nachgefragt!

D731 "Der Blumen Schmerz"
 
Text by Johann Graf von Majláth (1786-1855)
Music by Franz Schubert, D. 731 (1821), first published in 1821 as op. 173 no. 4

 
Wie tönt es mir so schaurig
Des Lenzes erstes Weh'n,
Wie dünkt es mir so traurig,
Daß Blumen auferstehn.
In ihrer Mutter Armen
Da ruhten sie so still
Nun müße, seh, die Armen
Hervor ans Weltgewühl.
Die zarten Kinder heben
Die Häupter schau empor:
Wer rufet uns ins Leben
Aus stiller Nacht hervor?
Der Lenz mit Zauberworten,
Mit Hauchen süßer Lust,
Lockt aus den dunkeln Pforten
Sie von der Mutter Brust.
In bräutlich heller Feier
Erscheint der Blumen Pracht,
Doch fern ist schon der Freier,
Wild glüht der Sonne Macht.
Nun künden ihre Düfte,
Daß sie voll Sehnsucht sind;
Was labend würzt die Lüfte,
Es ist der Schmerzen Kind.
Die Kelche sinken nieder,
Sie schauen erdenwärts:
O Mutter, nimm uns wieder,
Das Leben gibt nur Schmerz.

D736 "Ihr Grab"
 
Text by Karl August Engelhardt ("Richard Roos") (1769-1834)
Music by Franz Schubert, D. 736 (1822?)

Dort ist ihr Grab,
Die einst im Schmelz der Jugend glühte,
Dort fiel sie, dort, die schönste Blüte,
Vom Baum des Lebens ab.
Dort ist ihr Grab,
Dort schläfst sie unter jener Linde;
Ach, nimmer ich ihn wiederfinde,
Den Trost, den sie mir gab.
Dort is ihr Grab;
Vom Himmel kann sie, daß die Erde
Mir Glücklichen zum Himmel werde,
Und dort stieg sie hinab.
Dort ist ihr Grab,
Und dort in jenem stillen Hallen
Bei ihr, laß ich mit Freuden fallen
Auch meinen Pilgerstab.

D737 "An die Leier"
 
Text by Franz von Bruchmann (1798-1867)
Music by Franz Schubert, D. 737 (1822/3), published 1826 as op. 56 no 1

Ich will von Atreus' Söhnen,
Von Kadmus will ich singen!
Doch meine Saiten tönen
Nur Liebe im Erklingen.
Ich tauschte um die Saiten,
Die Leier möcht ich tauschen!
Alcidens Siegesschreiten
Sollt ihrer Macht entrauschen!
Doch auch die Saiten tönen
Nur Liebe im Erklingen!
So lebt denn wohl, Heroen!
Denn meine Saiten tönen
Statt Heldensang zu drohen,
Nur Liebe im Erklingen.

D738 "Im Haine"
 
Text by Franz Seraph Ritter von Bruchmann (1798-1867)
Music by Franz Schubert, D. 738 (1822?), published 1826 as op. 56 no. 3

Sonnestrahlen
Durch die Tannen,
Wie sie fallen,
Ziehn von dannen
Alle Schmerzen,
Und im Herzen
Wohnet reiner Friede nur.
Stille Sausen
Lauer Lüfte,
Und in Brausen
Zarter Düfte,
Die sich neigen
Aus den Zweigen,
Atmet aus die ganze Flur.
Wenn nur immer
Dunkle Bäume,
Sonnenschimmer,
Grüne Säume
Uns umblühten
Und umglühten,
Tilgend aller Qualen Spur!

D740 "Frühlingsgesang"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 709; D. 740
 


Schmücket die Locken mit duftigen Kränzen
Und folget der Freude beglückendem Drang!
Begrüßet den Frühling mit heiteren Tänzen,
Den Sieger, der Alles in Liebe bezwang!
Der Winter bedrohnt ihn mit schauriger Kälter,
Der Sommer verfolgt ihn mit flammendem Spper;
Aber er schwebt unter blauem Gezelte
Sorglos und lächelnd auf Düften daher.
Und die treue Erde mit Liebesgeberde
Eilt ihm entgegen, es heben und regen
Sich tausend Kräfte in ihrer Brust,
Und künden der Liebe selige Lust.
Drum schmücke die Locken mit bräutlichem Kränzen,
Wem schaffende Kraft noch den Busen durchdringt,
Und huld'ge dem Sieger in heiteren Tänzen,
Der Alles mit schaffender Lieber bezwingt.

D741 "Sei mir gegrüßt"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, D. 741

O du Entrissne mir und meinem Kuße,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!
Erreichbar nur meinem Sehnsuchtgruße,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!
Du von der Hand der Liebe diesem Herzen
Gegebne, Du von dieser Brust
Genommne mir! Mit diesem Tränengusse
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt.
Zum Trotz der Ferne, die sich feindlich trennend
Hat zwischen mich und dich gestellt;
Dem Neid der Schicksalmächte zum Verdrusse
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!
Wie du mir je im schönsten Lenz der Liebe
Mit Gruß und Kuß entgegenkamst,
Mit meiner Seele glühendstem Ergusse,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!
Ein Hauch der Liebe tilget Raum und Zeiten,
Ich bin bei dir, du bist bei mir,
Ich halte dich in dieses Arms Umschlusse,
Sei mir gegrüßt, sei mir geküßt!

D742 "Der Wachtelschlag"
 
Text by Samuel Friedrich Sauter (1766-1846)
Music by Franz Schubert, D. 742 (1822), published as op. 68

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), WoO 129 (1803)

Ach! mir schallt's dorten so lieblich hervor:
Fürchte Gott, fürchte Gott!
Ruft mir die Wachtel ins Ohr.
Sitzend im Grünen, von Halmen umhüllt,
Mahnt sie dem Horcher am Saatengefild:
Liebe Gott, liebe Gott!
Er ist so gütig, so mild.
Wieder bedeutet ihr hüpfender Schlag:
Lobe Gott, lobe Gott!
Der dich zu loben vermag.
Siehst du die herrlichen Früchte im Feld?
Nimm es zu Herzen, Bewohner der Welt:
Danke Gott, danke Gott!
Der dich ernährt und erhält.
Schreckt dich im Wetter der Herz der Natur:
Bitte Gott, bitte Gott!
Ruft sie, er schonet die Flur.
Machen Gefahren der Krieger dir bang:
Traue Gott, traue Gott!
Sieh', er verziehet nicht lang.

D743 "Selige Welt"
 
Text by Johann Senn (1792-1857)

Music by Franz Schubert, D. 743 (Autumn? 1822), first published 1823 as op. 23 no 2

Ich treibe auf des Lebens Meer,
Ich sitze gemuth in meinem Kahn,
Nicht Ziel, noch Steuer, hin und her,
Wie die Strömung reißt, wie die Winde gahn.
Eine selige Insel sucht der Wahn,
Doch eine ist es nicht.
Du lande gläubig überall an,
Wo sich Wasser an Erde bricht.

D744 "Schwanengesang"
 
Text by Johann Chrysostomos Senn (1792-1857)

Music by Franz Schubert, D. 744 (Autumn 1822?), first published in August 1823 as op. 23 no 3

 
"Wie klag' ich's aus, das Sterbegefühl,
Das auflösend durch die Glieder rinnt?
Wie sing' ich's aus, das Werdegefühl,
Das erlösend dich, o Geist, anweht?"
Er klagt', er sang,
Vernichtungsbang,
Verklärungsfroh,
Bie das Leben floh,
Das bedeutet des Schwanen Gesang! 

D745 "Die Rose"
 
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 745 (March 1820?), first published 1822
 


Es lockte schöne Wärme,
Mich an das Licht zu wagen,
Da brannten wilde Gluten;
Das muß ich ewig klagen.
Ich konnte lange blühen
In milden heitern Tagen;
Nun muß ich frühe welken,
Dern Leben schon entsagen.
Es kam die Morgenröte,
Da ließ ich alles Zagen
Und öffnete die Knospe,
Wo alle Reize lagen.
Ich konnte freundlich duften
Und mein Krone tragen,
Da ward zu heiß die Sonne,
Die muß ich drum verklagen.
Was soll der milde Abend?
Muß ich nun traurig fragen.
Er kann mich nicht mehr retten,
Die Schmerzen nicht verjagen.
Die Röte ist verblichen,
Bald wird mich Kälte nagen.
Mein kurzes junges Leben
Wollt' ich noch sterbend sagen.

D746 "Am See"
 
Text by Franz Seraph Ritter von Bruchmann (1798-1867)
Music by Franz Schubert, D. 746 (1817?/1822?), published 1831

In des Sees Wogenspiele
Fallen durch den Sonnenschein
Sterne, ach, gar viele, viele,
Flammend leuchtend stets hinein.
Wenn der Mensch zum See geworden,
In der Seele Wogenspiele
Fallen aus des Himmels Pforten
Sterne, ach, gar viele, viele.

D747 "Geist der Liebe"
 
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Franz Schubert, D. 414; D. 747 (April 1816), first published in 1895

See also:

Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 28

"Abendlied" (with a different form of text)
Der Abend schleiert Flur und Hain
In traulich holde Dämm'rung ein;
Hell flimmt, wo goldne Wölkchen ziehn,
Der Stern der Liebeskönigin.
Die Wogenflut hallt Schlummerklang,
Die Bäume lispeln Abendsang;
Der Wiese Gras umgaukelt lind
Mit Sylphenkuß der Frühlingswind.
Der Geis der Liebe wirkt und strebt,
Wo nur ein Puls der Schöpfung bebt;
Im Strom, wo Wog' in Woge fließt,
Im Hain, wo Blatt an Blatt sich schließt.
O Geist der Liebe! führe du
Dem Jüngling die Erkor'ne zu!
Ein Minneblick der Trauten hellt
Mit Himmelsglanz die Erdenwelt!

D749 "Epistel, An Herrn Josef von Spaun, Assessor in Linz"
 
Text by Matthäus von Collin (1779-1824)
Music by Franz Schubert, D. 749 (January 1822), first published in 1850

(Recitativo)
Und nimmer schreibst du
Bleibest uns verloren,
Ein starr Verstummter,
Nun für ew'ge Zeit?
Vielleicht, weil neue Freunde du erkoren?
Wardst du Assessor denn am Tich so breit,
Woran beim Aktenstoß seufzt Langeweile,
Um abzusterben aller Freudigkeit?
Doch nein, nur wir sind's.
Nur uns ward zuteile
Dies Schweigen, dies Verstummen und Vergessen,
Armut und Not selbst an der kleinsten Zeile!
Für jeden bist du schriftkarg nicht gesessen;
Für manchen kamen Briefe angeflogen,
Und nach der Elle hast du sie gemessen;
Doch uns, Barbar, hast du dein Herz entzogen!
(Aria)
Schwingt euch kühn, zu bange Klagen,
Aus empörter Brust hervor,
Und, von Melodien getragen,
Wagt euch an des fernen Ohr!
Was er immer mag erwidern,
Dieses hier saget doch;
"Zwar vergessen, jenes Biedern
Denken wir in Liebe noch!"

D751 "Die Liebe hat gelogen"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835)
Music by Franz Schubert, D. 751, op. 23 no. 1 (1822)

 
Die Liebe hat gelogen,
Die Sorge lastet schwer,
Betrogen, ach! betrogen
Hat alles mich umher!
Es fliessen heiße Tropfen
Die Wange stets herab,
Laß ab, mein Herz, zu klopfen,
Du armes Herz, laß ab!
Die Liebe hat gelogen,
Die Sorge lastet schwer,
Betrogen, ach! betrogen
Hat alles mich umher!

D752 "Nachtviolen"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 752 (April 1822), first published in 1872

Nachtviolen, Nachtviolen!
Dunkle Augen, seelenvolle,
Selig ist es, sich versenken
In dem samtnen Blau.
Grüne Blätter streben freudig
Euch zu helfen, euch zu schmücken;
Doch ihr blicket ernst und schweigend
In die laue Frühlingsluft.
Mit erhabnen Wehmutsstrahlen
Trafet ihr mein treues Herz,
Und nun blüht in stummen Nächten
Fort die heilige Verbindung.

D753 "Aus 'Heliopolis' I"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 753 (1822), published 1826 as op. 65 no 3
 


Im kalten, rauhen Norden
Ist Kunde mir geworden
Von einer Stadt, der Sonnenstadt.
Wo weilt das Schiff, wo ist der Pfad,
Die mich zu jenen Hallen tragen?
Von Menschen konnt' ich nichts erfragen,
Im Zwiespalt waren sie verworren.
Zur Blume, die sich Helios erkoren,
Die ewig in sein Antlitz blickt,
Wandt' ich mich nun, und ward entzückt.
"Wende, so wie ich, zur Sonne
Deine Augen! Dort ist Wonne,
Dort ist Leben; treu ergeben
Pilgre zu und zweifle nicht;
Ruhe findest du im Licht.
Licht erzeuget alle Gluten,
Hoffnungspflanzen, Tatenfluten!"

D754 "Aus 'Heliopolis' II"
 
Text by Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 754 (April 1822), first published in 1842
 
 


Fels auf Felsen hingewälzet,
Fester Grund und treuer Halt;
Wasserfälle, Windesschauer,
Unbegriffene Gewalt.
Einsam auf Gebirges Zinne,
Kloster wie auch Burgruine,
Grab' sie der Erinn'rung ein!
Denn der Dichter lebt vom Sein.
Atme du den heil'gen Äther
Schling die Arme um die Welt,
Nur dem Würdigen, dem Großen
Bleibte mutig zugesellt.
Laß die Leidenschaften sausen
Im metallenen Akkord,
Wenn die starken Stürme brausen,
Findest du das rechte Wort.

D756 b "Du liebst mich nicht"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835)
Music by Franz Schubert, D. 756b, op. 59 no. 1 (1822)
 


Mein Herz ist zerrissen, du liebst mich nicht!
Du ließest mich's wissen, du liebst mich nicht!
Wiewohl ich dir flehend und werbend erschien,
Und liebebeflissen, du liebst mich nicht!
Du hast es gesprochen, mit Worten gesagt,
Mit allzu gewißen, du liebst mich nicht!
So soll ich die Sterne, so soll ich den Mond,
Die Sonne vermissen, du liebst mich nicht!
Was blüht mir die Rose, was blüht der Jasmin,
Was blühn die Narzissen, du liebst mich nicht!

D757 "Groß ist der Herr! Die Himmel ohne Zahl"
 
Text by Ewald Christian von Kleist (1715-1759)

Music by Franz Schubert, "Gott in der Natur", D. 757 (1822), published 1839 as op. posth. 133, Quartet for women's voices with piano accompaniment

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Groß ist der Herr" (1820)
Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800), "Hymne", published 1784

 
Groß ist der Herr! Die Himmel ohne Zahl
Sind Säle seiner Burg,
Sein Wagen Sturm und donnerndes Gewölk
Und Blitze sein Gespann.
Die Morgenröth' ist nur ein Widerschein
Von seines Kleides Saum,
Und gegen seinen Glanz ist Dämmerung der Sonne
Flammend Licht.
Er sieht mit gnäd'gem Blick zur Erde herab,
Sie grünet, blüht und lacht.
Er schilt, es fähret Feuer vom Felsen auf,
Und Meer und Himmel bebt.
Lobt den Gewaltigen, den großen Herrn,
Ihr Lichter seiner Burg,
Ihr Sonnenheere flammt zu seinem Ruhm,
Ihr Erden singt sein Lob.

D758 "Todesmusik"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 758, op. 108 no. 2 (1822)

See also:

Felix Wolfes (1892-1971), 1960

In des Todes Feierstunde,
Wenn ich einst von hinnen scheide,
Und den Kampf, den letzten, leide,
Senke, heilige Kamöne,
Noch einmal die stillen Lieder,
Noch einmal die reinen Töne
Auf die tiefe Abschiedswunde
Meines Busens heilend nieder.
Hebe aus dem ird'schen Ringen
Die bedrängte, reine Seele,
Trage sie auf deinen Schwingen,
Daß sie sich dem Licht vermähle.
O da werden mich die Klänge
Süß und wonnevoll umwehen,
Und die Ketten, die ich sprenge,
Werden still und leicht vergehen.
Alles Große werd' ich sehen,
Das im Leben mich beglückte,
Alles Schöne, das mir blühte,
Wird verherrlicht vor mir stehen.
Jeden Stern, der mir erglühte,
Der mit freundlichem Gefunkel
Durch das grauenvolle Dunkel
Meines kurzen Weges blickte,
Jede Blume, die ihn schmückte,
Werden mir die Töne bringen.
Und die schrecklichen Minuten,
Wo ich schmerzlich könnte bluten,
Werden mich mit Lust umklingen,
Und Verklärung werd' ich sehen,
Ausgegossen über allen Dingen.
So im Wonne werd' ich untergehen,
Süß verschlungen von der Freude Fluten.

D761 "Schatzgräbers Begehr"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 761, op. 23 no. 4 (1822)

 
In tiefster Erde ruht ein alt Gesetz,
Dem treibt's mich rastlos immer nachzuspüren;
Und grabend kann ich Andres nicht vollführen.
Wohl spannt auch mir die Welt ihr goldnes Netz,
Wohl tönt auch mir der Klugheit seicht Geschwätz:
Du wirst die Müh und Zeit umsonst verlieren!
Das soll mich nicht in meiner Arbeit irren,
Ich grabe glühend fort, so nun, wie stets.
Und soll mich nie des Findens Wonne laben,
Sollt' ich mein Grab mit dieser Hoffnung graben,
Ich steige gern hinab, gestillt ist dann mein Sehnen.
Drum laßet Ruhe mir in meinem Streben,
Ein Grab mag man wohl jedem gerne geben,
Wollt ihr es denn nicht mir, ihr Lieben, gönnen?

D762 "Schwestergruß"
 
Text by Franz Seraph Ritter von Bruchmann (1798-1867)
Music by Franz Schubert, D. 762
 


Im Mondenschein
Wall ich auf und ab,
Seh' Totenbein'
Und stilles Grab.
In Geisterhauch
Vorüber [schwebt's],
Wie Flamm' und Rauch,
Vorüber [bebt's];
Aus Nebeltrug
Steigt eine Gestalt,
Ohn Sünd und Lug
Vorüberwallt,
Das Aug so blau,
Der Blick so groß,
Wie in Himmelsau,
Wie in Gottes Schoß;
Ein weiß Gewand
Bedeckt das Bild,
In zarter Hand
Eine Lilie quillt,
In Geisterhauch
Sie zu mir spricht:
"Ich wandre schon
Im reinen Licht,
Seh' Mond und Sonn'
Zu meinem Fuß,
Und leb' in Wonn',
In Engelkuß,
Und all die Lust,
Die ich empfind,
nicht deine Brust
Kennt, Menschenkind!
Wenn du nicht läßt
Den Erdengott,
Bevor dich faßt
Der grause Tod."
So tönt die Luft,
So saust der Wind,
Zu den Sternen ruft
Das Himmelskind,
Und eh' sie flieht,
Die weiß' Gestalt,
In frischer Blüt'
Sie sich entfalt':
In reiner Flamm'
Schwebt sie empor,
Ohne Schmerz und Harm,
Zu der Engel Chor.
Die Nacht verhüllt
Den heilgen Ort,
Von Gott erfüllt
Sing ich das Wort.

D763 "Des Tages Weihe"
 
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 763 (1822)
 


Schicksalslenker, blicke nieder,
Auf ein dankerfülltes Herz;
Uns belebt die Freude wieder,
Fern entfloh'n ist jeder Schmerz.
Und das Leid, es ist vergessen,
Durch die Nebel strahlt der Glanz
Deiner Größe unermessen,
Wie aus hellem Sternenkranz.
Liebevoll nahmst du der Leiden
Herben Kelch von Vaters Mund;
Darum ward in Fern und Weiten
Deine höchste Milde kund.

D764 "Prometheus"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 674, 1819

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809
Hugo Wolf (1860-1903), from Goethe-Lieder no. 49
 


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöh'n;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meines Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn', als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war
Nicht wußte, wo aus noch ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär'
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blütenträume reiften?
Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde.
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu geniessen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

D765 "An die Entfernte"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, D. 765 (December 1822), first published in 1868

See also:

Ludwig Berger (1777-1839)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 55 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe, III:1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807

 
So hab ich wirklich dich verloren?
Bist du, o [Schöne], mir entflohn?
Noch klingt in den gewohnten Ohren
Ein jedes Wort, ein jeder Ton.
So wie des Wandrers Blick am Morgen
Vergebens in die Lüfte dringt,
Wenn, in dem blauen Raum verborgen,
Hoch über ihm die Lerche singt:
So dringet ängstlich hin und wieder
Durch Feld und Busch und Wald mein Blick;
Dich rufen alle meine Lieder;
O komm, Geliebte, mir zurück.

D766 "Am Fluße"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D.160 (27 February 1815), first published 1894; D.766 (December 1822), first published in 1872

See also:

Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 22 no. 6, published 1834
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 55 no. 3 (1815?), from Gedichte von Goethe III:3

 
Verfließet, vielgeliebte Lieder,
Zum Meere der Vergessenheit!
Kein Knabe sing' entzückt euch wieder,
Kein Mädchen in der Blütenzeit.
Ihr sanget nur von meiner Lieben;
Nun spricht sie meiner Treue Hohn.
Ihr wart ins Wasser eingeschrieben;
So fließt denn auch mit ihm davon.

D767 "Willkommen und Abschied"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 767 (December 1822): D Major version first published 1895, and C Major version 1826

See also:
 
Hans Erich Pfitzner
(1869-1949), op. 29 no. 3
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794

 
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es was getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkeid die Eiche,
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gestraüche
Mit hundert schwarzen Augen sah.
Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut;
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!
Dich seh ich, und sie milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz auf deiner Seite
Und jeder Aternzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das leibliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft' es, ich verdient' es nicht!
Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz;
In deinen Küßen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden,
Und sahst mir nach mit naßem Blick;
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -