Lieder complete index
Lieder - index 9:
D 768 "Über
allen Gipfeln ist Ruh"
D 770 "Drang in die Ferne"
D 771 "Der Zwerg"
D 772 "Wehmut"
D 774 "Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen"
D 775 "Daß der Ostwind Düfte"
D 776 "Du bist die Ruh, der Friede mild"
D 777 "Lachen und Weinen"
D 778 "Der Frost hat mir bereifet des Hauses Dach"
D 778 a "Die Wallfahrt"
D 785 "Der zürnende Barde"
D 786 "Viola"
D 787 no.2 "Ich schleiche bang und still herum"
D 788 "Des Lebens Tag ist schwer und schwühl"
D 789 "Pilgerweise"
D 792 "Vergissmeinnicht"
D 793 "Das Geheimnis"
D 794 "Der Pilgrim"
D 795 "Die schöne Müllerin"
D 797 no.3b "Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn"
D 799 "Im Abendrot"
D 800 b "Der Einsame"
D 801 "Dithyrambe"
D 805 "Der Sieg"
D 806 "Abendstern"
D 807 "Auflösung"
D 808 "Der Gondelfahrer"
D 809 "Der Gondelfahrer"
D 815 "Gebet"
D 822 "Lied eines Kriegers"
D 825 "Wehmuth"
D 826 "Der Tanz"
D 827 "Nacht und Träume"
D 828 "Die junge Nonne"
D 829 "Abschied von der Erde"
D 830 "Lied Der Anne Lyle"
D 831 "Gesang der Norna"
D 832 "Des Sängers Habe"
D 833 b "Der Blinde Knabe"
D 834 "Im Walde"
D 837 "Ellens Gesang I"
D 838 "Ellens Gesang II"
D 839 "Ellens Gesang III"
D 842 "Totengräbers Heimweh"
D 843 "Lied des gefangenen Jägers"
D 846 "Normans Gesang"
D 851 b "Das Heimweh"
D 852 "Die Allmacht"
D 853 "Auf der Bruck"
D 854 "Fülle der Liebe"
D 855 "Wiedersehn"
D 856 "Abendlied für die Entfernte"
D 857 no.1 "Lachrimas"
D 860 "An mein Herz"
D 861 "Der liebliche Stern"
D 862 "Um Mitternacht"
D 865 "Widerspruch"
D 866 no.1 "Die Unterscheidung"
D 866 no.2 "Bei dir allein"
D 866 no.3 "Die Männer sind méchant"
D 866 no.4 "Irdisches Glück"
D 867 "Wiegenlied"
D 868 "Das Echo"
D 869 "Totengräberweise"
D 870 "Der Wanderer an den Mond"
D 768
"Über allen Gipfeln ist Ruh"
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Franz Schubert, "Wandrers Nachtlied (Ein
Gleiches)", D. 768, op. 96 no. 3 (c. 1823)
See also:
Ernst Bacon (1898-1990),
"Wandrers Nachtlied", published 1928
Hermann Behn (1859?-1927), "Wandrers Nachtlied", op. 2 no. 4
(189-?)
Harald Genzmer (b. 1909), "Über allen Gipfeln ist Ruh"
(1940-87), from Acht Lieder nach verschiedenen Dichtern
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Über allen Gipfeln ist
Ruh", from 7 Goethe Lieder (no. 5) published 194-?
Ferdinand Hiller (1811-1885), "Wandrers Nachtlied" (1827)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886),
"Über allen Gipfeln ist Ruh", S. 306
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869),
"Wandrers Nachtlied", op. 9, i, 3a (1817?)
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), "Nochnaja pesn'
stranznika" (Wandrers Nachtlied), singable in Russian and German, op. 6 no. 1
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Über allen Gipfeln ist
Ruh" (1835)
Ernst Pepping (1901-1981), "Ein Gleiches" (1946), from Haus-
und Trostbuch (no. 34), published 1949
Max Reger (1873-1916),
"Abendlied", op. 14 no. 2 (1894)
Robert Alexander Schumann (1810-1856),
"Nachtlied" (Night song), op. 96 no. 1 (1850)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Ruhe" (1814)
Charles Edward Ives (1874-1954),
"Ilmenau" in German and English.
Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde,
Warte nur, balde
Ruhest du auch!
D 770
"Drang in die Ferne"
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 770 (Early 1823), first
published in 1823; republished as Op. 71 in 1827
Vater, du glaubst es nicht,
Wie's mir zum Herzen spricht,
Wenn ich die Wolken seh',
Oder am Strome steh';
Wolkengold, Wellengrün
Ziehen so leicht dahin,
Weilen im Sonnenlicht,
Aber bei Blumen nicht;
Zögern und rastes nie,
Eilen, als wüßten sie,
Ferne und ungekannt,
Irgend ein schönres Land.
Ach! von Gewölk und Flut
Hat auch mein wildes Blut
Heimlich geerbt den Drang,
Stürmet die Welt entlang!
Vaterlands Felsental
Wird mir zu eng, zu schmal,
Denn meiner Sehnsucht Traum
Findet darin nicht Raum.
Laßt mich! ich muß
Fordern den Scheidekuß.
Vater und Mutter mein,
Müßet nicht böse sein!
Hab euch ja herzlich lieb;
Aber ein wilder Trieb
Jagt mich waldein, waldaus,
Weit von dem Vaterhaus.
Sorgt nicht, durch welches Land
Einsam mein Weg sich wand;
Monden- und Sternenschein
Leuchtet auch dort hinein.
Überall wölbt's Gefild
Sich den azur'nen Schild,
Den um die ganze Welt
Schirmend der Schöpfer hält.
Ach! und wenn nimmermehr
Ich zu euch wiederkehr',
Lieben, so denkt, er fand
Glücklich das schönre Land.
D 771
"Der Zwerg"
Text by Matthäus von Collin (1779-1824)
Music by Franz Schubert, D. 771 (November 1822?), first
published in 1823 as op. 22 no 1
Im trüben Licht verschwinden schon die Berge,
Es schwebt das Schiff auf glatten Meereswogen,
Worauf die Königin mit ihrem Zwerge.
Sie schaut empor zum hochgewölbten Bogen,
Hinauf zur lichtdurchwirkten blauen Ferne;
Die mit der Milch des Himmels blaß durchzogen.
"Nie, nie habt ihr mir gelogen noch, ihr Sterne,"
So ruft sie aus, bald werd'ich nun entschwinden,
Ihr sagt es mir, doch sterb'ich wahrlich gerne.
Da tritt der Zwerg zur Königin, mag binden
Um ihren Hals die Schnur von roter Seide,
Und weint, als wollt' er schnell vor Gram erblinden
Er spricht: "Du selbst bist schuld an diesem Liede
Weil um den König du mich hast verlaßen,
Jetzt weckt dein Sterben einzig mir noch Freude.
Zwar werd'ich ewiglich mich selber haßen,
Der dir mit dieser HAnd den Tod gegeben,
Doch mußt zurn frühen Grab du nun erblaßen."
Sie legt die Hand aufs Herz voll jungem Leben,
Und aus dem Aug'die schweren Tränen rinnen,
Das sie zum Himmel betend will erheben.
"Mögst du nicht Schmerz durch meinen Tod gewinnen!"
Sie Sagt's, da küßt der Zwerg die bleichen Wangen,
D'rauf alsobald vergehen ihr die Sinnern.
Der Zwerg schaut an die Frau, von Tod befangen,
Er senkt sie tief ins Meer mit eig'nen Handen,
Ihm brennt nach ihr das Herz so voll Verlangen,
An keiner Küste wird er je mehr landen.
D 772
"Wehmut"
Text by Matthäus von Collin (1779-1824)
Music by Franz Schubert, D. 772 (November 1822?), first
published in 1823 as op. 22 no 2
Wenn ich durch Wald und Fluren geh',
Es wird mir dann so wohl und weh
In unruhvoller Brust.
So wohl, so weh, wenn ich die Au
In ihrer Schönheit Fülle schaü',
Und all die Frühlingslust,
Denn was im Winde tönend weht,
Was aufgetürmt gen Himmel steht,
Und auch der Mensch, so hold vertraut
Mit all der Schönheit, die er schaut,
Entschwindet, und vergeht.
D 774 "Mitten
im Schimmer der spiegelnden Wellen"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, "Auf dem Wasser zu
singen", D. 774 (1823), published 1823 as op. 72
See also:
Jan Bed`rich (Johann Friedrich) Kittl
(1806-1868), "Lied auf dem Wasser zu singen", op. 4 no. 3 (183-?)
Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen
Gleitet, wie Schwäne, der wankende Kahn:
Ach, auf der Freude sanftschimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.
Über den Wipfeln des westlichen Haines
Winket uns freundlich der rötliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
Atmet die Seel im errötenden Schein.
Ach, es entschwindet mit tauigem Flügel
Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit;
Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlendem Flügel
Selber entschwinde der wechselnden Zeit.
D 775 "Daß
der Ostwind Düfte"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, "Daß sie hier gewesen", D. 775
See also:
Giacomo Meyerbeer (1791-1864), "Sie und
ich", 1835
Daß der Ostwind Düfte
Hauchet in die Lüfte,
Dadurch tut er kund,
Daß du hier gewesen.
Daß hier Tränen rinnen,
Dadurch wirst du innen,
Wär's dir sonst nicht kund,
Daß ich hier gewesen.
Schönheit oder Liebe,
Ob versteckt sie bliebe?
Düfte tun es und Tränen kund,
Daß sie hier gewesen.
D 776 "Du
bist die Ruh, der Friede mild"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, "Du bist die Ruh", D. 776
See also:
(Karl) Friedrich Curschmann
(1805-1841), "Ruhe der Liebe", op. 16, 2, i (1837)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Du bist die Ruh", op. 7
no. 4
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!
D 777 "Lachen
und Weinen"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, D. 777
Lachen und Weinen zu jeglicher Stunde
Ruht bei der Lieb auf so mancherlei Grunde.
Morgens lacht ich vor Lust,
Und warum ich nun weine
Bei des Abends Scheine,
Ist mir selb' nicht bewußt.
Weinen und Lachen zu jeglicher Stunde
Ruht bei der Lieb auf so mancherlei Grunde.
Abends weint ich vor Schmerz;
Und warum du erwachen
Kannst am Morgen mit Lachen,
Muß ich dich fragen, o Herz.
D 778 "Der Frost hat mir
bereifet des Hauses Dach"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, D. 778 "Greisengesang"
See also:
Richard Strauss (1864-1949), op. 87 no. 1 "Vom
künftigen Alter"
Der Frost hat mir bereifet des Hauses Dach;
Doch warm ist mir's geblieben im Wohngemach.
Der Winter hat die Scheitel mir weiß gedeckt;
Doch fließt das Blut, das rote, durchs Herzgemach.
Der Jugendflor der Wangen, die Rosen sind
Gegangen, all gegangen einander nach -
Wo sind sie hingegangen? ins Herz hinab:
Da blühn sie nach Verlangen, wie vor so nach.
Sind alle Freudenströme der Welt versiegt?
Noch fließt mir durch den Busen ein stiller Bach.
Sind alle Nachtigallen der Flur verstummt?
Noch ist bei mir im Stillen hier eine wach.
Sie singet: "Herr des Hauses! verschleuß dein Tor,
Daß nicht die Welt, die kalte, dring ins Gemach.
Schleuß aus den rauher Odem der Wirklichkeit,
Und nur dem Duft der Träume gib Dach und Fach!"
Ich habe Wein und Rosen in jedem Lied,
und habe solcher Lieder noch tausendfach.
Vom Abend bis zum Morgen und Nächte durch
will ich dir singen Jugend und Liebesweh.
D 778 a
"Die Wallfahrt"
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Franz Schubert, D. 778 a
Meine Tränen im Bußgewand
Die Wallfahrt haben zur Aula der Schönheit angetreten;
In der Wüste brennendem Sand
Sind sie begraben, nicht hingelangten sie anzubeten.
D 785 "Der
zürnende Barde"
Text by Franz Seraph Ritter von Bruchmann (1798-1867)
Music by Franz Schubert, D. 785
Wer wagt's,
Wer will mir die Leier zerbrechen,
Noch tagt's,
Noch glühet die Kraft, mich zu rächen.
Heran, heran, ihr alle,
Wer immer sich erkühnt,
Aus dunkler Felsenhalle
Ist mir die Leier gegrünt.
Ich habe das Holz gespalten
Aus riesigem Eichenbaum,
Worunter einst die Alten
Umtanzten Wodans Saum.
Die Saiten raubt ich der Sonne,
Den purpurnen, glühenden Strahl,
Als einst sie in seliger Wonne
Versankt in das blühende Tal.
Aus alter Ahnen Eichen,
Aus rotem Abendgold
Wirst Leier du nimmer weichen,
So lang die Götter mir hold.
D 786 "Viola"
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 786 (March 1823), first published in 1830 as op. 123
Schneeglöcklein, o Schneeglöcklein,
In den Auen läutest du,
Läutest in dem stillen Hain,
Läute immer, läute zu, läute immer zu!
Denn du kündest frohe Zeit,
Frühling naht, der Bräutigam,
Kommt mit Sieg vom Winterstreit,
Dem er seine Eiswehr nahm.
Darum schwingt der goldne Stift,
Daß dein Silberhelm erschallt,
Und dein liebliches Gedüft
Leis' wie Schmeichelruf entwallt:
Daß die Blumen in der Erd'
Steigen aus dem düstern Nest,
Und des Bräutigams sich wert
Schmücken zu dem Hochzeitsfest.
Schneeglöcklein, o Schneeglöcklein,
In den Auen läutest du,
Läutest in dem stillen Hain,
Läut' die Blumen aus der Ruh'!
Du Viola, zartes Kind,
Hörst zuerst den Wonnelaut,
Und sie stehet auf geschwind,
Schmücket sorglich sich als Braut.
Hüllet sich in's grüne Kleid,
Nimmt den Mantel sammetblau,
Nimmt das güldene Geschmeid,
Und den Brillantentau.
Eilt dann fort mit mächt'gem Schritt,
Nur den Freund im treuen Sinn,
Ganz von Liebesglück durchglüht,
Sieht nicht her und sieht nicht hin.
Doch ein ängstliches Gefühl
Ihre kleine Brust durchwallt,
Denn es ist noch rings so still,
Und die Lüfte weh'n so kalt.
Uns sie hemmt den schnellen Lauf,
Schon bestrahlt von Sonnenschein,
Doch mit Schrecken blickt sie auf,
Denn sie stehet ganz allein.
Schwestern nicht, nicht Bräutigam
Zugedrungen! und verschmäht!
Da durchschauert sie die Scham,
Fliehet wie vom Sturm geweht.
Fliehet an den fernsten Ort,
Wo sie Gras und Schatten deckt,
Späht und lauschet immerfort,
Ob was rauschet und sich regt.
Und gekränket und getäuscht
Sitzet sie und schluchzt und weint,
Von der tiefsten Angst zerfleischt,
Ob kein Nahender erscheint.
Schneeglöcklein, o Schneeglöcklein,
In den Auen läutest du,
Läutest in dem stillen Hain,
Läut die Schwertern ihr herzu!
Rose nahet, Lilie schwankt,
Tulp' und Hyazinthe schwellt,
Windling kommt daher gerankt,
Und Narciss' hat sich gesellt.
Da der Frühling nun erscheint,
Und das frohe Fest beinnt,
Sieht er alle, die vereint,
Und vermißt sein liebstes Kind.
Alle schickt er suchend fort,
Um die eine, die ihm wert,
Und sie kommen an den Ort,
Wo sie einsam sich verzehrt.
Doch es sitzt das liebe Kind
Stumm und bleich, das Haupt gebückt,
Ach! der Lieb' und Sehnsucht Schmerz
Hat die Zärtliche erdrückt.
Schneeglöcklein, o Schneeglöcklein,
In den Auen läutest du,
Läutest in dem stillen Hain,
Läut Viola sanfte Ruh'
D 787
no.2 "Ich schleiche bang und still herum"
Text by Ignaz Franz Castelli (1781-1862)
Music by Franz Schubert, D. 787 no 2 (April, 1823), first published 1889
Ich schleiche bang und still herum,
Das Herz pocht mir so schwer,
Das Leben däucht mir öd' und stumm,
Und Flur und Burg so leer.
Und jede Freude spricht mir Hohn,
Und jeder Ton ist Klageton,
Ist der Geliebte fern,
Trübt sich des Auges Stern.
Ach, was die Liebe einmal band,
Soll nie sich trennen mehr.
Was suchst du in dem fremden LAnd,
Und weit dort über'm Meer?
Wenn dort auch buntre Blumen blüh'n
Kein Herz wird heisser für dich glüh'n,
O bleib' nicht länger fern
Du meines Lebens Stern!
D 788 "Des
Lebens Tag ist schwer und schwühl"
Text by Friedrich Leopold, Graf zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)
Music by Franz Schubert, "Die Mutter Erde", D. 788 (1823), published 1838
See also:
Johann Abraham Peter Schulz
(1747-1800), "Lied", published 1782-90
Des Lebens Tag ist schwer und schwühl,
Des Todes Atern leicht und kühl,
Er wehet freundlich uns hinab,
Wie welkes Laub in's stille Grab.
Es scheint der Mond, es fällt der Tau
Auf's Grab wie auf die Blumenau;
Auch fällt der Freunde Trän hinein
Erhellt von sanfter Hoffnung Schein.
Uns sammelt alle, klein und groß,
Die Mutter Erd' in ihren Schloß;
O säh'n wir ihr ins Angesicht,
Wir scheuten ihren Busen nicht!
D 789 "Pilgerweise"
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 789 (1823)
Ich bin ein Waller auf der Erde
Und gehe still von Haus zu Haus,
O reicht mit freundlicher Gebärde
Der Liebe Gaben mir heraus!
Mit offnen, teilnahmsvollen Blicken,
Mit einem warmen Händedruck
Könnt ihr dies arme Herz erquicken
Und es befrein von langem Druck.
Doch rechnet nicht, daß ich euch's lohnen,
Mit Gegendienst vergelten soll;
Ich streue nur mit Blumenkronen,
Mit blauen, eure Schwellen voll.
Und geb' ein Lied euch noch zur Zither,
Mit Fleiß gesungen und gespielt,
Das euch vielleicht nur leichter Flitter,
Ein leicht entbehrlich Gut euch gilt -
Mir gilt es viel, ich kann's nicht missen,
Und allen Pilgern ist es wert;
Doch freilich ihr, ihr könnt nicht wissen,
Was den beseligt, der entbehrt.
Vom Überfluß seid ihr erfreut,
Und findet tausendfach Ersatz;
Ein Tag dem andern angereihet
Vergrößert eures Liebesschatz.
Doch mir, so wie ich weiter strebe
An meinem harten Wanderstab,
Reißt in des Glückes Lustgewebe
Ein Faden nach dem andern ab.
Drum kann ich nur von Gaben leben,
Von Augenblick zu Augenblick,
O wollet vorwurfslos sie geben,
Zu eurer Lust, zu meinem Glück.
Ich bin ein Waller auf der Erde
Und gehe still von Haus zu Haus,
O reicht mit freundlicher Gebärde
Der Liebe Gaben mir heraus!
D 792 "Vergissmeinnicht"
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 792 (May 1823), first published in 1833
Als der Frühling sich vom Herzen
Der erblühten Erde riß.
Zog er noch einmal mit Schmerzen
Durch die Welt, die er verließ.
Wiesenschmelz und Saatengrüne
Grüßen ihn mit hellem Blühn,
Und die Schattenbaldachine
Dunklen Walds umsäuseln ihn.
Da im weichen Sam des Mooses
Sieht er, hab vom Grün verdeckt,
Schlummersüß, ein kummerloses
Holdes Wesen hingestreckt.
Ob's ein Kind noch, ob's ein Mädchen,
Wagt er nicht sich zu gestehn.
Kurze blonde Seidenfädchen
Um das runde Köpfchen wehn.
Zart noch sind die schlanken Glieder,
Unentfaltet die Gestalt,
Und doch scheint der Busen wieder
Schon von Regungen durchwallt.
Rosig strahlt der Wangen Feuer,
Lächelnd ist der Mund und schlau,
Durch der Wimpern duft'gen Schleier
Äugelt schalkhaft helles Blau.
Und der Frühling, wonnetrunken
Steht er, und doch tief gerührt;
In das holde Bild versunken,
Fühlt er ganz, was er verliert!
Aber dringend mahnt die Stunde,
Daß er schnell von hinnen muß.
Ach! da brennt auf ihrem Munde
Glühend heiß der Scheidekuß.
Und in Duft ist er entschwunden.
Doch das Kind entfährt dem Schlaf,
Tief hat sie der Kuß entzunden,
Wie ein Blitzstrahl, der sie traf.
Alle Keime sind entfaltet,
Die ihr kleiner Busen barg,
Schnell zur Jungfrau umgesttaltet,
Steigt sie aus der Kindheit Sarg.
Ihre blauen Augen schlagen
Ernst und lieblich empor,
Nach dem Glück scheint sie zu fragen,
Was sie ungekannt verlor.
Aber niemand gibt ihr Kunde,
Alle sehn sie staunend an,
Und die Schwestern in der Runde,
Wissen nicht wie ihr getan.
Ach sie weiß es selbst nicht! - Tränen
Sprechen ihren Schmerz nur aus,
Und ein unergründlich Sehnen
Treibt sie aus sich selbst heraus;
Treibt sie fort, das Bild zu finden,
Das in ihrem Innern lebt,
Das ihr Ahnungen verkünden,
Das in Träumen sie umschwebt.
Felsen hat sie überklommen,
Berge steigt sie ab und auf;
Bis sie an den Fluß gekommen,
Der ihr hemmt den Strebelauf.
Doch im Ufergras dem feuchten,
Wird ihr heißer Fuß gekühlt,
Und in seinem Spiegel leuchten
Siehet sie ihr eignes Bild.
Sieht des Himmels blaue Ferne,
Sieht der Wolken Purpurschein,
Sieht den Mond und alle Sterne -
Milder fühlt sie ihre Pein.
Denn es ist ihr aufgegangen;
Daß sie eine Seele fand,
Die ihr innigstes Verlangen,
Ihren teifsten Schmerz verstand.
Gern mag sie an dieser Stelle
Sich die stille Wohnung bau'n,
Der verklärten sanften Welle
Kann sie rückhaltslos vertrau'n.
Und sie fühlt sich ganz genesen,
Wenn sie zu dem Wasser spricht,
Wie zu dem geahnten Wesen;
O vergiß, vergiß mein nicht!
D 793 "Das
Geheimnis"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 250 (August 7, 1815), first
published in 1872; D. 793 (May 1823), first published in 1867
Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft' ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis' komm' ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug' der Welt!
Von Ferne mit verworr'nem Sausen
Arbeitet der geschäft'ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn' ich schwerer Hammer Schlag.
So sauer ringt die kargen Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schoße
Der Götter fällt das Glück herab.
D 794 "Der
Pilgrim"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 794 (May 1823), first
published in 1825 as op. 37 no. 1
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1809?
Noch in meines Lebens Lenze
War ich, und ich wandert' aus,
Und der Jugend frohe Tänze
Ließ ich des Vaters Haus.
All mein Erbteil, all mein Habe
Warf ich fröhlich glauben hin,
Und am leichten Pilgerstabe
Zog ich fort mit Kindersinn.
Denn mich trieb ein mächtig Hoffen
Und ein dunkles Glaubenswort,
"Wandle," rief's "der Weg ist offen,
Immer nach dem Aufgang fort."
"Bis zu einer goldnen Pforten
Du gelangst, da gehst du ein,
Denn das Irdische wird dorten
Himmlisch, unvergänglich sein."
Abend ward's und wurde Morgen,
Nimmer, nimmer stand ich still,
Aber immer blieb's verborgen,
Was ich suche, was ich will.
Berge lagen mir im Wege,
Ströme hemmten meinen Fuß,
Über Schlünde baut ich Stege,
Brücken durch den wilden Fluß.
Und zu eines Stroms Gestaden
Kam ich, der nach Morgen floß;
Froh vertrauend seinem Faden,
Warf ich mich in seinen Schoß.
Hin zu einem großen Meere
Trieb mich seiner Wellen Speil;
Vor mir liegt's in weiter Leere,
Näher bin ich nicht dem Ziel.
Ach, kein Steg will dahin führen,
Ach, der Himmel über mir
Will die Erde nicht berühen,
Und das Dort ist niemals hier!
D 795 "Die
schöne Müllerin"
Texts by Wilhelm Müller (1794-1827)
Music by Franz Schubert, D. 795, op. 25 (1823)
1 Das Wandern
2 Wohin?
3 Halt!
4 Danksagung an den Bach
5 Am Feierabend
6 Der Neugierige
7 Ungeduld
8 Morgengruß
9 Des Müllers Blumen
10 Tränenregen
11 Mein!
12 Pause
13 Mit dem grünen Lautenbande
14 Der Jäger
15 Eifersucht und Stolz
16 Die liebe Farbe
17 Die böse Farbe
18 Trockne Blumen
19 Der Müller und der Bach
20 Des Baches Wiegenlied
1 Das Wandern
Das Wandern ist des Müllers Lust,
Das Wandern!
Das muß ein schlechter Müller sein,
Dem niemals fiel das Wandern ein,
Das Wandern.
Vom Wasser haben wir's gelernt,
Vom Wasser!
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
Ist stets auf Wanderschaft bedacht,
Das Wasser.
Das sehn wir auch den Rädern ab,
Den Rädern!
Die gar nicht gerne stille stehn,
Die sich mein Tag nicht müde drehn,
Die Räder.
Die Steine selbst, so schwer sie sind,
Die Steine!
Sie tanzen mit den muntern Reihn
Und wollen gar noch schneller sein,
Die Steine.
O Wandern, Wandern, meine Lust,
O Wandern!
Herr Meister und Frau Meisterin,
Laßt mich in Frieden weiterziehn
Und wandern.
2 Wohin?
Ich hört' ein Bächlein rauschen
Wohl aus dem Felsenquell,
Hinab zum Tale rauschen
So frisch und wunderhell.
Ich weiß nicht, wie mir wurde,
Nicht, wer den Rat mir gab,
Ich mußte auch hinunter
Mit meinem Wanderstab.
Hinunter und immer weiter
Und immer dem Bache nach,
Und immer frischer rauschte
Und immer heller der Bach.
Ist das denn meine Straße?
O Bächlein, sprich, wohin?
Du hast mit deinem Rauschen
Mir ganz berauscht den Sinn.
Was sag ich denn vom Rauschen?
Das kann kein Rauschen sein:
Es singen wohl die Nixen
Tief unten ihren Reihn.
Laß singen, Gesell, laß rauschen
Und wandre fröhlich nach!
Es gehn ja Mühlenräder
In jedem klaren Bach.
3 Halt!
Eine Mühle seh ich blinken
Aus den Erlen heraus,
Durch Rauschen und Singen
Bricht Rädergebraus.
Ei willkommen, ei willkommen,
Süßer Mühlengesang!
Und das Haus, wie so traulich!
Und die Fenster, wie blank!
Und die Sonne, wie helle
Vom Himmel sie scheint!
Ei, Bächlein, liebes Bächlein,
War es also gemeint?
4 Danksagung an
den Bach
(Text also set by other composers)
War es also gemeint,
Mein rauschender Freund?
Dein Singen, dein Klingen,
War es also gemeint?
Zur Müllerin hin!
So lautet der Sinn.
Gelt, hab' ich's verstanden?
Zur Müllerin hin!
Hat sie dich geschickt?
Oder hast mich berückt?
Das möcht ich noch wissen,
Ob sie dich geschickt.
Nun wie's auch mag sein,
Ich gebe mich drein:
Was ich such, hab ich funden,
Wie's immer mag sein.
Nach Arbeit ich frug,
Nun hab ich genug
Für die Hände, fürs Herze
Vollauf genug!
5 Am
Feierabend
Hätt ich tausend
Arme zu rühren!
Könnt ich brausend
Die Räder führen!
Könnt ich wehen
Durch alle Haine!
Könnt ich drehen
Alle Steine!
Daß die schöne Müllerin
Merkte meinen treuen Sinn!
Ach, wie ist mein Arm so schwach!
Was ich hebe, was ich trage,
Was ich schneide, was ich schlage,
Jeder Knappe tut mir's nach.
Und da sitz ich in der großen Runde,
In der stillen kühlen Feierstunde,
Und der Meister spricht zu allen:
Euer Werk hat mir gefallen;
Und das liebe Mädchen sagt
Allen eine gute Nacht.
6 Der Neugierige
(Text also set by other composers.)
Ich frage keine Blume,
Ich frage keinen Stern,
Sie können mir alle nicht sagen,
Was ich erführ so gern.
Ich bin ja auch kein Gärtner,
Die Sterne stehn zu hoch;
Mein Bächlein will ich fragen,
Ob mich mein Herz belog.
O Bächlein meiner Liebe,
Wie bist du heut so stumm?
Will ja nur eines wissen,
Ein Wörtchen um und um.
Ja heißt das eine Wörtchen,
Das andre heißet Nein,
Die beiden Wörtchen
Schließen die ganze Welt mir ein.
O Bächlein meiner Liebe,
Was bist du wunderlich!
Will's ja nicht weitersagen,
Sag, Bächlein, liebt sie mich?
7 Ungeduld
(Text also set by other composers.)
Ich schnitt es gern in alle Rinden ein,
Ich grüb es gern in jeden Kieselstein,
Ich möcht es sä'n auf jedes frische Beet
Mit Kressensamen, der es schnell verrät,
Auf jeden weißen Zettel möcht ich's schreiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
Ich möcht mir ziehen einen jungen Star,
Bis daß er spräch die Worte rein und klar,
Bis er sie spräch mit meines Mundes Klang,
Mit meines Herzens vollem, heißem Drang;
Dann säng er hell durch ihre Fensterscheiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
Den Morgenwinden möcht ich's hauchen ein,
Ich möcht es säuseln durch den regen Hain;
Oh, leuchtet' es aus jedem Blumenstern!
Trüg es der Duft zu ihr von nah und fern!
Ihr Wogen, könnt ihr nichts als Räder treiben?
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
Ich meint, es müßt in meinen Augen stehn,
Auf meinen Wangen müßt man's brennen sehn,
Zu lesen wär's auf meinem stummen Mund,
Ein jeder Atemzug gäb's laut ihr kund,
Und sie merkt nichts von all dem bangen Treiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
8 Morgengruß
Guten Morgen, schöne Müllerin!
Wo steckst du gleich das Köpfchen hin,
Als wär dir was geschehen?
Verdrießt dich denn mein Gruß so schwer?
Verstört dich denn mein Blick so sehr?
So muß ich wieder gehen.
O laß mich nur von ferne stehn,
Nach deinem lieben Fenster sehn,
Von ferne, ganz von ferne!
Du blondes Köpfchen, komm hervor!
Hervor aus eurem runden Tor,
Ihr blauen Morgensterne!
Ihr schlummertrunknen Äugelein,
Ihr taubetrübten Blümelein,
Was scheuet ihr die Sonne?
Hat es die Nacht so gut gemeint,
Daß ihr euch schließt und bückt und weint
Nach ihrer stillen Wonne?
Nun schüttelt ab der Träume Flor
Und hebt euch frisch und frei empor
In Gottes hellen Morgen!
Die Lerche wirbelt in der Luft,
Und aus dem tiefen Herzen ruft
Die Liebe Leid und Sorgen.
9 Des Müllers
Blumen
(Text also set by other composers)
Am Bach viel kleine Blumen stehn,
Aus hellen blauen Augen sehn;
Der Bach, der ist des Müllers Freund,
Und hellblau Liebchens Auge scheint,
Drum sind es meine Blumen.
Dicht unter ihrem Fensterlein,
Da will ich pflanzen die Blumen ein,
Da ruft ihr zu, wenn alles schweigt,
Wenn sich ihr Haupt zum Schlummer neigt,
Ihr wißt ja, was ich meine.
Und wenn sie tät die Äuglein zu
Und schläft in süßer, süßer Ruh,
Dann lispelt als ein Traumgesicht
Ihr zu: Vergiß, vergiß mein nicht!
Das ist es, was ich meine.
Und schließt sie früh die Laden auf,
Dann schaut mit Liebesblick hinauf:
Der Tau in euren Äugelein,
Das sollen meine Tränen sein,
Die will ich auf euch weinen.
10
Tränenregen
Wir saßen so traulich beisammen
Im kühlen Erlendach,
Wir schauten so traulich zusammen
Hinab in den rieselnden Bach.
Der Mond war auch gekommen,
Die Sternlein hinterdrein,
Und schauten so traulich zusammen
In den silbernen Spiegel hinein.
Ich sah nach keinem Monde,
Nach keinem Sternenschein,
Ich schaute nach ihrem Bilde,
Nach ihren Augen allein.
Und sahe sie nicken und blicken
Herauf aus dem seligen Bach,
Die Blümlein am Ufer, die blauen,
Sie nickten und blickten ihr nach.
Und in den Bach versunken
Der ganze Himmel schien
Und wollte mich mit hinunter
In seine Tiefe ziehn.
Und über den Wolken und Sternen,
Da rieselte munter der Bach
Und rief mit Singen und Klingen:
Geselle, Geselle, mir nach!
Da gingen die Augen mir über,
Da ward es im Spiegel so kraus;
Sie sprach: Es kommt ein Regen,
Ade, ich geh nach Haus.
11 Mein!
(Text also set by other composers.)
Bächlein, laß dein Rauschen sein!
Räder, stellt euer Brausen ein!
All ihr muntern Waldvögelein,
Groß und klein,
Endet eure Melodein!
Durch den Hain
Aus und ein
Schalle heut ein Reim allein:
Die geliebte Müllerin ist mein!
Mein!
Frühling, sind das alle deine Blümelein?
Sonne, hast du keinen hellern Schein?
Ach, so muß ich ganz allein
Mit dem seligen Worte mein
Unverstanden in der weiten Schöpfung sein!
12 Pause
Meine Laute hab ich gehängt an die Wand,
Hab sie umschlungen mit einem grünen Band -
Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll,
Weiß nicht, wie ich's in Reime zwingen soll.
Meiner Sehnsucht allerheißesten Schmerz
Durft ich aushauchen in Liederscherz,
Und wie ich klagte so süß und fein,
Glaubt ich doch, mein Leiden wär nicht klein.
Ei, wie groß ist wohl meines Glückes Last,
Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt?
Nun, liebe Laute, ruh an dem Nagel hier!
Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir,
Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich,
Da wird mir so bange, und es durchschauert mich.
Warum ließ ich das Band auch hängen so lang?
Oft fliegt's um die Saiten mit seufzendem Klang.
Ist es der Nachklang meiner Liebespein?
Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?
13 Mit dem
grünen Lautenbande
"Schad um das schöne grüne Band,
Daß es verbleicht hier an der Wand,
Ich hab das Grün so gern!"
So sprachst du, Liebchen, heut zu mir;
Gleich knüpf ich's ab und send es dir:
Nun hab das Grüne gern!
Ist auch dein ganzer Liebster weiß,
Soll Grün doch haben seinen Preis,
Und ich auch hab es gern.
Weil unsre Lieb ist immergrün,
Weil grün der Hoffnung Fernen blühn,
Drum haben wir es gern.
Nun schlinge in die Locken dein
Das grüne Band gefällig ein,
Du hast ja's Grün so gern.
Dann weiß ich, wo die Hoffnung wohnt,
Dann weiß ich, wo die Liebe thront,
Dann hab ich's Grün erst gern.
14 Der Jäger
Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?
Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier!
Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich,
Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich,
Und willst du das zärtliche Rehlein sehn,
So laß deine Büchsen im Walde stehn,
Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus,
Und laß auf dem Horne den Saus und Braus,
Und schere vom Kinne das struppige Haar,
Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr.
Doch besser, du bliebest im Walde dazu
Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh.
Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig?
Was will den das Eichhorn im bläulichen Teich?
Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain,
Und laß mich mit meinen drei Rädern allein;
Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt,
So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt:
Die Eber, die kommen zur Nacht aus dem Hain
Und brechen in ihren Kohlgarten ein
Und treten und wühlen herum in dem Feld:
Die Eber, die schieß, du Jägerheld!
15 Eifersucht und
Stolz
Wohin so schnell, so kraus und wild, mein lieber Bach?
Eilst du voll Zorn dem frechen Bruder Jäger nach?
Kehr um, kehr um, und schilt erst deine Müllerin
Für ihren leichten, losen, kleinen Flattersinn.
Sahst du sie gestern abend nicht am Tore stehn,
Mit langem Halse nach der großen Straße sehn?
Wenn vom den Fang der Jäger lustig zieht nach Haus,
Da steckt kein sittsam Kind den Kopf zum Fenster 'naus.
Geh, Bächlein, hin und sag ihr das; doch sag ihr nicht,
Hörst du, kein Wort von meinem traurigen Gesicht.
Sag ihr: Er schnitzt bei mir sich eine Pfeif' aus Rohr
Und bläst den Kindern schöne Tänz' und Lieder vor.
16 Die liebe
Farbe
(Text also set by other composers.)
In Grün will ich mich kleiden,
In grüne Tränenweiden:
Mein Schatz hat's Grün so gern.
Will suchen einen Zypressenhain,
Eine Heide von grünen Rosmarein:
Mein Schatz hat's Grün so gern.
Wohlauf zum fröhlichen Jagen!
Wohlauf durch Heid' und Hagen!
Mein Schatz hat's Jagen so gern.
Das Wild, das ich jage, das ist der Tod;
Die Heide, die heiß ich die Liebesnot:
Mein Schatz hat's Jagen so gern.
Grabt mir ein Grab im Wasen,
Deckt mich mit grünem Rasen:
Mein Schatz hat's Grün so gern.
Kein Kreuzlein schwarz, kein Blümlein bunt,
Grün, alles grün so rings und rund!
Mein Schatz hat's Grün so gern.
17 Die böse
Farbe
Ich möchte ziehn in die Welt hinaus,
Hinaus in die weite Welt;
Wenn's nur so grün, so grün nicht wär,
Da draußen in Wald und Feld!
Ich möchte die grünen Blätter all
Pflücken von jedem Zweig,
Ich möchte die grünen Gräser all
Weinen ganz totenbleich.
Ach Grün, du böse Farbe du,
Was siehst mich immer an
So stolz, so keck, so schadenfroh,
Mich armen weißen Mann?
Ich möchte liegen vor ihrer Tür
In Sturm und Regen und Schnee.
Und singen ganz leise bei Tag und Nacht
Das eine Wörtchen: Ade!
Horch, wenn im Wald ein Jagdhorn schallt,
Da klingt ihr Fensterlein!
Und schaut sie auch nach mir nicht aus,
Darf ich doch schauen hinein.
O binde von der Stirn dir ab
Das grüne, grüne Band;
Ade, ade! Und reiche mir
Zum Abschied deine Hand!
18 Trockne Blumen
Ihr Blümlein alle,
Die sie mir gab,
Euch soll man legen
Mit mir ins Grab.
Wie seht ihr alle
Mich an so weh,
Als ob ihr wüßtet,
Wie mir gescheh?
Ihr Blümlein alle,
Wie welk, wie blaß?
Ihr Blümlein alle,
Wovon so naß?
Ach, Tränen machen
Nicht maiengrün,
Machen tote Liebe
Nicht wieder blühn.
Und Lenz wird kommen,
Und Winter wird gehn,
Und Blümlein werden
Im Grase stehn.
Und Blümlein liegen
In meinem Grab,
Die Blümlein alle,
Die sie mir gab.
Und wenn sie wandelt
Am Hügel vorbei
Und denkt im Herzen:
Der meint' es treu!
Dann, Blümlein alle,
Heraus, heraus!
Der Mai ist kommen,
Der Winter ist aus.
19 Der
Müller und der Bach
Der Müller:
Wo ein treues Herze
In Liebe vergeht,
Da welken die Lilien
Auf jedem Beet;
Da muß in die Wolken
Der Vollmond gehn,
Damit seine Tränen
Die Menschen nicht sehn;
Da halten die Englein
Die Augen sich zu
Und schluchzen und singen
Die Seele zur Ruh.
Der Bach:
Und wenn sich die Liebe
Dem Schmerz entringt,
Ein Sternlein, ein neues,
Am Himmel erblinkt;
Da springen drei Rosen,
Halb rot und halb weiß,
Die welken nicht wieder,
Aus Dornenreis.
Und die Engelein schneiden
Die Flügel sich ab
Und gehn alle Morgen
Zur Erde herab.
Der Müller:
Ach Bächlein, liebes Bächlein,
Du meinst es so gut:
Ach Bächlein, aber weißt du,
Wie Liebe tut?
Ach unten, da unten
Die kühle Ruh!
Ach Bächlein, liebes Bächlein,
So singe nur zu.
20 Des
Baches Wiegenlied
Gute Ruh, gute Ruh!
Tu die Augen zu!
Wandrer, du müder, du bist zu Haus.
Die Treu' ist hier,
Sollst liegen bei mir,
Bis das Meer will trinken die Bächlein aus.
Will betten dich kühl
Auf weichem Pfühl
In dem blauen kristallenen Kämmerlein.
Heran, heran,
Was wiegen kann,
Woget und wieget den Knaben mir ein!
Wenn ein Jagdhorn schallt
Aus dem grünen Wald,
Will ich sausen und brausen wohl um dich her.
Blickt nicht herein,
Blaue Blümelein!
Ihr macht meinem Schläfer die Träume so schwer.
Hinweg, hinweg
Von dem Mühlensteg,
Böses Mägdelein, daß ihn dein Schatten nicht weckt!
Wirf mir herein
Dein Tüchlein fein,
Daß ich die Augen ihm halte bedeckt!
Gute Nacht, gute Nacht!
Bis alles wacht,
Schlaf aus deine Freude, schlaf aus dein Leid!
Der Vollmond steigt,
Der Nebel weicht,
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!
D 797
no.3b "Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn"
Text by Wilhelmine von Chézy (1783-1856)
Music by Franz Schubert, D. 797 no. 3b (autumn 1823),
first published 1824, op. 26
See also:
Charles Edward Ives (1874-1954), "Ballad from
Rosamunde" (1895?)
Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhn -
Wie hab ich dich vermißt!
Du süßes Herz! es ist so schön,
Wenn treu die Treue küßt.
Was frommt des Maien holde Zier?
Du warst mein Frühlingsstrahl!
Licht meiner Nacht, O lächle mir
Im Tode noch einmal!
Sie trat hinein beim Vollmondschein,
Sie blickte himmelwärts;
"Im Leben fern, im Tode dein!"
Und sanft brach Herz an Herz.
D 799 "Im
Abendrot"
Text by Karl Gottlieb Lappe (1773-1843)
Music by Franz Schubert, D. 799 (1824 or 1825)
O wie schön ist deine Welt,
Vater, wenn sie golden strahlet!
Wenn dein Glanz herniederfällt
Und den Staub mit Schimmer malet,
Wenn das Rot, das in der Wolke blinkt,
In mein stilles Fenster sinkt!
Könnt ich klagen, könnt ich zagen?
Irre sein an dir und mir?
Nein, ich will im Busen tragen
Deinen Himmel schon allhier.
Und dies Herz, eh' es zusammenbricht,
Trinkt noch Glut und schlürft noch Licht.
D 800 b "Der
Einsame"
Text by Karl Gottlieb Lappe (1773-1843)
Music by Franz Schubert, D. 800b, op. 41 (1824?)
Wann meine Grillen schwirren,
Bei Nacht, am spät erwärmten Herd,
Dann sitz ich mit vergnügtem Sinn
Vertraulich zu der Flamme hin,
So leicht, so unbeschwert.
Ein trautes, stilles Stündchen
Bleibt man noch gern am Feuer wach,
Man schürt, wann sich die Lohe senkt,
Die Funken auf und sinnt und denkt:
Nun abermal ein Tag!
Was Liebes oder Leides
Sein Lauf für uns dahergebracht,
Es geht noch einmal durch den Sinn;
Allein das Böse wirft man hin,
Es störe nicht die Nacht.
Zu einem frohen Traume
Bereitet man gemacht sich zu,
Wann sorgenlos ein holdes Bild
Mit sanfter Lust die Seele füllt,
Ergibt man sich der Ruh.
O wie ich mir gefalle
In meiner stillen Ländlichkeit!
Was in dem Schwarm der lauten Welt
Das irre Herz gefesselt hält,
Gibt nicht Zufriedenheit.
Zirpt immer, liebe Heimchen
In meiner Klause eng und klein.
Ich duld' euch gern: ihr stört mich nicht
Wann euer Lied das Schweigen bricht
Bin ich nicht ganz allein.
D 801
"Dithyrambe"
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Franz Schubert, D. 801 (1826), first published
in June 1826 as op. 60 no 2
See also:
Johann Friedrich Reichardt
(1752-1814), published 1809?
Nimmer, das glaubt mir, erscheinen die Götter,
Nimmer allein,
Kaum daß ich Bacchus, den lustigen, habe,
Kommt auch schon Amor, der lächelnde Knabe,
Phöbus der Herrliche findet sich ein,
Sie nahen, sie kommen, die Himmlischen alle,
Mit Göttern erfüllt sich die irdische Halle.
Sagt, wie bewirt ich, der Erdegeborne,
Himmlischen Chor?
Schenket mir euer unsterbliches Leben,
Götter! Was kann euch der Sterbliche geben?
Hebet zu eurem Olymp mich empor!
Die Freude, sie wohnt nur in Jupiters Saale,
O füllet mit Nektar, o reich mir die Schale!
Reich ihm die Schale! O schenke dem Dichter,
Hebe, nur ein; schenke nur ein!
Netz ihm die Augen mit himmlischen Taue,
Daß er den Styx, den verhaßten, nicht schaue,
Einer der Unsern sich dünke zu sein,
Sie rauschet, sie perlet, die himmlische Quelle,
Der Busen wird ruhig, das Auge wird helle.
D 805 "Der
Sieg"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 805 (1824)
O unbewölktes Leben!
So rein und tief und klar.
Uralte Träume schweben
Auf Blumen wunderbar.
Der Geist zerbrach die Schranken,
Des Körpers träges Blei;
Er waltet groß und frei.
Es laben die Gedanken
An Edens Früchten sich;
Der alte Fluch entwich.
Was ich auch je gelitten,
Die Palme ist erstritten,
Gestillet mein Verlangen.
Die Musen selber sangen
Die Sphinx in Todesschlaf,
Und meine Hand, sie traf.
O unbewölktes Leben!
So rein und tief und klar.
Uralte Träume schweben
Auf Blumen wunderbar.
D 806 "Abendstern"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 806 (1824), published 1833
Was weilst du einsam an dem Himmel,
O schöner Stern? und bist so mild;
Warum entfernt das funkelnde Gewimmel
Der Brüder sich von deinem Bild?
"Ich bin der Liebe treuer Stern,
Sie halten sich von Liebe fern."
So solltest du zu ihnen gehen,
Bist du der Liebe, zaud're nicht!
Wer möchte denn dir widerstehen?
Du süßes eigensinnig Licht.
"Ich säe, schaue keinen Keim,
Und bleibe trauernd still daheim."
D 807 "Auflösung"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, D. 807 (1824), published 1842
Verbirg dich, Sonne,
Denn die Gluten der Wonne
Versengen mein Gebein;
Verstummet, Töne,
Frühlings Schöne
Flüchte dich und laß mich allein!
Quillen doch aus allen Falten
Meiner Seele liebliche Gewalten,
Die mich umschlingen,
Himmlisch singen.
Geh unter, Welt, und störe
Nimmer die süßen, ätherischen Chöre.
D 808 "Der
Gondelfahrer"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, "Gondelfahrer", D.
808 (1824), published 1872; "Der Gondelfahrer", D. 809
Es tanzen Mond und Sterne
Den flücht'gen Geisterreih'n:
Wer wird von Erdensorgen
Befangen immer sein!
Du kannst in Mondesstrahlen
Nun, meine Barke, wallen;
Und aller Schranken los,
Wiegt dich des Meeres Schoß.
Vom Markusturme tönte
Der Spruch der Mitternacht:
Sie schlummern friedlich alle.
Und nur der Schiffer wacht.
D 809 "Der
Gondelfahrer"
Text by Johann Mayrhofer (1787-1836)
Music by Franz Schubert, "Gondelfahrer", D.
808 (1824), published 1872; "Der Gondelfahrer", D. 809
Es tanzen Mond und Sterne
Den flücht'gen Geisterreih'n:
Wer wird von Erdensorgen
Befangen immer sein!
Du kannst in Mondesstrahlen
Nun, meine Barke, wallen;
Und aller Schranken los,
Wiegt dich des Meeres Schoß.
Vom Markusturme tönte
Der Spruch der Mitternacht:
Sie schlummern friedlich alle.
Und nur der Schiffer wacht.
D 815 "Gebet"
Text by Friedrich Heinrich Karl, Baron de la Motte Fouqué (1777-1843)
Music by Franz Schubert, D. 815 (1824)
Du Urquell aller Güte,
Du Urquell aller Macht,
Lindhauchend aus der Blüte,
Hochdonnernd aus der Schlacht.
Allwärts ist dir bereitet
Ein Tempel und ein Fest,
Allwärts von dir geleitet,
Wer gern sich leiten läßt.
Du siehst in dies mein Herze,
Kennst seine Lust und Not,
Mild winkt der Heimat Kerze,
Kühn ruft glorwürd'ger Tod.
Mit mir in eins zusammen
schlingt hier sich Kindes Huld,
Und draußen leuchten Flammen
Abbrennend Schmach und Schuld.
Bereit bin ich zu sterben
Im Kampf der Ahnen wert,
Nur sicher' vor Verderben
Mir Weib und Kind am Herd.
Dein ist in mir die Liebe,
Die diesen beiden quillt,
Dein auch sind mut'ge Triebe
davon die Brust mir schwillt.
Kann es sich mild gestalten,
So laß es Herr gescheh'n,
Den Frieden fürder walten
Und Sitt' und Ruh' besteh'n.
Wo nicht, so gib zum Werke
Uns Licht in Sturmesnacht,
Du ew'ge Lieb' und Stärke.
Dein Wollen sei vollbrahct.
Wohin du mich willst haben,
Mein Herr! ich steh' bereit.
Zu frommen Liebesgaben
Wie auch zum wackern Streit.
Dein Bot' in Schlacht und Reise,
Dein Bot' im stillen Haus,
Ruh' ich auf alle Weise
Doch einst im Himmel aus.
D 822 "Lied
eines Kriegers"
Text by Anonymous
Music by Franz Schubert, D. 822, 1824
Des stolzen Männerlebens schönste Zeichen
Sind Flamme, Donner und die Kraft der Eichen
Doch nichts mehr vom Eisenspiel
Und nichts vom Spiel der Waffen
Der ew'ge Friede ward uns zugewendet
Dem Schlafe ward die Kraft der Faust verpfändet
Zwar jüngst noch haben wir das Schwert geschwungen
Und kühn auf Leben oder Tod gerungen
Jetzt aber sind die Tage
Hohen Kampfs verklungen
Und was uns blieb aus jenen Tagen
Es ist vorbei bald sind's, ach, nur noch Sagen.
D 825 "Wehmuth"
Text by Heinrich Hüttenbrenner (1799-1830)
Music by Franz Schubert, D. 825
Die Abendglocke tönet,
Vom Himmel sinkt die Ruh;
Das Auge grambetränet
Nur schliesset sich nicht zu.
Daß meine Jugend fliehet
Allein und ungeliebt,
Daß jeder Kranz verblühet,
Das ist, was mich betrübt.
Und als ich sie gefunden,
War Herz und Welt nur Lust,
Und seit sie mir entschwunden,
Ist Atmen ein Verlust.
Der Strom als Felsen quillend,
Die Berge lieben nicht;
Nur's arme Herz, das fühlend,
So leicht von Kummer bricht.
O töne, sanft Geläute,
In's stille Tal hinaus,
Der Morgen deckt das Heute,
Den Gram das Grabeshaus.
D 826 "Der
Tanz"
Text by Kolumban Schnitzer von Meerau
Music by Franz Schubert, D. 826, 1828
Es redet und träumet die Jugend so viel,
Von Tanzen, Galoppen, Gelagen,
Auf einmal erreicht sie ein trügliches Ziel,
Da hört man sie seufzen und klagen.
Bald schmerzet der Hals, und bald schmerzet die Brust,
Verschwunden ist alle die himmlische Lust,
"Nur diesmal noch kehr' mir Gesundheit zurück!"
So flehet vom Himmel der hoffende Blick!
D 827 "Nacht
und Träume"
Text by Matthäus von Collin (1779-1824)
Music by Franz Schubert, D. 827. Composed 1822(?),
first published in 1825 as op. 43 no 2
Heil'ge Nacht, du sinkest nieder;
Nieder wallen auch die Träume
Wie dein Mondlicht durch die Räume,
Durch der Menschen stille Brust.
Die belauschen sie mit Lust;
Rufen, wenn der Tag erwacht:
Kehre wieder, heil'ge Nacht!
Holde Träume, kehret wieder!
D 828 "Die
junge Nonne"
Text by Jakob Nikolaus de Jachelutta Craigher (1797-1855)
Music by Franz Schubert, D. 828 (1825), published 1825 as op. 43 no 1
Wie braust durch die Wipfel der heulende Sturm!
Es klirren die Balken, es zittert das Haus!
Es rollet der Donner, es leuchtet der Blitz,
Und finster die Nacht, wie das Grab!
Immerhin, immerhin, so tobt' es auch jüngst noch in mir!
Es brauste das Leben, wie jetzo der Sturm,
Es bebten die Glieder, wie jetzo das Haus,
Es flammte die Liebe, wie jetzo der Blitz,
Und finster die Brust, wie das Grab.
Nun tobe, du wilder gewalt'ger Sturm,
Im Herzen ist Friede, im Herzen ist Ruh,
Des Bräutigams harret die liebende Braut,
Gereinigt in prüfender Glut,
Der ewigen Liebe getraut.
Ich harre, mein Heiland! mit sehnendem Blick!
Komm, himmlischer Bräutigam, hole die Braut,
Erlöse die Seele von irdischer Haft.
Horch, friedlich ertönet das Glöcklein vom Turm!
Es lockt mich das süße Getön
Allmächtig zu ewigen Höhn.
Alleluja!
D 829 "Abschied
von der Erde"
Text by Adolf von Pratobevera (1806-?) from "Der Falk"
Music by Franz Schubert, D. 829 (1825-6)
Leb' wohl, du schöne Erde!
Kann dich erst jetzt versteh'n,
Wo Freude und wo Kummer
An uns vorüberweh'n.
Leb' wohl, du Meister Kummer!
Dank dir mit nassem Blick!
Mit mir nehm' ich die Freude,
Dich laß' ich hier zurück.
Sei nur ein milder Lehrer,
Führ' alles hin zu Gott,
Zeig' in den trübsten Nächten
Ein Streiflein Morgenrot!
Lasse sie die Liebe ahnen,
So danken sie dir noch,
Der früher und der später,
Sie danken weinend doch.
Dann glänzt das Leben heiter,
Mild lächelt jeder Schmerz,
Die Freude hält umfangen
Das ruhige, klare Herz.
D 830 "Lied
Der Anne Lyle"
Text by Sophie May after Andrew MacDonald (1757-1790) from "Love and Loyalty",
quoted by Sir Walter Scott (1771-1832) in "The Legend of Montrose"
Music by Franz Schubert, D. 830 (early 1825?) first
published in 1828 as Op. 85
Wärst du bei mir im Lebenstal,
Gern wollt' ich alles mit der teilen;
Mit dir zu flieh'n wär' leichte Wahl,
Bei mildern Wind, bei Sturmes Heulen.
Doch trennt uns harte Schicksalsmacht
Uns ist nicht gleiches Loos geschrieben
Mein Glück ist, wenn dir Freude lacht
Ich wein' und bete für den Lieben.
Es wird mein töricht' Herz vergeh'n
Wenn's alle Hoffnung sieht verschwinden
Doch soll's nie seinen Gram gesteh'n,
Nie mürrisch klagend ihn verkünden.
Und drückt des Lebens Last das Herz,
Soll nie den matten Blick sie trüben,
So lange mein geheimer Schmerz
Ein Kummer wäre für den Lieben.
D 831 "Gesang
der Norna"
Text by Samuel Heinrich Spiker after Sir Walter Scott (1771-1832)
Music by Franz Schubert, D. 831 (early 1825?) first published in 1828 as Op. 85
Mich führt mein Weg wohl meilenlang
Durch Gold und Strom und Wassergrab.
Die Welle kennt den Runensang
Und glättet sich zum Spiegel ab.
Die Welle kennt den Runensang,
Der Golf wird glatt, der Strom wird still;
Doch Menschenherz, im wilden Drang,
Es weiß nicht, was es selber will.
Nur eine Stund' ist mir vergönnt,
In Jahresfrist, zum Klageton,
Sie schlägt, wenn diese Lampe brennt -
Ihr Schein verlischt - sie ist entflohn.
Heil, Magnus Töchter, fort und fort!
Die Lampe brennt in tiefer Ruh';
Euch gönn' ich dieser Stunde Wort,
Erwacht, erhebt Euch, hört mir zu!
D 832 "Des
Sängers Habe"
Text by Franz Xaver Freiherr von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 832 (1825)
Schlagt mein ganzes Glück in Splitter,
Nehmt mir alle Habe gleich,
Laßet mir nur meine Zither,
Und ich bleibe froh und reich.
Wenn des Grames Wolken ziehen,
Haucht sie Trost in meine Brust,
Und aus ihrem Golde blühen
Alle Blumen meiner Lust.
Will die Liebe nicht gewähren,
Freundschaft brechen ihre Pflicht,
Kann ich beide stolz entbehren,
Aber meine Zither nicht.
Reißet meines Lebens Sehne,
Wird sie mir ein Kißen sein,
lullen mich die süßen Töne
In den letzten Schlummer ein.
In den Grund des Tannenhaines
Senkt mich leise dann hinab;
Und statt eines Leichensteines
Stellt die Zither auf mein Grab,
Daß ich, wenn zum stillen Reigen,
Aus des Todes dunklem Bann,
Mitternachts die Geister steigen,
Ihre Saiten rühren kann.
D 833 b
"Der Blinde Knabe"
Text by Jakob Nikolaus de Jachelutta Craigher (1797-1855) after Colley Cibber (1671-1757)
Music by Franz Schubert, D. 833b (February or April
1825), first published as op. 101
O sagt, ihr Lieben, mir einmal,
Welch Ding ist's, Licht genannt?
Was sind des Sehens Freuden all',
Die niemals ich gekannt?
Die Sonne, die so hell ihr seht,
Mir Armen scheint sie nie;
Ihr sagt, sie auf- und niedergeht,
Ich weiß nicht, wann noch wie.
Ich mach' mir selbst so Tag und Nacht,
Dieweil ich schlaf' und spiel',
Mein inn'res Leben schön mir lacht,
Ich hab' der Freuden viel.
Zwar kenn' ich nicht, was euch erfreut,
Doch drückt mich keine Schuld,
Drum freu' ich mich in meinem Leid
Und trag' es mit Geduld.
Ich bin so glücklich, bin so reich
Mit dem, was Gott mir gab,
Bin wie ein König froh, obgleich
Ein armer, blinder Knab'.
D 834 "Im
Walde"
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 834 (March 1825), first
published in 1828 as op. 93 no. 1
Ich wand're über Berg und Tal
Und über grüne Heiden,
Und mit mir wandert meine Qual,
Will nimmer von mir scheiden.
Und schifft' ich auch durch's weite Meer,
Sie käm' auch dort wohl hinterher.
Wohl blüh'n viel Blumen auf der Flur,
Die hab' ich nicht gesehen,
Denn eine Blume seh' ich nur
Auf allen Wegen stehen.
Nach ihr hab' ich mich oft gebückt
Und doch sie nimmer abgepflückt.
[Die Bienen summen durch das Gras
Und hängen an den Blüten;
Das macht mein Auge trüb' und naß,
Ich kann mir's nicht verbieten,
Ihr süßen Lippen, rot und weich,
Wohl hing ich nimmer so an euch!]
Gar lieblich singen nah und fern
Die Vögel auf den Zweigen;
Wohl säng' ich mit den Vögeln gern,
Doch muß ich traurig schweigen.
Denn Liebeslust und Liebespein,
Die bleiben jedes gern allein.
Am Himmel seh' ich flügelschnell
Die Wolken weiterziehen,
Die Welle rieselt leicht und hell,
Muß immer nah'n und fliehen.
Doch haschen, wenn's vom Winde ruht,
Sich Wolk' und Wolke, Flut und Flut.
Ich wand're hin, ich wand're her,
Bei Sturm und heiter'n Tagen,
Und doch erschau' ich's nimmermehr
Und kann es nicht erjagen.
O Liebessehnen, Liebesqual,
Wann ruht der Wanderer einmal?
D 837 "Ellens
Gesang I"
Text by Adam Storck (Philipp Adam) (1780-1822), after Sir Walter Scott (1771-1832)
Music by Franz Schubert, D. 837 (Spring 1825), first
published in 1826 as Op 52 no 1
Raste Krieger! Krieg ist aus,
Schlaf den Schlaf, nichts wird dich wecken,
Träume nicht von wildem Strauß
Nicht von Tag und Nacht voll Schrecken.
In der Insel Zauberhallen
Wird ein weicher Schlafgesang
Um das müde Haupt dir wallen
Zu der Zauberharfe Klang.
Feen mit unsichtbaren Händen
Werden auf dein Lager hin
Holde Schlummerblumen senden,
Die im Zauberlande blühn.
Raste Krieger, Krieg ist aus,
Schlaf den Schlaf, nichts wird dich wecken,
Träume nicht von wildem Strauß
Nicht von Tag und Nacht voll Schrecken.
Nicht der Trommel wildes Rasen,
Nicht des Kriegs Gebietend Wort,
Nicht der Todeshörner Blasen
Scheuchen deinen Schlummer fort.
Nicht das Stampfen wilder Pferde,
Nicht der Schreckensruf der Wacht,
Nicht das Bild von Tagsbeschwerde
Stören deine stille Nacht.
Doch der Lerche Morgensänge
Wecken sanft dein schlummernd Ohr,
Und des Sumpfgefieders Klänge
Steigend aus Geschilf und Rohr.
Raste Krieger! Krieg ist aus,
Schlaf den Schlaf, nichts wird dich wecken,
Träume nicht von wildem Strauß
Nicht von Tag und Nacht voll Schrecken.
D 838 "Ellens
Gesang II"
Text by Adam Storck (Philipp Adam) (1780-1822), after Sir Walter Scott (1771-1832)
Music by Franz Schubert, D. 838 (Spring 1825), first
published in 1826 as Op 52 no 2
Jäger, ruhe von der Jagd!
Weicher Schlummer soll dich decken,
Träume nicht, wenn Sonn' erwacht,
Daß Jagdhörner dich erwecken.
Schlaf! der Hirsch ruht in der Höhle,
Bei dir sind die Hunde wach,
Schlaf, nicht quäl' es deine Seele,
Daß dein edles Roß erlag.
Jäger, ruhe von der Jagd!
Weicher Schlummer soll dich decken,
Wenn der junge Tag erwacht,
wird kein Jägerhorn dich wecken.
D 839 "Ellens
Gesang III"
Text by Adam Storck (Philipp Adam) (1780-1822), after Sir Walter Scott (1771-1832)
Music by Franz Schubert, D. 839 (Spring 1825), first
published in 1826 as Op 52 no 6
Ave Maria! Jungfrau mild,
Erhöre einer Jungfrau Flehen,
Aus diesem Felsen starr und wild
Soll mein Gebet zu dir hinwehen.
Wir schlafen sicher bis zum Morgen,
Ob Menschen noch so grausam sind.
O Jungfrau, sieh der Jungfrau Sorgen,
O Mutter, hör ein bittend Kind!
Ave Maria!
Ave Maria! Unbefleckt!
Wenn wir auf diesen Fels hinsinken
Zum Schlaf, und uns dein Schutz bedeckt
Wird weich der harte Fels uns dünken.
Du lächelst, Rosendüfte wehen
In dieser dumpfen Felsenkluft,
O Mutter, höre Kindes Flehen,
O Jungfrau, eine Jungfrau ruft!
Ave Maria!
Ave Maria! Reine Magd!
Der Erde und der Luft Dämonen,
Von deines Auges Huld verjagt,
Sie können hier nicht bei uns wohnen,
Wir woll'n uns still dem Schicksal beugen,
Da uns dein heil'ger Trost anweht;
Der Jungfrau wolle hold dich neigen,
Dem Kind, das für den Vater fleht.
Ave Maria!
D 842 "Totengräbers
Heimweh"
Text by Jakob Nikolaus de Jachelutta Craigher (1797-1855)
Music by Franz Schubert, D. 842 (1825)
O Menschheit, o Leben! was soll's? o was soll's?
Grabe aus, scharre zu! Tag und Nacht keine Ruh!
[Das Treiben, das Drängen], wohin? o wohin?
"Ins Grab, ins Grab, tief hinab!"
O Schicksal, o traurige Pflicht
Ich trag's länger nicht!
Wann wirst du mir schlagen, o Stunde der Ruh?
O Tod! komm und drücke die Augen mir zu!
Im Leben, da ist's ach! so schwül, ach! so schwül!
Im Grabe so friedlich, so kühl!
Doch ach! wer legt mich hinein?
Ich stehe allein, so ganz allein!
Von allen verlassen, dem Tod nur verwandt,
Verweil ich am Rande, das Kreuz in der Hand,
Und starre mit sehnendem Blick hinab
Inst tiefe, ins tiefe Grab!
D 843 "Lied
des gefangenen Jägers"
Text by Adam Storck (Philipp Adam) (1780-1822), after Sir Walter Scott
Music by Franz Schubert, D. 843 (1825), Op. 52 no. 7
Mein Roß so müd' in dem Stalle sich steht,
Mein Falk' ist der Kapp und der Stange so leid,
Mein müßiges Windspiel sein Futter verschmäht,
Und mich kränkt des Thurmes Einsamkeit.
Ach, wär ich nur, wo ich zuvor bin gewesen.
Die Hirschjagd wäre so recht mein Wesen!
Den Bluthund los, gespannt den Bogen:
Ja, solchem Leben bin ich gewogen!
Ich hasse der Thurmuhr schläfrigen Klang,
Ich mag nicht seh'n, wie die Zeit verstreicht,
Wenn Zoll um Zoll die Mauer entlang
Der Sonnenstahl so langsam schleicht.
Sonst pflegte die Lerche den Morgen zu bringen,
Die dunkle Dohle zur Ruh' mich zu singen;
In dieses Schlosses Königshallen,
Da kann kein Ort mir je gefallen.
Früh, wenn der Lerche Lied erschallt,
Sonn' ich mich nicht in Ellen's Blick,
Nicht folg' ich dem flüchtigen Hirsch durch den Wald,
Und kehre, wenn Abend taut, zurück.
Nicht schallt mir ihr frohes Willkommen entgegen,
Nicht kann ich das Wild ihr zu Füßen mehr legen,
Nicht mehr wird der Abend uns selig entschweben:
Dahin, dahin ist Lieben und Leben.
D 846 "Normans
Gesang"
Text by Adam Storck (Philipp Adam) (1780-1822), after Sir Walter Scott
Music by Franz Schubert, D. 846 (April 1825), first
published in 1826 as Op 52 no 5
Die Nacht bricht bald herein, dann leg' ich mich zur Ruh'.
Die Heide ist mein Lager, das Farnkraut deckt mich zu.
Mich lullt der Wache Tritt wohl in den Schlaf hinein:
Ach, muß so weit, so weit von dir, Maria, Holde, sein!
Und wird es morgen Abend, und kommt die trübe Zeit,
Dann ist vielleicht mein Lager der blutig rote Plaid,
Mein Abendlied verstummet, du schleichst dann trüb' und bang.
Maria, mich wecken kann nicht dein Totensang.
So mußt' ich von dir scheiden, du holde, süße Braut?
Wie magst du nach mir rufen, wie magst du weinen laut!
Ach, denken darf ich nicht an deinen herben Schmerz,
Ach, denken darf ich nicht an dein getreues Herz.
Nein, zärtlich treues Sehnen darf hegen Normann nicht,
Wenn in den Feind Clan-Alpine wie Sturm und Hagel bricht;
Wie ein gespannter Bogen sein mutig Herz dann sei,
Sein Fuß, Maria, wie der Pfeil so rasch und frei.
Wohl wird die Stunde kommen, wo nicht die Sonne scheint,
Du wankst zu deinem Normann, dein holdes Auge weint.
Doch fall' ich in der Schlacht, hüllt Todesschauer mich,
O glaub' mein letzter Seufzer, Maria, ist für dich,
Doch kehr ich siegreich wieder aus kühner Männerschlacht,
Dann grüßen wir so freudig das Nahn der stillen Nacht,
Das Lager ist bereitet, uns winkt die süße Ruh'.
Der Hänfling singt das Brautlied, Maria, hold zu uns!
D 851 b "Das
Heimweh"
Text by Johann Ladislaus Pyrker (1772-1847)
Music by Franz Schubert, D. 851b (August 1825), first
published in 1827 as op. 79 no. 1
Ach, der Gebirgssohn hängt
Mit kindlicher Lieb' an der Heimat.
Wie den Alpen geraubt hinwelket die Blume,
So welkt er ihr entrissen dahin.
Stets zieht er die trauliche Hütte,
Die ihn gebar, im hellen Grün umduftender Matten;
Sieht das dunkele Föhrengehölz,
Die ragende Felswand über ihm,
Und noch Berg auf Berg in erschütternder Hoheit aufgetürmt.
Und glühend im Rosenschimmer des Abends.
Immer schwebt es ihm vor; ach! die trauliche Hütte,
Im Rosenschimmer des Abends, immer schwebt es ihm vor.
Verdunkelt ist alles um ihn her.
Ängstlich horcht er; ihm deucht,
Er höre das Muhen der Kühe vom nahen Gehölz
Und hoch von den Alpen herunter Glöcklein klingen;
Ihm deucht, er höre das Rufen der Hirten,
Oder ein Lied der Sennerin, die mit umschlagender Stimme
Freudig zum Widerhall aufjauchzt Melodien des Alplands;
Immer tönt es ihm nach.
Ihn fesselt der lachenden Eb'nen Anmut nicht,
Er fliehet der Städte einengenden Mauern einsam
Und schaut aufweinend vom Hügel die heimischen Berge;
Ach, es zieht ihn dahin mit unwiderstehlicher Sehnsucht.
D 852 "Die
Allmacht"
Text by Johann Ladislaus Pyrker (1772-1847)
Music by Franz Schubert, D. 852 (August 1825), first
published in 1827 as op. 79 no. 2
Groß ist Jehova, der Herr! Denn Himmel
Und Erde verkünden seine Macht.
Du hörst sie im brausenden Sturm,
In des Waldstroms lautaufrauschendem Ruf;
Du hörst sie im grünenden Waldes Gesäusel;
Siehst sie in wogender Saaten Gold,
In lieblicher Blumen glühendem Schmelz,
Im Glanz des sternebesäten Himmels!
Furchtbar tönt sie im Donnergeroll
Und flammt in des Blitzes schnell hinzuckendem Flug.
Doch kündet das pochende Herz dir fühlbarer noch
Jehovas Macht, des ewigen Gottes,
Blickst du flehend empor und hoffst auf Huld und Erbarmen.
D 853 "Auf
der Bruck"
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 853 (1825), published in 1828 as op. 93 no. 2
Frisch trabe sonder Ruh und Rast,
Mein gutes Roß, durch Nacht und Regen!
Was scheust du dich vor Busch und Ast
Und strauchelst auf den wilden Wegen?
Dehnt auch der Wald sich tief und dicht,
Doch muß er endlich sich erschliessen;
Und freundlich wird ein fernes Licht
Uns aus dem dunkeln Tale grüßen.
Wohl könnt ich über Berg und Feld
Auf deinem schlanken Rücken fliegen
Und mich am bunten Spiel der Welt,
An holden Bildern mich vergnügen;
Manch Auge lacht mir traulich zu
Und beut mit Frieden, Lieb und Freude,
Und dennoch eil ich ohne Ruh,
Zurück zu meinem Leide.
Denn schon drei Tage war ich fern
Von ihr, die ewig mich gebunden;
Drei Tage waren Sonn und Stern
Und Erd und Himmel mir verschwunden.
Von Lust und Leiden, die mein Herz
Bei ihr bald heilten, bald zerrissen
Fühlt ich drei Tage nur den Schmerz,
Und ach! die Freude mußt ich missen!
Weit sehn wir über Land und See
Zur wärmer Flur den Vogel fliegen;
Wie sollte denn die Liebe je
In ihrem Pfade sich betrügen?
Drum trabe mutig durch die Nacht!
Und schwinden auch die dunkeln Bahnen,
Der Sehnsucht helles Auge wacht,
Und sicher führt mich süßes Ahnen.
D 854 "Fülle
der Liebe"
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 854 (1825)
Ein sehnend Streben
Teilt mir das Herz,
Bis alles Leben
Sich löst in Schmerz.
In Leid erwachte
Der junge Sinn,
Und Liebe brachte
Zum Ziel mich hin.
Ihr, edle Flammen,
Wecktet mich auf,
Es ging mitsammen
Zu Gott der Lauf.
Ein Feuer war es,
Das alles treibt,
Ein starkes, klares,
Das ewig bleibt.
Was wir anstrebten,
War treu gemeint;
Was wir durchlebten,
Bleibt tief vereint.
Da trat ein Scheiden
Mir in die Brust;
Das tiefe Leiden
Der Liebeslust.
Im Seelengrunde
Wohnt mir ein Bild,
Die Todeswunde
Ward nie gestillt.
Viel tausend Tränen
Flossen hinab,
Ein ewig Sehnen
Zu ihr ins Grab.
In Liebewogen
Wallet der Geist,
Bis fortgezogen,
Die Brust zerreißt.
Ein Stern erschien
Mir vom Paradies;
Und dahin flieh'n
Wir vereint gewiß.
Hier noch befeuchtet
Der Blick sich lind,
Wenn mich umleuchtet
Dies Himmelskind.
Ein Zauber waltet
Jetzt über mich,
Und der gestaltet
Dies all' nach sich,
Als ob uns vermähle
Geistegewalt,
Wo Seel' in Seele
Hinüber wallt.
Ob auch zerspalten
Mir ist das Herz,
Selig doch halten
Will ich den Schmerz.
D 855
"Wiedersehn"
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 855 (1825)
Der Frühlingssonne holdes Lächeln
Ist meiner Hoffnung Morgenrot;
Mir flüstert in des Westens Fächeln
Der Freude leises Aufgebot.
Ich komm', und über Tal und Hügel,
O süße Wonnegeberin,
Schwebt, auf des Liedes raschem Flügel,
Der Gruß der Liebe zu dir hin.
Der Gruß der Liebe von dem Treuen,
Der ohne Gegenliebe schwur,
Dir ewig Huldigung zu weihen
Wie der allwaltenden Natur;
Der stets, wie nach dem Angelsterne
Der Schiffer, einsam blickt und lauscht,
Ob nicht zu ihm in Nacht und Ferne
Des Sternes Klang herniederrauscht.
D 856 "Abendlied
für die Entfernte"
Text by Friedrich von Schlegel (1772-1829)
Music by Franz Schubert, D. 856 (September 1825), first
published in 1827 as op. 88 no 1
Hinaus mein Blick! hinaus ins Tal!
Da wohnt noch Lebensfülle;
Da labe dich im Mondenstrahl
Uns an der heil'gen Stille.
Da horch nun ungestört, mein Herz,
Da horch den leisen Klängen,
Die, wie von fern, zu Wonn' und Schmerz
Sich dir entgegen drängen.
Sie drängen sich so wunderbar,
Sie regen all mein Sehnen.
O sag mir Ahnung, bist du wahr?
Bist du ein eitles Wähnen?
Wird einst mein Aug' in heller Lust,
Wie jetzt in Tränen, lächeln?
Wird einst die oft empörte Brust
Mir sel'ge Ruh umfächeln?
Wenn Ahnung und Erinnerung
Vor unserm Blick sich gatten,
Dann mildert sich zur Dämmerung
Der Seele tiefster Schatten.
Ach, dürften wir mit Träumen nicht
Die Wirklichkeit verweben,
Wie arm an Farbe, Glanz und Licht
Wärst du. o Menschenleben!
So hoffet treulich und beharrt
Das Herz bis hin zum Grabe;
Mit Lieb' umfaßt's die Gegenwart,
Und dünkt sich reich an Habe.
Die Habe, die es selbst sich schafft,
Mag ihm kein Schicksal rauben;
Es lebt und webt in Wärm' und Kraft,
Durch Zuversicht und Glauben.
Und wär in Nacht und Nebeldampf
Auch Alles rings erstorben,
Dies Herz hat längst für jeden Kampf
Sich einen Schild erworben.
Mit hohem Trotz im Ungemach
Trägt es, was ihm beschieden.
So schlummr' ich ein, so werd' ich wach,
In Lust nicht, doch in Frieden.
D 857
no.1 "Lachrimas"
Text by Christian Wilhelm von Schütz (1776-1847)
Music by Franz Schubert, D. 857 no. 1 (September 1825), first published in 1829
Szene I: Florio
Nun, da Schatten niedergleiten,
Und die Lüfte zärtlich wehen,
Dringet Seufzen aus der Seele
Und umgirrt die treuen Saiten.
Klaget, daß ihr mit mir sterbet
Bitter'n Tod, wenn die nicht heilet,
Die den Becher mir gereichet,
Voller Gift, daß ich und ihr verderbet.
Erst mit Tönen sanft wie Flöten,
Goß sie Schmerz in meine Adern;
Sehen wollte sie der Kranke,
Und nun wird ihr Reiz ihn töten.
Nacht, komm her, mich zu umwinden
Mit dem farbenlosen Dunkel!
Ruhe will ich bei dir suchen,
Die mir Noth tut bald zu finden.
Szene II: Delphine
Ach was soll ich beginnen
Vor Liebe?
Ach, wie sie innig durchdringet
Mein Inn'res!
Siehe, Jüngling, das Kleinste
Vom Scheitel
Bis zur Sohl' ist dir einzig
Geweihet.
O Blumen! Blumen! verwelket,
Euch pfleget
Nur, bis sie Lieb' erkennet,
Die Seele
Nichts will ich tun, wissen und haben,
Gedanken
Der Liebe, die mächtig mich fassen,
Nur tragen,
Immer sinn' ich, was ich aus Inbrust
Wohl könne tun,
Doch zu sehr hält mich Liebe im Druck,
Nichts läßt sie zu.
Jetzt, da ich liebe, möcht' ich erst leben,
Und sterbe,
Jetzt, da ich liebe, möcht' ich hell brennen,
Und welke.
Wozu auch Blumen reihen und wässern?
Entblättert!
So sieht, wie Liebe mich entkräftet,
Sein Spähen.
Der Rose Wange will bleichen,
Auch meine,
Ihr Schmuck zerfällt, wie verscheinen
Die Kleider.
Ach Jüngling, da du mich erfreuest
Mit Treue,
Wie kann mich mit Schmerz so bestreuen
Die Freude?
D 860 "An
mein Herz"
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 860 (December 1825), first published in 1832
O Herz! sei endlich stille!
Was schlägst du so unruhvoll?
Es ist ja des Himmels Wille,
Daß ich sie lassen soll.
Und gab auch dein junges Leben
Dir nichts als Wahn und Pein:
Hat's ihr nur Freude gegeben,
So mag's verloren sein!
Und wenn sie auch nie dein Lieben
Und nie dein Leiden verstand,
So bist du doch treu geblieben,
Und Gott hat's droben erkannt.
Wir wollen es mutig ertragen,
So lang nur die Träne noch rinnt,
Und träumen von schöneren Tagen,
Die lange vorüber sind.
Und siehst du die Blüten erscheinen
Und singen die Vögel umher,
So magst du wohl heimlich weinen,
Doch klagen sollst du nicht mehr.
Geh'n doch die ewiges Sterne
Dort oben mit goldenes Licht
Und lächeln so freundlich von ferne
Und denken doch unser nicht.
D 861 "Der
liebliche Stern"
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 861 (December 1825), first published in 1832
Ihr Sternlein, still in der Höhe,
Ihr Sternlein, spielend im Meer,
Wenn ich von ferne daher
So freundlich euch leuchten sehe,
So wird mir von Wohl und Wehe
Der Busen so bang und so schwer.
Es zittert von Frühlingswinden
Der Himmel im flüßigen Grüne
Manch' Sternlein sah ich entblüh'n,
Manch Sternlein sah ich entschwinden;
Doch kann ich das schönste nicht finden
Das früher dem Liebenden schien.
Nicht kann ich zum Himmel mich schwingen,
Zu suchen den freundlichen Stern;
Stets halt ihn die Wolke mir fern.
Tief unten, da möcht' es gelingen,
Das friedliche Ziel zu erringen,
Tief unten, da ruht' ich so gern!
Was wiegt ihr im laulichen Spiele,
Ihr Lüftchen, den schwankenden Kahn?
O treibt ihn auf rauherer Bahn
Hernieder ins Wogengewühle!
Laßt tief in der wallenden Kühle
Dem lieblichen Sterne mich nah'n!
D 862 "Um
Mitternacht"
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 862 (December 1825-March
1826), first published in 1827 as op. 88 no. 3
Keine Stimme hör' ich schallen,
Keine Schritt auf dunkler Bahn,
Selbst der Himmel hat die schönen,
Hellen Äuglein zugetan.
Ich nur wache, süßes Leben,
Schaue sehnend in die Nacht,
Bis dein Stern in öder Ferne
Lieblich leuchtend mir erwacht.
Ach, nur einmal, nur verstohlen
Dein geliebtes Bild zu seh'n,
Wollt' ich gern in Sturm und Wetter
Bis zum späten Morgen steh'n!
Seh' ich's nicht von ferne leuchten!
Naht es nicht schon nach und nach?
Ach, und freundlich hör' ich's flüstern:
Sieh, der Freund ist auch noch wach.
Süßes Wort, geliebte Stimme,
Der mein Herz entgegenschlägt!
Tausend sel'ge Liebesbilder
Hat dein Hauch mir aufgeregt.
Alle Strene seh' ich glänzen
Auf der dunkeln blauen Bahn,
Und im Herzen hat und droben
Sich der Himmel aufgetan.
Holder Nachhall, wiege freundlich
Jetzt mein Haupt in milde Ruh,
Und noch oft, ihr Träume, lispelt
Ihr geliebtes Wort mir zu!
D 865 "Widerspruch"
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 865
Wenn ich durch Busch und Zweig
Brech auf beschränktem Steig,
Wird mir so weit, so frei,
Will mir das Herz entzwei.
Rings dann im Waldeshaus
Rücken die Wänd' hinaus,
Wölbt sich das Laubgemach
Hoch mir zum Schwindeldach,
Webt sich der Blätter schier
Jedes zur Schwinge mir,
Daß sich mein Herz so weit
Sehnt nach Unendlichkeit.
Doch wann im weiten Raum
Hoch am Gebirgessaum,
Über dem Tal ich steh,
Nieder zum Tale seh,
Ach, wie beschränkt, wie eng,
Wird mir's im Luftgedräng;
Rings auf mein Haupt so schwer
Nicken die Wolken her,
Nieder zu stürzen droht
Rings mir das Abendrot,
Und in ein Kämmerlein
Sehnt sich mein Herz hinein.
D 866
no.1 "Die Unterscheidung"
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 866 no. 1 (Summer 1828?),
first published in 1828 as op. 95 no 1
Die Mutter hat mich jüngst gescholten
Und vor der Liebe streng gewarnt,
"Noch jede," sprach sie, "hat's entgolten;
Verloren ist, wen sie umgarnt."
D'rum ist es besser, wie ich meine,
Wenn keins von uns davon mehr spricht;
Ich bin zwar immer noch die Deine -
Doch lieben, Hans! - kann ich dich nicht!
Bei jedem Feste, das wir haben
Soll's meine größte Wonne sein,
Flicht deine Hand des Frühlings Gaben
Zum Schmucke mir in's Mieder ein.
Beginnt der Tanz, dann ist, wie billig,
Ein Tanz mit Gretchen deine Pflicht;
Selbst eifersüchtig werden will ich
Doch lieben, Hans! - kann ich dich nicht!
Und sinkt der Abend kühl hernieder
Und ruh'n wir dann recht mild bewegt,
Halt' immer mir die Hand an's Mieder
Und fühle, wie mein Herzchen schlägt!
Und willst du mich durch Küße lehren,
Was stumm dein Auge zu mir spricht,
Selbst das will ich dir nicht verwehren
Doch lieben, Hans! - kann ich dich nicht!
D 866
no.2 "Bei dir allein"
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 866 no. 2 (1826?), op. 95
Bei dir allein empfind' ich, daß ich lebe,
Daß Jugendmut mich schwellt
Daß eine heit're Welt
Der Liebe mich durchhebe;
Mich freut mein Sein
Bei dir allein!
Bei dir allein weht mir die Luft so labend,
Dünkt mich die Flur so grün,
So mild des Lenzes Blüh'n,
So balsamreich der Abend,
So kühl der Hain,
Bei dir allein!
Bei dir allein verliert der Schmerz sein Herbes,
Gewinnt die Freud an Lust!
Du sicherst meine Brust
Des angestammten Erbes;
Ich fühl' mich mein
Bei dir allein!
D 866
no.3 "Die Männer sind méchant"
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 866 no. 3 (1828?), first
published in 1828 as op 95 no. 3
Du sagtest mir es, Mutter:
Er ist ein Springinsfeld!
Ich würd' es dir nicht glauben,
Bis ich mich krank gequält!
Ja, ja, nun ist er's wirklich;
Ich hatt' ihn nur verkannt!
Du sagtest mir's, o Mutter:
"Die Männer sind méchant!"
Vor'm Dorf im Busch, als gestern
Die stille Dämm'rung sank,
Da rauscht' es: "Guten Abend!"
Da rauscht' es: "Schönen Dank!"
Ich schlich hinzu, ich horchte;
Ich stand wie festgebannt:
Er war's mit einer Andern -
"Die Männer sind méchant!"
O Mutter, welche Qualen!
Es muß heraus, es muß! -
Es blieb nicht bloß bei'm Rauschen,
Es blieb nicht bloß bei'm Gruß!
Vom Gruße kam's zum Kuße,
Vom Kuß zum Druck der Hand,
Vom Druck, ach liebe Mutter! -
"Die Männer sind méchant!"
D 866
no.4 "Irdisches Glück"
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 866 no. 4, op. 95 (1826?)
So mancher sieht mit finst'rer Miene
Die weite Welt sich grollend an,
Des Lebens wunderbare Bühne
Liegt ihm vergebens aufgetan.
Da weiß ich beßer mich zu nehmen,
Und fern, der Freude mich zu schämen,
Genieß' ich froh den Augenblick:
Das ist denn doch gewiß ein Glück.
Um manches Herz hab ich geworben,
Doch währte mein Triumph nicht lang.
Denn Blödheit hat mir oft verdorben,
Was kaum mein Frohsinn mir errang.
D'rum bin ich auch dem Netz entgangen;
Denn, weil kein Wahn mich hielt umfangen,
Kam ich von keinem auch zurück:
Und das ist doch gewiß ein Glück!
Kein Lorbeer grünte meinem Scheitel,
Mein Haupt umstrahlt' kein Ehrenkranz;
Doch ist darum mein Tun nicht eitel;
Ein stiller Dank ist auch ein Kranz!
Wem, weit entfernt von kecken Flügen,
Des Tales stille Freuden g'nügen,
Dem bangt auch nie für sein Genick:
Und das ist doch gewiß ein Glück!
Und ruft der Bot' aus jenen Reichen
Mir einst, wie allen, ernst und hohl,
Dann sag ich willig, im E
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