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Franz Schubert

(1797 - 1828)
 

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The Lieder of Franz Schubert

 


Lieder – complete index

 

 

Lieder - index 10:
 
D 871 "Das Zügenglöcklein"
D 874 "Die Blume und der Quell"
D 875 "Mondenschein"
D 876 "Tiefes Leid"
D 877 no.1 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
D 877 no.2 "Heiß mich nicht reden"
D 877 no.3 "So laßt mich scheinen"
D 877 no.4 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
D 878 "Am Fenster"
D 879 "Sehnsucht"
D 880 "Im Freien"
D 881 "Fischerweise"
D 882 "Im Frühling"
D 883 "Lebensmut"
D 884 "Über Wildemann"
D 888 "Trinklied"
D 889 "Ständchen"
D 890 "Hippolits Lied"
D 891 "An Silvia"
D 892 "Nachthelle"
D 893 "Grab und Mond"
D 902 no.1 "L'incanto degli occhi"
D 902 no.2 "Il traditor deluso"
D 902 no.3 "Il modo di prender moglie"
D 903 "Zur Guten Nacht"
D 904 "Alinde"
D 905 "An die Laute"
D 906 "Der Vater mit dem Kind"
D 907 "Romanze des Richard Löwenherz"
D 909 "Jägers Liebeslied"
D 910 "Schiffers Scheidelied"
D 911 "Winterreise"
D 913 "Nachtgesang im Walde"
D 914 "Frühlingslied"
D 917 "Das Lied im Grünen"
D 919 "Frühlingslied"
D 920 "Ständchen"
D 921 "Ständchen"
D 922 "Heimliches Lieben"
D 923 "Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot"
D 926 "Das Weinen"
D 927 "Vor Meiner Wiege"
D 930 "Der Hochzeitsbraten"
D 931 "Der Wallensteiner Lanzknecht beim Trunk"
D 932 "Der Kreuzzug"
D 933 "Des Fischers Liebesglück"
D 937 "Lebensmut"
D 938 "Der Winterabend"
D 939 "Die Sterne"
D 942 "Mirjams Siegesgesang"
D 943 "Auf dem Strom"
D 945 "Es rauschen die Winde"
D 949 "Widerschein"
D 955 "Glaube, Hoffnung und Liebe"
D 957 "Schwanengesang"
D 965 "Der Hirt auf dem felsen"
D 983 no.3 "Auf! es dunkelt; silbern funkelt"
D 983 a "Liebe rauscht der Silberbach"
D 983 c "Die Nacht"
D 985 "Gott im Ungewitter"
D 986 "Gott der Weltschöpfer"
D 989 "Vollendung"
D 989 a "Vollendung"
D 989 b "Die Erde"
D 990 "Der Graf von Habsburg"

D871 "Das Zügenglöcklein"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 871 (1826), first published in May 1827

 
Kling' die Nacht durch, klinge,
Süßen Frieden bringe
Dem, für wen du tönst!
Kling' in weite Ferne,
So du Pilger gerne
Mit der Welt versöhnst!
Aber wer will wandern
Zu den lieben Andern,
Die voraus gewallt?
Zog er gern die Schelle?
Bebt er an der Schwelle,
Wann Herein erschallt?
Gilt's dem bösen Sohne,
Der noch flucht dem Tone,
Weil er heilig ist?
Nein, es klingt so lauter,
Wie ein Gottvertrauter
Seine Laufbahn schließt.
Aber ist's ein Müder,
Den verwaist die Brüder,
Dem ein treues Tier
Einzig ließ den Glauben
An die Welt nicht rauben,
Ruf ihn, Gott, zu dir!
Ist's der Frohen einer,
Der die Freuden reiner
Lieb und Freundschaft teilt,
Gönn ihm noch die Wonnen
Unter diesen Sonnen,
Wo er gerne weilt!

D874 "Die Blume und der Quell"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 874 (March 1826?), first published in 1959

 
 
Die Blume:
O Quell, was strömst du rasch und wild
Und wühlst in deinem Silbersande
Und drängst, von weichem Schaum verhüllt,
Dich schwellend auf am grünen Rande?
O riesle, Quell,
Doch glatt und hell,
Daß ich, verklärt von zartem Taue,
Mein zitternd Bild in dir erschaue!

D875 "Mondenschein"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 875
 


Des Mondes Zauberblume lacht,
Und ruft mit seelenvollem Blick,
In uns're düstre Erdennacht
Der Liebe Paradies zurück.
Vom mächt'gen Arm des Schlafs besiegt,
Erstarben Sorgen, Schuld und Pein,
Das Zarte nur und Schöne fliegt
Entfesselt in den Geisterreih'n.
Doch seht, die Fluren sind vertauscht,
Das ist die alte Erde nicht,
O seht, ein Silbergarten duft umrauscht
Voll Nebelschmelz und Zauberlicht;
Den Geist vom ird'schen Drucke frei
Umwallt der Sehnsucht Ätherkleid,
Er trinkt in stiller Schwärmerei
Des Himmels volle Seligkeit.
Doch mahnt das Lied der Nachtigall
An seine Welt das weiche Herz,
In aller Wonne weckt ihr Schall
Den tiefsten Schmerz, der Liebe Schmerz.

D876 "Tiefes Leid"
 
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 876 (January 1826), first published in 1838
 


Ich bin von aller Ruh' geschieden
Und treib' umher auf wilder Flut;
An einem Ort nur find' ich Frieden,
Das ist der Ort, wo alles ruht.
Und wenn die Wind' auch schaurig sausen,
Und kalt der Regen niederfällt,
Doch will ich dort viel lieber hausen,
Als in der unbeständ'gen Welt.
Denn wie die Träume spurlos schweben,
Und einer schnell den ander'n treibt,
Spielt mit sich selbst das irre Leben,
Und jeder naht und keines bleibt.
Nie will die falsche Hoffnung weichen,
Nie mit der Hoffnung Furcht und Müh'!
Die Ewigstummen, Ewigbleichen
Verheissen und versagen nie.
[Nicht weck' ich sie mit meinen Schritten
In ihrer dunklen Einsamkeit.
Sie wessen nicht, was ich gelitten,
Und keinen stört mein tiefes Leid.
Dort kann die Seele freier klagen
Bei Jener, dich ich trey geliebt;
Nicht wird der kalte Stein mir sagen
Ach, daß auch sie mein Schmerz betrübt!]

D877 no.1 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895; D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872; D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895; D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867; D. 877 no 1 and 4 (1826)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Robert Schumann (1810-1856), "Nur wer die Sehnsucht kennt", op. 98a no. 3 (May/June 1849)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", op. 6 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821

 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

D877 no.2 "Heiß mich nicht reden"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Mignon I", D. 726 (1821), published 1870, also called "Heiss mich nicht reden"; D. 877 no. 2

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Das Geheimnis", published 1795-6
Robert Alexander Schumann ((1810-1856), op. 98a no. 5 (1849)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Das Geheimniß", op 58 no. 3, (1815?), from Gedichte von Goethe, VI:3
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon I", from Goethe-Lieder, no. 5
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 10 "Aus Meister Wilhelms Lehrjahren"
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Geheimnis" (1811)

 
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht,
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen,
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

D877 no.3 "So laßt mich scheinen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, "Mignons Gesang II", D. 469 I and II (fragments) (1816), published 1897; D. 469b (fragment); D. 727 (1821), published 1850; D. 877 no. 3 (1826), published 1827 as op. 62 no. 3

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Mignons letzter Gesang", published 1796
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "So laßt mich scheinen", op. 98a no. 9 (1849)
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon III", from Goethe-Lieder, no. 7

 
 
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!

D877 no.4 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Franz Schubert, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895; D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872; D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895; D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867; D. 877 no 1 and 4 (1826)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Robert Schumann (1810-1856), "Nur wer die Sehnsucht kennt", op. 98a no. 3 (May/June 1849)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", op. 6 no. 6
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821

 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

D878 "Am Fenster"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 878 (1826), published 1818 as op. 105 no 3

 
Ihr lieben Mauern hold und traut,
Die ihr mich kühl umschließt,
Und silberglänzend niederschaut,
Wenn droben Vollmond ist!
Ihr saht mich einst so traurig da,
Mein Haupt auf schlaffer Hand,
Als ich in mir allein mich sah,
Und Keiner mich verstand.
Jetzt brach ein ander Licht heran,
Die Trauerzeit ist um,
Und Manche zieh'n mit mir die Bahn
Durch's Lebensheiligtum.
Sie raubt der Zufall ewig nie
Aus meinem treuen Sinn,
In tiefster Seele trag' ich sie,
Da reicht kein Zufall hin.
Du Mauer wähnst mich trüb wie einst,
Das ist die stille Freud;
Wenn du vom Mondlicht widerscheinst,
Wird mir die Brust so weit.
An jedem Fenster wähnt ich, dann
Ein Freundeshaupt, gesenkt,
Das auch so schaut zum Himmel an,
Das auch so meiner denkt.

D879 "Sehnsucht"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 879 (1826), published 1828 as op. 105 no 4

Die Scheibe friert, der Wind ist rauh,
Der nächt'ge Himmel rein und blau.
Ich sitz' in meinem Kämmerlein
Und schau' ins reine Blau hinein.
Mir fehlt etwas, das fühl' ich gut,
Mir fehlt mein Lieb, das treue Blut;
Und will ich in die Sterne seh'n,
Muß stets das Aug' mir übergeh'n.
Mein Lieb, wo weilst du nur so fern,
Mein schöner Stern, mein Augenstern?
Du weißt, dich lieb' und brauch' ich ja,
Die Träne tritt mir wieder nah.
Da quält' ich mich so manchen Tag,
Weil mir kein Lied gelingen mag,
Weil's nimmer sich erzwingen läßt
Und frei hinsäuselt wie der West.
Wie mild mich's wieder g'rad' durchglüht!
Sieh' nur, das ist ja schon ein Lied!
Wenn mich mein Los vom Liebchen warf,
Dann fühl' ich, daß ich singen darf.

D880 "Im Freien"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 880 (1826), published 1827 as op. 80 no. 3

Draußen in der weiten Nacht
Steh ich wieder nun,
Ihre helle Sternenpracht
Laßt mein Herz nicht ruhn!
Tausend Arme winken mir
Süß begehrend zu,
Tausend Stimmen rufen hier,
"Gruß dich, Trauter, du!"
O ich weiß auch, was mich zieht,
Weiß auch, was mich ruft,
Was wie Freundes Gruß und Lied
Locket durch die Luft.
Siehst du dort das Hüttchen stehn,
Drauf der Mondschein ruht?
Durch die blanken Scheiben sehn
Augen, die mir gut!
Siehst du dort das Haus am Bach,
Das der Mond bescheint?
Unter seinem trauten Dach
Schläft mein liebster Freund.
Siehst du jenen Baum der voll
Silberflocken flimmt?
O wie oft mein Busen schwoll
Froher dort gestimmt!
Jedes Plätzchen, das mir winkt
Ist ein lieber Platz,
Und wohin ein Strahl nur sinkt,
Lockt ein teurer Schatz.
Drum auch winkt mir's überall
So begehrend hier,
Drum auch ruft es, wie der Schall
Trauter Liebe mir.

D881 "Fischerweise"
 
Text by Franz Xaver Freiherr von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 881 (March? 1826), first published in 1828
 


Den Fischer fechten Sorgen
Und Gram und Leid nicht an;
Er löst am frühen Morgen
Mit leichtem Sinn den Kahn.
Da lagert rings noch Friede
Auf allen Flur und Bach,
Er ruft mit seinem Liede
Die gold'ne Sonne wach.
Er singt zu seinem Werke
Aus voller frischer Brust,
Die Arbeit gibt ihm Stärke,
Die Stäre Lebenslust.
Bald wird ein bunt Gewimmel
In allen Tiefen laut
Und plätschert durch den Himmel,
Der sich im Wasser baut.
Doch wer ein Netz will stellen,
Braucht Augen klar und gut,
Muß heiter gleich den Wellen
Und frei sein wie die Flut.
Dort angelt auf der Brücke
Die Hirtin. Schlauer Wicht,
Gib auf nur deine Tücke,
Den Fisch betrügst du nicht.

D882 "Im Frühling"
 
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 882 (1826), published in 1828

 
Still sitz' ich an des Hügels Hang,
Der Himmel ist so klar,
Das Lüftchen spielt im grünen Tal.
Wo ich beim ersten Frühlingsstrahl
Einst, ach so glücklich war.
Wo ich an ihrer Seite ging
So traulich und so nah,
Und tief im dunklen Felsenquell
Den schönen Himmel blau und hell
Und sie im Himmel sah.
Sieh, wie der bunte Frühling schon
Aus Knosp' und Blüte blickt!
Nicht alle Blüten sind mir gleich,
Am liebsten pflückt ich von dem Zweig,
Von welchem sie gepflückt!
Denn alles ist wie damals noch,
Die Blumen, das Gefild;
Die Sonne scheint nicht minder hell,
Nicht minder freundlich schwimmt im Quell
Das blaue Himmelsbild.
Es wandeln nur sich Will und Wahn,
Es wechseln Lust und Streit,
Vorüber flieht der Liebe Glück,
Und nur die Liebe bleibt zurück,
Die Lieb und ach, das Leid.
O wär ich doch ein Vöglein nur
Dort an dem Wiesenhang
Dann blieb ich auf den Zweigen hier,
Und säng ein süßes Lied von ihr,
Den ganzen Sommer lang.

D883 "Lebensmut"
 
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 883 (March 1826), first published in 1832; D. 937
 


O, wie dringt das junge Leben
Kräftig mir durch Sinn und Herz!
Alles fühl ich glüh'n und streben,
Fühle doppelt Lust und Schmerz.
Fruchtlos such ich euch zu halten,
Geister meiner regen Brust!
Nach Gefallen mögt ihr walten,
Sei's zum Leide, sei's zur Lust.
Lod're nur, gewalt'ge Liebe,
Höher lodre nur empor!
Brecht, ihr vollen Blütentriebe,
Mächtig schwellend nur hervor!
Mag das Herz sich blutig färben.
Mag's vergehn in rascher Pein;
Lieber will ich ganz verderben,
Als nur halb lebendig sein.
Dieses Zagen, dieses Sehnen,
Das die Brust vergeblich schwellt,
Diese Seufzer, diese Tränen,
Die der Stolz gefangen hält,
Dieses schmerzlich eitle Ringen,
Dieses Kämpfen ohne Kraft,
Ohne Hoffnung und Vollbringen,
Hat mein bestes Mark erschlaft.
Lieber wecke, rasch unt mutig.
Schlachtruf, den entschlaf'nen Sinn!
Lange träumt' ich, lange ruht' ich,
Gab der Kette lang mich hin.
Hier ist Hölle nicht, noch Himmel,
Weder Frost is hier, noch Glut;
Auf, ins feindliche Getümmel,
Rüstig weiter durch die Flut!
Daß noch einmal Wunsch und Wagen,
Zorn und Liebe, Wohl und Weh
Ihre Wellen um mich schlagen
Auf des Lebens wilder See,
Und ich kühn im tapfern Streite
Mit dem Strom, der mich entrafft,
Selber meinen Nachen leite,
Freudig in geprüfter Kraft.

D884 "Über Wildemann"
 
Text by Ernst Schulze (1789-1817)

Music by Franz Schubert, D. 884 (March 1826), first published in 1829 as op. 108 no. 1
 


Die Winde sausen am Tannenhang,
Die Quellen brausen das Tal entlang;
Ich wandre in Eile durch Wald und Schnee,
Wohl manche Meile von Höh' zu Höh'.
Und will das Leben im freien Tal
Sich auch schon heben zum Sonnenstrahl,
Ich muß vorüber mit wildem Sinn
Und blicke lieber zum Winter hin.
Auf grünen Heiden, auf bunten Au'n,
Müßt ich mein Leiden nur immer schaun,
Daß selbst am Steine das Leben sprießt,
Und ach, nur eine ihr Herz verschließt.
O Liebe, Liebe, o Maienhauch,
Du drängst die Triebe aus Baum und Strauch,
Die Vögel singen auf grünen Höh'n,
Die Quellen springen bei deinem Wehn.
Mich läßt du schweifen im dunklen Wahn
Durch Windespfeifen auf rauher Bahn.
O Frühlingsschimmer, o Blütenschein,
Soll ich denn nimmer mich dein erfreun?

D888 "Trinklied"
 
Text by Ferdinand Mayerhofer von Grünbühel after William Shakespeare (1564-1616), from "Antony and Cleopatra", II, VII, 120

Music by Franz Schubert, D. 888 (1826)

 
Bacchus, feister Fürst des Weins,
Komm mit Augen hellen Scheins,
Uns're Sorg' ersäuf' dein Faß,
Und dein Laub uns krönen laß.
Füll' uns, bis die Welt sich dreht!

D889 "Ständchen"
 
Text by Friedrich Reil (1773-1843) after William Shakespeare (1564-1616)
Music by Franz Schubert, D. 889

 
Horch, horch, die Lerch' im Ätherblau!
Und Phöbus, neu erweckt,
Tränkt seine Rosse mit dem Tau,
Der Blumenelche deckt.
Der Ringelblume Knospe schleußt
Die goldnen Äuglein auf;
Mit allem, was da reizend ist,
Da süße Maid, steh auf!
Wenn schon die liebe ganze Nacht
Der Sterne lichtes Heer
Hoch über dir im Wechsel wacht,
So hoffen sie noch mehr,
Daß auch dein Augenstern sie grüßt.
Erwach! Sie warten drauf,
Weil du doch gar so reizend bist;
Du süße Maid, steh auf!
Und wenn dich alles das nicht weckt,
So werde durch den Ton
Der Minne zärtlich aufgeneckt!
O dann erwachst du schon!
Wie oft sie duch ans Fenster trieb,
Das weiß sie, drum steh auf,
Und habe deinen Sänger lieb,
Da süße Maid, steh auf!

D890 "Hippolits Lied"
 
Text by Georg Friedrich Konrad Ludwig Gerstenbergk (Müller von Gerstenbergk) (1780-1838), often misattributed to Johanna Schopenhauer

Music by Franz Schubert, D. 890 (July 1826), first published in 1830

 
 
Laßt mich, ob ich auch still verglüh',
Laßt mich nur stille geh'n;
Sie seh' ich spät, sie seh' ich früh'
Und ewig vor mir steh'n.
Was ladet ihr zur Ruh' mich ein?
Sie nahm die Ruh' mir fort;
Und wo sie ist, da muß ich sein,
Hier sei es, oder dort.
Zürnt diesem armen Herzen nicht,
Es hat nur einen Fehl;
Treu muß es schlagen, bis es bricht,
Und hat dess' nimmer Hehl.
Laßt mich, ich denke doch nur sie;
In ihr nur denke ich;
Ja, ohne sie wär' ich einst nie
Bei Engeln ewiglich.
Im Leben denn und auch im Tod,
Im Himmel, so wie hier,
Im Glück und in der Trennung Not
Gehör' ich einzig ihr.

D891 "An Silvia"
 
Text by Eduard von Bauernfeld (1802-1890), after William Shakespeare (1564-1616), from Two Gentlemen of Verona, Act IV scene 2

Music by Franz Schubert, D. 891, op. 106 no. 4 (1826)

 
Was ist Silvia, saget an,
Daß sie die weite Flur preist?
Schön und zart seh ich sie nahn,
Auf Himmelsgunst und Spur weist,
Daß ihr alles untertan.
Is sie schön und gut dazu?
Reiz labt wie milde Kindheit;
Ihrem Aug' eilt Amor zu,
Dort heilt er seine Blindheit
Und verweilt in süßer Ruh.
Darum Silvia, tön, o Sang,
Der holden Silvia Ehren;
Jeden Reiz besiegt sie lang,
Den Erde kann gewähren:
Kränze ihr und Saitenklang!

D892 "Nachthelle"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)

Music by Franz Schubert, D. 892 (1826), published 1839 as op. posth. 134, for solo tenor and male quartet

 
 
Die Nacht ist heiter und ist rein,
Im allerhellsten Glanz,
Die Häuser schau'n verwundert drein,
Steh'n übersilbert ganz.
In mir ist's hell so wunderbar,
So voll und übervoll,
Und waltet drinnen frei und klar,
Ganz ohne Leid und Groll.
Ich fass' in meinem Herzenshaus
Nicht all' das reiche Licht,
Es will hinaus, es muß hinaus,
Die letzte Schranke bricht.

D893 "Grab und Mond"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)

Music by Franz Schubert, D. 893 (1826), published 1827, for male quartet a capella

 
Silbergrauer Mondenschein
Fällt herab;
Senkt so manchen Strahl hinein
In das Grab.
Freund des Schlummers, lieber Mond,
Schweige nicht,
Ob im Grabe Dunkel wohnt
Oder Licht.
Alles stumm? Nun, stilles Grab,
Rede du,
Zogst so manchen Strahl hinab
In die Ruh';
Birgst gar manchen Mondenblick,
Silberblau,
Gib nur einen Strahl zurück:
Komm und schau!

D902 no.1 "L'incanto degli occhi"
 
Text by Pietro Metastasio (1698-1782)
Music by Franz Schubert, D. 902 no. 1, op. 83 no. 1 (1827)

 
Da voi, cari lumi,
Di pende il mio stato;
Voi siete i miei Numi,
Voi siete il mio fato.
A vostro talento
Mi sento cangiar,
A vostro talento
Mi sento cangiar.
Ardir m'inspirate,
Seliete splendate;
Se torbidi siete,
Mi fate tremar.

D902 no.2 "Il traditor deluso"
 
Text by Pietro Metastasio (1698-1782)
Music by Franz Schubert, D. 902 no. 2, op. 83 no. 2 (1827)

 
 
Recitative:
Aimè, io tremo!
Io sente tutto in ondarmi
Il seno di gelido sudor!
Fuga si, ah quale?
Qual' è la via?
Chi me l'addita?
Oh Dio! che ascoltai?
Che m'avvenne?
Oh Dio! che ascoltai?
Ove son io?
Aria:
Ah l'aria d'intorno lampeggia, afavilla;
Ondeggia, vacilla l'infido terren!
Qual notte profonda
D'orror mi eiroonda!
Che larve funeste,
Che smanie son queste!
Che fiero spavento
Mi sento nel sen!

D902 no.3 "Il modo di prender moglie"
 
Text by Pietro Metastasio (1698-1782)
Music by Franz Schubert, D. 902 no. 3, op. 83 no. 3 (1827)
 


 
Or sù! non ei pensiamo,
Corraggio e concludiamo,
Al fin s'io prendo moglie,
Sò ben perchè lo fò.
Lo fò per pagas i debiti,
La prende per contanti,
Di dirlo, e di repeterlo,
Difficoltà non ho.
Fra tanti modi e tanti
Di prender moglie al mondo,
Un modo più giocondo
Del mio trovar non sò.
Si prende per affetto,
Si prende per rispetto,
Si prende per consiglio,
Si prende per puntiglio,
Si prende per capriccio,
È vero, si o nò?
Ed io per medicina
Di tutti i mali miei
Un poco di sposina
Prendere non potrò?
Ho detto e'l ridico,
Lo fò per li contanti,
Lo fanno tanti e tanti
Anch' io lo farò.

D903 "Zur Guten Nacht"
 
Text by Johann Friedrich Rochlitz (1769-1842)

Music by Franz Schubert, D. 903 (January 1827), first published in 1827 as op. 81 no 3

 
Der Vorsitzende:
Horcht auf! Es schlägt die Stunde,
Die unsrer Tafelrunde
Verkündigit; Geh ein jeder heim,
Hat er sein Glas geleeret,
Den Wirt mit Dank geehret,
Und ausgesungen diesen Reim!
Alle:
Erst sie dies Glas geleeret,
Der Wirt mit Dank geehret,
Und ausgesungen diesr Reim!
Der Vorsitzende:
Wir dürfen fröhlich gehen;
Was wir gehört, gesehen,
Getan das darf kein Mann bereun;
Und das, was wir empfunden,
Was enger uns gebunden
An Freund und Kunst, darf ihn erfreun.
Alle:
Ja, ja, was wir empfunden,
Was enger uns gebunden
An Freund und Kunst, darf ihn erfreun.
Der Vorsitzende:
Schlaft wohl; und träumt, wie Bräute!
Kommt nächstens gern, wie heute!
Seid auf manch neues Lied bedacht!
Und geht einst Einer abe
Zu seiner Ruh im Grabe,
Singt ihm mit Liebe; gute Nacht!
Alle:
Ja, geht einst Einer abe,
Zu seiner Ruh im Grabe,
Singt ihm mit Liebe; gute Nacht!

D904 "Alinde"
 
Text by Johann Friedrich Rochlitz (1796-1842)

Music by Franz Schubert, D. 904 (January 1827), first published in 1827 as op 88 no. 1

 
Die Sonne sinkt ins tiefe Meer,
Da wollte sie kommen.
Geruhig trabt der Schnitter einher,
Mir ist's beklommen.
"Hast, Schnitter, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!"
"Zu Weib und Kindern muß ich gehn,
Kann nicht nach andern Dirnen sehn;
Sie warten mein unter der Linde."
Der Mond betritt die Himmelsbahn
Noch will sie nicht kommen.
Dort legt ein Fischer das Fahrzeug an,
Mir ist's beklommen.
"Hast, Fischer, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!"
"Muß suchen, wie mir die Reusen stehn,
Hab nimmer Zeit nach Jungfern zu gehn.
Schau, welch einen Fang ich finde."
Die lichten Sterne ziehn herauf,
Noch will sie nicht kommen.
Dort eilt der Jäger in rüstigem Lauf.
Mir ist's beklommen.
"Hast, Jäger, mein Liebchen nicht gesehn?
Alinde, Alinde!"
"Muß nach dem braunlichen Rehbock gehn.
Hab nimmer Lust nach Mädeln zu sehn;
Dort schleicht er im Abendwinde."
In schwarzer Nacht steht hier der Hain,
Noch will sie nicht kommen.
Von allen Lebend'gen irr ich allein,
Bang und beklommen.
"Echo, darf ich mein Leid gestehn:
Alinde, Alinde!"
"Alinde" ließ Echo leise herüberwehn.
Da sah ich sie mir zur Seite stehn:
"Du suchtest so treu, nun finde!"

D905 "An die Laute"
 
Text by Johann Friedrich Rochlitz (1796-1842)
Music by Franz Schubert, D. 905 (1827), published 1827 as op. 88 no 2

See also:

Josef Bohuslav Foerster (1859-1951), op. 60 no. 1, published 1914

 
Leiser, leiser, kleine Laute,
Flüstre was ich dir vertraute,
Dort zu jenem Fenster hin!
Wie die Wellen sanfter Lüfte,
Mondenglanz und Blumendüfte,
Send es der Gebieterin!
Neidisch sind des Nachbars Söhne,
Und im Fenster jener Schöne
Flimmert noch ein einsam Licht.
Drum noch leiser, kleine Laute;
Dich vernehme die Vertraute,
Nachbarn aber, Nachbarn nicht!

D906 "Der Vater mit dem Kind"
 
Text by Eduard von Bauernfeld (1802-1890)
Music by Franz Schubert, D. 906 (January 1827), first published in 1832

 
Dem Vater liegt das Kind im Arm,
Es ruht so wohl, es ruht so warm,
Es lächelt süß; lieb' Vater mein!
Und mit dem Lächeln schläft es ein.
Der Vater beugt sich, atmet kaum,
Und lauscht auf seines Kindes Traum;
Er denkt an die entschwund'ne Zeit
Mit wehmutsvoller Seligkeit.
Und eine Trän' aus Herzensgrund
Fällt ihm auf seines Kindes Mund;
Schnell küßt er ihm die Träne ab,
Und wiegt es leise auf und ab.
Um einer ganzen Welt Gewinn
Gäb' er das Herzenskind nich hin.
Du Seliger schon in der Welt,
Der so sein Glück in Armen hält!

D907 "Romanze des Richard Löwenherz"
 
Text by Karl Ludwig Müller after Sir Walter Scott (1771-1832)
Music by Franz Schubert, D. 907, op. 86 (1827)
 

 
Großer Taten tat der Ritter
Fern im heil'gen Lande viel;
Und das Kreuz auf seiner Schulter
Bleicht' im rauhen Schlachtgewühl,
Manche Narb' auf seinem Schilde
Trug er aus dem Kampfgefilde,
An der Dame Fenster dich,
Sang er so im Mondenlicht:
Heil der Schönen! aus der Ferne
Ist der Ritter heimgekehrt,
Doch nichts durft' er mit sich nehmen,
Als sein treues Roß und Schwert.
Seine Lanze, seine Sporen
Sind allein ihm unverloren,
Dies ist all sein irdisch Glück,
Dies und Theklas liebesblick.
Heil der Schönen! was der Ritter tat,
Verdankt' er ihrer Gunst,
Darum soll ihr Lob verkünden
Stets des Sängers süße Kunst.
"Seht, da ist sie", wird es heißen,
Wenn sie ihre Schöne preisen,
"Deren Augen Himmelsglanz
Gab bei Ascalon den Kranz."
Schaut ihr Lächeln, eh'rne Männer
Streckt es leblos in den Staub,
Und Iconium, ob sein Sultan
Mutig stritt, ward ihm zum Raub.
Diese Locken, wie sie golden
Schwimmen um die Brust der Holden,
Legten manchem Muselmann
Fesseln unzerreißbar an.
Heil der Schönen, dir gehöret,
Holde, was dein Ritter tat,
Darum öffne ihm die Pforte,
Nachtwind streift, die Stunde naht;
Dort in Syriens heißen Zonen,
Mußt' er leicht des Nords entwohnen,
Lieb' ersticke nun die Scham,
Weil von ihm der Ruhm dir kam.

D909 "Jägers Liebeslied"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 909, op. 96 no. 2 (1827)
 


Ich schieß' den Hirsch im grünen Forst,
Im stillen Tal das Reh,
Den Adler auf dem Klippenhorst,
Die Ente auf dem See.
Kein Ort der Schutz gewähren kann,
Wenn meine Flinte zielt,
Und dennoch hab' ich harter Mann
Die Liebe auch gefühlt.
Hab' oft hantiert in rauher Zeit,
In Sturm und Winternacht,
Und übereist und eingeschneit,
Zum Bett den Stein gemacht.
Auf Dornen schlief ich wie auf Flaum,
Vom Nordwind ungerührt,
Doch hat der Liebe zarter Traum
Die rauhe Brust gespürt.
O Schäfer auf dem weichen Moos,
Der du mit Blumen spielst,
Wer weiß, ob du so heiß, so groß
Wie ich die Liebe fühlst.
Allnächtlich über'm schwarzen Wald,
Vom Mondenschein umstrahlt,
Schwebt königshehr die Lichtgestalt,
Wie sie kein Meister malt.
Wenn sie dann auf mich niedersieht,
Wenn mich ihr Blick durchglüht,
Da weiß ich, wie dem Wild geschieht,
Das vor dem Rohre flieht,
Und doch mit allem Glück vereint,
Das nur auf Erden ist,
Als wenn der allerbeste Freund
Mich in die Arme schließt.

D910 "Schiffers Scheidelied"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 910 (1827)
 


Die Wogen am Gestade schwellen,
Es klatscht der Wind das Segeltuch
Und murmelt in den weißen Wellen,
Ich höre seines wilden Spruch.
Es ruft mich fort, es winkt der Kahn,
Vor Ungeduld schaukelnd, auf weite Bahn.
Dort streckt sie sich in öder Ferne,
Du kannst nicht mit, siehst du, mein Kind,
Wie leicht versinken meine Sterne,
Wie leicht erwächst zum Sturm der Wind,
Dann droht in tausend Gestalten der Tod,
Wie trotzt' ich ihm, wüßt ich dich in Not?
O löse deiner Arme Schlinge
Und löse auch von mir dein Herz!
Weiß ich es denn, ob ich's vollbringe
Und siegreich kehre heimatwärts?
Die Welle, die jetzt so lockend singt,
Vielleicht ist's dieselbe, die mich verschlingt.
O laß mich im Bewußtsein steuern,
Daß ich allein auf Erden bin,
Dann beugt sich vor'm Ungeheuern,
Vor'm Ungehörten nicht mein Sinn.
Ich treibe mit dem Entsetzen Spiel,
Und stehe plötzlich vielleicht am Ziel.
Und kann ich dich nur seh'n und hören,
Dann hat's mit mir noch keine Not,
Das Leben will ich nicht entbehren
Und kämpfen will ich mit dem Tod;
Wie würde mir eine Welt zur Last,
Die Engel, so schön wie dich, umfaßt.
Und spült dann auch die falsche Welle
Mich tot zurück zum Blumenstrand,
So weiß ich doch an lieber Stelle
Noch eine, eine treue Hand,
Der weder Verachtung noch Schmerz es wehrt,
Daß sie meinen Resten ein Grab beschert.

D911 "Winterreise"
 
Texts by Wilhelm Müller (1794-1827)
Music by Franz Schubert, D. 911, op. 89 (1827), texts also set by other composers
 
 
1. Gute Nacht
2. Die Wetterfahne
3. Gefrorene Tränen
4. Erstarrung
5. Der Lindenbaum
6. Wasserflut
7. Auf dem Flusse
8. Rückblick
9. Irrlicht
10. Rast
11. Frühlingstraum
12. Einsamkeit
13. Die Post
14. Der greise Kopf
15. Die Krähe
16. Letzte Hoffnung
17. Im Dorfe
18. Der stürmische Morgen
19. Täuschung
20. Der Wegweiser
21. Das Wirtshaus
22. Mut
23. Die Nebensonnen
24. Der Leiermann

1. Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh' ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh', -
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.
Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit,
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such' ich des Wildes Tritt.
Was soll ich länger weilen,
Daß man mich trieb hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus;
Die Liebe liebt das Wandern -
Gott hat sie so gemacht -
Von einem zu dem andern.
Fein Liebchen, gute Nacht!
Will dich im Traum nicht stören,
Wär schad' um deine Ruh',
Sollst meinen Tritt nicht hören -
Sacht, sacht die Türe zu!
Schreib' im Vorübergehen
Ans Tor dir: Gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
An dich hab' ich gedacht.

2. Die Wetterfahne

Der Wind spielt mit der Wetterfahne
Auf meines schönen Liebchens Haus.
Da dacht ich schon in meinem Wahne,
Sie pfiff den armen Flüchtling aus.
Er hätt' es eher bemerken sollen,
Des Hauses aufgestecktes Schild,
So hätt' er nimmer suchen wollen
Im Haus ein treues Frauenbild.
Der Wind spielt drinnen mit den Herzen
Wie auf dem Dach, nur nicht so laut.
Was fragen sie nach meinen Schmerzen?
Ihr Kind ist eine reiche Braut.

3. Gefrorene Tränen

Gefrorne Tropfen fallen
Von meinen Wangen ab:
Ob es mir denn entgangen,
Daß ich geweinet hab'?
Ei Tränen, meine Tränen,
Und seid ihr gar so lau,
Daß ihr erstarrt zu Eise
Wie kühler Morgentau?
Und dringt doch aus der Quelle
Der Brust so glühend heiß,
Als wolltet ihr zerschmelzen
Des ganzen Winters Eis!

4. Erstarrung

Ich such' im Schnee vergebens
Nach ihrer Tritte Spur,
Wo sie an meinem Arme
Durchstrich die grüne Flur.
Ich will den Boden küssen,
Durchdringen Eis und Schnee
Mit meinen heißen Tränen,
Bis ich die Erde seh'.
Wo find' ich eine Blüte,
Wo find' ich grünes Gras?
Die Blumen sind erstorben
Der Rasen sieht so blaß.
Soll denn kein Angedenken
Ich nehmen mit von hier?
Wenn meine Schmerzen schweigen,
Wer sagt mir dann von ihr?
Mein Herz ist wie erstorben,
Kalt starrt ihr Bild darin;
Schmilzt je das Herz mir wieder,
Fließt auch ihr Bild dahin!

5. Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum;
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud' und Leide
Zu ihm mich immer fort.
Ich mußt' auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab' ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier find'st du deine Ruh'!
Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör' ich's rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

6. Wasserflut

Manche Trän' aus meinen Augen
Ist gefallen in den Schnee;
Seine kalten Flocken saugen
Durstig ein das heiße Weh.
Wenn die Gräser sprossen wollen
Weht daher ein lauer Wind,
Und das Eis zerspringt in Schollen
Und der weiche Schnee zerrinnt.
Schnee, du weißt von meinem Sehnen,
Sag', wohin doch geht dein Lauf?
Folge nach nur meinen Tränen,
Nimmt dich bald das Bächlein auf.
Wirst mit ihm die Stadt durchziehen,
Munt're Straßen ein und aus;
Fühlst du meine Tränen glühen,
Da ist meiner Liebsten Haus.

7. Auf dem Flusse

Der du so lustig rauschtest,
Du heller, wilder Fluß,
Wie still bist du geworden,
Gibst keinen Scheidegruß.
Mit harter, starrer Rinde
Hast du dich überdeckt,
Liegst kalt und unbeweglich
Im Sande ausgestreckt.
In deine Decke grab' ich
Mit einem spitzen Stein
Den Namen meiner Liebsten
Und Stund' und Tag hinein:
Den Tag des ersten Grußes,
Den Tag, an dem ich ging;
Um Nam' und Zahlen windet
Sich ein zerbroch'ner Ring.
Mein Herz, in diesem Bache
Erkennst du nun dein Bild?
Ob's unter seiner Rinde
Wohl auch so reißend schwillt?

8. Rückblick

Es brennt mir unter beiden Sohlen,
Tret' ich auch schon auf Eis und Schnee,
Ich möcht' nicht wieder Atem holen,
Bis ich nicht mehr die Türme seh'.
Hab' mich an jeden Stein gestoßen,
So eilt' ich zu der Stadt hinaus;
Die Krähen warfen Bäll' und Schloßen
Auf meinen Hut von jedem Haus.
Wie anders hast du mich empfangen,
Du Stadt der Unbeständigkeit!
An deinen blanken Fenstern sangen
Die Lerch' und Nachtigall im Streit.
Die runden Lindenbäume blühten,
Die klaren Rinnen rauschten hell,
Und ach, zwei Mädchenaugen glühten. -
Da war's gescheh'n um dich, Gesell!
Kommt mir der Tag in die Gedanken,
Möcht' ich noch einmal rückwärts seh'n,
Möcht' ich zurücke wieder wanken,
Vor ihrem Hause stille steh'n.

9. Irrlicht

In die tiefsten Felsengründe
Lockte mich ein Irrlicht hin:
Wie ich einen Ausgang finde,
Liegt nicht schwer mir in dem Sinn.
Bin gewohnt das Irregehen,
's führt ja jeder Weg zum Ziel:
Uns're Freuden, uns're Leiden,
Alles eines Irrlichts Spiel!
Durch des Bergstroms trock'ne Rinnen
Wind' ich ruhig mich hinab,
Jeder Storm wird's Meer gewinnen,
Jedes Leiden auch sein Grab.

10. Rast

Nun merk' ich erst, wie müd' ich bin,
Da ich zur Ruh' mich lege:
Das Wandern hielt mich munter hin
Auf unwirtbarem Wege.
Die Füße frugen nicht nach Rast,
Es war zu kalt zum Stehen;
Der Rücken fühlte keine Last,
Der Sturm half fort mich wehen.
In eines Köhlers engem Haus
Hab' Obdach ich gefunden;
Doch meine Glieder ruh'n nicht aus:
So brennen ihre Wunden.
Auch du, mein Herz, in Kampf und Sturm
So wild und so verwegen,
Fühlst in der Still' erst deinen Wurm
Mit heißem Stich sich regen!

11. Frühlingstraum

Ich träumte von bunten Blumen,
So wie sie wohl blühen im Mai;
Ich träumte von grünen Wiesen,
Von lustigem Vogelgeschrei.
Und als die Hähne krähten,
Da ward mein Auge wach;
Da war es kalt und finster,
Es schrien die Raben vom Dach.
Doch an den Fensterscheiben,
Wer malte die Blätter da?
Ihr lacht wohl über den Träumer,
Der Blumen im Winter sah?
Ich träumte von Lieb' und Liebe,
Von einer schönen Maid,
Von Herzen und von Küssen,
Von Wonne und Seligkeit.
Und als die Hähne kräten,
Da ward mein Herze wach;
Nun sitz ich hier alleine
Und denke dem Traume nach.
Die Augen schließ' ich wieder,
Noch schlägt das Herz so warm.
Wann grünt ihr Blätter am Fenster?
Wann halt' ich mein Liebchen im Arm?

12. Einsamkeit

Wie eine trübe Wolke
Durch heit're Lüfte geht,
Wenn in der Tanne Wipfel
Ein mattes Lüftchen weht:
So zieh ich meine Straße
Dahin mit trägem Fuß,
Durch helles, frohes Leben,
Einsam und ohne Gruß.
Ach, daß die Luft so ruhig!
Ach, daß die Welt so licht!
Als noch die Stürme tobten,
War ich so elend nicht.

13. Die Post

Von der Straße her ein Posthorn klingt.
Was hat es, daß es so hoch aufspringt,
Mein Herz?
Die Post bringt keinen Brief für dich.
Was drängst du denn so wunderlich,
Mein Herz?
Nun ja, die Post kommt aus der Stadt,
Wo ich ein liebes Liebchen hatt',
Mein Herz!
Willst wohl einmal hinüberseh'n
Und fragen, wie es dort mag geh'n,
Mein Herz?

14. Der greise Kopf

Der Reif hatt' einen weißen Schein
Mir übers Haar gestreuet;
Da glaubt' ich schon ein Greis zu sein
Und hab' mich sehr gefreuet.
Doch bald ist er hinweggetaut,
Hab' wieder schwarze Haare,
Daß mir's vor meiner Jugend graut -
Wie weit noch bis zur Bahre!
Vom Abendrot zum Morgenlicht
Ward mancher Kopf zum Greise.
Wer glaubt's? und meiner ward es nicht
Auf dieser ganzen Reise!

15. Die Krähe

Eine Krähe war mit mir
Aus der Stadt gezogen,
Ist bis heute für und für
Um mein Haupt geflogen.
Krähe, wunderliches Tier,
Willst mich nicht verlassen?
Meinst wohl, bald als Beute hier
Meinen Leib zu fassen?
Nun, es wird nicht weit mehr geh'n
An dem Wanderstabe.
Krähe, laß mich endlich seh'n,
Treue bis zum Grabe!

16. Letzte Hoffnung

Hie und da ist an den Bäumen
Manches bunte Blatt zu seh'n,
Und ich bleibe vor den Bäumen
Oftmals in Gedanken steh'n.
Schaue nach dem einen Blatte,
Hänge meine Hoffnung dran;
Spielt der Wind mit meinem Blatte,
Zitt'r' ich, was ich zittern kann.
Ach, und fällt das Blatt zu Boden,
Fällt mit ihm die Hoffnung ab;
Fall' ich selber mit zu Boden,
Wein' auf meiner Hoffnung Grab.

17. Im Dorfe

Es bellen die Hunde, es rascheln die Ketten;
Es schlafen die Menschen in ihren Betten,
Träumen sich manches, was sie nicht haben,
Tun sich im Guten und Argen erlaben;
Und morgen früh ist alles zerflossen.
Je nun, sie haben ihr Teil genossen
Und hoffen, was sie noch übrig ließen,
Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.
Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
Laßt mich nicht ruh'n in der Schlummerstunde!
Ich bin zu Ende mit allen Träumen.
Was will ich unter den Schläfern säumen?

18. Der stürmische Morgen

Wie hat der Sturm zerissen
Des Himmels graues Kleid!
Die Wolkenfetzen flattern
Umher im matten Streit.
Und rote Feuerflammen
Zieh'n zwischen ihnen hin;
Das nenn' ich einen Morgen
So recht nach meinem Sinn!
Mein Herz sieht an dem Himmel
Gemalt sein eig'nes Bild -
Es ist nichts als der Winter,
Der Winter, kalt und wild!

19. Täuschung

Ein Licht tanzt freundlich vor mir her,
Ich folg' ihm nach die Kreuz und Quer;
Ich folg' ihm gern und seh's ihm an,
Daß es verlockt den Wandersmann.
Ach! wer wie ich so elend ist,
Gibt gern sich hin der bunten list,
Die hinter Eis und Nacht und Graus
Ihm weist ein helles, warmes Haus.
Und eine liebe Seele drin. -
Nur Täuschung ist für mich Gewinn!

20. Der Wegweiser

Was vermeid' ich denn die Wege,
Wo die ander'n Wand'rer gehn,
Suche mir versteckte Stege
Durch verschneite Felsenhöh'n?
Habe ja doch nichts begangen,
Daß ich Menchen sollte scheu'n, -
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenei'n?
Weiser stehen auf den Wegen,
Weisen auf die Städte zu,
Und ich wand're sonder Maßen
Ohne Ruh' und suche Ruh'.
Einen Weiser seh' ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.

21. Das Wirtshaus

Auf einen Totenacker hat mich mein Weg gebracht;
Allhier will ich einkehren, hab' ich bei mir gedacht.
Ihr grünen Totenkränze könnt wohl die Zeichen sein,
Die müde Wand'rer laden ins kühle Wirtshaus ein.
Sind denn in diesem Hause die Kammern all' besetzt?
Bin matt zum Niedersinken, bin tödlich schwer verletzt.
O unbarmherz'ge Schenke, doch weisest du mich ab?
Nun weiter denn, nur weiter, mein treuer Wanderstab!

22. Mut

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl' ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing' ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren;
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter!

23. Die Nebensonnen

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh'n,
Hab' lang und fest sie angeseh'n;
Und sie auch standen da so stier,
Als wollten sie nicht weg von mir.
Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!
Schaut ander'n doch ins Angesicht!
Ja, neulich hatt' ich auch wohl drei;
Nun sind hinab die besten zwei.
Ging nur die dritt' erst hinterdrein!
Im Dunkeln wird mir wohler sein.

24. Der Leiermann

Drüben hinterm Dorfe steht ein Leiermann
Und mit starren Fingern dreht er, was er kann.
Barfuß auf dem Eise wankt er hin und her
Und sein kleiner Teller bleibt ihm immer leer.
Keiner mag ihn hören, keiner sieht ihn an,
Und die Hunde knurren um den alten Mann.
Und er läßt es gehen alles, wie es will,
Dreht und seine Leier steht ihm nimmer still.
Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh'n?
Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh'n? 

D913 "Nachtgesang im Walde"
 
Text by Johann Gabriel Seidl (1804-1875)
Music by Franz Schubert, D. 913 (für vier Männerstimmen und Hornquartett)

 
Sei uns stets gegrüßt, o Nacht,
aber doppelt hier im Wald,
wo dein Aug' verstohlner lacht,
wo dein Fußtritt leiser hallt!
Auf der Zweige Laubpokale
gießest du dein Silber aus;
hängst den Mond mit seinem Strahle
uns als Lamp' ins Blätterhaus.
Säuselnde Lüftchen sind deine Reden,
spinnende Strahlen sind deine Fäden,
was nur dein Mund beschwichtigend traf,
senket das Aug' und sinket in Schlaf!
Und doch, es ist zum Schlafen zu schön,
drum auf, und weckt mit Hörnergetön,
mit hellerer Klänge Wellenschlag,
was früh betäubt im Schlummer lag!
Es regt in den Lauben des Waldes sich schon,
die Vöglein, sie glauben, die Nacht sei entflohn,
die wandernden Rehe verlieren sich zag;
sie wähnen, es gehe schon bald an den Tag,
die Wipfel des Waldes erbrausen mit Macht,
vom Quell her erschallt es, als wär' er erwacht!
Und rufen wir im Sange:
"Die Nacht ist im Walde daheim!",
so ruft auch Echo lange:
"Sie ist im Wald daheim!"
Drum sein uns doppelt hier im Wald gegrüßt,
o holde, holde Nacht,
wo Alles, was dich schön uns malt,
uns noch weit schöner lacht.

D914 "Frühlingslied"
 
Text by Aaron Pollack
Music by Franz Schubert, D. 914; D. 919 (1827?)

Geöffnet sind des Winters Riegel,
Entschwunden ist sein Silberflor;
Hell blinken der Gewässer Spiegel,
Die Lerche schwingt sich hoch empor;
Wie durch des greisen Königs Siegel
Geweckt ertönt der Freude Chor.
Der Frühling schwebt auf das Gefilde
Und lieblich wehet Zephyr nur,
Der Blumenfülle süße Milde
Erhebt sich in der Luft Azur,
In der Verklärung Wunderbilde
Empfängt uns lächelnd die Natur.
Schon prangen goldgeschmückt Sylphiden
Und Florens Reich erblüht verschönt,
Rings waltet Lust und stiller Frieden,
Der Hain ist nun mit Laub bekrönt,
Wer fühlet, ihm ist Glück beschieden,
Weil Eros' süßer Ruf ertönt.
Empfanget denn mit trautem Gruße
Den holden Lenz, den Schmuck der Welt,
Der weihend uns mit leisem Kuße
Des Daseins Rosenbahn erhellt,
Der hold uns winkt zum Hochgenuße
Und jedes Herz mit Wonne schwellt.

D917 "Das Lied im Grünen"
 
Text by Friedrich Reil (1773-1843)
Music by Franz Schubert, D. 917 (1827), published 1829

Ins Grüne, ins Grüne,
Da lockt uns der Frühling, der liebliche Knabe,
Und führt uns am blumenumwundenen Stabe
Hinaus, wo die Lerchen und Amseln so wach,
In Wälder, auf Felder, auf Hügel zum Bach,
Ins Grüne, ins Grüne.
Im Grünen, im Grünen,
Da lebt es sich wonnig, da wandeln wir gerne
Und heften die Augen dahin schon von ferne,
Und wie wir so wandeln mit heiterer Brust,
Umwallet uns immer die kindliche Lust,
Im Grünen, im Grünen.
Im Grünen, im Grünen,
Da ruht man so wohl, empfindet so Schönes,
Und denket behaglich an dieses und jenes,
Und zaubert von hinnen, ach, was uns bedrückt,
Und alles herbei, was den Busen entzückt,
Im Grünen, im Grünen.
Im Grünen, im Grünen,
Da werden die Sterne so klar wie die Weisen
Der Vorwelt zur Leitung des Lebens uns preisen,
Da streichen die Wölkchen so zart uns dahin,
Da heitern die Herzen, da klärt sich der Sinn
Im Grünen, im Grünen.
Im Grünen, im Grünen,
Da wurde manch Plänchen auf Flügeln getragen,
Die Zukunft der grämlichen Ansicht entschlagen,
Da stärkt sich das Auge, da labt sich der Blick,
Sanft wiegen die Wünsche sich hin und zurück
Im Grünen, im Grünen.
Im Grünen, im Grünen,
Am Morgen am Abend in traulicher Stille
[Entkeimet manch ] Liedchen und manche Idylle,
[Und Hymen oft kränzt den poetischen Scherz,]
Denn leicht ist die Lockung, empfänglich das Herz
Im Grünen, im Grünen.
O gerne im Grünen
Bin ich schon als Knabe und Jüngling gewesen
Und habe gelernt und geschrieben, gelesen
Im Horaz und Plato, dann Wieland und Kant,
Und glühenden Herzens mich selig genannt,
Im Grünen, im Grünen.
Ins Grüne, ins Grüne,
Laßt heiter uns folgen dem freundlichen Knaben.
Grünt eins uns das Leben nicht förder, so haben
Wir klüglich die grünende Zeit nicht versäumt,
Und wann es gegolten, doch glücklich geträumt,
Im Grünen, im Grünen.

D919 "Frühlingslied"
 
Text by Aaron Pollack
Music by Franz Schubert, D. 914; D. 919 (1827?)

Geöffnet sind des Winters Riegel,
Entschwunden ist sein Silberflor;
Hell blinken der Gewässer Spiegel,
Die Lerche schwingt sich hoch empor;
Wie durch des greisen Königs Siegel
Geweckt ertönt der Freude Chor.
Der Frühling schwebt auf das Gefilde
Und lieblich wehet Zephyr nur,
Der Blumenfülle süße Milde
Erhebt sich in der Luft Azur,
In der Verklärung Wunderbilde
Empfängt uns lächelnd die Natur.
Schon prangen goldgeschmückt Sylphiden
Und Florens Reich erblüht verschönt,
Rings waltet Lust und stiller Frieden,
Der Hain ist nun mit Laub bekrönt,
Wer fühlet, ihm ist Glück beschieden,
Weil Eros' süßer Ruf ertönt.
Empfanget denn mit trautem Gruße
Den holden Lenz, den Schmuck der Welt,
Der weihend uns mit leisem Kuße
Des Daseins Rosenbahn erhellt,
Der hold uns winkt zum Hochgenuße
Und jedes Herz mit Wonne schwellt.

D920 "Ständchen"
 
Text by Franz Grillparzer (1791-1872)
Music by Franz Schubert, D. 920 (1827), published 1891; D. 921

 
Zögernd leise
In des Dunkels nächt'ger [Stille]
Sind wir hier;
Und den Finger sanft gekrümmt,
Leise, leise,
Pochen wir
An des Liebchens Kammerthür.
Doch nun steigend,
Schwellend, schwellend,
Mit vereinter Stimme, Laut
Rufen aus wir hochvertraut;
Schlaf du nicht,
Wenn der Neigung Stimme spricht!
Sucht' ein Weiser nah und ferne
Menschen einst mit der Laterne;
Wieviel seltner dann als Gold
Menschen, uns geneigt und hold?
Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht
Freundin, Liebchen, schlaf du nicht!
Aber was in allen Reichen
Wär' dem Schlummer zu vergleichen?
Drum statt Worten und statt Gaben
Sollst du nun auch Ruhe haben.
Noch ein Grüßchen, noch ein Wort,
Es verstummt dir frohe Weise,
Leise, leise,
Schleichen wir uns, ja, schleichen wir uns wieder fort!

D921 "Ständchen"
 
Text by Franz Grillparzer (1791-1872)
Music by Franz Schubert, D. 920 (1827), published 1891; D. 921

 
Zögernd leise
In des Dunkels nächt'ger [Stille]
Sind wir hier;
Und den Finger sanft gekrümmt,
Leise, leise,
Pochen wir
An des Liebchens Kammerthür.
Doch nun steigend,
Schwellend, schwellend,
Mit vereinter Stimme, Laut
Rufen aus wir hochvertraut;
Schlaf du nicht,
Wenn der Neigung Stimme spricht!
Sucht' ein Weiser nah und ferne
Menschen einst mit der Laterne;
Wieviel seltner dann als Gold
Menschen, uns geneigt und hold?
Drum, wenn Freundschaft, Liebe spricht
Freundin, Liebchen, schlaf du nicht!
Aber was in allen Reichen
Wär' dem Schlummer zu vergleichen?
Drum statt Worten und statt Gaben
Sollst du nun auch Ruhe haben.
Noch ein Grüßchen, noch ein Wort,
Es verstummt dir frohe Weise,
Leise, leise,
Schleichen wir uns, ja, schleichen wir uns wieder fort!

D922 "Heimliches Lieben"
 
Text by Karoline Louise von Klenke (1754-1802)
Music by Franz Schubert, D. 922 (1827)

 
O du, wenn deine Lippen mich berühren,
Dann will die Lust die Seele mir entführen.
Ich fühle tief ein namenloses Beben
Den Busen heben.
Mein Auge flammt,
Glut schwebt auf meinen Wangen;
Es schlägt mein Herz
ein unbekannt Verlangen;
Mein Geist, verirrt
in trunkner Lippen Stammeln
Kann kaum sich sammeln.
Mein Leben hängt in einer solchen Stunde
An deinem süßen, rosenweichen Munde,
Und will, bei deinem trauten Armumfassen,
Mich fast verlassen.
O! daß es doch nicht außer
sich kann fliehen
Die Seele ganz in deiner Seele glühen!
Daß doch die Lippen,
die voll Sehnsucht brennen,
Sich mußen trennen!
Daß doch im Kuß'
mein Wesen nicht zerfließet
Wenn es so fest an deinen Mund
sich schließet,
Und an dein Herz,
das niemals laut darf wagen
Fur mich zu schlagen!

D923 "Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot"
 
Text by Johann Gottfried Herder (1744-1803) after a Scottish ballad (folk text) collected by Thomas Percy (1729-1811) in "Reliques of Ancient English Poetry"
 
Music by Franz Schubert, "Eine altschottische Ballade", D. 923 (1827), published 1863

See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), "Edward", op. 75 no. 1 (1877)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Edward", op. 1 no. 1
Josef Antonín `St`epán (1726-1797), "Edward und seine Mutter", published 1778-9
 


Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot?
Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ist's von Blut so rot?
Und gehst so traurig da? O!
Ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Und das, das geht mir nah. O!
Deines Geiers Blut ist nicht so rot,
Edward, Edward!
Deines Geiers Blut ist nicht so rot,
Mein Sohn, bekenn mir frei. O!
Ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Und's war so stolz und treu. O!
Dein Roß war alt und hast's nicht not,
Edward, Edward!
Dein Roß war alt und hast's nicht not,
Dich drückt ein andrer Schmerz. O!
Ich hab geschlagen meinen Vater tot!
Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Vater tot,
Und das, das quält mein Herz! O!
Und was wirst du nun an dir tun,
Edward, Edward?
Und was wirst du nun an dir tun,
Mein Sohn, das sage mir! O!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
Will wandern übers Meer! O!
Und was soll werden dein Hof und Hall,
Edward, Edward?
Und was soll werden dein Hof und Hall,
So herrlich sonst, so schön? O!
Ach immer steh's und sink und fall!
Mutter, Mutter!
Ach immer steh's und sink und fall,
Ich werd es nimmer sehn! O!
Und was soll werden aus Weib und Kind,
Edward, Edward?
Und was soll werden aus Weib und Kind,
Wann du gehst übers Meer? O!
Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
Ich seh sie nimmermehr! O!
Und was soll deine Mutter tun,
Edward, Edward?
Und was soll deine Mutter tun,
Mein Sohn, das sage mir? O!
Der Fluch der Hölle soll auf euch ruhn,
Mutter, Mutter!
Der Fluch der Hölle soll auf euch ruhn,
Denn ihr, ihr rietet's mir! O!

D926 "Das Weinen"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 926, op. 106 no. 2 (1827)

 
Gar tröstlich kommt geronnen
Der Tränen heil'ger Quell,
Recht wie ein Heilungsbronnen,
So bitter, heiß und hell.
Darum du Brust voll Wunden,
Voll Gram und stiller Pein,
Und willst du bald gesunden,
So tauche da hinein.
Es wohnt in diesen Wellen
Geheime Wunderkraft,
Die ist für wehe Stellen
Ein linder Balsamsaft;
Die wächst mit deinen Schmerzen,
Und faßet, hebt und rollt
Den bösen Stein vom Herzen,
Der dich zerdrücken wollt'.
Das hab' ich selbst empfunden
Hier in dem Trauerland,
Wenn ich, vom Flor umwunden,
An lieben Gräbern stand.
Da schalt in irrem Wähnen
Ich selbst auf meinen Gott,
Es hielten nur die Tränen
Der Hoffnung Schiffchen flott.
Drum hält dich auch umfangen
Der Schwermut trübste Nacht,
Vertrau' in allem Bangen
Der Tränen Zaubermacht.
Bald, wenn vom heißen Weinen
Dir rot das Auge glüht,
Wird neu der Tag erscheinen,
Weil schon der Morgen blüht.

D927 "Vor Meiner Wiege"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 927 (1827), published 1828 as op. 106 no 3
 


Das also, das ist der enge Schrein,
Da lag ich einstens als Kind darein,
Da lag ich gebrechlich, hilflos und stumm
Und zog nur zum Weinen die Lippen krumm.
Ich konnte nichts fassen mit Händchen zart,
Und war doch gebunden nach Schelmenart;
Ich hatte Füßchen und lag doch wie lahm,
Bis mutter an ihre Brust mich nahm.
Dann lachte ich saugend zu ihr' empor
Sie sang mir von Rosen und Engeln vor,
Sie sang und sie wiegte mich singend in Ruh,
Und küßte mir liebend die Augen zu.
Sie spannte aus Siede, gar dämmerig grün,
Ein kühliges Zelt hoch über mich hin.
Wo find ich nur wieder solch friedlich Gemach?
Vielleicht, wenn das grüne Gras mein Dach!
O Mutter, lieb; Mutter, bleib' lange noch hier!
Wer sänge dann tröstlich von Engeln mir?
Wer küßte mir liebend die Augen zu
Zur langen, zur letzen und tiefesten Ruh'?

D930 "Der Hochzeitsbraten"
 
Text by Franz von Schober (1798-1882)
Music by Franz Schubert, D. 930 (1827)
 


Therese:
Ach liebes Herz, ach Theobald,
Laß dir nur diesmal raten,
Ich bitt' dich, geh' nicht in den Wald,
Wir brauchen keinen Braten.
Theobald:
Der Stein ist scharf, ich fehle nicht,
Den Hasen muß ich haben.
Der Kerl muß uns als Hauptgericht
Beim Hochzeitschmause laben.
Therese:
Ich bitt' dich, Schatz'.
Theobald:
Ich geh' allein.
Therese:
Sie hängen dich!
Theobald:
Was fällt dir ein!
Therese:
Allein kann ich nicht bleiben.
Theobald:
Nun gut, so magst du treiben.
Therese:
Wo steckt er denn?
Theobald:
Hier ist der Ort.
Therese:
Gsch, gsch! Prr, prr!
Theobald:
Jetzt treibe fort.
Jetzt hier im Kraut.
Jetzt im Gebüsch.
Nur nicht so laut!
Therese:
Nur immer frisch!
Kaspar:
Horch! horch! horch! horch!
Theobald:
Nur still, nur still!
Kaspar:
Potz Blitz, was soll das sein?
Ich glaub', sie jagen.
Da schlag' der Hagel drein!
Theobald:
Still! still!
Therese:
Nur aufgepaßt!
Kaspar:
Potz Blitz!
Theobald:
Da sprach ja wer?
Therese:
Was du nicht hörst!
Gsch, gsch! Prr, prr!
Kaspar:
Der kommt nicht aus,
Den sperr' ich ein.
Theobald:
Es wird der Wind gewesen sein.
Therese:
O Lust, ein Jägersmann zu sein!
Gsch, gsch! Prr, prr!
Ein Has', ein Has'!
Theobald:
Da liegt er schon!
Kaspar:
Nun wart', Halunk, dich trifft dein Lohn!
Theobald:
Welch Meisterschuß,
Grad' in die Brust.
Kaspar:
Du Galgenstrick, du Enakssohn,
Du Haupthalunk', dich trifft dein Lohn!
Therese:
O sieh! den feisten, feisten Rücken,
Den will ich trefflich spicken.
Therese, Theobald:
O Lust, o Lust,
O süße Jägerlust.
Kaspar:
Halt Diebsgepack! halt! halt!
Therese, Theobald:
Nun ist es aus.
Kaspar:
Den Hasen gebt, die Büchs' heraus.
Theobald:
Ich muß...
Kaspar:
...in's Loch!
Therese:
Ich will, ich will...
Kaspar:
...in's Arbeitshaus!
Therese, Theobald:
O weh! o weh!
Mit uns ist's aus.
Kaspar:
Ich treib' euch schon das Stehlen aus.
Therese, Theobald:
Herr Jäger, seid doch nicht von Stein,
Die Hochzeit sollte morgen sein.
Kaspar:
Was kümmert's mich!
Theobald:
Mit Most will ich Euch reich verseh'n.
Therese:
Und ich, ich strick' Euch einen Beutel.
Therese, Theobald:
O hört, o hört!
Kaspar:
Das Mädchen ist verzweifelt schön,
Nein, nein, 's ist alles eitel.
Therese, Theobald:
Und dieser Thaler weiß und blank,
Laßt ihr uns geh'n,
Sei Euer Dank,
O hört, o hört!
Ach! statt den Hasenrücken
Muß ich/sie den Jäger spicken.
Kaspar:
Sie ist doch zum Entzücken,
Ich muß ein Aug' zudrücken.
Nun wohl, weil ernstlich ihr bereut,
Und 's erstemal im Forste seid,
Mag Gnad' für Recht heut' walten,
Ihr möget Hochzeit halten.
Theobald:
O tausend Dank!
Therese:
O lieber Herr!
Therese, Theobald:
Gebt uns zur Hochzeit doch die Ehr'!
Kaspar:
Es sei, ich komme morgen,
Für 'n Braten will ich sorgen.
Alle:
Lebt wohl, lebt wohl bis morgen.
Therese, Theobald:
Das Herz ist frei von seiner Last,
Wir haben Hochzeit und 'nen Gast,
Und obendrein den Braten,
So sind wir gut beraten;
La la la la la.
Kaspar:
Hol' euch der Fuchs, ich wäre fast
Der Bräut'gam lieber als der Gast,
Sie ist kein schlechter Braten,
Der Kerl ist gut beraten;
La la la la la.

D931 "Der Wallensteiner Lanzknecht beim Trunk"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 931 (1827)
 


He! schenket mir im Helme ein,
Der ist des Knappen Becher,
Er ist nicht seicht, und traun, nicht klein,
Das freut den wackern Zecher.
Es schützte mich zu tausendmal
Vor Kolben, Schwert und Spießen,
Er dient mir jetzt als Trinkpokal
Und in der Nacht als Kissen.
Vor Lützen traf ihn jüngst ein Speer,
Bin fast ins Gras gesunken,
Ja, wär' er durch, hätt' nimmermehr
Ein Tröpfelchen getrunken;
Doch kam's nicht so, ich danke dir,
Du brave Pickelhaube!
Der Schwede büßte bald dafür
Und röchelte im Staube.
Nu, tröst' ihn Gott! Schenkt ein, schenkt ein!
Mein Krug hat tiefe Wunden,
Doch hält er noch den deutschen Wein
Und soll mir oft noch munden.

D932 "Der Kreuzzug"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 932 (1827)
 


Ein Münich steht in seiner Zell'
Am Fenstergitter grau,
Viel Rittersleut in Waffen hell,
Die reiten durch die Au.
Sie singen Lieder frommer Art
In schönem, ernsten Chor,
Inmitten fliegt, von Seide zart,
Die Kreuzesfahn' empor.
Sie steigen an dem Seegestad
Das hohe Schiff hinan.
Es läuft hinweg auf grünem Pfad,
Ist bald nur wie ein Schwan.
Der Münich steht am Fenster noch,
Schaut ihnen nach hinaus:
"Ich bin, wie ihr, ein Pilger doch,
Und bleib ich gleich zu Haus.
Des Lebens Fahrt durch Wellentrug
Und heißen Wüstensand,
Es ist ja auch ein Kreuzeszug
In das gelebte Land."

D933 "Des Fischers Liebesglück"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 933 (1827), published 1835

Dort blicket durch Weiden
Und winket ein Schimmer
Blaßstrahlig vom Zimmer
Der Holden mir zu.
Es gaukelt wie Irrlicht
Und schaukelt siech leise,
Sein Abglanz im Kreise
Des schwankenden Sees.
Ich schaue mit Sehnen
Ins Blaue der Wellen
Und grüße den hellen,
Gespiegelten Strahl.
Und springe zum Ruder
Und schwinge den Nachen
Dahin auf den flachen,
Krystallenen Weg.
Fein Liebchen schleicht traulich
Vom Stübchen herunter
Und sputet sich munter
Zu mir in das Boot.
Gelinde dann treiben
Die Winde uns wieder
See-einwärts zum Flieder
Des Ufers hin dann.
Die blassen Nachtnebel
Umfassen mit Hüllen
Vor Spähern des stillen,
Unschuldigen Scherz.
Und tauschen wir Küsse
So rauschen die Wellen,
Im Sinken und Schwellen
Den Horchern zum Trotz.
Nur Sterne belauschen
Uns ferne, und baden
Tief unter den Pfaden
Des gleitenden Kahns.
So schweben wir selig
Umgeben vom Dunkel,
Hoch überm Gefunkel
Der Sterne einher.
Und weinen und lächeln,
Und meinen enthoben
Der Erde schon oben,
Schon drüben zu sein.

D937 "Lebensmut"
 
Text by Ernst Schulze (1789-1817)
Music by Franz Schubert, D. 883 (March 1826), first published in 1832; D. 937
 


O, wie dringt das junge Leben
Kräftig mir durch Sinn und Herz!
Alles fühl ich glüh'n und streben,
Fühle doppelt Lust und Schmerz.
Fruchtlos such ich euch zu halten,
Geister meiner regen Brust!
Nach Gefallen mögt ihr walten,
Sei's zum Leide, sei's zur Lust.
Lod're nur, gewalt'ge Liebe,
Höher lodre nur empor!
Brecht, ihr vollen Blütentriebe,
Mächtig schwellend nur hervor!
Mag das Herz sich blutig färben.
Mag's vergehn in rascher Pein;
Lieber will ich ganz verderben,
Als nur halb lebendig sein.
Dieses Zagen, dieses Sehnen,
Das die Brust vergeblich schwellt,
Diese Seufzer, diese Tränen,
Die der Stolz gefangen hält,
Dieses schmerzlich eitle Ringen,
Dieses Kämpfen ohne Kraft,
Ohne Hoffnung und Vollbringen,
Hat mein bestes Mark erschlaft.
Lieber wecke, rasch unt mutig.
Schlachtruf, den entschlaf'nen Sinn!
Lange träumt' ich, lange ruht' ich,
Gab der Kette lang mich hin.
Hier ist Hölle nicht, noch Himmel,
Weder Frost is hier, noch Glut;
Auf, ins feindliche Getümmel,
Rüstig weiter durch die Flut!
Daß noch einmal Wunsch und Wagen,
Zorn und Liebe, Wohl und Weh
Ihre Wellen um mich schlagen
Auf des Lebens wilder See,
Und ich kühn im tapfern Streite
Mit dem Strom, der mich entrafft,
Selber meinen Nachen leite,
Freudig in geprüfter Kraft. 

D938 "Der Winterabend"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)
Music by Franz Schubert, D. 938 (1828), published 1835
 


Es ist so still, so heimlich um mich.
Die Sonn ist unten, der Tag entwich.
Wie schnell nun heran der Abend graut.
Mir ist es recht, sonst ist mirs zu laut.
Jetzt aber ists ruhig, es hämmert ein Schmied,
Kein Klempner, das Volk verlief, und ist müd.
Und selbst, daß nicht rassle der Wagen Lauf,
Zog Decken der Schnee durch die Gassen auf.
Wie tut mir so wohl der selige Frieden!
Da sitz ich im Dunkel, ganz abgeschieden.
So ganz für mich. Nur der Mondeschein
Kommt leise zu mir ins Gemach [herein].
Er kennt mich schon und läßt mich schweigen.
Nimmt nur seine Arbeit, die Spindel, das Gold,
Und spinnet stille, webt, und lächelt hold,
Und hängt dann sein schimmerndes Schleiertuch
Ringsum an Gerät und Wänden aus.
Ist gar ein stiller, ein lieber Besuch,
Macht mir gar keine Unruh im Haus.
Will er bleiben, so hat er Ort,
Freut's ihn nimmer, so geht er fort.
Ich sitze dann stumm in Fenster gern,
Und schaue hinauf in Gewölk und Stern.
Denke zurück, ach weit, gar weit,
In eine schöne, verschwundne Zeit.
Denk an sie, an das Glück der Minne,
Seufze still und sinne, und sinne.

D939 "Die Sterne"
 
Text by Karl Gottfried von Leitner (1800-1890)

Music by Franz Schubert, D. 939 (January 1828), first published in 1828 as Op 96 no. 1

 
 
Wie blitzen die Sterne so hell durch die Nacht!
Bin oft schon darüber vom Schlummer erwacht.
Doch schelt' ich die lichten gebilde drum nicht,
Sie üben im Stillen manch heilsame Pflicht.
Sie wallen hoch oben in Engelgestalt,
Sie leuchten dem Pilger durch Heiden und Wald.
Sie schweben als Boten der Liebe umher,
Und tragen oft Küße weit über das Meer.
Sie blicken dem Dulder recht mild ins Gesicht,
Und säumen die Tränen mit silbernem Licht.
Und weisen von Gräbern gar tröstlich und hold
Uns hinter das Blaue mit Fingern von Gold.
So sei denn gesegnet, du strahlige Schar!
Und leuchte mir lange noch freundlich und klar!
Und wenn ich einst liebe, seid hold dem verein,
Und euer Geflimmer laßt Segen uns sein!

D942 "Mirjams Siegesgesang"
 
Text by Franz (Seraphicus) Grillparzer (1791-1872)
Music by Franz Schubert, D. 942 (March 1828)

 
Rührt die Zimbel, schlagt die Saiten,
Laßt den Hall es tragen weit;
Groß der Herr zu allen Zeiten,
Heute groß vor aller Zeit.
Aus Ägypten vor dem Volke,
Wie der Hirt den Stab zur Hut,
Zogst du her, dein Stab die Wolke
Und dein Arm des Feuers Gluth.
Zieh, ein Hirt vor deinem Volke,
Stark dein Arm, dein Auge Gluth.
Und das Meer hört deine Stimme,
Tut sich auf dem Zug, wird Land;
Scheu des Meeres Ungethüme,
Schaun's durch die kristallne Wand.
Wir vertrauten deiner Stimme,
Traten froh das neue Land.
Doch der Horizont erdunkelt,
Roß und Reiter löst sich los,
Hörner lärmen, Eisen funkelt,
Es ist Pharao und sein Troß.
Herr, von der Gefahr umdunkelt,
Hilflos wir, dort Mann und Roß.
Und die Feinde, mordentglommen,
Drängen nach den sichern Pfad;
Jetzt und jetzt - da horch'! welch Säuseln,
Wehen, Murmeln, Dröhnen - Sturm.
's ist der Herr in seinem Grimme,
Einstürzt rings der Wasser-Thurm.
Mann und Pferd,
Roß und Reiter
Eingewickelt, umsponnen
Im Netze der Gefahr,
Zerbrochen die Speichen ihrer Wagen;
Tod der Lenker, tod das Gespann.
Tauchst du auf, Pharao?
Hinab, hinunter,
Hinunter in den Abgrund,
Schwarz wie deine Brust.
Und das Meer hat nun vollzogen,
Lautlos rollen seine Wogen,
Nimmer gibt es, was es barg,
Eine Wüste, Grab zugleich und Sarg.
Schrecklich hat der Herr vollzogen,
Lautlos ziehn des Meeres Wogen;
Wer erräth noch, was es barg?
Frevler-Grab zugleich und Sarg.
Drum mit Zimbel und mit Saiten
Laßt den Hall es tragen weit,
Groß der Herr zu allen Zeiten,
Heute groß vor aller Zeit.

D943 "Auf dem Strom"
 
Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
Music by Franz Schubert, D. 943 (1828)

Nimm die letzten Abschiedsküsse,
Und die wehenden, die Grüße,
Die ich noch ans Ufer sende,
Eh' Dein Fuß sich scheidend wende!
Schon wird von des Stromes Wogen
Rasch der Nachen fortgezogen,
Doch den tränendunklen Blick
Zieht die Sehnsucht stets zurück!
Und so trägt mich denn die Welle
Fort mit unerflehter Schnelle.
Ach, schon ist die Flur verschwunden,
Wo ich selig Sie gefunden!
Ewig hin, ihr Wonnetage!
Hoffnungsleer verhallt die Klage
Um das schöne Heimatland,
Wo ich ihre Liebe fand.
Sieh, wie flieht der Strand vorüber,
Und wie drängt es mich hinüber,
Zieht mit unnennbaren Banden,
An der Hütte dort zu landen,
In der Laube dort zu weilen;
Doch des Stromes Wellen eilen
Weiter ohne Rast und Ruh,
Führen mich dem Weltmeer zu!
Ach, vor jener dunklen Wüste,
Fern von jeder heitern Küste,
Wo kein Eiland zu erschauen,
O, wie faßt mich zitternd Grauen!
Wehmutstränen sanft zu bringen,
Kann kein Lied vom Ufer dringen;
Nur der Sturm weht kalt daher
Durch das grau gehobne Meer!
Kann des Auges sehnend Schweifen
Keine Ufer mehr ergreifen,
Nun so schau' ich zu den Sternen
Auf in jenen heil'gen Fernen!
Ach, bei ihrem milden Scheine
Nannt' ich sie zuerst die Meine;
Dort vielleicht, o tröstend Glück!
Dort begegn' ich ihrem Blick.

D945 "Es rauschen die Winde"
 
Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
Music by Franz Schubert, D. 945 "Herbst" (1828)

See also:
 
Franz (Ferencz) Liszt
(1811-1886), S. 294 "Es rauschen die Winde"

Es rauschen die Winde
So herbstlich und kalt;
Verödet die Fluren,
Entblättert der Wald.
Ihr blumigen Auen!
Du sonniges Grün!
So welken die Blüten
Des Lebens dahin.
Es ziehen die Wolken
So finster und grau;
Verschwunden die Sterne
Am himmlischen Blau!
 
Ach wie die Gestirne
Am Himmel entflieh'n,
So sinket die Hoffnung
Des Lebens dahin!
Ihr Tage des Lenzes
Mit Rosen geschmückt,
Wo ich die Geliebte
Ans Herze gedrückt!
Kalt über den Hügel
Rauscht, Winde, dahin!
So sterben die Rosen
Der Liebe dahin!

D949 "Widerschein"
 
Text by Franz Xaver Freiherr von Schlechta (1796-1875)
Music by Franz Schubert, D. 949 (1828)

 
Harrt ein Fischer auf der Brücke,
Die Geliebte säumt,
Schmollend taucht er seine Blicke
In den Bach und träumt.
Doch die lauscht im nahen Flieder,
Und ihr Bildchen strahlt
Jetzt aus klaren Wellen wider,
Treuer nie gemalt.
Und er sieht's! Und er kennt die Bänder,
Kennt den süßen Schein,
Und er hält sich am Geländer,
Sonst zieht's ihn hinein.

D955 "Glaube, Hoffnung und Liebe"
 
Text by Christoph Johann Anton Kuffner (1778-1846)
Music by Franz Schubert, D. 955 op. 97 (1828)
 


Glaube, hoffe, liebe!
Hältst du treu an diesen Dreien,
Wirst du nie dich selbst entzweien,
Wird dein Himmel nimmer trübe.
Glaube fest an Gott und Herz!
Glaube schwebet himmelwärts.
Mehr noch als im Sternrevier,
Lebt der Gott im Busen dir,
Wenn auch Welt und Menschen lügen,
Kann das Herz doch nimmer trügen.
Hoffe dir Unsterblichkeit,
Und hienieden beß're Zeit!
Hoffnung ist ein schönes Licht,
Und erhellt den Weg der Pflicht.
Hoffe, aber fordre nimmer!
Tag wird mählig, was erst Schimmer.
Edel liebe, fest und rein!
Ohne Liebe bist du Stein.
Liebe läutre dein Gefühl,
Liebe leite dich ans Ziel!
Soll das Leben glücklich blühen,
Muß der Liebe Sonne glühen.
Willst du nie dich selbst entzweien,
Halte treu an diesen Dreien!
Daß nichts deinen Himmel trübe:
Glaube, hoffe, liebe!

D957 "Schwanengesang"
 
Music by Franz Schubert, D. 957 op. posth. (1828)
 
 
1. Liebesbotschaft
2. Kriegers Ahnung
3. Frühlingssehnsucht
4. Ständchen
5. Aufenthalt
6. In der Ferne
7. Abschied
8. Der Atlas
9. Ihr Bild
10. Das Fischermädchen
11. Die Stadt
12. Am Meer
13. Der Doppelgänger
14. Die Taubenpost

1. Liebesbotschaft

Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
 
Rauschendes Bächlein,
So silbern und hell,
Eilst zur Geliebten
So munter und schnell?
Ach, trautes Bächlein,
Mein Bote sei du;
Bringe die Grüße
Des Fernen ihr zu.
All ihre Blumen,
Im Garten gepflegt,
Die sie so lieblich
Am Busen trägt,
Und ihre Rosen
In purpurner Glut,
Bächlein, erquicke
Mit kühlender Flut.
Wenn sie am Ufer,
In Träume versenkt,
Meiner gedenkend
Das Köpfchen hängt,
Tröste die Süße
Mit freundlichem Blick,
Denn der Geliebte
Kehrt bald zurück.
Neigt sich die Sonne
Mit rötlichem Schein,
Wiege das Liebchen
In Schlummer ein.
Rausche sie murmelnd
In süße Ruh,
Flüstre ihr Träume
Der Liebe zu.

2. Kriegers Ahnung

Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
 
 
In tiefer Ruh liegt um mich her
Der Waffenbrüder Kreis;
Mir ist das Herz so bang und schwer,
Von Sehnsucht mir so heiß.
Wie hab ich oft so süß geträumt
An ihrem Busen warm!
Wie freundlich schien
des Herdes Glut,
Lag sie in meinem Arm!
Hier, wo der Flammen düstrer Schein
Ach! nur auf Waffen spielt,
Hier fühlt die Brust sich ganz allein,
Der Wehmut Träne quillt.
Herz! Daß der Trost dich nicht verläßt!
Es ruft noch manche Schlacht.
Bald ruh ich wohl und schlafe fest,
Herzliebste - gute Nacht!

3. Frühlingssehnsucht

Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
 
Säuselnde Lüfte wehend so mild
Blumiger Düfte atmend erfüllt!
Wie haucht ihr mich wonnig begrüßend an!
Wie habt ihr dem pochenden Herzen getan?
Es möchte euch folgen auf luftiger Bahn!
Wohin?
Bächlein, so munter rauschend zumal,
Wollen hinunter silbern ins Tal.
Die schwebende Welle, dort eilt sie dahin!
Tief spiegeln sich Fluren und Himmel darin.
Was ziehst du mich, sehnend verlangender Sinn,
Hinab?
Grüßender Sonne spielendes Gold,
Hoffende Wonne bringest du hold!
Wie labt mich dein selig begrüßendes Bild!
Es lächelt am tiefblauen Himmel so mild
Und hat mir das Auge mit Tränen gefüllt!
Warum?
Grünend umkränzet Wälder und Höh'!
Schimmernd erglänzet Blütenschnee!
So dränget sich alles zum bräutlichen Licht;
Es schwellen die Keime, die Knospe bricht;
Sie haben gefunden, was ihnen gebricht:
Und du?
Rastloses Sehnen! Wünschendes Herz,
Immer nur Tränen, Klage und Schmerz?
Auch ich bin mir schwellender Triebe bewußt!
Wer stillet mir endlich die drängende Lust?
Nur du befreist den Lenz in der Brust,
Nur du!

4. Ständchen

Text by Ludwig Rellstab (1799-1860)
 
Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu dir;
In den stillen Hain hernieder,
Liebchen, komm zu mir!
Flüsternd schlanke Wipfel rauschen
In des Mondes Licht;
Des Verräters feindlich Lauschen
Fürchte, Holde, nicht.
Hörst die Nachtigallen schlagen?
Ach! sie flehen dich,
Mit der Töne süßen Klagen
Flehen sie für mich.
Sie verstehn des Busens Sehnen,
Kennen Liebesschmerz,
Rühren mit den Silbertönen
Jedes weiche Herz.
Laß auch dir die Brust bewegen,
Liebchen, höre mich!
Bebend harr' ich dir entgegen!
Komm, beglücke mich!