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Robert Schumann

(1810 - 1856)
 

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The Lieder of Robert Schumman


Lieder – complete index:

Lieder – index b:

Op.31 no. 1 "Die Löwenbraut"
Op.31 no. 2 "Die Kartenlegerin"
Op.31 no. 3 "Die rote Hanne"
Op.33 no. 3 "Die Lotusblume"
Op.33 no. 5 "Rastlose Liebe"
Op.33 no. 6 "Frühlingsglocken"
Op. 35 "Zwölf Lieder"
     a) Lust der Sturmnacht
     b) Stirb, Lieb' und Freud'
     c) Wanderlied
     d) Erstes Grün
     e) Sehnsucht nach der Waldgegend
     f) Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
     g) Wanderung
     h) Stille Liebe
     i) Frage
     j) Stille Tränen
     k) Wer machte dich so krank?
     l) Alte Laute
Op. 36 "Sechs Gedichte aus dem Liederbuch eines Malers"
     a) Sonntags am Rhein
     b) Ständchen
     c) Nichts Schöneres
     d) An den Sonnenschein
     e) Dichters Genesung
     f) Liebesbotschaft
Op.37 no. 1 "Der Himmel hat eine Träne geweint"
Op.37 no. 4 "Liebst du um Schönheit"
Op.37 no. 5 "Ich hab' in mich gesogen"
Op.37 no. 8 "Flügel! Flügel! um zu fliegen"
Op.37 no. 9 "Rose, Meer und Sonne"
Op.37 no. 12 "So wahr die Sonne scheinet"
Op. 39 "Liederkreis"
     a) In der Fremde
     b) Intermezzo
     c) Waldesgespräch
     d) Die Stille
     e) Mondnacht
     f) Schöne Fremde
     g) Auf einer Burg
     h) In der Fremde
     i) Wehmut
     j) Zwielicht
     k) Im Walde
     l) Frühlingsnacht
Op.40 no. 1 "Märzveilchen"
Op.40 no. 2 "Muttertraum"
Op.40 no. 3 "Es geht bei gedämpfter Trommel Klang"
Op.40 no. 4 "Der Spielmann"
Op.40 no. 5 "Verratene Liebe"

Op.31 no. 1 "Die Löwenbraut"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Music by Robert Schumann, Op. 31 no. 1 (1840)


Mit der Myrte geschmückt und dem Brautgeschmeid,
Des Wärters Tochter, die rosige Maid,
Tritt ein in den Zwinger des Löwen;
Er liegt der Herrin zu Füßen, vor der er sich schmiegt.
Der Gewaltige, wild und unbändig zuvor,
Schaut fromm und verständig zur Herrin empor;
Die Jungfrau, zart und wonnereich,
Liebestreichelt ihn sanft und weinet zugleich:
"Wir waren in Tagen, die nicht mehr sind,
Gar treue Gespielen wie Kind und Kind,
Und hatten uns lieb und hatten uns gern;
Die Tage der Kindheit, sie liegen uns fern.
Du schütest machtvoll, eh wir's geglaubt,
Dein mähnenumwogtes königlich Haupt;
Ich wuchs heran, du siehst es: ich bin, -
Ich bin das Kind nicht mehr mit kindischem Sinn.
O wär ich das Kind noch und bliebe bei dir,
Mein starkes getreues, mein redliches Tier!
Ich aber muß folgen, sie taten mir's an,
Hinaus in die Fremde dem fremden Mann.
Es fiel ihm ein, daß schön ich sei,
Ich wurde gefreit, es ist nun vorbei:
Der Kranz im Haar, mein guter Gesell,
Und vor Tränen nicht die Blicke mehr hell.
Verstehst du mich ganz? Schaust grimmig dazu,
Ich bin ja gefaßt, sei ruhig auch du;
Dort seh ich ihn kommen, dem folgen ich muß,
So geb ich denn, Freund, dir den letzten Kuß!"
Und wie ihn die Lippe des Mädchens berührt,
Da hat man den Zwinger erzittern gespürt,
Und wie er am Zwinger den Jüngling erschaut,
Erfaßt Entsetzen die bagenden Braut.
Er stellt an die Tür sich des Zwingers zur Wacht,
Er schwinget den Schweif, er brüllet mit Macht,
Sie flehend, gebietend und drohend begehrt
Hinaus; er im Zorn den Ausgang wehrt.
Und draußen erhebt sich verworren Geschrei.
Der Jüngling ruft: bring Waffen herbei,
Ich schieß ihn nieder, ich treff ihn gut.
Aufbrüllt der Gereizte schäumend vor Wut.
Die Unselige wagt's sich der Türe zu nahn,
Da fällt er verwandelt die Herrin an:
Die schöne Gestalt, ein gräßlicher Raub,
Liegt blutig zerrissen entstellt in dem Staub.
Und wie er vergossen das teure Blut,
Er legt sich zur Leiche mit finsterem Mut,
Er liegt so versunken in Trauer und Schmerz,
Bis tödlich die Kugel ihn trifft in das Herz.

Op.31 no. 2 "Die Kartenlegerin"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Pierre Jean de Béranger (1780-1857)

Music by Robert Schumann, Op. 31 no. 2 (1840)

Schlief die Mutter endlich ein
Über ihrer Hauspostille?
Nadel, liege du nun stille,
Nähen, immer Nähen, nein,
Legen will ich mir die Karten,
Ei, was hab ich zu erwarten,
Ei, was wird das Ende sein?
Trüget mich die Ahnung nicht,
Zeigt sich einer, den ich meine,
Schön, da kommt er ja, der eine,
Coeur-Bub kannte seine Pflicht.
Eine reiche Witwe? Wehe.
Ja, er freit sie, ich vergehe,
O verruchter Bösewicht.
Herzeleid und viel Verdruß,
Eine Schul' und enge Mauern,
Karo-König, der bedauern
Und zuletzt mich trösten muß.
Ein Geschenk auf artge Weise,
Er entführt mich, eine Reise,
Geld und Lust im Überfluß.
Dieser Karo-König da
Muß ein Fürst sein oder König
Und es fehlt daran nur wenig,
Bin ich selber Fürstin ja.
Hier ein Feind, der mir zu schaden
Sich bemüht bei seiner Gnaden,
Und ein Blonder steht mir nah.
Ein Geheimnis kommt zu Tage,
Und ich flüchte noch beizeiten,
Fahret wohl, ihr Herrlichkeiten,
O, das war ein harter Schlag.
Hin ist einer, eine Menge
Bilden um mich ein Gedränge,
Daß ich sie kaum zählen mag.
Kommt das dumme Fraungesicht,
Kommt die Alte da mit Keuchen,
Lieb und Lust mir zu verscheuchen,
Eh, die Jugend mir gebricht?
Ach, die Mutter ist's, die aufwacht,
Und den Mund zu schelten aufmacht.
Nein, die Karten lügen nicht.

Op.31 no. 3 "Die rote Hanne"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Pierre Jean de Béranger (1780-1857)

Music by Robert Schumann, Op. 31 no. 3 (1840)

Den Säuling an der Brust,
Den zweiten der Knaben auf dem Rücken, führt
Sie an der Hand den Erstgebornen,
Der fast entkleidet, barfuß, friert.
Den Vater haben sie gefangen,
Er kühlt im Kerker seinen Mut.
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.
Ich sah sie oft in bessern Tagen,
Schulmeisters liebes Töchterlein;
Sie spann und sang und las und nähte,
Ein herzig Kind und schmuck und fein;
Beim Sonntagstanz im Kreis der Linden,
Wie war sie froh und wohlgemut!
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.
Ein junger reicher hübscher Pächter
Versprach ihr einst ein beßres Glück;
Ihr rotes Haar, das ward verspottet,
Der reiche Freier trat zurück;
Es kamen andre, gingen wieder,
Sie hatte ja kein Heiratsgut.
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.
Ein Taugenichts war schnell entschlossen:
Ich nehm' dich zum Weibe, blond oder rot;
Drei Büschen hab' ich, weiß die Schliche,
Der Förster macht mir keine Not;
Den Schwarzrock will ich auch bezahlen,
Des Sprüchlein uns zusammen tut.
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.
Sie sprach nicht nein, mit sanfter Lockung
Gebot Natur in ihrer Brust,
Und dreimal ward allein im Walde
Sie Mutter unter bittrer Lust.
Die Kinder treiben und gedeihen,
Ein blühend frisch gesundes Blut.
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.
Des treuen Weibes nächt'gen Jammer
Erhellet noch ein milder Schein.
Sie lächelt: ihre Kleinen werden
Schwarzlockig wie der Vater sein;
Sie lächelt: ach, aus ihrem Lächeln
Schöpft der Gefangne frischen Mut.
Sei Gott du mit der roten Hanne!
Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

Op.33 no. 3 "Die Lotusblume"

Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Robert Schumann, Op. 33 no. 3 (1840)

See also:

Robert Franz (1815-1892), Op. 25 no. 1
Wilhelm Kienzl (1857-1941), Op. 8 no. 1
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), Op. 9, H. I, no. 1 (1828)

Die Lotusblume ängstigt
Sich vor der Sonne Pracht
Und mit gesenktem Haupte
Erwartet sie träumend die Nacht.
Der Mond, der ist ihr Buhle
Er weckt sie mit seinem Licht,
Und ihm entschleiert sie freundlich
Ihr frommes Blumengesicht,
Sie blüht und glüht und leuchtet
Und starret stumm in die Höh';
Sie duftet und weinet und zittert
Vor Liebe und Liebesweh.

Op.33 no. 5 "Rastlose Liebe"

Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, Op. 33 no. 5 (1840)

See also:

Robert Franz (1815-1892), Op. 33 no. 6, published 1864
(Joseph) Joachim Raff (1822-1882), Op. 98 no. 23 (1855-63), from Sanges-Frühling
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794 and in 1808
Othmar Schoeck (1886-1957), Op. 19a no. 5 (1912)
Franz Schubert (1797-1828), D. 138 (May 19, 1815), published in 1821 as Op. 5 no. 1
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), Op. 58 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe, VI:1
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), Op. 10 no. 5 (1933)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1812

Dem Schnee, dem Regen,
Dem Wind entgegen,
Im Dampf der Klüfte
Durch Nebeldüfte,
Immer zu! Immer zu!
Ohne Rast und Ruh!
Lieber durch Leiden
[Wollt] ich mich schlagen,
Als so viel Freuden
Des Lebens ertragen.
Alle das Neigen
Von Herzen zu Herzen,
Ach, wie so eigen
Schaffet das Schmerzen!
Wie soll ich fliehen?
Wälderwärts ziehen?
Alles vergebens!
Krone des Lebens,
Glück ohne Ruh,
Liebe, bist du!

Op.33 no. 6 "Frühlingsglocken"

Text by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Robert Schumann, Op. 33 no. 6 (1840)

See also:
 
Ludwig Spohr
(1784-1859), Op. 101 no. 1 (1837)
Hugo Wolf (1860-1903), from 9 Reinick-Lieder, no. 4

Schneeglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut' geboren ward,
Ein Kind der allerschönsten Art;
Zwar liegt es noch im weißen Bett,
Doch spielt es schon so wundernett,
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd'
Und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all, erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!
Maiglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam!
Macht Hochzeit mit der Erde heut'
Mit großer Pracht und Festligkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
Und schwenkt die bunte Hochzeitfahn'!
Du Ros und Lilie, schmückt euch fein!
Brautjungfern sollt ihr heute sein!
Schmetterling, sollt bunt und flink
Den Hochzeitreigen führen,
Die Vögel musizieren!
Blauglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut' nacht der Frühling scheiden muß,
Drum bringt man ihm den Abschiedsgruß,
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
Es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
Dazwischen singt mit süßem Schall
Aus jedem Busch die Nachtigall
Und wird ihr Lied so bald nicht müd',
Ist auch der Frühling schon so ferne -
Sie hatten ihn alle so gerne!

Op. 35 "Zwölf Lieder"

Texts by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann, Op. 35 (1840)
 
     a) Lust der Sturmnacht
     b) Stirb, Lieb' und Freud'
     c) Wanderlied
     d) Erstes Grün
     e) Sehnsucht nach der Waldgegend
     f) Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
     g) Wanderung
     h) Stille Liebe
     i) Frage
     j) Stille Tränen
     k) Wer machte dich so krank?
     l) Alte Laute

a) Lust der Sturmnacht

Wenn durch Berg und Tale draußen
Regen schauert, Stürme brausen,
Schild und Fenster hell erklirren,
Und in Nacht die Wandrer irren,
Ruht es sich so süß hier innen,
Aufgelöst in sel'ges Minnen;
All der goldne Himmelsschimmer
Flieht herein ins stille Zimmer:
Reiches Leben, hab Erbarmen!
Halt mich fest in linden Armen!
Lenzesblumen aufwärts dringen,
Wölklein ziehn und Vöglein singen.
Ende nie, du Sturmnacht, wilde!
Klirrt, ihr Fenster, schwankt, ihr Schilde,
Bäumt euch, Wälder, braus, o Welle,
Mich umfängt des Himmels Helle!

b) Stirb, Lieb' und Freud'

Text also set by other composers.
Zu Augsburg steht ein hohes Haus,
Nah bei dem alten Dom,
Da tritt am hellen Morgen aus
Ein Mägdelein gar fromm;
Gesang erschallt,
Zum Dome wallt
Die liebe Gestalt.
Dort vor Marias heilig' Bild
Sie betend niederkniet,
Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,
Und alle Weltlust flieht:
"O Jungfrau rein!
Laß mich allein
Dein eigen sein!"
Alsbald der Glocke dumpfer Klang
Die Betenden erweckt,
Das Mägdlein wallt die Hall' entlang,
Es weiß nicht, was es trägt;
Am Haupte ganz
Von Himmelsglanz
Einen Lilienkranz.
Mit Staunen schauen all' die Leut'
Dies Kränzlein licht im Haar,
Das Mägdlein aber wallt nicht weit,
Tritt vor den Hochaltar:
"Zur Nonne weiht
Mich arme Maid!
Stirb, Lieb' und Freud'!"
Gott, gib, daß dieses Mägdelein
Ihr Kränzlein friedlich trag',
Es ist die Herzallerliebste mein,
Bleibt's bis zum jüngsten Tag.
Sie weiß es nicht,
Mein Herz zerbricht,
Stirb, Lieb' und Licht!

c) Wanderlied

Wohlauf! noch getrunken den funkelnden Wein!
Ade nun, ihr Lieben! geschieden muß sein.
Ade nun, ihr Berge, du väterlich' Haus!
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus.
Die Sonne, sie bleibet am Himmel nicht stehn,
Es treibt sie, durch Länder und Meere zu gehn.
Die Woge nicht haftet am einsamen Strand,
Die Stürme, sie brausen mit Macht durch das Land.
Mit eilenden Wolken der Vogel dort zieht
Und singt in der Ferne ein heimatlich' Lied,
So treibt es den Burschen durch Wälder und Feld,
Zu gleich der Mutter, der wandernden Welt.
Da grüßen ihn Vögel bekannt überm Meer,
Sie flogen von Fluren der Heimat hierher;
Da duften die Blumen vertraulich um ihn,
Sie trieben vom Lande die Lüfte dahin.
Die Vögel, die kennen sein väterlich' Haus,
Die Blumen, die pflanzt er der Liebe zum Strauß,
Und Liebe, die folgt ihm, sie geht ihm zur Hand:
So wird ihm zur Heimt das ferneste Land.

d) Erstes Grün

Du junges Grün, du frisches Gras!
Wie manches Herz durch dich genas,
Das von des Winters Schnee erkrankt,
Oh wie mein Herz nach dir verlangt!
Schon wächst du aus der Erde Nacht,
Wie dir mein Aug' entgegen lacht!
Hier in des Waldes stillem Grund
Drückt' ich dich, Grün, an Herz und Mund.
Wie treibt's mich von den Menschen fort!
Mein Leid, das hebt kein Menschenwort,
Nur junges Grün ans Herz gelegt,
Macht, daß mein Herze stiller schlägt.

e) Sehnsucht nach der Waldgegend

Wär' ich nie aus euch gegangen,
Wälder, hehr und wunderbar!
Hieltet liebend mich umfangen
Doch so lange, lange Jahr'.
Wo in euren Dämmerungen
Vogelsang und Silberquell,
Ist auch manches Lied entsprungen
Meinem Busen, frisch und hell.
Euer Wogen, euer Hallen,
Euer Säuseln nimmer müd',
Eure Melodien alle
Weckten in der Brust das Lied.
Hier in diesen weiten Triften
Ist mir alles öd' und stumm,
Und ich schau' in blauen Lüften
Mich nach Wolkenbildern um
Wenn ihr's in den Busen zwinget,
Regt sich selten nur das Lied:
Wie der Vogel halb nur singet,
Den von Baum und Blatt man schied.

f) Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes

Du herrlich Glas, nun stehst du leer,
Glas, das er oft mit Lust gehoben;
Die Spinne hat rings um dich her
Indes den düstren Flor gewoben.
Jetzt sollst du mir gefüllet sein
Mondhell mit Gold der deutschen Reben!
In deiner Tiefe heil'gen Schein
Schau' ich hinab mit frommem Beben.
Was ich erschau' in deinem Grund
Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen.
Doch wird mir klar zu dieser Stund',
Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.
Auf diesen Glauben, Glas so hold!
Trink' ich dich aus mit hohem Mute.
Klar spiegelt sich der Sterne Gold,
Pokal, in deinem teuren Blute!
Still geht der Mond das Tal entlang,
Ernst tönt die mitternächt'ge Stunde.
Leer steht das Glas! Der heil'ge Klang
Tönt nach in dem kristallnen Grunde.

g) Wanderung

Wohlauf und frisch gewandert ins unbekannte Land!
Zerrissen, ach zerrissen, ist manches teure Band.
Ihr heimatlichen Kreuze, wo ich oft betend lag,
Ihr Bäume, ach, ihr Hügel, oh blickt mir segnend nach.
Noch schläft die weite Erde, kein Vogel weckt den Hain,
Doch bin ich nicht verlassen, doch bin ich nicht allein,
Denn, ach, auf meinem Herzen trag' ich ihr teures Band,
Ich fühl's, und Erd und Himmel sind innig mir verwandt.

h) Stille Liebe

Könnt' ich dich in Liedern preisen,
Säng' ich dir das längste Lied.
Ja, ich würd' in allen Weisen
Dich zu singen nimmer müd'!
Doch was immer mich betrübte,
Ist, daß ich nur immer stumm
Tragen kkann dich, Herzgeliebte,
In des Busens Heiligtum.
Dieser Schmerz hat mich bezwungen,
Daß ich sang dies kleine Lied,
Doch von bitterm Leid durchdrungen,
Daß noch keins auf dich geriet.

i) Frage

Wärst du nicht, heil'ger Abendschein!
Wärst du nicht, sternerhellte Nacht!
Du Blütenschmuck! Du üpp'ger Hain!
Und du, Gebirg', voll ernster Pracht!
Du Vogelsang aus Himmeln hoch!
Du Lied aus voller Menschenbrust!
Wärst du nicht, ach, was füllte noch
In arger Zeit ein Herz mit Lust?

j) Stille Tränen

Du bist vom Schlaf erstanden
Und wandelst durch die Au.
Da liegt ob allen Landen
Der Himmel wunderblau.
So lang du ohne Sorgen
Geschlummert schmerzenlos,
Der Himmel bis zum Morgen
Viel Tränen niedergoß.
In stillen Nächten weinet
Oft mancher aus dem Schmerz,
Und morgens dann ihr meinet,
Stets fröhlich sei sein Herz.

k) Wer machte dich so krank?

Daß du so krank geworden,
Wer hat es denn gemacht?
Kein kühler Hauch aus Norden
Und keine Sternennacht.
Kein Schatten unter Bäumen,
Nicht Glut des Sonnenstrahls,
Kein Schlummern und kein Träumen
Im Blütenbett des Tals.
Daß ich trag' Todeswunden,
Das ist der Menschen Tun;
Natur ließ mich gesunden,
Sie lassen mich nicht ruhn.

l) Alte Laute

Hörst du den Vogel singen?
Siehst du den Blütenbaum?
Herz! kann dich das nicht bringen
Aus deinem bangen Traum?
Was hör' ich? Alte Laute
Wehmüt'ger Jünglingsbrust,
Der Zeit, als ich vertraute
Der Welt und ihrer Lust.
Die Tage sind vergangen,
Mich heilt kein Kraut der Flur;
Und aus dem Traum, dem bangen,
Weckt mich ein Engel nur.

Op. 36 "Sechs Gedichte aus dem Liederbuch eines Malers"

Texts by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Robert Schumann, Op. 36

     a) Sonntags am Rhein
     b) Ständchen
     c) Nichts Schöneres
     d) An den Sonnenschein
     e) Dichters Genesung
     f) Liebesbotschaft

a) Sonntags am Rhein

Des Sonntags in der Morgenstund,
Wie wandert's sich so schön
Am Rhein, wenn rings in weiter Rund
Die Morgenglocken gehn!
Ein Schifflein zieht auf blauer Flut,
Da singt's und jubelt's drein;
Du Schifflein, gelt, das fährt sich gut
In all die Lust hinein?
Vom Dorfe hallet Orgelton,
Es tönt ein frommes Lied,
Andächtig dort die Prozession
Aus der Kapelle zieht.
Und ernst in all die Herrlichkeit
Die Burg herniederschaut
Und spricht von alter, guter Zeit,
Die auf den Fels gebaut.
Das alles beut der prächtge Rhein
An seinem Rebenstrand,
Und spiegelt recht im hellsten Schein
Das ganze Vaterland,
Das fromme, treue Vaterland
In seiner vollen Pracht,
Mit Lust und Liedern allerhand
Vom leben Gott bedacht.

b) Ständchen

Text also set by other composers.

Komm in die stille Nacht!
Liebchen, was zögerst du?
Sonne ging längst zur Ruh',
Welt schloß die Augen zu,
Rings nur einzig die Liebe wacht!
Liebchen, was zögerst du?
Schon sind die Sterne hell,
Schon ist der Mond zur Stell',
Eilen so schnell, so schnell!
Liebchen, ach Liebchen, drum eil' auch du.
Sonne ging längst zur Ruh!
Traust wohl dem Schimmer nicht,
Der durch die Blüten bricht?
Treu ist des Mondes Licht.
Liebchen, mein Liebchen, was fürchtest du?
Welt schloß die Augen zu!
Blumen und Blütenbaum
Schlummern in süßen Traum,
Erde, sie atmet kaum,
Liebe nur schaut dem Liebenden zu!
Einzig die Liebe wacht,
Ruft dich allüberall.
Hör die Nachtigall,
Hör meiner Stimme Schall,
Liebchen, o komm in die stille Nacht!

c) Nichts Schöneres

Text also set by other composers.

Als ich zuerst dich hab' gesehn,
Wie du so lieblich warst, so schön,
Da fiel's mein Lebtag mir nicht ein,
Daß noch was Schönres sollte sein,
Als in dein liebes Augenpaar
Hineinzuschauen immerdar.
Da hab ich denn so lang geschaut,
Bis du geworden meine Braut,
Und wieder fiel es mir nicht ein,
Daß noch was Schönres könnte sein,
Als so an deinem roten Mund
Sich satt zu küssen alle Stund.
Da hab ich denn so lang geküßt,
Bis du mein Weibchen worden bist,
Und kann nun wohl versichert sein,
Daß noch was Schönres nicht kann sein,
Als wie mit seinem lieben Weib
Zu sein so ganz ein Seel und Leib.

d) An den Sonnenschein

O Sonnenschein, o Sonnenschein!
Wie scheinst du mir ins Herz hinein,
Weckst drinnen lauter Liebeslust,
Daß mir so enge wird die Brust!
Und enge wird mir Stub' und Haus,
Und wenn ich lauf zum Tor hinaus,
Da lockst du gar ins frische Grün
Die allerschönsten Mädchen hin!
O Sonnenschein! Du glaubest wohl,
Daß ich wie du es machen soll,
Der jede schmucke Blume küßt,
Die eben nur sich dir erschließt?
Hast doch so lang die Welt erblickt,
Und weißt, daß sich's für mich nicht schickt;
Was machst du mir denn solche Pein?
O Sonnenschein! o Sonnenschein!

e) Dichters Genesung

Und wieder hatt' ich der Schönsten gedacht,
Die nur in Träumen bisher ich gesehen;
Es trieb mich hinaus in die lichte Nacht,
Durch stille Gründe mußt ich gehen.
Da auf einmal glänzte das Tal,
Schaurig als wär es ein Geistersaal
Da rauschten zusammen zur Tanzmelodei
Der Stom und die Winde mit Klingen und Zischen,
Da weht' es im flüchtigen Zuge herbei
Aus Felsen und Tale, aus Wellen und Büschen,
Und im Mondesglanz, ein weißer Kranz,
Tanzten die Elfen den Reigentanz.
Und mitten im Kreis ein luftiges Weib,
Die Königin war es, ich hörte sie singen:
"Laß ab von dem schweren irdischen Leib,
Laß ab von den törichten irdischen Dingen!
Nur im Mondenschein ist Leben allein!
Nur im Träumen zu schweben, ein ewiges Sein!
Ich bin's, die in Träumen du oft gesehn,
Ich bin's, die als Liebchen du oft besungen,
Ich bin es, die Elfenkönigin,
Du wolltest mich schauen, es ist dir gelungen.
Nun sollst du mein auf ewig sein,
Komm mit, komm mit in den Elfenreihn!"
Schon zogen, schon flogen sie all um mich her,
Da wehte der Morgen, da bin ich genesen.
Fahr wohl nun, du Elfenkönigin,
Jetzt will ein andres Lieb ich mir erlesen;
Ohn Trug und Schein und von Herzen rein
Wird wohl auch für mich eins zu finden sein.

f) Liebesbotschaft

Text also set by other composers.

Wolken, die ihr nach Osten eilt,
Wo die eine, die Meine weilt,
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Sollen auf eure Flügel sich schwingen,
Sollen euch, Flüchtige, zu ihr lenken,
Daß die Züchtige meiner in Treuen mag gedenken.
Und am Abend in stiller Ruh',
Breitet der sinkenden Sonne euch zu!
Mögt mit Purpur und Gold euch malen,
Mögt in dem Meere von Gluten und Strahlen
Leicht sich schwingende Schifflein fahren,
Daß sie singende Engel glaubet auf euch zu gewahren.
Ja, wohl möchten es Engel sein,
Wär mein Herz gleich ihrem rein;
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Zieht ja dahin auf euren Schwingen,
Euch, ihr Flüchtigen, hinzulenken
Zu der Züchtigen, der ich einzig nur mag gedenken.

Op.37 no. 1 "Der Himmel hat eine Träne geweint"

Text by Friedrich Rückert (1788-1866) (aus "Liebesfrühling")
Music by Robert Schumann, "Der Himmel hat eine Träne geweint", Op. 37 no. 1

See also:

Robert Franz (1815-1892), "Die Perle", Op. 48 no. 4 (1878)
Max Reger (1873-1916), "Der Himmel hat eine Träne geweint", Op. 35 no. 2 (1899)


Der Himmel hat eine Träne geweint,
Die hat sich ins Meer verlieren gemeint.
Die Muschel kam und schloß sie ein:
Du sollst nun meine Perle sein.
Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn' in meiner Brust!
Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte
Den reinsten deiner Tropfen hüte.

Op.37 no. 4 "Liebst du um Schönheit"

Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Robert Schumann, Op. 37 no. 4 (1840)

See also:
 
Gustav Mahler
(1860-1911), from Fünf Rückert-Lieder, no. 2 (1901-2)
Hermann Reutter (1900-1985), Op. 54 no. 2 (published 1941)
Clara Wieck Schumann (1819-1896), Op. 12 no. 4

Liebst du um Schöheit,
O nicht mich liebe!
Liebe die Sonne,
Sie trägt ein gold'nes Haar!
Liebst du um Jugend,
O nicht mich liebe!
Liebe der Frühling,
Der jung ist jedes Jahr!
Liebst du um Schätze,
O nicht mich liebe.
Liebe die Meerfrau,
Sie hat viel Perlen klar.
Liebst du um Liebe,
O ja, mich liebe!
Liebe mich immer,
Dich lieb' ich immerdar. 

Op.37 no. 5 "Ich hab' in mich gesogen"

Text by Friedrich Rücker (1788-1866) (aus "Liebesfrühling")
Music by Robert Schumann, "Ich hab' in mich gesogen", Op. 37 no. 5

See also:

Robert Franz (1815-1892), "Liebesfrühling",

Op. 50 no. 6 (1879)
Ich hab' in mich gesogen,
Den Frühling treu und lieb,
Daß er, der Welt entflogen,
Hier in der Brust mir blieb.
Hier sind die blauen Lüfte,
Hier sind die grünen Aun,
Die Blumen hier, die Düfte,
Der blühende Rosenzaun.
Und hier am Busen lehnet
Mit süßem Liebes-Ach,
Die Liebste, die sich sehnet
Den Frühlingswonnen nach.
Sie lehnt sich an zu lauschen
Und hört in stiller Lust
Die Frühlingsströme rauschen
In ihres Dichters Brust.
Da quellen auf die Lieder
Und strömen über sie
Den vollsten Frühling nieder,
Den mir der Gott verlieh.
Und wie sie, davon trunken,
Umblicket rings im Raum,
Blüht auch von ihren Funken
Die Welt, ein Frühlingsstraum.

Op.37 no. 8 "Flügel! Flügel! um zu fliegen"

Text by Friedrich Rücker (1788-1866) (aus "Liebesfrühling")
Music by Robert Schumann, "Ich hab' in mich gesogen", Op. 37 no. 8

See also:

Robert Franz (1815-1892), "Liebesfrühling", Op. 50 no. 6 (1879)

Flügel! Flügel! um zu fliegen
Über Berg und Tal,
Flügel, um mein Herz zu wiegen
Auf des Morgens Strahl!
Flügel, übers Meer zu schweben
Mit dem Morgenrot,
Flügel, Flügel übers Leben,
Über Grab und Tod!
Flügel, wie sie Jugend hatte,
Da sie mir entflog,
Flügel wie des Glückes Schatten,
Der mein Herz betrog!
Flügel, nachzufliehn den Tagen,
Die vorüber sind!
Flügel, Freunden einzujagen,
Die entflohn im Wind.
Flügel, gleich den Nachtigallen,
Wann die Rosen blühn,
Aus dem Land, wo Nebel wallen,
Ihnen nachzuziehn! Flügel! Flügel!
Ach! von dem Verbannungsstrande,
Wo kein Nachen winkt,
Flügel, Flügel nach dem Heimatlande,
Wo die Krone blinkt!
Freiheit, wie zum Schmetterlinge
Raupenleben reift,
Wenn sich dehnt des Geistes Schwinge
Und die Hüll entstreift!
Oft in stillen Mitternächten
Fühl' ich mich empor
Flügeln von des Traumes Mächten
Zu dem Sternentor.
Doch gewachsene Gefieder
In der Nächte Duft,
Mir entträufeln seh ich's wieder
An des Morgens Luft.
Sonnenbrand den Fittich schmelzet,
Ikar stürzt ins Meer,
Und der Sinne Brausen wälzet
Überm Geist sich her.

Op.37 no. 9 "Rose, Meer und Sonne"

Text by Friedrich Rücker (1788-1866) (aus "Liebesfrühling")
Music by Robert Schumann, Op. 37 no. 9

Rose, Meer und Sonne
Sind ein Bild der Liebsten mein,
Die mit ihrer Wonne
Faßt mein ganzes Leben ein.
Aller Glanz, ergossen,
Aller Tau der Frühlingsflur
Liegt vereint beschlossen
In dem Kelch der Rose nur.
Alle Farben ringen,
Aller Duft im Lenzgefild',
Um hervorzubringen
Im Verein der Rose Bild.
Alle Ströme haben
Ihren Lauf auf Erden bloß,
Um sich zu begraben
Sehnend in des Meeres Schoß.
Alle Quellen fließen
In den unerschöpften Grund,
Einen Kreis zu schließen
Um der Erde blühndes Rund.
Alle Stern' in Lüften
Sind ein Liebesblick der Nacht,
In des Morgens Düften
Sterbend, wann der Tag erwacht.
Alle Weltenflammen,
Der zerstreute Himmelsglanz,
Fließen hell zusammen
In der Sonne Strahlenkranz.

Op.37 no. 12 "So wahr die Sonne scheinet"

Text by Friedrich Rücker (1788-1866) (aus "Liebesfrühling")
Music by Robert Schumann, "So wahr die Sonne scheinet", Op. 37 no. 12 (1840)

See also:

Wilhelm Kienzl (1857-1941), "I. Aus dem I. Strauss: Erwacht.", Op. 11 no. 1 (187-?), from Liebesfrühling
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux (1810-1858), "So wahr die Sonne scheinet", Op. 10 no.3
Hugo Wolf (1860-1903), "So wahr die Sonne scheinet" (1878)


So wahr die Sonne scheinet,
So wahr die Wolke weinet,
So wahr die Flamme sprüht,
So wahr der Frühling blüht;
So wahr hab' ich empfunden,
Wie ich dich halt' umwunden:
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.
Die Sonne mag verscheinen,
Die Wolke nicht mehr weinen,
Die Flamme mag versprühn,
Der Frühling nicht mehr blühn!
Wir wollen uns umwinden
Und immer so empfinden;
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.

Op. 39 "Liederkreis"

Texts by Joseph von Eichendorff (1788-1857)
Music by Robert Schumann, Op. 39 (1840)
 
     a) In der Fremde
     b) Intermezzo
     c) Waldesgespräch
     d) Die Stille
     e) Mondnacht
     f) Schöne Fremde
     g) Auf einer Burg
     h) In der Fremde
     i) Wehmut
     j) Zwielicht
     k) Im Walde
     l) Frühlingsnacht

a) In der Fremde

Text also set by other composers.

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
Da kommen die Wolken her,
Aber Vater und Mutter sind lange tot,
Es kennt mich dort keiner mehr.
Wie bald, ach wie bald kommt die stille Zeit,
Da ruhe ich auch, und über mir
Rauscht die schöne Waldeinsamkeit,
Und keiner kennt mich mehr hier.

b) Intermezzo

Text also set by other composers.

Dein Bildnis wunderselig
Hab ich im Herzensgrund,
Das sieht so frisch und fröhlich
Mich an zu jeder Stund.
Mein Herz still in sich singet
Ein altes schönes Lied,
Das in die Luft sich schwinget
Und zu dir eilig zieht.

c) Waldesgespräch

Text also set by other composers.

Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Was reitest du einsam durch den Wald.
Der Wald ist lang, du bist allein,
Du schöne Braut! Ich führ dich heim!
"Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh! Du weißt nicht, wer ich bin."
So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn ich dich - Gott steht mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei. -
"Du kennst mich wohl - vom hohen Stein
Schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald."

d) Die Stille

Text also set by other composers.

Es weiß und rät es doch keiner,
Wie mir so wohl ist, so wohl!
Ach, wüßt es nur einer, nur einer,
Kein Mensch es sonst wissen soll!
So still ist's nicht draußen im Schnee,
So stumm und verschwiegen sind
Die Sterne nicht in der Höh,
Als meine Gedanken sind.
Ich wünscht', es wäre schon Morgen,
Da fliegen zwei Lerchen auf,
Die überfliegen einander,
Mein Herz folgt ihrem Lauf.
Ich wünscht', ich wäre ein Vöglein
Und zöge über das Meer,
Wohl über das Meer und weiter,
Bis daß ich im himmel wär!

e) Mondnacht

Text also set by other composers.

Es war, als hätt' der Himmel,
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nur träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

f) Schöne Fremde

Text also set by other composers.

Es rauschen die Wipfel und schauern,
Als machten zu dieser Stund
Um die halbversunkenen Mauern
Die alten Götter die Rund.
Hier hinter den Myrtenbäumen
In heimlich dämmernder Pracht,
Was sprichst du wirr wie in Träumen
Zu mir, phantastische Nacht?
Es funkeln auf mich alle Sterne
Mit glühendem Liebesblick,
Es redet trunken die Ferne
Wie vom künftigem, großem Glück.

g) Auf einer Burg

Text also set by other composers.

Eingeschlafen auf der Lauer
Oben ist der alte Ritter;
Drüber gehen Regenschauer,
Und der Wald rauscht durch das Gitter,
Eingewachsen Bart und Haare
Und versteinert Brust und Krause,
Sitzt er viele hundert Jahre
Oben in der stillen Klause.
Draußen ist es still' und friendlich,
Alle sind ins Tal gezogen,
Waldesvögel einsam singen
In den leeren Fensterbogen.
Eine Hochzeit fährt da unten
Auf dem Rhein im Sonnenscheine,
Musikanten spielen munter,
Und die schöne Braut, die weinet.

h) In der Fremde

Text also set by other composers.

Ich hör' die Bächlein rauschen
Im Walde her und hin.
Im Walde, in dem Rauschen,
Ich weiß nicht, wo ich bin.
Die Nachtigallen schlagen
Hier in der Einsamkeit,
Als wollten sie was sagen
Von der alten, schönen Zeit.
Die Mondesschimmer fliegen,
Als säh ich unter mir
Das Scloß im Tale liegen,
Und ist doch so weit von hier!
Als müßte in dem Garten,
Voll Rosen weiß und rot,
Meine Liebste auf mich warten,
Und ist doch so lange tot.

i) Wehmut

Text also set by other composers.

Ich kann wohl manchmal singen,
Als ob ich fröhlich sei,
Doch heimlich Tränen dringen,
Da wird das Herz mir frei.
Es lassen Nachtigallen,
Spielt draußen Frühlingsluft,
Der Sehnsucht Lied erschallen
Aus ihres Kerkers Gruft.
Da lauschen alle Herzen,
Und alles ist erfreut,
Doch keiner fühlt die Schmerzen,
Im Lied das tiefe Leid.

j) Zwielicht

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken ziehn wie schwer Träume -
Was willst dieses Graun bedeuten?
Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger ziehn im Wald und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug' und Munde,
Sinnt er Krieg im tück'schen Frieden.
Was heut gehet müde unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches geht in Nacht verloren -
Hüte dich, sei wach und munter!

k) Im Walde

Text also set by other composers.

Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
Ich hörte die Vögel schlagen,
Da blitzten viel Reiter, das Waldhorn klang,
Das war ein lustiges Jagen!
Und eh ich's gedacht, war alles verhallt,
Die Nacht bedecket die Runde,
Nur von den Bergen noch rauschet der Wald
Und mich schauert's im Herzensgrunde.

l) Frühlingsnacht

Text also set by other composers.

Über Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt's schon an zu blüh'n.
Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagen's,
Und im Traume rauscht's der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen's:
Sie ist deine! Sie ist deine!

Op.40 no. 1 "Märzveilchen"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Hans Christian Andersen (1805-1875)

Music by Robert Schumann, Op. 40 no. 1 (1840)

Der Himmel wölbt sich rein und blau,
Der Reif stellt Blumen aus zur Schau.
Am Fenster prangt ein flimmernder Flor.
Ein Jüngling steht, ihn betrachtend, davor.
Und hinter den Blumen blühet noch gar
Ein blaues, ein lächelndes Augenpaar.
Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn!
Der Reif wird angehaucht zergehn.
Eisblumen fangen zu schmelzen an,
Und Gott sei gnädig dem jungen Mann.

Op.40 no. 2 "Muttertraum"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Hans Christian Andersen (1805-1875)

Music by Robert Schumann, Op. 40 no. 2 (1840)

See also:

Frank Valentine van der Stucken (1858-1929), Op. 5 no. 6 (1879)

Die Mutter betet herzig und schaut entzückt
Auf den schlummernden Kleinen.
Er ruht in der Wiege so sanft und traut.
Ein Engel muß er ihr scheinen.
Sie küßt ihn und herzt ihn, sie hält sich kaum.
Vergessen der irdischen Schmerzen,
Es schweift in die Zukunft ihr Hoffnungstraum.
So träumen Mütter im Herzen.
Der Rab indes mit der Sippschaft sein
Kreischt draußen am Fenster die Weise:
Dein Engel, dein Engel wird unser sein,
Der Räuber dient uns zur Speise.

Op.40 no. 3 "Es geht bei gedämpfter Trommel Klang"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Hans Christian Andersen (1805-1875)

Music by Robert Schumann, Op. 40 no. 3, "Der Soldat" (1840)

See also:

Robert Franz (1815-1892), Op. 52 no. 2, "Mitten ins Herzen" (1884)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Der Soldat"

Es geht bei gedämpfter Trommel Klang;
Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang!
O wär er zur Ruh und alles vorbei!
Ich glaub', es bricht mir das Herz entzwei!
Ich hab' in der Welt nur ihn geliebt,
Nur ihn, dem jetzt man den Tod doch gibt!
Bei klingendem Spiele wird paradiert;
Dazu bin auch ich kommandiert.
Nun schaut er auf zum letzten Mal
In Gottes Sonne freudigen Strahl;
Nun binden sie ihm die Augen zu -
Dir schenke Gott die ewige Ruh!
Es haben die Neun wohl angelegt;
Acht Kugeln haben vorbeigefegt.
Sie zittern alle vor Jammer und Schmerz -
Ich aber, ich traf ihn mitten in das Herz.

Op.40 no. 4 "Der Spielmann"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838) after Hans Christian Andersen (1805-1875)

Music by Robert Schumann, Op. 40 no. 4 (1840)

Im Städtchen gibt es des Jubels viel,
Da halten sie Hochzeit mit Tanz und mit Spiel.
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot,
Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod.
Ja tot für den, den nicht sie vergißt,
Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist:
Da steht er immitten der Gäste im Krug,
Und streichelt die Geige lustig genug.
Er streichelt die Geige, sein Haar ergraut,
Es schwingen die Saiten gellend und laut,
Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht,
Ob auch sie in tausend Stücke zerbricht.
Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt,
Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt.
Ich mag und will nicht länger es sehn!
Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn!
Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich?
O Gott - bewahr uns gnädiglich,
Daß keinen der Wahnsinn übermannt.
Bin selber ein armer Musikant.

Op.40 no. 5 "Verratene Liebe"

Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Music by Robert Schumann, Op. 40 no. 5 (1840)

See also:

Peter Cornelius (1824-1874), 1847-8

Da nachts wir uns küßten, o Mädchen,
hat keiner uns zugeschaut.
Die Sterne, die standen am Himmel,
wir haben den Sternen getraut.
Es ist ein Stern gefallen,
der hat dem Meer uns verklagt,
da hat das Meer es dem Ruder,
das Ruder dem Schiffer gesagt.
Da sang der selbige Schiffer
es seiner Liebsten vor.
Nun singen's auf Straßen und Märkten
die Knaben und Mädchen im Chor.