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Robert Schumann

(1810 - 1856)
 

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The Lieder of Robert Schumman


Lieder – complete index

Lieder – index d:
  
Op.67 no.1 "Es war ein König in Thule"
Op.67 no.3 "Heidenröslein"
Op.67 no.4 "Ungewitter"
Op.69 no.2 "Waldmädchen"
Op.69 no.3 "Klosterfräulein"
Op.74 no.2 "Und schläfst du, mein Mädchen"
Op.74 no.3 "Dereinst, Gedanken mein"
Op.74 no.4 "Alle gingen, Herz, zur Ruh"
Op.74 no.6 "Melancholie"
Op.74 no.7 "Geständnis"
Op.74 no. 9 "Mögen alle bösen Zungen"
Op.74 no. 10 "Der Contrabandiste"
Op.75 no. 5 "Vom verwundeten Knaben"
Op.77 no. 1 "Der frohe Wandersmann"
Op.77 no. 5 "Aufträge"
Op.78 no. 1 "Tanzlied"
Op.78 no. 2 "Er und Sie"
Op.78 no. 3 "Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer"
Op.79 no. 5 "Vom Schlaraffenland"
Op.79 no. 7 "Zigeunerliedchen I", aus Liederalbum für die Jugend
Op.79 no. 8 "Zigeunerliedchen II", aus Liederalbum für die Jugend
Op.79 no. 9 "Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün"
Op.79 no. 10 "Käuzlein"
Op.79 no. 14 "Marienwürmchen"
Op.79 no. 18 "Die wandelnde Glocke"
Op.79 no. 22 "Ihr Matten lebt wohl! Ihr sonnigen Weiden!"
Op.79 no. 24 "Frühling läßt sein blaues Band"
Op.79 no. 25 "Des Buben Schützenlied"
Op.79 no. 26 "Schneeglöckchen"
Op.79 no. 28 "Zum Sehen geboren"
Op.79 no. 29 "Kennst du das Land?"
Op.83 no. 1 "Resignation"
Op.83 no. 2 "Die Blume der Ergebung"
Op.83 no. 3 "Komm, Trost der Welt, du stille Nacht"
Op.87 "Der Handschuh", eine Erzählung
Op.89 no. 1 "Es stürmet am Abendhimmel"
Op.89 no. 2 "Heimliches Verschwinden"
Op.89 no. 3 "Herbstlied"
Op.89 no. 4 "Abschied vom Walde"
Op.89 no. 5 "Ins Freie"
Op.89 no. 6 "Röselein, Röselein!"

Op.67 no.1 "Es war ein König in Thule"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)
Music by Robert Schumann,
Op. 67 no. 1, "Der König von Thule" (1849)

See also:

Hermann Behn (1857?-1927), Op. 2 no. 1, "Der König in Thule" (189-?)
Karl Anton Florian Eckert (1820-1879), "Der König in Thule" (1828)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Es war ein König in Thule", published 1843 and 1856 Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Der König von Thule", published 1805-6
Franz Schubert (1797-1828), D. 367 (early 1816), "Der König in Thule", first published in 1821 as Op. 5 no 5
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Der König von Thule"
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850),
Op. 59 no. 2, "Der König in Thule" (1815?), from Gedichte von Goethe, VII:2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Der König von Thule", 1811, published 1812Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), "Der König von Thule", 1782, with different form of text
Hector Berlioz (1803-1869), 1829, "Le Roi de Thule", in French

Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
[Gönnt'] alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
[Auf hohem] Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken
Trank nie einen Tropfen mehr.

Op.67 no.3 "Heidenröslein"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)
Music by Robert Schumann,
Op. 67 no. 3 (1849)

See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), WoO. 31 no. 6 (1857)
Peter Grønland (1761-1825)
Johann Christoph Kienlen (1783-1829), 1820
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850),
Op. 53 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe, I:1
Franz Schubert (1797-1828), D. 257

 
Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Op.67 no.4 "Ungewitter"
 
Text by Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Music by Robert Schumann,
Op. 67 no. 4

See also:

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900), NWV 25 (1864)

 
Auf hohen Burgeszinnen
Der alte König stand
Und überschaute düster
Das düster umwölkte Land.
Es zog das Ungewitter
Mit Sturmesgewalt herauf.
Er stützte seine Rechte
Auf seines Schwertes Knauf.
Die Linke, der entsunken
Das gold'ne Scepter schon
Hielt noch auf der finstern Stirne
Die schwere goldne Kron'.
Da zog ihm seine Buhle
Leis' an des Mantels Saum:
"Du hast mich einst geliebet,
Du liebst mich wohl noch kaum?"
"Was Lieb und Lust und Minne?
Laß ab, du süsse Gestalt!
Das Ungewitter ziehet
Herauf mit Sturmesgewalt.
Ich bin auf Burgeszinnen
Nicht König mit Schwert und Kron':
Ich bin der empörten Zeiten
Unmächtiger, bangender Sohn."

Op.69 no.2 "Waldmädchen"
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)

Music by Robert Schumann, Op. 69 no. 2 (1849), from Romanzen für Frauenstimmen I

See also:

Hugo Wolf (1860-1903), 1886-8, from Eichendorff-Lieder, no. 20

 
Bin ein Feuer hell, das lodert
von dem grünen Felsenkranz,
Seewind ist mein Buhl' und fordert
mich zum lust'gen Wirbeltanz,
kommt und wechselt unbeständig,
steigend wild,
neigend mild,
meine schlanken Lohen wend' ich:
komm nicht nah' mir, ich verbrenn' dich!
Wo die wilden Bäche rauschen
und die hohen Palmen stehn,
wenn die Jäger heimlich lauschen,
viele Rehe einsam gehn.
Bin ein Reh, flieg' durch die Trümmer,
über die Höh', wo im Schnee
still die letzten Gipfel schimmern,
folg' mir nicht, erjagst mich nimmer!
Bin ein Vöglein in den Lüften,
schwing' mich übers blaue Meer,
durch die Wolken von den Klüften
fliegt kein Pfeil mehr bis hieher.
Und die Au'n, die Felsenbogen,
Waldeseinsamkeit weit,
wie weit, sind versunken in die Wogen,
ach, ich habe mich verflogen!

Op.69 no.3 "Klosterfräulein"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann, "Klosterfräulein",
Op. 69 no. 3 (1849)

See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), "Klosterfräulein",
Op. 61 no. 2 (duet), 1852
Richard Kursch , "Das Klosterfräulein",
Op. 5 no. 2, published 1905
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Das Klosterfräulein"

 
[Ach, ach,] ich armes Klosterfräulein!
O Mutter was hast du gemacht!
Lenz ging am Gitter vorüber
Und hat mir kein Blümlein gebracht!
Ach, ach, wie weit, wie weit hier unten
Zwei Schäflein gehen im Tal.
Viel Glück ihr Schäflein, ihr sahet
Den Frühling zum ersten Mal.
Ach, ach, wie weit, wie weit hier oben,
Zwei Vöglein fliegen in Ruh!
Viel Glück ihr Vöglein, ihr flieget
Der besseren Heimat zu.

Op.74 no.2 "Und schläfst du, mein Mädchen"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after Gil Vicente (ca. 1470 - ca. 1536)

Music by Robert Schumann, "Intermezzo", Op. 74 no. 2 (1849) from Spanisches Liederspiel

See also:

Adolf Jensen (1837-1879), "Und schläfst du, mein Mädchen", Op. 21 no. 3 (1864).
Hugo Wolf (1860-1903), "Und schläfst du, mein Mädchen", from Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder, no. 27

 
Und schläfst du, mein Mädchen, auf, öffne du mir;
denn die Stund' ist gekommen, da wir wandern von hier.
Und bist ohne Sohlen, leg' keine dir an;
durch reisende Wasser gehrt unsere Bahn.
Durch die tief tiefen Wasser des Quadalquivir;
denn die Stund' ist gekommen, da wir wandern von hier
da wir wandern von hier.

Op.74 no.3 "Dereinst, Gedanken mein"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after Cristobal de Castillejo (d. 1550)

Music by Robert Schumann, "Liebesgram", Op. 74 no. 3 (1849) from Spanisches Liederspiel

See also:

Leopold Damrosch (1832-1885), "Dereinst, dereinst", Op. 11 no. 4 pub. 1903?
Edvard Grieg (1843-1907), "Dereinst, Gedanken mein",
Op. 48 no. 2
Adolf Jensen (1837-1879), "Dereinst, Gedanken mein",
Op. 4 no. 7 (1860)
Hugo Wolf (1860-1903), "Dereinst, Gedanken mein", from Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder, no. 22
 


Dereinst, Gedanken mein,
Wirst ruhig sein.
Läßt Liebesglut
Dich still nicht werden,
In kühler Erden,
Da schläfst du gut,
Dort ohne Lieb' und ohne Pein
Wirst ruhig sein.
Was du im Leben
Nicht hast gefunden,
Wenn es entschwunden,
Wird's dir gegeben,
Dann ohne Wunden
Und ohne Pein
Wirst ruhig sein.

Op.74 no.4 "Alle gingen, Herz, zur Ruh"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after Anonymous Spanish author

Music by Robert Schumann, "In der Nacht", Op. 74 no. 4 (1849), from Spanisches Liederspiel

See also:
 
Hugo Wolf
(1860-1903), "Alle gingen, Herz, zur Ruh", Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder no. 21

 
Alle gingen, Herz, zur Ruh,
alle schlafen, nur nicht du.
Denn der hoffnungslose Kummer
scheucht von deinem Bett den Schlummer,
und dein Sinnen schweift in stummer Sorge
seiner Liebe zu seiner Liebe zu.

Op.74 no.6 "Melancholie"
 
Text: aus dem Spanischen, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)

Music by Robert Schumann, Op. 74 no. 6 (1849)
 

 
Wann, wann erscheint der Morgen,
Wann denn, wann denn!
Der mein Leben löst aus diesen Banden?
Ihr Augen, vom Leide so trübe,
Saht nur Qual für Liebe,
Saht nicht eine Freude,
Saht nur Wunde auf Wunde,
Schmerz auf Schmerz mir geben,
Und im langen Leben
Keine frohe Stunde.
Wenn es endlich doch geschähe,
Daß ich säh' die Stunde,
Wo ich nimmer sähe!
Wann erscheint der Morgen,
Der mein Leben löst aus diesen Banden?

Op.74 no.7 "Geständnis"
 
Text: aus dem Spanischen, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)

Music by Robert Schumann, Op. 74 no. 7 (1849)

 
 
Also lieb' ich Euch, Geliebte,
Daß mein Herz es nicht mag wagen,
Irgend einen Wunsch zu tragen,
Also lieb' ich Euch!
Denn wenn ich zu wünschen wagte,
Hoffen würd' ich auch zugleich;
Wenn ich nicht zu hoffen zagte,
Weiß ich wohl, erzürnt' ich Euch.
Darum ruf' ich ganz alleine
Nur dem Tod, daß er erscheine,
Weil mein Herz es nicht mag wagen,
Einen andern Wunsch zu tragen,
Also lieb' ich Euch!

Op.74 no. 9 "Mögen alle bösen Zungen"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after an anonymous Spanish text

Music by Robert Schumann, "Ich bin geliebt", Op. 74 no. 9 (1849) from Spanisches Liederspiel

See also:
 
Hugo Wolf
(1860-1903), "Mögen alle bösen Zungen", from Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder, no. 13
 


Mögen alle bösen Zungen
immer sprechen, was beliebt:
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
Schlimme, schlimme Reden flüstern
eure Zungen schonungslos,
doch ich weiß es,
sie sind lüstern
nach unschuld'gem Blute bloß.
Nimmer soll es mich bekümmern,
schwatzt so viel es euch beliebt;
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
Zur Verleumdung sich verstehet nur,
wem Lieb' und Gunst gebrach,
weil's ihm selber elend gehet
und ihn niemand minnt und mag.
Darum denk' ich, daß die Liebe,
drum sie schmähn, mir Ehre giebt;
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
Wenn ich wär' aus Stein und Eisen,
möchtet ihr darauf bestehn,
daß ich sollte von mir weisen
Liebesgruß und Liebesflehn.
Doch mein Herzlein ist nun leider weich,
wie's Gott uns Mädchen giebt,
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.

Op.74 no. 10 "Der Contrabandiste"
 
Text: aus dem Spanischen, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)

Music by Robert Schumann, Op. 74 no. 10 (1849)

 
Ich bin der Contrabandiste,
Weiß wohl Respekt mir zu schaffen.
Allen zu trotzen, ich weiß es,
Furcht nur, die hab' ich vor keinem.
Drum nur lustig, nur lustig!
Wer kauft Seide, Tabak!
Ja wahrlich, mein Rößlein ist müde,
Ich eil', ja eile,
Sonst faßt mich noch gar die Runde,
Los geht der Spektakel dann.
Lauf nur zu, mein lustiges Pferdchen,
Ach, mein liebes, gutes Pferdchen,
Weißt ja davon, mich zu tragen!

Op.75 no. 5 "Vom verwundeten Knaben"
 
Text: Volkslied
Music by Robert Schumann,
Op. 75 no. 5 (1849)

See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897),
Op. 14 no. 2 (1858)

 
Es wollt' ein Mädchen früh aufstehn
Und in den grünen Wald spazieren gehn.
Und als sie nun in den grünen Wald kam,
Da fand sie einen verwund'ten Knab'n.
Der Knab', der war von Blut so rot,
Und als sie sich verwandt, war er schon tot.
Wo krieg' ich nun zwei Leidfräulein,
Die mein fein's Lieb zu Grabe wein'n?
Wo krieg' ich nun sechs Reuterknab'n,
Die mein fein's Lieb zu Grabe trag'n?
Wie lang soll ich denn trauern gehn?
Bis alle Wasser zusammengehn?
Ja, alle Wasser gehn nicht zusamm'n,
So wird mein Trauern kein Ende han.

Op.77 no. 1 "Der frohe Wandersmann"
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Robert Schumann,
Op. 77 no. 1 (1840)
 


Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not ums Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt' ich nich mit ihnen signen
Aus voller Kehl' und frischer Brust.
Den lieben Gott nur laß' ich walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wind und Feld,
Und Erd' und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach' aufs Best' bestellt.

Op.77 no. 5 "Aufträge"
 
Text by Christian L'Égru
Music by Robert Schumann,
Op. 77 no. 5 (1850)

 
Nicht so schnelle, nicht so schnelle!
Wart ein wenig, kleine Welle!
Will dir einen Auftrag geben
An die Liebste mein.
Wirst du ihr vorüberschweben,
Grüße sie mir fein!
Sag, ich wäre mitgekommen,
Auf dir selbst herabgeschwommen:
Für den Gruß einen Kuß
Kühn mir zu erbitten,
Doch der Zeit Dringlichkeit
Hätt' es nicht gelitten.
Nich so eillig! halt! erlaube,
Kleine, leichtbeschwingte Taube!
Habe dir was aufzutragen
An die Liebste mein!
Sollst ihr tausend Grüße sagen,
Hundert obendrein.
Sag, ich wär' mit dir geflogen,
Über Berg und Strom gezogen:
Für den Gruß einen Kuß
Kühn mir zu erbitten,
Doch der Zeit Dringlichkeit
Hätt' es nicht gelitten.
Warte nicht, daß ich dich treibe,
O du träge Mondesscheibe!
Weißt's ja, was ich dir befohlen
Für die Liebste mein:
Durch das Fensterchen verstohlen
Grüße sie mir fein!
Sag, ich wär' auf dich gestiegen,
Selber zu ihr hinzufliegen:
Für den Gruß einen Kuß
Kühn mir zu erbitten,
Doch der Zeit Dringlichkeit
Hätt' es nicht gelitten.

Op.78 no. 1 "Tanzlied"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Robert Schumann,
Op. 78 no. 1 (1849)
 


Eia, wie flattert der Kranz,
Trauter, komm mit mir zum Tanz!
Wollen uns schingen,
rasch uns erspringen
mittem im wonnigen Glanz.
Weh, weh, wie pocht mir das Herz,
sage, was soll mir der Scherz?
Laß dich umschließen,
laß mich zerfließen,
ruhend im seligen Schmerz.
Eia, der Walzer erklingt,
Pärchen an Pärchen sich schwingt,
Mädchen und Bübchen,
Schelmchen und Liebchen!
Frisch, wo's am dichtesten springt!
Wehe! mir sinket der Arm
mitten im jauchzenden Schwarm.
Wie sie sich fassen,
muß ich erblassen,
möchter vergehen im Harm.
Eia, wir flattert der Kranz,
heute für alle im Tanz,
flatterig heute,
morgen gescheute,
morgen, o Trauter, dein ganz!

Op.78 no. 2 "Er und Sie"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann,
Op. 78 no. 2 (1849)

 
Seh ich in das stille Tal,
wo im Sonnenscheine
Blumen pragen ohne Zahl,
blick ich nur auf eine.
Tret ich an mein Fensterlein,
wenn die Sterne scheinen,
mögen alle schöner sein,
blick ich nur auf einen.
Ach! es blickt ihr Auge blau
jetzt auch auf die Auen,
im Vergißmeinicht voll Tauen
kann ich es erschauen.
Dort gen Abend blickt er mild
wohl nach Himmelshöhen,
denn dort ist sein liebes Bild
in dem Stern zu sehen.

Op.78 no. 3 "Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, "Ich denke dein",
Op. 78 no. 3 (1849)

See also:

Amy Marcy Cheney Beach (1867-1944), "Nähe des Geliebten", Op. 35 no. 3, (Eng. title: "With Thee")
Leopold Damrosch (1832-1885), "Nähe des Geliebten",
Op. 17 no. 1
Stephen (István) Heller (1813-1888), "Nähe des Geliebten" (1830-8?)
Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814), "Nähe des Geliebten" (1807?)
Paul Hindemith (1895-1963), "Nähe des Geliebten" (1914)
Josephine Lang (1815-1880), "Nähe des Geliebten",
Op. 5 no. 1
Eduard Lassen (1830-1904), "Nähe des Geliebten",
Op. 62 no. 1
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Ich denke dein",
Op. 9 vol. III no. 1 (1817?)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Nähe des Geliebten" (1795?)
Franz Schubert (1797-1828), "Nähe des Geliebten", D. 162 (1815), published 1821 as
Op. 5 no 2
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Nähe des Geliebten",
Op. 53 no. 2, from Gedichte von Goethe
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Nähe des Geliebten" (1808)
Winfried (Petrus Ignatius) Zillig (1905-1963), "Nähe des Geliebten" (1941), from Zehn Lieder nach Gedichten von Goethe
 


Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Hain da geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne.
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

Op.79 no. 5 "Vom Schlaraffenland"
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Robert Schumann,
Op. 79 no. 5 (1849)
 


Kommt, wir wollen uns begeben
Jetzo ins Schlaraffenland!
Seht, da ist ein ustig Leben
Und das Trauernun bekannt!
Seht, da läßt sich billig leben
Und omsonst recht lustig sein.
Milch und Honig fließt in Bächen,
Aus den Felsen quillt der Wein!
Und von Kuchen, Butterwecken
Sind die Zweige voll und schwer;
Feigen wachsen in den Hecken,
Ananas im Busch umher.
Keiner darf sich müh'n und bücken,
Alles stellt von selbst sich ein.
O wie ist es zum entzücken!
Ei, wer möchte dort nicht sein!
Und die straßen aller Orten,
Jeder Weg und jede Bahn
Sind gebaut aus Zuckertorten
Und Bonbons und Marzipan.
Und von Brezeln sind die Brücken
Aufgeführt gar hübsch und fein.
O wie ist es zum Entzücken!
Ei, wer möchte dort nicht sein!
Ja, das mag ein schönes Leben
Und ein herrlich Ländchen sein.
Mancher hat sich hinbegeben,
Aber keiner kam hinein.
Ja, und habt ihr keine Flügel,
Nie gelangt ihr bis ans Tor,
Denn es liegt ein breiter Hügel
Ganz von Pflaumenmus davor.

Op.79 no. 7 "Zigeunerliedchen I", aus Liederalbum für die Jugend
 
Text: German translation from the Spanish by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Robert Schumann,
Op. 79 no. 7 (1849)
 


Unter die Soldaten ist ein Zigeunerbub' gegangen,
Mit dem Handgeld ging er durch, und morgen muß er hangen.
Holten mich aus meinem Kerker, setzten auf den Esel mich,
Geißelten mir meine Schultern, daß das Blut floß auf den Weg.
Holten mich aus meinem Kerker, stießen mich ins Weite fort,
Griff ich rasch nach meiner Büsche, tat auf sie den ersten Schuß.

Op.79 no. 8 "Zigeunerliedchen II", aus Liederalbum für die Jugend
 
Text: German translation from the Spanish by Emanuel von Geibel (1815-1884)
Music by Robert Schumann,
Op. 79 no. 8 (1849)
 


Jeden Morgen, in der Frühe,
Wenn mich weckt das Tageslicht,
Mit dem Wasser meiner Augen
Wasch' ich dann mein Angesicht.
Wo die Berge hoch sich türmen
An dem Saum des Himmels dort,
Aus dm Haus, dem schönen Garten,
Trugen sie bei Nacht mich fort.

Op.79 no. 9 "Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün"
 
Text by Christian Adolf Overbeck (1775-1821)

Music by Robert Schumann, Op. 79 no. 9 (1849), "Mailied" (two voices, p.no accomp.)

See also:
 
Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-1791), K. 596 (1791), "Sehnsucht nach dem Frühlinge"

 
Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!
 
Wie möcht ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder sehn,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren gehn!
Zwar Winterage haben
Wohl auch der Freuden viel;
Man kann im Schnee eins traben
Und treibt manch Abendspiel,
Baut Häuschen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand;
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Auf's liebe freie Land.
Doch wenn die Vöglein singen
Und wir dann froh und flink
Auf grünen Rasen springen,
Das ist ein ander Ding!
Jetzt muß mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel stehn;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Kot nicht gehn.
Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid;
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit;
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten dich gar sehr!
O komm und bring vor allen
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit!

Op.79 no. 10 "Käuzlein"
 
Text from Des Knaben Wunderhorn

Music by Robert Schumann, Op. 79 no. 10 (1849), from Lieder-Album für die Jugend

See also:

Luise Reichardt (1779-1826)

 
Ich armes Käuzlein kleine,
Wo soll ich fliegen aus,
Bei Nacht so gar alleine,
Bringt mir so manchen Graus
Das macht der Eulen Ungestalt
Ihr Trauern mannigfalt.
Ich wills Gefieder schwingen,
Gen Holz in grünen Wald,
Die Vögel hören singen,
In mancherlei Gestalt
Vor allen lieb' ich Nachtigall,
Vor allen liebt' mich Nachtigall.
Die Kinder unten glauben,
Ich deute Böses an,
Sie wollen mich vertreiben
Das ich nicht schreien kann
Wenn ich was deute tut's mir leid,
Und was ich schrei' ist keine Freud'.
Mein Ast ist mir entwichen,
Darauf ich ruhen sollt',
Sein Blättlein all' verblichen,
Frau Nachtigall geholt
Das schafft der Eulen falsche Tück,
Die störet all mein Glück.

Op.79 no. 14 "Marienwürmchen"
 
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Robert Schumann,
Op. 79 no. 14 (1849)
 


Marienwürmchen, setze dich auf meine Hand,
Ich tu' dir nichts zuleide.
Es soll dir nichts zuleid geschehn,
Will nur deine bunten Flügel sehn,
Bunte Flügel meine Freude.
Marienwürmchen, fliege weg,
Dein Häuschen brennt, die Kinder schrein
So sehre, wie so sehre.
Die böse Spinne spinnt sie ein,
Marienwürmchen, flieg hinein,
Deine Kinder schreien sehre.
Marienwürmchen, fliege hin zu Nachbars Kind,
Sie tun dir nichts zuleide.
Es soll dir da kein Leid geschehn,
Sie wollen deine bunten Flügel sehn,
Und grüß sie alle beide.

Op.79 no. 18 "Die wandelnde Glocke"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann,
Op. 79 no. 18 (1849)

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869),

Op. 20 no. 3 (1832)
Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg ins Feld zu nehmen.
Die Mutter sprach: die Glocke tönt,
Und so ist dir's befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt,
Sie kommt und wird dich holen.
Das Kind, es denkt: die Glocke hängt
Da droben auf dem Stuhle.
Schon hat's den Weg ins Feld gelenkt,
Als lief' es aus der Schule.
Die Glocke, Glocke tönt nicht mehr,
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken hinterher!
Die Glocke kommt gewackelt.
Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum;
Das arme Kind im Schrecken,
Es läuft, es rennt, als wie im Traum;
Die Glocke wird es decken.
Doch nimmt es richtig seinen Husch
Und mit gewandter Schnelle,
Eilt es durch Anger, Feld und Busch
Zur Kirche, zur Kapelle.
Und jeden Sonn- und Feiertag
Gedenkt es an den Schaden,
Läßt durch den ersten Glockenschlag
Nicht in Person sich laden.

Op.79 no. 22 "Ihr Matten lebt wohl! Ihr sonnigen Weiden!"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805), from "Wilhelm Tell"

Music by Robert Schumann, Op. 79 no. 22, "Des Sennen Abschied" (1849), from Lieder-Album für die Jugend

See also:
 
Franz (Ferencz) Liszt
(1811-1886), S. 292 no. 2, "Der Hirt" (1845)

 
Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Sonne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.
Wir fahren zu Berg, wir kommen wieder,
Wenn der Kuckuck ruft, wenn erwachen die Lieder,
Wenn mit Blumen die Erde sich kleidet neu,
Wenn die Brünnlein fließen im lieblichen Mai.
Ihr Matten, lebt wohl,
Ihr sonnigen Weiden!
Der Sonne muß scheiden,
Der Sommer ist hin.

Op.79 no. 24 "Frühling läßt sein blaues Band"
 
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Robert Schumann, "Er ist's!",
Op. 79 no. 24

See also:

Hugo Distler (1908-1942), "Er ist's", Op. 19, ii, 2, (1939), from Mörike-Chorliederbuch
Robert Franz (1815-1892), "Er ist's!",
Op. 27 no. 2, published 1870?
Eduard Lassen (1830-1904), "Frühling"
Louis Ferdinand, Prinz von Preußen (b. 1907), "Frühling", published 1966
Othmar Schoeck (1886-1957), "Er ist's",
Op. 51 no. 4 (1937)
Felix Weingartner (1863-1942), "Er ist's",
Op. 41 no. 3, published 1906, from Frühlings- und Liebeslieder
Hugo Wolf (1860-1903), "Er ist's!", from Mörike-Lieder, no. 6
 


Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Op.79 no. 25 "Des Buben Schützenlied"
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805) (from "Wilhelm Tell")

Music by Robert Schumann, Op. 79 no. 25 (1849), from Lieder-Album für die Jugend

Mit dem Pfeil, dem Bogen
Durch Gebirg und Tal
Kommt der Schütz gezogen
Früh am Morgenstrahl.
Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih. -
Durch Gebirg und Klüfte
Herrscht der Schütze frei.
Ihm gehört das Weite,
Was sein Pfeil erreicht,
Das ist seine Beute,
Was da kreucht und fleugt.

Op.79 no. 26 "Schneeglöckchen"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)

Music by Robert Schumann, Op. 79 no. 26 (1849), from Lieder-Album für die Jugend

 
Der Schnee, der gestern noch in Flöckchen
Vom Himmel fiel,
Hängt nun geronnen heut als Glöckchen
Am zarten Stiel.
Schneeglöckchen läutet, was bedeutet's
Im stillen Hain?
O komm geschwind! Im Haine läutet's
Den Frühling ein.
O kommt, ihr Blätter, Blüt' und Blume,
Die ihr noch träumt,
All zu des Frühlings Heiligtume!
Kommt ungesäumt!

Op.79 no. 28 "Zum Sehen geboren"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, "Lied Lynceus des Türmers",
Op. 79 no. 28 (1849)

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Lynceus, der Türmer, auf Faust's Sternwarte singend",
Op. 9, viii, 3 (1833)
Hermann Simon (1896-1948), "Lynceus der Türmer" (1935)
 


Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt.
Ich blick' in die Ferne,
Ich seh' in der Näh'
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.
So seh' ich in allen
Die ewige Zier,
Und wie mir's gefallen,
Gefall' ich auch mir.
Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei, was es wolle,
Es war doch so schön!

Op.79 no. 29 "Kennst du das Land?"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Robert Schumann, Lieder-Album für die Jugend, 1849, Op. 79 no. 29 and  Op. 98a no. 1

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827),
Op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)
Alban Berg (1885-1936) Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
Leopold Damrosch (1832-1885),
Op. 17 no. 2, "Mignon"
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in French translation by Wilder)
Moritz Hauptmann (1792-1868),
Op. 37 no. 1, "Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811,
Op. 4
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien", 1822
Stanislaw Moniuszko (1819-1872), "Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by Mickiewicz)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ. 1795-96
Franz Schubert (1797-1828), D. 321, 1815, composed Oct. 23, 1815, first published 1832
Ludwig Spohr (1784-1859), "Mignons Lied", 1816,
Op. 37 no. 1
Gasparo Spontini "Mignon", 1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony",
Op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht",
Op. 54 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795
 


Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

Op.83 no. 1 "Resignation"
 
Text by Julius Buddeus
Music by Robert Schumann,
Op. 83 no. 1
 


Lieben, von ganzer Seele, lieben
Herzinniglich, daß nimmer ich's
Verhehle, heiß lieben muß ich dich!
Wie's kommt? wie kann ich's wissen?
Wohl höher schlägt mein Herz,
Wenn deine Augen grüßen:
Gehst du, erbebts im Schmerz,
Erbebt im heißen Glühen,
Im still verschwiegnen Rausch,
Und Tränen überziehen
Den Blick im Wechseltausch.
Lieben, von ganzer Seele, muß ich dich!
Du wirst mich nie umschließen,
Wie wird dein Aug' mir glühn!
Der Sehnsucht still Vermissen
Wird nie dich zu mir ziehn!
So hoffnungslos mein Lieben?
Gewiß! doch trostlos nicht!
Will Gegenwart nicht trüben,
Zukunft? kenn' ich ja nicht!
Will auch der Trennungsstunde
Schmerz düster mich umwehn,
Lächle mit bleichem Munde:
Jenseits ist Wiedersehn!

Op.83 no. 2 "Die Blume der Ergebung"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Robert Schumann,
Op. 83 no. 2

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869),
Op. 62, ii, 6 (1837)
 


Ich bin die Blum' im Garten,
Und muß in Stille warten,
Wann und in welcher Weise
Du trittst in meine Kreise.
Kommst du, ein Strahl der Sonne,
So werd' ich deiner Wonne
Den Busen still entfalten
Und deinen Blick behalten.
Kommst du als Tau und Regen,
So werd' ich deinen Segen
In Liebesschalen fassen,
Ihn nicht versiegen lassen.
Und fährest du gelinde
Hin über mich im Winde,
So werd' ich dir mich neigen,
Sprechend: Ich bin dein eigen.

Op.83 no. 3 "Komm, Trost der Welt, du stille Nacht"
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Robert Schumann, "Der Einsiedler",
Op. 83 no. 3, 1850

See also:

Joseph Dessauer (1798-1876), "Der Einsiedler"
Karl Martin Reinthaler (1822-1896), "Der Einsiedler"
Othmar Schoeck (1886-1957), "Der Einsame",
Op. 36 (1922), from Elegie, no. 24
Hugo Wolf (1860-1903), "Resignation" (1881)
Felix Wolfes (1892-1971), "Der Einsiedler" (1953)

 
Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bin daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Op.87 "Der Handschuh", eine Erzählung
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Robert Schumann,
Op. 87

See also:

Karl Friedrich Zelter (1758-1832)
 


Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.
Und wie er winkt mit dem Finger,
Auftut sich der [weite] Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löew tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.
Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend
Ein zweites Tor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.
Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Auf das Tigertier,
Das [packt] sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wird's still,
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.
Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leun
Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges spottenderweis
Wendet sich Fräulein Kunigund:
"Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
Wie Ihr mir's schwört zu jeder Stund,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf."
Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbaren Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehen's die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick -
Er verheißt ihm sein nahes Glück -
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
[Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:]
"Den Dank, Dame, begehr ich nicht",
Und verläßt sie zur selben Stunde.

Op.89 no. 1 "Es stürmet am Abendhimmel"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 1

 
Es stürmet am Abendhimmel,
Es zittert der Sonne Licht,
Im Äther die eine Wolke
Von Lust und Lieb' ihr spricht.
Die Wolke, vom Sturm gezogen,
Dehnt weit die Arme aus,
Sie glüht im Purpur der Liebe
Und wirbt im Sturmgebraus.
Da scheidet die Braut von dannen,
Die Wolke der Sturm entrafft;
Der Purpur ist all verschwunden,
Schwarz ist sie und grausenhaft.

Op.89 no. 2 "Heimliches Verschwinden"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 2
 


Nachts zu unbekannter Stunde
Flieht der liebe Lenz die Flur,
Küßt, was blüht, still in der Runde
Und verschwindet sonder Spur.
Rings von seinen Küssen prangen
Früh die Blumen hold verschämt,
Daß an ihrem Mund zu hangen,
Schmetterling sich nicht bezähmt.
Doch die Leute draußen sagen,
Daß der Lenz vorüber sei;
Und an wetterheißen Tagen
Kennt man Sommers Tyrannei.
Und wir denken dran beklommen,
Daß der Lenz so heimlich floh;
Daß er Abschied nicht genommen,
Ach! das läßt uns nimmer froh.
Also schmerzt es, geht das erste
Lieb ohn' Abschied von uns fort.
Ruhig trügen wir das Schwerste,
Spräch' sie aus das Scheidewort.

Op.89 no. 3 "Herbstlied"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 3
 


Durch die Tannen und die Linden
Spinnt schon Purpur her und hin;
Will mich Wehmut überwinden,
Daß ich bald im Herbste bin.
Nimmer! denn vom Walde klingen
Märlein mir und Sprüchelein,
Die mir süße Tröstung bringen
Ob erstorbnem Sonnenschein.
Ja, erstorben ist die Sonne
Und ihr Strahl ist ohne Macht!
Dennoch spricht von ferner Wonne
Greiser Wipfel Farbenpracht.

Op.89 no. 4 "Abschied vom Walde"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 4
 


Nun scheidet vom sterbenden Walde
Der Wandrer mit Herz und Mund:
"Wie wardst du mir lieb so balde,
Was sangst du mir vor allstund!
Wohl wußt' ich deine Sprache,
Wohl kannt' ich deinen Sang,
Und will's an manchem Tage
Nachsingen trüb und bang.
Doch nun, o Wald, dein Rauschen,
Dein Brausen laß mir sein!
Nicht alles mag ich tauschen
Für Herbstes Melodein!"

Op.89 no. 5 "Ins Freie"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 5

 
Mir ist's so eng allüberall!
Es schlägt das Herz mit lautem Schall,
Und was da schallt, sind Lieder!
Aus düstrer Mauern bangem Ring
Flieg' ich ins Weite froh und flink:
Da atm' ich Wonne wieder!
Da flattert aus der offnen Brust
Die Sehnsucht nach verrauschter Lust
Und nach gehoffter Wonne:
Die Winde tragen's himmelan,
Die Gräslein geben Fürbitt' dran,
Sich neigend in der Sonne.
Mir ist's so eng allüberall!
Es schlägt das Herz mit lautem Schall,
Und was da schallt, sind Lieder!
Aus düstrer Mauern bangem Ring
Flieg' ich ins Weite froh und flink:
Da atm' ich Wonne wieder,
Da atm' ich Wonne wieder;
Es schlägt das Herz mit lautem Schall,
Und was da schallt, sind Lieder!

Op.89 no. 6 "Röselein, Röselein!"
 
Text by Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)
Music by Robert Schumann,
Op. 89 no. 6 (13 May 1850)
 


 
Röselein, Röselein,
Müssen denn Dornen sein?
Schlief am schatt'gen Bächelein
Einst zu süssem Träumen ein,
Sah in goldner Sonne-Schein
Dornenlos ein Röselein,
Pflückt' es auch und küsst' es fein,
"Dornloses Röselein!"
Ich erwacht' und schaute drein:
"Hatt' ich's doch! wo mag es sein?"
Rings im weiten Sonnenschein
Standen nur Dornröselein!
Und das Bächlein lachte mein:
"Lass du nur dein Träumen sein!
Merk' dir's fein, merk' dir's fein,
Dornröslein müssen sein!"