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Robert Schumann

(1810 - 1856)
 

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The Lieder of Robert Schumman


Lieder – complete index

Lieder – index e:

Op.90 no. 1 "Lied eines Schmiedes"
Op.90 no. 2 "Meine Rose"
Op.90 no. 3 "Kommen und Scheiden"
Op.90 no. 4 "Die Sennin"
Op.90 no. 5 "Einsamkeit"
Op.90 no. 6 "Die dunklen Wolken hingen"
Op.90 no. 7 "Requiem"
Op.95 no. 2 "An den Mond"
Op.96 no. 1 "Über allen Gipfeln ist Ruh"
Op.96 no. 2 "Schneeglöckchen"
Op.96 no. 3 "Laß tief in dir mich lesen"
Op.98a no. 1 "Kennst du das Land?"
Op.98a no. 2 "Was hör' ich draußen vor dem Tor"
Op.98a no. 3 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
Op.98a no. 4 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
Op.98a no. 5 "Heiß mich nicht reden"
Op.98a no. 6 "Wer sich der Einsamkeit ergibt"
Op.98a no. 7 "Singet nicht in Trauertönen"
Op.98a no. 8 "An die Türen will ich schleichen"
Op.98a no. 9 "So laßt mich scheinen"
Op.101 no.4 "Mein schöner Stern"
Op.106 "Schön Hedwig"
Op.107 no.1 "Herzeleid"
Op.107 no.2 "Die Fensterscheibe"
Op.107 no.3 "Der Gärtner"
Op.107 no.4 "Auf dem Dorf in den Spinnstuben"
Op.107 no.5 "Im Wald"
Op.107 no.6 "Abendlied"
Op.117 no. 1 "Der Husar, trara!" aus "Vier Husarenlieder"
Op.117 no. 2 "Der leidige Frieden" aus "Vier Husarenlieder"
Op.117 no. 3 "Den grünen Zeigern" aus "Vier Husarenlieder"
Op.117 no. 4 "Da liegt der Feinde gestreckte Schar" aus "Vier Husarenlieder"
Op.119 no. 2 "Warnung"
Op.122 no. 1 "Vom Heidenknaben"
Op.122 no. 2 "Die Flüchtlinge"
Op.125 no. 1 "Die Meerfee"
Op.125 no. 2 "Husarenabzug"
Op.125 no. 3 "Jung Volkers Lied"
Op.127 no. 1 "Sängers Trost"
Op.127 no. 2 "Dein Angesicht so lieb und schön"
Op.127 no. 3 "Es leuchte meine Liebe"
Op.138 no. 2 "Tief im Herzen trag' ich Pein"
Op.138 no. 3 "Lied"
Op.138 no. 4 "Bedeckt mich mit Blumen"
Op.138 no. 5 "Romanze"
Op.138 no. 7 "Weh, wie zornig ist das Mädchen"
Op.139 no. 4 "Provencalisches Lied"
Op.142 no. 1 "Trost im Gesang"
Op.142 no. 2 "Lehn deine Wang' an meine Wang'"
Op.142 no. 3 "Mädchen-Schwermut"
Op.142 no. 4 "Mein Wagen rollet langsam"
Op.145 no. 1 "Ich hör' meinen Schatz"
Op.146 no. 5 "Das Schifflein"
Op. posth. 21 no. 1 "Sehnsucht"
Op. posth. 21 no. 2 "Die Weinende"
Op. posth. 21 no. 3 "Erinnerung"
Op. posth. 21 no. 4 "Kurzes Erwachen"
Op. posth. 21 no. 5 "Gesanges Erwachen"
Op. posth. 21 no. 6 "An Anna"

Op.90 no. 1 "Lied eines Schmiedes"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 1 (1850)
 


Fein Rößlein,
Ich beschlage dich,
Sei frisch und fromm,
Und wieder komm!
Trag deinen Herrn
Stets treu dem Stern,
Der seiner Bahn
Hell glänzt voran.
Trag auf dem Ritt
Mit jedem Tritt
Den Reiter du
Dem Himmel zu!
Nun Rößlein,
Ich beschlage dich,
Sei frisch und fromm,
Und wieder komm!

Op.90 no. 2 "Meine Rose"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 2 (1850)
 


Dem holden Lenzgeschmeide,
Der Rose, meiner Freude,
Die schon gebeugt und blasser
Vom heißen Strahl der Sonnen,
Reich' ich den Becher Wasser
Aus dunklem, tiefem Bronnen.
Du Rose meines Herzens!
Vom stillen Strahl des Schmerzens
Bist du gebeugt und blasser;
Ich möchte dir zu Füßen,
Wie dieser Blume Wasser,
Still meine Seele gießen!
Könnt' ich dann auch nicht sehen
Dich freudig auferstehen.

Op.90 no. 3 "Kommen und Scheiden"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 3 (1850)

See also:

Othmar Schoeck (1886-1957), Op. 36 (1923), from Elegie, no. 10
 


So oft sie kam, erschien mir die Gestalt
So lieblich wie das erste Grün im Wald.
Und was sie sprach, drang mir zum Herzen ein
Süß wie des Frühlings erstes Lied im Hain.
Und als Lebwohl sie winkte mit der Hand,
War's, ob der letzte Jugendtraum mir schwand.

Op.90 no. 4 "Die Sennin"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 4 (1850)

Schöne Sennin, noch einmal
Singe deinen Ruf ins Tal,
Daß die frohe Felsensprache
Deinem hellen Ruf erwache!
Horch, o Sennin, wie dein Sang
In die Brust den Bergen drang,
Wie dein Wort die Felsenseelen
Freudig fort und fort erzählen!
Aber einst, wie alles flieht,
Scheidet du mit deinem Lied,
Wenn dich Liebe forbewogen,
der dich der Tod entzogen.
Und verlassen werden stehn,
Traurig stumm herübersehn
Dort die grauen Felsenzinnen
Und auf deine Lieder sinnen.

Op.90 no. 5 "Einsamkeit"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 5 (1850)

 
Wildverwachs'ne dunkle Fichten,
Leise klagt die Quelle fort;
Herz, das ist der rechte Ort
Für dein schmerzliches Verzichten!
Grauer Vogel in den Zweigen,
Einsam deine Klage singt,
Und auf deine Frage bringt
Antwort nicht des Waldes Schweigen.
Wenn's auch immer Schweigen bliebe,
Klage, klage fort; es weht,
Der dich höret und versteht,
Stille hier der Geist der Liebe.
Nicht verloren hier im Moose,
Herz, dein heimlich Weinen geht,
Deine Liebe Gott versteht,
Deine tiefe, hoffnungslose!

Op.90 no. 6 "Die dunklen Wolken hingen"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 6 (1850)

See also:

Ignaz Brüll (1846-1907), Op. 5, iii, 2 (186-?)
Robert Franz (1815-1892), Op. 37 no. 4 (1866?)
Frederic Louis Ritter (1826-1891), Op. 10 no. 1, publ. 1876
Othmar Schoeck (1886-1957), "Die dunklen Wolken hingen", Op. 47, Id (1931-33), from Notturno
 


Die dunklen Wolken hingen
Herab so bang und schwer,
Wir beide traurig gingen
Im Garten hin und her.
So heiß und stumm, so trübe
Und sternlos war die Nacht,
So ganz wie unsre Liebe
Zu Tränen nur gemacht.
Und als ich mußte scheiden
Und gute Nacht dir bot,
Wünscht' ich bekümmert beiden
Im Herzen uns den Tod.

Op.90 no. 7 "Requiem"
 
Text by Anonymous (Altkatholisches Gedicht)
Music by Robert Schumann, Op. 90 no. 7 (1850)
 


Ruh von schmerzensreichen Mühen
Aus und heißem Liebesglühen!
Der nach seligem Verein
Trug Verlangen,
Ist gegangen
Zu des Heilands Wohnung ein.
Dem Gerechten leuchten helle
Sterne in des Grabes Zelle,
Ihm, der selbst als Stern der Nacht
Wird erscheinen,
Wenn er seinen
Herrn erschaut im Himmelspracht.
Seid Fürsprecher, heil'ge Seelen!
Heil'ger Geist, laß Trost nicht fehlen.
Hörst du? Jubelsang erklingt,
Feiertöne,
Darein die schöne
Engelsharfe singt:
Ruh von schmerzenreichen Mühen
Aus und heißem Liebesglühen!
Der nach seligem Verein
Trug Verlangen
Ist gegangen
Zu des Heilands Wohnung ein.

Op.95 no. 2 "An den Mond"
 
Text by J. Körner after George Gordon Noel Byron, Lord Byron (1788-1824)
Music by Robert Schumann, Op. 95 no. 2

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Die Sonne der Schlaflosen", Op. 13 no. 6, with other translation
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), "Schlafloser Augen Leuchte", with other translation
Hugo Wolf (1860-1903), "Sonne der Schlummerlosen (1896), with other translation

 
Schlafloser Sonne melanchol'scher Stern!
Dein tränenvoller Strahl erzittert fern,
Du offenbarst die Nacht, die dir nicht weicht -
O wie du ganz des Glücks Erinn'rung gleichst!
So glänzt auch längstvergangner Tage Licht,
Es scheint, doch wärmt sein schwaches Leuchten nicht,
Der Gram sieht wohl des Sterns Gestalt,
Scharf, aber fern, so klar, doch ach! wie kalt!

Op.96 no. 1 "Über allen Gipfeln ist Ruh"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, "Nachtlied", Op. 96 no. 1 (1850)

See also:

Ernst Bacon (1898-1990), "Wandrers Nachtlied", published 1928
Hermann Behn (1859?-1927), "Wandrers Nachtlied", Op. 2 no. 4 (189-?)
Harald Genzmer (b. 1909), "Über allen Gipfeln ist Ruh" (1940-87), from Acht Lieder nach verschiedenen Dichtern
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Über allen Gipfeln ist Ruh", from 7 Goethe Lieder (no. 5) published 194-?
Ferdinand Hiller (1811-1885), "Wandrers Nachtlied" (1827)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Über allen Gipfeln ist Ruh", S. 306
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Wandrers Nachtlied", Op. 9, i, 3a (1817?)
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), "Nochnaja pesn' stranznika" (Wandrers Nachtlied), singable in Russian and German, Op. 6 no. 1
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Über allen Gipfeln ist Ruh" (1835)
Ernst Pepping (1901-1981), "Ein Gleiches" (1946), from Haus- und Trostbuch (no. 34), published 1949
Max Reger (1873-1916), "Abendlied", Op. 14 no. 2 (1894)
Franz Schubert (1797-1828), "Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches)", D. 768, Op. 96 no. 3 (c. 1823)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Ruhe" (1814
Charles Edward Ives (1874-1954), "Ilmenau" in German and English

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde,
Warte nur, balde
Ruhest du auch!

Op.96 no. 2 "Schneeglöckchen"
 
Text by Anonymous
Music by Robert Schumann, "Nachtlied", Op. 96 no. 2 (1850)
 


Die Sonne sah die Erde an,
Es ging ein milder Wind,
Und plötzlich stand Schneeglöckchen da,
Das fremde blasse Kind.
Und plötzlich brach mit Pomp und Braus
Der alte Winter auf,
Die Wolken eilten pfeilgeschwind
Zum dunklen Nord hinauf.
Eisscholle lief, Schneeflocke schmolz,
Die Stürme heulten drein,
Schneeglöckchen stand gesenkten Haupts
In dem Gewühl allein.
Ei komm! Du weißes Schwesterlein,
Wie lange willst du stehn?
Der Winter ruft, das Reich ist aus,
Wir müssen nach Hause gehn!
Und was nur rings auf Erden trägt
Die weiße Liverei,
Das schürze sich, das tummle sich
Zur Abfahrt schnell herbei!
Schneeglöckchen sah sich bebend an
Und dachte halb im Traum:
"Was soll um Winters Liverei
Der grüne, grüne Saum?
Wob ihn wohl um das weiße Kleid
Des Winters rauhe Hand?
Wo komm' ich her? wo geh' ich hin?
Wo ist mein Vaterland?"

Op.96 no. 3 "Laß tief in dir mich lesen"
 
Text by August Graf von Platen-Hallermüde (1796-1835)
Music by Robert Schumann, "Ihre Stimme", Op. 96 no. 3

See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), "Laß tief in dir mich lesen", Op. 9 no. 4 (1834)
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), "Die Stimme der Geliebten", Op. 17 no. 4
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), "Mein Herz und deine Stimme", Op. 55 no. 2 (185-?)

 
Laß tief in dir mich lesen,
Verhehl' auch dies mir nicht,
Was für ein Zauberwesen
Aus deiner Stimme spricht!
So viele Worte dringen
Ans Ohr uns ohne Plan,
Und während sie verklingen,
Ist alles abgetan!
Doch drängt auch nur von ferne
Dein Ton zu mir sich her,
Belausch' ich ihn so gerne,
Vergess' ich ihn so schwer.
Ich bebe dann, entglimme
Von allzu rascher Glut:
Mein Herz und deine Stimme
Verstehn sich gar zu gut!

Op.98a no. 1 "Kennst du das Land?"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, Lieder-Album für die Jugend, 1849, Op. 79 no. 29 and Op. 98a no. 1

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), Op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)
Alban Berg (1885-1936) Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
Leopold Damrosch (1832-1885), Op. 17 no. 2, "Mignon"
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in French translation by Wilder)
Moritz Hauptmann (1792-1868), Op. 37 no. 1, "Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811, Op. 4
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien", 1822
Stanislaw Moniuszko (1819-1872), "Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by Mickiewicz)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ. 1795-96
Franz Schubert (1797-1828), D. 321, 1815, composed Oct. 23, 1815, first published 1832
Ludwig Spohr (1784-1859), "Mignons Lied", 1816, Op. 37 no. 1
Gasparo Spontini "Mignon", 1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony", Op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht", Op. 54 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795
 
 


Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

Op.98a no. 2 "Was hör' ich draußen vor dem Tor"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) from Wilhelm Meister
Music by Robert Schumann, Lieder-Album für die Jugend, 1849, Op. 98a no. 2

See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Der Sänger", Op. 59 no. 2 (1836)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Der Sänger", published 1795-6
Franz Schubert (1797-1828), "Der Sänger", D. 149a (1815), published 1829 as Op. posth. 117
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Der Sänger"
Hugo Wolf (1860-1903), "Der Sänger", from Goethe-Lieder no. 10 (1888-9)

 
"Was hör' ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Laß den Gesang vor unserm Ohr
Im Saale widerhallen!
Der König sprach's, der Page lief,
Der Page kam, der König rief:
Laßt mir herein den Alten!"
"Gegrüßet seid mir, edle Herrn,
Gegrüßt ihr schönen Damen!
Welch' reicher Himmel! Stern bei Stern!
Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
Schließt, Augen, euch, hier ist nicht Zeit,
Sich staunend zu ergötzen."
Der Sänger drückt' die Augen ein
Und schlug in vollen Tönen:
Die Ritter schauten mutig drein,
Und in den Schoß die Schönen.
Der König, dem [das Lied] gefiel,
Ließ, ihn zu [lohnen] für sein Spiel,
Eine goldne Kette holen.
"Die goldne Kette gib mir nicht,
Die Kette gib den Rittern,
Vor deren kühnem Angesicht
Der Feinde Lanzen splittern.
Gib sie dem Kanzler, den du hast,
Und laß ihn noch die goldne Last
Zu andern Lasten tragen.
Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet;
Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:
Laß mir den besten Becher Weins
In purem Golde reichen."
Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:
"O Trank voll süßer Labe!
O, wohl dem hochbeglückten Haus,
o das ist kleine Gabe!
Ergeht's euch wohl, so denkt an mich
Und danket Gott so warm, als ich
Für diesen Trunk euch danke."

Op.98a no. 3 "Nur wer die Sehnsucht kennt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Robert Schumann, Lieder-Album für die Jugend, 1849, "Nur wer die Sehnsucht kennt", Op. 98a no. 3 (May/June 1849)

See also:
 
Ludwig van Beethoven
(1770-1827), "Sehnsucht" (4 settings), WoO. 134 (1808)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Sehnsucht", Op. 9, iii, 5 (1818?)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Mignon" (1826)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Sehnsucht", published 1795-6; published 1805-6
Franz Schubert (1797-1828), D. 310a, D. 310b, D. 359, D. 481, D. 656, D. 877 no. 1, D. 877 no. 4, D. 310 (2 versions) "Nur wer die Sehnsucht kennt" (1815), first published 1895, D. 359 "Sehnsucht" (1816), first published in 1872, D. 481 "Sehnsucht" (September, 1816), first published in 1895, D. 656 "Nur wer die Sehnsucht kennt" (April, 1819), first published in 1867, D. 877 no 1 and 4 (1826)
Peter Ilyich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony: Net, tolko tot, kto znal", Op. 6 no. 6 (Russian, translated by Lev Aleksandrovich Mej)
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon II", from Goethe-Lieder no. 6
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Sehnsucht" (1795); (1812); published 1821
 

 
 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!

Op.98a no. 4 "Wer nie sein Brot mit Tränen aß"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Robert Schumann, "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", op 98a no. 4

See also:

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Harfenspieler II" (Harper's song), Op. 6 no. 1  (1827-36?)
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", S. 297
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Klage" (Lament), published 1795-6
Franz Schubert (1797-1828), "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2 and 2b (1816), published 1895, "Wer nie sein Brot mit Tränen aß", D. 478 no. 2, third setting (1822), published 1822 as Op. 12 no. 2 "Gesänge des Harfners III", D. 480 no. 3
Wilhelm Stade, "Aus Wilhelm Meister", published 1842
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler III", from Goethe-Lieder, no. 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Klage" (1795); (1816)
 


 
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
 
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.

Op.98a no. 5 "Heiß mich nicht reden"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, Op. 98a no. 5 (1849)

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Das Geheimnis", published 1795-6
Franz Schubert (1797-1828), "Mignon I", D. 726 (see also D877 no. 2) (1821), published 1870, also called "Heiss mich nicht reden"
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Das Geheimniß", op 58 no. 3, (1815?), from Gedichte von Goethe, VI:3
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon I", from Goethe-Lieder, no. 5
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft VII no. 10 "Aus Meister Wilhelms Lehrjahren"
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Geheimnis" (1811)
 

 
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht,
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
 
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
 
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen,
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.

Op.98a no. 6 "Wer sich der Einsamkeit ergibt"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Robert Schumann, "Wer sich der Einsamkeit ergibt", Op. 98a no. 6

See also:

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Harfners Lied", 1825
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Einsamkeit", published 1795-6
Franz Schubert (1797-1828), "Gesänge des Harfners I", D. 325, D. 478b. (September 1816), first published in 1822 as Op. 12 no. 1
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler I", from Goethe-Lieder no. 1
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Einsamkeit" (1795)

Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.
Ja! Laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.
 
Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach, werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!

Op.98a no. 7 "Singet nicht in Trauertönen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Music by Robert Schumann, "Singet nicht in Trauertönen", Op. 98a no. 7 (1 July 1849)

See also:

Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Philine (aus Wilhelm Meister)", published 194-?
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Die Nacht", published 1795-6
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Singet nicht in Trauertönen", Op. 55 no. 5 (185?), from Gedichte von Goethe, III:5
Hugo Wolf (1860-1903), "Philine", from Goethe-Lieder, no. 8
 
 


Singet nicht in Trauertönen
Von der Einsamkeit der Nacht.
Nein, sie ist, o holde Schönen,
Zur Geselligkeit gemacht.
 
[Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die schönste Hälfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben
Und die schönste Hälfte zwar.]
 
Könnt ihr euch des Tages freuen,
Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er nicht.
 
Aber wenn in nächt'ger Stunde
Süsser Lampe Dämmrung fließt,
Und vom Mund zum nahen Munde
Scherz und Liebe sich ergießt.
 
Wenn der rasche, lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Oft bei einer kleinen Gabe
Unter leichten Spielen weilt,
 
Wenn die Nachtigall Verliebten
Liebevoll ein Liedchen singt,
Das Gefangnen und Betrübten
Nur wie Ach und Wehe klingt,
 
Mit wie leichtem Herzensregen
Horchet ihr der Glocke nicht,
Die mit zwölf bedächtgen Schlägen
Ruh und Sicherheit verspricht.
 
Darum an dem langen Tage,
Merke dir es, liebe Brust;
Jeder Tag hat seine Plage,
Und die Nacht hat ihre Lust.

Op.98a no. 8 "An die Türen will ich schleichen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) from Wilhelm Meister
Music by Robert Schumann, "An die Türen will ich schleichen", Op. 98a no. 8

See also:

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Harfenspieler I", Op. 3 no. 6 (1827-36?)
Victor August Loser, "Gesang des Harfners aus Wilhelm Meister", Op. 15 no. 2, published 1899?
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Letztes Lied des Harfenspielers", published 1809
Franz Schubert (1797-1828), "Gesänge des Harfners II", D. 479b (1816), published 1822 as Op. 12    no. 3
Hugo Wolf (1860-1903), "Harfenspieler II", from Goethe-Lieder, no. 2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Harfenspieler II" (1818)

 
 
An die Türen will ich schleichen,
Still und sittsam will ich stehn,
Fromme Hand wird Nahrung reichen,
Und ich werde weitergehn.
Jeder wird sich glücklich scheinen,
Wenn mein Bild vor ihm erscheint,
Eine Träne wird er weinen,
Und ich weiß nicht, was er weint.

Op.98a no. 9 "So laßt mich scheinen"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Robert Schumann, "So laßt mich scheinen", Op. 98a no. 9 (1849)

See also:

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Mignons letzter Gesang", published 1796
Franz Schubert (1797-1828), "Mignons Gesang II", D469 I and II (fragments) (1816), published 1897, D469B (fragment), D727 (1821), published 1850, D877 no. 3 (1826), published 1827 as Op.62 no. 3
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon III", from Goethe-Lieder, no. 7
 

 
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
 
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
 
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
 
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!

Op.101 no.4 "Mein schöner Stern"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Robert Schumann, Op. 101 no. 4
 


 
Mein schöner Stern, ich bitte dich,
O lasse du dein heitres Licht
Nicht trtüben durch den Dampf in mir,
Vielmehr den Dampf in mir zu Licht,
Mein schöner Stern, verklären hilf!
 
Mein schöner Stern! ich bitte dich,
Nicht senk' herab zur Erde dich,
Weil du mich noch hier unten siehst,
Heb' auf vielmehr zum Himmel mich,
Mein schöner Stern, wo du schon bist!

Op.106 "Schön Hedwig"
 
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Robert Schumann, Op. 106 (1849)

 
Im Kreise der Vasallen sitzt
Der Ritter, jung und kühn;
Sein dunkles Feuerauge blitzt,
Als wollt' er ziehn zum Kampfe,
Und seine Wangen glühn.
 
Ein zartes Mägdlein tritt heran
Und füllt ihm den Pokal.
Zurück mi Sitten tritt sie dann;
Da fällt auf ihre Stirne
Der klarste Morgenstrahl.
 
Der Ritter aber faßt sie schnell
Bei ihrer weißen Hand.
Ihr blaues Auge, frisch und hell,
Sie schlägt es erst zu Boden,
Dann hebt sie's unverwandt.
 
"Schön Hedwig, die du vor mir stehst,
Drei Dinge sag' mir frei:
Woher du kommst, wohin du gehst,
Warum du stets mir folgest;
Das sind der Dinge drei!"
 
Woher ich komm? Ich komm von Gott,
So hat man mir gesagt,
Als ich, verfolgt von Hohn und Spott,
Nach Vater und nach Mutter
Mit Tränen einst gefragt.
 
Wohin ich geh? Nichs treibt mich fort,
Die Welt ist gar zu weit.
Was tauscht' ich eitel Ort um Ort?
Sie ist ja allenthalben
Voll Lust und Herrlichkeit.
 
Warum ich folg', wohin du winkst?
Ei, sprich, wie könnt' ich ruhn?
Ich schenk' den Wein dir, den du trinkst,
Ich bat dich drum auf Knieen
Und möcht' es ewig tun!
 
"So frage ich, du blondes Kind,
Noch um ein viertes dich;
Dies letzte sag' mir an geschwind,
Dann frag' ich dich nichts weiter,
Sag', Mägdlein, liebst du mich?"
 
Im Anfang steht sie starr und stumm,
Dann schau sie langsam sich
Im Kreis der ernsten Gäste um,
Und falter ihre Hände
Und spricht: Ich liebe dich!
 
Nun aber weiß ich auch, wohin
Ich gehen muß von hier;
Wohl ist's mir klar in meinem Sinn:
Nachdem ich dies gestanden,
Ziemt nur der Schleier mir!
 
"Und wenn du sagst, du kommst von Gott,
So fühl' ich, das ist wahr.
Drum führ' ich auch, troz Hohn und Spott,
Als seine liebste Tochter
Noch heut dich zum Altar.
 
Ihr edlem Herrn, ich lud verblümt
Zu einem Fest euch ein;
Ihr Ritter, stolz und hochgerühmtt,
So folgt mir zur Kapelle,
Es soll mein schönstes sein!"

Op.107 no.1 "Herzeleid"
 
Text by Titus Ulrich (1813-1891)
Music by Robert Schumann, Op. 107 no. 1
 


 
Die Weiden lassen matt die Zweige hangen,
Und traurig ziehn die Wasser hin:
Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen,
Die unglückselge Träumerin.
 
Und ihr entfiel ein Strauss von Immortellen,
Er war so schwer von Tränen ja,
Und leise warnend lispelten die Wellen:
Ophelia, Ophelia!

Op.107 no.2 "Die Fensterscheibe"
 
Text by Titus Ulrich (1813-1891)
Music by Robert Schumann, Op. 107 no. 2 (21 January 1851)
 

 
Die Fenster klär' ich zum Feiertag,
Daß sich die Sonn' drin spiegeln mag,
Und klär' und denke gar mancherlei.
Da geht er stolz vorbei!
 
So sehr muss ich da erschrocken sein,
Daß ich gleich brach in die Scheiben hinein,
Und gleich auch kam das Blut gerannt
Rot über meine Hand.
 
Und mag sie auch bluten, meine Hand,
Und mag mich auch schmerzen der böse Brand,
Hast einen Blick doch herauf geschickt,
Als laut das Glas geknickt.
 
Und in die Augen dir hab' ich gesehn;
Ach Gott, wie lang ist es nicht geschehn!
Hast mich ja nicht einmal angeblickt,
Als leis mein Herz geknickt!

Op.107 no.3 "Der Gärtner"
 
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Robert Schumann, Op. 107 no. 3
 
See also:
 
Hugo Distler (1908-1942), Op. 19, i, 7; Op. 19, ii, 8; and Op. 19, iii, 2 (1939), from Mörike Chorliederbuch
Robert Kahn (1865-1951), Op. 16 no. 1 (1892)
Hugo Wolf (1860-1903), from Mörike-Lieder, no. 17
 
 


Auf ihrem Leibrößlein
So weiß wie der Schnee,
Die schönste Prinzessin
Reit't durch die Allee.
 
Der Weg, den das Rößlein
Hintanzet so hold,
Der Sand, den ich streute,
Er blinket wie Gold!
 
Du rosenfarb's Hütlein
Wohl auf und wohl ab,
O wirf eine Feder,
Verstohlen herab!
 
Und willst du dagegen
Eine Blüte von mir,
Nimm tausend für eine,
Nimm alle dafür!

Op.107 no.4 "Auf dem Dorf in den Spinnstuben"
 
Text by Paul Heyse (1830-1914)
Music by Robert Schumann, "Die Spinnerin", Op. 107 no. 4 (circa August 1851)
 
See also:
 
Eugen Hildach (1849-1924), "Auf dem Dorf in den Spinnstuben", Op. 9 no. 1, pub. 1898

 
 
Auf dem Dorf in den Spinnstuben
Sind lustig die Mädchen.
Hat jedes seinen Herzbuben,
Wie flink geht das Rädchen!
 
Spinnt jedes am Brautschatz,
Dass der Liebste sich freut.
Nicht lange, so gibt es
Ein Hochzeitsgeläut!
 
Kein' Seel', die mir gut ist,
Kommt mit mir zu plaudern;
Gar schwül mir zu Mut ist,
Und die Hände zaudern.
 
Und die Tränen mir rinnen
Leis übers Gesicht.
Wofür soll ich spinnen,
Ich weiss es ja nicht!

Op.107 no.5 "Im Wald"
 
Text by (Karl) Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)
Music by Robert Schumann, Op. 107 no. 5 (circa August 1851)

 
 
Ich zieh' so allein in den Wald hinein!
O sieh zwei Falter fliegen!
Sie tummeln sich durch die Luft,
Und wenn sie ruh'n, so wiegen
Sie sich in der Blumen Duft,
Und ich bin so allein, voll Pein!
 
Ich zieh' so allein in den Wald hinein!
O sieh zwei Vöglein erschrocken
Entstieben dem warmen Nest!
Doch singen und suchen und locken
Sie hoch sich im Geäst,
Und ich bin so allein, voll Pein!
 
Ich zieh' so allein in den Wald hinein!
O sieh zwei Rehe zieh'n
An der grünen Halde zumal!
Und wie sie mich seh'n, entflieh'n
Sie fern in Berg und Tal,
Und ich bin so allein, voll Pein!

Op.107 no.6 "Abendlied"
 
Text by (Johann) Gotttfried Kinkel (1815-1882)
Music by Robert Schumann, Op. 107 no. 6
 


 
Es ist so still geworden,
Verrauscht des Abends Wehn,
Nun hört man aller Orten
Der Engel Füße gehn.
 
Rings in die Tiefe senket
Sich Finsternis mit Macht;
Wirf ab, Herz, was dich kränket,
Und was dir bange macht!
 
Nun stehn im Himmelskreise
Die Stern' in Majestät;
In gleichem, festem Gleise
Der goldne Wagen geht.
 
Und gleich den Sternen lenket
Er denen Weg durch Nacht;
Wirf ab, Herz, was dich kränket,
Und was dir bange macht!

Op.117 no. 1 "Der Husar, trara!" aus "Vier Husarenlieder"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 117 no. 1 (1851)

 
Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein herzliebster Schatz!
Sie winkt, mit einem Satz
Ist er da, trara!
 
Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein Wein; flink! flink!
Säbel blink! Säbel trink!
Trink Blut! trara!
 
Der Husar,
Trara!
Was ist die Gefahr?
Sein herzliebster Klang,
Sein Liebgesang,
Schlafgesang, trara!

Op.117 no. 2 "Der leidige Frieden" aus "Vier Husarenlieder"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 117 no. 2

 
 
Der leidige Frieden
Hat lange gewährt,
Wir warten geschieden,
Mein gutes Schwert!
 
Derweil ich gekostet
Im Keller den Wein,
Hingst du verrostet
An der Wand allein.
 
Von Sorte zu Sorte
Probiert' ich den Wein,
Indessen dorrte
Das Blut dir ein.
 
Ist endlich entglommen
Der heiße Streit,
Mein Schwert, und gekommen
Ist deine Zeit.
 
Ich geb' deiner Klingen
Den blanken Schliff,
Ich lasse dich singen
Den Todespfiff,
 
Im Pulvernebel
Die Arbeit rauscht,
Wir haben, o Säbel,
Die Freuden getauscht.
 
Im brausenden Moste,
Mein durstiges Erz,
Betrinke dich, koste
Von Herz zu Herz;
 
Derweil du kostet
Das rote Blut,
Ist mir eingerostet
Der Hals vor Glut.

Op.117 no. 3 "Den grünen Zeigern" aus "Vier Husarenlieder"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann,Op. 117 no. 3
 

 
Den grünen Zeigern,
Den roten Wangen,
Den lustigen Geigern
Bin ich nachgegangen
Von Schenk' zu Schenk',
Solang' ich denk'.
 
Am Tschako jetz trag' ich
Die grünen Äste,
Rote Wangen, die schlag' ich
Den Feinden aufs beste,
Kanonengebrumm
Musiziert herum.

Op.117 no. 4 "Da liegt der Feinde gestreckte Schar aus "Vier Husarenlieder"
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Robert Schumann, Op. 117 no. 4

 
 
Da liegt der Feinde gestreckte Schar,
Sie liegt in ihrem blutroten Blut.
Wie haut er so scharf, wie haut er so gut,
Der flinke Husar!
 
Da liegen sie, ha! so bleich und rot,
Es zittern und wanken noch, husch! husch!
Ihre Seelen auf seinem Federbusch;
Da liegen sie tot.
 
Und weiter ruft der Trompetenruf,
Er wischt an die Mähne sein nasses Schwert,
Und weiter springt sein lustiges Pferd
Mit rotem Huf.

Op.119 no. 2 "Warnung"
 
Text by Gustav Pfarrius (1800-1884)
Music by Robert Schumann, Op. 119 no. 2
 
See also:
 
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), Op. 56 no. 5

 
 
Es geht der Tag zur Neige,
Der Licht und Freiheit bot,
O schweige, Vöglein, schweige,
Du singst dich in den Tod!
 
Die Winde nächtlich rauschen,
Die Blätter zittern bang,
Den Feinden, die drin lauschen,
Verrät dich dein Gesang.
 
Glutäugig durchs Gezweige
Der finstre Schuhu droht:
O schweige, Vöglein, schweige,
Du singst dich in den Tod!

Op.122 no. 1 "Vom Heidenknaben"
 
Text by Friedrich Hebbel (1813-1863)
Music by Robert Schumann, Op. 122 no. 1 (1852-53)

 
 
Der Knabe träumt, man schickte ihn fort
Mit dreißig Talern zum Heideort,
Er ward drum erschlagen am Wege
Und war doch nicht langsam und träge.
 
Noch liegt er im Angstschweiß, da rüttelt ihn
Sein Meister und heißt ihn, sich anzuziehn
Und legt ihm das Geld auf die Decke
Und fragt ihm, warum er erschrecke.
 
"Ach Meister, mein Meister, sie schlagen mich tot,
Die Sonne, sie ist ja wie Blut so rot!"
"Sie ist es für dich nicht alleine,
Drum schnell, sonst mach' ich dir Beine!"
 
"Ach Meister, mein Meister, so sprachst du schon,
Das war das Gesicht, der Blick, der Ton,
Gleich greifst du" - zum Stock, will ersagen,
Er sagt's nicht, er wird schon geschlagen.
 
"Ach Meister, mein Meister, ich geh, ich geh,
Bring' meiner Frau Mutter das letzte Ade!
Und sucht sie nach allen vier Winden,
Am Weidenbaum bin ich zu finden!"
 
Hinaus aus der Stadt! Und da dehnt sie sich,
Die Heide, nebelnd, gespenstiglich,
Die Winde darüber sausend,
"Ach, wär' hier ein Schritt, wie tausend!"
 
Und alles so still, und alles so stumm,
Man sieht sich umsonst nach Lebendigem um,
Nur hungrige Vögel schießen
Aus Wolken, um Würmer zu spießen.
 
Er kommt ans einsame Hirtenhaus,
Der alte Hirt schaut eben heraus,
Des Knaben Angst ist gestiegen,
Am Wege bleibt er noch liegen.
 
"Ach Hirte, du bist ja von frommer Art,
Vier gute Groschen hab' ich erspart,
Gib deinen Knecht mir zur Seite,
Daß er zum Dorf mich begleite!
 
Ich will sie ihm geben, er trinke dafür
Am nächsten Sonntag ein gutes Bier,
Dies Geld hier, ich trag' es mit Beben,
Man nahm mir im Traum drum das Leben!"
 
Der Hirt, der winkte dem langen Knecht,
Er schnitt sich eben den Stecken zurecht,
Jetzt trat er hervor - wie graute
Dem Knaben, als er ihn schaute!
 
"Ach Meister Hirte, ach nein, ach nein,
Es ist doch besser, ich geh' allein!"
Der Lange spricht grinsend zum Alten:
Er will die vier Groschen behalten.
 
"Da sind die vier Groschen!" Er wirft sie hin
Und eilt hinweg mit verstörtem Sinn.
Schon kann er die Weide erblicken,
Da klopft ihn der Knecht in den Rücken.
 
"Du hältst es nicht aus, du gehst zu geschwind,
Ei, Eile mit Weile, du bist ja noch Kind,
Auch muß das Geld dich beschweren,
Wer kann dir das Ausruhn verwehren!
 
Komm, setz' dich unter den Weidenbaum
Und dort erzähl' mir den häßlichen Traum,
Ich träumte - Gott soll mich verdammen,
Trifft's nicht mit deinem zusammen!"
 
Er faßt den Knaben wohl bei der Hand,
Der leistert auch nimmermehr Widerstand,
Die Blätter flüstern so schaurig,
Das Wässerlein rieselt so traurig!
 
Nun sprich, du träumtest – "Es kam ein Mann –"
War ich das? Sieh mich doch näher an,
Ich denke, du hast mich gesehen!
Nun weiter wie ist es geschehen?
 
"Er zog ein Messer!" - War das, wie dies? -
"Ach ja, ach ja!" - Er zog's? – "Und stieß –"
Er stieß dir's wohl so durch die Kehle?
Was hilft es auch, daß ich dich quäle!
 
Und fragt ihr, wie's weiter gekommen sei?
So fragt zwei Vögel, sie saßen dabei,
Der Rabe verweilte gar heiter,
Die Taube konnte nicht weiter!
 
Der Rabe erzählt, was der Böse noch tat,
Und auch, wie's der Henker gerochen hat,
Die Taube erzählt, wie der Knabe
Geweint und gebetet habe.

Op.122 no. 2 "Die Flüchtlinge"
 
Text after Percy Bysshe Shelley (1792-1822)
Music by Robert Schumann, Op. 122 no. 2 (1852-53)

 
 
Der Hagel klirrt nieder, es sprühen die Wogen,
Die Blitze leuchten und Schaum kommt geflogen -
Fort! Fort! Fort!
Es krachen die Donner und Sturmböen stöhnen,
Die Hochwälder brausen und Glocken ertönen -
Fort! Fort! Fort!
Das Meer und die Erde sind trümmerbedeck,
Es floh'n Mensch und Tier, von dem Sturme erschreckt -
Fort! Fort! Fort!
 
"Der Steuermann schreit: Nur ein Segel im Boot,
Auf die See sich zu wagen, wär' sicherer Tod!"
So sagt er -
Sie ruft: "Greif zum Ruder, stoß' muig dich ab!"
Und Schlossen und Hagel, sie prasseln herab
Auf das Meer.
Leuchtfeuer scheinen von Klippen und Turm,
Die Kanone blitzt auf, doch erstickt sie der Sturm
Vom Meere her.
 
"Schrickst du vor dem, was du siehst, zurück?
Und fahren wir frei nicht in unser Glück,
Ich und du?"
Ein Schiffsmantel deckt die Liebenden beide,
Sie sprechen sich Mut in der Angs und der Freude
Flüsternd zu.
Der Bräutigam steht in des Schloßhofes Rund,
Und zitter wie ein geschlagener Hund,
Bleich vor Scham.
 
Da ragt's wie ein Geist aud dem obersten Turm,
Vor seiner wild drohenden Stimme der Sturm
Scheint wie zahm.
Er ruft seiner Tochter in dieser Stunde
Nach einen Fluch, wie aus Vaters Munde
Nie er kam.

Op.125 no. 1 "Die Meerfee"
 
Text by Julius Buddeus
Music by Robert Schumann, Op. 125 no. 1 

 
Helle Silberglöcklein klingen
Aus der Luf vom Meer;
Leise Mädchenstimmen singen
Fröhlich rings umher;
 
Und auf leichtem Perlenwagen
Fährt die Fee vorbei,
Von der lauen Luft getragen,
Wallt die Melodei.
 
Lichte Funken rings umglühten
Sie im heitern Spiel,
Düfe, wie von Rosenblüten,
Wehn vom Mast zum Kiel;
 
Und der Knabe sieht es träumend
An des Schiffes Bord,
Doch die Wellen tragen schäumend
Die Erscheinung fort.

Op.125 no. 2 "Husarenabzug"
 
Text by Karl August Candidus (1817-1872)
Music by Robert Schumann, Op. 125 no. 2

 
 
Aus dem dunklen Tor
Wallt kein Zug von Mücklein;
Horch! daraus empor
Schall Trompeterstücklein,
Platz für die schönen Husaren!
Milchmädchen bei Seite!
Drückt euch ans Brückengeländer!
Er ziehn in die Weite
Lustige Knaben.
 
Fremde! wie das Hengstlein
Den frohen Lauf tanzt,
Wie sein dickes Wänstlein
Der Hauptmann aufpflanzt.
Seien wir munter und denken wir nicht
An den weißen Stein,
Der ihr Füßelein trug,
Wenn am Brunnen die Liebste
Stand bei der Freundin.
 
Hei! vielleichtt ein Windstoß
Am Brunnen wirbelt,
Daß, der sonst gelind floß,
Stäubt und verzwirbelt,
Tröste dich, Herzallerliebste!
Die bausigen Backen
Wird dein Husärlein
Dem Gotte der Winde zerhacken!

Op.125 no. 3 "Jung Volkers Lied"
 
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Robert Schumann, Op. 125 no. 3 (1850/1)
 
See also:
 
Hugo Distler (1908-1942), Op. 19, iii, 11 (1939), from Mörike-Chorliederbuch
Peter Jona Korn (b. 1922), Op. 24 no. 1, published 1964
 

 
Und die mich trug im Mutterarm,
Und die mich schwang in Kissen,
Die war ein schön, froh, braunes Weib,
Wollte nichts vom Mannsvolk wissen.
 
Sie scherzte nur und lache laut
Und ließ die Freier stehen.
"Möcht' lieber sein des Windes Braut,
Als in die Ehe gehen!"
 
Da kam der Wind, da nahm der Wind
Als Buhle sie gefangen,
Von dem hat sie ein lustig Kind,
Jung Volker, mich, empfangen.

Op.127 no. 1 "Sängers Trost"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann, Op. 127 no. 1 (November 1840)

 
 
Weint auch einst kein Liebchen
Tränen auf mein Grab,
Träufeln doch die Blumen
Milden Tau hinab;
 
Weilt an ihm kein Wandrer
Im Vorüberlauf,
Blickt auf seiner Reise
Doch der Mond darauf.
 
Denkt auf diesen Fluren
Bald kein Erdner mein,
Denkt doch mein die Aue
Und der stille Hain.
 
Blumen, Hain und Aue,
Stern und Mondenlicht,
Die ich sang, vergessen
Ihres Sängers nicht.

Op.127 no. 2 "Dein Angesicht so lieb und schön"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Robert Schumann, "Dein Angesicht", Op. 127 no. 2 (1840)
 
See also:
 
Gustav Hasse (1834-1889), "Dein Angesicht so lieb und schön", Op. 27 no. 4, published 1877
 

 
Dein Angesicht so lieb und schön,
Das hab' ich jüngst im Traum gesehn,
Es ist so mild und engelgleich,
Und doch so bleich, so schmerzenbleich.
 
Und nur die Lippen, die sind rot;
Bald aber küßt sie bleich der Tod.
Erlöschen wird das Himmelslicht,
Das aus den frommen Augen bricht.

Op.127 no. 3 "Es leuchte meine Liebe"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Robert Schumann, "Dein Angesicht", Op. 127 no. 3 (1840)
 

 
 
Es leuchte meine Liebe,
In ihrer dunkeln Pracht,
Wie'n Märchen traurig und trübe,
Erzählt in der Sommernacht.
 
"Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, stumm und allein;
Es singen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenschein.
 
Die Jungfrau steht still wie ein Bildnis,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Riese der Wildnis,
Die bange Jungfrau flieht.
 
Der Ritter sinkt blutend zur Erde,
Es stolper der Riese nach Haus"
Wenn ich begraben werde,
Dann ist das Märchen aus.

Op.138 no. 2 "Tief im Herzen trag' ich Pein"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884) after Luis de Camõens (1524?-1580)
Music by Robert Schumann,
Op. 138 no. 2 (Spanische Liebeslieder)
 
See also:
 
Hugo Wolf (1860-1903), Spanisches Liederbuch (Weltliche Lieder) no. 23
 


 
Tief im Herzen trag' ich Pein,
muß nach außen stille sein.
Den geliebten Schmerz verhehle
tief ich vor der Welt Gesicht;
und es fühlt ihn nur die Seele,
denn der Leib verdient ihn nicht.
Wie der Funke frei und licht sich verbirgt im Kieselstein,
trag' ich innen tief die Pein.

Op.138 no. 3 "Lied"
 
Text: from Spanische Liebeslieder, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)
 
Music by Robert Schumann, Op. 138 no. 3
 

 
O wie lieblich ist das Mädchen,
Wie so schön und voll Anmut,
Wie so schön!
 
Sag' mir an, du wackrer Seemann,
Der du lebst auf deinem Schiffe,
Ob das Schiff und seine Segel,
Ob die Sterne wohl so schön sind!
 
O wie lieblich ist das Mädchen,
Wie so schön und voll Anmut,
Wie so schön!
Sag' mir an, du stolzer Ritter,
Der du gehst im blanken Harnisch,
Ob das Roß und ob die Rüstung,
Ob die Schlachten wohl so schön sind!
 
O wie lieblich ist das Mädchen,
Wie so schön und voll Anmut,
Wie so schön!
 
Sag' mir an, du Hirtenknabe,
Der du deine Herde weidest,
Ob die Lämmer, ob die Marten,
Ob die Berge wohl so schön sind!
 
O wie lieblich ist das Mädchen,
Wie so schön und voll Anmut,
Wie so schön!

Op.138 no. 4 "Bedeckt mich mit Blumen"
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884), after María Doceo

Music by Robert Schumann, "Duett", Op. 138 no. 4 (1849), from Spanisches Liederspiel
 
See also:
 
Leopold Damrosch (1832-1885), "Bedeckt mich mit Blumen",
Op. 11 no. 7, published 1903?
Hugo Wolf (1860-1903), "Bedeckt mich mit Blumen", from Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder, no. 26
 

 
 
Bedeckt mich mit Blumen,
ich sterbe vor Liebe.
Daß die Luft mit leisem Wehen
nicht den süßen Duft mir entführe,
bedeckt mich!
Ist ja alles doch dasselbe,
Liebesodem oder Düfte von Blumen.
Von Jasmin und weißen Lilien sollt ihr hier mein Grab bereiten,
ich sterbe.
Und befragt ihr mich: Woran?
sag' ich: Unter süßen Qualen vor Liebe -
vor Liebe.

Op.138 no. 5 "Romanze"
 
Text from Spanische-Liebeslieder, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)
 
Music by Robert Schumann, Op. 138 no. 5

 
 
Flutenreicher Ebro,
Blühendes Ufer,
All' ihr grünen Matten,
Schattten des Waldes,
Fraget die Geliebte,
Die unter euch ruhet,
Ob in ihrem Glücke
Sie meiner gedenket.
 
Und ihr tauigen Perlen,
Die ihr im Frührot
Den grünenden Rasen
Bunt mit Farben schmückt,
 
Fraget die Geliebte,
Wenn sie Kühlung atmet,
Ob in ihrem Glücke
Sie meiner gedenket.
 
Ihr laubigen Pappeln,
Schimmernde Pfade,
Wo leichten Fußes
Mein Mädchen wandelt,
Wenn sie euch begegnet,
Fragt sie, fragt sie,
Ob in ihrem Glücke
Sie meiner gedenket.
 
Ihr schwärmenden Vögel,
Die den Sonnenaufgang
Singend ihr begrüßet
Mit Flötenstimmen,
Fraget die Geliebte,
Dieses Ufers Blume,
Ob in ihrem Glücke
Sie meiner gedenket. 

Op.138 no. 7 "Weh, wie zornig ist das Mädchen"
 
Text from Spanische-Liebeslieder, German translation by Emanuel von Geibel (1815-1884)
 
Music by Robert Schumann, Op. 138 no. 7

 
 
Weh, wie zornig ist das Mädchen,
Weh, wie zornig, weh, weh!
Im Gebirge geht das Mädchen
Ihrer Herde hinterher,
Ist so schön wie die Blumen,
Ist so zornig wie das Meer.

Op.139 no. 4 "Provencalisches Lied"
 
Text: aus der Ballade "Des Sängers Fluch" nach Johann Ludwig Uhland (1787-1862), adapted by Richard Pohl (1826-1896)
 
Music by Robert Schumann, Op. 139 no. 4 (1852)
 

 
In den Talen der Provence
Ist der Minnesang entsprossen,
Kind des Frühlings und der Minne,
Holden, innigen Genossen.
 
Blütenglanz und süße Stimme
Konnt' an ihm den Vater zeigen,
Herzensglut und tiefes Schmachten
War ihm von der Mutter eigen.
 
Selige Provencetale,
Üppig blühend wart ihr immer,
Aber eure reichste Blüte
Ist des Minneliedes Schimmer.
 
Jene tapfern, schmucken Ritter,
Welch ein edler Sängerorden!
Jene hochbeglückten Damen,
Wie sie schön gefeier worden!
 
Sängerliebe, hoch und herrlich,
Dich will ich in heitern Bildern
Aus den Tagen des Gesanges,
Aus der Zei der Minne schildern:
Sängerliebe!

Op.142 no. 1 "Trost im Gesang"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
 
Music by Robert Schumann, Op. 142 no. 1
 

 
 
Der Wandrer, dem verschwunden
So Sonn' als Mondenlicht,
Der singt ein Lied ins Dunkel
Und härmt sich länger nicht.
Er schreitet mutig weiter
Die menschenleere Bahn,
Viel lichte Sangesbilder,
Die ziehen ihm voran.
 
Nacht ist's auch mir geworden,
Die Freunde stehen fern,
Von meinem Himmel schwindet
Der allerletzte Stern;
Doch geh' ich mutig weiter
Die menschenleere Bahn,
Noch ziehen Sangesbilder
Ja mir auch licht voran.

Op.142 no. 2 "Lehn deine Wang' an meine Wang'"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Robert Schumann, Op. 142 no. 2 (1840)
 
See also:
 
(Friedrich) August Bungert (1845-1915), "Lehn deine Wang' an meine Wang'", Op. 33 no. 1, published 1889-91
Adolf Jensen (1837-1879), "Lehn deine Wang' an meine Wang'", Op. 1 no. 1 (1856)
Richard Sternfeld (1858-1926), "Lehn deine Wang' an meine Wang'", Op. 7 no. 2, published 1895
Frank Valentine van der Stucken (1858-1929), "Lehn' deine Wang",
Op. 5 no. 4 (1878)
 


 
Lehn deine Wang' an meine Wang',
Dann fließen die Tränen zusammen;
Und an mein Herz drück fest dein Herz,
Dann schlagen zusammen die Flammen!
 
Und wenn in die große Flamme fließt
Der Strom von unsern Tränen,
Und wenn dich mein Arm gewaltig umschließt -
Sterb' ich vor Liebessehnen!

Op.142 no. 3 "Mädchen-Schwermut"
 
Text by Lily Bernhard (flourished 1840)
Music by Robert Schumann, Op. 142 no. 3 (16 November 1840)

 
 
Kleine Tropfen, seid ihr Tränen
An den Blumenkelchen da?
Oder war's des Herzens Sehnen,
Das die Blumen weinen sah?
 
Frühlingssäuseln, wehst die Klagen
In das zarte junge Grün?
Oder hör' nur ich es fragen:
Wo sind deine Freuden hin?
 
Gottes Augen seid ihr nimmer,
Sternlein in dem Himmelszelt!
Ach, es strahlt kein Trostesschimmer
In die freudenlose Welt!

Op.142 no. 4 "Mein Wagen rollet langsam"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Robert Schumann, Op. 142 no. 4 "Mein Wagen rollet langsam" (1840)
 
See also:
 
Richard Strauss (1864-1949),
Op. 69 no. 4 "Waldesfahrt" (1918)
 


 
Mein Wagen rollet langsam
Durch lustiges Waldesgrün,
Durch blumige Taler, die zaubrisch
Im Sonnenglanze blühn.
 
Ich sitze und sinne und träume,
Und denk' an die Liebste mein;
Da grüßen drei Schattengestalten
Kopfnickend zum Wagen herein.
 
Sie hüpfen und schneiden Gesichter,
So spöttisch und doch so scheu,
Und quirlen wie Nebel zusammen,
Und kichern und huschen vorbei.

Op.145 no. 1 "Ich hör' meinen Schatz"
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862), July 1809
Music by Robert Schumann, "Der Schmidt", Op. 145 no. 1 (1849)
 
See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), "Der Schmied" (The blacksmith), Op. 19 no. 4 (1859)
Adolf Jensen (1837-1879), "Der Schmied",
Op. 24 no. 6 (1864)
 


 
Ich hör' meinen Schatz,
Den Hammer er schwinget,
Das rauschet, das klinget,
Das dringt in die Weite,
Wie Glockengeläute,
Durch Gassen und Platz.
 
Am schwarzen Kamin,
Da sitzet mein Lieber,
Doch geh' ich vorüber,
Die Bälge dann sausen,
Die Flammen aufbrausen
Und lodern um ihn.

Op.146 no. 5 "Das Schifflein"
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Robert Schumann, Op. 146 no. 5 (1849)
 
See also:
 
Robert Gund (1865-1927), Op. 39 no. 3 (1914)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), 1835
Jakob Ludwig Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Op. 99 no. 4 (1841)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860)

 
 
Ein Schifflein ziehet leise
Den Strom hin seine Gleise.
Es schwiegen, die drin wandern,
Denn keiner kennt den andern.
 
Was zieht hier aus dem Felle
Der braune Waldgeselle?
Ein Horn, das sanft erschallet:
Das Ufer widerhallet.
 
Von seinem Wanderstabe
Schraubt jener Stift und Habe,
Und mischt mit Flötentönen
Sich in des Hornes Dröhnen.
 
Das Mädchen saß so blöde,
Als fehlt' ihr gar die Rede,
Jetzt stimmt sie mit Gesange
Zu Horn- und Flötenklange.
 
Die Ruder auch sich regen
Mit taktgemäßen Schlägen.
Das Schiff hinunter flieget,
von Molodie gewieget.
 
Hart stößt es auf am Strande,
Man trennt sich in die Lande:
"Wann treffen wir uns, Brüder?
Auf einem Schifflein wieder?"

Op. posth. 21 no. 1 "Sehnsucht"
 
Text by Ekert, pseudonym of Robert Alexander Schumann
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 1

 
Sterne der blauen
Himmlischen Auen,
Grüßt mir das Mädchen,
Das ich geliebt!
 
Weit in die Ferne
Möcht' ich so gerne
Wo das geliebte
Mädchen mir weilt.
 
Schweigende Sterne,
Grüßt mir die Ferne,
Grüßt mir das Mädchen,
Das ich geliebt!
 
Sterne der blauen
Himmlischen Auen,
Treuliche Winde,
Küßt sie von mir!
 
Stumme Vertraute
Küßtt mir die Braut
Bringt ihr auch Tränen,
Tränen von mir.
 
Ach, ich muß weinen,
Tränen der Einen,
Tränen der Sehnsucht,
Teuere, dir.

Op. posth. 21 no. 2 "Die Weinende"
 
Text after George Gordon Noel Byron, Lord Byron (1788-1824)
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 2 (1827-28)

 
Ich sah dich weinen! ach!
Die Zähre schwamm auf des Auges Blau
Und dieses Auge, dacht' ich,
Wär ein Veilchen naß vom Tau.
 
Ich sah dich lächeln,
Saphirschimmer trat matt vor dir zurück;
Den regen Glanz erreicht er nimmer,
Der strahlt aus deinem Blick.

Op. posth. 21 no. 3 "Erinnerung"
 
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 3
 

 
Glück der Engel! wo geblieben?
Wo geblieben schöner Tag,
Wo mit unbesorgtem Lieben
Ihre Hand auf meinem Herzen lag?
 
O! sie fühlte jeden Schlag
Und in jedem lauter Lieben!
Wo geblieben, wo geblieben,
Glück der Engel, schöner Tag!

Op. posth. 21 no. 4 "Kurzes Erwachen"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
 
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 4

 
Ich bin im Mai gegangen
Und hab' es nicht gewußt,
Also von Schmerz befangen
Ist die erkrankte Brust.
 
Ein Vogel hat gesungen
Im jungbelaubten Wald,
Da ist ins Herz gedrungen
Mir seine Stimme bald.
 
Vom Aug' ist mir gefallen
Ein schwerer Tränenttau,
Drauf sah den Mai ich wallen
Durch Erd' und Himmel blau.
 
Als der Vogel ausgesungen
Flog er ins weite Land,
Und wie sein Lied verklungen,
Um mich der Mai verschwand.

Op. posth. 21 no. 5 "Gesanges Erwachen"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 5

 
Könnt' ich einmal wieder singen,
Wär' ich wiederum gesund,
Aber noch will's Herz zerspringen,
Und im Trauern schweigt der Mund.
 
Kaum, daß die so leise Klage
Aus dem vollen Busen drang,
Wie an einem Wintertage
Oft schon halb ein Vogel sang.
 
Wie aus Wolken eng verschlossen
Halb oft dringt ein Sonnenblick,
Bald von Regen übergossen,
Wiederkehrt in sich zurück,
 
Also hellte mein Gemüte
Ach nur kurz ein lichter Traum,
Und vom aufgeweckten Liede
Hallten diese Töne kaum.

Op. posth. 21 no. 6 "An Anna"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Robert Schumann, Op. posth. 21 no. 6

 
 
Lange harrt' ich, aber endlich breiten
Auseinander sich des Fensters Flügel
Und an seinem weißen Kreuze stehs du,
Berg und Tal ein stiller Friedensengel.
 
Vöglein ziehen nah' an dir vorüber,
Täublein sitzen auf dem nahen Dache,
Kommt der Mond und kommen alle Sterne,
Blicke