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Louis Spohr

(1784 - 1859)

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The Lieder of Louis Sphor


Lieder – index:

op. 25.

no. 2. Schottisch Lied
no. 3. Gretchen
no. 5. Zigeunerlied

op. 37.

no. 1. Mignons Lied
no. 6. Lied beim Rundetanz

op. 41.

no. 3. An Mignon
no. 6. Vanitas! Vanitatum Vanitas

op. 72.

no. 1. Frühlingsglaube
no. 6. Schlaflied

op. 94

no. 4. Ungeduld

op. 101.

no. 1. Frühlingsglocken
no. 3. Nichts Schöneres

op. 105

no. 1. Die Himmelsbraut

WoO. 91

WoO. 126.

WoO. 127.

Nachgefühl

Die verschwiegene Nachtigall

Neue Liebe, neues Leben

Op.103

"Sechs deutsche Lieder" für eine Singstimme, Klarinette und Klavier

a) Sei still mein Herz
b) Zwiegesang
c) Sehnsucht
d) Wiegenlied
e) Das heimliche Lied
f) Wach auf

Op.154

"Sechs Lieder" für Bariton mit Begleitung von Violine und Klavier

a) Abendfeier
b) Jagdlied
c) Töne
d) Erlkönig
e) Der Spielmann und seine Geige
f) Abendstille

op.25 n.2 "Schottisch Lied"
 
 
Text: Folksong
Music by Louis Spohr, op. 25 no. 2

Mir ist, als müßt' ich dir was sagen,
Als wollte dir mein Herz was klagen,
Mein tiefster Sinn bewegt sich,
Mit jeder Regung lieb' ich dich.
 
Mir ist, als müßt' ich zu dir eilen
Als Pilger dir zu Füßen weilen
Von meiner Sehnsucht heilen mich,
Und ach, nur seh'n und lieben dich.
 
Mein Herz will bei dir Ruhe haben,
Meine Auge sich an dir nur laben,
Und Herz und Aug' ergießen sich,
Mit vielen Tränen lieb' ich dich.

op.25 n.3 "Meine Ruh' ist hin"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Faust
Music by Louis Spohr, "Gretchen", op. 25 no. 3 (1809)
 
See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), "Meine Ruh ist hin", op. 11 no. 5 (1836)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Meine Ruh ist hin", op. 9, iii, 2 (1822)
Franz Schubert (1797-1828), "Gretchen am Spinnrad(e)", D. 118 (1814), published 1821 as op. 2
Richard Wagner (1813-1883), "Meine Ruh ist hin", op. 5 (1831-1832), from Sieben Kompositionen zu Goethes Faust, no. 5
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Margarethe"

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.
 
Wo ich ihn nicht hab
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.
 
Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.
 
Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.
 
Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seine Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,
 
Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach, sein Kuß!
 
Mein Busen drängt sich
Nach ihm hin.
[Ach] dürft ich fassen
Und halten ihn,
 
Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!

op.25 n.5 "Zigeunerlied"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, op. 25 no. 5
 
See also:

Ferruccio Busoni (1886-1924), op. 55 no. 2, published 1923

Im Nebelgeriesel, im tiefen Schnee,
Im wilden Wald, in der Winternacht,
Ich hörte der Wölfe Hungergeheul,
Ich hörte der Eulen Geschrei,
Wils wau wau wau witohu!
 
Ich schoß einmal eine Katz' am Zaun,
Der Anne, der Hex' ihre schwarze Katz';
Da kamen des Nachts sieben Wehrwölf' zu mir,
Es waren sieben Weiber vom Dorf.
Wils wau wau wau witohu!
 
Ich kannte sie all', ich kannte sie wohl
Die Anne, die Ursel, die Käth',
Die Liese, die Barbe, die Ev', die Beth';
Sie heulten im Kreise mich an.
Wils wau wau wau witohu!
 
Da nannt' ich sie alle beim Namen laut:
Was willst du Anne? was willst du Beth?
Sie rüttelten sich, sie schüttelten sich
Und liefen heulend davon.
Wils wau wau wau witohu!

op.37 n.1 "Kennst du das Land?"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, "Mignons Lied", 1816, op. 37 no. 1
 
See also: 

Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 75 no. 1, "Mignon", 1809 (first strophe only)
Alban Berg (1885-1936) Jugendlieder 1904-08 "Mignon" (1907)
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 17 no. 2, "Mignon"
Henri Duparc (1848-1933), "Romance de Mignon" (1869) (set in French translation by Wilder)
Moritz Hauptmann (1792-1868), op. 37 no. 1, "Mignon", publ. 1852?
Hélène Liebmann, née Riese (1796 - after 1819), publ. 1811, op. 4
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Mignons Lied", 1842, 1848, 1860
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), "Sehnsucht nach Italien", 1822
Stanislaw Moniuszko (1819-1872), "Wezwanie do Neapolu" (set in Polish translation by
Mickiewicz)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Italien", publ. 1795-96
Franz Schubert (1797-1828), D. 321, 1815, composed Oct. 23, 1815, first published 1832 
Robert Alexander Schumann
(1810-1856), Lieder-Album für die Jugend, 1849 op. 79 no. 29 op. 98a no. 1
Gasparo Spontini,"Mignon", 1830?
Pjotr Il'ich Tchaikovsky (1840-1893), "Pesn' Min'ony", op. 25 no. 3 (1874) (set in Russian translation by Tyutchev)
Václav Jan Tomá`sek (1774-1850), "Mignons Sehnsucht", op. 54 no. 1 (1815?), from Gedichte von Goethe II, 1
Hugo Wolf (1860-1903), "Mignon: Kennst du das Land?", from Goethe-Lieder no. 9 (1888)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1795

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
 
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
 
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!

op.37 n.6 "Auf! es dunkelt; silbern funkelt"
 
 
Text by Johann Gaudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762-1834)
Music by Louis Spohr, "Lied beim Rundetanz", op. 37 no. 6
 
See also:

Franz Schubert (1797-1828), "Zum Rundtanz", D. 983 no. 3, published 1823, for two tenors and two basses

Auf! es dunkelt; silbern funkelt
Dort der Mond ob Tannenhöh'n!
Auf! und tanzt in froher Runde; diese Stunde
Dämmert unbewölkt und schön!
 
Im Gewässer strahlen blässer
Felsen, deren Rot verblich;
Und mit dunklem Violette malt die Kette
Schroffer Schneegebirge sich.
 
Hüpft geschwinde um die Linde,
Die uns gelbe Blüten streut.
Laßt uns frohe Lieder singen, Ketten schlingen,
Wo man traut die Hand sich beut.
 
Also schweben wir durch's Leben
Leicht wie Rosenblätter hin.
An den Jüngling, dunkelt's bänger, schließt sich enger
Seine traute Nachbarin.

op.41 n.3 "An Mignon"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, op. 41 no. 3
 
See also: 

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1798 
Franz Schubert
(1797-1828), D161b (1815), second version first published in 1825 as op. 19 no. 2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1797
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), Kleine Balladen und Lieder Heft II no. 10

Über Tal und Fluß getragen,
Zieht rein der Sonne Wagen.
Ach, sie regt in ihrem Lauf,
So wie deine, meine Schmerzen,
Tief im Herzen,
Immer morgens wieder auf.
 
Kaum will mir die Nacht noch frommen,
Denn die Träume selber kommen
Nun in trauriger Gestalt,
Und ich fühle dieser Schmerzen,
Still im Herzen
Heimlich bildende Gewalt.
 
Schon seit manchen schönen Jahren
Seh ich unten Schiffe fahren,
Jedes kommt an seinen Ort;
Aber ach, die steten Schmerzen,
Fest im Herzen,
Schwimmen nicht im Strome fort.
 
Schön in Kleidern muß ich kommen,
Aus dem Schrank sind sie genommen,
Weil es heute Festtag ist;
Niemand ahnet, daß von Schmerzen
Herz im Herzen
Grimmig mir zerrissen ist.
 
Heimlich muß ich immer weinen,
Aber freundlich kann ich scheinen
Und sogar gesund und rot;
Wären tödlich diese Schmerzen
Meinem Herzen,
Ach, schon lange wär ich tot.

op.41 n.6 "Vanitas! Vanitatum Vanitas"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, op. 41 no. 6
 
See also: 

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1809
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)

Ich hab' meine Sach' auf nichts gestellt, juchhe!
Drum ist so wohl mir in der Welt, juchhe!
Und wer will meine Kamerade sein,
Der stosse mit an, der stimme mit ein
Bei dieser Neige Wein.
 
Ich stellt' meine Sach' auf Geld und Gut, juchhe!
Darüber verlor ich Freud' und Mut, o weh!
Die Münze rollte hier und dort,
Und hascht' ich sie an einem Ort,
Am andern war sie fort.
 
Auf Weiber stellt' ich nun meine Sach', juchhe!
[Daher] mir kam viel Ungemach, o weh!
Die Falsche sucht' sich ein ander Teil,
Die Treue macht' mir Langeweil,
Die Beste war nicht feil.
 
Ich stellt' meine Sach' auf Reis' und Fahrt, juchhe!
Und ließ meine Vaterlandesart, o weh!
Und mir behagt' es nirgends recht,
Die Kost war fremd, das Bett war schlecht,
Niemand verstand mich recht.
 
Ich stellt' meine Sach' auf Ruhm und Ehr', juchhe!
Und sieh', gleich hat ein andrer mehr, o weh!
Wie ich mich hatt' hervorgetan,
Da sah'n die Leute scheel mich an,
Hatte keinem Recht getan.
 
Ich setzt' meine Sach' auf Kampf und Krieg, juchhe!
Und uns gelang so mancher Sieg, juchhe!
Wir zogen in Feindes Land hinein,
Dem Freunde sollt's nicht viel besser sein,
Und ich verlor ein Bein.
 
Nun hab' ich meine Sach' auf nichts gestellt, juchhe!
Und mein gehört die ganze Welt, juchhe!
Zu Ende geht nun Sang und Schmaus;
Nur trinkt mir alle Neigen aus,
Die letzte muß heraus!

op.72 n.1 "Frühlingsglaube"
 
 
Text by Johann Ludwig Uhland (1787-1862)
Music by Louis Spohr, op. 72 no. 1 (1826)
 
See also: 

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 5 no. 3 (1833)
Conradin Kreutzer (1780-1849), op. 33 no. 2 (1812), from Fünf Frühlingslieder von Uhland
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Op. 9 no. 8
Ferdinand Ries (1784-1838), before 1891
Franz Schubert (1797-1828), D. 686 (1820)
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860)
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 12 no. 3 (1934-5), from Frühlingslieder

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und wehen Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
 
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden;
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

op.72 n.6 "Ruhe, Süßliebchen, im Schatten"
 
 
Text by Johann Ludwig Tieck (1773-1853), from Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence
 
Music by Louis Spohr, "Schlaflied", op. 72 no. 6
 
See also: 

Johannes Brahms (1833-1897), "Ruhe, Süßliebchen, im Schatten", op. 33, from Romanzen aus L. Tiecks Magelone, no. 9
Robert Franz (1815-1892), "Schlummerlied", op. 1 no. 10, published 1843
Luise Reichardt (1779-1826), "Poesie"

Ruhe, Süßliebchen, im Schatten
Der [grünen], dämmernden Nacht:
Es säuselt das Gras auf den Matten,
Es fächelt und kühlt dich der Schatten
Und treue Liebe wacht.
Schlafe, schlaf ein,
Leiser rauscht der Hain,
Ewig bin ich dein.
 
Schweigt, ihr versteckten Gesänge,
Und stört nicht die süßeste Ruh'!
Es lauschet der Vögel Gedränge,
Es ruhen die lauten Gesänge,
Schließ, Liebchen, dein Auge zu.
Schlafe, schlaf ein,
Im dämmernden Schein,
Ich will dein Wächter sein.
 
Murmelt fort, ihr Melodien,
Rausche nur, du stiller Bach.
Schöne Liebesphantasien
Sprechen in den Melodien,
Zarte Träume schwimmen nach.
Durch den flüsternden Hain
Schwärmen goldne Bienelein
Und summen zum Schlummer dich ein.

op.94 n.4 "Ungeduld"
 
 
Text by Wilhelm Müller (1794-1827)
Music by Louis Spohr, op. 94 no. 4
 
See also: 

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 3 no. 6 (183-?)
Franz Schubert (1797-1828), D. 795, op. 25 (1823), from Die schöne Mülllerin, no. 7

Ich schnitt es gern in alle Rinden ein,
Ich grüb es gern in jeden Kieselstein,
Ich möcht es sä'n auf jedes frische Beet
Mit Kressensamen, der es schnell verrät,
Auf jeden weißen Zettel möcht ich's schreiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
 
Ich möcht mir ziehen einen jungen Star,
Bis daß er spräch die Worte rein und klar,
Bis er sie spräch mit meines Mundes Klang,
Mit meines Herzens vollem, heißem Drang;
Dann säng er hell durch ihre Fensterscheiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
 
Den Morgenwinden möcht ich's hauchen ein,
Ich möcht es säuseln durch den regen Hain;
Oh, leuchtet' es aus jedem Blumenstern!
Trüg es der Duft zu ihr von nah und fern!
Ihr Wogen, könnt ihr nichts als Räder treiben?
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.
 
Ich meint, es müßt in meinen Augen stehn,
Auf meinen Wangen müßt man's brennen sehn,
Zu lesen wär's auf meinem stummen Mund,
Ein jeder Atemzug gäb's laut ihr kund,
Und sie merkt nichts von all dem bangen Treiben:
Dein ist mein Herz und soll es ewig bleiben.

Op.101 n.1 "Frühlingsglocken"
 
 
Text by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Louis Spohr, op. 101 no. 1 (1837)
 
See also:

Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 33 no. 6 (1840)
Hugo Wolf (1860-1903), from 9 Reinick-Lieder, no. 4

Schneeglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut' geboren ward,
Ein Kind der allerschönsten Art;
Zwar liegt es noch im weißen Bett,
Doch spielt es schon so wundernett,
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd'
Und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all, erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!
 
Maiglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam!
Macht Hochzeit mit der Erde heut'
Mit großer Pracht und Festligkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
Und schwenkt die bunte Hochzeitfahn'!
Du Ros und Lilie, schmückt euch fein!
Brautjungfern sollt ihr heute sein!
Schmetterling, sollt bunt und flink
Den Hochzeitreigen führen,
Die Vögel musizieren!
 
Blauglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut' nacht der Frühling scheiden muß,
Drum bringt man ihm den Abschiedsgruß,
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
Es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
Dazwischen singt mit süßem Schall
Aus jedem Busch die Nachtigall
Und wird ihr Lied so bald nicht müd',
Ist auch der Frühling schon so ferne -
Sie hatten ihn alle so gerne!

Op.101 n.3 "Nichts Schöneres"
 
 
Text by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Louis Spohr, op. 101 no. 3 (1837)
 
See also:

Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 36, from Sechs Gedichte aus dem Liederbuch eines Malers, no. 3

Als ich zuerst dich hab' gesehn,
Wie du so lieblich warst, so schön,
Da fiel's mein Lebtag mir nicht ein,
Daß noch was Schönres sollte sein,
Als in dein liebes Augenpaar
Hineinzuschauen immerdar.
 
Da hab ich denn so lang geschaut,
Bis du geworden meine Braut,
Und wieder fiel es mir nicht ein,
Daß noch was Schönres könnte sein,
Als so an deinem roten Mund
Sich satt zu küssen alle Stund.
 
Da hab ich denn so lang geküßt,
Bis du mein Weibchen worden bist,
Und kann nun wohl versichert sein,
Daß noch was Schönres nicht kann sein,
Als wie mit seinem lieben Weib
Zu sein so ganz ein Seel und Leib.

Op.105 n.1 "Zu Augsburg steht ein hohes Haus"
 
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Louis Spohr, "Die Himmelsbraut", op. 105 no. 1 (1838)
 
See also:

Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Stirb, Lieb' und Freud'", op 35 (1840), from Zwölf Lieder, no. 2

Zu Augsburg steht ein hohes Haus,
Nah bei dem alten Dom,
Da tritt am hellen Morgen aus
Ein Mägdelein gar fromm;
Gesang erschallt,
Zum Dome wallt
Die liebe Gestalt.
 
Dort vor Marias heilig' Bild
Sie betend niederkniet,
Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,
Und alle Weltlust flieht:
,,O Jungfrau rein!
Laß mich allein
Dein eigen sein!''
 
Alsbald der Glocke dumpfer Klang
Die Betenden erweckt,
Das Mägdlein wallt die Hall' entlang,
Es weiß nicht, was es trägt;
Am Haupte ganz
Von Himmelsglanz
Einen Lilienkranz.
 
Mit Staunen schauen all' die Leut'
Dies Kränzlein licht im Haar,
Das Mägdlein aber wallt nicht weit,
Tritt vor den Hochaltar:
,,Zur Nonne weiht
Mich arme Maid!
Stirb, Lieb' und Freud'!''
 
Gott, gib, daß dieses Mägdelein
Ihr Kränzlein friedlich trag',
Es ist die Herzallerliebste mein,
Bleibt's bis zum jüngsten Tag.
Sie weiß es nicht,
Mein Herz zerbricht,
Stirb, Lieb' und Licht!

WoO. 91 "Wenn die Reben wieder blühen"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, "Nachgefühl", WoO. 91 (1819)
 
See also: 

Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), "Nachgefühl", op. 10 no. 1
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Nachgefühl", published 1809.
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), "Nachgefühl", op. 53 no. 4 (1815?), from Gedichte von Goethe I:4.
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Nachgefühl", 1798.
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Erinnerung", from Kleine Balladen und Lieder, Heft VII no. 6

Wenn die Reben wieder blühen,
Rühret sich der Wein im Fasse,
Wenn die Rosen wieder glühen,
Weiß ich nicht, wie mir geschieht.
 
Thränen rinnen von den Wangen,
Was ich thue, was ich lasse,
Nur ein unbestimmt Verlangen
Fühl ich, das die Brust durchglüht.
 
Und zuletzt muß ich mir sagen,
Wenn ich mich bedenk und fasse,
Daß in solchen schönen Tagen
Doris einst für mich geglüht.

WoO. 126 "Unter den Linden"
 
 
Text by Walther von der Vogelweide (1170?-1228?)
Music by Louis Spohr, "Die verschwiegene Nachtigall", WoO. 126 (1857)
 
See also: 

(August Joseph) Norbert Burgmüller (1810-1836), "Nach Walther von der Vogelweide", op. 10 no. 1 (1827-36?) 
Ferruccio Busoni
(1886-1924), "Unter den Linden", op. 18 no. 2 (1885)
Edvard Grieg (1843-1907), "Die verschwiegene Nachtigall", op. 48 no. 4 (1889)
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Die verschwiegene Nachtigall", op. 6 no. 1 (187-?)
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), "Unter der Linden", op. 24 no. 1 (1909)

Unter den Linden,
an der Haide,
wo ich mit meinem Trauten saß,
da mögt ihr finden,
wie wir beide
die Blumen brachen und das Gras.
Vor dem Wald mit süßem Schall,
Tandaradei!
sang im Tal die Nachtigall.
 
Ich kam gegangen
zu der Aue,
mein Liebster kam vor mir dahin.
Ich ward empfangen
als hehre Fraue,
daß ich noch immer selig bin.
Ob er mir auch Küsse bot?
Tandaradei!
Seht, wie ist mein Mund so rot!
 
Wie ich da ruhte,
wüßt' es einer,
behüte Gott, ich schämte mich.
Wie mich der Gute
herzte, keiner
erfahre das als er und ich -
und ein kleines Vögelein,
Tandaradei!
das wird wohl verschwiegen sein.

WoO. 127 "Neue Liebe, neues Leben"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Louis Spohr, WoO. 127 (1858)
 
See also:

Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 75 no. 2 (1809)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1836
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794 and 1809
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr!
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh',
Ach, wie kannst du nur dazu!
 
Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick
Ach, mein Weg zu ihr zurück.
 
Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreissen läßt,
Hält das liebe, lose Mädchen
Mich so wider Willen fest,
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach wie groß!
Liebe, Liebe, laß mich los!

Op.103 "Sechs deutsche Lieder" für eine Singstimme, Klarinette und Klavier
 
 
Music by Louis Spohr, op. 103

 a) Sei still mein Herz
 b) Zwiegesang
 c) Sehnsucht
 d) Wiegenlied
 e) Das heimliche Lied
 f) Wach auf

a) Sei still mein Herz
 
Text by Karl Friedrich, Freiherr von Schweitzer (1797-1847)
 
 
Ich wahrte die Hoffnung tief in der Brust,
Die sich ihr vertrauend erschlossen,
Mir strahlten die Augen voll Lebenslust,
Wenn mich ihre Zauber umflossen,
Wenn ich ihrer schmeichelnden Stimme gelauscht,
Im Wettersturm ist ihr Echo verrauscht,
Sei still mein Herz, und denke nicht dran,
Das ist nun die Wahrheit, das Andre war Wahn.
 
Die Erde lag vor mir im Frühlingstraum,
Den Licht und Wärme durchglühte,
Und wonnetrunken durchwallt ich den Raum,
Der Brust entsproßte die Blüte,
Der Liebe Lenz war in mir erwacht,
Mich durch rieselt Frost, in der Seele ist Nacht.
Sei still mein Herz, und denke nicht dran,
Das ist nun die Wahrheit, das Andre war Wahn.
 
Ich baute von Blumen und Sonnenglanz
Eine Brükke mir durch das Leben,
Auf der ich wandelnd im Lorbeerkranz
Mich geweiht dem hochedelsten Streben,
Der Menschen Dank war mein schönster Lohn,
Laut auf lacht die Menge mit frechem Hohn,
Sei still mein Herz, und denke nicht dran,
Das ist nun die Wahrheit, das Andre war Wahn.

b) Zwiegesang
 
Text by Robert Reinick (1805-1852)
 
 
Im Fliederbusch ein Vöglein saß
In der stillen, schönen Maiennacht,
Darunter ein Mägdlein im hohen Gras
In der stillen, schönen Maiennacht.
 
Sang Mägdlein, hielt das Vöglein Ruh,
Sang Vöglein, hört das Mägdlein zu,
Und weithin klang der Zwiegesang
Das mondbeglänzte Tal entlang.
 
Was sang das Vöglein im Gezweig
Durch die stille, schöne Maiennacht?
Was sang doch wohl das Mägdlein gleich
Durch die stille, schöne Maiennacht?
 
Von Frühlingssonne das Vögelein,
Von Liebeswonne das Mägdelein;
Wie der Gesang zum Herzen drang,
Vergeß ich nimmer mein Lebelang.

c) Sehnsucht
 
Text by Emanuel von Geibel (1815-1884)
 
 
Ich blick in mein Herz und ich blick in die Welt,
Bis von schwimmenden Auge die Träne mir fällt,
Wohl leuchtet die Ferne mit goldenem Licht,
Doch hällt mich der Nord, ich erreiche sie nicht.
O die Schranken so eng und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit, so flüchtig die Zeit.
 
Ich weiß ein Land, wo aus sonnigem Grün
Um versunkene Tempel die Trauben glühn,
Wo die purpurne Woge das Ufer beschäumt
Und von kommenden Sängern der Lorbeer träumt.
Fern lockt es und winkt dem verlangenden Sinn,
Und ich kann nicht hin, ich kann nicht hin.
 
O hätt' ich Flügel durch Blau der Luft,
Wie wollt ich baden im Sonnenduft!
Doch umsonst! Und Stunde auf Stunde entflieht,
Vertraure die Jugend, begrabe das Lied.
O die Schranken so eng und die Welt so weit,
Und so flüchtig die Zeit, so flüchtig die Zeit.

d) Wiegenlied
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
 
 
Alles still in süßer Ruh,
Drum mein Kind, so schlaf auch du.
Draußen säuselt nur der Wind,
Su, su, su, schlaf ein mein Kind!
 
Schließ du deine Äugelein,
Laß sie wie zwei Knospen sein.
Morgen wenn die Sonn' erglüht,
Sind sie wie die Blum' erblüht.
 
Und die Blümlein schau ich an,
Und die Äuglein küß ich dann,
Und der Mutter Herz vergißt,
Daß es draußen Frühling ist.

e) Das heimliche Lied
 
Text by Ernst Koch (1808-1858)
 
 
Es gibt geheime Schmerzen,
Sie klaget nie der Mund,
Getragen tief im Herzen
Sind sie der Welt nicht kund.
 
Es gibt ein heimlich Sehnen,
Das scheuet stets das Licht,
Es gibt verborgne Tränen,
Der Fremde sieht sie nicht.
 
Es gibt ein still Versinken
In eine innre Welt,
Wo Friedensauen winken,
Von Sternenglanz erhellt,
 
Wo auf gefallnen Schranken
Die Seele Himmel baut,
Und jubelnd den Gedanken
Den Lippen anvertraut.
Es gibt ein still Vergehen
In stummen, öden Schmerz,
Und Niemand darf es sehen,
Das schwergepreßte Herz.
 
Es sagt nicht was ihm fehlet,
Und wenn's im Grame bricht,
Verblutend und zerquälet,
Der Fremde sieht sie nicht.
 
Es givt einen sanften Schlummer,
Wo süßer Frieden weilt,
Wo stille Ruh' den Kummer
Der müden Seele heilt.
 
Doch gibt's ein schöner Hoffen,
Das Welten überfliegt,
Da wo am Herzen offen
Das Herz voll Liebe liegt.

f) Wach auf
 
Text by Anonymous
 
 
Was stehst du lange und sinnest nach?
Ach schon so lange ist Liebe wach!
Hörst du das Klingen allüberall?
Die Vöglein singen mit süßem Schall;
 
Aus Starrem sprießet Baumblättlein weich,
Das Leben fließet um Ast und Zweig.
Das Tröpflein schlüpfet aus Waldesschacht,
Das Bächlein hüpfet mit Wallungsmacht;
 
Der Himmel neiget in's Wellenklar,
Die Bläue zeiget sich wunderbar,
Ein heitres Schwingen zu Form und Klang,
Ein ew'ges Fügen im ew'gen Drang!

Op.154 "Sechs Lieder" für Bariton mit Begleitung von Violine und Klavier
 
 
Texts by H. Mahn, Friedrich Spohr (1776-1840), R. Otto, Johann Wolfgang von Goethe (1749 1832), Hoppe, and Johann Koch
 
Music by Louis Spohr, op. 154 (1856)

  a) Abendfeier
  b) Jagdlied
  c) Töne
  d) Erlkönig
  e) Der Spielmann und seine Geige
  f) Abendstille

a) Abendfeier
 
Text by H. Mahn
 
 
Leise schleich' ich mich am Abend
In die Laube von Jasmin,
Wenn die lauen Lüfte labend
Durch die grünen Blätter zieh'n.
 
Wenn der Mond in Silberhelle
Sich dort spiegelt in der Flut,
Plätschernd kräuselt sich die Welle,
Und die ganze Schöpfung ruht.
 
Lausch dem Sang der Nachtigallen,
Der so wohltut meinem Sinn;
In's Gemüt will mir da fallen
Eine Wehmut, daß ich bin!
 
Und es schweift mein Blick nach oben
Zum besternten Himmelszelt;
Meinen Schöpfer will ich loben,
Groß und schön ist seine Welt!

b) Jagdlied
 
Text by Friedrich Spohr (1776-1840)
 
 
Seht ihr's dort funkeln in rötlicher Pracht?
Es leuchtet das Frührot so milde;
Auf, auf, ihr Schläfer! Die Aue lacht,
Schon lebt's im Hain, im Gefilde.
 
So blinzelt nicht länger, vorbei ist die Ruh',
Die Jagd beut schönere Stunden,
Wir eilen dem schattigen Walde zu,
Umbellt von lustigen Hunden.
 
Gut schmeckt es im Grünen bei fröhlicher Rast,
Viel besser als in den vier Wänden;
Die mächtige Eiche ist unser Palast,
Ihr Schatten wird Kühlung uns spenden.
 
Den Durstigen labt die Quelle mit ihrem Trank,
Es rufen die Hörner in Chören;
Wir klettern hinauf bis zum buschigen Hang
Durch Brombeer, Ranken und Föhren.
 
Dort ziegt sich der Eber, das Hirschengeweih,
Sie nah'n sich der rieselnden Quelle,
Und krachend trifft sie das tödliche Blei,
Es bleibt das Tier auf der Stelle.
 
So geht es bis an die nahende Nacht,
Die Jagd macht uns rüstig und munter;
Am Abend ist lustiges Waidwerk vollbracht,
Froh geht's zur Heimat hinunter.

c) Töne
 
Text by R. Otto
 
 
Worte hab' ich nicht, um dir zu sagen,
Was für dich in meinem Herzen glüht;
Worte find' ich nicht, um dir zu klagen,
Welche Sehnsucht mir die Brust durchzieht.
 
Höre denn der Saiten leises Flehen,
Höre denn der Töne starken Klang,
Liebe flüsternd wie des Windes Wehen,
Brausend wie der Strom in seinem Drang.
 
Wenn sie dir dann meine Botschaft bringen,
Und du hörst auf ihre Zeichen nicht,
Mögen sie verrauschen und verklingen
Und es löscht der letzten Hoffnung Licht.

d) Erlkönig
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
 
 
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hält den Knaben wohl in dem Arm,
Er hält ihn sicher, er hält ihn warm.
 
"Mein Sohn, was birgst du so scheu dein Gesicht?"
"Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?"
"Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."
 
"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Viel bunte Blumen sind am Strand,
Mein' Mutter hat manch gülden Gewand."
 
"Mein Vater, mein Vater, und hörst du nicht,
Was Erlenkönig mir heimlich verspricht?"
"Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:
In dürren Blättern säuselt der Wind."
 
"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."
 
"Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?"
"Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau."
 
"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
"Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!"
 
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält im Arme das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Müh' und Not:
In seinen Armen das Kind war tot.

e) Der Spielmann und seine Geige
 
Text by Hoppe
 
 
Vor Gottes Aug', dem Abendrot,
Gab sie mir Ring und Schwur;
Der Ring zersprang, die Treu' ist tot,
Mir blieb die Sehnsucht nur.
 
Ein Stutzer lockte frech und leicht
Mit süßem Flitterton;
Sie folgte, lächelnd ward verschenkt
Mein brechend' Herz zum Lohn.
 
Durch schwarz' Gewölk die Sonne blinkt!
Freud' steht mit Leid im Bund; -
Mein Gram lebt ewig, nimmer sinkt
Sein Thron am bleichen Mund.
 
Lös', Geige, der Dämonen Schar,
Es winkt mein Zauberstab, -
Stürm, Wahnsinn, dunkles Schlangenhaar,
Sei meiner Leiden Grab!
 
Doch leise, Äolsharfen gleich,
Besänftigt sie mein Herz;
Ihr Seelenklang, an Balsam reich,
Stillt meinen tiefen Schmerz.

f) Abendstille
 
Text by Johann Koch
 
 
Der Tag hat sich zur Ruh' gelegt,
Die Lüfte schlummern allzumal;
Kaum daß ein Blatt im Wald sich regt,
Und kaum ein Halm im Wiesental.
 
Ein milder, warmer Sommerhauch
Durchzieht den mondbeglänzten Wald,
Und über meine Seele auch
Kommt Frieden dann und Ruhe bald.
 
O stille, heit're, milde Nacht,
Wenn tief die Welt in Schlummer liegt,
Wo lichter Engel nur bewacht,
Die Seele endlich heil sich wiegt.

- Karadar Bertoldi Ensemble - Studio Informatico Anesin -