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Richard Strauss

(1864 - 1949)

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The Lieder of Richard Strauss

 

Lieder – complete index

Index A:

Op.? "Der Fischer"
Op.?? "Die Liebe saß als Nachtigall"
 
Op.10 no.1 "Zueignung"
Op.10 no.2 "Nichts"
Op.10 no.3 "Die Nacht"
Op.10 no.4 "Die Georgine"
Op.10 no.5 "Geduld"
Op.10 no.6 "Die Verschwiegenen"
Op.10 no.7 "Die Zeitlose"
Op.10 no.8 "Allerseelen"
 
Op.15 no.2 "Winternacht"
Op.15 no.5 "Heimkehr"
 
Op.17 no.2 "Ständchen"
Op.17 no.6 "Barkarole"
 
Op.19 no.1 "Wozu noch, Mädchen, soll es frommen"
Op.19 no.2 "Breit' über mein Haupt dein schwarzes Haar"
Op.19 no.3 "Schön sind, doch kalt die Himmelssterne"
Op.19 no.4 "Wie sollten wir geheim sie halten"
Op.19 no.5 "Hoffen und wieder verzagen"
Op.19 no.6 "Mein Herz ist stumm, mein Herz ist kalt"
 
Op.21 "Schlichte Weisen"
a) All mein' Gedanken, mein Herz und mein Sinn
b) Du meines Herzens Krönelein
c) Ach Lieb, ich muß nun scheiden
d) Ach weh mir unglückhaftem Mann
e) Die Frauen sind oft fromm und still
 
Op.26 no.1 "Frühlingsgedränge"
Op.26 no.2 "O waerst du mein!"

 
Op.27 no.1 "Ruhe, meine Seele!"
Op.27 no.2 "Cäcilie"
Op.27 no.3 "Heimliche Aufforderung"
Op.27 no.4 "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen"
 
Op.29 no.1 "Traum durch die Dämmerung"
Op.29 no.2 "Schlagende Herzen"
Op.29 no.3 "Nachtgang"
Op.29 no.4 "Stiller Gang"
 
Op.32 no.1 "Ich trage meine Minne"
Op.32 no.2 "Sehnsucht"
Op.32 no.3 "Liebeshymnus"
Op.32 no.4 "O süßer Mai!"
Op.32 no.5 "Himmelsboten"
 
Op.33 no.1 "Verführung"
Op.33 no.2 "Gesang der Apollopriesterin"
Op.33 no.3 "Hymnus"
Op.33 no.4 "Pilgers Morgenlied", An Lila
 
Op.36 no.1 "Im Frühlingsgarten fand ich sie"
Op.36 no.2 "Für funfzehn Pfennige"
Op.36 no.3 "Hat gesagt - bleibt's nicht dabei"
Op.36 no.4 "Anbetung"
 
Op.37 no.1 "Glückes genug"
Op.37 no.2 "Ich liebe dich"
Op.37 no.3 "Meinem Kinde"
Op.37 no.4 "Meine Auge"
Op.37 no.5 "Herr Lenz"
Op.37 no.6 "Hochzeitlich Lied"
 
Op.39 no.3 "Der Arbeitsmann"
Op.39 no.4 "Befreit"

Op.? "Der Fischer"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Richard Strauss, 1877, from Jugendlieder
 
See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 4 no. 3 (1832)
Anton Franz Joseph Eberl (1765-1807)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 43 no. 1 (1835)
C. Moltke (1783-1831), before 1815
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), 1779
Franz Schubert (1797-1828), D. 225 (1815), published 1821 as op. 5 no 3
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 59 no. 3 (1815?), from Gedichte von Goethe VII:3
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), 1865
Hugo Wolf (1860-1903), op. 3 no. 3 (1875)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1809

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
 
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
"Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
 
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?"
 
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

Op.?? "Die Liebe saß als Nachtigall"
 
 
Text by Emanuel Geibel (1815-1884)
Music by Richard Strauss, "Waldesgesang", 1879, from Jugendlieder
 
See also

Clara Wieck Schumann (1819-1896), "Liebeszauber", op. 13, from Sechs Lieder, no. 3

Die Liebe saß als Nachtigall
im Rosenbusch und sang;
es flog der wundersüße Schall
den grünen Wald entlang.
Und wie er klang, da stieg im Kreis
aus tausend Kelchen Duft,
und alle Wipfel rauschten leis',
und leiser ging die Luft;
die Bäche schwiegen, die noch kaum
geplätschert von den Höh'n,
die Rehlein standen wie im Traum
und lauschten dem Getön.
Und hell und immer heller floß
der Sonne Glanz herein,
um Blumen, Wald und Schlucht ergoß
sich goldig roter Schein.
Ich aber zog den Weg entlang
und hörte auch den Schall.
Ach! was seit jener Stund' ich sang,
war nur sein Widerhall.

Op.10 no.1 "Zueignung"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 1 (1882)

Ja, du weißt es, teure Seele,
Daß ich fern von dir mich quäle,
Liebe macht die Herzen krank,
Habe Dank.
 
Einst hielt ich, der Freiheit Zecher,
Hoch den Amethysten-Becher,
Und du segnetest den Trank,
Habe Dank.
 
Und beschworst darin die Bösen,
Bis ich, was ich nie gewesen,
heilig, heilig an's Herz dir sank,
Habe Dank.

Op.10 no.2 "Nichts"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 2 (1882)

Nennen soll ich, sagt ihr, meine
Königin im Liederreich?
Toren, die ihr seid, ich kenne
sie am wenigsten von euch.
 
Fragt mich nach der Augen Farbe,
fragt mich nach der Stimme Ton,
fragt nach Gang und Tanz und Haltung,
ach, und was weiß ich davon!
 
Ist die Sonne nicht die Quelle
alles Lebens, alles Lichts?
Und was wissen von derselben
ich und ihr und alle? Nichts.

Op.10 no.3 "Die Nacht"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 3 (1882)
 
See also: 

Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 4 no. 4 (1907?)

Aus dem Walde tritt die Nacht,
Aus den Bäumen schleicht sie leise,
Schaut sich um in weitem Kreise,
Nun gib acht.
 
Alle Lichter dieser Welt,
Alle Blumen, alle Farben
Löscht sie aus und stiehlt die Garben
Weg vom Feld.
 
Alles nimmt sie, was nur hold,
Nimmt das Silber weg des Stroms,
Nimmt vom Kupferdach des Doms
Weg das Gold.
 
Ausgeplündert steht der Strauch,
Rücke näher, Seel an Seele;
O die Nacht, mir bangt, sie stehle
Dich mir auch.

Op.10 no.4 "Die Georgine"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 4

Warum so spät erst, Georgine?
Das Rosenmärchen ist erzählt,
und honigsatt hat sich die Biene
ihr Bett zum Schlummer ausgewählt.
 
Sind nicht zu kalt dir diese Nächte?
Wie lebst du diese Tage hin?
Wenn ich dir jetzt den Frühling brächte,
du feuergelbe Träumerin,
 
wenn ich mit Maitau dich benetzte,
begöße dich mit Junilicht,
doch ach, dann wärst du nciht die Letzte,
die stolze Einzige auch nicht.
 
Wie, Träum'rin, lock' ich vergebens?
So reich' mir schwesterlich die Hand,
ich hab' den Maitag dieses Lebens
wie du den Frühling nicht gekannt;
 
und spät wie dir, du Feuergelbe,
stahl sich die Liebe mir ins Herz;
ob spät, ob früh, es ist dasselbe
Entzücken und derselbe Schmerz.

Op.10 no.5 "Geduld"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 5

Geduld, sagst du und zeigst mit weißen Finger
auf meiner Zukunft fest geschlossne Tür.
Ist die Minute, die da lebt, geringer
als jene ungebornen? Sage mir!
 
Kannst mit der Liebe du den Lenz verschieben,
dann borg' ich dir für eine Ewigkeit,
doch mit dem Frühling endet auch das Lieben,
und keine Herzensschulden zahlt die Zeit.
 
Geduld, sagst du und senkst die schwarze Locke,
und stündlich fallen Blumenblätter ab,
und stündlich fordert eine Totenglocke
der Träne letztes Fahrgeld für das Grab.
 
Sieh nur die Tage schnell vorüberrinnen,
horch, wie sie mahnend klopfen an die Brust,
mach auf, mach auf, was wir nicht heut gewinnen,
ist morgen unersetzlicher Verlust.
 
Geduld, sagst du und senkst die Augenlider,
verneint ist meine Frage an das Glück;
so lebe wohl, ich seh' dich nimmer wieder,
so will's mein unerbittliches Geschick.
 
Du hast geglaubt, weil andre warten müssen
und warten können, kann und muß ich's auch;
ich aber hab' zum Lieben und zum Küßen
nur einen Frühling, wie der Rosenstrauch.

Op.10 no.6 "Die Verschwiegenen"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 6

Ich habe wohl, es sei hier laut
vor aller Welt verkündigt,
gar vielen heimlich anvertraut,
was du an mir gesündigt;
 
ich sagt's dem ganzen Blumenheer,
dem Veilchen sagt' ich's stille,
der Rose laut und lauter der
großäugigen Kamille.
 
Doch hat's dabei noch keine Not,
bleib munter nur und heiter;
die es gewußt, sind alle tot
und sagen's nicht mehr weiter.

Op.10 no.7 "Die Zeitlose"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) (aus "Letzte Blätter")
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 7

Auf frisch gemähtem Weideplatz
steht einsam die Zeitlose,
den Leib von einer Lilie,
die Farb' von einer Rose;
 
doch es ist Gift, was aus dem Kelch,
dem reinen, blinkt so rötlich -
die letzte Blum', die letzte Lieb'
sind beide schön, doch tödlich.

Op.10 no.8 "Allerseelen"
 
 
Text by Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864)
Music by Richard Strauss, op. 10 no. 8 (1882-3)
 
See also: 

Ludwig Wilhelm Andreas Maria Thuille (1861-1907), op 4 no. 4, pub 189-?

Stell auf den Tisch die duftenden Reseden,
Die letzten roten Astern trag herbei,
Und laß uns wieder von der Liebe reden,
Wie einst im Mai.
 
Gib mir die Hand, daß ich sie heimlich drücke
Und wenn man's sieht, mir ist es einerlei,
Gib mir nur einen deiner süßen Blicke,
Wie einst im Mai.
 
Es blüht und duftet heut auf jedem Grabe,
Ein Tag im Jahr ist ja den Toten frei,
Komm an mein Herz, daß ich dich wieder habe,
Wie einst im Mai.

Op.15 no.2 "Winternacht"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894)
Music by Richard Strauss, op. 15 no. 2

Mit Regen und Sturmgebrause
sei mir willkommen, Dezembermond,
und führ mich den Weg zum traulichen Hause,
wo meine geliebte Herrin wohnt.
 
Nie hab' ich die Blüte des Maien,
den blauenden Himmel, den blitzenden Tau
so fröhlich gegrüßt wie heute dein Schneien,
dein Nebelgebräu und Wolkengrau;
 
denn durch das Flockengetriebe,
schöner als jeder Lenz gelacht,
leuchtet und blüht der Frühling der Liebe
mir heimlich nun in der Winternacht.

Op.15 no.5 "Heimkehr"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894)
Music by Richard Strauss, op. 15 no. 5 (1884-1886)

Leiser schwanken die Äste,
der Kahn fliegt uferwärts,
heim kehrt die Taube zum Neste,
zu dir kehrt heim mein Herz.
 
Genug am schimmernden Tage,
wenn rings das Leben lärmt,
mit irrem Flügelschlage
ist es ins Weite geschwärmt.
 
Doch nun die Sonne geschieden,
und Stille sich senkt auf den Hain,
fühlt es: bei dir ist der Frieden,
die Ruh' bei dir allein.

Op.17 no.2 "Ständchen"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894)
Music by Richard Strauss, op. 17 no. 2 (1887)
 
See also: 

Robert Kahn (1865-1951), op. 12 no. 2 (1891)
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), 1884-6?

Mach auf, mach auf, doch leise mein Kind,
Um keinen vom Schlummer zu wecken.
Kaum murmelt der Bach, kaum zittert im Wind
Ein Blatt an den Büschen und Hecken.
Drum leise, mein Mädchen, daß nichts sich regt,
Nur leise die Hand auf die Klinke gelegt.
Mit Tritten, wie Tritte der Elfen so sacht,
Um über die Blumen zu hüpfen,
Flieg leicht hinaus in die Mondscheinnacht,
Zu mir in den Garten zu schlüpfen.
Rings schlummern die Blüten am rieselnden Bach
Und duften im Schlaf, nur die Liebe ist wach.
 
Sitz nieder, hier dämmert's geheimnisvoll
Unter den Lindenbäumen,
Die Nachtigall uns zu Häupten soll
Von unseren Küssen träumen,
Und die Rose, wenn sie am Morgen erwacht,
Hoch glühn von den Wonnenschauern der Nacht.

Op.17 no.6 "Barkarole"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894)
Music by Richard Strauss, op. 17 no. 6 (1887)
 
See also: 

Joseph Marx (1882-1964), 1910-17

Um der fallenden Ruder Spitzen
Zittert und leuchtet ein schimmernder Glanz,
Flieht bei jedem Schlage mit Blitzen
Hin von Wellen zu Wellen im Tanz.
 
Mir im Busen von Liebeswonnen
Zittert und leuchtet das Herz wie die Flut,
Jubelt hinauf zu den Sternen und Sonnen.
Bebt zu vergeh'n in der wogenden Glut.
 
Schon auf dem Felsen durchs Grün der Platane
Seh' ich das säulengetragene Dach,
Und das flimmernde Licht am Altane
Kündet mir, daß die Geliebte noch wach.
 
Fliege, mein Kahn, und birg uns verschwiegen,
Birg uns, selige Nacht des August;
Süß wohl ist's, auf den Wellen sich wiegen,
Aber süßer, süßer an ihrer Brust.

Op.19 no.1 "Wozu noch, Mädchen, soll es frommen"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) (aus "Lotusblätter")
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 1

Wozu noch, Mädchen, soll es frommen,
daß du vor mir Verstellung übst?
Heiß froh das neue Glück willkommen,
und sag es offen, daß du liebst!
 
An deines Busens höherm Schwellen,
dem Wangenrot, das kommt und geht,
ward dein Geheimnis von den Quellen,
den Blumengeistern längst erspäht;
 
die Wogen murmeln's in den Grotten,
es flüstert's leis der Abendwind,
wo du vorbeigehst, hörst du's spotten:
Wir wissen es seit langem, Kind!

Op.19 no.2 "Breit' über mein Haupt dein schwarzes Haar"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) (aus "Lotusblätter")
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 2

Breit' über mein Haupt dein schwarzes Haar,
neig' zu mir dein Angesicht,
da strömt in die Seele so hell und klar
mir deiner Augen Licht.
 
Ich will nicht droben der Sonne Pracht,
noch der Sterne leuchtenden Kranz,
ich will nur deiner Locken Nacht
und deiner Blicke Glanz.

Op.19 no.3 "Schön sind, doch kalt die Himmelssterne"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) (aus "Lotusblätter")
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 3

Schön sind, doch kalt die Himmelssterne,
die Gaben karg, die sie verleihn;
für einen deiner Blicke gerne
hin geb' ich ihren goldnen Schein.
 
Getrennt, so daß wir ewig darben,
nur führen sie im Jahreslauf
den Herbst mit seinen Ährengarben,
des Frühlings Blütenpracht herauf;
 
doch deine Augen, oh, der Segen
des ganzen Jahres quillt überreich
aus ihnen stets als milder Regen,
die Blüte und Frucht zugleich.

Op.19 no.4 "Wie sollten wir geheim sie halten"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894)
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 4

Wie sollten wir geheim sie halten,
Die Seligkeit, die uns erfüllt?
Nein, bis in seine tiefsten Falten
Sei allen unser Herz enthüllt!
 
Wenn zwei in Liebe sich gefunden,
Geht Jubel hin durch die Natur,
In längern wonnevollen Stunden
Legt sich der Tag auf Wald und Flur.
 
Selbst aus der Eiche morschem Stamm,
Die ein Jahrtausend überlebt,
Steigt neu des Wipfels grüne Flamme
Und rauscht von Jugendlust durchbebt.
 
Zu höherm Glanz und Dufte brechen
Die Knospen auf beim Glück der Zwei,
Und süßer rauscht es in den Bächen,
Und reicher blüht und glänzt der Mai.

Op.19 no.5 "Hoffen und wieder verzagen"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) (aus "Lotusblätter")
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 5

Hoffen und wieder verzagen,
harrend lauschen an ihrem Balkon,
ob nicht, vom Winde getragen,
zu mir dringe von ihr ein Ton,
also reihn seit Monden schon
Tage sich mir zu Tagen.
 
Spät, wenn stumm und stummer
Nacht sich lagert im öden Revier,
senken zu kurzem Schlummer
sich ermüdet die Wimpern mir;
wieder empor aus Träumen von ihr
fahr' ich zu neuem Kummer.
 
Aber, o Himmel, ich flehe:
raube mir nicht mein teuerstes Gut,
dies beglückende Wehe,
das ich genährt mit des Herzens Blut;
hoch und höher laß lodern die Glut,
drin ich selig vergehe.

Op.19 no.6 "Mein Herz ist stumm, mein Herz ist kalt"
 
 
Text by Adolf Friedrich Graf von Schack (1815-1894) (aus "Lotusblätter")
Music by Richard Strauss, op. 19 no. 6

Mein Herz ist stumm, mein Herz ist kalt,
erstarrt in des Winters Eise;
bisweilen in seiner Tiefe nur wallt
und zittert und regt sich's leise.
 
Dann ist's, als ob ein mildes Tau'n
die Decke des Frostes breche;
durch grünende Wälder, blühende Au'n
murmeln von neuem die Bäche.
 
Und Hörnerklang, von Blatt zu Blatt
vom Frühlingswinde getragen,
dringt aus den Schluchten ans Ohr mir matt,
wie ein Ruf aus seligen Tagen.
 
Doch das alternde Herz wird jung nicht mehr,
das Echo sterbenden Schalls
tönt ferner, immer ferner her,
und wieder erstarrt liegt alles.

Op.21 "Schlichte Weisen"
 
 
Texts by Julius Sophus Felix Dahn (1834-1912)
Music by Richard Strauss, op. 21 (1887-1888)

a) All mein' Gedanken, mein Herz und mein Sinn
b) Du meines Herzens Krönelein
c) Ach Lieb, ich muß nun scheiden
d) Ach weh mir unglückhaftem Mann
e) Die Frauen sind oft fromm und still

a) All mein' Gedanken, mein Herz und mein Sinn
 
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All mein' Gedanken, mein Herz und mein Sinn,
da, wo die Liebste ist, wandern sie hin.
Gehn ihres Weges trotz Mauer und Tor,
da hält kein Riegel, kein Graben nicht vor,
gehn wie die Vögelein hoch durch die Luft,
brauchen kein' Brücken über Wasser und Kluft,
finden das Städtlein und finden das Haus,
finden ihr Fenster aus allen heraus.
Und klopfen und rufen: Mach auf, laß uns ein,
wir kommen vom Liebsten und grüßen dich fein.

b) Du meines Herzens Krönelein
 
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Du meines Herzens Krönelein,
du bist von lautrem Golde,
wenn andere daneben sein,
dann bist du erst viel holde.
 
Die andern tun so gern gescheit,
du bist gar sanft und stille,
daß jedes Herz sich dein erfreut,
dein Glück ist's, nicht dein Wille.
 
Die andern suchen Lieb und Gunst
mit tausend falschen Worten,
du ohne Mund- und Augenkunst
bist wert an allen Orten.
 
Du bist als wie die Ros' im Wald,
sie weiß nichts von ihrer Blüte,
doch jedem, der vorüberwallt,
erfreut sie das Gemüte.

c) Ach Lieb, ich muß nun scheiden
 
 
Ach Lieb, ich muß nun scheiden,
gehn über Berg und Tal,
die Erlen und die Weiden,
die weinen allzumal.
 
Sie sahn so oft uns wandern
zusammen an Baches Rand,
das eine ohn' den andern
geht über ihren Verstand.
 
Die Erlen und die Weiden
vor Schmerz in Tränen stehn,
nun denket, wie's uns beiden
erst muß zu Herzen gehn.

d) Ach weh mir unglückhaftem Mann
 
Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht habe,
sonst spannt' ich gleich vier Schimmel an
und führ' zu dir im Trabe.
 
Ich putzte sie mit Schellen aus,
daß du mich hört'st von weitem,
ich steckt' ein'n großen Rosenstrauß
an meine linke Seiten.
 
Und käm' ich an dein kleines Haus,
tät' ich mit der Peitsche schlagen,
da gucktest du zum Fenster 'naus:
Was willst du? Tät'st du fragen.
 
Was soll der großen Rosenstrauß,
die Schimmel an dem Wagen?
Dich will ich, rief' ich, komm heraus!
Da tät'st du nimmer fragen.
 
Nun, Vater, Mutter, seht sie an
und küßt sie rasch zum Scheiden,
weil ich nicht lange warten kann,
meine Schimmel wolln's nicht leiden.
 
Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht hab'.

e) Die Frauen sind oft fromm und still
 
Die Frauen sind oft fromm und still,
wo wir ungebärdig toben,
und wenn sich eine Stärken will,
dann blickt sie stumm nach oben.
Ihr' Kraft und Stärke ist gering,
ein Lüftchen kann sie knicken,
doch ist's ein eignes, starkes Ding,
wenn sie gen Himmel blicken.
 
Oft hab' ich selbst mit Aufgesehn,
sah die Mutter so nach oben,
ich sah nur graue Wolken gehn
und blaue Luft da droben,
sie aber, wenn sie niedersah,
war voller Kraft und Hoffen,
mir ist, die Frauen hie und da
sehn noch den Himmel offen.

Op.26 no.1 "Frühlingsgedränge"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Richard Strauss, op. 26 no.1

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
flatternde Blüten, duftende Hauche,
schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
stürzen ans Herz mir aus jedem Strauche.
 
Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
rufen hinein mit trunknem Lärmen,
rütteln an längst verschlossnen Pforten.
 
Frühlingskinder, mein Herz umringend,
was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab' ich's verraten euch jüngst im Traume,
schlummernd unterm Blütenbaume,
 
brachten euch Morgenwinde die Sage,
daß ich im Herzen eingeschlossen
euren lieblichen Spielgenossen,
heimlich und selig ihr Bildnis trage?

Op.26 no.2 "O wärst du mein!"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Richard Strauss, op. 26 no.2

O wärst du mein, es wär' ein schönres Leben;
so aber ist's Entsagen nur und Trauern,
nur ein verlornes Grollen und Bedauern.
Ich kann es meinem Schicksal nicht vergeben.
 
Undank tut wohl und jedes Leid der Erde,
ja! meine Freund' in Särgen, Leich' an Leiche,
sind ein gelinder Gram, wenn ich's vergleiche
dem Schmerz, daß ich dich nie besitzen werde.

Op.27 no.1 "Ruhe, meine Seele!"
 
 
Text by Karl Friedrich Henckell (1864-1929)
Music by Richard Strauss, op. 27 no.1

Nicht ein Lüftchen regt sich leise,
sanft entschlummert ruht der Hain;
durch der Blätter dunkle Hülle
stiehlt sich lichter Sonnenschein.
 
Ruhe, ruhe, meine Seele,
deine Stürme gingen wild,
hast getobt und hast gezittert,
wie die Brandung, wenn sie schwillt.
 
Diese Zeiten sind gewaltig,
bringen Herz und Hirn in Not -
ruhe, ruhe, meine Seele,
und vergiß, was dich bedroht!

Op.27 no.2 "Cäcilie"
 
 
Text by Heinrich Hart (1855-1906)
Music by Richard Strauss, op. 27 no.2 (1893-94)

Wenn du es wüßtest,
Was träumen heißt von brennenden Küssen,
Von Wandern und Ruhen mit der Geliebten,
Aug in Auge,
Und kosend und plaudernd,
Wenn du es wüßtest,
Du neigtest dein Herz!
 
Wenn du es wüßtest,
Was bangen heißt in einsamen Nächten,
Umschauert vom Sturm, da niemand tröstet
Milden Mundes die kampfmüde Seele,
Wenn du es wüßtest,
Du kämest zu mir.
 
Wenn du es wüßtest,
Was leben heißt, umhaucht von der Gottheit
Weltschaffendem Atem,
Zu schweben empor, lichtgetragen,
Zu seligen Höhn,
Wenn du es wüßtest,
Du lebtest mit mir!

Op.27 no.3 "Heimliche Aufforderung"
 
 
Text by John Henry Mackay (1864-1933)
Music by Richard Strauss, op. 27 no.3 (1893-94)

Auf, hebe die funkelnde Schale empor zum Mund,
Und trinke beim Freudenmahle dein Herz gesund.
Und wenn du sie hebst, so winke mir heimlich zu,
Dann lächle ich und dann trinke ich still wie du...
 
Und still gleich mir betrachte um uns das Heer
Der trunknen Schwätzer -- verachte sie nicht zu sehr.
Nein, hebe die blinkende Schale, gefüllt mit Wein,
Und laß beim lärmenden Mahle sie glücklich sein.
 
Doch hast du das Mahl genossen, den Durst gestillt,
Dann verlasse der lauten Genossen festfreudiges Bild,
Und wandle hinaus in den Garten zum Rosenstrauch,
Dort will ich dich dann erwarten nach altem Brauch,
 
Und will an die Brust dir sinken, eh du's gehofft,
Und deine Küsse trinken, wie ehmals oft,
Und flechten in deine Haare der Rose Pracht.
O komm, du wunderbare, ersehnte Nacht!

Op.27 no.4 "Und morgen wird die Sonne wieder scheinen"
 
 
Text by John Henry Mackay (1864-1933)
Music by Richard Strauss, op. 27 no. 4 "Morgen!"
 
See also: 

Max Reger (1873-1916), op. 66 no. 10 (1902) "Morgen"

Und morgen wird die Sonne wieder scheinen,
und auf dem Wege, den ich gehen werde,
wird uns, die Glücklichen, sie wieder einen
inmitten dieser sonnenatmenden Erde . . .
 
Und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,
werden wir still und langsam niedersteigen,
stumm werden wir uns in die Augen schauen,
und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen. . .

Op.29 no.1 "Traum durch die Dämmerung"
 
 
Text by Otto Julius Bierbaum ("Martin Möbius") (1865-1910)
Music by Richard Strauss, op. 29 no. 1 (1895)
 
See also: 

Vit`ezslav Augustín Rudolf Novák (1870-1949), op. 46 no. 2, from Erotikon, published 1912
Max Reger (1873-1916), op. 35 no. 3 (1899)

Weite Wiesen im Dämmergrau;
die Sonne verglomm, die Sterne ziehn,
nun geh' ich hin zu der schönsten Frau,
weit über Wiesen im Dämmergrau,
tief in den Busch von Jasmin.
 
Durch Dämmergrau in der Liebe Land;
ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;
mich zieht ein weiches samtenes Band
durch Dämmergrau in der Liebe Land,
in ein blaues mildes Licht.

Op.29 no.2 "Schlagende Herzen"
 
 
Text by Otto Julius Bierbaum ("Martin Möbius") (1865-1910)
Music by Richard Strauss, op. 29 no. 2 (1895)

Über Wiesen und Felder ein Knabe ging,
Kling klang, schlug ihm das Herz;
Es glänzt ihm am Finger von Golde ein Ring.
Kling klang, schlug ihm das Herz;
O Wiesen, o Felder, wie seid ihr schön!
O Berge, o Täler, wie schön!
Wie bist du gut, wie bist du schön,
Du gold'ne Sonne in Himmelshöhn!
Kling klang, kling klang, kling klang, schlug ihm das Herz.
Schnell eilte der Knabe mit fröhlichem Schritt,
Kling klang, schlug ihm das Herz.
Nahm manche lachende Blume mit -
Kling klang, schlug ihm das Herz.
Über Wiesen und Felder weht Frühlingswind,
Über Berge und Wälder weht Frühlingswind,
Der treibt zu dir mich leise, lind,
Kling klang, schlug ihm das Herz.
Zwischen Wiesen und Feldern ein Mädel stand,
Kling klang, schlug ihm das Herz.
Hielt über die Augen zum Schauen die Hand,
Kling klang, schlug ihm das Herz.
Über Wiesen und Felder, über Berge und Wälder,
Zu mir, zu mir, schnell kommt er her,
O wenn er bei mir nur, bei mir schon wär!
Kling klang, kling klang, kling klang, schlug ihm das Herz.

Op.29 no.3 "Nachtgang"
 
 
Text by Otto Julius Bierbaum ("Martin Möbius") (1865-1910)
Music by Richard Strauss, op. 29 no. 3 (1895)
 
See also: 

Max Reger (1873-1916), op. 29 no. 3 (1894-95)

Wir gingen durch die stille milde Nacht,
dein Arm in meinem, dein Auge in meinem.
Der Mond goß silbernes Licht
über dein Angesicht,
wie auf Goldgrund ruhte dein schönes Haupt.
Und du erschienst mir wie eine Heilige,
mild, mild und groß und seelenübervoll,
heilig und rein wie die liebe Sonne.
Und in die Augen schwoll
mir ein warmer Drang, wie Tränenahnung.
Fester faßt' ich dich
und küßte, küßte dich ganz leise.
Meine Seele weinte.

Op.29 no.4 "Stiller Gang"
 
 
Text by Richard Dehmel (1863-1920)
Music by Richard Strauss, op. 29 no. 4 (1895)
 
See also: 

Conrad (Eduard Reinhold) Ansorge (1862-1930), op. 10 no. 3, published 1895-6
Willy Burkhard (1900-1955), op. 9 no. 7 (1925), from Frage

Der Abend graut, Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.

Op.32 no.1 "Ich trage meine Minne"
 
 
Text by Karl Friedrich Henckell (1864-1929)
Music by Richard Strauss, op. 32 no. 1

Ich trage meine Minne vor Wonne stumm
im Herzen und im Sinne mit mir herum.
Ja, daß ich dich gefunden, du liebes Kind,
das freut mich alle Tage, die mir beschieden sind.
 
Und ob auch der Himmel trübe, kohlschwarz die Nacht,
hell leuchtet meiner Liebe goldsonnige Pracht.
Und liegt auch die Welt in Sünden, so tut mir's weh,
die arge muß erblinden vor deiner Unschuld Schnee.

Op.32 no.2 "Sehnsucht"
 
 
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Richard Strauss, op. 32 no. 2, 1896
 
See also: 

Hans Erich Pfitzner (1869-1949) op. 10 no. 1, 1901

Ich ging den Weg entlang, der einsam lag,
Den stets allein ich gehe jeden Tag.
Die Heide schweigt, das Feld ist menschenleer;
Der Wind nur weht im Knickbusch um mich her.
 
Weit liegt vor mir die Straße ausgedehnt;
Es hat mein Herz nur dich, nur dich ersehnt.
Und kämest Du, ein Wunder wär's für mich,
Ich neigte mich vor dir: ich liebe dich.
 
Und im Begegnen, nur ein einzger Blick,
Des ganzen Lebens wär er mein Geschick.
Und richtest du dein Auge kalt auf mich,
Ich trotze Mädchen dir: ich liebe dich.
 
Doch wenn dein schönes Auge grüßt und lacht,
Wie eine Sonne mir in schwerer Nacht,
Ich zöge rasch dein süßes Herz an mich
Und flüstre leise dir: ich liebe dich.

Op.32 no.3 "Liebeshymnus"
 
 
Text by Karl Friedrich Henckell (1864-1929)
Music by Richard Strauss, op. 32 no. 3

Heil jenem Tag, der dich geboren,
heil ihm, da ich zuerst dich sah!
In deiner Augen Glanz verloren
steh' ich, ein sel'ger Träumer, da.
 
Mir scheint der Himmel aufzugehn,
den ich von ferne nur geahnt,
und eine Sonne darf ich sehn,
daran die Sehnsucht nur gemahnt.
 
Wie schön mein Bild in diesem Blicke!
In diesem Blick mein Glück wie groß!
Und flehend ruf' ich zum Geschicke:
O weile, weile, wandellos!

Op.32 no.4 "O süßer Mai!"
 
 
Text by Karl Friedrich Henckell (1864-1929)
Music by Richard Strauss, op. 32 no. 4

O süßer Mai, o habe du Erbarmen,
o süßer Mai, dich fleh' ich glühend an:
an deiner Brust seh' ich die Flur erwarmen,
und alles schwillt, was lebt in deinem Bann;
der du so mild und huldvoll ohne Ende,
o lieber Mai, gewähre mir die Spende!
 
Der düstre Pilger, der in diesen Gau'n
entrann dem Eishauch winterlicher Zeit,
erkor ein Mädchen, mild wie du zu schauen,
lenzfrisch gleich dir in keuscher Herrlichkeit.
Daß wir uns lieben und in Lieb' umarmen,
Erbarmen, Mai, Holdseligster, Erbarmen!

Op.32 no.5 "Himmelsboten"
 
 
Text from Des Knaben Wunderhorn
Music by Richard Strauss, op. 32 no. 5

Der Mondschein, der ist schon verblichen,
die finstre Nacht ist hingeschlichen;
steh auf, du edle Morgenröt',
zu dir all mein Vertrauen steht.
 
Phöbus, ihr Vorbot' wohlgeziert,
hat schon den Wagen angeschirrt,
die Sonnenross' sind vorgespannt,
Zügel ruht in seiner Hand.
 
Ihr Vorbot', der Don Lucifer,
schwebt allbereits am Himmel her,
er hat die Wolken aufgeschlossen,
die Erd' mit seinem Tau begossen.
 
O fahrt vor ihr Schlafkämmerlein,
weckt leis die süße Liebste mein,
verkündet ihr, was ich euch sag':
Mein Dienst, mein Gruß, ein' guten Tag.
 
Doch müßt ihr sie fein züchtig wecken,
dabei meine heimliche Lieb' entdecken,
sollt sagen, wie ihr Diener wacht
so kummervoll die ganze Nacht.
 
Schaut für mich an die gelben Haar',
ihr Hälslein blank, ihr Äuglein klar;
küßt ihr für mich den roten Mund
und, wenn sie's leid't, die Brüstlein rund.

Op.33 no.1 "Verführung"
 
 
Text by John Henry Mackay (1864-1933)
Music by Richard Strauss, op. 33 no. 1

Der Tag, der schwüle,
Verblaßt, und in dieser Kühle
Begehrt nun zu ruh'n, was sich ergeben dem Fest der Lust
Nun schmiegt mit Beben sich Brust an Brust...
 
Es hebt der Nachtwind die Schwingen weit:
Wer liebt, der wacht auch zu dieser Zeit!...
Er küßt die Welle, und sie ergibt
Sich ihm zur Stelle, weil sie ihn liebt.
 
O großes Feiern! O schönste Nacht!
Nun wird sich entschleiern alle Pracht,
Die Tags verborgen in Zweifeln lag,
In Angst und Sorgen. Nun wird es Tag!
 
Still stößt vom Strande ein schwankes Boot.
Verläßt die Lande der Mörder Tod?
Er ward vergebens hierher bestellt:
Der Gott des Lebens beherrscht die Welt!...
 
Welch' stürmisch' Flüstern den Weg entlang?
Was fleht so lüstern? was seufzt so bang?
Ein Niegehörtes hört nun dein Ohr
Wie Gift betört es: was geht hier vor?
 
Der Sinn der Töne ist mir bekannt,
Drum gib, o Schöne, mir deine Hand:
Der ich zu rühren dein Herz verstand,
Ich will dich führen in's Wunderland!...
 
Mit süßem Schaudern reißt du dich los.
Was hilft dein Zaudern? Dir fiel dein Los!
Die Stimmen schweigen. Es liebt, wer wacht!
Du wirst mein eigen noch diese Nacht!

Op.33 no.2 "Gesang der Apollopriesterin"
 
 
Text by Emanuel, Freiherr von Bodman (1874-1946)
Music by Richard Strauss, op. 33 no. 2, 1896

Es ist der Tag, wo jedes Leid vergessen.
Ihr Schwestern, horcht: der Heilige ist nah.
Er meldet sich im Rauschen der Cypressen,
Und unsre Pflicht steht winkend vor uns da.
 
Wir lassen ihm den dunklen Sangerschallen,
Daß seine schöne Sonne niedertaut,
Wir ziehn um seine weißen Säulenhallen,
Und jede ist geschmückt wie eine Braut.
 
Seht, unten, wo die kühlen Bäche fließen,
Dort wandeln heut' in Nachtheit Mann und Frau;
Sie trinken selig Duft und Klang der Wiesen,
Und alle blicken sie zum hohen Blau.
 
Und alle jauchzen sie, und alle pflücken
Die großen Freudenblüten dieser Welt.
Wir aber wollen nach der Frucht uns bücken,
Die golden zwischen Traum und wachen fällt.
 
Wir bringen sie in einer Silberschale
Zum Tempel hin, dicht neben Speer und Schild.
Wir knieen nieder: Dufte, Frucht, und strahle
Dem Volk entgegen sein verklärtes Bild!

Op.33 no.3 "Hymnus"
 
 
Text by Friedrich von Schiller (1759-1805)
Music by Richard Strauss, op. 33 no. 3, 1896

Daß du mein Auge wecktest zu diesem goldenen Lichte,
Daß mich dein Äther umfließt;
Daß ich zu deinem Äther
Hinauf einen Menschenblick richte,
Der ihn edler genießt;
Daß du einen unsterbliches Geist,
Der dich, Göttliche, denket und in die schlagend Brust,
Gütige, mir des Schmerzes wohlhät'ge Warnung
Geschenket und diebelohnende Lust;
Daß du des Geistes Gedanken,
Des Herzens Gefühle zu tönen
Mir ein Saitenspiel gabst,
Kränze des Ruhms und das buhlende Glück
Deinen stolzeren Söhnen,
Mir ein Saitenspiel gabst;
Daß dem trunkenen Sinn,
von hoher Begeistrung beflügelt,
Schöner das Leben sich malt,
Schöner in der Dichtung
Krystall die Wahrheit sich spiegelt,
Heller die dämmernde strahlt:
Große Göttin, dafür soll,
Bis die Parzen mich fodern,
Dieses Herzens Gefühl,
Zarter Kindlichkeit voll,
In dankbarem Strahle dir lodern,
Soll aus dem goldenen Spiel
Unerschöpflich dein Preis,
Erhabne Bidnerin, fließen,
Soll dieser denkende Geist
An dein mütterlich Herz
In reiner Umarmung sich schließen,
Bis der Tod sie zerreißt!

Op.33 no.4 "Pilgers Morgenlied", An Lila
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Richard Strauss, op. 33 no. 4

Morgennebel, Lila, hüllen deinen Turm ein.
Soll ich ihn zum letztenmal nicht sehn!
Doch mir schweben tausend Bilder
Seliger Erinn'rung heilig warm um's Herz.
Wie er da stand, Zeuge meiner Wonne,
Als zum erstenmal du dem Freundling
Ängstlich liebevoll begegnetest
Und mit einemmal ew'ge Flammen in die Seel' ihm warfst!
Zische, Nord, tausendschlangenzüngig mir um's Haupt!
Beugen sollst du's nicht!
Beugen magst du kind'scher Zweige Haupt,
Von der Sonne Muttergegenwart geschieden.
Allgegenwärt'ge Liebe! durchglühest mich;
Beutst dem Wetter die Stirn, Gefahren die Brust;
Hast mir gegossen in's früh welkende Herz doppeltes Leben:
Freude zu leben und Mut! Freude zu leben und Mut!

Op.36 no.1 "Im Frühlingsgarten fand ich sie"
 
 
Text by Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
Music by Richard Strauss, op. 36 no. 1
 
See also: 

Edward MacDowell (1860-1908), "Das Rosenband", op. 12 no. 2 (1880-1)
Franz Schubert (1797-1828), "Das Rosenband", D. 280 (1815), published 1837
Josef Antonín `St`epán (1726-1797), "Die Cidly", published 1778-9
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Das Rosenband"

Im Frühlings [garten] fand ich sie,
Da band ich sie mit Rosenbändern:
Sie fühlt' es nicht und schlummerte.
 
Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick an ihrem Leben:
Ich fühlt' es wohl und wußt' es nicht.
 
Doch lispelt' ich ihr sprachlos zu
Und rauschte mit den Rosenbändern.
Da wachte sie vom Schlummer auf.
 
Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward Elysium.

Op.36 no.2 "Für funfzehn Pfennige"
 
 
Text from Des Knaben Wunderhorn. From "Feiner Almanach".
Music by Richard Strauss, op. 36 no. 2

Das Mägdlein will ein' Freier hab'n,
Und sollt' sie'n aus der Erde grab'n,
Für funfzehn Pfennige.
 
Der Schreiber hatt' des Gelds zu viel,
Er kauft dem Mädchen, was sie will
Für funfzehn Pfennige.
 
Er kauft ihr einen Gürtel schmal,
Der starrt von Gold wohl überall,
Für funfzehn Pfennige.
 
Er kauft ihr einen breiten Hut,
Der wär' wohl für die Sonne gut,
Für funfzehn Pfennige.
 
Wohl für die Sonn', wohl für den Wind,
Bleib du bei mir, mein liebes Kind
Für funfzehn Pfennige.
 
Bleibst du bei mir, bleib' ich bei dir,
All meine Güter schenk' ich dir,
Sind funfzehn Pfennige.
 
Behalt dein Gut, laß mir mein Mut
Kein' and're doch dich nehmen tut
Für funfzehn Pfennige.
 
Dein' guten Mut, den mag ich nicht,
Hast traun von treuer Liebe nicht
Für funfzehn Pfennige.
 
Dein Herz ist wie ein Taubenhaus,
Gebt einer 'nein, der and're aus
Für funfzehn Pfennige.

Op.36 no.3 "Hat gesagt - bleibt's nicht dabei"
 
 
Text from Des Knaben Wunderhorn, from "Feiner Almanach"
Music by Richard Strauss, op. 36 no. 3 (1897-98)
 
See also:

Max Reger (1873-1916), op. 75 no. 12 (1903)
Theodor Streicher (1874-1940), published 1903, from Dreissig Lieder aus Des Knaben Wunderhorn, no. 27

Mein Vater hat gesagt,
Ich soll das Kindlein wiegen,
Er will mir auf den Abend
Drei Gaggeleier sieden;
Siedt er mir drei,
Ißt er mir zwei,
Und ich mag nicht wiegen
Um ein einziges Ei.
 
Mein Mutter hat gesagt,
Ich soll die Mägdlein verraten,
Sie wollt mir auf den Abend
Drei Vögelein braten;
Brät sie mir drei,
Um ein einziges Vöglein
Treib ich kein Verräterei.
 
Mein Schätzlein hat gesagt,
Ich soll sein gedenken,
Er wöllt mir auf den Abend
Drei Küßlein auch schenken;
Schenkt er mir drei,
Bleibt's nicht dabei,
Was kümmert michs Vöglein,
Was schiert mich das Ei.

Op.36 no.4 "Anbetung"
 
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Richard Strauss, op. 36 no. 4

Die Liebste steht mir vor den Gedanken,
wie schön, o wie schön!
Daß mir betäubt die Sinne wanken,
wie schön, wie schön!
Sie hat mit Mienen mich angelächelt,
wie hold, o wie hold,
daß durch das Herz mir die Strahlen schwanken,
wie schön, wie schön!
 
Die hellen Fluren der Rosenwange,
sie winken zur Lust,
und dunkel flattern die Lockenranken,
wie schön, o wie schön!
Des Auges Narzissen wie lieblich,
wenn sie erwachen im Tau,
und wann sie trunken in Schlummer sanken,
wie schön, wie schön, o wie schön!
 
Die Palm' aus Eden, die ich in Träumen
wie lange gesucht,
hab' ich gefunden im Wuchs, dem schlanken,
o wie schön!
Der Quell des Lebens, dem ich gedürstet,
er hat mich gelabt,
als meine Lippen aus deinen tranken,
wie schön, wie schön!
 
Des Geistes Hoffen, der Seele Wähnen,
dein Traum, Phantasie,
ist nun getreten in Körperschranken,
wie schön, wie schön!
Des Frühlings Blumen, des Himmels Sterne,
du bringst sie im Kranz
mir dar vereinigt. Wie soll ich danken?
Wie schön, wie schön, o wie schön!

Op.37 no.1 "Glückes genug"
 
 
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 1
 
See also:

Max Reger (1873-1916), op. 37 (1899)
Hermann Karl Josef Zilcher (1881-1948), op. 12 no. 4, published 1904
 
 
Wenn sanft du mir im Arme schliefst,
ich deinen Atem hören konnte,
im Traum du meinen Namen riefst,
um deinen Mund ein Lächeln sonnte -
Glückes genug.
 
Und wenn nach heißem, ernstem Tag
du mir verscheuchtest schwere Sorgen,
wenn ich an deinem Herzen lag
und nicht mehr dachte an ein Morgen -
Glückes genug

Op.37 no.2 "Ich liebe dich"
 
 
Text by Detlev von Liliencron (1844-1909)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 2

Vier adlige Rosse
voran unserm Wagen,
wir wohnen im Schlosse
in stolzem Behagen.
 
Die Frühlichterwellen
und nächtens der Blitz,
was all sie erhellen,
ist unser Besitz.
 
Und irrst du verlassen,
verbannt durch die Lande;
mit dir durch die Gassen
in Armut und Schande!
 
Es bluten die Hände,
die Füße sind wund,
vier trostlose Wände,
es kennt uns kein Hund.
 
Steht silberbeschlagen
dein Sarg am Altar,
sie sollen mich tragen
zu dir auf die Bahr',
 
und fern auf der Heide
und stirbst du in Not,
den Dolch aus der Scheide,
dir nach in den Tod!

Op.37 no.3 "Meinem Kinde"
 
 
Text by Gustav Falke (1853-1916)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 3
 
See also: 

Max Reger (1873-1916), op. 43 no. 3 (1899-1900).

Du schläfst und sachte neig' ich mich
Über dein Bettchen und segne dich.
Jeder behutsame Atemzug
Ist ein schweifender Himmelsflug,
Ist ein Suchen weit umher,
Ob nicht doch ein Sternlein wär'
Wo aus eitel Glanz und Licht
Liebe sich ein Glückskraut bricht,
Das sie geflügelt herniederträgt
Und dir auf's weiße Deckchen legt.
Du schläfst und sachte neig' ich mich
Über dein Bettchen und segne dich.

Op.37 no.4 "Meine Auge"
 
 
Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 4

Du bist mein Auge! Du durchdringst mich ganz,
Mein ganzes Wesen hast du mir erhellt,
Mein ganzes Leben du erfüllt mit Glanz,
Mich Strauchelnden auf sichern Pfad gestellt!
 
Mein Auge du! Wie war ich doch so blind
An Herz und Sinn, eh du dich mir gesellt,
Und wie durchströmt mich jetzt so licht, so lind
Verklärt der Abglanz dieser ganzen Welt!
 
Du bist mein Auge, du!

Op.37 no.5 "Herr Lenz"
 
 
Text by Emanuel, Freiherr von Bodman (1874-1946)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 5

Herr Lenz springt heute durch die Stadt
in einer blauen Hose.
Und wer zwei junge Beine hat,
springt säftefroh, springt sonnensatt
und kauft sich bei ihm Lose.
 
Dort biegt er um das Giebelhaus,
die Taschen voller Gaben,
da strecken sich die Hände aus,
ein jeder möchte einen Strauß,
hei! für sein Mädel haben.
 
Ich hole mir auch einen Schatz
hinweg von Glas und Schüssel.
Hut auf! Wir rennen übern Platz!
Herr Lenz, für ihren Busenlatz
ein'n gelben Himmelsschlüssel!

Op.37 no.6 "Hochzeitlich Lied"
 
 
Text by Anton Lindner (1874-1915)
Music by Richard Strauss, op. 37 no. 6

Laß Akaziendüfte schaukeln,
Rosen durch die Fenster gaukeln,
Blütenfee, das bist nun du!
Deine buchenroten Locken
läuten mir wie Märchenglocken,
und die weiten Täler locken. . .
Komm, mein Kind, wir gehn zur Ruh!
 
In das Land der blassen Farben
ziehn wir ein, und Purpurgarben
fächeln stille Flammen zu.
Horch, schon zittern weiche Lieder,
Mond enthüllt sein Schneegefieder,
fieberheiß die reifen Glieder,
ziehn wir, Hand in Hand, zur Ruh.
 
Leise Scham, so schüchtern gleitend,
lichte Rosenflügel spreitend,
deckt die Äuglein, deckt dich zu.
Klingt's im Park von Zymbeln, Zinken,
will durchs Fenster Venus winken,
müssen Band und Seide sinken,
komm, mein Kind, wir ziehn zur Ruh.

Op.39 no.3 "Der Arbeitsmann"
 
 
Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Richard Strauss, op. 39 no. 3 (1897-98)
 
See also: 

Hans Erich Pfitzner (1869-1949), op. 30 no. 4 (1922)

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
Mein Weib!
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
Und haben die Sonne und Regen und Wind,
Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,
Um so frei zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
 
Wenn wir sonntags durch die Felder gehn,
Mein Kind,
Und über den Ähren weit und breit
Das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,
Oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,
Um so schön zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
 
Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,
Wir Volk.
Nur eine kleine Ewigkeit;
Uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,
Als all das, was durch uns gedeiht,
Um so kühn zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.

Op.39 no.4 "Befreit"
 
 
Text by Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)
Music by Richard Strauss, op. 39 no. 4

Du wirst nicht weinen. Leise
Wirst du lächeln und wie zur Reise
Geb' ich dir Blick und Kuß zurück.
Unsre lieben vier Wände, du hast sie bereitet,
Ich habe sie dir zur Welt geweitet;
O Glück!
 
Dann wirst du heiß meine Hände fassen
Und wirst mir deine Seele lassen,
Läßt unsern Kindern mich zurück.
Du schenktest mir dein ganzes Leben,
Ich will es ihnen wieder geben;
O Glück!
 
Es wird sehr bald sein, wir wissen's beide,
Wir haben einander befreit vom Leide,
So gab' ich dich der Welt zurück!
Dann wirst du mir nur noch im Traum erscheinen
Und mich segnen und mit mir weinen;
O Glück!