Klassische Musik - Classical Music Dictionary
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Wieck Schumann
Clara Josephine


(1819 - 1896)

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The Lieder of Clara Wieck Schumann

 

Lieder – index:

1. Der Abendstern
2. Am Strand
3. Beim Abschied
4. Das Veilchen
5. Der Wanderer
6. Der Wanderer in der Sägemühle
7. Die gute Nacht
8. Er ist gekommen in Sturm und Regen, op. 12 no. 2
9. Liebst du um Schönheit, op. 12 no. 4
10. Lorelei
11. Mein Stern
12. Oh weh des Scheidens
13. Volkslied
14. Walzer
15. Warum willst du and're fragen, op. 12 no. 11
16. "Sechs Lieder op.13"

a) Ihr Bildnis
b) Sie liebten sich beide
c) Liebeszauber
d) Der Mond kommt still gegangen
e) Ich hab' in deinem Auge
f) Die stille Lotusblume

17. "Sechs Lieder op.23"

a) Was weinst du, Blümlein
b) An einem lichten Morgen
c) Geheimes Flüstern hier und dort
d) Auf einem grünen Hügel
e) Das ist ein Tag, der klingen mag
f) O Lust, o Lust

1. "Der Abendstern"
 
Text by Anonymous
Music by Clara Wieck Schumann

 
Bist du denn wirklich so fern,
lieblicher, glänzender Stern?
Sehne mich stündlich von hier,
Wandelnder, heimlich zu dir.
Blickest so hell durch die Nacht,
still, bis die Sorge erwacht,
schimmerst am Morgen noch spät,
matt, wenn die Sonne ersteht.
Winket dein freundliches Licht
Frieden und Ruhe mir nicht?
Schau ich dich, blinkenden Stern,
möcht' ich ja sterben so gern.

2. "Am Strand"
 
Text by Wilhelm Gerhard, after Robert Burns (1759-1796), "Musing on the Roaring Ocean"
Music by Clara Wieck Schumann
 


Traurig schau ich von der Klippe
auf die Flut, die uns getrennt,
und mit Inbrunst fleht die Lippe,
schone seiner, Element!
Furcht ist meiner Seele Meister,
ach, und Hoffnung schwindet schier;
nur im Traume bringen Geister
vom Geliebten Kunde mir.
Die ihr, fröhliche Genossen,
gold'ner Tag' in Lust und Schmerz,
Kummertränen nie vergossen,
ach, ihr kennt nicht meinen Schmerz!
Sei mir mild, o nächt'ge Stunde,
auf das Auge senke Ruh,
holde Geister, flüstert Kunde
vom Geliebten dann mir zu.

3. "Beim Abschied"
 
Text by Friedrich Anton Serre (1789-1863)
Music by Clara Wieck Schumann
 


Purpurgluten leuchten ferne,
Golden sinkt der lichte Tag,
Einzeln werden Silbersterne
An dem Himmelsbogen wach.
Und des Tages Königin
trägt ihr Haupt zum Schlummer hin;
Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,
S'ist kein Abschied, kein Vergehn.
Schatten deckt die weite Erde,
auf den Fluren lagert Nacht.
Armes Herz, nun stille werde,
Das der Tag so müd gemacht!
O erscheine lieb und mild
Mir im Traume, süßes Bild.
Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,
S'ist kein Abschied, kein Vergehn.
Ach, es rinnen heiße Tränen,
Bald ein seliges Gefühl,
Bald ein schmerzlich banges Sehnen
Mir die Brust zerbrechen will.
Nur der Traum führt es zurück,
Das zu schnell entschwundne Glück.
Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,
S'ist kein Abschied, kein Vergehn.
Wenn ins Abendrot ich sehe
Und die Sonne sinkt herab,
Denke ich an all das Wehe,
Das ich schon bestanden hab.
Ach, vielleicht der nächste Morgen
Hebet alle, alle Sorgen.
Drum getrost, auf Wiedersehn,
S'ist kein Abschied, kein Vergehn.

4. "Ein Veilchen auf der Wiese stand"
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Clara Wieck Schumann, "Ein Veilchen" (1853)

See also:

Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar (1739-1807), "Das Veilchen" (The violet) (1776)
Johann André (1741-1799), "Das Veilchen" (1774)
Philipp Christoph Kayser (1755-1823), "Romanze" (1776)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), K. 476, "Ein Veilchen" (1785)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814) "Aus Erwin und Elmire", published 1780, and "Das Veilchen", published 1788
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 25 no. 5, "Aus Erwin und Elmire", published 1919
Josef Antonín `St`epán (1726-1797), "Das Veilchen auf der Wiese", published 1778-9
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 57 no. 1, "Das Veilchen" (1815?), from Gedichte von Goethe, V:1
 


Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und muntrem Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepfückt
Und an dem Busen mattgedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.
[Das arme Veilchen!
Es war ein herzigs Veilchen.]

5. "Die Straßen, die ich gehe"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Clara Wieck Schumann, "Der Wanderer" (1831?)

See also:

Robert Gund (1865-1927), "Die Straßen, die ich gehe", op. 10 no. 5 (1894?)
Hermann Simon (1896-1948), "Der Wanderer" (1931)
 

 
Die Straßen, die ich gehe,
so oft ich um mich sehe,
sie bleiben fremd doch mir.
Herberg', wo ich möcht weilen,
ich kann sie nicht ereilen,
weit, weit ist sie von hier.
So fremd mir anzuschauen
sind diese Städt' und Auen,
die Burgen stumm und tot;
doch fern Gebirge ragen,
die meine Heimat tragen,
ein ewig Morgenrot.

6. "Der Wanderer in der Sägemühle"
 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
Music by Clara Wieck Schumann

 
Dort unten in der Mühle
saß ich in guter Ruh
und sah dem Räderspiele
und sah dem Wasser zu.
Sah zu der blanken Säge,
es war mir wie ein Traum,
die bahnte lange Wege
in einem Tannenbaum.
Die Tanne war wie lebend,
in Trauermelodie,
durch alle Fasern bebend
sang diese Worte sie:
Du tritts zur rechten Stunde,
o Wanderer! hier ein,
du bist's, für den die Wunde
mir dringt ins Herz hinein.
Du bist's, für den wird werden,
wenn kurz gewandert du,
dies Holz im Schoß der Erden,
ein Schrein zur langen Ruh.
Vier Bretter sah ich fallen,
mir ward um's Herze schwer,
ein Wörtlein wollt' ich lallen,
da ging das Rad nicht mehr.

7. "Die gute Nacht, die ich dir sage"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann, "Die gute Nacht"

See also:

Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Aus dem IV. Strauss: Wiedergewonnen.", op. 11 no. 5 (187-?), from Liebesfrühling
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Gute Nacht", op. 59 no. 4 (1846)
 

 
Die gute Nacht, die ich dir sage,
Freund, hörest du!
Ein Engel, der die Botschaft trage
Geht ab und zu.
Er bringt sie dir und hat mir wieder
den Gruß gebracht:
Dir sagen auch des Freundes Lieder
jetzt gute Nacht.

8. "Er ist gekommen in Sturm und Regen"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann, "Er ist gekommen in Sturm und Regen", op. 12 no. 2

See also:

Robert Franz (1815-1892), "Er ist gekommen", op. 4 no. 7, published 1845
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Aus dem II. Strauss: Entflohen", op. 11 no. 3 (187-?)

 
Er ist gekommen in Sturm und Regen,
ihm schlug beklommen mein Herz entgegen.
Wie konnt' ich ahnen, daß seine Bahnen
sich einen sollten meinen Wegen.
Er ist gekommen in Sturm und Regen,
er hat genommen mein Herz verwegen.
Nahm er das meine? Nahm ich das seine?
Die beiden kamen sich entgegen.
Er ist gekommen in Sturm und Regen,
Nun ist gekommen des Frühlings Segen.
Der Freund zieht weiter, ich seh' es heiter,
denn er bleibt mein auf allen Wegen.

9. "Liebst du um Schönheit"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann, op. 12 no. 4

See also:

Gustav Mahler (1860-1911), from Fünf Rückert-Lieder, no. 2 (1901-2)
Hermann Reutter (1900-1985), op. 54 no. 2 (published 1941)
Robert Alexander Schumann (1810-1856), op. 37 no. 4 (1840)

 
Liebst du um Schöheit,
O nicht mich liebe!
Liebe die Sonne,
Sie trägt ein gold'nes Haar!
Liebst du um Jugend,
O nicht mich liebe!
Liebe der Frühling,
Der jung ist jedes Jahr!
Liebst du um Schätze,
O nicht mich liebe.
Liebe die Meerfrau,
Sie hat viel Perlen klar.
Liebst du um Liebe,
O ja, mich liebe!
Liebe mich immer,
Dich lieb' ich immerdar.

10. "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Clara Wieck Schumann, "Lorelei"

See also:

Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux) (1810-1858), "Die Lorelei", op. 7 no. 4
Franz (Ferencz) Liszt (1811-1886), "Lorelei", S. 273
(Joseph) Joachim Raff (1822-1882), "Loreley", op. 98 no. 26 (1855-63), from Sanges-Frühling
(Philipp) Friedrich Silcher (1789-1860), "Lore-Ley"
 

 
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig flie&szligt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet
Sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame
Gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh,
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

11. "Mein Stern"
 
Text by Friedrich Anton Serre (1789-1863)
Music by Clara Wieck Schumann
 

 
O du mein Stern, schau dich so gern,
Wenn still im Meere die Sonne sinket,
Dein goldnes Auge so tröstend winket
In meiner Nacht!
O du mein Stern, aus weiter Fern,
Bist du ein Bote mit Liebesgrüßen,
Laß deine Strahlen mich durstig küssen
In banger Nacht!
O du mein Stern, verweile gern,
Und lächelnd führ' auf des Lichts Gefieder
Der Träume Engel dem Freunde wieder
In seine Nacht.

12. "Oh weh des Scheidens"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann
 


Oh weh des Scheidens, das er tat,
da er mich ließ im Sehnen!
Oh weh des Bittens, wie er bat,
des Weinens seiner Tränen!
Er sprach zu mir: Dein Trauern laß!
Und schied doch selbst in Schmerzen.
Von seinen Tränen ward ich naß,
Daß kühl mir's ward im Herzen.

13. "Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht"
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Clara Wieck Schumann, "Volkslied"

See also:

Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Tragödie II", A11 (1903-11?)
Thorvald Otterström (1868-1942), "Es fiel ein Reif", published 1907
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Tragödie II", op. 64 no. 3b
Frank Valentine van der Stucken (1858-1929), "Tragödie II", op. 30 no. 2, published 1904
 


Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,
er fiel auf die zarten Blaublümelein:
Sie sind verwelket, verdorrt.
Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb;
sie flohen heimlich von Hause fort,
es wußt' weder Vater noch Mutter.
Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind gestorben, verdorben.

14. "Walzer"
 
Text by Johann Peter Lyser , pseudonym of Ludwig Peter August Burmeister (1803-1870)
Music by Clara Wieck Schumann

 
Horch! Welch' ein süßes harmonisches Klingen:
Flüstern erhebt sich zum jubelnden Laut.
Laß mich dich, reizendes Mädchen, umschlingen,
Wie ein Geliebter die liebende Braut.
Komm! Laß mit den wogenden Tönen uns schweben,
Die uns wie Stimmen der Liebe umwehn:
So uns der seligsten Täuschung ergeben,
Glücklich es wähnen, was nie kann geschehn.
Auge in Auge mit glühenden Wangen,
Bebende Seufzer verlangender Lust!
Ach! Wenn die Stunden der Freude vergangen,
Füllet nur trauernde Sehnsucht die Brust,
Nimmer erblüht, was einmal verblüht,
Nie wird die rosige Jugend uns neu,
o drum, eh das Feuer der Herzen verglüht,
Liebe um Liebe, noch lächelt der Mai.
Horch! Welch' ein süßes harmonisches Klingen:
Flüstern erhebt sich zum jubelnden Laut.
Laß mich dich, reizendes Mädchen, umschlingen,
wie ein Geliebter die liebende Braut.

15. "Warum willst du and're fragen"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann, op. 12 no. 11
 


Warum willst du and're fragen,
Die's nicht meinen treu mit dir?
Glaube nicht, als was dir sagen
Diese beiden Augen hier!
Glaube nicht dem fremden Leuten,
Glaube nicht dem eignen Wahn;
Nicht mein Tun auch sollst du deuten,
Sondern sieh die Augen an!
Schweigt die Lippe deinen Fragen,
Oder zeugt sie gegen mich?
Was auch meine Lippen sagen,
Sieh mein Aug', ich liebe dich!

16. "Sechs Lieder op.13"
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Clara Wieck Schumann, op. 13
 
a) Ihr Bildnis
b) Sie liebten sich beide
c) Liebeszauber
d) Der Mond kommt still gegangen
e) Ich hab' in deinem Auge
f) Die stille Lotusblume

 
 
a) Ihr Bildnis

Text by Heinrich Heine (1797-1856)
 
Ich stand in dunklen Träumen
und starrte ihr Bildnis an,
und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.
Um ihre Lippen zog sich
Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmutstränen
Erglänzte ihr Augenpaar.
Auch meine Tränen flossen
Mir von den Wangen herab -
Und ach, ich kann's nicht glauben,
Daß ich dich verloren hab!
 
 
b) Sie liebten sich beide

Text by Heinrich Heine (1797-1856)
 
Sie liebten sich beide,
doch keiner wollt' es dem andern gestehn;
sie sahen sich an so feindlich,
und wollten vor Liebe vergehn.
Sie trennten sich endlich
und sah'n sich nur noch zuweilen im Traum;
sie waren längst gestorben
und wußten es selber kaum.
 
 
 
c) Liebeszauber

Text by Emanuel Geibel (1815-1884)
 
Die Liebe saß als Nachtigall
im Rosenbusch und sang;
es flog der wundersüße Schall
den grünen Wald entlang.
Und wie er klang, da stieg im Kreis
aus tausend Kelchen Duft,
und alle Wipfel rauschten leis',
und leiser ging die Luft;
die Bäche schwiegen, die noch kaum
geplätschert von den Höh'n,
die Rehlein standen wie im Traum
und lauschten dem Getön.
Und hell und immer heller floß
der Sonne Glanz herein,
um Blumen, Wald und Schlucht ergoß
sich goldig roter Schein.
Ich aber zog den Weg entlang
und hörte auch den Schall.
Ach! was seit jener Stund' ich sang,
war nur sein Widerhall.
 
 
d) Der Mond kommt still gegangen

Text by Emanuel Geibel (1815-1884)
 
Der Mond kommt still gegangen
mit seinem gold'nen Schein,
da schläft in holdem Prangen
die müde Erde ein.
Und auf den Lüften schwanken
aus manchem treuen Sinn
viel tausend Liebesgedanken
über die Schläfer hin.
Und drunten im Tale, da funkeln
die Fenster von Liebchens Haus;
ich aber blicke im Dunkeln
still in die Welt hinaus.
 
 
e) Ich hab' in deinem Auge

Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
 
Ich hab' in deinem Auge
den Strahl der ewigen Liebe gesehen,
ich sah auf deinen Wangen
einmal die Rosen des Himmels stehn.
Und wie der Strahl im Aug' erlischt
und wie die Rosen zerstieben,
ihr Abglanz ewig neu erfrischt,
ist mir im Herzen geblieben,
und niemals werd' ich die Wangen seh'n
und nie in's Auge dir blicken,
so werden sie mir in Rosen steh'n
und es den Strahl mir schicken.
 
 
f) Die stille Lotusblume

Text by Emanuel Geibel (1815-1884)
 
Die stille Lotusblume
steigt aus dem blauen See,
die Blätter flimmern und blitzen,
der Kelch ist weiß wie Schnee.
Da gießt der Mond vom Himmel
all seinen gold'nen Schein,
gießt alle seine Strahlen
in ihren Schoß hinein.
Im Wasser um die Blume
kreiset ein weißer Schwan
er singt so süß, so leise
und schaut die Blume an.
Er singt so süß, so leise
und will im Singen vergehn.
O Blume, weiße Blume,
kannst du das Lied verstehn?

17. "Sechs Lieder op.23"
 
Texts by Hermann Rollet (1819-1904)
Music by Clara Wieck Schumann, op. 23
 

a) Was weinst du, Blümlein
b) An einem lichten Morgen
c) Geheimes Flüstern hier und dort
d) Auf einem grünen Hügel
e) Das ist ein Tag, der klingen mag
f) O Lust, o Lust

 
a) Was weinst du, Blümlein
Text also set by other composers.
 
Was weinst du, Blümlein, im Morgenschein?
Das Blümlein lachte: Was füllt dir ein!
Ich bin ja fröhlich, ich weine nicht -
die Freudenträne durch's Aug' mir bricht.
Du Morgenhimmel, bist blutig rot,
als läge deine Sonne im Meere tot?
Da lacht der Himmel und ruft mich an:
Ich streue ja Rosen auf ihre Bahn!
Und strahlend flammte die Sonn' hervor,
die Blumen blühten freudig empor.
Des Baches Wellen jauchzten auf,
und die Sonne lachte freundlich darauf.
 
 
 
b) An einem lichten Morgen

 
An einem lichten Morgen,
da klingt es hell im Tal:
wach' auf, du liebe Blume,
ich bin der Sonnenstrahl!
Erschließe mit Vertrauen
dein Blütenkämmerlein
und laß die heiße Liebe
in's Heiligtum hinein.
Ich will ja nichts verlangen
als liegen dir im Schoß
und deine Blüte küssen,
eh' sie verwelkt im Moos.
Ich will ja nichts begehren
als ruh'n an deiner Brust
und dich dafür verklären
mit sonnenheller Lust.
 
 
c) Geheimes Flüstern hier und dort

 
Geheimes Flüstern hier und dort,
verborg'nes Quellenrauschen,
o Wald, o Wald, geweihter Ort,
laß mich des Lebens reinstes Wort,
in Zweig und Blatt belauschen!
Und schreit' ich in den Wald hinaus,
da grüßen mich die Bäume,
du liebes, freies Gotteshaus,
du schließest mich mit Sturmgebraus
In deine kühlen Räume!
Was leise mich umschwebt, umklingt,
ich will es treu bewahren,
und was mir tief zum Herzen dringt,
will ich, vom Geist der Lieb' beschwingt,
in Liedern offenbaren!
 
 
 
d) Auf einem grünen Hügel

 
Auf einem grünen Hügel,
da steht ein Röslein hell,
und wenn ich rot, rot Röslein seh',
so rot wie lauter Liebe,
möcht' weinen ich zur Stell'!
Auf einem grünen Hügel,
da stehn zwei Blümlein blau,
und wenn ich blau, blau Blümlein seh',
so blau, wie blaue Äuglein,
durch Tränen ich sie schau'!
Auf einem grünen Hügel,
da singt ein Vögelein;
mir ist's, als säng's: Wer niemals Leid,
recht großes Leid erfahren,
wird nie recht glücklich sein.
 
 
 
e) Das ist ein Tag, der klingen mag

 
Das ist ein Tag, der klingen mag -
die Wachtel schlägt im Korn,
die Lerche jauchzt mit Jubelschlag
wohl überm hellen grünen Hag,
der Jäger bläst in's Horn.
Frau Nachtigall ruft süßen Schall,
durch's Laub ein Flüstern zieht,
das Echo tönt im Widerhall,
es klingt und singt allüberall,
das ist ein Frühlingslied.
 
 
 
f) O Lust, o Lust

 
O Lust, o Lust, vom Berg ein Lied
in's Land hinab zu singen!
Der kleinste Ton hinunter zieht,
so wie auf Riesenschwingen!
Der stillste Hauch aus lauter Brust,
in Leid und Lust entrungen,
er wird zum Klange, unbewußt
für alle Welt gesungen.
Es schwingt sich erd- und himmelwärts
der Seele klingend Sehnen
und fällt der ganzen Welt an's Herz -
ob freudig, ob in Tränen.
Was still sonst nur die Brust durchzieht,
fliegt aus auf lauten Schwingen
o Lust, o Lust, vom Berg ein Lied
in's Land hinab zu singen.