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Hugo Wolf

(1860 - 1903)

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The Lieder of Hugo Wolf

 

Lieder – complete index


Lieder  No:   1- 46 | 47 - 49 | 50 - 52 | 53 - 56


1. Andenken
2. Auf dem See, op. 3 no. 5
3. Auf der Wanderung
4. Aus meinen großen Schmerzen
5. Das Köhlerweib ist trunken
6. Der Fischer, op. 3 no. 3
7. Der Schwalben Heimkehr
8. Die Kleine
9. Du milchjunger Knabe
10. Ein Grab
11. Erster Verlust, op. 9 no. 3
12. Geistesgruß
13. Gretchen vor dem Andachtsbild der Mater Dolorosa
14. Ich stand in dunkeln Träumen
15. In der Fremde I
16. In der Fremde II
17. In der Fremde VI
18. Ja, die Schönst! Ich sagt' es offen
19. Keine gleicht von allen Schönen
20. Liebesfrühling (Ich sah den Lenz einmal, erwacht im schönsten Tal), op. 9 no. 2
21. Liebesfrühling (Wie oft schon ward es Frühling wieder)
22. Lied des transferierten Zettel
23. Mailied
24. Mausfallen-Sprüchlein
25. Mein Liebchen, wir sassen beisammen
26. Morgenstimmung
27. Nach dem Abschiede
28. Nachruf
29. Resignation
30. Rückkehr
31. Scheideblick
32. Sehnsucht, op. 3 no. 2
33. Sie haben heut' abend Gesellschaft
34. Singt mein Schatz wie ein Fink
35. So wahr die Sonne scheinet
36. Sonne der Schlummerlosen
37. Ständchen
38. Sterne mit den gold'nen Füßchen
39. Stille Sicherheit
40. Traurige Wege
41. Tretet ein, hoher Krieger
42. Über Nacht
43. Wandl ich in dem Morgentau
44. Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern
45. Wo ich bin, mich rings umdunkelt  
46. "Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo"

a) Wohl denk ich oft an mein vergangnes Leben
b) Alles endet, was entstehet
c) Fühlt meine Seele das ersehnte Licht

 


1. "Ich denke dein"

 
 
Text by Friedrich von Matthisson (1761-1831)
Music by Hugo Wolf, "Andenken", 1876
 
See also:

Ludwig van Beethoven (1770-1827), "Andenken" (Remembrance), WoO. 136
Ferdinand Ries (1784-1838), "Ich denke dein", op. 7 no. 2, published 1810
Franz Schubert (1797-1828), "Andenken", D. 99 (1814), published 1894
Carl Maria von Weber (1786-1826), "Ich denke dein!", op. 66 no. 3 (1806)
Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), "Andenken", from Kleine Balladen und Lieder Heft III no. 18

Ich denke dein,
Wenn durch den Hain
Der Nachtigallen
Akkorde schallen!
Wann denkst du mein?
 
Ich denke dein
Im Dämmerschein
Der Abendhelle
Am Schattenquelle!
Wo denkst du mein?
 
Ich denke dein
Mit süßer Pein
Mit bangem Sehnen
Und heißen Tränen!
Wie denkst du mein?
 
O denke mein,
Bis zum Verein
Auf besserm Sterne!
In jeder Ferne
Denk ich nur dein!

2. "Auf dem See"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 3 no. 5 (1875)
 
See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), op.80, i, 2 (1836), for 4 voices
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1841
Hans Georg Nägeli (1773-1836), 1799
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), 1794
Franz Schubert (1797-1828), D. 543b (1817?), published 1828 as op. 92 no. 2
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), 1815

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt:
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!
 
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig himmelan,
Begegnen unserm Lauf.
 
Aug, mein Aug, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist:
Hier auch Lieb und Leben ist.
 
Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne,
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
 
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reifende Frucht.

3. "Auf der Wanderung"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Hugo Wolf, 1878

Über die Hügel
Und über die Berge hin
Sing' ich und ruf' ich,
Wie glücklich ich bin.
Sonniges Wetter,
Rauschende Blätter,
Vogelgeschmetter,
Wonnige Lust!
 
Dörfer und Mühlen,
Wälder und grüne Au'n,
Schlösser und Burgen,
Lieblich zu schaun,
Freundliche Städtchen,
Niedliche Mädchen:
Gretchen und Kätchen,
Kennst du mich noch?
 
Warum nicht kennen?
Willkommen in unsrem Land!
Bist mir willkommen,
Und reich mir die Hand!
Laßt uns dann singen,
Tanzen und springen,
Lustig uns schwingen,
Kirmes ist heut'!
 
Lustig das Leben
Zu Fuß mit dem Wanderstab
Über die Berge,
Hinauf und herab!
Sonniges Wetter,
Rauschende Blätter,
Vogelgeschmetter,
Wonnige Lust!

4. "Aus meinen großen Schmerzen"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, 1878
 
See also:
 
Robert Franz (1815-1892), op. 5 no. 1

Aus meinen großen Schmerzen
Mach' ich die kleinen Lieder;
Die heben ihr klingend Gefieder
Und flattern nach ihrem Herzen.
 
Sie fanden den Weg zur Trauten,
Doch kommen sie wieder und klagen,
Und klagen, und wollen nicht sagen,
Was sie im Herzen schauten.

5. "Das Köhlerweib ist trunken"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Hugo Wolf, 1890
 
See also:
 
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), op. 16 no. 3 published 1893?
Ernest Vietor (fl. 1905-1930), op. 15 no. 1 (1936)

Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Hört, wie die Stimme gellend
Im Grünen hallt!
 
Sie war die schönste Blume,
Berühmt im Land;
Es warben Reich' und Arme
Um ihre Hand.
 
Sie trat in Gürtelketten
So stolz einher;
Den Bräutigam zu wählen,
Fiel ihr zu schwer.
 
Da hat sie überlistet
Der rote Wein -
Wie müssen alle Dinge
Vergänglich sein!
 
Das Köhlerweib ist trunken
Und singt im Wald;
Wie durch die Dämmrung gellend
Ihr Lied erschallt!

6. "Der Fischer"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 3 no. 3 (1875)
 
See also:
 
(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), op. 4 no. 3 (1832)
Anton Franz Joseph Eberl (1765-1807)
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), op. 43 no. 1 (1835)
C. Moltke (1783-1831), before 1815
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Karl Sigmund Freiherr von Seckendorf (1744-1785), 1779
Franz Schubert (1797-1828), D. 225 (1815), published 1821 as op. 5 no 3
Richard Strauss (1864-1949), 1877, from Jugendlieder
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 59 no. 3 (1815?), from Gedichte von Goethe VII:3
Johann Vesque von Püttlingen (1803-1883), 1865
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1809

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.
 
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
"Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.
 
Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?"
 
Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

7. "Wenn die Schwalben heimwärts ziehn"
 
 
Text by (Borromäus Sebastian Georg) Karl Reginald Herloßsohn (1802-1849)
Music by Hugo Wolf, 1877, "Der Schwalben Heimkehr"
 
See also:
 
Franz Wilhelm Abt (1819-1885), op. 39 no. 1 "Agathe"

Wenn die Schwalben heimwärts ziehn,
Wenn die Rosen nicht mehr blühn,
Wenn der Nachtigall Gesang
Mir der Nachtigall verklang,
Fragst das Herz in bangem Schmerz,
Ob ich euch wiederseh'?
Scheiden, ach scheiden,
Scheiden tut weh.
 
[Wenn die Schwäne südlich ziehn,
Dorthin, wo Zitronen blühn,
Wenn das Abendrot versinkt,
Durch die grünen Wälder blinkt,
Fragt das Herz in bangem Schmerz,
Ob ich dich auch wiederseh?
Scheiden, ach Scheiden,
Scheiden tut weh.
 
Armes Herz, was klagest du?
O auch du gehst einst zur Ruh.
Was auf Erden muß vergehn,
Gibt es wohl ein Wiedersehn?
Fragt das Herz in bangem Schmerz,
Glaub' daß ich dich wiederseh,
Tut auch heut'
Das Scheiden so weh.]

8. "Die Kleine"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, 1887
 
See also:
 
Franz (Friedrich) von Holstein (1826-1878), op. 37 no. 1 (1877)

Zwischen Bergen, liebe Mutter,
Weit den Wald entlang,
Reiten da drei junge Jäger
Auf drei Rösslein blank,
lieb Mutter,
Auf drei Rösslein blank.
 
Ihr könnt fröhlich sein, lieb Mutter,
Wird es draussen still:
Kommt der Vater heim vom Walde,
Küsst Euch, wie er will,
lieb Mutter,
Küsst Euch, wie er will.
 
Und ich werfe mich in Bettchen
Nachts ohn Unterlass,
Kehr mich links und kehr mich rechts hin,
Nirgends hab ich was,
lieb Mutter,
Nirgends hab ich was.
 
Bin ich eine Frau erst einmal,
In der Nacht dann still
Wend ich mich nach allen Seiten,
Küss, soviel ich will,
lieb Mutter,
Küss, soviel ich will.

9. "Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890), from Neuere Gedichte (Brunswick, 1851), part of the cycle "Von Weibern: Alte Lieder: 1846"
 
Music by Hugo Wolf, "Du milchjunger Knabe"
 
See also:
 
Johannes Brahms
(1833-1897), "Therese", op. 86 no. 1 (1878)
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), "Du milchjunger Knabe", op. 33 (1923), from Alte Weise, no. 3
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), "Du milchjunger Knabe", op. 16 no. 6

Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?
Was haben deine Augen für eine Frage getan!
Alle Ratsherrn in der Stadt und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage, die deine Augen gestellt!
Eine Meermuschel liegt auf dem Schrank meiner Bas':
Da halte dein Ohr d'ran, dann hörst du etwas!

10. "Ein Grab"
 
 
Text by Paul Peitl
Music by Hugo Wolf, 1876

Wenn des Mondes bleiches Licht
Auf das dunkle Grab hier fällt,
Dann aus meinem Auge bricht
Die Trän', die keine Macht mehr hält.
Keine Blum' am Grabe blüht,
Keine Seele denkt daran;
Kalter Wind vorüberzieht -
Was deckt das kühle Grab, sag an?
Was des Grabes Hülle deckt,
Kannst du dann nur ahnen,
Wenn dich gleicher Schmerz bewegt,
Der mag dich daran mahnen.

11. "Erster Verlust"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 9 no. 3 (1876)
 
See also:

Alban Berg (1885-1936), Jugendlieder, Op. 15 Nr. 2, 1904
Pierre-Octave Ferroud (1900-1936), from Drei traute Gesänge, published 1932
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), from 7 Goethe-Lieder (4), published 194-?
Armin Knab (1881-1951), 1924-6
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 8, "Pervaja utrata" (singable in Russian and German)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), op. 99 no. 1 (1841-5)
Hans Georg Nägeli (1778-1836), 1797
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 15 no. 5 (1908)
Franz Schubert (1797-1828), D. 226 (July 5, 1815). First published in 1821 as op 5 no 4
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 56 no. 3 (1815?), from Gedichte von Goethe IV, 3
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1807

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück?
Einsam nähr' ich meine Wunde,
Und mit stets erneuter Klage
Traur' ich [ums verlorne] Glück,
Ach, wer bringt die schönen Tage,
[Jene holde Zeit zurück!]

12. "Geistesgruß"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 13 no. 2 (1876)
 
See also:
 
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1794
Franz Schubert (1797-1828), D. 142d, third/sixth versions composed 1815/16, third Version first published in 1985, sixth Version first published in 1828 as op. 87 (later as op. 92 no. 3)
Václav Jan K`rtitel Tomá`sek (1774-1850), op. 57 no. 2 (1815?), from Gedichte von Goethe, V:2
Karl Friedrich Zelter (1758-1832)

Hoch auf dem alten Turme steht
Des Helden edler Geist,
Der, wie das Schiff vorübergeht,
Es wohl zu [fahren] heißt.
 
"Sieh, diese Sehne war so stark,
Dies Herz so fest und wild,
Die Knochen voll von Rittermark,
Der Becher angefüllt;
 
Mein halbes Leben stürmt' ich fort,
Verdehnt' die Hälft' in Ruh,
Und du, du Menschenschifflein dort,
Fahr' immer, immer zu!"

13. "Ach neige, du Schmerzenreiche"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) from Faust
Music by Hugo Wolf, "Gretchen vor dem Andachtsbild der Mater Dolorosa"
 
See also:
 
Bernhard (Joseph) Klein (1793-1832), "Gretchen"
Johann Karl Gottfried Loewe (1796-1869), "Scene aus Faust", op. 9, ix, 1 (1835?6?)
Franz Schubert (1797-1828), "Gretchens Bitte", D. 564 (May 1817), first published in 1838
Richard Wagner (1813-1883), "Melodram Gretchens", op. 5, from Sieben Kompositionen zu
Goethes Faust, no. 6

Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein [Antlitz gnädig] meiner Not!
 
Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
 
Zum Vater blickst du,
Und Suefzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Not.
 
Wer fühlet,
Wie wühlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weißt nur du, nur du allein!
 
Wohin ich immer gehe
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
Ich bin, ach, kaum alleine,
Ich wein', ich wein', ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.
 
Die Scherben vor meinem Fenster
Betaut' ich mit Tränen, ach!
Als ich am frühen Morgen
Dir diese Blumen brach.
 
Schien hell in meine Kammer
Die Sonne früh herauf,
Saß ich in allem Jammer
In meinem Bett schon auf.
 
Hilf! Rette mich von Schmach und Tod!
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Not!

14. "Ich stand in dunklen Träumen"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, "Ich stand in dunkeln Träumen" (1878)
 
See also:
  
Edvard Grieg
(1843-1907), "Ich stand in dunkeln Träumen", op. 2 no. 3 (1861)
Franz Schubert (1797-1828), "Ihr Bild", D. 957 op. posth. (1828), from Schwanengesang, no. 9
Clara Wieck Schumann (1819-1896), "Ihr Bildnis", op. 13, from Sechs Lieder, no. 1

Ich stand in dunklen Träumen
und starrte ihr Bildnis an,
und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.
Um ihre Lippen zog sich
Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmutstränen
Erglänzte ihr Augenpaar.
Auch meine Tränen flossen
Mir von den Wangen herab -
Und ach, ich kann's nicht glauben,
Daß ich dich verloren hab!

15. "Da fahr' ich still im Wagen"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, "In der Fremde I" (1881)
 
See also:
 
Othmar Schoeck (1886-1957), "In der Fremde", op. 15 no. 4 (1908)
Richard Trunk (1879-1968), "Der verliebte Reisende", op. 45 no. 6, published 1933

Da fahr' ich still im Wagen,
Du bist so weit von mir,
Wohin er mich mag tragen,
Ich bleibe doch bei dir.
 
Da fliegen Wälder, Klüfte
Und schöne Täler tief
Und Lerchen hoch in Lüften,
Als ob dein' Stimme rief.
 
Die Sonne lustig scheinet
Weit über das Revier,
Ich bin so froh verweinet,
Und singe still in mir.
 
Vom Berge geht's hinunter,
Das Posthorn schallt im Grund,
Mein' Seel' wird mir so munter,
Grüß' dich aus Herzensgrund.

16. "In der Fremde II"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, 1883

Ich geh' durch die dunklen Gassen
Und wandre von Haus zu Haus,
Ich kann mich noch immer nicht fassen,
Sieht alles so trübe aus.
 
Da gehen viel' Männer und Frauen,
Die alle so lustig sehn,
Die fahren und lachen und bauen,
Daß mir die Sinne vergehn.
 
Oft wenn ich bläuliche Streifen
Seh' über die Dächer fliehn,
Sonnenschein draußen schweifen,
Wolken am himmel ziehn;
 
Da treten mitten im Scherze
Die Tränen ins Auge mir,
Denn die mich lieben von Herzen,
Sind alle so weit von hier.

17. "In der Fremde VI"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, 1883

Wolken, wälderwärts gegangen,
Wolken, fliegend übers Haus,
Könnte ich an euch mich hangen,
Mit euch fliegen weit hinaus!
 
Tagelang durch die Wälder schweif' ich,
Voll Gedanken sitz' ich still,
In die Saiten flüchtig greif' ich,
Wieder dann auf einmal still.
 
Schöne, rührende Geschichten
Fallen ein mir, wo ich steh',
Lustig muß ich schreiben, dichten,
Ist mir selber gleich so weh.
 
Manches Lied, das ich geschrieben,
Wohl vor manchem langen Jahr,
Da die Welt von treuem Lieben
Schön mir überglänzet war;
 
Find ich's wieder jetzt voll Bangen:
Werd' ich wunderbar gerührt,
Denn so lange ist vergangen,
Was mich zu dem Lied verführt.
 
Diese Wolken ziehen weiter,
Alle Vögel sind erweckt,
Und die Gegend glänzet heiter,
Weit und fröhlich aufgedeckt.
 
Regen flüchtig abwärts gehen,
Scheint die Sonne zwischendrein,
Und dein Haus, dein Garten stehen
Überm Wald im stillen Schein.
 
Doch du harrst nicht mehr mit Schmerzen,
Wo so lang' dein Liebster sei
Und mich tötet noch im Herzen
Dieser Schmerzen Zauberei.

18. "Ja, die Schönst'! Ich sagt' es offen"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Hugo Wolf, 1878

Ja, die Schönst'! Ich sagt' es offen,
Und ich war's mir frisch bewußt.
Kühnes Wagen, süßes Hoffen,
Frischer Mut und Wanderlust!
 
Und nun möcht' ich schier verzagen
Und im Herzeleid vergehn,
Denn nach diesen kurzen Tagen
Ist's um alles schon geschehn.
 
Laß sie sinken, laß sie fallen,
Laß sie alle stürzen ein,
All die Zinnen, Türm' und Hallen!
Ist die Schönste darum mein?
 
Sind nich Riegel, Schlösser, Tore,
Ist nicht alles aufgetan?
Nur dein Herz, o Leonore,
Bleibt verschlossen mir fortan.

19. "Keine gleicht von allen Schönen"
 
 
Text by George Gordon Noel Byron, Lord Byron (1788-1824), translated to German by ?
Music by Hugo Wolf, 1896
 
See also:
  
Felix Mendelssohn-Bartholdy
(1809-1847), "Romanze 1: Keine von der Erde Schönen", with
another translation
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), in English

Keine gleicht von allen Schönen,
Zauberhafte, dir!
Wie Musik auf Wassern tönen
Deine Worte mir;
Wenn das Meer vergißt zu rauschen,
Um entzückt zu lauschen,
Lichte Wellen leise schäumen,
Eingelullte Winde träumen,
Wenn der Mond die Silberkette
Über Fluten spinnt,
Deren Brust im stillen Bette
Atmet, wie ein Kind:
Also liegt mein Herz versunken,
Lauschend, wonnetrunken,
Sanft gewiegt und voll sich labend,
Wie des Meeres Sommerabend.

20. "Liebesfrühling I"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hugo Wolf, op. 9 no. 2 (1876)
 
See also:
 
Leopold Damrosch (1832-1885), op. 5 no. 5
Robert Franz (1815-1892), op. 14 no. 5
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 36 (1923), from Elegie, no. 2

Ich sah den Lenz einmal
Erblühn im schönsten Tal;
Ich sah der Liebe Licht
Im schönsten Angesicht.
 
Und wandl' ich nun allein
Im Frühling durch den Hain,
Erscheint aus jedem Strauch
Ihr Angesicht mir auch.
 
Und seh ich sie am Ort
Wo längst der Frühling fort,
So sprießt ein Lenz und schallt
Um ihre süße Gestalt.

21. "Liebesfrühling II"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Hugo Wolf, 1878

Wie oft schon ward es Frühling wieder
Für die erstorbne öde Welt!
Wie oft schon schollen frohe Lieder
Ihm überall durch Wald und Feld!
 
Wie oft schon ward es Frühling wieder!
Doch Frühling ward es nicht für mich:
Es schweigen meines Herzens Lieder,
Denn Frühling wird es nur durch dich.

22. "Lied des transferierten Zettel"
 
 
Text by William Shakespeare (1564-1616), Bottom's Song in his Ass's Head (from A Midsummer Night's Dream)
 
Music by Hugo Wolf, 1879

Die Schwalbe, die den Sommer bringt,
der Spatz, der Zeisig fein,
Die Lerche, die sich lustig schwingt
bis in den Himmel 'nein;
Ya, Ya, Ya!
Der Kukuck, der der Grasmück'
so gern ins Nestchen heckt,
Und lacht darob mit arger Tück',
und manchen Ehemann neckt.
Ya, Ya, Ya!

23. "Zwischen Waizen und Korn"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 13 no. 3, "Mailied" (1876)
 
See also:
 
Robert Franz (1815-1892), op. 33 no. 3, "Mailied", published 1864
Nikolai Karlovich Medtner (1880-1951), op. 6 no. 2, "Mailied" (singable in Russian and German)
Arnold Schoenberg (1874-1951), "Mailied" (189-?)
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Wo gehts Liebchen?" (1810)
Alexander Zemlinsky (1871-1942), op. 2, i, 5 "Mailied" (1894-6)

Zwischen Waizen und Korn,
Zwischen Hecken und Dorn,
Zwischen Bäumen und Gras,
Wo gehts Liebchen? Sag mir das.
 
Fand mein Holdchen nicht daheim.
Muß das Goldchen draußen sein.
Grünt und blühet schön der Mai,
Liebchen ziehet froh und frei.
 
An dem Felsen beim Fluß,
Wo sie reichte den Kuß,
Jenen erste[n] im Gras, seh ich etwas,
Ist sie das? [Das ist sie, das!]

24. "Mausfallensprüchlein"
 
 
Text by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Hugo Wolf, 1882
 
See also:
 
Hugo Distler (1908-1942), op. 19, ii, 5, (1939), from Mörike-Chorliederbuch

Kleine Gäste, kleines Haus.
Liebe Mäusin oder Maus,
Stell dich nur kecklich ein
Heut nacht bei Mondenschein!
Mach aber die Tür fein hinter dir zu,
Hörst du?
Dabei hüte dein Schwänzchen!
Nach Tische singen wir,
Nach Tische springen wir
Und machen ein Tänzchen:
Witt witt!
Meine alte Katze tanzt wahrscheinlich mit.

25. "Mein Liebchen, wir sassen beisammen"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856), first published in Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo (1823); can be found in Buch der Lieder (1827), no. 42 in a section titled "Lyrisches Intermezzo"
 
Music by Hugo Wolf, "Mein Liebchen, wir sassen beisammen" (1878)
 
See also:
 
Johannes Brahms (1833-1897), "Meerfahrt", op. 96 no. 4 (1884)
Robert Franz (1815-1892), "Meerfahrt", op. 18 no. 4
Edward MacDowell (1860-1908), "Mein Liebchen", op. 11 no. 1 (1881)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), "Meerfahrt" (1846)
Erik Meyer-Helmund (1861-1932), "Mein Liebchen, wir sassen beisammen" (1886-8)

Mein Liebchen, wir saßen zusammen,
Traulich im leichten Kahn;
Die Nacht war still, und wir schwammen
Auf weiter Wasserbahn.
 
Die Geisterinsel, die schöne,
Lag dämm'rig im Mondenglanz;
Dort klangen liebe Töne,
Dort wogte der Nebeltanz.
 
Dort klange es lieb und lieber,
Und wogt' es hin und her;
Wir aber schwammen vorüber
Trostlos auf weitem Meer.

26. "Morgenstimmung"
 
 
Text by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Hugo Wolf, 1896
 
See also:
 
(Isador) George Henschel (1850-1934), "Morgen-Hymne", op. 46 no. 4 (188-?)

Bald ist der Nacht ein End' gemacht,
Schon fühl' ich Morgenlüfte wehen.
Der Herr, der spricht: "Es werde Licht!"
Da muß, was dunkel ist, vergehen.
Vom Himmelszelt durch alle Welt
Die Engel freudejauchzend fliegen;
Der Sonne Strahl durchflammt das All.
Herr, laß uns kämpfen, laß uns siegen!

27. "Nach dem Abschiede"
 
 
Text by August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Music by Hugo Wolf, 1878

Dunkel sind nun alle Gassen,
Und die Stadt ist öd' und leer;
Denn mein' Lieb' hat mich verlassen.
Meine Sonne scheint nicht mehr.
 
Büsch' und Wälder, Flüß; und Hügel
Liegen zwischen ihr und mir:
Liebe, Liebe, gib mir Flügel,
Daß ich fliegen kann zu ihr!
 
Liebe, laß ihr Bild erscheinen!
O so blick' ich sie doch an,
Daß, wenn meine Augen weinen,
Sich mein Herz erfreuen kann.

28. "Nachruf"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, 1880
 
See also:
 
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 20 no. 14 (1905-14)

Du liebe, treue Laute,
Wie manche Sommernacht,
Bis daß der Morgen graute,
Hab' ich mit dir durchwacht!
 
Die Täler, wieder nachten,
Schon sinkt das Abendrot,
Doch die sonst mit uns wachten,
Die liegen lange tot.
 
Was wollen wir nun singen
Hier in der Einsamkeit,
Wenn alle von uns gingen,
Die unser Lied erfreut'?
 
Wir wollen dennoch singen!
So still ist's auf der Welt;
Wer weiß, die Lieder dringen
Vielleicht zum Sternezelt.
 
Wer weiß, die da gestorben,
Sie hören droben mich
Und öffnen leis' die Pforten
Und nehmen uns zu sich.

29. "Komm, Trost der Welt, du stille Nacht"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, "Resignation" (1881)
 
See also:
 
Joseph Dessauer (1798-1876), "Der Einsiedler"
Karl Martin Reinthaler (1822-1896), "Der Einsiedler"
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "Der Einsiedler", op. 83 no. 3, 1850
Othmar Schoeck (1886-1957), "Der Einsame", op. 36 (1922), from Elegie, no. 24
Felix Wolfes (1892-1971), "Der Einsiedler" (1953)

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
 
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
 
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd' gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bin daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

30. "Rückkehr"
 
 
Text by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, "Resignation", 1883

Mit meinem Saitenspiele,
Das schön gekklungen hat,
Komm' ich durch Länder viele
Zurück in diese Stadt.
 
Ich ziehe durch die Gassen,
So finster ist die Nacht
Und alles so verlassen,
Hatt' 's anders mir gedacht.
 
Am Brunnen steh' ich lange,
Der rauscht fort, wie vorher,
Kommt mancher wohl gegangen,
Es kennt mich keiner mehr.
 
Da hört ich geigen, pfeifen,
Die Fenster glänzten weit,
Dazwischen drehn und schleifen
Viel' fremde, fröhliche Leut'.
 
Und Herz und Sinn mir brannten,
Mich trieb's in die weite Welt,
Es spielten die Musikanten,
Da fiel ich hin im Feld.

31. "Scheideblick"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hugo Wolf, "Resignation", 1876
 
See also:
 
Josephine Lang (1815-1880), op. 10 no. 5 (1839?)

Als ein unergründlich Wonnemeer
Strahlte mir dein seelenvoller Blick!
Scheiden mußt' ich ohne Wiederkehr,
Und ich habe scheidend all' mein Glück
Still versenkt in dieses tiefe Meer!

32. "Sehnsucht"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Hugo Wolf, op. 3 no. 2 (1875)
 
See also:
 
Ludwig van Beethoven (1770-1827), op. 83 no. 2 (1810)
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), 1839
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), published 1805
Franz Schubert (1797-1828), D. 123 (1814), published 1842

Was zieht mir das Herz so?
Was zieht mich hinaus?
Und windet und schraubt mich
Aus Zimmer und Haus?
Wie dort sich die Wolken
Am Felsen verziehn!
Da möcht ich hinüber,
Da möcht ich wohl hin!
 
Nun wiegt sich der Raben
Geselliger Flug;
Ich mische mich drunter
Und folge dem Zug.
Und Berg und Gemäuer
Umfittigen wir;
Sie weilet da drunten,
Ich spähe nach ihr.
 
Da kommt sie und wandelt;
Ich eile sobald,
Ein singender Vogel,
Im buschigen Wald.
Sie weilet und horchet
Und lächelt mit sich:
"Er singet so lieblich
Und singt es an mich."
 
Die scheidende Sonne
Vergüldet die Höh'n;
Die sinnende Schöne,
Sie läßt es geschehn.
Sie wandelt am Bache
Die Wiesen entlang,
Und finster und finstrer
Umschlingt sich der Gang;
 
Auf einmal erschein ich,
Ein blinkender Stern.
"Was glänzet da droben,
So nah und so fern?"
Und hast du mit Staunen
Das Leuchten erblickt,
Ich lieg dir zu Füßen,
Da bin ich beglückt!

33. "Sie haben heut' abend Gesellschaft"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, 1878
 
See also:
  
Hans Erich Pfitzner
(1869-1949), op. 4 no. 2 (1888-9)

Sie haben heut' abend Gesellschaft
Und das Haus ist lichterfüllt.
Dort oben am hohen Fenster
Bewegt sich ein Schattenbild.
 
Du siehst mich nicht, im Dunkeln
Steh' ich hier unten allein,
Noch weniger kannst du schauen
In mein dunkles Herz hinein.
 
Mein dunkles Herze liebt dich,
Es liebt dich und es bricht,
Es brich und zuckt und verblutet,
Du aber siehst es nicht.

34. "Singt mein Schatz wie ein Fink"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Hugo Wolf, "Singt mein Schatz wie ein Fink"
 
See also:
  
Johannes Brahms
(1833-1897), "Salome", op. 69 no. 8
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), "Singt mein Schatz wie ein Fink", op. 33 (1923), from Alte
Weise, no. 5
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), "Singt mein Schatz wie ein Fink", op.16 no. 4

Singt mein Schatz wie ein Fink,
Sing ich Nachtigallensang;
Ist mein Liebster ein Luchs,
O so bin ich eine Schlang!
 
O ihr Jungfraun im Land,
[Vom Gebirg] und über See,
Überlaßt mir den Schönsten,
Sonst tut ihr mir weh!
 
Er soll sich unterwerfen
Zum Ruhm uns und Preis!
Und er soll sich nicht rühren,
Nicht laut und nicht leis!
 
O ihr teuren Gespielen,
Überlaßt mir den stolzen Mann!
Er soll sehn, wie die Liebe
Ein feurig Schwert werden kann!

35. "So wahr die Sonne scheinet"
 
 
Text by Friedrich Rückert (1788-1866)
Music by Hugo Wolf, "So wahr die Sonne scheinet" (1878)
 
See also:
 
Wilhelm Kienzl (1857-1941), "Aus dem I. Strauss: Erwacht.", op. 11 no. 1 (187-?), from Liebesfrühling
Johanna Mockel Kinkel (Johanna Mathieux, 1810-1858), "So wahr die Sonne scheinet", op. 10 no. 3
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "So wahr die Sonne scheinet", op. 37 no. 12 (1840)

So wahr die Sonne scheinet,
So wahr die Wolke weinet,
So wahr die Flamme sprüht,
So wahr der Frühling blüht;
So wahr hab' ich empfunden,
Wie ich dich halt' umwunden:
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.
 
Die Sonne mag verscheinen,
Die Wolke nicht mehr weinen,
Die Flamme mag versprühn,
Der Frühling nicht mehr blühn!
Wir wollen uns umwinden
Und immer so empfinden;
Du liebst mich, wie ich dich,
Dich lieb' ich, wie du mich.

36. "Sonne der Schlummerlosen"
 
 
Text by Anonymous, after George Gordon Noel Byron, Lord Byron (1788-1824)
Music by Hugo Wolf, 1896
 
See also:
 
Johann Karl Gottfried Loewe
(1796-1869), "Die Sonne der Schlaflosen", op. 13 no. 6 (with another translation)
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), "Schlafloser Augen Leuchte" (with another translation)
Robert Alexander Schumann (1810-1856), "An den Mond", op. 95 no. 2 (with another translation)

Sonne der Schlummerlosen, bleicher Stern!
Wie Tränen zittern, schimmerst du von fern;
Du zeigst die Nacht, doch scheuchst sie nicht zurück,
Wie ähnlich bist du dem entschwundnen Glück,
Dem Licht vergangner Tage, das fortan nur leuchten,
Aber nimmer wärmen kann!
Die Trauer wacht, wie es durchs Dunkel wallt,
Deutlich doch fern, hell, aber o wie kalt!

37. "Ständchen"
 
 
Text by Theodor Körner (1791-1813)
Music by Hugo Wolf, 1877

Alles wiegt die stille Nacht
Tief in süßen Schlummer;
Nur der Liebe Sehnsucht' wacht
Und der Liebe Kummer.
Mich umschleichen bandenfrei
Nächtliche Gespenster;
Doch ich harre still und treu
Unter deinem Fenster.
 
Holdes Mädchen, hörst du mich?
Willst du länger säumen?
Oder wiegt der Schlummer dich
Schon in süßen Träumen?
Nein, du bist gewiß noch wach;
Hinter Fensters Gittern
Seh' ich ja im Schlafgemach
Noch das Lämpchen zittern.
 
Ach, so blicke, süßes Kind,
Aus dem Fenster nieder,
Leise wie der Abendwind
Flüstern meine Lieder;
Doch verständlich sollen sie
Meine Sehnsucht klagen
Und mit sanfter Harmonie
Dir: "Ich liebe" sagen.
 
Was die treue Liebe spricht,
Wird die Liebe hören.
Aber länger darf ich nicht
Deine Ruhe stören.
Schlummre, bis der Tag erwacht,
In dem warmen Stübchen;
Drum, feins Liebchen, gute Nacht,
Gute Nacht, feins Liebchen!

38. "Sterne mit den gold'nen Füßchen"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, 1880
 
See also:
 
Robert Franz (1815-1892), op. 30 no. 1, published 1870?
Franz (Friedrich) von Holstein (1826-1878), op. 37 no. 3 (1877)

Sterne mit den gold'nen Füßchen,
wandeln droben bang und sacht,
daß sie nicht die Erde wecken
die da schläft im Schoos der Nacht.
 
Horchend steh'n die stummen Wälder,
jedes Blatt ein grünes Ohr!
Und der Berg wie träumend streckt er
seinen Schattearm hervor.
 
Doch was rief es? In mein Herze
dringt der Töne Weiderhall.
War es der Geliebten Stimme,
oder war's die Nachtigall?

39. "Stille Sicherheit"
 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hugo Wolf, 1876
 
See also:
 
Robert Franz (1815-1892), op. 10 no. 2
Othmar Schoeck (1886-1957), op. 36 (1923), from Elegie, no. 3

Horch, wie still es wird im dunklen Hain,
Mädchen, wir sind sicher und allein.
Still versäuselt hier am Wiesenhang
Schon der Abendglocken müder Klang.
 
Auf den Blumen, die sich dir verneigt,
Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt.
Sagen darf ich dir, wir sind allein,
Daß mein Herz ist ewig, ewig dein.
 
 
40. "Traurige Wege"

 
 
Text by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hugo Wolf, 1878
 
See also:
 
Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847)
Léandre Schlegel (1844-1913), op. 20 no. 9 (1900), from Deutsche Liebeslieder

Bin mit dir im Wald gegangen;
Ach! wie war der Wald so froh!
Alles grün, die Vögel sangen,
Und das scheue Wild entfloh.
 
Wo die Liebe frei und offen
Rings von allen Zweigen schallt,
Ging die Liebe ohne Hoffen
Traurig durch den grünen Wald.
 
Bin mit dir am Fluß gefahren;
Ach! wie war die Nacht so mild!
Auf der Flut, der sanften, klaren,
Wiegte sich des Mondes Bild.
 
Lustig scherzten die Gesellen;
Unsre Liebe schwieg und sann,
Wie mit jedem Schlag der Wellen
Zeit und Glück vorüberrann.
 
Graue Wolken niederhingen,
Durch die Kreuze strich der West,
Als wir einst am Kirchhof gingen;
Ach! wie schliefen sie so fest!
 
An den Kreuzen, an den Steinen
Fand die Liebe keinen Halt;
Sahen uns die Toten weinen,
Als wir dort vorbeigewallt?

41. "Tretet ein, hoher Krieger"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Hugo Wolf, 1890
 
See also:
 
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), op. 33 (1923), from Alte Weise, no. 7

Tretet ein, hoher Krieger,
Der sein Herz mir ergab!
Legt den purpurnen Mantel
Und die Goldsporen ab!
 
Spannt das Roß in den Pflug,
Meinem Vater zum Gruß!
Die Schabrack mit dem Wappen
Gibt nen Teppich meinem Fuß!
 
Euer Schwertgriff muß lassen
Für mich Gold und Stein,
Und die blitzende Klinge
Wird ein Schüreisen sein.
 
Und die schneeweiße Feder
Auf dem blutroten Hut
Ist zu 'nem kühlenden Wedel
In der Sommerzeit gut.
 
Und der Marschalk muß lernen,
Wie man Weizenbrot backt,
Wie man Wurst und Gefüllsel
Um die Weihnachtszeit hackt!
 
Nun befehlt eure Seele
Dem heiligen Christ!
Euer Leib ist verkauft,
Wo kein Erlösen mehr ist!
 

42. "Über Nacht"
 
 
Text by Julius Karl Reinhold Sturm (1816-1896)
Music by Hugo Wolf

Über Nacht, über Nacht
Kommt still das Leid,
Und bist du erwacht,
O traurige Zeit,
Du grüßest den dämmernden Morgen
Mit Weinen und mit Sorgen.
 
Über Nacht, über Nacht
Kommt still das Glück,
Und bist du erwacht,
O selig Glück,
Der düstre Traum ist zerronnen,
Und Freude ist gewonnen.
 
Über Nacht, über Nacht
Kommt Freud' und Leid,
Und eh du's gedacht,
Verlassen dich beid'
Und gehen dem Herrn zu sagen,
Wie du sie getragen.

43. "Wandl ich in dem Morgentau"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Hugo Wolf, 1890
 
See also:
 
Hans Erich Pfitzner (1869-1949), op. 33 (1923), from Alte Weise, no. 4
Hans Sommer (Hans Friedrich August Zincke) (1837-1922), op. 16 no. 2

Wandl ich in dem Morgentau
Durch die dufterfüllte Au,
Muß ich schämen mich so sehr
Vor den Blümlein ringsumher!
 
Täublein auf dem Kirchendach,
Fischlein in dem Mühlenbach
Und das Schlänglein still im Kraut,
Alles fühlt und nennt sich Braut.
 
Apfelblüt im lichten Schein
Dünkt sich stolz ein Mütterlein;
Freudig stirbt so früh im Jahr
Schon das Papillonenpaar.
 
Gott, was hab ich denn getan,
Daß ich ohne Lenzgespan,
Ohne einen süßen Kuß
Ungeliebet sterben muß?

44. "Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern"
 
 
Text by Gottfried Keller (1819-1890)
Music by Hugo Wolf, 1890
 
See also:
 
Hans Erich Pfitzner
(1869-1949), op. 33 (1923), from Alte Weise, no. 8
Felix Weingartner (1863-1942), op. 22 no. 5, published 1896

Wie glänzt der helle Mond so kalt und fern,
Doch ferner schimmert meiner Schönheit Stern!
 
Wohl rauschet weit von mir des Meeres Strand,
Doch weiterhin liegt meiner Jugend Land!
 
Ohn Rad und Deichsel gibt's ein Wägelein,
Drin fahr ich bald zum Paradies hinein.
 
Dort sitzt die Mutter Gottes auf dem Thron,
Auf ihren Knien schläft ihr selger Sohn.
 
Dort sitzt Gott Vater, der den Heilgen Geist
Aus seiner Hand mit Himmelskörnern speist.
 
In einem Silberschleier sitz ich dann
Und schaue meine weißen Finger an.
 
Sankt Petrus aber gönnt sich keine Ruh,
Hockt vor der Tür und flickt die alten Schuh.

45. "Wo ich bin, mich rings umdunkelt"
 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, "Wo ich bin, mich rings umdunkelt" (1878)
 
See also:
 
Adolph Martin Foerster (1854-1927), "Wo ich bin", op. 69 no. 8 (1909)
Charles Tomlinson Griffes (1884-1920), "Wo ich bin, mich rings umdunkelt", A18 (1903-11?)
Richard Strauss (1864-1949), "Der Einsame", op. 51 no. 2 (1906)

Wo ich bin, mich rings umdunkelt
Finsterniß so dumpf und dicht,
Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt,
Liebste, Deiner Augen Licht.
 
Wie erloschen ist der süßen
Liebessterne goldne Pracht.
Abgrund gähnt zu meinen Füßen.
Nimm mich auf, uralte Nacht.

46. "Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo"
 
 
Texts by Walter Heinrich Robert-Tornow (1852-1895), after Michelangelo Buonarroti (1475-1564)
 
Music by Hugo Wolf, 1897
 
 
a) Wohl denk ich oft an mein vergangnes Leben
b) Alles endet, was entstehet
c) Fühlt meine Seele das ersehnte Licht

a) Wohl denk ich oft an mein vergangnes Leben
 
 
Wohl denk ich oft an mein vergangnes Leben,
Wie es vor meiner Liebe für dich war;
Kein Mensch hat damals Acht auf mich gegeben,
Ein jeder Tag verloren für mich war;
Ich dachte wohl, ganz dem Gesang zu leben,
Auch mich zu flüchten aus der Menschen Schar.
Genannt in Lob und Tadel bin ich heute,
Und, daß ich da bin, wissen alle Leute!
 
 
 
b) Alles endet, was entstehet

 
 
Alles endet, was entstehet.
Alles, alles rings vergehet,
Denn die Zeit flieht, und die Sonne
Sieht, daß alles rings vergehet,
Denken, Reden, Schmerz, und Wonne;
Und die wir zu Enkeln hatten
Schwanden wie bei Tag die Schatten,
Wie ein Dunst im Windeshauch.
Menschen waren wir ja auch,
Froh und traurig, so wie ihr,
Und nun sind wir leblos hier,
Sind nur Ende, wie ihr sehet.
Alles ended, was entstehet.
Alles, alles rings vergehet.
 
 

c) Fühlt meine Seele das ersehnte Licht

 
 
Fühlt meine Seele das ersehnte Licht
Von Gott, der sie erschuf? Ist es der Strahl
Von andrer Schönheit aus dem Jammertal,
Der in mein Herz Erinnrung weckend bricht?
Ist es ein Klang, ein Traumgesicht,
Das Aug und Herz mir füllt mit einem Mal
In unbegreiflich glüh'nder Qual,
Die mich zu Tränen bringt? Ich weiß es nicht.
Was ich ersehne, fühle, was mich lenkt,
Ist nicht in mir: sag mir, wie ich's erwerbe?
Mir zeigt es wohl nur eines Andren Huld;
Darein bin ich, seit ich dich sah, versenkt.
Mich treibt ein Ja und Nein, ein Süß und Herbe -
Daran sind, Herrin, deine Augen Schuld.

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