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Hugo Wolf

(1860 - 1903)

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The Lieder of Hugo Wolf

 

Lieder – complete index:

Lieder  No:   1- 46 | 47 - 49 | 50 - 52 | 53 - 56

47. "Eichendorff-Lieder"

a) Der Freund
b) Der Musikant
c) Verschwiegene Liebe
d) Das Ständchen
e) Der Soldat
f) Der Soldat
g) Die Zigeunerin
h) Nachtzauber
i) Der Schreckenberger
j) Der Glücksritter
k) Lieber alles
l) Heimweh
m) Der Scholar
n) Der verzweifelte Liebhaber
o) Unfall
p) Liebesglück
q) Seemanns Abschied
r) Erwartung
s) Die Nacht
t) Waldmädchen

48. "Goethe-Lieder"

a) Harfenspieler I
b) Harfenspieler II
c) Harfenspieler III
d) Spottlied aus "Wilhelm Meister"
e) Mignon I
f) Mignon II
g) Mignon III
h) Philine
i) Mignon: Kennst du das Land?
j) Der Sänger
k) Der Rattenfänger
l) Ritter Kurts Brautfahrt
m) Gutmann und Gutweib
n) Cophtisches Lied I
o) Cophtisches Lied II
p) Frech und froh I
q) Frech und froh II
r) Beherzigung
s) Epiphanias
t) St. Nepomuks Vorabend
u) Genialisch Treiben
v) Der Schäfer
w) Der neue Amadis
x) Blumengruß
y) Gleich und gleich
z) Die Spröde
aa) Die Bekehrte
bb) Frühling übers Jahr
cc) Anakreons Grab
dd) Dank des Paria
ee) Königlich Gebet
ff) Phänomen
gg) Erschaffen und Beleben
hh) Ob der Koran von Ewigkeit sei
ii) Trunken müssen wir alle sein
jj) So lang man nüchtern ist
kk) Sie haben wegen der Trunkenheit
ll) Was in der Schenke waren heute
mm) Nicht Gelegenheit macht Diebe
nn) Hoch beglückt in deiner Liebe
oo) Als ich auf dem Euphrat schiffte
pp) Dies zu deuten bin erbötig
qq) Hätt ich irgend wohl Bedenken
rr) Komm, Liebchen, komm
ss) Wie sollt ich heiter bleiben
tt) Wenn ich dein gedenke
uu) Locken, haltet mich gefangen
vv) Nimmer will ich dich verlieren
ww) Prometheus
xx) Ganymed
yy) Grenzen der Menschheit

49. "Sieben Heine-Lieder"

a) Mädchen mit dem roten Mündchen
b) Du bist wie eine Blume
c) Wo wird einst des Wandermüden
d) Wenn ich in deine Augen seh'
e) Spätherbstnebel
f) Mit schwarzen Segeln
g) Wie des Mondes Abbild zittert
 
 

 


47. "Eichendorff-Lieder"

 
 
Texts by Josef Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857)
Music by Hugo Wolf, 1886-88

 
a) Der Freund
b) Der Musikant
c) Verschwiegene Liebe
d) Das Ständchen
e) Der Soldat
f) Der Soldat
g) Die Zigeunerin
h) Nachtzauber
i) Der Schreckenberger
j) Der Glücksritter
k) Lieber alles
l) Heimweh
m) Der Scholar
n) Der verzweifelte Liebhaber
o) Unfall
p) Liebesglück
q) Seemanns Abschied
r) Erwartung
s) Die Nacht
t) Waldmädchen
 

 
a) Der Freund

 
Wer auf dem Wogen schliefe,
ein sanft gewiegtes Kind,
kennt nicht des Lebens Tiefe,
vor süßem Träumen blind.
 
Doch wen die Stürme fassen
zu wildem Tanz und Fest,
wen hoch auf dunklen Straßen
die falsche Welt verläßt:
 
Der lernt sich wacker rühren,
durch Nacht und Klippen hin -
lernt der das Steuer führen
mit sichrem, ernstem Sinn.
 
Der ist von echtem Kerne,
erprobt zu Lust und Pein,
der glaubt an Gott und Sterne,
der soll mein Schiffmann sein!
 
 


 
b) Der Musikant

 
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Wandern lieb ich für mein Leben,
Lebe eben, wie ich kann,
Wollt ich mir auch Mühe geben,
Paßt es mir doch gar nicht an.
 
Schöne alte Lieder weiß ich;
In der Kälte, ohne Schuh,
Draußen in die Saiten reiß ich,
Weiß nicht, wo ich abends ruh!
 
Manche Schöne macht wohl Augen,
Meinet, ich gefiel ihr sehr,
Wenn ich nur was wollte taugen,
So ein armer Lump nicht wär.
 
Mag dir Gott ein'n Mann bescheren,
Wohl mit Haus und Hof versehn!
Wenn wir zwei zusammen wären,
Möcht mein Singen mir vergehn.
 
 


 
c) Verschwiegene Liebe

 
 
Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.
 
Errät es nur eine,
Wer an sie gedacht
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken, die fliegen -
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
 
 
 


d) Das Ständchen

 
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Auf die Dächer zwischen blassen
Wolken schaut der Mond herfür,
Ein Student dort auf den Gassen
Singt vor seiner Liebsten Tür.
 
Und die Brunnen rauschen wieder
Durch die stille Einsamkeit,
Und der Wald vom Berge nieder,
Wie in alter, schöner Zeit.
 
So in meinen jungen Tagen
Hab ich manche Sommernacht
Auch die Laute hier geschlagen
Und manch lust'ges Lied erdacht.
 
Aber von der stillen Schwelle
Trugen sie mein Lieb zur Ruh,
Und du, fröhlicher Geselle,
Singe, sing nur immer zu!
 
 
 


e) Der Soldat

 
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Ist auch schmuck nicht mein Rößlein,
so ist's doch recht klug,
trägt im Finstern zu 'nem Schlößlein
mich rasch noch genug.
 
Ist das Schloß auch nicht prächtig,
zum Garten aus der Tür
tritt ein Mädchen doch allmächtig
dort freundlich herfür.
 
Und ist auch die Kleine
nicht die Schönst' auf der Welt,
so giebt's doch just Keine,
die mir beßer gefällt.
 
Und spricht sie vom Freien,
so schwing' ich mich auf mein Roß
ich bleibe im Freien,
und sie auf dem Schloß.
 
 
 


f) Der Soldat

 
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Wagen mußt du und flüchtig erbeuten,
hinter uns schon durch die Nacht hör' ich's schreiten,
schwing' auf mein Roß dich nur schnell
und küß' noch im Flug mich wild
schönes Kind, geschwind,
denn der Tod ist ein rascher Gesell.
 
 
 


g) Die Zigeunerin

 
 
 
Am Kreuzweg da lausche ich, wenn die Stern'
und die Feuer im Walde verglommen,
und wo der erste Hund bellt von fern,
da wird mein Bräut'gam herkommen.
La, la, la, la.
 
"Und als der Tag graut', durch das Gehölz
sah ich eine Katze sich schlingen,
ich schoß ihr auf den nußbraunen Pelz,
wie tat die weit überspringen!
Ha, ha, ha, ha, ha!"
 
Schad' nur ums Pelzlein, du kriegst mich nit!
mein Schatz muß sein wie die andern:
braun und ein Stutz bart auf ung'rischen Schnitt
und ein fröhliches Herze zum Wandern.
La, la, la, la.
 
 
 


h) Nachtzauber

 
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Hörst du nicht die Quellen gehen
zwischen Stein und Blumen weit
nach den stillen Waldesseen,
wo die Marmorbilder stehen
in der schönen Einsamkeit?
 
Von den Bergen sacht hernieder,
wekkend die uralten Lieder,
steigt die wunderbare Nacht,
und die Gründe glänzen wieder,
wie du's oft im Traum gedacht.
 
Kennst die Blume du, entsprossen
in dem mondbeglänzten Grund
Aus der Knospe, halb erschlossen,
junge Glieder blühendsprossen,
weiße Arme, roter Mund,
und die Nachtigallen schlagen
und rings hebt es an zu klagen,
ach, vor Liebe todeswund,
von versunk'nen schönen Tagen -
komm, o komm zum stillen Grund!
Komm! Komm!
 
 


 
i) Der Schreckenberger

 
 
Aufs Wohlsein meiner Dame,
eine Windfahn' ist ihr Panier,
Fortuna ist ihr Name,
das Lager ihr Quartier!
 
Und wendet sie sich weiter,
ich kümmre mich nicht drum,
da draußen ohne Reiter,
da geht die Welt so dumm.
 
Statt Pulverblitz und Knattern
aus jedem wüsten Haus
Gevatern sehn und schnattern
alle Lust zum Land hinaus.
 
Fortuna weint vor Arger,
es rinnet Perl' auf Perl';
"Wo ist der Schreckenberger?
Das war ein andrer Kerl!"
 
Sie tut den Arm mir reichen,
Fama bläst das Geleit,
so zu dem Tempel steigen
wir der Unsterblichkeit.
 
 


 
j) Der Glücksritter

 
Wenn Fortuna spröde tut,
laß' ich sie in Ruh',
singe recht und trike gut,
und Fortuna kriegt auch Mut,
setzt sich mit dazu.
Doch ich geb' mir keine Müh':
"He, noch eine her!"
kehr' den Rücken gegen sie,
laß' hoch leben die und die
das verdrießt sie sehr.
Und bald rückt sie sacht zu
mir: "Hast du deren mehr?"
"Wie Sie seh'n, drei Kannen schier,
und das lauter Klebebier!
's wird mir gar nicht schwer."
Drauf sie zu mir lächelt fein:
"Bist ein ganzer Kerl!"
ruft den Kellner, schreit nach Wein,
trinkt mir zu und schenkt mir ein,
echte Blum' und Perl'.
Sie bezahlet Wein und Bier,
und ich, wieder gut,
führe sie am Arm mit mir
aus dem Haus wie'n Kavalier,
alles zieht den Hut.
 
 


 
k) Lieber alles

 
 
Soldat sein ist gefährlich,
studieren sehr beschwerlich,
das Dichten süß und zierlich,
der Dichter gar possierlich
in diesen wilden Zeiten.
Ich möcht' am liebsten reiten,
ein gutes Schwert zur Seiten,
die Laute in der Rechten,
Studentenherz zum Fechten.
Ein wildes Roß ist's Leben,
die Hufe Funken geben,
wer's ehrlich wagt, bezwingt es,
und wo es tritt, da klingt es!
 
 
 


l) Heimweh

 
 
Wer in die Fremde will wandern,
der muß mit der Liebsten gehn,
es jubeln und lassen die andern
dem Fremden alleine stehn.
 
Was wisset ihr, dunkle Wipfel,
von der alten, schönen Zeit?
ach, die Heimat hinter den Gipfeln,
wie liegt sie von hier so weit?
 
Am liebsten betracht' ich die Sterne,
die schienen, wie ich ging zu ihr,
die Nachtigall hör' ich so gerne,
sie sang vor der Liebsten Tür.
 
Der Morgen, das ist meine Freude!
Da steig' ich in stiller Stund'
auf den höchsten Berg in die Weite,
grüß dich, Deutschland, aus Herzensgrund!
 
 
 


m) Der Scholar

 
 
Bei dem angenehmsten Wetter
singen alle Vogelein,
klatscht der Regen auf die Blätter,
sing ich so für mich allein.
 
Denn mein Aug' kann nichts entdecken,
wenn der Blitz auch grausam glüht,
was im Wandern könnt' erschrecken
ein zufriedenes Gemüt.
 
Frei vom Mammon will ich schreiten
auf dem Feld der Wissenschaft,
sinne ernst und nehm' zu Zeiten
einen Mund voll Rebensaft.
 
Bin ich müde vom Studieren,
wann der Mond tritt sanft herfür,
pfleg' ich dann zu musizieren
vor der Allerschönsten Tür.
 
 


n) Der verzweifelte Liebhaber

 
 
Studieren will nichts bringen,
mein Rock hält keinen Stich,
meine Zither will nicht klingen,
mein Schatz, der mag mich nicht.
 
Ich wollt', im Grün spazierte
die allerschönste Frau,
ich wär' ein Drach' und führte
sie mit mir fort durchs Blau.
 
Ich wollt', ich jagt' gerüstet
und legt' die Lanze aus,
und jagte alle Philister
zur schönen Welt hinaus.
 
Ich wollt', ich läg' jetzt under
im Himmel still und weit
und fragt' nach all' dem Plunder
nichts vor Zufriedenheit.
 
 
 


o) Unfall

 
 
Ich ging bei Nacht einst über Land,
ein Bürschlein traf ich draußen,
das hat 'nen Stutzen in der Hand
und zielt auf mich voll Grausen.
 
Ich renne, da ich mich erbos',
auf ihn in vollem Rasen,
da drückt das kecke Bürschlein los
und ich stürzt' auf die Nasen.
 
Er aber lacht mir ins Gesicht,
daß er mich angeschossen,
Cupido war der kleine Wicht
das hat mich sehr verdrossen.
 
 
 


p) Liebesglück

 
 
Ich hab' ein Liebchen liebrecht von Herzen,
hellfrische Augen hat's wie zwei Kerzen,
und wo sie spielend streifen das Feld,
ach wie so lustig glänzet die Welt!
 
Wie in der Waldnacht zwischen den Schlüften
plötzlich die Täler sonnig sich klüften,
funkeln die Ströme, rauscht himmelwärts
blühende Wildnis - so ist mein Herz!
 
Wie vom Gebirge ins Meer zu schauen,
wie wann der Seefalk, hangend im Blauen,
zuruft der dämmernden Erd' wo sie blieb,
so unermesslich ist rechte Lieb'!
 
 


 
q) Seemanns Abschied

 
 
Ade, mein Schatz, du mocht'st mich nicht,
ich war dir zu geringe.
Einst wandelst du bei Mondenlicht
und hörst ein süßes Klingen:
Ein Meerweib singt, die Nacht ist lau,
die stillen Wolken wandern,
da denk' an mich, 's ist meine Frau,
nun such' dir einen Andern!
 
Ade, ihr Landsknecht', Musketier'!
wir zieh'n auf wildem Roße,
das bäumt und überschlägt sich schier
vor manchem Felsenschloße.
Der Wassermann bei Blitzesschein
taucht auf in dunklen Nächten,
der Haifisch schnappt, die Möven schrei'n,
das ist ein lustig Fechten!
 
Streckt nur auf eurer Bärenhaut
daheim die faulen Glieder,
Gott Vater aus dem Fenster schaut,
schickt seine Sündfluth wie der!
Feldwebel, Reiter, Musketier,
sie müssen all' ersaufen,
derweil mit frischem Winde wir
im Paradies einlaufen.
 
 
 


r) Erwartung

 
 
Grüß euch aus Herzensgrund:
zwei Augen hell und rein,
zwei Röslein auf dem Mund,
Kleid blank aus Sonnenschein!
 
Nachtigall klagt und weint,
wollüstig rauscht der Hain,
alles die Liebste meint:
wo weilt sie so allein?
 
Weil's draußen finster war,
sah ich viel hellern Schein,
jetzt ist es licht und klar,
ich muß im Dunkeln sein.
 
Sonne nicht steigen mag,
sieht so verschlafen drein,
wünshcet den ganzen Tag,
daß wieder Nacht möcht' sein.
 
Liebe geht durch die Luft,
holt fern die Liebste ein;
fort über Berg und Kluft!
und sie wird doch noch mein!
 
 


 
s) Die Nacht

 
Text also set by other composers.
 
 
Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
kommen so verworren her
in dem linden Wellenschlagen.
 
Wünsche wie die Wolken sind,
schiffen durch die stillen Räume,
wer erkennt im lauen Wind,
ob's Gedanken oder Träume?
 
Schließ' ich nun auch Herz und Mund,
die so gern den Sternen klagen,
leise doch im Herzensgrund
bleibt das linde Wellenschlagen.
 
 


 
t) Waldmädchen

 
Text also set by other composers.
 
 
Bin ein Feuer hell, das lodert
von dem grünen Felsenkranz,
Seewind ist mein Buhl' und fordert
mich zum lust'gen Wirbeltanz,
 
kommt und wechselt unbeständig,
steigend wild,
neigend mild,
meine schlanken Lohen wend' ich:
komm nicht nah' mir, ich verbrenn' dich!
 
Wo die wilden Bäche rauschen
und die hohen Palmen stehn,
wenn die Jäger heimlich lauschen,
viele Rehe einsam gehn.
 
Bin ein Reh, flieg' durch die Trümmer,
über die Höh', wo im Schnee
still die letzten Gipfel schimmern,
folg' mir nicht, erjagst mich nimmer!
 
Bin ein Vöglein in den Lüften,
schwing' mich übers blaue Meer,
durch die Wolken von den Klüften
fliegt kein Pfeil mehr bis hieher.
 
Und die Au'n, die Felsenbogen,
Waldeseinsamkeit weit,
wie weit, sind versunken in die Wogen,
ach, ich habe mich verflogen!
 
 
 


 
48. "Goethe-Lieder"

 
Texts by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), from Wilhelm Meister
Music by Hugo Wolf
 
 
 
a) Harfenspieler I
b) Harfenspieler II
c) Harfenspieler III
d) Spottlied aus "Wilhelm Meister"
e) Mignon I
f) Mignon II
g) Mignon III
h) Philine
i) Mignon: Kennst du das Land?
j) Der Sänger
k) Der Rattenfänger
l) Ritter Kurts Brautfahrt
m) Gutmann und Gutweib
n) Cophtisches Lied I
o) Cophtisches Lied II
p) Frech und froh I
q) Frech und froh II
r) Beherzigung
s) Epiphanias
t) St. Nepomuks Vorabend
u) Genialisch Treiben
v) Der Schäfer
w) Der neue Amadis
x) Blumengruß
y) Gleich und gleich
z) Die Spröde
aa) Die Bekehrte
bb) Frühling übers Jahr
cc) Anakreons Grab
dd) Dank des Paria
ee) Königlich Gebet
ff) Phänomen
gg) Erschaffen und Beleben
hh) Ob der Koran von Ewigkeit sei
ii) Trunken müssen wir alle sein
jj) So lang man nüchtern ist
kk) Sie haben wegen der Trunkenheit
ll) Was in der Schenke waren heute
mm) Nicht Gelegenheit macht Diebe
nn) Hoch beglückt in deiner Liebe
oo) Als ich auf dem Euphrat schiffte
pp) Dies zu deuten bin erbötig
qq) Hätt ich irgend wohl Bedenken
rr) Komm, Liebchen, komm
ss) Wie sollt ich heiter bleiben
tt) Wenn ich dein gedenke
uu) Locken, haltet mich gefangen
vv) Nimmer will ich dich verlieren
ww) Prometheus
xx) Ganymed
yy) Grenzen der Menschheit
 
 

 
 
a) Harfenspieler I

 
Text also set by other composers.
 
 
Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.
Ja! Laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.
 
Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach, werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!
 

 
 
b) Harfenspieler II

 
Text also set by other composers.
 
 
An die Türen will ich schleichen,
Still und sittsam will ich stehn,
Fromme Hand wird Nahrung reichen,
Und ich werde weitergehn.
Jeder wird sich glücklich scheinen,
Wenn mein Bild vor ihm erscheint,
Eine Träne wird er weinen,
Und ich weiß nicht, was er weint.
 
 
 


c) Harfenspieler III

 
Text also set by other composers.
 
 
Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
 
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn jede Schuld rächt sich auf Erden.
 
 


 
d) Spottlied aus "Wilhelm Meister"

 
Ich armer Teufel, Herr Baron,
beneide Sie um Ihren Stand,
um Ihren Platz so nah dem Thron
und um manch schön Stück Akkerland,
um Ihres Vaters festes Schloß,
um seine Wildbahn und Geschoß.
 
Mich armen Teufel, Herr Baron,
beneiden Sie, so wie es scheint,
weil die Natur vom Knaben schon
mit mir es mütterlich gemeint.
Ich ward, mit leichtem Mut und Kopf,
zwar arm, doch nicht ein armer Tropf.
 
Nun dächt ich, lieber Herr Baron,
wir ließen's bleiben wie wir sind:
Sie blieben des Herrn Vaters Sohn,
und ich blieb meiner Mutter Kind.
Wir leben ohne Neid un Haß,
begehren nicht des andern Titel,
Sie keinen Platz auf dem Parnaß,
und keinen ich in dem Kapitel.
 
 


 
e) Mignon I

 
Text also set by other composers.
 
 
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen,
Denn mein Geheimnis ist mir Pflicht,
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
 
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muß sich erhellen,
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
 
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen,
Allein ein Schwur drückt mir die Lippen zu,
Und nur ein Gott vermag sie aufzuschließen.
 
 
 


 
f) Mignon II

 
Text also set by other composers.
 
 
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich [am] Firmament
Nach jener Seite.
 
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß, was ich leide!
 
 
 


g) Mignon III

 
Text also set by other composers.
 
 
So laßt mich scheinen, bis ich werde,
Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!
Ich eile von des schönen Erde
Hinab in jenes dunkle Haus.
 
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich laße dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
 
Und jene himmlischen Gestalten
Sie fragen nicht nach Mann und Weib,
Und keine Kleider, keine Falten
Umgeben den verkläretn Leib.
 
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,
Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.
Vor Kummer altert' ich zu frühe;
Macht mich auf ewig wieder jung!
 
 
 


h) Philine

 
Text also set by other composers.
 
 
Singet nicht in Trauertönen
Von der Einsamkeit der Nacht.
Nein, sie ist, o holde Schönen,
Zur Geselligkeit gemacht.
 
[Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die schönste Hälfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben
Und die schönste Hälfte zwar.]
 
Könnt ihr euch des Tages freuen,
Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er nicht.
 
Aber wenn in nächt'ger Stunde
Süsser Lampe Dämmrung fließt,
Und vom Mund zum nahen Munde
Scherz und Liebe sich ergießt.
 
Wenn der rasche, lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Oft bei einer kleinen Gabe
Unter leichten Spielen weilt,
 
Wenn die Nachtigall Verliebten
Liebevoll ein Liedchen singt,
Das Gefangnen und Betrübten
Nur wie Ach und Wehe klingt,
 
Mit wie leichtem Herzensregen
Horchet ihr der Glocke nicht,
Die mit zwölf bedächtgen Schlägen
Ruh und Sicherheit verspricht.
 
Darum an dem langen Tage,
Merke dir es, liebe Brust;
Jeder Tag hat seine Plage,
Und die Nacht hat ihre Lust.
 
 
 


 
i) Mignon: Kennst du das Land?

 
Text also set by other composers.
 
 
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
 
Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach.
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.
 
Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut!
Kennst du ihn wohl?
Dahin! dahin
Geht unser Weg! O Vater, laß uns ziehn!
 
 
 


 
j) Der Sänger

 
Text also set by other composers.
 
 
"Was hör' ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Laß den Gesang vor unserm Ohr
Im Saale widerhallen!
Der König sprach's, der Page lief,
Der Page kam, der König rief:
Laßt mir herein den Alten!"
 
"Gegrüßet seid mir, edle Herrn,
Gegrüßt ihr schönen Damen!
Welch' reicher Himmel! Stern bei Stern!
Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
Schließt, Augen, euch, hier ist nicht Zeit,
Sich staunend zu ergötzen."
 
Der Sänger drückt' die Augen ein
Und schlug in vollen Tönen:
Die Ritter schauten mutig drein,
Und in den Schoß die Schönen.
Der König, dem [das Lied] gefiel,
Ließ, ihn zu [lohnen] für sein Spiel
Eine goldne Kette holen.
 
"Die goldne Kette gib mir nicht,
Die Kette gib den Rittern,
Vor deren kühnem Angesicht
Der Feinde Lanzen splittern.
Gib sie dem Kanzler, den du hast,
Und laß ihn noch die goldne Last
Zu andern Lasten tragen.
 
Ich singe, wie der Vogel singt,
Der in den Zweigen wohnet;
Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet.
Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:
Laß mir den besten Becher Weins
In purem Golde reichen."
 
Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:
"O Trank voll süßer Labe!
O, wohl dem hochbeglückten Haus,
Wo das ist kleine Gabe!
Ergeht's euch wohl, so denkt an mich
Und danket Gott so warm, als ich
Für diesen Trunk euch danke."
 
 
 


k) Der Rattenfänger

 
Text also set by other composers.
 
 
Ich bin der wohlbekannte Sänger,
Der vielgereiste Rattenfänger,
Den diese altberühmte Stadt
Gewiß besonders nötig hat.
Und wärens Ratten noch so viele,
Und wären Wiesel mit im Spiele,
Von allen säubr ich diesen Ort,
Sie müssen miteinander fort.
 
Dann ist der gut gelaunte Sänger
Mitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,
Wenn er die goldnen Märchen singt.
Und wären Knaben noch so trutzig,
Und wären Mädchen noch so stutzig,
In meine Saiten greif ich ein,
Sie müssen alle hinterdrein.
 
Dann ist der vielgewandte Sänger
Gelegentlich ein Mädchenfänger;
In keinem Städtchen langt er an,
Wo ers nicht mancher angetan.
Und wären Mädchen noch so blöde,
Und wären Weiber noch so spröde,
Doch allen wird so liebebang
Bei Zaubersaiten und Gesang.
 
 


 
 
l) Ritter Kurts Brautfahrt

 
 
Mit des Bräutigams Behagen
Schwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;
Zu der Trauung soll's ihn tragen,
Auf der edlen Liebsten Schloß;
 
Als am öden Felsenorte
Drohend sich ein Gegner naht;
Ohne Zögern, ohne Worte
Schreiten sie zu rascher Tat.
 
Lange schwankt des Kampfes Welle,
Bis sich Kurt im Siege freut;
Er entfernt sich von der Stelle,
Überwinder und gebläut.
 
Aber was er bald gewahret
In des Buschens Zitterschein!
Mit dem Säugling still gepaaret
Schleicht ein Liebchen durch den Hain.
 
Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:
Lieber Herr, nicht so geschwind!
Habt ihr nicht an Euer Schätzchen,
Habt ihr nichts für Euer Kind?
 
Ihn durchglühet süße Flamme,
Daß er nicht vorbeibegehrt,
Und er findet nun die Amme,
Wie die Jungfrau, liebenswert.
 
Doch er hört die Diener blasen,
Denket nun der hohen Braut;
Und nun wird auf seinen Straßen
Jahresfest und Markt so laut,
 
Und er wählet in den Buden
Manches Pfand zu Lieb und Huld;
Aber ach! da kommen Juden
Mit dem Schein vertagter Schuld.
 
Und nun halten die Gerichte
Den behenden Ritter auf.
O verteufelte Geschichte!
Heldenhafter Lebenslauf!
 
Soll ich heute mich gedulden?
Die Verlegenheit ist groß.
Wildersacher, Weiber, Schulden,
ach! Kein Ritter wird sie los.
 
 


 
m) Gutmann und Gutweib

 
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Und morgen fällt Sankt Martins Fest,
Gutweib liebt ihren Mann;
da knetet sie ihm Puddings ein
und bäckt sie in der Pfann.
 
Im Bette liegen beide nun,
da saust ein wilder West;
und Gutmann spricht zur guten Frau:
du, riegle die Türe fest.
 
Bin kaum erholt und habl erwarmt,
wie käm ich da zu Ruh;
und klapperte sie einhundert Jahr,
ich riegelte sie nicht zu.
 
Drauf eine Wette schlossen
sie ganz leise sich ins Ohr;
So wer das erste Wörtlein spräch,
der schöbe den Riegel vor.
 
Zwei Wanderer kommen um Mitternacht
und wissen nicht, wo sie stehn,
die Lampe losch, der Herd verglomm,
zu hören ist nichts, zu sehn.
 
Was ist das für ein Hexenort?
da bricht uns die Geduld!
Doch hörten sie kein Sterbenswort,
des war die Türe schuld.
 
Den weißen Pudding speisten sie,
den schwarzen ganz vertraut.
Und Gutweib sagt sich selberviel,
doch keine Silbe laut.
 
Zu diesem sprach der jene dann:
wie trokken ist mir der Hals!
Der Schrank, der klafft, und geistig riechts's,
da findet sich's allenfalls.
 
Ein Fläschen Schnaps ergreif ich da,
das trifft sich doch geschickt!
Ich bring es dir, du bringst es mir,
und bald sind wir erquickt.
 
Doch Gutmann sprang so heftig auf
unf fuhr sie drohend an:
bezahlen soll mit teurem Geld,
wer mir den Schnaps vertain!
 
Und Gutweib sprang auch froh heran,
drei Sprünge, als wär sie reich:
Du, Gutmann, sprachst das erste Wort,
nun riegle die Türe gleich!
 
 
 


n) Cophtisches Lied I

 
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Laßet Gelehrte sich zanken und streiten,
streng und bedächtig die Lehrer auch sein!
Alle die Weisesten aller der Zeiten
lächeln und winken und stimmen mit ein:
Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!
 
Merlin der Alte, im leuchtenden Grabe,
wo ich als Jüngling gesprochen ihn habe,
hat mich mit ähnlicher Antwort belehrt:
Töricht, auf Beßrung der Tonen zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!
 
Und auf den Höhen der indischen Lüfte
und in den Tiefen ägyptischer Grüfte
hab ich das heilige Wort nur gehört:
Töricht, auf Beßrung der Toren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sichs gehört!
 
 


 
o) Cophtisches Lied II

 
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Geh! Gehorche meinen Winken,
nutze deine jungen Tage,
lerne zeitig klüger sein;
auf des Glückes großer Wage
steht die Zunge selten ein;
Du mußt steigen oder sinken,
du mußt herrschen und gewinnen,
oder dienen und verlieren,
leiden oder triumphieren,
Ambos oder Hammer sein.
 
 


 
p) Frech und froh I

 
Mit Mädchen sich vertragen,
mit Männern rumgeschlagen,
und mehr Kredit als Geld:
so kommtt man durch die Welt.
 
Mit vielem läßt sich schmausen,
mit wenig läßt sich hausen;
daß wenig vieles sei,
schafft nur die Lust herbei.
 
Will sie sich nicht bequemen,
so müßt ihrs eben nehmen.
Will einer nicht vom Ort,
so jagt ihn grade fort.
 
Laßt alle nur mißgönnen,
was sie nicht nehmen können,
und seid von Herzen froh;
das ist das A und O.
 
So fahret fort zu dichten,
euch nach der Welt zu richten.
Bedenkt in Wohl und Weh
dies goldne A B C.
 
 


 
q) Frech und froh II

 
Liebesqual verschmäht mein Herz,
sanften Jammer, süßen Schmerz;
nur vom Tüchtgen will ich wissen,
heißem Äuglen, derben Küssen.
 
Sei ein armer Hund erfrischt
von der Lust, mit Pein gemischt!
Mädchen, gib der frischen Brust
nichts von Pein, und alle Lust.
 
 


 
r) Beherzigung

 
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Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
 
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.
 
Eines schickt sich nicht für alle;
Sehe jeder, wie er's treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wer steht, daß er nicht falle!
 
 


 
s) Epiphanias

 
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Die heiligen drei König mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken und bezahlen nicht gern.
Die heiligen drei König sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier:
Und wenn zu dreien der vierte wär,
So wär ein heilger Drei König mehr.
 
Ich erster bin der weiß und auch der schön,
Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfrein.
Ich aber bin der braun und bin der lang,
Bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
Da werd ich überall willkommen sein.
 
Ich endlich bin der schwarz und bin der klein,
Und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedanke mich gern.
Die heiligen drei König sind wohlgesinnt,
Sie suchen die Mutter und das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
er Ochs und Esel liegen auf der Streu.
 
Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.
Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
Aber keine Ochsen und Esel schaun,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und ziehen unseres Wegen weiter fort.
 
 


 
t) St. Nepomuks Vorabend

 
 
Lichtlein schwimmen auf dem Strome,
Kinder singen auf der Brücken
Glokke, Glöckchen fügt vom Dome
Sich der Andacht, dem Entzücken.
 
Lichtlein schwinden, Sterne schwinden;
Also löste sich die Seele
Unsres Heilgen; Nicht verkünden
Durft er anvertraute Fehle.
Lichtlein, schwimmet! Spielt, ihr Kinder!
Kinderchor, o singe, singe!
Und verkündiget! Nicht minder,
Was den Stern zu Sternen bringe!
 
 


 
u) Genialisch Treiben

 
So wälz ich ohne Unterlaß,
Wie Sankt Diogenes, mein Faß.
Bald ist es Ernst, bald ist es Spaß;
Bald ist es Lieb, bald ist es Haß;
Bald ist es dies, bald ist es das;
Es ist ein Nichts, und ist ein Was.
So wälz ich ohne Unterlaß,
Wie Sankt Diogenes, mein Faß.
 
 


 
v) Der Schäfer

 
Text also set by other composers.
 
 
Es war ein fauler Schäfer,
Ein rechter Siebenschläfer,
Ihn kümmerte kein Schaf.
Ein Mädchen konnt ihn fassen,
Da war der Tropf verlassen,
Appetit und Schlaf!
 
Es trieb ihn in die Ferne,
Des nachts zählt er die Sterne,
Er klagt und härmt sich brav.
Nun da sie ihn genommen,
Ist alles wieder kommen,
Durst, Appetit und Schlaf.
 
 
 


w) Der neue Amadis

 
Text also set by other composers.
 
 
Als ich noch ein Knabe war,
Sperrte man mich ein;
Und so saß ich manches Jahr
Über mir allein,
Wie im Mutterleib.
Doch du warst mein Zeitvertreib,
Goldne Phantasie,
Und ich war ein warmer Held,
Wie der Prinz Pipi,
Und durchzog die Welt.
 
Baute manch kristallen Schloß
Und zerstört es auch,
Warf mein blinkendes Geschoß
Drachen durch den Bauch,
Ja, ich war ein Mann!
Ritterlich befreit ich dann
Die Prinzessin Fisch;
Sie war gar zu obligeant,
Führte mich zu Tisch,
Und ich war galant.
 
Und ihr Kuß war [Götterbrot],
Glühend wie der Wein.
Ach! Ich liebte fast mich tot!
Rings mit Sonnenschein
War sie emailliert.
Ach! wer hat sie mir entführt?
Hielt kein Zauberband
Sie zurück vom schnellen Fliehn?
Sagt, wo ist ihr Land?
Wo der Weg dahin?
 
 
 


 
x) Blumengruß

 
Text also set by other composers.
 
 
Der Strauß, den ich [gepflückt],
Grüße dich viel tausendmal!
Ich [habe] mich oft gebücket,
Ach, wohl eintausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal!
 
 


 
y) Gleich und gleich

 
Text also set by other composers.
 
 
Ein Blumenglöckchen vom Boden hervor
War früh gesprosset in lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen und naschte fein:
Die müssen wohl beide für einander sein.
 
 
 


z) Die Spröde

 
Text also set by other composers.
 
 
An dem reinsten Frühlingsmorgen
Ging die Schäferin und sang,
Jung und schön und ohne Sorgen,
Daß es durch die Felder klang,
So lala! Lerallala!
 
Thyrsis bot ihr für ein Mäulchen
Zwei, drei Schäfchen gleich am Ort,
Schalkhaft blickte sie ein Weilchen;
Doch sie sang und lachte fort:
So lala! Lerallala!
 
Und ein Andrer bot ihr Bänder,
Und der Dritte bot sein Herz;
Doch sie trieb mit Herz und Bändern
So wie mit den Lämmern Scherz,
Nur lala! Lrallala!
 
 
 


aa) Die Bekehrte

 
Text also set by other composers.
 
 
Bei dem Glanz der Abendröte
Ging ich still den Wald entlang,
Damon saß und blies die Flöte,
Daß es von den Felsen klang,
So la la! . . .
 
Und er zog mich an sich nieder,
Küßte mich so hold und süß.
Und ich sagte: Blase wieder!
Und der gute Junge blies,
So la la! . . .
 
Meine Ruhe ist nun verloren,
Meine Freude floh davon,
Und ich höre vor meinen Ohren
Immer nur den alten Ton,
So la la, le ralla! . . .
 
 
 


bb) Frühling übers Jahr

 
Text also set by other composers.
 
 
Das Beet, schon lokkert sichs in die Höh!
Da wanken Glöckchen so weiß wie Schnee;
Safran entfalltet gewaltge Glut,
Smaragden keimt es und keimt wie Blut;
 
Primeln stolzieren so naseweis,
Schalkhafte Veilchen, versteckt mit Fleiß;
Was such noch alles da regt und webt,
Genug, der Frühling, er wirkt und lebt.
 
Doch was im Garten am reichsten blüht,
Das ist des Liebchens lieblich Gemüt.
Da glühen Blicke mir immerfort,
Erregend Liedchen, erheiternd Wort.
 
Ein immer offen, ein Blütenherz,
Im Ernste freundlich und rein im Scherz.
Wenn Ros und Lilie der Sommer bringt,
Er doch vergebens mit Liebchen ringt.
 
 
 


cc) Anakreons Grab

 
Text also set by other composers.
 
 
Wo die Rose hier blüht, wo Reben um Lorbeer sich schlingen,
Wo das Turtelchen lockt, wo sich das Grillchen ergötzt,
Welch ein Grab ist hier, das alle Götter mit Leben
Schön bepflanzt und geziert? Es ist Anakreons Ruh.
Frühling, Sommer, und Herbst genoß der glückliche Dichter;
Vor dem Winter hat ihn endlich der Hügel geschützt.
 
 


 
dd) Dank des Paria

 
Text also set by other composers.
 
 
Großer Brahma! Nun erkenn ich,
Daß du Schöpfer bist der Welten!
Dich als meinen Herrscher nenn ich;
Denn du läßest alle gelten.
 
Und verschließest auch dem letzten
Keines von den tausend Ohren;
Uns, die tief herab gesetzten,
Alle hast du neu geboren.
 
Wendet euch zu dieser Frauen,
Die der Schmerz zur Göttin wandelt!
Nun beharr ich anzuschauen
Den, der einzig wirkt und handelt.
 
 
 


ee) Königlich Gebet

 
Text also set by other composers.
 
 
Ha, ich bin der Herr der Welt!
Mich lieben die Edlen, die mir dienen.
Ha, ich bin der Herr der Welt!
Ich liebe die Edlen, denen ich gebiete.
O gib mir, Gott im Himmel!
Daß ich mich der Höh und Liebe
Nicht überhebe.
 
 


 
ff) Phänomen

 
Text also set by other composers.
 
 
Wenn zu der Regenwand
Phöbus sich gattet,
Gleich steht ein Bogenrand
Farbig beschattet.
 
Im Nebel gleichen Kreis
Seh ich gezogen;
Zwar ist der Bogen weiß,
Doch Himmelsbogen.
 
So sollst du, muntrer Greis,
Dich nicht betrüben:
Sind gleich die Haare weiß,
Doch wirst du lieben.
 
 
 


gg) Erschaffen und Beleben

 
Text also set by other composers.
 
 
 
Hans Adam war ein Erdenkloß
Den Gott zum Menschen machte,
Doch bracht er aus der Mutter Schoß
Noch vieles Ungeschlachte.
 
Die Elohim zur Nas hinein
Den besten Geist ihm bliesen,
Nun schien er schon was mehr zu sein,
Denn er fing an zu niesen.
 
Doch mit Gebien und Glied und Kopf
Blieb er ein halber Klumpen,
Bis endlich Noah für den Tropf
Das Wahre fand, den Humpen.
 
Der Klumpe fühlt sogleich den Schwung,
Sobald er sich benetzet,
So wie der Teig durch Säuerung
Sich in Bewegung setzet.
 
So, Hafis, mag dein holder Sang,
Dein heiliges Exempel
Uns führen, bei der Gläser Klang,
Zu unsres Schöpfers Tempel.
 
 


 
hh) Ob der Koran von Ewigkeit sei

 
Ob der Koran von Ewigkeit sei?
Darnach frag ich nicht!
Ob der Koran geschaffen sei?
Das weiß ich nicht!
 
Daß er das Buch der Bücher sei,
Glaub ich aus Mosleminenpflicht.
Daß aber der Wein von Ewigkeit sei,
Daran zweifl' ich nicht;
 
Oder daß er vor den Engeln geschaffen sei,
Ist vielleicht auch kein Gedicht.
Der Trinkende, wie es auch immer sei,
Blickt Gott frischer ins Angesicht.
 
 


 
ii) Trunken müssen wir alle sein

 
Trunken müssen wir alle sein!
Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;
Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,
So ist es wundervolle Tugend.
 
Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.
Da wird nicht mehr nachgefragt!
Wein ist ernstlich untersagt.
 
Soll denn doch getrunken sein,
Trinke nur vom besten Wein!
Doppelt wärest du ein Ketzer
In Verdammnis um den Krätzer.
 
Trunken müssen wir alle sein,
Trunken! Trunken!
 
 
 


jj) So lang man nüchtern ist

 
So lang man nüchtern ist, gefällt das Schlechte;
Wie man getrunken hat, weiß man das Rechte;
Nur ist das Übermaß auch gleich zuhanden:
Hafis, o lehre mich, wie du's verstanden.
 
Denn meine Meinung ist nicht übertrieben:
Wenn man nicht trinken kann, soll man nicht lieben;
Doch sollt ihr Trinker euch nicht besser dünken:
Wenn man nicht lieben kann, soll man nicht trinken.
 
 


 
kk) Sie haben wegen der Trunkenheit

 
 
Sie haben wegen der Trunkenheit vielfältig uns verklagt,
Und haben vom unsrer Trunkenheit lange nicht genug gesagt.
Gewöhnlich der Betrunkenheit erliegt man, bis es tagt;
Doch hat mich meine Betrunkenheit in der Nacht umher gejagt.
Es ist die Liebestrunkenheit, die mich erbärmlich plagt,
 
Von Tag zu Nacht, von Nacht zu Tag in meinem Herzen zagt.
Dem Herzen, das in Trunkenheit der Lieder schwillt und ragt,
Daß keine nüchterne Trunkenheit sich gleich zu heben wagt.
Lieb'-, Lied- und Weines-Trunkenheit, ob's nachtet oder tagt,
Die göttlichste Betrunkenheit, die mich entzückt und plagt.
 
 
 


ll) Was in der Schenke waren heute

 
 
Was in der Schenke waren heute
Am frühsten Morgen für Tumulte!
Der Wirt und Mädchen! Fakkeln, Leute!
Was gab's für Händel,für Insulte!
 
Die Flöte klang, die Trommel scholl!
Das war ein wüstes Wesen;
Doch bin ich, Lust und Liebevoll,
Auch selbst dabei gewesen.
 
Daß ich von Sitte nichts gelernt,
Darüber tadelt mich ein jeder;
Doch bleib ich weislich weit entfernt
Vom Streit der Schulen und Katheder.
 
 


 
mm) Nicht Gelegenheit macht Diebe

 
 
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe,
Die mir noch im Herzen blieb.
 
Dir hat sie ihn übergeben,
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.
 
Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks,
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.
 
 


 
nn) Hoch beglückt in deiner Liebe

 
 
Hoch beglückt in deiner Liebe
Schelt ich nicht Gelegenheit,
Ward sie gleich an dir zum Diebe,
Wie mich solch ein Raub erfreud!
 
Und wozu denn auch berauben?
Gib dich mir aus freier Wahl;
Gar zu gerne möcht ich glauben:
Ja, ich bin's, die dich bestahl.
 
Was so willig du gegeben,
Bringt dir herrlichen Gewinn;
Meine Ruh, mein reiches Leben
Geb ich freudig, nimm es hin!
 
Scherze nicht! Nichts von Verarmen!
Macht uns nicht die Liebe reich?
Halt ich dich in meinen Armen,
Jedem Glück ist meines gleich.
 
 


 
oo) Als ich auf dem Euphrat schiffte

 
 
Als ich auf dem Euphrat schiffte,
Streifte sich der goldne Ringfinger ab,
In Wasserklüfte,
Den ich jüngst von dir empfing.
Also träumt ich.
Morgenröte blitzt' ins Auge durch den Baum,
Sag Poete, sag Prophete!
Was bedeutet dieser Traum?
 
 


 
pp) Dies zu deuten bin erbötig

 
 
Dies zu deuten bin erbötig!
Hab ich dir nicht oft erzählt,
Wie der Doge von Venedig
Mit dem Meere sich vermählt?
 
So von deinen Fingergliedern
Fiel der Ring dem Euphrat zu.
Ach, zu tausend Blumelsliedern,
Süßer Traum, begeisterst du!
 
Mich, der von des Indostanen
Streifte bis Damaskus hin,
Um mit neuen Karawanen
Bis ans rote Meer zu ziehn,
 
Mich vermählst du deinem Fluße,
Der Terrasse diesem Hain:
Hier soll bis zum letzten Kuße
Dir mein Geist gewidmet sein.
 
 
 


qq) Hätt ich irgend wohl Bedenken

 
 
Hätt ich irgend wohl Bedenken,
Balch, Bokhara, Samarkand,
Süßes Liebchen, dir zu schenken
Dieser Städte Rausch und Tand?
 
Aber frag einmal den Kaiser,
Ob er dir die Städte gibt?
Er ist herrlicher und weiser;
Doch er weiß nicht, wie man liebt.
 
Herrscher, zu dergleichen Gaben
Nimmermehr bestimmst du dich!
Solch ein Mädchen muß man haben
Und ein Bettler sein wie ich.
 
 
 


rr) Komm, Liebchen, komm

 
 
Komm, Liebchen, komm! Umwinde mir die Mütze!
Aus deiner Hand nur ist der Dulbend schön.
Hat Abbas doch, auf Irans höchstem Sitze,
Sein Haupt nicht zierlicher umwinden sehn!
 
Ein Dulbend war das Band, das Alexandern
In Schleifen schön vom Haupte fiel,
Und allen Folgeherrschern, jenen andern,
Als Königzierde wohlgefiel.
 
Dulbend ist's, der unsern Kaiser schmükket,
Sie nennen's Krone. Name geht wohl hin!
Juwel und Perle! Sei das Aug entzükket:
Der schönste Schmuck ist stets der Muselin.
 
Und diesen hier, ganz rein und silberstreifig,
Umwinde, Liebchen, um die Stirn umher.
Was ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig!
Du schaust mich an, ich bin so groß als Er.
 
 
 


ss) Wie sollt ich heiter bleiben

 
 
Wie sollt ich heiter bleiben,
Entfernt von Tag und Licht?
Nun aber will ich schreiben,
Unt trinken mag ich nicht.
 
Wenn sie mich an sich lockte,
War Rede nicht im Brauch,
Und wie die Zunge stockte
So stockt die Feder auch.
 
Nur zu! Geliebter Schenke,
Den Becher fülle still!
Ich sage nur: Gedenke!
Schon weiß man, was ich will.
 
 
 


tt) Wenn ich dein gedenke

 
Wenn ich dein gedenke,
Fragt mich gleich der Schenke:
Herr, warum so still?
Da von deinen Lehren
immer weiter hören
Saki gerne will.
 
Wenn ich mich vergesse
Unter der Zypresse,
Hält er nichts davon;
Und im stillen Kreise
Bin ich doch so weise,
Klug wie Salomon.
 
 
 


uu) Locken, haltet mich gefangen

 
 
Lokken, haltet mich gefangen
In dem Kreise des Gesichts!
Euch geliebten braunen Schlangen
Zu erwidern hab ich nichts.
 
Nur dies Herz, es ist von Dauer,
Schwillt in jugendlichstem Flor;
Unter Schnee und Nebelschauer
Rast ein Ätna dir hervor.
 
Du beschämst wie Morgenröte
Jener Gipfel ernste Wand,
Und noch einmal fühlet Hatem
Frühlingshauch und Sommerbrand.
 
Schenke her! Noch eine Flasche!
Diesen Becher bring ich Ihr!
Findet sie ein Häufchen Asche,
Sagt sie: Der verbrannte mir.
 
 
 


vv) Nimmer will ich dich verlieren

 
Nimmer will ich dich verlieren!
Liebe gibt der Liebe Kraft.
Magst du meine Jugend zieren
Mit gewaltiger Leidenschaft.
 
Ach! Wie schmeichelt's meineem Triebe,
Wenn man meinen Dichter preist!
Denn das Leben ist die Liebe,
Und des Lebens Leben Geist.
 
 


 
ww) Prometheus

 
Text also set by other composers.
 
 
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöh'n;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meines Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
 
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn', als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
 
Da ich ein Kind war
Nicht wußte, wo aus noch ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär'
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
 
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
 
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
 
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blütenträume reiften?
 
Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde.
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu geniessen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!
 

 
 
xx) Ganymed

 
Text also set by other composers.
 
 
Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herze drängt
Deiner ewigen Wärme
Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!
Daß ich dich fassen möcht'
In diesen Arm!
 
Ach, an deinem Busen
Lieg ich und schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Drängen sich an mein Herz.
Du kühlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend mach mir aus dem Nebeltal.
 
Ich komm', ich komme!
Ach wohin, wohin?
 
Hinauf strabt's hinauf!
Es schweben die Wolken
Abwärts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In eurem Schosse
Aufwärts!
Umfangend umfangen!
Aufwärts an deinen Busen,
Alliebender Vater!
 
 


 
yy) Grenzen der Menschheit

 
Text also set by other composers.
 
 
Wenn der uralte
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät,
Küß' ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Tief in der Brust.
 
Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.
 
Steht er mit festen
Markigen Knochen
Dauerndem Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rabe
Sich zu vergleichen.
 
Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Daß viele Wellen
Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.
 
Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sich dauernd
An ihres Daseins
Unendliche Kette.
 
 
 


 
49. "Sieben Heine-Lieder"

 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf
 

a) Mädchen mit dem roten Mündchen
b) Du bist wie eine Blume
c) Wo wird einst des Wandermüden
d) Wenn ich in deine Augen seh'
e) Spätherbstnebel
f) Mit schwarzen Segeln
g) Wie des Mondes Abbild zittert

 

 
a) Mädchen mit dem roten Mündchen

 
Text also set by other composers.
 
 
Mädchen mit dem roten Mündchen,
mit den Äuglein süß und klar.
Du mein liebes, kleines Mädchen,
deiner denk' ich immerdar.
 
Lang ist heut der Winterabend,
und ich möchte bei dir sein,
bei dir sitzen, mit dir schwatzen,
im vertrauten Kämmerlein.
 
An die Lippen wollt' ich pressen
deine kleine weiße Hand,
und mit Tränen sie benetzen,
deine kleine weiße Hand.
 
 
 


b) Du bist wie eine Blume

 
Text also set by other composers.
 
 
Du bist wie eine Blume
so hold und schön und rein;
ich schau' dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.
 
Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt',
betend, daß Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.
 
 
 


c) Wo wird einst des Wandermüden

 
Text also set by other composers.
 
 
Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?
 
Werd' ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh' ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?
 
Immerhin mich wird umgeben
Gottes Himmel dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.
 
 


 
d) Wenn ich in deine Augen seh'

 
Text also set by other composers.
 
 
Wenn ich in deine Augen seh',
So schwindet all' mein Leid und Weh;
Doch wenn ich küße deinen Mund,
So werd' ich ganz und gar gesund.
 
Wenn ich mich lehn' an deine Brust,
Kommt's über mich wie Himmelslust;
Doch wenn du sprichst: ich liebe dich!
So muß ich weinen bitterlich.
 
 


 
e) Spätherbstnebel

 
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Spätherbstnebel, kalte Träume,
überfloren Berg und Tal,
Sturm entblättert schon die Bäume,
und sie schaun gespenstig kahl.
 
Nur ein einz'ger, traurig schweigsam
einz'ger Baum steht unentlaubt,
feucht von Wehmutstränen gleichsam,
schüttelt er sein grünes Haupt.
 
Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
und der Baum, den ich dort schau'
sommergrün, das ist dein Bildnis,
vielgeliebte schöne Frau.
 
 
 


f) Mit schwarzen Segeln

 
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Mit schwarzen Segeln segelt mein Schiff
wohl über das wilde Meer;
du weißt, wie sehr ich traurig bin,
und kränkst mich noch so schwer.
 
Dein Herz ist treulos wie der Wind
und flattert hin und her;
mit schwarzen Segeln segelt mein Schiff
wohl über das wilde Meer.
 
 
 


g) Wie des Mondes Abbild zittert

 
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Wie des Mondes Abbild zittert
in den wilden Meereswogen,
und er selber still und sicher
wandelt an dem Himmelsbogen:
 
Also wandelst du, Geliebte,
still und sicher, und es zittert
nur dein Abbild mir im Herzen,
weil mein eignes Herz erschüttert.
 
 
 


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