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Hugo Wolf

(1860 - 1903)

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The Lieder of Hugo Wolf

 

Lieder – complete index:

Lieder  No:   1- 46 | 47 - 49 | 50 - 52 | 53 - 56

50. "Italienisches Liederbuch"

a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r,
s, t, u, v, w, z, aa, bb, cc, dd, ee, ff, gg, hh, ii,
jj, kk, ll, mm, nn, oo, pp, qq, rr, ss, tt

51. "Vier Lenau-Lieder"

a) Frage nicht
b) Herbst
c) Abendbilder
d) Herbstentschluß

52. "Mörike-Lieder"

a) Der Genesene an die Hoffnung
b) Der Knabe und das Immlein
c) Ein Stündlein wohl vor Tag
d) Jägerlied
e) Der Tambour
f) Er ist's!
g) Das verlassene Mägdlein
h) Begegnung
i) Nimmersatte Liebe
j) Fußreise
k) An eine Äolsharfe
l) Verborgenheit
m) Im Frühling
n) Agnes
o) Auf einer Wanderung
p) Elfenlied
q) Der Gärtner
r) Citronenfalter im April
s) Um Mitternacht
t) Auf eine Christblume I
u) Auf eine Christblume II
v) Seufzer
w) Auf ein altes Bild
x) In der Frühe
y) Schlafendes Jesuskind
z) Charwoche
aa) Zum neuen Jahr
bb) Gebet
cc) An den Schlaf
dd) Neue Liebe
ee) Wo find' ich Trost
ff) An die Geliebte
gg) Peregrina I
hh) Peregrina II
ii) Frage und Antwort
jj) Lebe wohl
kk) Heimweh
ll) Lied vom Winde
mm) Denk' es, o Seele!
nn) Der Jäger
oo) Rat einer Alten
pp) Erstes Liebeslied eines Mädchens
qq) Lied eines Verliebten
rr) Der Feuerreiter
ss) Nixe Binsefuß
tt) Gesang Weyla's
uu) Die Geister am Mummelsee
vv) Storchenbotschaft
ww) Zur Warnung
xx) Auftrag
yy) Bei einer Trauung
zz) Selbstgeständniss
aaa) Abschied
 

 


50. "Italienisches Liederbuch"

 
 
Anonymous Italian poems translated by Paul Heyse (1830-1914)
Music by Hugo Wolf, composed 1890-6
 
 

a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r,
s, t, u, v, w, z, aa, bb, cc, dd, ee, ff, gg, hh, ii,
jj, kk, ll, mm, nn, oo, pp, qq, rr, ss, tt


  
a)

 
Auch kleine Dinge können uns entzücken,
Auch kleine Dinge können teuer sein.
Bedenkt, wie gern wir uns mit Perlen schmücken;
Sie werden schwer bezahlt und sind nur klein.
Bedenkt, wie klein ist die Olivenfrucht,
Und wird um ihre Güte doch gesucht.
Denkt an die Rose nur, wie klein sie ist,
Und duftet doch so lieblich, wie ihr wißt.
 
 

 
b)

 
Mir ward gesagt, du reisest in die Ferne.
Ach, wohin gehst du, mein geliebtes Leben?
Den Tag, an dem du scheidest, wüßt' ich gerne;
Mit Tränen will ich das Geleit dir geben.
Mit Tränen will ich deinen Weg befeuchten -
Gedenk an mich, und Hoffnung wird mir leuchten!
Mit Tränen bin ich bei dir allerwärts -
Gedenk an mich, vergiß es nicht, mein Herz!
 
 

 
c)

 
Ihr seid die Allerschönste weit und breit,
Viel schöner als im Mai der Blumenflor.
Orvietos Dom steigt so voll Herrlichkeit,
Viterbos größter Brunnen nicht empor.
So hoher Reiz und Zauber ist dein eigen,
Der Dom von Siena muß sich vor dir neigen.
Ach, du bist so an Reiz und Anmut reich,
Der Dom von Siena selbst ist dir nicht gleich.
 
 

 
d)

 
Gesegnet sei, durch den die Welt entstund;
Wie trefflich schuf er sie nach allen Seiten!
Er schuf das Meer mit endlos tiefem Grund,
Er schuf die Schiffe, die hinübergleiten,
Er schuf das Paradies mit ew'gem Licht,
Er schuf die Schönheit und dein Angesicht.
 
 

 
e)

 
Selig ihr Blinden, die ihr nicht zu schauen
Vermögt die Reize, die uns Glut entfachen;
Selig ihr Tauben, die ihr ohne Grauen
Die Klagen der Verliebten könnt verlachen;
Selig ihr Stummen, die ihr nicht den Frauen
Könnt eure Herzensnot verständlich machen;
Selig ihr Toten, die man hat begraben!
Ihr sollt vor Liebesqualen Ruhe haben.
 
 

 
f)

 
Wer rief dich denn? Wer hat dich herbestellt?
Wer hieß dich kommen, wenn es dir zur Last?
Geh zu dem Liebchen, das dir mehr gefällt,
Geh dahin, wo du die Gedanken hast.
Geh nur, wohin dein Sinnen steht und Denken!
Daß du zu mir kommst, will ich gern dir schenken.
Geh zu dem Liebchen, das dir mehr gefällt!
Wer rief dich denn? Wer hat dich herbestellt?
 
 

 
g)

 
Der Mond hat eine schwere Klag' erhoben
Und vor dem Herrn die Sache kund gemacht;
Er wolle nicht mehr stehn am Himmel droben,
Du habest ihn um seinen Glanz gebracht.
Als er zuletzt das Sternenheer gezählt,
Da hab es an der vollen Zahl gefehlt;
Zwei von den schönsten habest du entwendet:
Die beiden Augen dort, die mich verblendet.
 
 

 
h)

 
Nun laß uns Frieden schließen, liebstes Leben,
Zu lang ist's schon, daß wir in Fehde liegen.
Wenn du nicht willst, will ich mich dir ergeben;
Wie könnten wir uns auf den Tod bekriegen?
Es schließen Frieden Könige und Fürsten,
Und sollen Liebende nicht darnach dürsten?
Es schließen Frieden Fürsten und Soldaten,
Und sollt' es zwei Verliebten wohl mißraten?
Meinst du, daß, was so großen Herrn gelingt,
Ein Paar zufriedner Herzen nicht vollbringt?
 
 

 
i)

 
Daß doch gemalt all deine Reize wären,
Und dann der Heidenfürst das Bildnis fände.
Er würde dir ein groß Geschenk verehren,
Und legte seine Kron' in deine Hände.
Zum rechten Glauben müßt' sich bekehren
Sein ganzes Reich, bis an sein fernstes Ende.
Im ganzen Land würd' es ausgeschrieben,
Christ soll ein jeder werden und dich lieben.
Ein jeder Heide flugs bekehrte sich
Und würd' ein guter Christ und liebte dich.
 
 

 
j)

 
Du denkst mit einem Fädchen mich zu fangen,
Mit einem Blick schon mich verliebt zu machen?
Ich fing schon andre, die sich höher schwangen;
Du darfst mir ja nicht trau'n, siehst du mich lachen.
Schon andre fing ich, glaub' es sicherlich.
Ich bin verliebt, doch eben nicht in dich.
 
 

 
k)

 
Wie lange schon war immer mein Verlangen:
Ach wäre doch ein Musikus mir gut!
Nun ließ der Herr mich meinen Wunsch erlangen
Und schickt mir einen, ganz wie Milch und Blut.
Da kommt er eben her mit sanfter Miene,
Und senkt den Kopf und spielt die Violine.
 
 

 
l)

 
Nein, junger Herr, so treibt man's nicht, fürwahr;
Man sorgt dafür, sich schicklich zu betragen.
Für alltags bin ich gut genug, nicht wahr?
Doch beßre suchst du dir an Feiertagen.
Nein, junger Herr, wirst du so weiter sünd'gen,
Wird dir den Dienst dein Alltagsliebchen künd'gen.
 
 

 
m)

 
Hoffärtig seid Ihr, schönes Kind, und geht
Mit Euren Freiern um auf stolzem Fuß.
Spricht man Euch an, kaum daß Ihr Rede steht,
Als kostet Euch zuviel ein holder Gruß.
Bist keines Alexanders Töchterlein,
Kein Königreich wird deine Mitgift sein,
Und willst du nicht das Gold, so nimm das Zinn;
Willst du nicht Liebe, nimm Verachtung hin.
 
 

 
n)

 
Geselle, woll'n wir uns in Kutten hüllen,
Die Welt dem lassen, den sie mag ergötzen?
Dann pochen wir an Tür um Tür im Stillen:
,,Gebt einem armen Mönch um Jesu willen."
,,O lieber Pater, du mußt später kommen,
Wenn aus dem Ofen wir das Brot genommen.
O lieber Pater, komm nur später wieder,
Ein Töchterlein von mir liegt krank danieder."
,,Und ist sie krank, so laßt mich zu ihr gehen,
Daß sie nicht etwa sterbe unversehen.
Und ist sie krank, so laß mich nach ihr schauen,
Daß sie mir ihre Beichte mag vertrauen.
Schließt Tür und Fenster, daß uns keiner störe,
Wenn ich des armen Kindes Beichte höre!"
 
 

 
o)

 
Mein Liebster ist so klein, daß ohne Bücken
Er mir das Zimmer fegt mit seinen Locken.
Als er ins Gärtlein ging, Jasmin zu pflücken,
Ist er vor einer Schnecke sehr erschrocken.
Dann setzt' er sich ins Haus um zu verschnaufen,
Da warf ihn eine Fliege übern Haufen;
Und als er hintrat an mein Fensterlein,
Stieß eine Bremse ihm den Schädel ein.
Verwünscht sei'n alle Fliegen, Schnaken, Bremsen
Und wer ein Schätzchen hat aus den Maremmen!
Verwünscht sei'n alle Fliegen, Schnaken, Mücken
Und wer sich, wenn er küßt, so tief muß bücken!
 
 

 
p)

 
Ihr jungen Leute, die ihr zieht ins Feld,
Auf meinen Liebsten sollt ihr Achtung geben.
Sorgt, daß er tapfer sich im Feuer hält;
Er war noch nie im Kriege all sein Leben.
Laßt nie ihn unter freiem Himmel schlafen;
Er ist so zart, es möchte sich bestrafen.
Laßt mir ihn ja nicht schlafen unterm Mond;
Er ginge drauf, er ist's ja nicht gewohnt.
 
 

 
q)

 
Und willst du deinen Liebsten sterben sehen,
So trage nicht dein Haar gelockt, du Holde.
Laß von den Schultern frei sie niederwehen;
Wie Fäden sehn sie aus von purem Golde.
Wie goldne Fäden, die der Wind bewegt -
Schön sind die Haare, schön ist, die sie trägt!
Goldfäden, Seidenfäden ungezählt -
Schön sind die Haare, schön ist, die sie strählt!
 
 

 
r)

 
Heb' auf dein blondes Haupt und schlafe nicht,
Und laß dich ja von Schlummer nicht betören.
Ich sage dir vier Worte von Gewicht,
Von denen darfst du keines überhören.
Das erste: daß um dich mein Herze bricht,
Das zweite: dir nur will ich angehören,
Das dritte: daß ich dir mein Heil befehle,
Das letzte: dich allein liebt meine Seele.
 
 

 
s)

 
Wir haben beide lange Zeit geschwiegen,
Auf einmal kam uns nun die Sprache wieder.
Die Engel, die herab vom Himmel fliegen,
Sie brachten nach dem Krieg den Frieden wieder.
Die Engel Gottes sind herabgeflogen,
Mit ihnen ist der Frieden eingezogen.
Die Liebesengel kamen über Nacht
Und haben Frieden meiner Brust gebracht.
 
 

 
t)

 
Mein Liebster singt am Haus im Mondenscheine,
Und ich muß lauschend hier im Bette liegen.
Weg von der Mutter wend' ich mich und weine,
Blut sind die Tränen, die mir nicht versiegen.
Den breiten Strom am Bett hab ich geweint,
Weiß nicht vor Tränen, ob der Morgen scheint.
Den breiten Strom am Bett weint' ich vor Sehnen;
Blind haben mich gemacht die blut'gen Tränen.
 
 

 
u)

 
Man sagt mir, deine Mutter woll es nicht;
So bleibe weg, mein Schatz, tu ihr den Willen.
Ach Liebster, nein! tu ihr den Willen nicht,
Besuch mich doch, tu's ihr zum Trotz, im stillen!
Nein, mein Geliebter, folg ihr nimmermehr,
Tu's ihr zum Trotz, komm öfter als bisher!
Nein, höre nicht auf sie, was sie auch sage;
Tu's ihr zum Trotz, mein Lieb, komm alle Tage!
 
 

 
v)

 
Ein Ständchen Euch zu bringen kam ich her,
Wenn es dem Herrn vom Haus nicht ungelegen.
Ihr habt ein schönes Töchterlein. Es wär
Wohl gut, sie nicht zu streng im Haus zu hegen.
Und liegt sie schon im Bett, so bitt ich sehr,
Tut es zu wissen ihr von meinetwegen,
Daß ihr Getreuer hier vorbeigekommen,
Der Tag und Nacht sie in den Sinn genommen,
Und daß am Tag, der vierundzwanzig zählt,
Sie fünfundzwanzig Stunden lang mir fehlt.
 
 

 
w)

 
Was für ein Lied soll dir gesungen werden,
Das deiner würdig sei? Wo find ich's nur?
Am liebsten grüb' ich es tief aus der Erden,
Gesungen noch von keiner Kreatur.
Ein Lied, das weder Mann noch Weib bis heute
Hört' oder sang, selbst nicht die ält'sten Leute.
 
 

 
x)

 
Ich esse nun mein Brot nicht trocken mehr,
Ein Dorn ist mir im Fuße stecken blieben.
Umsonst nach rechts und links blick' ich umher,
Und keinen find' ich, der mich möchte lieben.
Wenn's doch auch nur ein altes Männlein wäre,
Das mir erzeigt' ein wenig Lieb' und Ehre.
Ich meine nämlich, so ein wohlgestalter,
Ehrbarer Greis, etwa von meinem Alter.
Ich meine, um mich ganz zu offenbaren,
Ein altes Männlein so von vierzehn Jahren.
 
 

 
y)

 
Mein Liebster hat zu Tische mich geladen
Und hatte doch kein Haus mich zu empfangen,
Nicht Holz noch Herd zum Kochen und zum Braten,
Der Hafen auch war längst entzwei gegangen.
An einem Fäßchen Wein gebrach es auch,
Und Gläser hat er gar nicht im Gebrauch;
Der Tisch war schmal, das Tafeltuch nicht besser,
Das Brot steinhart und völlig stumpf das Messer.
 
 

 
z)

 
Ich ließ mir sagen und mir ward erzählt,
Der schöne Toni hungre sich zu Tode;
Seit ihn so überaus die Liebe quält,
Nimmt er auf einen Backzahn sieben Brote.
Nach Tisch, damit er die Verdauung stählt
Verspeist er eine Wurst und sieben Brote,
Und lindert nicht Tonina seine Pein,
Bricht nächstens Hungersnot und Teurung ein.
 
 

 


aa)

 
Schon streckt' ich aus im Bett die müden Glieder,
Da tritt dein Bildnis vor mich hin, du Traute.
Gleich spring ich auf, fahr' in die Schuhe wieder
Und wandre durch die Stadt mit meiner Laute.
Ich sing' und spiele, daß die Straße schallt;
So manche lauscht - vorüber bin ich bald.
So manches Mädchen hat mein Lied gerührt,
Indes der Wind schon Sang und Klang entführt.
 
 

 
bb)

 
Du sagst mir, daß ich keine Fürstin sei;
Auch du bist nicht auf Spaniens Thron entsprossen.
Nein, Bester, stehst du auf bei Hahnenschrei,
Fährst du aufs Feld und nicht in Staatskarossen.
Du spottest mein um meine Niedrigkeit,
Doch Armut tut dem Adel nichts zu Leid.
Du spottest, daß mir Krone fehlt und Wappen,
Und fährst doch selber nur mit Schusters Rappen.
 
 

 
cc)

 
Wohl kenn' ich Euren Stand, der nicht gering.
Ihr brauchtet nicht so tief herabzusteigen,
Zu lieben solch ein arm und niedrig Ding,
Da sich vor Euch die Allerschönsten neigen.
Die schönsten Männer leicht besiegtet Ihr,
Drum weiß ich wohl, Ihr treibt nur Spiel mit mir.
Ihr spottet mein, man hat mich warnen wollen,
Doch ach, Ihr seid so schön! Wer kann Euch grollen?
 
 

 
dd)

 
Laß sie nur gehn, die so die Stolze spielt,
Das Wunderkräutlein aus dem Blumenfeld.
Man sieht, wohin ihr blankes Auge zielt,
Da Tag um Tag ein andrer ihr gefällt.
Sie treibt es grade wie Toscanas Fluß,
Dem jedes Berggewässer folgen muß.
Sie treibt es wie der Arno, will mir scheinen:
Bald hat sie viel Bewerber, bald nicht einen.
 
 

 
ee)

 
Wie soll ich fröhlich sein und lachen gar,
Da du mir immer zürnest unverhohlen?
Du kommst nur einmal alle hundert Jahr,
Und dann, als hätte man dir's anbefohlen.
Was kommst du, wenn's die Deinen ungern sehn?
Gib frei mein Herz, dann magst du weitergehn.
Daheim mit deinen Leuten leb in Frieden,
Denn was der Himmel will, geschieht hinieden.
Halt Frieden mit den Deinigen zu Haus,
Denn was der Himmel will, das bleibt nicht aus.
 
 

 
ff)

 
Was soll der Zorn, mein Schatz, der dich erhitzt?
Ich bin mir keiner Sünde ja bewußt,
Ach, lieber nimm ein Messer wohlgespitzt
Und tritt zu mir, durchbohre mir die Brust.
Und taugt ein Messer nicht, so nimm ein Schwert,
Daß meines Blutes Quell gen Himmel fährt.
Und taugt ein Schwert nicht, nimm des Dolches Stahl
Und wasch in meinem Blut all meine Qual.
 
 

 
gg)

 
Sterb' ich, so hüllt in Blumen meine Glieder;
Ich wünsche nicht, daß ihr ein Grab mir grabt.
Genüber jenen Mauern legt mich nieder,
Wo ihr so manchmal mich gesehen habt.
Dort legt mich hin, in Regen oder Wind;
Gern sterb ich, ist's um dich, geliebtes Kind.
Dort legt mich hin in Sonnenschein und Regen;
Ich sterbe lieblich, sterb' ich deinetwegen.
 
 

 
hh)

 
Und steht Ihr früh am Morgen auf vom Bette,
Scheucht Ihr vom Himmel alle Wolken fort,
Die Sonne lockt Ihr auf die Berge dort,
Und Engelein erscheinen um die Wette
Und bringen Schuh und Kleider Euch sofort.
Dann, wenn Ihr ausgeht in die heil'ge Mette,
So zieht Ihr alle Menschen mit Euch fort,
Und wenn Ihr naht der benedeiten Stätte,
So zündet Euer Blick die Lampen an.
Weihwasser nehmt Ihr, macht des Kreuzes Zeichen
Und netzet Eure weiße Stirn sodann
Und neiget Euch und beugt die Knie ingleichen -
O wie holdselig steht Euch alles an!
Wie hold und selig hat Euch Gott begabt,
Die Ihr der Schönheit Kron empfangen habt!
Wie hold und selig wandelt Ihr im Leben;
Der Schönheit Palme ward an Euch gegeben.
 
 


 
ii)

 
Benedeit die sel'ger Mutter,
Die so lieblich dich geboren,
So an Schönheit auserkoren,
Meine Sehnsucht fliegt dir zu!
 
Du so lieblich von Gebärden,
Du die Holdeste der Erden,
Du mein Kleinod, meine Wonne,
Süße, benedeit bist du!
 
Wenn ich aus der Ferne schmachte
Und betrachte deine Schöne,
Siehe wie ich beb und stöhne,
Daß ich kaum es bergen kann!
 
Und in meiner Brust gewaltsam
Fühl ich Flammen sich empören,
Die den Frieden mir zerstören,
Ach, der Wahnsinn faßt mich an!
 
Benedeit die sel'ger Mutter,
Die so lieblich dich geboren,
So an Schönheit auserkoren,
Meine Sehnsucht fliegt dir zu!
 
 

 
jj)

 
Wenn du, mein Liebster, steigst zum Himmel auf,
Trag ich mein Herz dir in der Hand entgegen.
So liebevoll umarmst du mich darauf,
Dann woll'n wir uns dem Herrn zu Füßen legen.
Und sieht der Herrgott unsre Liebesschmerzen,
Macht er ein Herz aus zwei verliebten Herzen,
Zu einem Herzen fügt er zwei zusammen,
Im Paradies, umglänzt von Himmelsflammen.
 
 

 
kk)

 
Wie viele Zeit verlor ich, dich zu lieben!
Hätt ich doch Gott geliebt in all der Zeit.
Ein Platz im Paradies wär mir verschrieben,
Ein Heilger säße dann an meiner Seit.
Und weil ich dich geliebt, schön frisch Gesicht,
Verscherzt ich mir des Paradieses Licht,
Und weil ich dich geliebt, schön Veigelein,
Komm ich nun nicht ins Paradies hinein.
 
 

 
ll)

 
Wenn du mich mit den Augen streifst und lachst,
Sie senkst, und neigst das Kinn zum Busen dann,
Bitt' ich, daß du mir erst ein Zeichen machst,
Damit ich doch mein Herz auch bänd'gen kann,
Daß ich mein Herz mag bänd'gen, zahm und still,
Wenn es vor großer Liebe springen will,
Daß ich mein Herz mag halten in der Brust,
Wenn es ausbrechen will vor großer Lust.
 
 

 
mm)

 
Gesegnet sei das Grün und wer es trägt!
Ein grünes Kleid will ich mir machen lassen.
Ein grünes Kleid trägt auch die Frühlingsaue,
Grün kleidet sich der Liebling meiner Augen.
In Grün sich kleiden ist der Jäger Brauch,
Ein grünes Kleid trägt mein Geliebter auch;
Das Grün steht allen Dingen lieblich an,
Aus Grün wächst jede schöne Frucht heran.
 
 

 
nn)

 
O wär dein Haus durchsichtig wie ein Glas,
Mein Holder, wenn ich mich vorüberstehle!
Dann säh' ich drinnen dich ohn Unterlaß,
Wie blickt' ich dann nach dir mit ganzer Seele!
Wie viele Blicke schickte dir mein Herz,
Mehr als da Tropfen hat der Fluß im März!
Wie viele Blicke schickt' ich dir entgegen,
Mehr als da Tropfen niedersprühn im Regen!
 
 

 
oo)

 
Heut nach erhob ich mich um Mitternacht,
Da war mein Herz mir heimlich fortgeschlichen.
Ich frug: Herz, wohin stürmst du so mit Macht?
Es sprach: Nur Euch zu sehn, sei es entwichen.
Nun sieh, wie muß es um mein Lieben stehn:
Mein Herz entweicht der Brust, um dich zu sehn!
 
 

 
pp)

 
Nicht länger kann ich singen, denn der Wind
Weht stark und macht dem Atem was zu schaffen.
Auf fürcht ich, daß die Zeit umsonst verrinnt.
Ja wär ich sicher, ging ich jetzt nicht schlafen.
Ja wüßt ich was, würd ich nicht heimspazieren
Und einsam diese schöne Zeit verlieren.
 
 

 
qq)

 
Schweig einmal still, du garst'ger Schwätzer dort!
Zum Ekel ist mir dein verwünschtes Singen.
Und triebst du es bis morgen früh so fort,
Doch würde dir kein schmuckes Lied gelingen.
Schweig einmal still und lege dich aufs Ohr!
Das Ständchen eines Esels zög ich vor.
 
 

 
rr)

 
O wüßtest du, wie viel ich deinetwegen,
Du falsche Renegatin, litt zur Nacht,
Indes du im verschloßnen Haus gelegen
Und ich die Zeit im Freien zugebracht.
Als Rosenwasser diente mir der Regen,
Der Blitz hat Liebesbotschaft mir gebracht;
Ich habe Würfel mit dem Sturm gespielt,
Als unter deinem Dach ich Wache hielt.
Mein Bett war unter deinem Dach bereitet,
Der Himmel lag als Decke drauf gebreitet,
Die Schwelle deiner Tür, das war mein Kissen -
Ich Ärmster, ach, was hab ich ausstehn müssen!
 
 

 
ss)

 
Verschling der Abgrund meines Liebsten Hütte,
An ihrer Stelle schäum ein See zur Stunde.
Bleikugeln soll der Himmel drüber schütten,
Und ein Schlange hause dort im Grunde.
Drin hause eine Schlange gift'ger Art,
Die ihn vergifte, der mir untreu ward.
Drin hause ein Schlange, giftgeschwollen,
Und bring ihm Tod, der mich verraten wollen!
 
 

 
tt)

 
Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen,
In der Maremmeneb'ne einen andern,
Einen im schönen Hafen von Ancona,
Zum vierten muß ich nach Viterbo wandern;
Ein andrer wohnt in Casentino dort,
Der nächste lebt mit mir am selben Ort,
Und wieder einen hab ich in Magione,
Vier in La Fratta, zehn in Castiglione.
 

 
 


 

 
51. "Vier Lenau-Lieder"

 
 
Texts by Nikolaus Lenau (1802-1850)
Music by Hugo Wolf, 1879
 
 
a) Frage nicht
b) Herbst
c) Abendbilder
d) Herbstentschluß
 

 
a) Frage nicht

 
Text also set by other composers.
 
 
Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen?
Ich weiß es nicht und will nicht fragen:
Mein Herz behalte seine Kunde,
Wie tief es dein im Grunde.
 
O still! ich möchte sonst erschrecken,
Könnt' ich die Stelle nicht entdecken,
Die unzerstört für Gott verbliebe
Beim Tode deiner Liebe.
 
 

 


b) Herbst

 
 
Nun ist es Herbst, die Blätter fallen,
den Wald durchbraust des Scheidens Weh;
den Lenz und seine Nachtigallen
versäumt' ich auf der wüsten See.
 
Der Himmel schien so mild, so helle,
verloren ging sein warmes Licht;
es blühte nicht die Meereswelle,
die rohen Winde sangen nicht.
 
Und mir verging die Jugend traurig,
des Frühlings Wonne blieb versäumt;
der Herbst durchweht mich trennungsschaurig,
mein Herz dem Tod entgegenträumt.
 
 

 
c) Abendbilder

 
 
Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde;
sanft entschlummert Natur,
um ihre Züge schwebt der Dämmrung zarte Verhüllung,
und sie lächelt, die holde;
lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen,
der voll Liebe zu ihr sich neigt;
sein göttlich Auge weilt auf ihr,
und es weht sein Odem über ihr Antlitz.
 
Schon zerfließt das ferne Gebirg
mit Wolken in ein Meer;
den Wogen entsteigt der Mond,
er grüßt die Flur,
entgegen ihm grüßt das schönste Lied Philomelens
aus dem Blütenstrauche,
der um das Plätzchen zarter Liebe heimlichend
sich verschlinget:
 
Mirzi horcht am Busen des Jünglings ihrem Zaubergeflöte.
Dort am Hügel weiden die Schafe beider traulichen Gemenges
in einer Herde,
ihre Glöcklein stimmen so lieblich ein zu frohen Akkorden.
 
Stille wird's im Walde;
die lieben kleinen Sänger prüfen schaukelnd den Ast,
der durch die Nacht dem neuen Fluge sie trägt,
den neuen Liedern entgegen.
 
Bald versinkt die Sonne; des Waldes Riesen
heben höher sich in die Lüfte,
um noch mit des Abends flüchtigen Rosen sich ihr Haupt
zu bekränzen.
Schon verstummt die Matte; den satten Rindern
selten nur enthallt das Geglock am Halse,
und es pflückt der wählende Zahn nur lässig dunklere Gräser.
Und dort blickt der schuldlos Hirt der Sonne sinnend nach;
dem Sinnenden jetzt entfallen Flöt und Stab,
es falten die Hände sich zum stillen Gebete.
 
 


 
d) Herbstentschluß

 
Text also set by other composers.
 
 
Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl' ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft -
Ach, wie stille! wie verlassen!
 
Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!
 
Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; - alles flieht und scheidet.
 
Herz, vernimmst du diesen Klang
Von den felsentstürzten Bächen?
Zeit gewesen wär' es lang,
Daß wir ernsthaft uns besprächen!
 
Herz, du hast dir selber oft
Weh getan und hast es andern,
Weil du hast geliebt, gehofft;
Nun ist's aus, wir müssen wandern!
 
Auf die Reise will ich fest
Ein dich schliessen und verwahren,
Draußen mag ein linder West
Oder Sturm vorüberfahren;
 
Daß wir unsern letzten Gang
Schweigsam wandeln und alleine,
Daß auf unserm Grabeshang
Niemand als der Regen weine!
 

 
 

 

 
52. "Mörike-Lieder"

 
 
Texts by Eduard Mörike (1804-1875)
Music by Hugo Wolf
 
 
a) Der Genesene an die Hoffnung
b) Der Knabe und das Immlein
c) Ein Stündlein wohl vor Tag
d) Jägerlied
e) Der Tambour
f) Er ist's!
g) Das verlassene Mägdlein
h) Begegnung
i) Nimmersatte Liebe
j) Fußreise
k) An eine Äolsharfe
l) Verborgenheit
m) Im Frühling
n) Agnes
o) Auf einer Wanderung
p) Elfenlied
q) Der Gärtner
r) Citronenfalter im April
s) Um Mitternacht
t) Auf eine Christblume I
u) Auf eine Christblume II
v) Seufzer
w) Auf ein altes Bild
x) In der Frühe
y) Schlafendes Jesuskind
z) Charwoche
aa) Zum neuen Jahr
bb) Gebet
cc) An den Schlaf
dd) Neue Liebe
ee) Wo find' ich Trost
ff) An die Geliebte
gg) Peregrina I
hh) Peregrina II
ii) Frage und Antwort
jj) Lebe wohl
kk) Heimweh
ll) Lied vom Winde
mm) Denk' es, o Seele!
nn) Der Jäger
oo) Rat einer Alten
pp) Erstes Liebeslied eines Mädchens
qq) Lied eines Verliebten
rr) Der Feuerreiter
ss) Nixe Binsefuß
tt) Gesang Weyla's
uu) Die Geister am Mummelsee
vv) Storchenbotschaft
ww) Zur Warnung
xx) Auftrag
yy) Bei einer Trauung
zz) Selbstgeständniss
aaa) Abschied

 

 
a) Der Genesene an die Hoffnung

 
 
Tödtlich graute mir der Morgen:
Doch schon lag mein Haupt, wie süß!
Hoffnung, dir im Schoß verborgen,
bis der Sieg gewonnen hieß,
bis der Sieg gewonnen hieß.
 
Opfer bracht' ich allen Göttern,
Doch vergessen warest du;
Seitwärts von den ew'gen Rettern
Sahest du dem Feste zu.
 
O, vergieb, du Vielgetreue!
Tritt aus deinem Dämmerlicht,
Daß ich dir in's ewig neue,
Mondenhelle Angesicht
 
Einmal schaue, recht von Herzen,
Wie ein Kind und sonder Harm;
Ach, nur Einmal ohne Schmerzen
schließe mich in deinen Arm!
 
 

 
b) Der Knabe und das Immlein

 
Text also set by other composers.
 
 
Im Weinberg auf der Höhe ein Häuslein steht so winde bang;
hat weder Thür noch Feuster, die Weile wird ihm lang.
Und ist der Tag so schwüle, sind all' verstummt die Vögelein,
summt an der Sonnenblume ein Immlein ganz allein.
 
Lieb hat einen Garten, da steht ein hübsches Immenhaus:
kommst du daher geflogen? schickt sie dich nach mir aus?
O nein, du feiner Knabe, es hieß mich Niemand Boten gehn;
dieses Kind weiß nichts von Lieben, hat dich noch kaum gesehn.
 
Was wüßten auch die Mädchen, wenn sie kaum aus der Schule sind!
Dein herzallerliebstes Schätzchen ist noch ein Mutterkind.
Ich bring' ihm Wachs und Honig; ade! ich hab' ein ganzes Pfund;
wie wird das Schätzchen lachen, ihm wässertschon der Mund -
 
Ach, wolltest du ihr sagen, ich wüßte, was vielsüßer ist:
nichts Lieblichers auf Erden als wenn man herzt und küßt!
 
 

 


c) Ein Stündlein wohl vor Tag

 
Text also set by other composers.
 
 
Derweil ich schlafend lag,
Ein Stündlein wohl vor Tag,
Sang vor dem Fenster auf dem Baum
Ein Schwälblein mir, ich hört es kaum
Ein Stündlein wohl vor Tag.
 
"Hör an, was ich dir sag,
Dein Schätzlein ich verklag:
Derweil ich dieses singen tu
Herzt er ein Lieb in guter Ruh,
Ein Stündlein wohl vor Tag."
 
O weh! nicht weiter sag!
O still! nichts hören mag!
Flieg ab, flieg ab von meinem Baum!
Ach, Lieb und Treu ist wie ein Traum
Ein Stündlein wohl vor Tag.
 
 

 


d) Jägerlied

 
Text also set by other composers.
 
 
Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee,
wenn er wandelt auf des Berges Höh':
zierlicher schreibt Liebchens liebe Hand,
schreibt ein Brieflein mir in ferne Land'.
 
In die Lüfte hoch ein Reiher steigt,
dahin weder Pfeil noch Kugel fleugt:
Tausendmal so hoch und so geschwind
die Gedanken treuer Liebe sind.
 
 

 
e) Der Tambour
 
Text also set by other composers.
 
 
Wenn meine Mutter hexen könnt',
da müßt' sie mit dem Regiment,
nach Frankreich, überall mit hin,
und wär' die Marketen derin.
 
Im Lager wohl um Mitternacht,
wenn Niemand auf ist als die Wacht,
und Alles schnarchet, Roß und Mann,
vor meiner Trommel säß' ich dann:
 
Die Trommel müßt' eine Schüßel sein;
ein warmes Sauerkraut darein;
die Schlegel, Messer und Gabel,
eine lange Wurst mein Sabel,
 
Mein Tschako wär' ein Humpen gut,
den füll' ich mit Burgunderblut.
Und weil es mir an Lichte fehlt,
da scheint der Mond in mein Gezelt:
 
Scheint er auch auf Franzö'sch herein,
mir fällt doch meine Liebste ein:
ach weh! ach weh! ach weh! weh!
jetzt hat der Spaß ein End'!
 
Wenn nur meine Mutter hexen könnt'!
Wenn meine Mutter hexen könnt'!
 
 

 
f) Er ist's!

 
Text also set by other composers.
 
 
Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
 
 

 
g) Das verlassene Mägdlein

 
Text also set by other composers.
 
 
Früh, wann die Hähne krähn,
Eh die Sternlein schwinden,
Muß ich am Herde stehn,
Muß Feuer zünden.
 
Schön ist der Flamme Schein,
Es springen die Funken.
Ich schaue so darein,
in Leid versunken.
 
Plötzlich, da kommt es mir,
Treuloser Knabe,
Daß ich die Nacht von dir
Geträumet habe.
 
Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran -
O ging er wieder!
 
 

 
h) Begegnung

 
Text also set by other composers.
 
 
Was doch heut Nacht ein Sturm gewesen,
bis erst der Morgen sich geregt!
Wie hat der ungebetne Besen
Kamin und Gassen ausgefegt!
 
Da kommt ein Mädchen schon die Strßen,
das halb verschüchtert um sich sieht;
wie Rosen, die der Wind zerblasen,
so unstet ihr Gesichtchen glüht.
 
Ein schöner Bursch tritt ihr entgegen,
er will ihr voll Entzücken nahn:
wie sehn sich freudig und verlegen
die ungewohnten Schelme an!
 
Er scheint zu Tragen, ob das Liebchen
die Zöpfe schon zurecht gemacht,
die heute Nacht im offnen Stübchen
ein Sturm in Unordnung gebracht.
 
Der Bursche träumt noch von den Küßen,
die ihm das süße Kind getauscht,
er steht, von Anmuth hingerissen,
derweil sie um die Ecke rauscht.
 
 

 


i) Nimmersatte Liebe

 
Text also set by other composers.
 
 
So ist die Lieb'! So ist die Lieb'!
Mit Küßen nicht zu stillen:
Eer ist der Thor und will ein Sieb
Mit eitel Wasser füllen?
Und schöpfst du an die tausend Jahr;
Und küßest ewig, ewig gar,
Du thust ihr nie zu Willen.
 
Die Lieb', die Lieb' hat alle Stund'
Neu wunderlich Gelüstern;
Wir bißen uns die Lippen wund,
Da wir uns heute küßten.
Das Mädchen hielt in guter Ruh',
wie's Lämmlein unter'm Messer;
ihr Auge bat: nur immer zu,
Je weher desto beßer!
 
So ist die Lieb', und war auch so,
wie lang es Liebe giebt,
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt -
Und anders war Herr Salomo,
Der Weise, nicht verliebt.
 
 

 
j) Fußreise

 
Text translated to English by Paul Hindemith
 
 
Am frischgeschnittnen Wanderstab,
Wenn ich in der Frühe
So durch Wälder ziehe,
Hügel auf und ab:
 
Dann, wie's Vöglein im Laube
Singet und sich rührt,
Oder wie die gold'ne Traube
Wonnegeister spürt
In der ersten Morgensonne:
 
So fühlt auch mein alter, lieber
Adam Herbst und Frühlingsfieber,
Gottbeherzte,
Nie verscherzte
Erstlings Paradiseswonne.
 
Also bist du nicht so schlimm, o alter
Adam, wie die strengen Lehrer sagen;
Liebst und lobst du immer doch,
Singst und preisest immer noch,
Wie an ewig neuen Schöpfungstagen,
Deinen lieben Schöpfer und Erhalter.
 
Möcht' es dieser geben
Und mein ganzes Leben
Wär' im leichten Wanderschweiße
Eine solche Morgenreise!
 
 
 

 
k) An eine Äolsharfe

 
Text also set by other composers; translated to English by Emily Ezust
 
 
Angelehnt an die Efeuwand
Dieser alten Terrasse,
Du, einer luftgebor'nen Muse
Geheimnisvolles Saitenspiel,
Fang' an,
Fange wieder an
Deine melodische Klage!
Ihr kommet, Winde, fern herüber,
Ach! von des Knaben,
Der mir so lieb war,
Frischgrünendem Hügel.
Und Frühlingsblüten unterweges streifend,
Übersättigt mit Wohlgerüchen,
Wie süß, wie süß bedrängt ihr dies Herz!
Und säuselt her in die Saiten,
Angezogen von wohllautender Wehmut,
Wachsend im Zug meiner Sehnsucht,
Und hinsterbend wieder.
Aber auf einmal,
Wieder Wind heftiger herstößt,
Ein holder Schrei der Harfe
Wiederholt mir zu süßem Erschrecken
Meiner Seele plötzliche Regung,
Und hier, die volle Rose streut geschüttelt
All' ihre Blätter vor meine Füße!
 
 
 


 
l) Verborgenheit

 
Text also set by other composers; text translated to English by Paul Hindemith
 
 
Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!
 
Was ich traure, weiß ich nicht,
Es ist unbekanntes Wehe;
Immerdar durch Tränen sehe
Ich der Sonne liebes Licht.
 
Oft bin ich mir kaum bewußt,
Und die helle Freude zücket
Durch die Schwere, so mich drücket,
Wonniglich in meiner Brust.
 
Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben,
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!
 
 
 


 
m) Im Frühling

 
 
Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel;
die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag' mir, all einzige Liebe,
wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
 
Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüthe offen,
sehnend, sich dehnend in Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wenn werd' ich gestillt?
 
Die Wolke seh' ich wandeln und den Fluß,
es dringt der Sonne goldner Kuß
mir tief bis in's Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
thun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
 
Ich denke Diess und denke Das,
ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:
halb ist es Lust, halb ist es Klage:
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grünen Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage!
 
 

 


n) Agnes

 
Text also set by other composers; translated to English by Emily Ezust
 
 
Rosenzeit! wie schnell vorbei,
schnell vorbei bist du doch gegangen!
Wär mein Lieb' nur blieben treu, blieben treu,
sollte mir nicht bangen.
 
Um die Ernte wohlgemut,
wohlgemuth Schnitterrinnen singen.
Aber, ach! mir kranken Blut, mir kranken Blut,
will nichts mehr gelingen.
 
Schleiche so durch's Wiesental,
so durch's Thal, als im Traum verloren,
nach dem Berg, da tausendmal,
tausend mal er mir Treu' geschworen.
 
Oben auf des Hügels Rand, abgewandt,
wein' ich bei der Linde;
an dem Hut mein Rosenband, von seiner Hand,
spielet in dem Winde.
 
 

 
o) Auf einer Wanderung

 
In ein freundliches Städtchen tret' ich ein,
in den Straßen liegt rother Abendschein.
Aus einem offnen Fenster eben,
über den reichsten Blumenflor
hinweg, hört man Goldglocken töne schweben,
und eine Stimme scheint ein Nachtigallenchor,
daß die Blüthen beben,
daß die Lüfte leben,
daß in höherem Roth die Rosen leuchten vor.
 
Lang hielt ich staunend, lustbeklommen.
Wie ich hinaus vor's Thor gekommen,
ich weiß es wahrlich selber nicht.
Ach hier, wie liegt die Welt so licht!
Der Himmel wogt in purpurnem Gewühle,
rückwärts die Stadt in goldnem Rauch:
wie rauscht der Erlenbach,
wie rauscht im Grund die Mühle,
ich bin wie trunken, irrgeführt
o Muse, du hast mein Herz berührt
mit einem Liebeshauch!
 
 

 
p) Elfenlied

 
 
Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
Elfe! Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief
wohl um die Elfe!
Und meint, es rief ihm aus dem Thal
bei seinem Namen die Nachtigall,
oder Silpelit hätt' ihm gerufen.
 
Reibt sich der Elf' die Augen aus,
begibt sich vor sein Schneckenhaus
und ist als wie ein trunken Mann,
sein Schläflein war nicht voll gethan,
und humpelt also tippe tapp
durch's Haselholz in's Thal hinab,
schlupft an der Mauer hin so dicht,
da sitzt der Glühwurm Licht an Licht.
"Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
die Kleinen sitzen bei'm Mahle,
und treiben's in dem Saale.
Da guck' ich wohl ein wenig `nein'!"
 
Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!
Gukuk! Gukuk!
 
 

 
q) Der Gärtner

 
Text also set by other composers.
 
 
Auf ihrem Leibrößlein
So weiß wie der Schnee,
Die schönste Prinzessin
Reit't durch die Allee.
 
Der Weg, den das Rößlein
Hintanzet so hold,
Der Sand, den ich streute,
Er blinket wie Gold!
 
Du rosenfarb's Hütlein
Wohl auf und wohl ab,
O wirf eine Feder,
Verstohlen herab!
 
Und willst du dagegen
Eine Blüte von mir,
Nimm tausend für eine,
Nimm alle dafür!
 
 

 
r) Citronenfalter im April

 
Text also set by other composers.
 
 
Grausame Frühlingssonne,
du weckst mich vor der Zeit,
dem nur in Maienwonne
die zarte Kost gedeiht!
 
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
das auf der Rosenlippe mir
ein Tröpfchen Honig beut,
so muß ich jämmerlich vegehn
und wird der Mai mich nimmer sehn
in meinem gelben Kleid
in meinem gelben Kleid.
 
 

 


s) Um Mitternacht

 
Text also set by other composers.
 
 
Gelassen stieg die Nacht an's Land,
lehnt träumend an der Berge Wand,
ihr Auge sieht die goldne Wage nun
der Zeit in gleichen Schalenstille ruhn;
und kecker rauschen die Quellen hervor,
sie singen der Mutter, der Nacht, in's Ohr
vom Tage, vom heute gewesenen Tage.
 
Das uralt alte Schlummerlied,
sie achtet's nicht, sie ist es müd';
ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
der flüchtgen Stunden gleich geschwung'nes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
es singen die Wasser im Schlafe noch fort
vom Tage, vom heute gewesenen Tage.
 
 

 
t) Auf eine Christblume I

 
Tochter des Walds, du Lilienverwandte,
so lang von mir gesuchte, unbekannte,
im fremden Kirchhof, öd' und winterlich,
zum ersten mal, o schöne, find' ich dich!
 
Von welcher Hand gepflegt du hier erblühtest,
ich weiß es nicht, noch Wessen Grab du hütest;
ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil,
ist's eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Theil.
 
Im nächt'gen Hain, von Schneelicht überbreitet,
wo fromm das Reh an dir vorüber weidet,
bei der Kapelle, am krystall'nen Teich,
dort sucht' ich deiner Heimath Zaberreich.
 
Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne,
Dir wäre tödtlich andrer Blumen Wonne,
dicht nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft,
himmlischer Kälte balsam süße Luft.
 
In deines Busens goldner Fülle gründet
ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet;
so duftete, berührt von Engelshand,
der benedeiten Mutter Brautgewand.
 
Dich würden, mahnend an das heil'ge Leiden,
fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden:
Doch kindlich zierst du, um die Weihnachtszeit,
lichtgrün mit einem Hauch dein weißes Kleid.
 
Der Elfe, der in mitternächt'ger Stunde
zum Tanze geht im lichterhellen Grunde,
vor deiner mystischen Glorie steht er scheu
neugierig still von fern und huscht vorbei.
 
 

 
u) Auf eine Christblume II

 
 
Im Winterboden schläft ein Blumenkeim
der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel
in Frühlingsnächten wiegt den sammt'nen Flügel;
nie soll er kosten deinen Honigseim.
 
Wer aber weiß, ob nicht sein zarter Geist,
wenn jede Zier des Sommers hingesunken,
dereinst, von deinem leisen Duftetrunken,
mir unsichtbar, dich blühende umkreist?
 
 

 
v) Seufzer

 
Dein Liebesfeuer,
ach Herr! wie theuer
wollt' ich es hegen,
wollt' ich es pflegen!
 
Hab's nicht geheget
und nicht gepfleget,
bin todt im Herzen
o Höllenschmerzen!
 
 

 


w) Auf ein altes Bild

 
Text translated to English by Paul Hindemith
 
 
In grüner Landschaft Sommerflor,
Bei kühlem Wasser, Schilf, und Rohr,
Schau, wie das Knäblein Sündelos
Frei spielet auf der Jungfrau Schoss!
Und dort im Walde wonnesam,
Ach, grünet schon des Kreuzes Stamm!
 
 
 

 
x) In der Frühe

 
Text also set by other composers.
 
 
Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nacht gespenster.
 
Ängst'ge, quäle dich nicht länger, meine Seele!
Freu' dich! Schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.
 
 

 
y) Schlafendes Jesuskind

 
 
Sohn der Jungfrau, Himmelskind! am Boden,
Auf dem Holz der Schmerzen eingeschlafen,
Das der fromme Meister, sinnvoll spielend,
Deinen leichten Träumen unterlegte;
Blume du, noch in der Knospe dämmernd
Eingehüllt die Herrlichkeit des Vaters!
 
O wer sehen könnte, welche Bilder
Hinter dieser Stirne, diesen schwarzen
Wimpern sich in sanftem Wechsel malen!
[Sohn der Jungfrau, Himmelskind!]
 
 

 
z) Charwoche

 
 
O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
du bretest imverjüngten Strahl der Sonne
des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,
 
und senkest schweigend deine Flöre nieder;
der Frühling darf indessen immer keimen,
das Veilchen duftet unter Blüthenbäumen
und alle Vöglein singen Jubellieder.
 
O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
die Engel singen leise Grabgesänge;
o still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!
 
Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!
Euch pflückt mein frommes Kind zum dunklen Strausse,
ihr wandert mit zum Muttergotteshause,
da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.
 
Ach dort, von Trauermelodieen trunken,
und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
und Lieb' und Frühling, Alles ist versunken!
 
 


 
aa) Zum neuen Jahr

 
Text also set by other composers.
 
 
Wie heimlicher Weise
ein Engelein leise
mit rosigen Füßen
die Erde betritt,
so nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
ein heilig Wilkommen,
ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
 
In Ihm sei's begonnen,
der Monde und Sonnen
an blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rathe!
lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei Alles,
se Alles gelegt!
 
 

 
bb) Gebet

 
Text also set by other composers.
 
 
Herr, schicke was du willst,
Ein Liebes oder Leides;
Ich bin vergnügt, daß Beides
aus deinen Händen quillt.
Wollest mit Freuden und wollest mit Leiden
Mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten,
Doch in der Mitten
Liegt holdes Bescheiden.
 
 

 


cc) An den Schlaf

 
Text also set by other composers.
 
 
Schlaf! süßer Schlaf! obwohl dem Tod wie du nichts gleicht,
auf diesem Lager doch willkommen heiß' ich dich!
denn ohne Leben so, wie lieblich lebt es sich!
so weitt vom Sterben, ach, wie stirbt es sich so leicht!
 


dd) Neue Liebe
 
 
Kann auch ein Mensch des andern auf der Erde ganz,
Wie er möchte, sein?
In langer Nacht bedacht' ich mir's,
Und mußte sagen, nein!
So kann ich Niemands heißen auf der Erde,
 
Und Niemand wäre mein?
Aus Finsternißen hell in mir aufzückt ein Freudenschein:
Sollt' ich mit Gott nicht können sein,
So wie ich möchte, mein und Dein?
 
Was hielte mich, daß ich's nicht heute werde?
Ein süßes Schrecken geht durch mein Gebein!
Mich wundert, daß es mir ein Wunder wollte sein,
Gott selbst zu eigen haben auf der Erde!
 
 

 
ee) Wo find' ich Trost

 
 
Eine Liebe kenn' ich, die ist treu,
war getreu, so lang ich sie gefunden,
hat mit tiefem Seufzen immer neu,
stets versöhnlich, sich mit mir verbunden.
 
Welcher einst mit himmlischem Gedulden
bitter bittern Todestropfen trank,
hing am Kreuz und büßte mein Verschulden,
bis es in ein Meer von Gnade sank.
 
Und was ist's nun, daß ich traurig bin,
daß ich angstvoll mich am Boden winde?
Frage: Hüter, ist die Nacht bald hin?
Und: was rettet mich von Tod und Sünde?
 
Arges Herze! Ja gesteh' es nur,
du hast wieder böse Lust empfangen;
frommer Liebe, frommer Treue Spur,
ach, das ist auf lange nun vergangen.
 
Ja, daß ist's auch, daß ich traurig bin,
daß ich angstvoll mich am Boden winde!
Hüter, Hüter, ist die Nacht bald hin?
Und was rettet mich von Tod und Sünde?
 
 

 


ff) An die Geliebte

 
Text also set by other composers.
 
 
Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.
 
Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?
 
Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.
 
Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne;
Ich knie, ihrem Lichtgesang zu lauschen.
 
 

 


gg) Peregrina I

 
 
Der Spiegel dieser treuen, braunen Augen
ist wie von innerm Gold ein Wiederschein;
tief aus dem Busen scheint er's anzusaugen,
dort mag solch Gold in heil'gem Gram gedeihn.
 
In diese Nacht des Blickes mich zu tauchen,
unwissend Kind, du selber lädst mich ein
willst, ich soll kecklich mich und dich entzünden,
reichst lächelnd mir den Tod im Kelch der Sünden!
 
 

 
hh) Peregrina II

 
 
Warum, Geliebte, denk' ich dein
auf Einmal nun mit tausend Thränen,
und kann gar nicht zufrieden sein,
und will die Brust in alle Weite dehnen?
Ach, gestern in den hellen Kindersaal,
bei'm Flimmer zierlich aufgesteckter Kerzen,
 
wo ich mein selbst vergaß in Lärm und Scherzen,
tratst du, o Bildniß mitleidschöner Qual;
es war dein Geist, ersetzte sich an's Mahl,
fremd saßen wir mit stummverhalt'nen Schmerzen;
zuletzt brach ich in lautes Schluchzen aus,
und Hand in Hand verließen wir das Haus.
 
 

 


ii) Frage und Antwort

 
Text also set by other composers.
 
 
Fragst du mich, woher die bange Liebe mir zum Herzen kam,
und warum ich ihr nicht lange schon den bittern Stachel nahm?
Sprich, warum mit Geisterschnelle wohl der Wind die Flügel rührt,
und woher die süße Quelle die verborgnen Wasser führt?
Banne du auf seiner Fährte mir den Wind in vollem Lauf!
Halte mit der Zaubergerte du die süßen Quellen auf!
 
 

 
jj) Lebe wohl

 
Text also set by other composers.
 
 
"Lebe wohl!" Du fühlest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.
 
Lebe wohl! Ach! tausendmal
Hab' ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!
 
 


 
kk) Heimweh

 
 
Anders wird die Welt mit jedem Schritt,
den ich weiter von der Liebsten mache;
mein Herz, das will nicht weiter mit.
Hier scheint die Sonne kalt in's Land,
hier däucht mir Alles unbekannt,
sogar die Blumen am Bache!
Hat jede Sache so fremd eine Miene, so falsch ein Gesicht.
Das Bächlein murmelt wohl und spricht:
armer Knabe, komm bei mir vorüber,
siehst auch hier Vergißmeinnicht!
Ja, die sind schön an jedem Ort,
aber nicht wie dort.
Fort, nur fort!
Die Augen gehn mir über!
 
 

 
ll) Lied vom Winde

 
Text also set by other composers.
 
 
Sausewind, Brausewind!
dort und hier!
Sausewind, Brausewind!
deine Heimath sage mir!
"Kindlein, wir fahren
seit viel vielen Jahren
durch die Welt,
und möchten's erfragen,
die Antwort erjagen,
bei den Bergen, den Meeren,
bei des Himmels klingenden Heeren,
die wissen es nie.
Bist du klüger als sie,
magst du es sagen.
Fort, wohl auf!
Halt' uns nicht auf!
Kommen andre nach,
unsre Brüder,
da frag' wieder."
Halt' an! Gemach,
eine kleine Frist!
Sagt, wo der Liebe Heimath ist,
ihr Anfang, ihr Ende?
"Wer's nennen könnte!
Schelmisches Kind,
Lieb' ist wie Wind,
rasch und lebendig,
ruhet nie,
ewig ist sie,
aber nicht immer beständig.
Fort! Wohlauf!
halt' uns nicht auf!
Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen!
Wenn ich dein Schäzchen seh',
will ich es grüßen.
Kindlein, Ade!
Ade!
Ade!"
 
 

 


mm) Denk' es, o Seele!

 
Text also set by other composers.
 
 
Ein Tännlein grünet wo,
Wer weiß! im Walde,
Ein Rosenstrauch, wer sagt,
In welchem Garten?
Sie sind erlesen schon,
Denk' es, o Seele,
Auf deinem Grab zu wurzeln
Und zu wachsen.
 
Zwei schwarze Rößlein weiden
Auf der Wiese,
Sie kehren heim zur Stadt
In muntern Sprüngen.
Sie werden schrittweis gehn
Mit deiner Leiche;
Vielleicht, vielleicht noch eh'
An ihren Hufen
Das Eisen los wird,
Das ich blitzen sehe!
 
 

 
nn) Der Jäger

 
 
Drei Tage Regen fort und fort,
kein Sonnenschein zur Stunde;
drei Tage lang kein gutes Wort
aus meiner Liebsten Munde!
 
Sie trutzt mit mir und ich mit ihr,
so hat sie's haben wollen;
mir aber nagt's am Herzen hier,
das Schmollen und das Grollen.
 
Willkommen denn, des Jägers Lust,
Gewittersturm und Regen:
fest zugeknöpft die heiße Brust,
und jauchzend euch entgeben!
 
Nun sitzt sie wohl daheim und lacht
und scherzt mit den Geschwistern;
ich höre in des Waldes Nacht
die alten Blätter flüstern.
 
Nun sitzt sie wohl und weinet laut
im Kämmerlein in Sorgen;
mir ist es wie dem Wilde traut
in Finsterniß geborgen.
 
Kein Hirsch und Rehlein überall!
Ein Schuß zum Zeit vertreibe!
Gesunder Knall und Wiederhall
erfrischt das Mark im Leibe.
 
Doch wie der Donner nun verhallt
in Thälern, durch die Runde,
ein plötzlich Weh mich überwallt,
mir sinkt das Herz zu Grunde.
 
Sie trutzt mit mir und ich mit ihr,
so hat sie's haben wollen,
mir aber frißt's am Herzen hier,
das Schmollen und das Grollen.
 
Und auf! Und nach der Liebsten Haus!
und sie gefaßt um's Mieder!
"Drück' mir die naßen Locken aus,
und küß' und hab' mich wieder!"
 
 


 
oo) Rat einer Alten

 
 
Bin jung gewesen, kann auch mit reden,
und alt geworden, drum gilt mein Wort.
Schön reife Beeren am Bäumchen hangen:
Nachbar, da hilft kein Zaun um den Garten;
lustige Vögel wissen den Weg.
 
Aber, mein Dirnchen, du laß dir rathen:
halte dein Schätzchen wohl in der Liebe,
wohl in Respekt!
Mit den zwei Fädlein in Eins gedrehet,
ziest du am Kleinen Finger ihn nach.
 
Aufrichtig Herze, doch schweigen können,
früh mit der Sonne muthig zur Arbeit,
gesunde Glieder, saubere Linnen.
das machet Mädchen und Weibchen werth.
 
Bin jung gewesen, kann auch mit reden,
und alt geworden, drum gilt mein Wort.
 
 


 
pp) Erstes Liebeslied eines Mädchens

 
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Was im Netze? Schau einmal!
Aber ich bin bange;
Greif' ich einen süßen Aal?
Greif' ich eine Schlange?
 
Lieb' is blinde Fischerin;
Sagt dem Kinde, wo greift's hin?
 
Schon schnellt mir's in Händen!
Ach Jammer! O Lust!
Mit Schmiegen und Wenden
mir schlüpft's an die Brust.
 
Es beißt sich, o Wunder!
Mir keck durch die Haut,
schießt's Herze hinunter!
O Liebe, mir graut!
 
Was thun, was beginnen?
Das schaurige Ding,
Es schnalzet dadrinnen,
Es legt sich im Ring.
 
Gift muß ich haben!
Hier schleicht es herum,
Thut wonniglich graben
Und bringt mich noch um!
 
 

 
qq) Lied eines Verliebten

 
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In aller Früh, ach, lang vor Tag,
weckt mich mein Herz, an dich zu denken,
da doch gesunde Jugend schlafen mag.
Hell ist mein Aug' um Mitternacht,
heller als frühe Morgenglocken:
wann hätt'st du je am Tage mein gedacht?
Wär' ich ein Fischer, stünd' ich auf,
trüge mein Netz hinab zum Fluße,
trüg' herzlich froh die Fische zum Verkauf.
In der Mühle, bei Licht,
der Mühlerknecht tummelt sich,
alle Gänge klappern;
so rüstig Treiben wär' mir eben recht!
Weh, aber ich! o armer Tropf!
muß auf dem Lager mich müßig grämen,
ein ungeberdig Mutterkind im Kopf.
 
 

 
rr) Der Feuerreiter

 
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Sehet ihr am Fensterlein
Dort die rote Mütze wieder?
Nicht geheuer muß es sein,
Denn er geht schon auf und nieder.
Und auf einmal welch Gewühle
Bei der Brücke nach dem Feld!
Horch! das Feuerglöcklein gellt:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg
Brennt es in der Mühle!
 
Schaut, da sprengt er wütend schier
Durch das Tor, der Feuerreiter,
Auf dem rippendürren Tier,
Als auf einer Feuerleiter!
Querfeldein, durch Qualm und Schwüle,
Rennt er schon und ist am Ort!
Drüben scallt es fort und fort:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg,
Brennt es in der Mühle!
 
Der so oft den roten Hahn
Meilenweit von fern gerochen,
Mit des heil'gen Kreuzes Span
Freventlich die Glut besprochen -
Weh! dir grinst vom Dachgestühle
Dort der Feind im Höllenschein.
Gnade Gott der Seele dein!
Hinterm Berg,
Hinterm Berg,
Rast er in der Mühle!
 
Keine Stunde hielt es an,
Bis die Mühle borst in Trümmer;
Doch den kecken Reitersmann
Sah man von der Stunde nimmer.
Volk und Wagen im Gewühle
Kehren heim von all dem Graus;
Auch das Glöcklein klinget aus:
Hinterm Berg,
Hinterm Berg,
Brennt's! -
 
Nach der Zeit ein Müller fand
Ein Gerippe samt der Mützen
Aufrecht an der Kellerwand
Auf der beinern Mähre sitzen:
Feuerreiter, wie so kühle
Reitest du in deinem Grab!
Husch! da fällt's in Asche ab.
Ruhe wohl,
Ruhe wohl
Drunten in der Mühle!
 
 

 
ss) Nixe Binsefuß

 
 
Des Wassermanns sein Töchterlein
tanzt auf dem Eis im Vollmondschein,
sie singt und lachet sonder Scheu
wohl an des Fischers Haus vorbei.
 
"Ich bin die Jungfer Binsefuß,
und meine Fisch' wohl hüten muß,
meine Fisch' die sind im Kasten,
sie haben kalte Fasten;
 
von Böhmerglas mein Kasten ist,
da zähl' ich sie zu jeder Fris.
Gelt, Fischermatz? gelt, aler Tropf,
dir will der Winter nicht in Kopf?
 
Komm mir mit deinen Netzen!
die will ich schön zerfetzen!
Dein Mägdlein zwar ist fromm und gut,
ihr Schatz ein braves Jägerblut.
 
Drum häng' ich ihr, zum Hochzeitsstrauß,
ein schilfen Kränzlein vor das Haus,
und einen Hecht, von Silber schwer,
er stammt von König Artus her,
 
ein Zwergen Goldschmids Meisterstück,
wer's hat, dem bringt es eitel Glück:
er läßt sich schuppen Jahr für Jahr,
da sind's fünfhundert Gröschlein baar.
 
Ade, mein Kind! Ade für heut!
Der Morgenhahn im Dorfe schreit."
 
 


 
tt) Gesang Weyla's

 
 
Du bist Orplid, mein Land!
Das ferne leuchtet;
Vom Meere dampfet dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Götter Wange feuchtet.
 
Uralte Wasser steigen
Verjüngt um deine Hüften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Könige, die deine Wärter sind.
 
 

 
uu) Die Geister am Mummelsee

 
 
Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät
mit Fackeln so prächtig herunter?
Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht?
Mir klingen die Lieder so munter.
 
O mein!
so sage, was mag es wohl sein?
 
Das, was du siehest, ist Todtengeleit,
und was du da hörest, sind Klagen.
Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid,
sie bringen ihn wieder getragen.
O weh! so sind es die Geister vom See!
 
Sie schweben herunter in's Mummelseethal -
sie haben die See schon betreten -
sie rühren und netzen den Fuß nicht ein mal -
sie schwirren in leisen Gebeten -
 
O schau'
am Sarge die glänzende Frau!
 
Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Thor;
gieb Acht, nun tauchen sie nieder!
Es schwankt eine lebende Treppe hervor,
und drunten schon summen die Lieder.
 
Hörst du?
sie singen ihn unten zur Ruh.
 
Die Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn!
Sie spielen in grünendem Feuer;
es geisten die Nebel am Ufer dahin,
zum Meere verzieht sich der Weiher nur still!
ob dort sich nichts rühren will?
 
Es zuckt in der Mitten - o Himmel! ach hilf!
nun kommen sie wieder, sie kommen!
es orgelt im Rohr und es klirret im Schilf;
nur hurtig, die Flucht nur genommen!
 
Davon! sie wiltern, sie haschen, sie wittern, sie haschen,
sie wittern, sie haschen mich schon!
 


 

 
vv) Storchenbotschaft

 
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Des Schäfers sein Haus und das steht auf zwei Rad,
steht hoch auf der Heiden, so frühe, wie spat;
und wenn nur ein Mancher so'n Nachtquartier hätt'!
Ein Schäfer tauscht nicht mit dem König sein Bett.
 
Und käm' ihm zur Nacht auch was Seltsames vor,
er betet sein Sprüchel und legt sich auf's Ohr;
ein Geistlein, ein Hexlein, so luftige Wicht',
sie klopfen ihm wohl, doch er antwortet nicht.
 
Einmal doch, da ward es ihm wirklich zu bunt:
es knopert am Laden, es winselt der Hund;
nun ziehet mein Schäfer den Riegel - ei schau!
da stehen zwei Störche, der Mann und die Frau.
 
Das Pärchen, es machet ein schön Compliment,
es möchte gern reden, ach, wenn es nur könnt'!
Was will mir das Ziefer? ist so was erhört?
Doch ist mir wohl fröhliche Botschaft beschert.
 
Ihr seid wohl dahinten zu Hause am Rhein?
Ihr habt wohl mein Mädel gebissen in's Bein?
nun weinet das Kind und die Mutter noch mehr,
sie wünschet den Herzallerliebsten sich her?
 
und wünsche daneben die Taufe bestellt:
ein Lämmlein, ein Würstlein, ein Beutelein Geld?
so sagt nur, ich käm' in zwei Tag oder drei,
und grüßt mir mein Bübel und rührt ihm den Brei!
 
Doch halt! warum stellt ihr zu Zweien euch ein?
es werden doch, hoff' ich, nicht Zwillinge sein?
da klappern die Störche im lustigsten Ton,
sie nikken und knixen und fliegen davon.
 
 

 
ww) Zur Warnung

 
 
Einmal nach einer lustigen Nacht
war ich am Morgen seltsam auf gewacht:
Durst, Wasserscheu, ungleich Geblüt;
dabei gerührt und weichlich im Gemüth,
beinah poetisch, ja, ich bat die Muse um ein Lied.
Sie, mit verstelltem Pathos, spottet' mein,
gab mir den schnöden Bafel ein:
"Es schlagt eine Nachtigall
am Wasserfall;
und ein Vogel ebenfalls,
der schreibt sich Wendehals,
Johann Jakob Wendehals;
der thut tanzen
bei den Pflanzen
ob bemeldten Wasserfalls."
so ging es fort;
mir wurde immer bänger.
Jetzt sprang ich auf: zum Wein!
Der war denn auch mein Retter.
Merkt's euch, ihr thränenreichen Sänger,
im Katzenjammer ruft man keine Götter!
 
 

 
xx) Auftrag

 
 
In poetischer Epistel
Ruft ein desperater Wicht:
Lieber Vetter! Vetter Christel!
Warum schreibt Er aber nicht?
 
Weiß Er doch, es lassen Herzen,
Die die Liebe angeweht,
Ganz und gar nicht mit sich scherzen,
Und nun vollends ein Poet!
 
Denn ich bin von dem Gelichter,
Dem der Kopf beständig voll;
Bin ich auch nur halb ein Dichter,
Bin ich doch zur Hälfte toll.
 
Amor hat Ihn mir verpflichtet,
Seinen Lohn weiß Er voraus,
Und der Mund, der Ihm berichtet,
Geht dabei auch leer nicht aus.
 
Pass' Er denn zur guten Stunde,
Wenn Sein Schatz durch's Lädchen schaut,
Lock' ihr jedes Wort vom Munde,
Das mein Schätzchen ihr vertraut.
 
Schreib' Er mit dann von dem Mädchen
Ein halb Dutzend Bogen voll,
Und daneben ein Tractätchen,
Wie ich mich verhalten soll, wie ich mich verhalten soll.
 
 

 
yy) Bei einer Trauung

 
 
Vor lauter hochadligen Zeugen
copulirt man ihrer Zwei;
die Orgel hängt voll Geigen,
der Himmel nicht, mein' Treu!
 
Seht doch, sie weintt ja gräulich,
er macht ein Gesicht abscheulich!
Denn leider frelich, freilich
keine Lieb' ist nicht dabei.
 
 

 
zz) Selbstgeständniss

 
 
Ich bin meiner Mutter einzig Kind,
und weil die andern ausblieben sind,
was weiß ich wieviel, die Sechs oder Sieben,
ist eben Alles an mir hängen blieben;
Ich hab' müßen die Liebe,
die Treue, die Güte
für ein ganz halb Dutzend allein aufessen,
ich will's mein Lebtag nicht vergessen.
Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen,
hätt' ich nur auch Schläg' für Sechse bekommen.
 
 

 
aaa) Abschied

 
 
Unangeklopft ein Herr tritt Abends bei mir ein:
"Ich habe die Ehr', Ihr Recensent zu sein!"
Sofort nimmt er das Licht in die Hand,
besieht lang meinen Schatten an der Wand,
rückt nah und fern: "Nun, lieber junger Mann,
sehn Sie doch gefälligst mal Ihre Nas' so von der Seite an!
Sie geben zu, daß das ein Auswuchs is'."
Das? Alle Wetter gewiß!
Ei Hasen! ich dachte nicht, all' mein Lebtage nicht,
daß ich so eine Weltsnase führt' im Gesicht!
Der Mann sprach noch Verschied'nes hin und her,
ich weiß, auf meine Ehre, nicht mehr;
meinte vielleicht, ich sollt' ihm beichten.
Zuletzt stand er auf; ich that ihm leuchten.
Wie mir nun an der Treppe sind,
da geb' ich ihm, ganz froh gesinnt,
einen kleinen Tritt,
nur so von hinten aufs Gesäße mit -
alle Hagel! ward das ein Gerumpel,
ein Gepurzel, ein Gehumpel!
Dergleichen hab' ich nie gesehn, all' mein Lebtage nicht gesehn
einen Menschen so rasch die Trepp' hinabgehn!

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