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Hugo Wolf

(1860 - 1903)

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The Lieder of Hugo Wolf

 

Lieder – complete index:

Lieder  No:   1- 46 | 47 - 49 | 50 - 52 | 53 - 56

53. "Neun Reinick-Lieder"

a) Wohin mit der Freud'?
b) Liebchen, wo bist du?
c) Nachtgruß
d) Frühlingsglocken
e) Ständchen
f) Liebesbotschaft
g) Gesellenlied
h) Skolie
i) Frohe Botschaft

 
54. "Sechs Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner"

a) Wächterlied auf der Wartburg
b) Der König bei der Krönung
c) Biterolf
d) Beherzigung
e) Wandrers Nachtlied
f) Zur Ruh', zur Ruh'

 
55. "Spanisches Liederbuch: Spiritual Songs"

a) Nun bin ich dein
b) Die du Gott gebarst, du Reine
c) Nun wandre, Maria
d) Die ihr schwebet (You who hover)
e) Führ mich, Kind, nach Bethlehem
f) Ach, des Knaben Augen
g) Müh'voll komm' ich und beladen
h) Ach, wie lang die Seele schlummert!
i) Herr, was trägt der Boden hier (Lord, what does this ground bear)
j) Wunden trägst du mein Geliebter

 
56. "Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder"

a) Klinge, klinge, mein Pandero
b) In dem Schatten meiner Locken
c) Seltsam ist Juanas Weise
d) Treibe nur mit Lieben Spott
e) Auf dem grünen Balkon
f) Wenn du zu den Blumen gehst
g) Wer sein holdes Lieb verloren
h) Ich fuhr über Meer
i) Blindes Schauen, dunkle Leuchte
j) Eide, so die Liebe schwur
k) Herr verzage nicht geschwind
l) Sagt, seid Ihr es, feiner Herr
m) Mögen alle bösen Zungen
n) Köpfchen, Köpfchen, nicht gewimmert
o) Sagt ihm, daß er zu mir komme
p) Bitt' ihn, o Mutter, bitte den Knaben
q) Liebe mir im Busen zündet einen Brand
r) Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen
s) Trau nicht der Liebe
t) Ach, im Maien war's
u) Alle gingen, Herz, zur Ruh
v) Dereinst, dereinst Gedanken mein
w) Tief im Herzen trag' ich Pein
x) Komm, o Tod, von Nacht umgeben
y) Ob auch finstre Blicke glitten
z) Bedeckt mich mit Blumen
aa) Und schläfst du, mein Mädchen
bb) Sie blasen zum Abmarsch
cc) Weint nicht, ihr Äuglein!
dd) Wer tat deinem Füßlein weh?
ee) Deine Mutter, süßes Kind
ff) Da nur Leid und Leidenschaft
gg) Wehe der, die mir verstrickte
hh) Geh, Geliebter, geh jetzt!
 
 

 
53. "Neun Reinick-Lieder"

 
 
Texts by Robert Reinick (1805-1852)
Music by Hugo Wolf
 
 
a) Wohin mit der Freud'?
b) Liebchen, wo bist du?
c) Nachtgruß
d) Frühlingsglocken
e) Ständchen
f) Liebesbotschaft
g) Gesellenlied
h) Skolie
i) Frohe Botschaft

 
  
a) Wohin mit der Freud'?

 
Text also set by other composers.
 
 
Ach du klarblauer Himmel,
Und wie schön bist du heut'!
Möcht' ans Herz gleich dich drücken
Voll Jubel und Freud'.
Aber 's geht doch nicht an,
Denn du bist mir zu weit,
Und mit all' meiner Freud'
Was fang' ich doch an?
 
Ach du lichtgrüne Welt,
Und wie strahlst du voll Lust!
Und ich möcht' gleich mich werfen
Dir voll Lieb' an die Brust;
Aber 's geht doch nicht an,
Und das ist ja mein Leid,
Und mit all' meiner Freud',
Was fang' ich doch an?
 
Und da sah ich mein Lieb
Am Kastanienbaum stehn,
War so klar wie der Himmel,
Wie die Erde so schön,
Und wir küßten uns beid',
Und wir sangen voll Lust,
Und da hab' ich gewußt,
Wohin mit der Freud'!
 
 

 
b) Liebchen, wo bist du?

 
Text also set by other composers.
 
 
Zaubrer bin ich, doch was frommt es?
Denn mein Lieb ist eine Fee,
Höhnt mich mit noch ändern Zauber,
Ruf' ich freundlich sie herbei:
Liebchen, wo bist du?
 
Heute noch in Feld und Garten
Ging ich, sie zu suchen, aus:
Plötzlich lacht aus einer Rose
Glühend rot ihr Mund heraus!
Liebster, da bin ich!
 
Ich nun ward ein schneller Zephir,
Küßt im Flug die Rose schon -
Ach, nur eine Rose küßt' ich,
Liebchen war daraus entflohn.
Liebchen, wo bist du?
 
Horch, da sang am Waldesufer
Plötzlich eine Nachtigall;
Wohlbekannt war mir die Stimme
Und sie sang mit süßem Schall:
Liebster, da bin ich!
 
Schnell zum Abendstern verwandelt,
Blickt' ich durch die grüne Nacht.
Ach, den leeren Busch erblickt' ich,
Liebchen hat sich fortgemacht.
Liebchen, wo bist du?
 
Und so treibt sie's alle Tage,
Läßt mir eben jetzt nicht Ruh',
Während dieses Lied ich singe,
Ruft sie unsichtbar mir zu:
Liebster, da bin ich!
 
Liebchen, mach dem Spiel ein Ende!
Komm nun endlich selbst herbei!
Glaub', ein einzger Kuß ist schöner
Als die ganze Zauberei!
Liebchen, wo bist du?
 
 

 
c) Nachtgruß

 
Text also set by other composers.
 
 
In dem Himmel ruht die Erde,
Mond und Sterne halten Wacht,
Auf der Erd' ein kleiner Garten
Schlummert in der Blumen Pracht.
Gute Nacht!
 
In dem Garten steht ein Häuschen,
Still von Linden überdacht;
Draußen vor dem Erkerfenster
Hält ein Vogel singend Wacht.
Gute Nacht!
 
In dem Erker schläft ein Mädchen,
Träumet von der Blumenpracht;
Ihr im Herzen ruht der Himmel,
Drin die Engel halten Wacht.
Gute Nacht!
 
 

 
d) Frühlingsglocken

 
Text also set by other composers.
 
 
Schneeglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut' geboren ward,
Ein Kind der allerschönsten Art;
Zwar liegt es noch im weißen Bett,
Doch spielt es schon so wundernett,
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd'
Und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all, erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!
 
Maiglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam!
Macht Hochzeit mit der Erde heut'
Mit großer Pracht und Festligkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
Und schwenkt die bunte Hochzeitfahn'!
Du Ros und Lilie, schmückt euch fein!
Brautjungfern sollt ihr heute sein!
Schmetterling, sollt bunt und flink
Den Hochzeitreigen führen,
Die Vögel musizieren!
 
Blauglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut' nacht der Frühling scheiden muß,
Drum bringt man ihm den Abschiedsgruß,
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
Es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
Dazwischen singt mit süßem Schall
Aus jedem Busch die Nachtigall
Und wird ihr Lied so bald nicht müd',
Ist auch der Frühling schon so ferne -
Sie hatten ihn alle so gerne!
 
 

 
e) Ständchen

 
Text also set by other composers.
 
 
Komm in die stille Nacht!
Liebchen, was zögerst du?
Sonne ging längst zur Ruh',
Welt schloß die Augen zu,
Rings nur einzig die Liebe wacht!
 
Liebchen, was zögerst du?
Schon sind die Sterne hell,
Schon ist der Mond zur Stell',
Eilen so schnell, so schnell!
Liebchen, ach Liebchen, drum eil' auch du.
 
Sonne ging längst zur Ruh!
Traust wohl dem Schimmer nicht,
Der durch die Blüten bricht?
Treu ist des Mondes Licht.
Liebchen, mein Liebchen, was fürchtest du?
 
Welt schloß die Augen zu!
Blumen und Blütenbaum
Schlummern in süßen Traum,
Erde, sie atmet kaum,
Liebe nur schaut dem Liebenden zu!
 
Einzig die Liebe wacht,
Ruft dich allüberall.
Hör die Nachtigall,
Hör meiner Stimme Schall,
Liebchen, o komm in die stille Nacht!
 
 

 
f) Liebesbotschaft

 
Text also set by other composers.
 
 
Wolken, die ihr nach Osten eilt,
Wo die eine, die Meine weilt,
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Sollen auf eure Flügel sich schwingen,
Sollen euch, Flüchtige, zu ihr lenken,
Daß die Züchtige meiner in Treuen mag gedenken.
 
Und am Abend in stiller Ruh',
Breitet der sinkenden Sonne euch zu!
Mögt mit Purpur und Gold euch malen,
Mögt in dem Meere von Gluten und Strahlen
Leicht sich schwingende Schifflein fahren,
Daß sie singende Engel glaubet auf euch zu gewahren.
 
Ja, wohl möchten es Engel sein,
Wär mein Herz gleich ihrem rein;
All meine Wünsche, mein Hoffen und Singen
Zieht ja dahin auf euren Schwingen,
Euch, ihr Flüchtigen, hinzulenken
Zu der Züchtigen, der ich einzig nur mag gedenken.
 
 

 
g) Gesellenlied

 
 
"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Und das ist auch ein großes Glück!
Der Meister sind schon viel zuviel;
Wenn noch ein Schock vom Himmel fiel',
Wie würden uns Gesellen
Die vielen Meister prellen
Trotz unserm Meisterstück!
 
"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Gottlob, auch keine Meisterin!
Ach, lieber Himmel, sei so gut,
Wenn droben eine brummen tut,
Behalte sie in Gnaden,
Daß sie zu unserm Schaden
Nicht fall' zur Erden hin!
 
"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Auch keines Meisters Töchterlein!
Zwar hab' ich das schon lang' gewußt,
Und doch, was wär' das eine Lust,
Wenn jung und hübsch und munter
Solch Mädel fiel' herunter
Und wollt' mein Herzlieb sein!
 
"Kein Meister fällt vom Himmel!"
Das ist mein Trost auf dieser Welt;
Drum mach' ich, daß ich Meister werd',
Und wird mir dann ein Weib beschert,
Dann soll aus dieser Erden
Mir schon ein Himmel werden,
Aus dem kein Meister fällt.
 
 

 
h) Skolie

 
 
Reich den Pokal mir schäumenden Weines voll,
Reich mir die Lippen zum Kusse, die blühenden,
Rühre die Saiten, die seelenberauschenden!
Feuer des Mutes brennt im Pokale mir,
Gluten der Liebe glühn auf der Lippe dir,
Flammen des Lebens rauschen die Saiten mir.
Woge des Kampfes, reiß in die Brandung mich!
Wogen der Liebe, hebt zu den Wolken mich!
Schäumendes Leben, jubelnd begrüß ich dich!
 
 

 


i) Frohe Botschaft

 
 
Hielt die allerschönste Herrin
Einst mein Herz so eng gefesselt,
Daß kein Wort es konnte sprechen
Aus den engen Fesseln.
 
Sandt' es ab als flinke Diener
Feurig schnelle Liebesblicke,
Zu besprechen sich im stillen
Mit der Herrin Blicken.
 
Sandt' es Pagen, fein und listig;
Heimlich schlichen hin die Finger,
Schmiegten leise sich und bittend
An die schönsten Finger.
 
Sandt' es ab zwei kühne Boten;
Sind die Lippen gar verwogen
An der Herrin Mund geflogen,
Botschaft sich zu holen.
 
Nun, ihr Boten, Pagen, Diener,
Welche Botschaft bringt ihr wieder?
Haben Augen, Finger, Lippen
Nichts mir zu verkünden?
 
Und voll' Freuden rufen alle:
Juble, Herz, und laß das Zagen,
Deine Herrin sendet Gnade,
Deine Bande fallen!
 

 
 


 
 

 
54. "Sechs Gedichte von Scheffel, Mörike, Goethe and Kerner"

 
 
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
Music by Hugo Wolf, 1887

a) Wächterlied auf der Wartburg
b) Der König bei der Krönung
c) Biterolf
d) Beherzigung
e) Wandrers Nachtlied
f) Zur Ruh', zur Ruh'

 
a) Wächterlied auf der Wartburg

 
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886)
 
 
Schwingt euch auf, Posaunenchöre,
Daß in sternenklarer Nacht,
Gott der Herr ein Loblied höre,
Von der Türme hoher Wacht;
 
Seine Hand führt die Planeten
Sichern Laufs durch Raum und Zeit,
Führt die Seele nach den Fehden
Dieser Welt zur Ewigkeit.
 
Ein Jahrhundert will zerrinnen
Und ein neues hebt sich an,
Wohl dem, der mit reinen Sinnen
Stetig wandelt seine Bahn!
 
Klirrt sie auch in Stahl und Eisen,
Goldne Zeit folgt der von Erz,
Und zum Heil, das ihm verheißen,
Dringt mit Kampf ein männlich' Herz.
 
Rüstig' mög' drum jeder schaffen,
Was sich ziehmt nach Recht und Fug,
In der Kutte, in den Waffen,
In der Werkstatt wie am Pflug.
 
Dazu, Herr, den Segen spende
Deiner Burg, dem Berg, der Au',
Netz' an des Jahrhunderts Wende
Sie mit deiner Saelde Tau.
 
 


 
b) Der König bei der Krönung

 
Text by Eduard Mörike (1804-1875); text also set by other composers.
 
 
Dir angetrauet am Altare,
O Vaterland, wie bin ich dein!
Laß für das Rechte mich und Wahre
Nun Priester oder Opfer sein!
 
Geuß auf mein Haupt, Herr, deine Schale,
Ein köstlich Oel des Friedens, aus,
Daß ich wie eine Sonne strahle
Dem Vaterland und meinem Haus!
 
 

 
c) Biterolf

 
Text by Joseph Viktor von Scheffel (1826-1886); text also set by other composers.
 
 
Kampfmüd' und sonn'verbrannt,
Fern an der Heiden Strand,
Waldgrünes Thüringland,
Denk' ich an dich.
 
Mildklarer Sternenschein,
Du sollst mir Bote sein,
Geh, grüß' die Heimat mein,
Weit überm Meer!
 
Feinden von allerwärts,
Trotzt meiner Waffen Erz;
Wider der Sehnsucht Schmerz
Schirmt mich kein Schild.
 
Doch wie das Herz auch klagt,
Ausharr' ich unverzagt:
Wer Gottes Fahrt gewagt,
Trägt still sein Kreuz.
 
 

 
d) Beherzigung

 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832); text also set by other composers.
 
 
Feiger Gedanken
bängliches Schwanken,
weibisches Zagen,
ängstliches Klagen
wendet kein Elend,
macht dich nicht frei.
 
Allen Gewalten
zum Trutz sich erhalten,
nimmer sich beugen,
kräftig sich zeigen,
rufet die Arme
der Götter herbei!
 
 
 

 
e) Wandrers Nachtlied

 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832); text also set by other composers.
 
 
Der du von dem Himmel bist,
[Alles Leid] und Schmerzen stillst,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit [Erquickung] füllest,
Ach! ich bin des Treibens müde!
[Was soll all der Schmerz und Lust?]
Süßer Friede!
Komm, ach komm in meine Brust!
 
 
 

 
f) Zur Ruh', zur Ruh'

 
Text by Andreas Justinus Kerner (1786-1862)
 
 
Zur Ruh', zur Ruh', ihr müden Glieder!
Schließt fest euch zu, ihr Augenlider!
Ich bin allein, fort ist die Erde;
Nacht muß es sein, daß Licht mir werde;
O führt mich ganz, ihr innern Mächte!
Hin zu dem Glanz der tiefsten Nächte.
Fort aus dem Raum der Erdenschmerzen
Durch Nacht und Traum zum Mutterherzen!
 

 
 


 

 
55. "Spanisches Liederbuch: Spiritual Songs"

 
 
Text: Spanish poems translated by Emanuel von Geibel (1815-1884) and Paul Heyse (1830-1914)
 
Music by Hugo Wolf, 1889-90
 
a) Nun bin ich dein
b) Die du Gott gebarst, du Reine
c) Nun wandre, Maria
d) Die ihr schwebet (You who hover)
e) Führ mich, Kind, nach Bethlehem
f) Ach, des Knaben Augen
g) Müh'voll komm' ich und beladen
h) Ach, wie lang die Seele schlummert!
i) Herr, was trägt der Boden hier (Lord, what does this ground bear)
j) Wunden trägst du mein Geliebter

 


a) Nun bin ich dein

 
Text: Juan Ruiz, Heyse; composed at Perchtoldsdorf, Jan. 15 1890
 
 
Nun bin ich dein, du aller Blumen Blume,
und sing allein allstund zu deinem Ruhme;
will eifrig sein, mich dir zu weih'n
und deinen Dulderthume.
Frau, auserlesen, zu dir steht all mein Hoffen,
mein innerst Wesen ist allezeit dir offen.
Komm, mich zu lösen vom Fluch des Bösen,
der mich so hart betroffen!
Du Stern der See, du Port der Wonnen,
von der im Weh die Wunden Heil gewonnen,
eh' ich vergeh' blick' aus der Höh,
du Königin der Sonnen!
Nie kann versiegen die Fülle deiner Gnaden;
du hilfst zum Siegen dem der mit Schmach beladen.
An dich sich schmiegen,
zu deinen Füßen liegen
heilt allen Harm und Schaden.
Ich leide schwer und wohl verdiente Strafen.
Mir bangt so sehr, bald Todesschlaf zu schlafen.
Tritt du einher, und durch das Meer,
o führe mich zu Hafen.
 
 

 


b) Die du Gott gebarst, du Reine

 
Text: Nicolas Nuñez, Heyse
 
 
Die du Gott gebarst, du Reine,
Und alleine uns gelöst aus unsern Ketten,
Mach mich fröhlich, der ich weine,
Denn nur deine Huld und Gnade mag uns retten.
 
Herrin, ganz zu dir mich wende,
Daß sich ende diese Qual und dieses Grauen,
Daß der Tod mich furchtlos fände,
Und nicht blende mich das Licht der Himmelsauen.
 
Weil du unbefleckt geboren,
Auserkoren zu des ew'gen Ruhmes Stätten
Wie mich Leiden auch um floren,
Unverloren bin ich doch, willst du mich retten.
 
 


 
c) Nun wandre, Maria

 
Text: Ocaña, Heyse, composed at Perchtoldsdorf, Nov. 4 1889
 
 
Nun wandre, Maria,
Nun wandre nur fort.
Schon krähen die Hähne,
Und nah ist der Ort.
 
Nun wandre, Geliebte,
Du Kleinod mein,
Und balde wir werden
In Bethlehem sein.
 
Dann ruhest du fein
Und schlummerst dort.
Schon krähen die Hähne
Und nah ist der Ort.
 
Wohl seh ich, Herrin,
Die Kraft dir schwinden;
Kann deine Schmerzen,
Ach, kaum verwinden.
 
Getrost! Wohl finden
Wir Herberg dort.
Schon krähen die Hähne
Und nah ist der Ort.
 
Wär erst bestanden
Dein Stündlein, Marie,
Die gute Botschaft,
Gut lohnt ich sie.
 
Das Eselein hie
Gäb ich drum fort!
Schon krähen die Hähne
Und nah ist der Ort.
 
 


 
d) Die ihr schwebet

 
Text: Geibel, after Lope Felix de Vega Carpio (1562-1635)
 
See also:

Johannes Brahms (1833-1897), op. 91 no. 2, "Geistliches Wiegenlied"
 
 
Die ihr schwebet
Um diese Palmen
In Nacht und Wind,
Ihr heilgen Engel,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
 
Ihr Palmen von Bethlehem
Im Windesbrausen,
Wie mögt ihr heute
So zornig sausen!
O rauscht nicht also!
Schweiget, neiget
Euch leis und lind;
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
 
Der Himmelsknabe
Duldet Beschwerde,
Ach, wie so müd er ward
Vom Leid der Erde.
Ach nun im Schlaf ihm
Leise gesänftigt
Die Qual zerrinnt,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.
 
Grimmige Kälte
Sauset hernieder,
Womit nur deck ich
Des Kindleins Glieder!
O all ihr Engel,
Die ihr geflügelt
Wandelt im Wind,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein kind.
 
 
 

 
e) Führ mich, Kind nach Bethlehem

 
Text: Anonymous, Heyse
 
 
Führ mich, Kind nach Bethlehem!
Dich, mein Gott, dich will ich sehn.
Wenn geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!
 
Rüttle mich, daß ich erwache,
Rufe mich, so will ich schreiten;
Gieb die Hand mir, mich zu leiten,
Daß ich auf den Weg mich mache.
 
Daß ich schaue Bethlehem,
Dorten meinen Gott zu sehn.
Wem geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!
 
Von der Sünde schwerem Kranken
Bin ich träg und dumpf beklommen.
Willst du nicht zu Hülfe kommen,
Muß ich straucheln, muß ich schwanken.
 
Leite mich nach Bethlehem,
Dich, mein Gott, dich will ich sehn.
Wem geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!
 
 

 
f) Ach, des Knaben Augen

 
Text: Lopez de Ubeda, Heyse
 
 
Ach, des Knaben Augen sind
Mir so schön und klar erschienen,
Und ein Etwas strahlt aus ihnen,
Das mein ganzes Herz gewinnt.
 
Blickt' er doch mit diesen süßen
Augen nach den meinen hin!
Säh er dann sein Bild darin,
Würd' er wohl mich liebend grüßen.
 
Und so geb' ich ganz mich hin,
Seinen Augen nur zu dienen,
Denn ein Etwas strahlt aus ihnen,
Das mein ganzes Herz gewinnt.
 
 

 


g) Müh'voll komm' ich und beladen

 
Text: Don Manuel de Rio, Geibel, composed at Perchtoldsdorf, Jan. 10 1890
 
 
Müh'voll komm' ich und beladen,
nimm mich an, du Hort der Gnaden!
Sieh, ich komm' in Tränen heiß
mit demüthiger Geberde,
dunkel ganz vom Staub der Erde.
Du nur schaffest, daß ich weiß
wie das Vließ der Lämmer werde.
Tilgen willst du ja den Schaden
dem der reuig dich umfaßt;
nimm denn, Herr, von mir die Last,
müh'voll komm' ich und beladen.
Laß mich flehend vor dir knie'n,
daß ich über deine Füße
Nardenduft und Tränen gieße,
gleich dem Weib, dem du verzieh'n,
bis die Schuld wie Rauch zerfließe.
Der den Schächer du geladen:
"Heute noch in Edens Bann wirst du sein!"
O nimm mich an, nimm mich an, du Hort der Gnaden!
 
 

 
h) Ach, wie lang die Seele schlummert!

 
Text: Anonymous, Geibel
 
 
Ach, wie lang die Seele schlummert!
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.
Daß man todt sie wähnen dürfte,
also schläft sie schwer und bang,
Seit sie jener Rausch bezwang
Den in Sündengift sie schlürfte.
Doch nun ihrer Sehnsucht Licht
Blendend ihr in's Auge bricht:
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.
Mochte sie gleich taub erscheinen
Bei der Engel süßem Chor:
Lauscht sie doch wohl zag empor,
Hört sie Gott als Kindlein weinen.
Da nach langer Schlummernacht
Solch ein Tag der Gnad' ihr lacht,
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.
 
 

 
i) Herr, was trägt der Boden hier

 
Text: Anonymous, Heyse
 
 
Herr, was trägt der Boden hier,
Den du tränkst so bitterlich?
"Dornen, liebes Herz, für mich,
Und für dich der Blumen Zier."
 
Ach, wo solche Bäche rinnen,
Wird ein Garten da gedeihn?
"Ja, und wisse! Kränzelein,
Gar verschiedne, flicht man drinnen."
 
O mein Herr, zu wessen Zier
Windet man die Kränze? sprich!
"Die von Dornen sind für mich,
Die von Blumen reich ich dir."
 
 
 

 
j) Wunden trägst du mein Geliebter

 
Text: José de Valdivielso (1560-1638), Geibel
 
 
Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!
Herr, wer wagt' es so zu färben
Deine Stirn mit Blut und Schweiß?
"Diese Male sind der Preis,
Dich, o Seele, zu erwerben.
An den Wunden muß ich sterben,
Weil ich dich geliebt so heiß."
Könnt' ich, Herr, für dich sie tragen,
Da es Todeswunden sind.
"Wenn dies Leid dich rührt, mein Kind,
Magst du Lebenswunden sagen:
Ihrer keine ward geschlagen,
Draus für dich nicht Leben rinnt."
Ach, wie mir in Herz und Sinnen
Deine Qual so wehe thut!
"Härtres noch mit treuem Muth
Trüg' ich froh, dich zu gewinnen;
Denn nur der weiß recht zu minnen,
Der da stirbt vor Liebesgluth."
Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!
 

 


 
 
 

 
56. "Spanisches Liederbuch: Weltliche Lieder"

 
 
Text: Spanish poems translated by Emanuel von Geibel (1815-1884) and Paul Heyse (1830-1914)
 
Music by Hugo Wolf, 1889-90
 
 a) Klinge, klinge, mein Pandero
b) In dem Schatten meiner Locken
c) Seltsam ist Juanas Weise
d) Treibe nur mit Lieben Spott
e) Auf dem grünen Balkon
f) Wenn du zu den Blumen gehst
g) Wer sein holdes Lieb verloren
h) Ich fuhr über Meer
i) Blindes Schauen, dunkle Leuchte
j) Eide, so die Liebe schwur
k) Herr verzage nicht geschwind
l) Sagt, seid Ihr es, feiner Herr
m) Mögen alle bösen Zungen
n) Köpfchen, Köpfchen, nicht gewimmert
o) Sagt ihm, daß er zu mir komme
p) Bitt' ihn, o Mutter, bitte den Knaben
q) Liebe mir im Busen zündet einen Brand
r) Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen
s) Trau nicht der Liebe
t) Ach, im Maien war's
u) Alle gingen, Herz, zur Ruh
v) Dereinst, dereinst Gedanken mein
w) Tief im Herzen trag' ich Pein
x) Komm, o Tod, von Nacht umgeben
y) Ob auch finstre Blicke glitten
z) Bedeckt mich mit Blumen
aa) Und schläfst du, mein Mädchen
bb) Sie blasen zum Abmarsch
cc) Weint nicht, ihr Äuglein!
dd) Wer tat deinem Füßlein weh?
ee) Deine Mutter, süßes Kind
ff) Da nur Leid und Leidenschaft
gg) Wehe der, die mir verstrickte
hh) Geh, Geliebter, geh jetzt!

 


a) Klinge, klinge, mein Pandero

 
Text: Alvaro Fernandez de Almeida, Geibel
 
See also:

Adolf Jensen (1837-1879), op. 21 no. 1 (1864)
 
 
Klinge, klinge, mein Pandero,
doch an andres denkt mein Herz.
Wenn du, muntres Ding,
verständest meine Qual
und sie empfändest,
jeden Ton, den du entsendest,
würde klagen meinen Schmerz.
 
Bei des Tanzes Drehn und
Neigen schlag' ich wild
den Takt zum Reigen,
daß nur die Gedanken schweigen,
die mich mahnen an den Schmerz.
 
Ach, ihr Herrn, dann will im Schwingen
oftmals mir die Brust zerspringen,
und zum Angstschrei wird mein Singen,
denn an andres denkt mein Herz.
 
 

 
b) In dem Schatten meiner Locken

 
Text: Anon., Heyse
 
See also:

Johannes Brahms (1833-1897), op. 6 no. 1 (April 1852)
Adolf Jensen (1837-1879), "In dem Schatten meiner Locken", op. 1 no. 4 (1856)
 


 
In dem Schatten meiner Locken
Schlief mir mein Geliebter ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
 
Sorglich strählt ich meine krausen
Locken täglich in der Frühe,
Doch umsonst ist meine Mühe,
weil die Winde sie zerzausen.
Lockenschatten, Windessausen
Schläferten den Liebsten ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
 
Hören muß ich, wie ihn gräme,
Daß er schmachtet schon so lange,
Daß ihm Leben geb und nehme
Diese meine braune Wange,
Und er nennt mich eine Schlange,
Und doch schlief er bei mir ein.
Weck ich ihn nun auf? - Ach nein!
 
 
 

 
c) Seltsam ist Juanas Weise

 
Text: Anon., Geibel
 
 
Seltsam ist Juanas Weise.
Wenn ich steh' in Traurigkeit,
wenn ich seufz' und sage: heut,
"morgen" spricht sie leise.
 
Trüb' ist sie, wenn ich mich freue;
lustig singt sie, wenn ich weine;
sag' ich, daß sie hold mir scheine,
spricht sie, daß sie stets mich scheue.
Solcher Grausamkeit Beweise brechen mir das Herz in Leid -
wenn ich seufz' und sage: heut,
"morgen" spricht sie leise.
 
Heb' ich meine Augenlider,
weiß sie stets den Blick zu senken;
um ihn gleich empor zu lenken,
schlag' ich auch den meinen nieder.
Wenn ich sie als Heil'ge preise,
nennt sie Dämon mich im Streit,
wenn ich seufz' und sage: heut,
"morgen" spricht sie leise.
 
Sieglos heiß' ich auf der Stelle,
rühm' ich meinen Sieg bescheiden,
hoff' ich auf des Himmels Freuden,
prophezeit sie mir die Hölle.
Ja, so ist ihr Herz von Eise,
säh' sie sterben mich vor Leid,
hörte mich noch seufzen:
heut, "morgen" spräch' sie leise.
 
 

 
d) Treibe nur mit Lieben Spott

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Treibe nur mit Lieben Spott, Geliebte mein;
spottet doch der Liebesgott dereinst auch dein!
Magst an Spotten nach Gefallen du dich weiden;
von dem Weibe kommt uns Allen Lust und Leiden.
Treibe nur mit Lieben Spott, Geliebte mein;
spottet doch der Liebesgott dereinst auch dein!
 
Bist auch jetzt zu stolz zum Minnen, glaub', o glaube:
Liebe wird dich doch gewinnen sich zum Raube,
wenn du spottest meiner Noth, Geliebte mein,
spottet doch der Liebesgott dereinst auch dein!
 
Wer da lebt in Fleisch, er wäge alle Stunden:
Amor schläft und plötzlich rege schlägt er Wunden.
Treibe nur mit Lieben Spott, Geliebte mein;
spottet doch der Liebesgott dereinst auch dein!
 
 

 


e) Auf dem grünen Balkon

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Auf dem grünen Balkon mein Mädchen
Schaut nach mir durch's Gitterlein.
Mit den Augen blinzelt sie freundlich,
Mit dem Finger sagt sie mir: Nein!
 
Glück, das nimmer ohne Wanken
Junger Liebe folgt hienieden,
Hat mir eine Lust beschieden,
Und auch da noch muß ich schwanken.
Schmeicheln hör ich oder Zanken,
Komm ich an ihr Fensterlädchen.
Immer nach dem Brauch der Mädchen
Träuft ins Glück ein bißchen Pein:
Mit den Augen blinzelt sie freundlich,
Mit dem Finger sagt sie mir: Nein!
 
Wie sich nur in ihr vertragen
Ihre Kälte, meine Glut?
Weil in ihr mein Himmel ruht,
Seh ich Trüb und Hell sich jagen.
In den Wind gehn meine Klagen,
Daß noch nie die süße Kleine
Ihre Arme schlang um meine;
Doch sie hält mich hin so fein -
Mit den Augen blinzelt sie freundlich,
Mit dem Finger sagt sie mir: Nein!
 
 

 
f) Wenn du zu den Blumen gehst

 
Text: Anon., Heyse
 
See also:

Adolf Jensen (1837-1879), "Wenn du zu den Blumen gehst", op. 21 no. 5 (1864)
Arno Kleffel (1840-1913), "Spanisches Lied", op. 14 no. 6

 
 
Wenn du zu den Blumen gehst,
pflücke die schönsten,
dich zu schmücken.
Ach, wenn du in dem Gärtlein stehst,
müßtest du dich selber pflücken.
 
Alle Blumen wissen ja,
daß du hold bist ohne gleichen.
Und die Blume, die dich sah
Farb' und Schmuck muß ihr erbleichen.
 
Wenn du zu den Blumen gehst,
pflücke die schönsten,
dich zu schmücken.
Ach, wenn du in dem Gärtlein stehst,
müßtest du dich selber pflücken.
 
Lieblicher als Rosen sind die Küße,
die dein Mund verschwendet,
weil der Reiz der Blumen endet,
wo dein Liebreiz erst beginnt.
 
Wenn du zu den Blumen gehst,
pflücke die schönsten,
dich zu schmücken.
Ach, wenn du in dem Gärtlein stehst,
müßtest du dich selber pflücken.
 
 

 
g) Wer sein holdes Lieb verloren

 
Text: Anon., Geibel
 
 
Wer sein holdes Lieb verloren,
weil er Liebe nicht versteht,
besser wär' er nie geboren.
Ich verlor sie dort im Garten,
da sie Rosen brach und Blüthen.
Hell auf ihren Wangen glühten
Scham und Lust in holder Zier.
Und von Liebe sprach sie mir;
doch ich größter aller Thoren
wußte keine Antwort ihr
wär' ich nimmermehr geboren.
Ich verlor sie dort im Garten,
da sie sprach von Liebesplagen,
denn ich wagte nicht zu sagen,
wie ich ganz ihr eigen bin.
In die Blumen sank sie hin;
doch ich größter aller Thoren
zog auch davon nicht Gewinn,
wär' ich nimmermehr geboren!
Wer sein holdes Lieb verloren,
weil er Liebe nicht versteht,
besser wär' er nie geboren.
 
 

 
h) Ich fuhr über Meer

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Ich fuhr über See,
ich zog über Land,
das Glück das fand ich nimmermehr.
Die Andern umher wie jubelten sie!
Ich jubelte nie!
 
Nach Glück ich jagte,
an Leiden krankt' ich;
als Recht verlangt' ich was Liebe versagte.
Ich hofft' und wagte,
kein Glück mir gedieh,
und so schaut' ich es nie.
 
Trug ohne Klage die Leiden, die bösen,
und dacht', es lösen sich ab die Tage,
die fröhlichen Tage, wie eilen sie!
Ich ereilte sie nie!
 
 

 


i) Blindes Schauen, dunkle Leuchte

 
Text: Rodrigo de Coto, Heyse
 
 
Blindes Schauen, dunkle Leuchte,
Ruhm voll Weh, erstorb'nes Leben,
Unheil, das ein Heil mir däuchte,
freud'ges Weinen, Lust voll Beben,
süße Galle. Durst'ge Feuchte,
Krieg im Frieden allerwegen,
Liebe, falsch versprachst du Segen,
da dein Fluch den Schlaf mir scheuchte.
 
 


 
j) Eide, so die Liebe schwur

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Eide, so die Liebe schwur,
schwache Bürgen sind sie nur.
Sitzt die Liebe zu Gericht,
dann, Señor, vergeßet nicht,
daß sie nie nach Recht und Pflicht,
immer nur nach Gunst verfuhr.
 
Eide, so die Liebe schwur,
schwache Bürgen sind sie nur.
Werdet dort Betrübte finden,
die mit Schwüren sich verbinden,
die verschwinden mit den Winden,
wie die Blumen auf der Flur.
 
Eide, so die Liebe schwur,
schwache Bürgen sind sie nur.
Und als Schreiber an den Schranken
seht ihr nichtige Gedanken.
Weil die leichten Händlein schwanken,
schreibt euch keiner nach der Schnur.
 
Eide, so die Liebe schwur,
schwache Bürgen sind sie nur.
Sind die Bürgen gegenwärtig,
allesamt des Spruch's gewärtig,
machen sie das Urtheil fertig;
vom Vollziehen keine Spur!
Eide, so die Liebe schwur,
schwache Bürgen sind sie nur.
 
 

 
k) Herz verzage nicht geschwind

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Herz verzage nicht geschwind,
weil die Weiber Weiber sind.
 
Argwohn lehre sie dich kennen,
die sich lichte Sterne nennen
und wie Feuerfunken brennen.
Drum verzage nicht geschwind,
weil die Weiber Weiber sind.
 
Laß dir nicht den Sinn verwirren,
wenn sie süße Weisen girren;
möchten dich mit Listen kirren,
machen dich mit Ränken blind;
weil die Wiber Weiber sind.
 
Sind einander stets im Bunde,
fechten tapfer mit dem Munde,
wünschen, was versagt die Stunde,
bauen Schlößer in den Wind;
weil die Weiber Weiber sind.
 
Und so ist ihr Sinn verschroben,
daß sie, lobst du, was zu loben,
mit dem Mund dagegen toben,
ob ihr Herz auch Gleiches sinnt;
weil die Weiber Weiber sind.
 
 

 
l) Sagt, seid Ihr es, feiner Herr

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Sagt, seid Ihr es, feiner Herr,
der da jüngst so hübsch gesprungen
und gesprungen und gesungen?
Seid Ihr der, vor dessen Kehle
Keiner mehr zu Wort gekommen?
habt die Backen voll genommen,
sangt gar artig, ohne Fehle.
Ja, Ihr seid's, bei meiner Seele,
der so mit uns umgesprungen
und gesprungen und gesungen.
Seid Ihr's, der auf Castagnetten
und Gesang sich nie verstand,
der sie Liebe nie gekannt,
der da floh vor Weiberketten?
Ja, Ihr seid's; doch möcht ich wetten,
manch ein Lieb habt Ihr umschlungen
und gesprungen und gesungen.
Seid Ihr der, der Tanz und Lieder
so herausstrich ohne Mass?
Seid Ihr's, der im Winkel saß
und nicht regte seine Glieder?
Ja Ihr seid's, ich kenn' Euch wieder,
der zum Gähnen uns gezwungen
und gesprungen und gesungen!
 
 

 
m) Mögen alle bösen Zungen

 
Text: Anon., Geibel
 
See also:

Robert Schumann (1810-1856), "Ich bin geliebt", op. 74 no. 9 (1849) from Spanisches Liederspiel

 
 
Mögen alle bösen Zungen
immer sprechen, was beliebt:
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
 
Schlimme, schlimme Reden flüstern
eure Zungen schonungslos,
doch ich weiß es,
sie sind lüstern
nach unschuld'gem Blute bloß.
Nimmer soll es mich bekümmern,
schwatzt so viel es euch beliebt;
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
 
Zur Verleumdung sich verstehet nur,
wem Lieb' und Gunst gebrach,
weil's ihm selber elend gehet
und ihn niemand minnt und mag.
Darum denk' ich, daß die Liebe,
drum sie schmähn, mir Ehre giebt;
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
 
Wenn ich wär' aus Stein und Eisen,
möchtet ihr darauf bestehn,
daß ich sollte von mir weisen
Liebesgruß und Liebesflehn.
Doch mein Herzlein ist nun leider weich,
wie's Gott uns Mädchen giebt,
wer mich liebt, den lieb' ich wieder,
und ich lieb' und bin geliebt.
 
 

 
n) Köpfchen, Köpfchen, nicht gewimmert

 
Text: Miguel de Cervantes Saavedra (1547-1616), "Cabezita, cabezita", Heyse
 
See also:

Peter Cornelius (1824-1874), "Preziosas Sprüchlein gegen Kopfweh" (1854-55)
 


 
Köpfchen, Köpfchen, nicht gewimmert,
halt dich wacker, halt dich munter,
stütz zwei gute Säulchen unter,
heilsam aus Geduld gezimmert!
Hoffnung schimmert,
wie sich's auch verschlimmert
und dich kümmert.
Mußt mit Grämen
dir nichts zu Herzen nehmen,
ja kein Märchen,
daß zu Berg dir stehn die Härchen;
da sei Gott davor und der Riese Christophor!
da sei Gott davor und der Riese Christophor!
 
 

 
o) Sagt ihm, daß er zu mir komme

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Sagt ihm, daß er zu mir komme,
denn je mehr sie mich drum schelten,
ach je mehr wächst meine Glut!
O zum Wanken bringt die Libe nichts auf Erden;
durch ihr Zanken wird sie nur gedoppelt werden.
Sie gefährden mag nicht ihrer Neider Wuth;
denn je mehr sie mich drum schelten,
ach, je mehr wächst meine Glut!
 
Eingeschlossen haben sie mich lange Tage;
unverdrossen mich gestraft mit schlimmer Plage;
Doch ich trage jede Pein mit Liebesmuth,
denn je mehr sie mich drum schelten,
ach, je mehr wächst meine Glut!
 
Meine Peiniger sagen oft, ich soll dich lassen,
doch nur einiger woll'n wir uns ins Herze fassen.
Muß ich drum erblassen,
Tod um Liebe lieblich thut,
und je mehr sie mich drum schelten,
ach, je mehr wächst meine Glut!
 
 

 
p) Bitt' ihn, o Mutter, bitte den Knaben

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Bitt' ihn, o Mutter, bitte den Knaben,
nicht mehr zu zielen, weil er mich tödtet.
Mutter, o Mutter, die launische Liebe
höhnt und versöhnt mich,
flieht much und zieht mich.
Ich sah zwei Augen am letzten Sonntag,
Wunder des Himmels, Unheil der Erde.
Was man sagt, o Mutter, von Basilisken,
erfuhr mein Herze,
da ich sie sah.
Bitt' ihn, o Mutter, bitte den Knaben,
nicht mehr zu zielen, weil er mich tödtet.
 
 

 
q) Liebe mir im Busen

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Liebe mir im Busen zündet einen Brand.
Wasser, liebe Mutter, eh das Herz verbrannt!
 
Nicht das blinde Kind straft für meine Fehle;
hat zuerst die Seele mir gekühlt so lind.
Dann entflammt's geschwind ach, mein Unverstand;
Wasser, liebe Mutter, eh das Herz verbrannt!
 
Ach! wo ist die Fluth, die dem Feuer wehre?
für so große Gluth sind zu arm die Meere.
Weil es wohl mir thut wein' ich unverwandt;
Wasser, liebe Mutter, eh das Herz verbrannt!
 
 

 
r) Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen

 
Text: Anon., Geibel or original poem by Geibel
 
 
Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen,
Wasser im Auge und Feuer im Herzen,
Stolz auf den Lippen und Seufzer im Sinne,
Honig und Galle zugleich ist die Minne.
 
Oft, wenn ein Seelchen vom Leibe geschieden,
möcht' es Sankt Michael tragen in Frieden.
Aber der Dämon auch möcht es verschlingen;
Keiner will weichen, da geht es ans Ringen.
 
Seelchen, gequältes, in ängstlichem Wogen
fühlst du dich hier hin und dort hin gezogen,
aufwärts und abwärts. In solches Getriebe
stürzt zwischen Himmel und Höll' uns die Liebe.
 
Mütterchen, ach, und mit siebenzehn Jahren
hab ich dies Hangen und Bangen erfahren,
Hab's dann verschworen mit Thränen der Reue;
ach, und schon lieb' ich, schon lieb' ich auf's neue.
 
 

 
s) Trau nicht der Liebe

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Trau nicht der Liebe, mein Liebster, gib Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
Und siehst du nicht schwinden des Mondes Gestalt?
Das Glück hat nicht minder nur wankenden Halt.
Dann rächt es sich bald; und Liebe, gieb Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
 
Drum hüte dich fein vor thörigem Stolze!
Wohl singen im Mai'n die Grillchen im Holze;
dann schlafen sie ein, und Liebe, gieb Acht!
sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
 
Wo schweifst du nur hin? Laß Rath dir ertheilen:
Das Kind mit den Pfeilen hat Possen im Sinn.
Die Tage, die eilen und Liebe, gieb Acht!
Sie macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
 
Nicht immer ist's helle, nicht immer ist's dunkel,
der Fremde Gefunkel erbleicht so schnelle.
Ein falscher Geselle ist Amor, gieb Acht!
Er macht dich noch weinen, wo heut du gelacht.
 
 

 
t) Ach, im Maien war's, im Maien

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Ach, im Maien war's, im Maien,
wo die warmen Lüfte wehen,
wo verliebte Leute pflegen
ihren Liebchen nachzugehn.
 
Ich allein, ich armer Trauriger,
lieg' im Kerker so verschmachtet,
und ich seh' nicht, wann es taget,
und ich weiß nicht, wann es nachtet.
 
Nur an einem Vöglein merkt' ich's,
das da drauß im Maien sang;
das hat mir ein Schütz getödtet
geb' ihm Gott den schlimmsten Dank!
 
 

 
u) Alle gingen, Herz, zur Ruh

 
Text: Anon., Geibel
 
See also:

Robert Schumann (1810-1856), "In der Nacht", op. 74 no. 4 (1849), from Spanisches Liederspiel

 
 
Alle gingen, Herz, zur Ruh,
alle schlafen, nur nicht du.
Denn der hoffnungslose Kummer
scheucht von deinem Bett den Schlummer,
und dein Sinnen schweift in stummer Sorge
seiner Liebe zu seiner Liebe zu.
 
 

 
v) Dereinst, dereinst Gedanken mein

 
Text: Cristobal de Castillejo (d. 1550), Geibel
 
See also:
 
Leopold Damrosch (1832-1885), "Dereinst, dereinst", op. 11 no. 4 published 1903?
Edvard Grieg (1843-1907), "Dereinst, Gedanken mein", op. 48 no. 2
Adolf Jensen (1837-1879), "Dereinst, Gedanken mein", op. 4 no. 7 (1860)
Robert Schumann (1810-1856), "Liebesgram", op. 74 no. 3 (1849) from Spanisches Liederspiel

 
 
Dereinst, Gedanken mein,
Wirst ruhig sein.
Läßt Liebesglut
Dich still nicht werden,
In kühler Erden,
Da schläfst du gut,
Dort ohne Lieb' und ohne Pein
Wirst ruhig sein.
 
Was du im Leben
Nicht hast gefunden,
Wenn es entschwunden,
Wird's dir gegeben,
Dann ohne Wunden
Und ohne Pein
Wirst ruhig sein.
 
 

 
w) Tief im Herzen trag' ich Pein

 
Text: Luis de Camõens (1524?-1580), Geibel
 
See also:

Robert Schumann (1810-1856), op. 138 no. 2

 
 
Tief im Herzen trag' ich Pein,
muß nach außen stille sein.
Den geliebten Schmerz verhehle
tief ich vor der Welt Gesicht;
und es fühlt ihn nur die Seele,
denn der Leib verdient ihn nicht.
Wie der Funke frei und licht sich verbirgt im Kieselstein,
trag' ich innen tief die Pein.
 
 

 
x) Komm, o Tod, von Nacht umgeben

 
Text: Comendador Escrive, Geibel
 
 
Komm, o Tod, von Nacht umgeben,
leise komm zu mir gegangen,
daß die Lust, dich zu umfangen,
nicht zurück mich ruf' ins Leben.
 
Komm, so wie der Blitz uns rühret,
den der Donner nicht verkündet,
bis er plötzlich sich entzündet
und den Schlag gedoppelt führet.
 
Also seist du mir gegeben,
plötzlich stillend mein Verlangen,
daß die Lust, dich zu umfangen,
nicht zurück mich ruf' ins Leben.
 
 

 
y) Ob auch finstre Blicke glitten

 
Text: Anon., Heyse
 
See also:

Adolf Jensen (1837-1879), op. 21 no. 7 (1864)

 
 
Ob auch finstre Blicke glitten,
schöner Augenstern, aus dir,
wird mir doch nicht abgestritten,
daß du hast geblickt nach mir.
 
Wie sich auch der Strahl bemühte,
zu verwunden meine Brust,
gieht's ein Leiden, das die Lust,
dich zu schaun, nicht reich vergühte?
 
Und so tödtlich mein Gemüthe
unter deinem Zorn gelitten,
wird mir doch nicht abgestritten,
daß du hast geblickt nach mir.
 
 

 
z) Bedeckt mich mit Blumen

 
Text: María Doceo?, Geibel
 
See also:

Leopold Damrosch (1832-1885), "Bedeckt mich mit Blumen", op. 11 no. 7, published 1903?
Robert Schumann (1810-1856), "Duett", op. 138 no. 4 (1849), from Spanisches Liederspiel

 
 
Bedeckt mich mit Blumen,
ich sterbe vor Liebe.
Daß die Luft mit leisem Wehen
nicht den süßen Duft mir entführe,
bedeckt mich!
Ist ja alles doch dasselbe,
Liebesodem oder Düfte von Blumen.
Von Jasmin und weißen Lilien sollt ihr hier mein Grab bereiten,
ich sterbe.
Und befragt ihr mich: Woran?
sag' ich: Unter süßen Qualen vor Liebe -
vor Liebe.
 
 

 
aa) Und schläfst du, mein Mädchen

 
Text: Gil Vicente (ca. 1470 - ca. 1536), Geibel
 
See also:

Adolf Jensen (1837-1879), "Und schläfst du, mein Mädchen", op. 21 no. 3 (1864)
Robert Schumann (1810-1856), "Intermezzo", op. 74 no. 2 (1849) from Spanisches Liederspiel

 
 
Und schläfst du, mein Mädchen, auf, öffne du mir;
denn die Stund' ist gekommen, da wir wandern von hier.
Und bist ohne Sohlen, leg' keine dir an;
durch reisende Wasser gehrt unsere Bahn.
Durch die tief tiefen Wasser des Quadalquivir;
denn die Stund' ist gekommen, da wir wandern von hier
da wir wandern von hier.
 
 

 
bb) Sie blasen zum Abmarsch

 
Text: Anon., Heyse
 
See also:

Adolf Jensen (1837-1879), op. 4 no. 4 (1860)

 
 
Sie blasen zum Abmarsch,
Lieb Mütterlein.
Mein Liebster muß scheiden
Und läßt mich allein!
 
Am Himmel die Sterne
Sind kaum noch geflohn,
Da feuert von ferne
Das Fußvolk schon.
Kaum hört er den Ton,
Sein Ränzelein schnürt er,
Von hinnen marschiert er,
Mein Herz hinterdrein.
Mein Liebster muß scheiden
Und läßt mich allein!
 
Mir ist wie dem Tag,
Dem die Sonne geschwunden.
Mein Trauern nicht mag
So balde gesunden.
Nach nichts ich frag,
Keine Lust mehr heg ich,
Nur Zwiesprach pfleg ich
Mit meiner Pein -
Mein Liebster muß scheiden
Und läßt mich allein!
 
 

 

 
cc) Weint nicht, ihr Äuglein

 
Text: Lope Felix de Vega Carpio (1562-1635), Heyse
 
 
Weint nicht, ihr Äuglein!
Wie kann so trübe weinen vor Eifersucht,
wer tödtet durch Liebe?
Wer selbst Tod bringt,
der sollt' ihn ersehnen?
Sein Lächeln bezwingt
was trotzt seinen Thränen.
Weint nicht, ihr Äuglein!
Wie kann so trübe weinen vor Eifersucht,
wer tödtet durch Liebe?
 
 
 

 
dd) Wer tat deinem Füßlein weh?

 
Text: Anon., Geibel
 
 
"Wer tat deinem Füßlein weh?
La Marioneta,
Deiner Ferse weiß wie Schnee?
La Marion."
 
Sag Euch an, was krank mich macht,
Will kein Wörtlein Euch verschweigen:
Ging zum Rosenbusch zur Nacht,
Brach ein Röslein von den Zweigen;
Trat auf einen Dorn im Gang,
La Marioneta,
Der mir bis ins Herze drang,
La Marion.
 
Sag Euch alle meine Pein,
Freund, und will Euch nicht berücken:
Ging in einem Wald allein,
Eine Lilie mir zu pflücken;
Traf ein Stachel scharf mich dort,
La Marioneta,
War ein süßes Liebeswort,
La Marion.
 
Sag Euch mit Aufrichtigkeit
Meine Krankheit, meine Wunde:
In den Garten ging ich heut,
Wo die schönste Nelke stunde;
Hat ein Span mich dort verletzt,
La Marioneta,
Blutet fort und fort bis jetzt,
La Marion.
 
"Schöne Dame, wenn Ihr wollt,
Bin ein Wundarzt guter Weise,
Will die Wund' Euch stillen leise,
Daß Ihr's kaum gewahren sollt.
Bald sollt Ihr genesen Sein,
La Marioneta,
Bald geheilt von aller Pein,
La Marion."
 
 
 

 


ee) Deine Mutter, süßes Kind

 
Text: Luis el Chico, Heyse or original poem by Heyse
 
 
Deine Mutter, süßes Kind,
da sie in den Weh'n gelegen,
brausen hörte sie den Wind.
Und so hat sie dich geboren
mit dem falschen wind'gen Sinn.
Hast du heut ein Herz erkoren,
wirfst es morgen treulos hin.
Doch den zähl' ich zu den Thoren,
der dich schmäht der Untreu wegen:
Dein Geschick war dir entgegen;
denn die Mutter, süßes Kind,
da sie in den Weh'n gelegen,
brausen hörte sie den Wind.
 
 

 
ff) Da nur Leid und Leidenschaft

 
Text: Anon., Heyse
 
 
Da nur Leid und Leidenschaft
mich bestürmt in deiner Haft,
biet' ich nun mein Herz zu Kauf.
Sagt, hat einer Lust darauf?
 
Soll ich sagen, wie ich's schätze,
sind drei Batzen nicht zu viel.
Nimmer war's des Windes Spiel,
eigensinnig blieb's im Netze.
 
Aber weil mich drängt die Noth
biet' ich nun mein Herz zu Kauf,
schlag' es los zum Meistgebot -
sagt, hat einer Lust darauf?
 
Täglich kränkt es mich im Stillen
und erfreut mich nimmermehr.
Nun wer bietet? wer giebt mehr?
Fort mit ihm und seinen Grillen!
 
Daß sie schlim sind, leuchtet ein,
biet' ich doch mein Herz zu Kauf.
Wär es froh, behielt' ich's fein -
sagt, hat einer Lust darauf?
 
Kauft ihr's, leb' ich ohne Grämen
Mag es haben, wenn's beliebt!
Nun wer kauft? wer will es nehmen?
Sag' ein Jeder, was er giebt.
 
Noch einmal vorm Hammerschlag
biet' ich jetzt mein Herz zu Kauf,
daß man sich entscheiden mag -
sagt, hat einer Lust darauf?
 
Nun zum ersten und zum zweiten
und beim dritten schlag' ich's zu!
Gut denn! Mag dir's Glück bereiten;
nimm es, meine Liebste du!
 
Brenn' ihm mit dem glühn'den Erz
gleich das Sklavenzeichen auf;
denn ich schenke dir mein Herz,
hast du auch nicht Lust zum Kauf.
 
 

 
gg) Wehe der, die mir verstrickte

 
Text: Gil Vicente (ca. 1470 - ca. 1536), Heyse
 
 
Wehe der, die mir verstrickte
meinen Geliebten!
Wehe der, die ihn verstrickte!
Ach, der Erste, den ich liebte,
ward gefangen in Sevilla.
Mein Vielgeliebter,
Wehe der, die ihn verstrickte!
Ward gefangen in Sevilla
mit der Fessel mener Locken.
Mein Vielgeliebter,
Wehe der, wehe der,
die ihn verstrickte!
Wehe der!
 
 

 
hh) Geh, Geliebter, geh jetzt!

 
Text: Anon., Geibel
 
See also:

Leopold Damrosch (1832-1885), op. 11 no. 6, published 1903?
 


 
Geh, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.
 
Leute gehn schon durch die Gasse,
Und der Markt wird so belebt,
Daß der Morgen wohl, der blasse,
Schon die weißen Flügel hebt.
Und vor unsern Nachbarn bin ich
Bange, daß du Anstoß gibst;
Denn sie wissen nicht, wie innig
Ich dich lieb und du mich liebst.
 
Drum, Geliebter, geh jetzt,
Sieh, der Morgen dämmert.
 
Wenn die Sonn am Himmel scheinend
Scheucht vom Feld die Perlen klar,
Muß auch ich die Perle weinend
Lassen, die mein Reichtum war.
Was als Tag den andern funkelt,
Meinen Augen dünkt es Nacht,
Da die Trennung bang mir dunkelt,
Wenn das Morgenrot erwacht.
 
Geh, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.
 
Fliehe denn aus meinen Armen!
Denn versäumest du die Zeit,
Möchten für ein kurz Erwarmen
Wir ertauschen langes Leid.
Ist in Fegefeuersqualen
Doch ein Tag schon auszustehn,
Wenn die Hoffnung fern in Strahlen
Läßt des Himmels Glorie sehn.
 
Drum, Geliebter, geh jetzt!
Sieh, der Morgen dämmert.
 

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