Lieder index:
1. KV? Ein deutsches Kriegslied
2. KV152. Ridente la calma
3. KV307. Oiseaux, si tous les ans
4. KV308. Dans un bois
5. KV340a. Verdankt sei es dem Glanz
6. KV340b. An die Einsamkeit
7. KV349. Die Zufriedenheit
8. KV351. Komm, liebe Zither
9. KV390. Ich würd' auf meinem Pfad
10. KV468. Gesellenreise
11. KV433. Warnung
12. KV472. Der Zauberer
13. KVK473. Die Zufriedenheit
14. KV476. Das Veilchen
15. KV517. Die Alte
16. KV518. Die Verschweigung
17. KV519. Trennungslied
18. KV520. Als Luise die Briefe verbrannte
19. KV523. Abendempfindung
20. KV524. An Chloë
21. KV529. Des kleinen Friedrichs Geburtstag
22. KV530. Das Traumbild
23. KV531. Die kleine Spinnerin
24. KV596. Sehnsucht nach dem Frühling(e)
25. KV597. Im Frühlingsanfang
26. KV598. Das Kinderspiel
27. KV619. Die ihr des unermeßlichen Weltalls
1.
"Ein deutsches Kriegslied (1788)"
Text: Johann Wilhelm
Ludwig Gleim (1719-1803)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart
Ich möchte wohl der
Kaiser sein!
Den Orient wollt ich erschüttern;
Die Muselmänner müssten zittern,
Konstantinopel wäre mein!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Athen und Sparta sollten werden
Wie Rom die Königin der Erden,
das Alte sollte sich erneu'n!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Die besten Dichter wollt ich dingen,
Der Helden Taten zu besingen,
Die goldnen Zeiten führt ich ein!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Ich möchte wohl der Kaiser sein!
Weil aber Joseph meinen Willen
Bei seinem Leben will erfüllen,
Und sich darauf die Weisen freu'n,
so mag er immer Kaiser sein!
2.
"Ridente la calma"
Text: Anonymous
Music by Wolfgang Amadeus Mozart K. 152, 1772(?), Canzonetta
Ridente la calma nell' alma si desti;
Ne resti più segno di sdegno e timor.
Tu vieni frattanto a stringer mio bene,
Le dolce catene si grate al mio cor.
3.
"Oiseaux, si tous les ans"
Text: Houdart de la Motte
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 307, 1778
Oiseaux, si tous les ans
Vous changez de climats,
Dès que le triste hiver
Dèpouille nos bocages;
Ce n'est pas seulement
Pour changer de feuillages,
Ni pour éviter nos frimats;
Mais votre destinée
Ne vous permet d'aimer,
Qu'à la saison des fleurs.
Et quand elle est passée,
Vous la cherchez ailleurs,
Afin d'aimer toute l'année.
4.
"Dans un bois"
Text by Antoine Ferrand
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 308 (1777?)
Dans un bois solitaire et sombre
Je me promenais l'autr' jour,
Un enfant y dormait à l'ombre,
C'était le redoutable Amour.
J'approche, sa beauté me flatte,
Mais je devais m'en défier;
Il avait les traits d'une ingrate,
Que j'avais juré d'oublier.
Il avait la bouche vermeille,
Le teint aussi frais que le sien,
Un soupir m'échappe, il s'éveille;
L'Amour se réveille de rien.
Aussitôt déployant ses aîles et saisissant
Son arc vengeur,
L'une de ses flêches, cruelles en partant,
Il me blesse au coeur.
Va! va, dit-il, aux pieds de Sylvie,
De nouveau languir et brûler!
Tu l'aimeras toute la vie,
Pour avoir osé m'éveiller.
5.
"Verdankt sei es dem Glanz"
Text: Johann Timotheus Hermes (1738-1821)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 392 (340a)
Verdankt sei es dem Glanz der Großen,
Daß er mein Nichts mir deutlich zeigt.
Mich hat er nie zurückgestoßen,
Denn mich hat er niemals erreicht.
Ich sah viel Kleine näher geh'n
Und blieb in meinem Zirkel steh'n.
Sie sind mir wert, die engen Grenzen,
Wo ich so unbeträchtlich bin.
Hier seh' ich Stern und Orden glänzen,
Und Band und Stern reißt mich nicht hin.
Und auch das gnädigste Gesicht,
Aus meinem Zirkel bringt's mich nicht.
Soll mir des Größern Unmut zeigen,
Ich sei nur eine Kleinigkeit:
O Unschuld! Dann lehr' du mich schweigen
Und gib mir Unerschrockenheit,
Und präge mir sanfttröstend ein,
Es sei nicht Schande, klein zu sein.
Doch ließe sich zu meinem Kreise
Ein Großer ohne Falsch herab:
Erfahrung! Dann mach' du mich weise
Und zeichne meine Grenzen ab,
Und lehre mich, niemals zu klein,
Doch auch nicht kühn und eitel sein
6.
"An die Einsamkeit"
Text: Johann Timotheus Hermes (1738-1821)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 391 (340b)
Sei du mein Trost, verschwiegene
Traurigkeit!
Ich flieh' zu dir mit so viel Wunden,
Nie klag' ich Glücklichen mein Leid:
So schweigt ein Kranker bei Gesunden.
O Einsamkeit! Wie sanft erquickst du mich,
Wenn meine Kräfte früh ermatten!
Mit heißer Sehnsucht such' ich dich:
So sucht ein Wandrer, matt, den Schatten.
Hier weine ich. Wie schmähend is der Blick,
Mit dem ich oft bedauert werde!
Jetzt, Tränen, hält euch nichts zurück
So senkt die Nachttau auf die Erde.
O daß dein Reiz, geliebte Einsamkeit!
Mir oft das Bild des Grabes brächte:
So lockt des Abends Dunkelheit
Zur tiefen Ruhe schöner Nächte.
7.
"Was frag' ich viel nach Geld und Gut"
Text: Johannes Martin Miller
(1750-1814)
Wolfgang Amadeus Mozart, K.
349 (367a), "Die Zufriedenheit", by Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802)
"Lied" Kleine Balladen und Lieder Heft V no. 4, publ. 1803
Was frag' ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin!
Gibt Gott mir nur gesundes Blut,
So hab' ich frohen Sinn
Und sing' mit dankbarem Gemüt
Mein Morgen- und mein Abendlied.
So mancherschwimmt im Überfluß,
Hat Haus und Hof und Geld
Und ist doch immer voll Verdruß
Und freut sich nicht der Welt.
Je mehr er hat, je mehr er will,
Nie schweigen seine Klagen still.
Da heißt die Welt ein Jammertal
Und deucht mir doch so schön,
Hat Freuden ohne Maß und Zahl,
Läßt keinen leer ausgeh'n.
Das Käferlein, das Vögelein
Darf sich ja auch des Maien freu'n.
Und uns zu Liebe schmücken ja
Sich Wiese, Berg und Wald,
Und Vögel singen fern und nah,
Daß alles widerhallt;
Bei Arbeit singt die Lerch' uns zu,
Die Nachtigall bei süßer Ruh'.
Und wenn die gold'ne Sonn' aufgeht,
Und golden wird die Welt,
Und alles in der Blüte steht,
Und Ahren trägt das Feld,
Dann denk' ich alle diese Pracht
Hat Gott zu meiner Lust gemacht.
Dann preis' ich Gott und lobe Gott
Und schweb' in hohem Mut
Und denk': Es ist ein lieber Gott,
Der meint's mit Menschen gut.
Drum will ich immer dankbar sein
Und mich der Güte Gottes freu'n.
8.
"Komm, liebe Zither"
Text: Anonymous
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 351 (367b)
Komm, liebe Zither, komm, du Freundin
stiller Liebe,
Du sollst auch meine Frendin sein.
Komm, dir vertraue ich die geheimsten meiner Triebe,
Nur dir vertrau ich meine Pein.
Sag' ihr an meiner Statt, ich darf's ihr noch nicht sagen,
Wie ihr so ganz mein Herz gehört.
Sag' ihr an meiner Statt, ich darf's ihr noch nicht klagen,
Wie sich für sie mein Herz verzehrt.
9.
"Ich würd' auf meinem Pfad"
Text: Johann Timotheus Hermes (1738-1821)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 390
Ich würd' auf meinem Pfad' mit Tränen
Oft hin zum fernen Ende seh'n,
Säh' ich nicht Kenner meiner Leiden
So mitleidsvoll am Wege steh'n.
Den Sonnenbrand, der mich entkäftet,
Den Blitz, der meinem Scheitel droht,
Den sieht mein Freund und tritt mir näher
Und ruft: "Ich kenne deine Not."
Zwar schmerzt es mich, daß er den Jammer
Mit ansieht und, zur Hälfte schwach,
Nichts weiter kann, als mit mir trauern.
Doch ruft mein Herz: "Er weint dir nach."
Dann brech' ich mutig durch die Dornen:
"Er sieht mich bluten," sprech' ich dann.
Und wenn ich einst, verblutet, falle,
Dann sag' er: "Der stieg felsenan."
10.
"Gesellenreise"
Text: Josef Franz von Ratschky (1757-1810)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, Freimaurerlied K. 468
Die ihr einem neuen Grade
Der Erkenntnis nun euch naht,
Wandert fest auf eurem Pfade,
Wißt, es ist der Weisheit Pfad.
Nur der unverdroßne Mann
Mag dem Quell des Lichts sich nah'n.
Nehmt, o Pilger, zum Geleite
Eurer Brüder Segen mit!
Vorsicht sei euch stets zur Seite;
Wißgier leite euren Schritt!
Prüft und werdet nie dem Wahn
Träger Blindheit untertan!
Rauh ist zwar des Lebens Reise,
Aber süß ist auch der Preis,
Der des Wand'rers harrt, der weise
Seine Fahrt zu nützen weiß.
Glücklich, wer einst sagen kann:
Es ist Licht auf meiner Bahn!
11.
"Warnung"
Text: Anonymous
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 433 (416c)
See also:
Max
Reger (1873-1916), op. 104 no.
2 (1907)
Männer suchen stets zu naschen,
Läßt man sie allein,
Leicht sind Mädchen zu erhaschen,
Weiß man sie zu überraschen;
Soll das zu verwundern sein?
Mädchen haben frisches Blut,
Und das Naschen schmeckt so gut.
Doch das Naschen vor dem Essen
Nimmt den Appetit,
Manche kam, die das vergessen,
Um den Schatz, den sie besessen,
Und um ihren Liebsten mit,
Väter, läßt's euch Warnung sein:
Sperrt die Zukkerplätzchen ein!
12.
"Der Zauberer"
Text: Christian Felix Weisse (1726-1804)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 472
Ihr Mädchen, flieht Damöten ja!
Als ich zum erstenmal ihn sah,
Da fühlt' ich, so was fühlt' ich nie,
Mir ward, mir ward, ich weiß nicht wie,
Ich seufze, zitterte, und schien mich doch zu freu'n;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer sein.
Sah ich ihn an, so ward mir heiß,
Bald ward ich rot, bald ward ich weiß,
Zuletzt nahm er mich bei der Hand;
Wer sagt mir, was ich da empfand?
Ich sah, ich hörte nichts,
Sprach nichts als ja und nein;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer sein.
Er führte mich in dies Gesträuch,
Ich wollt' ihm flieh'n und folgt' ihm gleich;
Er setzte sich, ich setzte mich;
Er sprach, nur Sylben stammelt' ich;
Die Augen starrten ihm, die meinen wurden klein;
Glaubt mir, er muß ein Zaub'rer sein.
Entbrannt drückt' er mich an sein Herz,
Was fühlt' ich Welch ein süßer Schmerz!
Ich schluchzt', ich atmete sehr schwer,
Da kam zum Glück die Mutter her;
Was würd', o Götter, sonst nach so viel Zauberei'n,
Aus mir zuletzt geworden sein!
13.
"Die Zufriedenheit"
Text: Christian Felix Weisse (1726-1804)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 473
Wie sanft, wie ruhig fühl' ich hier
Des Lebens Freuden ohne Sorgen!
Und sonder Ahnung leuchtet mir
Willkommen jeder Morgen.
Mein frohes, mein zufried'nes Herz
Tanzt nach der Melodie der Haine,
Und angenehm ist selbst mein Schmerz,
Wenn ich vor Liebeweine.
Wie sehr lach' ich die Großen aus,
Die Blutvergießer, Helden, Prinzen!
Denn mich beglückt ein kleines Haus,
Sie nicht einmal Provinzen.
Wie wüten sie nicht wider sich,
Die göttergleichen Herr'n der Erden!
Doch brauchen sie mehr Raum als ich,
Wenn sie begraben werden?
14.
"Das Veilchen"
Text: Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 476
See also:
Clara
Schumann Wieck (1819-1896)
Ein Veilchen auf der
Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und muntrem Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.
Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepfückt
Und an dem Busen mattgedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!
Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
Und sterb ich denn, so sterb ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch.
[Das arme Veilchen!
Es war ein herzigs Veilchen.]
A violet stood upon the lea,
Hunched o'er in anonymity;
So amiable a violet!
Along there came a young shepherdess
Light paced, full of contentedness
Along, along,
The lea, and sang her song.
"Ah!" thinks the violet, "were I just
The fairest flower in the dust
For just a little while yet,
Until that darling seizes me
And to her bosom squeezes me!
For just, for just
A quarter hour long!"
Ah! And alas! There came the maid
And no heed to the violet paid,
Crushed the poor little violet.
It sank and died, yet filled with pride:
"And though I die, I shall have died
Through her, through her,
And at her feet have died."
Poor little violet!
So amiable a violet!
15. "Die
Alte"
Text by Friedrich von Hagedorn (1708-1754)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 517
Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Bestand noch Recht und Billigkeit.
Da wurden auch aus Kindern Leute,
Aus tugendhaften Mädchen Bräute;
Doch alles mit Bescheidenheit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Es ward kein Jüngling zum Verräter,
Und unsre Jungfern freiten später,
Sie reizten nicht der Mütter Neid.
O gute, Zeit, o gute Zeit!
Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Befliß man sich der Heimlichkeit.
Genoß der Jüngling ein Vergnügen,
So war er dankbar und verschwiegen;
Doch jetzt entdeckt er's ungescheut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
Die Regung mütterlicher Triebe,
Der Vorwitz und der Geist der Liebe
Fährt jetzt oft schon in's Flügelkleid.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
ward Pflicht und Ordnung nicht entweiht.
Der Mann ward, wie es sich geblühret,
Von einer lieben Frau regieret,
Trotz seiner stolzen Männlichkeit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Die Fromme herrschte nur gelinder,
Uns blieb der Hut und ihm die Kinder;
Das war die Mode weit und breit.
O gute Zeit, o gute Zeit!
Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
war noch in Ehen Einigkeit.
Jetzt darf der Mann uns fast gebieten,
Uns widersprechen und uns hüten,
Wo man mit Freunden sich erfreut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
Mit dieser Neuerung im Lande,
Mit diesem Fluch im Ehestande
Hat ein Komet uns längst bedräut.
O schlimme Zeit, o schlimme Zeit!
16. "Die Verschweigung"
Text by Christian Felix Weisse
(1726-1804)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 518
Sobald Damötas Chloën sieht,
So sucht er mit beredten Blicken
Ihr seine Klagen auszudrücken
und ihre Wange glüht.
Sie scheinet seine stillen Klagen
Mehr als zur Hälfte zu versteh'n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nicht weiter sagen.
Vermißt er Chloën auf der Flur,
Betrübt wird er von dannen scheiden;
Dann aber hüfpt er voller Freuden,
Entdeckt er Chloën nur.
Er küßt ihr unter tausend Fragen
Die Hand, und Chloë läßt's gescheh'n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.
Sie hat an Blumen ihre Lust,
Er stillet täglich ihr Verlangen;
Sie klopfet schmeichelnd ihm die Wangen,
Und steckt sie an die Brust.
Der Busen bläht sich sie zu tragen.
Er triumphiert sie hier zuseh'n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.
Wenn sie ein kühler, heitrer Bach,
Beschützt von Büschen, eingeladen,
In seinen Wellen sich zu baden,
So schleicht er listig nach.
In diesen schwülen Sommertagen
Hat er ihr oftmals zu geseh'n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.
17.
"Trennungslied"
Text by Klamer Eberhard Karl Schmidt
(1764-1824)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 519 (1787)
Die Engel Gottes weinen,
wo Liebende sich trennen,
wie werd ich leben können,
o Mädchen, ohne dich?
Ein Fremdling allen Freuden,
leb ich fortan dem Leiden!
Und du? und du?
Vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich!
Vielleicht auf ewig vergißt sie mich!
Im Wachen und im Traume,
werd ich Luisa nennen;
den Namen zu bekennen,
sei Gottesdienst für mich;
ihn nennen und ihn loben
werd ich vor Gott noch droben.
Und du? und du?
Vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich!
Vielleicht auf ewig vergißt sie mich!
Ich kann sie nicht vergessen,
an allen, allen Enden
verfolgt von ihren Händen
ein Druck der Liebe mich.
Ich zittre, sie zu fassen,
und finde mich verlassen!
Und du? und du?
Vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich!
Vielleicht auf ewig vergißt sie mich!
Ich kann sie nicht vergessen;
dies Herz, von ihr geschnitten,
scheint seufzend mich zu bitten:
"O Freund, gedenk an mich!"
Ach dein will ich gedenken,
bis sie ins Grab mich senken.
Und du? und du?
Vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich!
Vielleicht auf ewig vergißt sie mich!
Vergessen raubt in Stunden,
was Liebe jahrlang spendet.
Wie eine Hand sich wendet,
so wenden Herzen sich.
Wenn neue Huldigungen
mein Bild bei ihr verdrungen,
O Gott! vielleicht auf ewig vergißt Luisa mich.
Ach denk an unser Scheiden!
Dies tränenlose Schweigen,
dies Auf- und Niedersteigen,
des Herzens drücke dich
wie schweres Geist-Erscheinen,
wirst du wen anders meinen,
wirst du mich einst vergessen,
vergessen Gott und dich.
Ach denk an unser Scheiden!
Dies Denkmal, unter Küssen
auf meinen Mund gebissen,
das richte mich und dich!
Dies Denkmal auf dem Munde,
komm ich zur Geisterstunde,
mich warnend anzuzeigen,
vergißt Luisa, Luisa mich,
komm ich mich warnend anzuzeigen,
vergißt Luisa, Luisa mich,
vergißt sie mich!
18. "Als Luise
die Briefe ihres ungetreuen Liebhafters verbrannte"
Text by Gabriele von Baumberg
(1768-1839)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 520
Erzeugt von heißer Phantasie,
In einer schwärmerischen Stunde
Zur Welt gebrachte, geht zu Grunde,
Ihr Kinder der Melancholie!
Ihr danket Flammen euer Sein,
Ich geb' euch nun den Flammen wieder,
Und all' die schwärmerischen Lieder,
Denn ach! er sang nicht mir allein.
Ihr brennet nun, und bald, ihr Lieben,
Ist keine Spur von euch mehr hier.
Doch ach! der Mann, der euch geschrieben,
Brennt lange noch vielleicht in mir.
19.
"Abendempfindung"
Text by Joachim Heinrich Campe
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 523
Abend ist's, die Sonne ist
verschwunden,
Und der Mond strahlt Silberglanz;
So entfliehn des Lebens schönste Stunden,
Fliehn vorüber wie im Tanz.
Bald entflieht des Lebens bunte Szene,
Und der Vorhang rollt herab;
Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne
Fließet schon auf unser Grab.
Bald vielleicht (mir weht, wie Westwind leise,
Eine stille Ahnung zu),
Schließ ich dieses Lebens Pilgerreise,
Fliege in das Land der Ruh.
Werdet ihr dann an meinem Grabe weinen,
Trauernd meine Asche sehn,
Dann, o Freunde, will ich euch erscheinen
Und will himmelauf euch wehn.
Schenk auch du ein Tränchen mir
Und pflückte mir ein Veilchen auf mein Grab,
Und mit deinem seelenvollen Blicke
Sieh dann sanft auf mich herab.
Weih mir eine Träne, und ach!
Schäm dich nur nicht, sie mir zu weihn;
Oh, sie wird in meinem Diademe
Dann die schönste Perle sein!
20. "An
Chloë"
Text by Johann Georg Jacobi (1740-1814)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 524
Wenn die Lieb' aus deinen blauen,
Hellen, offnen Augen sieht,
Und vor Lust hinein zu schauen
Mir's im Herzen klopft und glüht;
Und ich halte dich und küße
Deine Rosenwangen warm,
Liebes Mädchen, und ich schließe
Zitternd dich in meinem Arm,
Mädchen und ich drücke dich
An meinen Busen fest,
Der im letzten Augenblicke
Sterbend nur dich von sich läßt;
Den berauschten Blick umschattet
Eine düstre Wolke mir,
Und ich sitze dann ermattet,
Aber selig neben dir.
21.
"Des kleinen Friedrichs Geburtstag"
Text by Joachim Heinrich Campe
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 529
Es war einmal, ihr Leutchen,
Ein Knäblein jung und zart,
Hieß Friedrich, war daneben
Recht gut von Sinnesart.
War freundlich und bescheiden,
Nicht zärtlich und nicht wild,
War sanft wie kleine Schäfchen,
Und wie ein Täubchen mild.
Drum gab auch Gott Gedeihen,
Das Knäblein wuchs heran,
Und seine Eltern hatten
Recht ihre Freude dran.
Zu Schul' und Gotteshause
Sah man es fleißig geh'n,
Und Jedem, der es grüßte,
gar freundlich Rede steh'n.
Auch war ihm in der Schule
Ein Jeder herzlich gut,
Denn Allen macht es Freude,
Und Allen war es gut.
Einst hieß es:
Brüder, morgen fällt
Sein Geburtstag ein!
Gleich riefen All' und Jede:
Der muß gefeiert sein.
Da war des Wohl behagens
Und jeder Freude viel,
Und wo man sah und hörte,
War Sang und Tanz und Spiel.
Denn Alle, Alle freuten
Des frohen Tages sich,
Und Alle, Alle sangen:
Heil unserm Freiderich!
Und Gott im Himmel oben
Erhörte ihr Gebet.
Sein Segen folgt dem Knaben,
Da wo er geht und steht.
22.
"Das Traumbild"
Text by Ludwig Heinrich Christoph Hölty (1748-1776)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart
See also:
Johann Rudolf Zumsteeg
(1760-1802)
Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Als ich im Garten träumte,
In's Haar den Rosmarin mir wand,
Der um mein Lager keimte?
Wo bist du, Bild, das vor mir stand,
Mir in die Seele blickte,
Und eine warme Mädchenhand
[Mir an die Wangen] drückte?
Nun such' ich dich, mit Harm erfüllt,
Bald bei des Dorfes Linden,
Bald in der Stadt, geliebtes Bild,
Und kann dich nirgends finden.
Nach jedem Fenster blick' ich hin,
Wo nur ein Schleier wehet,
Und habe [meine] Lieblingin
Noch nirgends ausgespähet.
Komm selber, süßes Bild der Nacht,
Komm mit den Engelsmienen,
Und [in] der leichten Schäfertracht,
Worin du mir erschienen!
Bring' mit die schwanenweiße Hand,
Die mir das Herzgestohlen,
Das purpurrote Busenband,
Das Sträußchen von Violen.
Dein großes blaues Augenpaar,
Woraus ein Engel blickte;
Die Stirne, die so freundlich war,
Und guten Abend nickte;
Den Mund, der Liebe Paradies,
Die kleinen Wangengrübchen,
Wo sich der Himmel offen wies:
Bring' alles mit, mein Liebchen!
23.
"Die kleine Spinnerin"
Text by Anonymous
Music by Wolfgang Amadeus Mozart,K. 531
"Was spinnst du?" fragte
Nachbars Fritz,
Als er uns jüngst besuchte.
"Dein Rädchen läuft ja wie der Blitz,
Sag an, wozu dies fruchte;
Komm lieber her in unser Spiel!"
"Herr Fritz, das laß ich bleiben,
Ich kann mir, wenn er's wissen will,
So auch die Zeit vertreiben.
Was hätt' ich auch von euch, ihr Herrn?
Man kennt ja eure Weise,
Ihr neckt und scherzt und dreht euch gern
Mit Mädchen um im Kreise,
Erhitzt ihr Blut, macht ihr Gefühl
In allen Adern rege,
Und treibt, so bunt ihr könnt, das Spiel,
Dann geht ihr eurer Wege!
Schier ist's, als wären in der Welt
Zum Spaße nur die Mädchen.
Drum geht und spaßt, wo's euch gefällt,
Ich lobe mir mein Rädchen.
Geht, eure Weise ist kein nütz!
Wenn ich soll Seide spinnen,
So will ich, merk's er sich!, Herr Fritz,
Nicht Werg dabei gewinnen.
24.
"Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün"
Text by Christian Adolf Overbeck (1775-1821)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 596 (1791), "Sehnsucht nach dem Frühlinge"
See also:
Robert
Alexander Schumann (1810-1856)
Komm, lieber Mai, und mache
Die Bäume wieder grün,
Und laß mir an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder sehn,
Ach, lieber Mai, wie gerne
Einmal spazieren gehn!
Zwar Winterage haben
Wohl auch der Freuden viel;
Man kann im Schnee eins traben
Und treibt manch Abendspiel,
Baut Häuschen von Karten,
Spielt Blindekuh und Pfand;
Auch gibt's wohl Schlittenfahrten
Auf's liebe freie Land.
Doch wenn die Vöglein singen
Und wir dann froh und flink
Auf grünen Rasen springen,
Das ist ein ander Ding!
Jetzt muß mein Steckenpferdchen
Dort in dem Winkel stehn;
Denn draußen in dem Gärtchen
Kann man vor Kot nicht gehn.
Am meisten aber dauert
Mich Lottchens Herzeleid;
Das arme Mädchen lauert
Recht auf die Blumenzeit;
Umsonst hol ich ihr Spielchen
Zum Zeitvertreib herbei,
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
Wie Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn's doch erst gelinder
Und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
Wir bitten dich gar sehr!
O komm und bring vor allen
Uns viele Veilchen mit,
Bring auch viel Nachtigallen
Und schöne Kuckucks mit!
25.
"Im Frühlingsanfang"
Text by Christoph Christian Sturm (1740-1786)
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 597
Erwacht zum neuen Leben
Steht vor mir die Natur,
Und sanfte Lüfte wehen
Durch die verjüngte Flur.
Empor aus seiner Hülle
Drängt sich der junge Halm,
Der Wälder öde Stille
Belebt der Vögel Psalm.
Die Flur im Blumenkleide
Ist, Schöpfer, dein Altar,
Und Opfer reiner Freude
Weiht dir das junge Jahr;
Es bringt die ersten Düfte
Der blauen Veilchen dir,
Und schwebend durch die Lüfte
Lobsingt die Lerche dir.
Ich schau' ihr nach und schwinge
Voll Dank mich auf zu dir,
Dem Schöpfer aller Dinge,
Gesegnet seist du mir!
Weit über sie erhoben,
Kann ich der Fluren Pracht
Empfinden, kann dich loben,
Der du den Lenz gemacht.
O Vater, deine Milde
Fühlt Berg und Tal und Au,
Es grünen die Gefilde,
Beperlt vom Morgentau;
Der Blumenweid' entgegen
Blökt schon die Herd' im Tal,
Und in dem Staube regen
Sich Würmer ohne Zahl.
Glänzt von der blauen Feste
Die Sonn' auf unsre Flur,
So weiht zum Schöpfungsfeste
Sich jede Kreatur,
Und alle Blätter dringen
Aus ihrem Keim hervor,
Und alle Vögel schwingen
Sich aus dem Schlaf empor.
Lobsing' ihm, meine Seele,
Dem Gott, der Freuden schafft!
Lobsing' ihm und erzähle
Die Werke seiner Kraft!
Hier von dem Blütenhügel
Bis zu der Sterne Bahn
Steig' auf der Andacht Flügel
Dein Loblied himmelan!
26.
"Das Kinderspiel"
Text by Christian Adolf Overbeck
Music by Wolfgang Amadeus Mozart,K. 598
Wir Kinder, wir schmecken
Der Freuden recht viel,
Wir schäkern und nekken,
Versteht sich im Spiel;
Wir lärmen und singen
Und rennen rundum,
Und hüpfen und springen
Im Grase herum.
Ei, seht doch, ihr Brüder,
Den Schmetterling da!
Wer wirft ihn uns nieder?
Doch schonet ihn ja!
Dort flattert noch einer,
Der ist wohl sein Freund,
O schlag' ihn ja keiner,
Weil jener sonst weint.
Wird dort nicht gesungen?
Wie herrlich das klingt!
Vortrefflich, ihr Jungen,
die Nachtigall singt.
Dort sitzt sie, dort oben
Im Apfelbaum, dort;
Wir wollen sie loben,
So fährt sie wohl fort.
Laßt Kränzchen uns winden,
Viel Blumen sind hier.
Wer Veilchen wird finden,
Empfängt was dafür.
Ein Mäulchen zur Gabe
Gibt Mutter, wohl zwei.
Juchheisa! Ich habe,
Ich hab' eins, juchhei!
Ach, geht sie schon unter,
Die Sonne, so früh?
Wir sind ja noch munter, Ach, Sonne
verzieh'!
Nun morgen, ihr Brüder,
Schlaft wohl, gute Nacht!
Ja, morgen wird wieder
Gespielt und gelacht.
27.
"Die ihr des unermeßlichen Weltalls"
Text by Franz Heinrich Ziegenhagen
Music by Wolfgang Amadeus Mozart, K. 619 (1791)
Die ihr des unermeßlichen Weltalls
Schöpfer ehrt,
Jehova nennt ihn, oder Gott nennt Fu ihn, oder Brahma, hört!
Hört Worte aus der Posaune des Allherrschers!
Laut tönt durch Erden, Monde, Sonnen ihr ewger Schall,
Hört Menschen, hört, Menschen, sie auch ihr!
Liebt mich in meinen Werken,
Liebt Ordnung, Ebenmaß und Einklang!
Liebt euch, liebt euch, euch selbst und eure Brüder,
Liebt euch selbst und eure Brüder!
Körperkraft und Schönheit sei eure Zier,
Verstandeshelle euer Adel!
Reicht euch der ewgen Freundschaft Bruderhand,
Die nur ein Wahn, nie Wahrheit euch so lang entzog!
Zerbrechet dieses Wahnes Bande,
Zerreißet dieses Vorurteiles Schleier,
Enthüllt euch vom Gewand,
Das Menschheit in Sektiererei verkleidet!
Zu Sicheln schmiedet um das Eisen,
Das Menschen-, das Bruderblut bisher vergoß!
Zersprenget Felsen mit dem schwarzen Staube,
Der mordend Blei ins Bruderherz oft schnellte!
Wähnt nicht, daß wahres Unglück sei auf meiner Erde!
Belehrung ist es nur, die wohltut,
Wenn sie euch zu bessern Taten spornt,
Die Menschen, ihr in Unglück wandelt,
Wenn töricht blind ihr rückwärts in den Stachel schlagt,
Der vorwärts, vorwärts euch antreiben sollte.
Seid weise nur, seid kraftvoll und seid Brüder!
Dann ruht auf euch mein ganzes Wohlgefallen,
Dann netzen Freudenzähren nur die Wangen,
Dann werden eure Klagen Jubeltöne,
Dann schaffet ihr zu Edens Tälern Wüsten,
Dann lachet alles euch in der Natur,
Dann ist's erreicht, des Lebens wahres Glück!
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