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Anton von Webern

(1883-1945)

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The Lieder of Anton von Webern


Lieder – index:

no.1 Bild der Liebe
no.2 Blumengruß
no.3 Gefunden
no.4 Heiter
no.5 Vorfrühling
op. 3.

no. 1. Dies ist ein Lied
no. 2. Im Windesweben
no. 3. An Baches ranft
no. 4. Im Morgentaun
no. 5. Kahl reckt der Baum

op. 4.

no. 1. Eingang
no. 2. Noch zwingt mich treue
no. 3. Ja Heil und Dank dir die den Segen brachte!
no. 4. So ich traurig bin
no. 5. Ihr tratet zu dem Herde

op. 12.

no. 1. Der Tag ist vergangen
no. 2. Die geheimnisvolle Flöte
no. 3. Schien mir's, als ich sah die Sonne
no. 4. Gleich und gleich

op. 13.

no. 1. Wiese im Park
no. 2. Die Einsame
no. 3. In der Fremde
no. 4. Ein Winterabend

op. 14 no. 6. Gesang einer gefangenen Amsel
op. 17. "Volkslieder II"

a) "Armer Sünder, du"
b) "Liebste Jungfrau, wir sind dein"
c) "Heiland, unsre Missetaten"

op. 18. "Volkslieder II"

a) "Schatzerl klein"
b) "Erlösung"
c) "Ave, Regina"

op. 23.

no. 1. Das dunkle Herz
no. 2. Es stürzt aus Höhen Frische
no. 3. Herr Jesus mein

op. 25. Die Freunde

a) Wie bin ich froh!
b) Des Herzens Purpurvogel
c) Sterne, Ihr silbernen Bienen

No.1 "Bild der Liebe"
 
 
Text by Martin Greif (1839-1911). Psuedonym of Friedrich Hermann Frey
Music by Anton Webern, 1904
 
 


Vom Wald umgeben
Ein Blütenbaum -
So lacht ins Leben
Der Liebe Traum,
Ihm nah verbunden
Und fern zugleich,
Bis er entschwunden
Dem Zauberreich.

No.2 "Der Strauß, den ich gepflückt"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Anton Webern, "Blumengruß" (1901-4), from Acht frühe Lieder

See also:

(Karl) Friedrich Curschmann (1805-1841), "Blumengruß", op. 22 (1839?)
Paul Graener (1872-1944), "Blumengruß", op. 94 no. 1, published 1932
Cor (Cornelius Wilhelm) de Groot (b. 1914), "Blumengruß", from 7 Goethe Lieder, 194 ?
Armin Knab (1881-1951), "Blumengruß", from Goethe-Lieder (1924-46)
Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), "Der Strauß" (1809)

Hugo Wolf
(1860-1903), "Blumengruß", from Goethe-lieder no. 24
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), "Willkommen" (1810)
 


Der Strauß, den ich [gepflückt],
Grüße dich viel tausendmal!
Ich [habe] mich oft gebücket,
Ach, wohl eintausendmal,
Und ihn ans Herz gedrücket
Wie hunderttausendmal!

No.3 "Gefunden"
 

Text by Ferdinand Avenarius (1856-1923)
Music by Anton Webern, 1904
 

 
Nun wir uns lieben, rauscht mein stolzes Glück
Hoch ob der Welt,
Was kann uns treffen, wenn uns das Geschick
Beisammen hält?
Und wenn hinab in seine Nacht das Meer
die Erde reißt,
Die Liebe schwebt über den Sternen her
Als Schöpfergeist.

No.4 "Mein Herz ist wie ein See so weit"
 
 
Text by Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)
Music by Anton Webern, "Heiter" (1901-4)

See also:

Carl Orff (1895-1982), "Mein Herz ist wie ein See so weit" (1919)
Kurt Thomas (1904-1973), "Mein Herz ist wie ein See so weit", op. 9 no. 1
 


 
Mein Herz ist wie ein See so weit,
Drin lacht dein [Auge] sonnenlicht
In tiefer süßer Einsamkeit,
Wo leise Well an Well sich bricht.
Ist's Nacht, ist's Tag?
Ich weiß es nicht,
Lacht doch auf mich so lieb und lind
Dein [sonnenlichtes Augenlicht]
Und selig bin ich wie ein Kind.

No.5 "Vorfrühling"
 
 
Text by Ferdinand Avenarius (1856-1923)
Music by Anton Webern, 1899
 

 
Leise tritt auf -
Nicht mehr in tiefem Schlaf,
in leichtem Schlummer nur
Liegt das Land:
Und der Amsel Frühruf
Spielt schon liebliche
Morgenbilder ihm in den Traum.
Leise tritt auf...

Op.3 no. 1 "Dies ist ein Lied"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933), from Der siebente Ring
Music by Anton Webern, op.3 no. 1
 


Dies ist ein Lied
Für dich allein:
Von kindischem Wähnen
Von frommen Tränen...
Durch Morgengärten klingt es
Ein leichtbeschwingtes.
Nur dir allein
Möcht es ein Lied
Das rühre sein.

Op.3 no. 2 "Im Windesweben war meine Frage nur Träumerei"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933), from Der siebente Ring
Music by Anton Webern, "Im Windesweben", op. 3 no. 2

See also:

Egon Joseph Wellesz (1885-1974), "Im Windesweben war meine Frage nur Träumerei" (1917)

 
Im Windesweben war meine Frage nur Träumerei.
Nur Lächeln war was du gegeben.
Aus nasser Nacht ein Glanz entfacht
Nun drängt der Mai,
nun muß ich gar um dein Aug' und Haar
alle Tage in Sehnen leben.

Op.3 no. 3 "An baches ranft die einzigen frühen"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, "An baches ranft", op. 3 no. 3

See also:

Wolfgang Michael Rihm (b. 1952), "Lied", op. 1 no. 9 (1969)

 
An baches ranft
Die einzigen Frühen
Die Hasel blühen.
Ein Vogel pfeift
In kühler Au.
Ein Leuchten streift
Erwärmt uns sanft
Und zuckt und bleicht.
Das Feld ist Brach,
Der Baum noch grau...
Blumen streut vielleicht
Der Lenz uns nach.

Op.3 no. 4 "Im Morgentaun trittst du hervor"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933), from Der siebente Ring
Music by Anton Webern, "Im Morgentaun", op. 3 no. 4 (1908-9)

See also:

Egon Joseph Wellesz (1885-1974), "Im Morgentaun trittst du hervor" (1917)

 
Im Morgentaun trittst du hervor
den Kirschenflor mit mir zu schaun,
Duft einzuziehn des Rasenbeetes.
Fern fliegt der Staub...
Durch die Natur noch nichts gediehn
von Frucht und Laub
Rings Blüte nur - Von Süden weht es.

Op.3 no. 5 "Kahl reckt der Baum im Winterdunst"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933), from Der siebente Ring
Music by Anton Webern, "Kahl reckt der Baum", op. 3 no. 5 (1908-9)

See also:

Egon Joseph Wellesz (1885-1974), "Kahl reckt der Baum im Winterdunst" (1917)

 
Kahl reckt der Baum im Winterdunst sein frierend Leben.
Laß deinen Traum auf stiller Reise vor ihm sich heben!
Er dehnt die Arme
Bedenk ihn oft mit dieser Gunst, daß er im Harme
daß er im Eise noch Frühling hofft!

Op.4 no. 1 "Eingang"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, op. 4 no. 1 (1908-9)
 

 
Welt der Gestalten lang Lebewohl!...
öffne dich Wald voll schlohweißer Stämme!
Oben im Blau nur tragen die Kämme
Laubwerk und Früchte: gold Karneol.
Mitten beginnt beim marmornen Male
langsame Quelle blumige Spiele,
rinnt aus der Wölbung sachte
als fiele Korn um Korn auf silberne Schale
Schauernde Kühle schließt einen Ring,
Dämmer der Frühe wölkt in den Kronen,
ahnendes Schweigen bannt die hier wohnen...
Traumfittich rausche!
Traumharfe kling!

Op.4 no. 2 "Noch zwingt mich treue"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, op. 4 no. 2 (1908-9)
 
 


Noch zwingt mich treue über dich zu wachen
Und deines Duldens Schönheit daß ich weile,
Mein heilig Streben ist mich traurig machen
Damit ich wahrer deine Trauer teile.
Nie wird ein warmer Anruf mich empfangen,
Bis in die späten Stunden unsres Bundes
Muß ich erkennen mit ergebnem Bangen
Das herbe Schicksal winterlichen Fundes.

Op.4 no. 3 "Ja Heil und Dank dir die den Segen brachte!"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, op. 4 no. 3 (1908-9)
 


 
Ja Heil und Dank dir die den Segen brachte!
Du schläfertest das immer laute Pochen mit der
Erwartung deiner Teure
sachte in diesen glanzerfüllten Sterbewochen.
Du kamest und wir halten uns umschlungen,
ich werde sanfte Worte für dich lernen
und ganz als glichest du der Einen Fernen
dich loben auf den Sonnenwanderungen.

Op.4 no. 4 "So ich traurig bin"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, op. 4 no. 4 (1908-9)
 
 


So ich traurig bin
Weiß ich nur ein Ding:
Ich denke mich bei dir
Und singe dir ein Lied.
Fast vernehme ich dann
Deiner Stimme Klang.
Ferne singt sie nach
Und minder wird mein Gram.

Op.4 no. 5 "Ihr tratet zu dem Herde"
 
 
Text by Stefan George (1868-1933)
Music by Anton Webern, op. 4 no. 5 (1908-9)
 
 


Ihr tratet zu dem Herde
wo alle Glut verstarb,
Licht war nur an der Erde
vom Monde leichenfarb.
Ihr tauchet in die Aschen
die bleichen Finger ein
mit Suchen Tasten Haschen
wird es noch einmal Schein!
Seht was mit Trostgeberde
der Mond euch rät:
tretet weg vom Herde,
es ist worden spät.

Op.12 no. 1 "Der Tag ist vergangen"
 
 
Text: Volkslied
Music by Anton Webern, op. 12 no. 1. From "Four Songs by Various Poets"
 


Der Tag ist vergangen,
Die Nacht ist schon hier;
Gute Nacht, o Maria,
Bleib ewig bei mir.
Der Tag ist vergangen,
Die Nacht kommt herzu;
Gib auch den Verstorbnen
Die ewige Ruh.

Op.12 no. 2 "Die geheimnisvolle Flöte"
 
 
Text by Hans Bethge (1876-1946) after Li-Tai-Po (701-762)
Music by Anton Webern, op. 12 no. 2, from "Four Songs by Various Poets"
 


An einem Abend, da die Blumen dufteten
Und alle Blätter an den Bäumen, trug der Wind mir
Das Lied einer entfernten Flöte zu. Da schnitt
Ich einen Weidenzweig vom Strauche, und
Mein Lied flog, Antwort gebend, durch die blühende Nacht.
Seit jenem Abend hören, wann die Erde schläft,
Die Vögel ein Gespräch in ihrer Sprache.

Op.12 no. 3 "Schien mir's, als ich sah die Sonne"
 
 
Text by August Strindberg (1849-1912), from Gespenstersonate
Music by Anton Webern, op. 12 no. 3 (1915)
 


Schien mir's, als ich sah die Sonne,
daß ich schaute den Verborgnen:
jeder Mensch genie\341t die Werke,
selig der das Gute übet.
Für die Zornestat, die du verübtest,
büße nicht mit Bosheit;
tröste den, den du betrübtest,
gütig, und es wird dir frommen.
Der nur fürchtet, der sich hat vergangen:
gut ist schuldlos leben.

Op.12 no. 4 "Gleich und gleich"
 
 
Text by Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Music by Anton Webern, op. 12 no. 4 (1917)

See also:

Robert Franz (1815-1892), op. 22 no. 1. Published 1870?
Hugo Wolf
(1860-1903), from Goethe-Lieder no. 25
Karl Friedrich Zelter (1758-1832), 1819
 


Ein Blumenglöckchen vom Boden hervor
War früh gesprosset in lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen und naschte fein:
Die müssen wohl beide für einander sein.

Op.13 no. 1 "Wiese im Park"
 
 
Text by Karl Kraus (1874-1936)
Music by Anton Webern, op. 13 no. 1
 

 
Wie wird mir zeitlos.
Rückwärts hingebannt weil' ich
 
und stehe fest im Wiesenplan,
in dem grünen Spiegel hier der Schwan.
Und dieses war mein Land
 
Die vielen Glockenblumen!
Horch und schau!
 
Wie lange steht er schon auf diesem Stein,
der Admiral.
Es muß ein Sonntag sein
und alles läutet blau.
 
Nicht weiter will ich.
Eitler Fuß, mach Halt!
Vor diesem Wunder ende deinen Lauf.
Ein toter Tag schlägt seine Augen auf.
und alles bleibt so alt.

Op.13 no. 2 "Die Einsame"
 
 
Text by Hans Bethge (1876-1946), after Wang-Seng-Yu
Music by Anton Webern, op. 13 no. 2
 


 
An dunkelblauem Himmel steht der Mond.
Ich habe meine Lampe ausgelöscht,
schwer von Gedanken ist mein einsam Herz.
Ich weine, weine;
meine armen Tränen rinnen so heiß und bitter von den Wangen,
weil du so fern bist meiner großen Sehnsucht,
weil du es nie begreifen wirst,
wie weh mir ist, wenn ich nicht bei dir bin.

Op.13 no. 3 "In der Fremde"
 
 
Text by Hans Bethge (1876-1946), after Li-Tai-Po (701-762)
Music by Anton Webern, op. 13 no. 3
 
 


In fremdem Lande lag ich.
Weißen Glanz malte der Mond vor meine Lagerstätte.
Ich hob das Haupt,
ich meinte erst, es sei der Reif der Frühe,
was ich schimmern sah,
dann aber wußte ich:
der Mond, der Mond...
und neigte das Gesicht zur Erde hin,
und meine Heimat winkte mir von fern.

Op.13 no. 4 "Ein Winterabend"
 
 
Text by Georg Trakl (1887-1914)
Music by Anton Webern, op. 13 no. 4
 


 
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
lang die Abendglocke läutet.
Vielen ist der Tisch bereitet
und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
golden blüht der Baum der Gnaden
aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
auf dem Tische Brot und Wein.

Op.14 no. 6 "Gesang einer gefangenen Amsel"
 
 
Text by Georg Trakl (1887-1914)
Music by Anton Webern, op. 14 no. 6 (1919)

See also:

Felix Wolfes (1892-1971), 1965
 


Dunkler Odem in grünen Gezweig.
Blaue Blümchen umschweben das Antlitz
Des Einsamen, den goldenen Schritt
Ersterbend unter dem Ölbaum.
Aufflattert mit trunknem Flügel die Nacht.
So leise blutet Demut,
Tau, der langsam tropft vom blühenden Dorn.
Strahlender Arme Erbarmen.
Umfängt ein brechendes Herz.

Op.17 "Volkslieder I"
 
 
Text: Volkslieder
Music by Anton Webern, op.17
 

a) "Armer Sünder, du"
b) "Liebste Jungfrau, wir sind dein"
c) "Heiland, unsre Missetaten"

 

 
a) "Armer Sünder, du"

 
Armer Sünder, du,
Die Erde ist dein Schuh;
Mark und Blut,
Der Himmel ist dein Hut.
Fleisch und Bein
Sollen von dir gesegnet sein,
Du heilige Drefaltigkeit
Von nun an bis in Ewigkeit!
 

b) "Liebste Jungfrau, wir sind dein"

 
Liebste Jungfrau, wir sind dein,
Zeig dich, Mutter stets zu sein,
Schreib uns alle deinem Herzen
Unauslöschlich ein.
Groß ist unsrer Feinde Zahl
Hier in diesem Tränental;
Rette, Mutter, deine Kinder
Vor dem Sündenfall.
 

c) "Heiland, unsre Missetaten"

 
Heiland, unsre Missetaten
Haben dich verkauft, verraten,
Dich gegeißelt, dich gekrönt,
An dem Kreuze dich verhöhnt.
Laß dein Leiden und Beschwerden,
Jesus, uns zu Nutzen werden,
Laß durch deine Todespein,
Herr, uns nicht verloren sein!

Op.18 "Volkslieder II"
 
 
Text: Volkslieder
Music by Anton Webern, op.18
 

a) "Schatzerl klein"
b) "Erlösung"
c) "Ave, Regina"

 
 


a) Schatzerl klein

Schatzerl klein,
Mußt nit traurig sein,
Eh das Jahr vergeht,
Bist du mein.
Eh das Jahr vergeht,
Grünt das Rosmarin,
Sagt der Pfarrer laut:
Nehmt's euch hin.
Grünt der Rosmarin,
Grünt der Myrtenstrauß
Und der Nagerlstock
Blüht im Haus.
 

b) Erlösung

 
Maria:
Mein Kind, sieh an die Brüste mein,
Kein'n Sünder laß verloren sein.
Christus:
Mutter, sieh an die Wunden,
Die ich für dein Sünd trag alle Stunden.
Vater, laß dir die Wunden mein
Ein Opfer für die Sünde sein.
Vater:
Sohn, lieber Sohn mein,
Alles, was du begehrst, das soll sein.
 

c) Ave, Regina

 
Ave, Regina coelorum,
Ave, Domina Angelorum:
Salve radix, salve porta,
Ex qua mundo lux est orta:
Gaude, Virgo gloriosa,
Super omnes speciosa!
Vale, o valde decora,
Et pro nobis Christum exora.

Op.23 no. 1 "Das dunkle Herz"
 
 
Text by Hildegard Jone (1891-??), from Viae Inviae
Music by Anton Webern, op. 23 no. 1 (1934)
 
 


Das dunkle Herz, das in sich lauscht,
erschaut den Frühling nicht nur am Hauch und Duft,
der durch das Leuchten blüht;
es fühlt ihn an dem dunklen Wurzelreich,
das an die Toten rührt:
Was wird, legt sich mit zarten Wurzeln
an das Wartende im Dunkel,
trinkt Kraft und Stille aus der Nacht,
eh' sich's dem Tage senkt,
eh' es als Liebeskelch zum Himmel duftet
und eh' aus ihm zu ihm ein goldnes Flattern Leben trägt:
 
Ich bin nicht mein.
Die Quellen meiner Seele,
sie sprudeln in die Wiesen dessen, der mich liebt,
und machen seine Blumen blühen
und sind sein.
Du bist nicht dein.
Die Flüße deiner Seele,
du Mensch, von mir geliebt,
sie strömen und das Meine,
daß es nicht verdorre.
Wir sind nicht unser,
ich und du und Alle.

Op.23 no. 2 "Es stürzt aus Höhen Frische"
 
 
Text by Hildegard Jone (1891-??), from Viae Inviae
Music by Anton Webern, op. 23 no. 2 (1934)
 


 
Es stürzt aus Höhen Frische, die uns leben macht:
das Herzblut ist die Feuchte uns geliehen,
die Träne ist die Kühle uns gegeben:
sie fließt zum Strom der Gnade wunderbar zurück.
Ach, ich darf sein, wo auch die Sonne ist!
Sie liebt mich ohne Grund,
ich lieb sie ohne Ende.
Wenn wir einander Abend, Abschied scheinen,
den Himmel und die Seele überglüht noch lange Glut.

Op.23 no. 3 "Herr Jesus mein"
 
 
Text by Hildegard Jone (1891-??), from Viae Inviae
Music by Anton Webern, op. 23 no. 3 (1933)
 
 


Herr Jesus mein,
Du trittst mit jedem morgen ins Haus,
in dem die Herzen schlagen,
und legst auf jedes Leid die Gnadenhand.
 
Der Frühling saget mir mit allen Vögeln,
wie viel's zum Freuen gibt.
Es ist so vieles, es ist alles da,
nur keine Wände zwischen uns und Gott.
 
Er rührt uns an mit jedem Wind und Zweige
und neigt sich sanft noch mit den Wiesenblumen
um unsern Schritt das zwingt uns in die Knie.
Und morgen, Atmende, ist wieder Sonne.
Und, ewig Schlafende, auch euch erwartet Tag.

Op.25 "Die Freunde"
 
 
Text by Hildegard Jone (1891-??), from Viae Inviae
Music by Anton Webern, op. 25 (1934)
 

a) Wie bin ich froh!
b) Des Herzens Purpurvogel
c) Sterne, Ihr silbernen Bienen

 


a) Wie bin ich froh!

 
Wie bin ich froh!
noch einmal wird mir alles grün und leuchtet so!
noch überblühn die Blumen mir die Welt!
noch einmal bin ich ganz ins Werden hingestellt
und bin auf Erden.
 

b) Des Herzens Purpurvogel

Des Herzens Purpurvogel fliegt durch die Nacht.
Der Augen Falter, die im Herzen gaukeln,
sind ihm voraus, wenn sie im Tage schaukeln.
Und doch ist er's, der sie ans Ziel gebracht.
Sie ruhen oft,
die bald sich neu erheben zu neuem Flug.
Doch rastet endlich er am Ast des Todes,
müd' und flügelschwer,
dann müssen sie zum letzten Blick verbeben.
 
 

c) Sterne, Ihr silbernen Bienen

Sterne, Ihr silbernen Bienen der Nacht
um die Blume der Liebe!
Wahrlich der Honig aus ihr hängt schimmernd an Euch.
Lasset ihn tropfen ins Herz, in die goldene Wabe,
füllet sie an bis zum Rand.
Ach schon tropfet sie über,
selig und bis ans Ende mit ewiger Süße durchtränkt.